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Ich wäre bei sowas glaub ich einfach erstmal voll irritiert. Und würde wahrscheinlich dann antworten wie ich es schon oft getan hab: "Könnten Sie mir dies bitte schriftlich zukommen lassen? Per Email reicht." Denn spätestens wenn sie sich dabei sträuben weiß man dass sie selbst wissen dass sie nicht recht haben, man hat es einmal schriftlich dokumentieren lassen und kann es im Zweifel entsprechend an Betriebsrat oder ähnlichem weiterleiten.
Kackbratze
31.08.2025, 12:21
Reddit, der goldene Brunnen der Wahrheit im Internet.
Alle Geschichten die da stehen sind garantiert passiert und können jederzeit AUCH DICH treffen.
Hey ihr Lieben!
Nach inzwischen über 3 Jahren Berufserfahrung ist mir vor einigen Tagen mal wieder ein ziemlich großer Fehler in der ZNA unterlaufen, möglicherweise sogar ein Befunderhebungsfehler oder eben ein grob fahrlässiger Fehler.
Ich hoffe natürlich, dass es dem Patienten gut geht, mache mir aber große Vorwürfe.
Im Grunde war es mal wieder ein Tag mit hoher Workload, die Dienste sind immer sehr anstrengend. Letztlich gab es an dem Tag einen jungen Patienten mit Rückenschmerzen, die vor 4 Wochen beim Gewichtheben begonnen hätten, zusätzlich stand im Rahmen der Schmerzen eine mögliche Synkope im Raum, die jedoch auf Nachfrage nicht stattgefunden hatte. Aufgrund der möglichen Synkope war der Patient jedoch in der ZNA internistisch gebucht worden, führendes Problem waren allerdings jederzeit die Rückenschmerzen. Da unsere Abteilung extrem viel zu tun hatte, haben sich freundlicherweise eine PA sowie ein PJler um die Anamnese sowie um die Körperliche Untersuchung gekümmert, die als unauffällig bezeichnet und dokumentiert wurde, es wurde als Lumbago der LWS bezeichnet ohne jegliche neurologische Defizite. Ehrlicherweise war ich dankbar für jede Unterstützung und unsere PAs in der ZNA helfen hauptsächlich den chirurgischen Abteilungen, so dass ich sagen würde, dass sie ohnehin viel versierter als ich sind was Untersuchungen des Bewegungsapparat angehen. Zusätzlich war der Patient schon vor 3 Wochen mit den gleichen Beschwerden bei uns in der ZNA gewesen, wo man ebenfalls eine Lumbago der LWS diagnostiziert hatte nach Anfertigen von Röntgenbildern.
Nach adäquater Analgesie konnte sich der Patient wieder mobilisieren und ich habe noch einmal mit den NCHlern gesprochen, die die initiale Verdachtsdiagnose als wahrscheinlich eingeschätzt haben und den Patienten nach einem kurzen Gespräch zur Analgesie stationär aufnehmen wollten; dies wurde jedoch abgelehnt, er wurde entlassen mit Tilidin/ Naloxon.
Kaum 12 Stunden später kam er jedoch wieder in die ZNA, wieder bei Rückenschmerzen, dieses mal NCH gebucht und die Chirurgin hat einen Pilonidalabszess diagnostizieren können. Mit einer guten körperlichen Untersuchung hätte ich dies mit Sicherheit auch schon am Tag zuvor feststellen können.
Ich hoffe natürlich vor allem, dass es keine großen Schäden für den Patienten bedeutet hat und der Abszess sich gut operativ versorgen ließ. Wer weiß, hätte ich es schon einige Stunden zuvor entdeckt, wäre es vielleicht mit einer kleineren OP auch getan gewesen.
Ich hatte lange nicht mehr solche Schuldgefühle, eigentlich habe ich den Anspruch, immer sehr genau zu arbeiten, aber hier habe ich das Gefühl, einfach extrem schlecht gearbeitet zu haben und einfach noch lange nicht die Erfahrung wie ein Oberarzt oder eine Oberärztin zu haben, um sich auf fremde Befunde zu verlassen. Eine einfache Untersuchung meinerseits hätte leicht die richtige Diagnose hervorgebracht.
Es hat auf jeden Fall gut getan, meine Sorgen hier niederzuschreiben.
Speranza100
02.11.2025, 09:10
Moin Marvino,
ich kann dir nur sagen: es passiert. Immer wieder. Man kann daraus lernen (zB dass man die Inspektion nicht unterschätzt), Schubladendenken versucht zu minimieren usw usf. Aber es wird trotzdem immer wieder passieren, egal wie viel Berufserfahrung. Meine Meinung. Mach dir nicht zu viele Vorwürfe, es ist gut, wenn man sich kritisch hinterfragt und seine Fehler wahrnimmt!
Demut ist ohnehin für meinen Geschmack zu wenig vorhanden in der Medizin. Fehlerkultur auch. Wir sind Menschen und machen Fehler. Das Schubladendenken ist leider genau das, was ich zunehmend befürchte bei Schmalspurausbildungen,einfach weil das Wissen über DIfferentialdiagnostik fehlt und der Blick über den Tellerrand.
Ich drücke die Daumen, dass es dem Patienten bald wieder gut geht und dass du es als Erfahrung verbuchst, die abblasst aber aus der du was mitnimmst.
viele Grüße
Feuerblick
02.11.2025, 11:03
Nimm daraus mit, dass du niemals mehr eine Diagnose stellst aufgrund von Untersuchungen, die du nicht selbst durchgeführt hast. Wenigstens symptombezogen sollte man immer einen eigenen Blick auf den Patienten werfen. Aus Fehlern lernt man…
Das muss man sich leider auch immer wieder klarmachen, es ist deine Aufgabe nach zu untersuchen. Für deine Absicherung und die des Patienten und auch für die Ausbildung von Studenten.
PA sind daher auch aus meiner Sicht in einer ZNA fehl am Platze und eher ein "Sicherheitsrisiko".
Ich hab mal erfolgreich bei einem Korsakow-Patienten mit Erbrechen sonographisch einen Ileus diagnostiziert, der sich im CT bestätigte. Als Ursache zeigte sich eine riesige inkarzerierte Skrotalhernie, die man bei einem einfach Blick in die Hose auch 3 Stunden früher gesehen hätte.
Solche Fehler passieren und man wächst da dran, sei froh, dass es bei einer solchen Bagatelle wie einem Sinus pilonidalis passiert ist, da kann man fast drüber schmunzeln. Nimm daraus mit, dass eine vernünftige körperliche Untersuchung obligat und nicht delegierbar ist, egal wie stressig es ist und wie banal die Beschwerden sind.
Choranaptyxis
02.11.2025, 11:33
Hast du mit PA und PJler/in darüber geredet? Die Diagnose ja nicht so schwer, als dass die beiden es übersehen hätten können. Alternativ wurde ja vermutlich durch die Hose oder gar nicht richtig untersucht und beides sollte ja nicht sein für die Zukunft.
Vielen Dank für eure ehrlichen Worte und dass ihr mich nicht komplett verurteilt.
Demut ist tatsächlich eine Sache, die man sich während seiner Karriere immer wieder vor Augen führen muss. Gerade Schubladendenken ist immer eine Gefahr in stressigen Situationen als auch im medizinischen Alltagstrott.
Ich werde auf jeden Fall aus diesem Fehler lernen und hoffe wie gesagt vor allem, dass durch meine verzögerte Diagnose keine bleibenden Schäden beim Patienten entstanden sind.
Mit PA und PJler habe ich inzwischen auch schon über den Fall gesprochen wie auch mit meiner Abteilung, in der Hoffnung, dass so etwas nicht nochmal passiert. Wobei ich weiß, dass mein Team sehr gut ist und ich nicht glaube, dass jemandem von ihnen so ein ähnlicher Fehler passieren könnte.
Relaxometrie
02.11.2025, 20:28
@Marvino: Ich finde es sehr gut, dass Du den Fall so analysierst und selbstkritisch herangehst. Alles andere wurde schon gesagt, so dass ich mich kurz halte.
Was mir noch in den Sinn gekommen ist: es ist aber auch vom Patienten etwas merkwürdig, Rückenschmerzen anzugeben, wenn er einen Sinus Pilonidalis hat. Die Patienten, die ich mit Sinus Pilonidalis gesehen habe (Allgemeinmedizin....waren bisher nicht soooo viele), haben direkt gesagt dass es "da" (haben dann in Richtung Steißbein gezeigt) wehtut und ich mal gucken solle.
Hey, Welcome back, wir sind aus der gleichen Kohorte, erinnere mich noch an dich ausm PJ und / oder M2 Thread.
(…) und einfach noch lange nicht die Erfahrung wie ein Oberarzt oder eine Oberärztin zu haben, um sich auf fremde Befunde zu verlassen.Neben der allgemeinen klinischen Erfahrung kommt sicherlich auch die spezielle OÄ Erfahrung. Z. B. die richtigen Fragen zu stellen, um herauszufinden, ob die ÄiW (oder meinetwegen auch PAs und PJs) direkt am Anfang falsch aufn Holzweg abgebogen sind. Find jetzt schon nh ziemlicher Twist von Lumbago zu Pilonidalabszess.
Mit PA und PJler habe ich inzwischen auch schon über den Fall gesprochen wie auch mit meiner Abteilung, in der Hoffnung, dass so etwas nicht nochmal passiert.Hast du beim Gespräch mit der Abteilung Rückmeldung erhalten, wie man PAs (und PJs) entsprechend ihrer Ausbildung supervidieren kann?
Was mir noch in den Sinn gekommen ist: es ist aber auch vom Patienten etwas merkwürdig, Rückenschmerzen anzugeben, wenn er einen Sinus Pilonidalis hat. Die Patienten, die ich mit Sinus Pilonidalis gesehen habe (Allgemeinmedizin....waren bisher nicht soooo viele), haben direkt gesagt dass es "da" (haben dann in Richtung Steißbein gezeigt) wehtut und ich mal gucken solle.
Hab dasselbe gedacht. Ein (junger, kompetenter) Patient, der in die ZNA kommt, hat auch ein bisschen selbst die Verantwortung, den Grund für sein Kommen mitzuteilen. Wenn er uns komplett auf die falsche Fährte führt, können wir das halt auch nur begrenzt geradebiegen. Wir können auch nur mit dem arbeiten, das uns gegeben wird.
Trotzdem richtiges und notwendiges Learning, dass man sich nicht komplett auf die Untersuchung durch Andere verlässt. Wenigstens einmal kurz selbst mit dem Patienten reden und draufgucken.
Auch das haben mir meine Kollegen und Kolleginnen gespiegelt, dass der Fall auch eine diffuse Komponente hat. Eine gewisse Sprachbarriere sowie Zeitstress in der ZNA haben das wohl noch verstärkt.
Und ihr habt völlig recht, selbst nochmal mit dem Patienten zu sprechen und ihn anzuschauen ist obligat, das habe ich auch in diesem Fall getan, nur eben nicht mit der notwendigen Sorgfalt, weil ich schon zu sehr im Schubladendenken gefangen war.
@ Dooly: Schön, mal wieder von dir zu hören. Da ich heute selbst operiert wurde und extrem langsam mit links tippe, melde ich mich die Tage nochmal ausführlicher bei dir 😊
Ein (junger, kompetenter) Patient, der in die ZNA kommt, hat auch ein bisschen selbst die Verantwortung, den Grund für sein Kommen mitzuteilen. Wenn er uns komplett auf die falsche Fährte führt, können wir das halt auch nur begrenzt geradebiegen.
Patienten jung UND kompetent?
Hast du dir den Fall mal durchgelesen? Der Patient ist mindestens 3mal in eine Notaufnahme gekommen wegen den gleichen oder ähnlichen Beschwerden. Nix Hausarzt. Sorry, aber das hat nix mit kompetent zu tun. Wer keine Ahnung vom Gesundheitssystem hat geht bei sämtlichen Beschwerden immer erstmal in die Notaufnahme und wird dort meist primär von Nicht-Fachärzten gesehen. Also Leute die eine Spezialisierung gewählt haben, diese aber noch nicht erreicht haben. Statt zu einem Hausarzt zu gehen der ein Generalist ist und in diesem Bereich dann auch Facharzt meist mit vielen Jahren Erfahrung. Und Medikamente verschreiben kann. Und wieder einbestellen kann usw.
Und dass ein medizinisch inkompetenter Mensch Unsinn von sich gibt sollte klar sein. Nicht nur dass wir in der Klinik regelmäßig medizinisch nicht vorgebildete Patienten haben. Es kommen auch teils Sprachbarrieren, Kulturbarrieren, Schamgefühle, zerebrale Minderdurchblutungen, Substanzmissbräuche usw. dazu.
Es ist daher ganz klar die Aufgabe des Arztes sich nicht auf die falsche Fährte führen zu lassen.
nur eben nicht mit der notwendigen Sorgfalt, weil ich schon zu sehr im Schubladendenken gefangen war.
Und auch das ist "normal", vor allem in den ersten Jahren. Hatte ich auch. Hat mir auch mal ein Oberarzt widergespiegelt als ich neu in der Notaufnahme begonnen hatte. Der hatte zu mir gemeint dass ich mich meist früh auf eine Diagnose festgelegt hätte und dann lauter Befunde gesucht hätte die zur Diagnose passen quasi als Bestätigung statt unvoreingenommen an den Fall zu gehen. Ich glaub zu hundertprozent wird man das auch nicht verlieren. Man sollte sich dessen aber bewusst sein und sich bemühen unvoreingenommen an die Sache heranzugehen.
Oh je dann erst einmal eine gute Erholung.
Hi ihr Lieben, ich werde mich demnächst neu bewerben müssen, da meine Klinik klein ist und demnach keine volle Weiterbildungsermächtigung hat. Ich möchte den FA in Ortho/UCH machen. Mich würden mal ein paar Erfahrungsberichte interessieren, in Bezug auf allgemeine Strukturen in grösseren Häusern. Z.b. wie viele Patienten hat man alleine auf Station zu betreuen? Oder ist man alleine oder zu zweit/dritt? Gibt es bei euch feste Rotationen (OP/Ambulanz/Station/usw.) Sind Überstunden täglich, oder Ausnahme? Wie oft kommt man in OP, was darf man im OP machen usw.,ab wann „darf“ man den OP überhaupt von Innen sehen 😅
Eigentlich bin ich super glücklich, da wo ich gerade bin, aber hilft ja nix, muss ja irgendwie vorwärts gehen 🙈
Danke schon mal im Vorraus!
lailasara
08.09.2026, 08:20
Hallo zusammen,
gibt es hier jemanden, der an der Universitätsklinik Frankfurt (Abteilung Kardiologie) oder am Klinikum Darmstadt arbeitet?
Ich habe eine Kollegin im 4. Jahr ihrer Weiterbildung, die sich in der Kardiologie am Universitätsklinikum Frankfurt bewerben möchte. Sie würde gerne wissen:
Wie ist die Arbeitssituation dort (insbesondere Schichtdienste)?
Wie sind die Weiterbildungsmöglichkeiten? Hat man realistische Chancen, die erforderlichen Funktionen zu erlernen (Echo, TEE, Schrittmacher-Abfragen und natürlich Herzkatheterlabor)?
Wie arbeiten die Assistenzärzte dort?
Aktuell ist sie in einem kleinen Krankenhaus tätig, wo sie fast ausschließlich auf der Station eingesetzt wird und kaum Möglichkeiten hat, die kardiologischen Funktionen zu erlernen.
Über jegliche Rückmeldung wäre sie sehr dankbar!
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