Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie seht Ihr Eure Zukunft als Arzt.
Doktor_No
17.01.2006, 13:14
@suchmeister: da sich mir und meinen kollegen diese frage nicht stellt, haben wir sie auch noch nie thematisiert.
das einzige argument das jemanden zur arbeit in diesen gegenden bewegen kann wenn er/sie dort eben einfach nicht hin möchte ist imho geld. für eine gewisse zeit kann man sich ja mit allem arrangieren. stünde ich vor der wahl den rest meines berufslebens in solchen gebieten zu arbeiten würde ich eben auch sehr stark an die finanziellen aspekte denken, es gibt für mich jedenfalls keine anderen reize die mich in so ein areal ziehen könnten. dass es in berlin, hamburg oder münchen arbeitslose ärzte gibt wundert mich nicht, kann man doch dort auch mit anderen jobs ein vergleichbares einkommen erzielen und bei ungleich angenehmeren lebensumständen auf bessere zeiten warten, wenn die denn kommen...
Ich möchte nicht, auch nicht für 8.000 netto, in die ostdeutsche Pampa. Irgendwo muß ich mich ja außerhalb meiner Arbeitszeit herumtreiben und meine Kinder sollen nicht unter rechten Jugendlichen aufwachsen.
Doktor_No
17.01.2006, 14:24
also in die westdeutsche pampa möchte ich auch nicht, tief in die pfalz oder so... oder vogelsberg... umgeben von strumen und inzest...
LOL, womit wir wieder beim Thread "Wo seht Ihr Euch in 10 Jahren..." wären...
Aber nachdem ich im Augenblick recht überzeugt davon bin, daß ich Anästhesist werde, schliest sich ein Niederlassung eh fast aus. Meine Karriereambitionen gehen nicht über eine OA-Stelle in einem Regelversorgungshaus hinaus.
suchmeister
18.01.2006, 00:54
@gomer:
Naja, da muß ich meine Heimat mal verteidigen (nachdem ich sie vorher mies gemacht habe) die ostdeutsche Pampa ist sooo schlecht auch nicht, wir werden bald das Kanada Europas: Wunderschöne Seen, Wälder, menschenleere Gebiete und hier und da ein paar Ureinwohner... in der Lausitz gibt es sogar schon wieder Wölfe.
Aber immerhin Berlin um die Ecke und für 8000 Netto und guten Beziehungen zum einem ländlichen Bauamt, kriegste vielleicht auch ein Seegrundstück.
Zur Gefährdung der Kinder:
Die gibt es überall, Drogen in der Großstadt oder Nazis auf'm Dorf.
Aber interessant, daß so wenig Ideen kommen.
Naja, die Politik wollte bisher Österreicher anwerben oder eine Schwester statt eines Hausarztes etablieren. Mal sehen.
Doktor_No
18.01.2006, 08:12
eben, es ist deine heimat, da sieht man vieles etwas anders. ich komme aus der norddeutschen provinz, zwar möchte ich dort auch nicht arbeiten, aber im notfall könnte man es als local dort aushalten. dass die landschaft in der uckermark und anderswo im osten sehr schön ist steht ausser frage, kann man dann ja optimal urlaub machen! wäre ich unterwegs zum geriatrie-spezialisten könnte eine arbeitsstelle bei euch natürlich reizvoll sein ;-) zum thema wenige ideen: was erwartest du denn? es gibt einfach ne menge klinische stellen deutschlandweit momentan, von einigen "hot spots" und engen fächern einmal abgesehen, und auch im westen ist es für viele niedergelassene schwer nachwuchs zu rekrutieren. leipzig, dresden, halle etc. ziehen doch auch wessis an, eine generelle ostabneigung stelle ich einfach mal in abrede, nur wer soll denn begeistert HIER rufen wenn die bedingungen einfach miserabel sind?!
suchmeister
18.01.2006, 08:35
@doktor no:
Ich habe ja nicht gesagt, daß jemand HIER rufen soll, im Gegenteil, nach 6 Jahren Studium und 5 Jahren Minimum-Rödelei im KHK ist es legitim, sich umzuschauen und etwas bessere zu suchen, keine Frage.
Daher wollte ich ja wissen, was denn erwartet wird, um doch in die Provinz zu gehen (ob nun westdeutsch oder ostdeutsch)
Also England versus Pommern, was muss Pommern bieten.
Die richtigen Bedingungen - ja welche?
Mehr Geld, kleinere Gebiete?
Ich brings mal auf den Punkt, was für mich gilt: Ich komme vom Bodensee, finds dort wunderschön und möchte dort meinen Lebensabend verbringen, egal ob auf deutscher oder schweizer Seite. Wie gesagt, für mich kommt eine Niederlassung quasi nicht in Frage, nicht nur wegen Fachrichtung. Meine Mutter ist niedergelassen und kotzt nur ab, wenn die nicht pro Jahr 1 1/2 Monate Urlaub machen würde, wär sie schon längst selbst in der Klapse. Die Bürokratie ist eine wahnsinnige Belastung.
Doktor_No
18.01.2006, 14:26
dann mal ein paar ideen: im klinikbereich (und nicht nur pommern): strukturierte ausbildung, weiterbildung, einigermassen geregelte arbeitszeiten, bezahlte überstunden, abnhame der verwaltungsarbeiten soweit möglich (warum muss ich eigentlich kodieren? ein gelernter profi kann damit 2 stationen finanziell retten!), hilfe bei wohnungssuche, eventuell die möglichkeit zur kinderbetreuung (krippe/hort im krankenhaus) wenn beide eltern arbeiten, möglichkeit zur gutachterlichen tätigkeit, rotation zur verbesserung von fachfremden skills (stichwort chirurgen und intubation/zvk/grosslumige zugänge oder anästhesisten und eine gute naht...).
im niedergelassenen bereich: weniger gängelei, mehr freiheit (soll ja ein freier beruf sein), punktwerte die nicht erst später festgelegt werden, merh planungssicherheit.
alles dinge die aber ganz deutschland brauchen könnte...
Falls Ihr das grad lest, schaut doch mal grad bei den ZDF Reportern rein, Thema: Hausärzte in Brandenburg!
Thomas24
19.01.2006, 18:34
Falls Ihr das grad lest, schaut doch mal grad bei den ZDF Reportern rein, Thema: Hausärzte in Brandenburg!
Hab den Bericht gesehen...
Also eins glaube ich dem Kollegen sofort: das er den Menschen an sich mit seinen kleinen und großen Sorgen/ Nöten und Macken *liebt* (wie er es so schön schmalzig im Bericht sagte...).
Aber als er sagte, das er ein med. Pflichtjahr für jeden in der Pampa befürworten würde- schließlich sei er selbst auch auf diese Weise vor 35 Jahren in Klein Malchnow hängengeblieben- da war es mit meiner Sympathie dann wieder vorbei :-keks
Sowas hätte ich von einem Magnus von Stackelberg erwartet, aber nicht von einem Kollegen. Vielleicht hat er nicht realisiert, das wir in einer Demokratie leben- und nicht unter der Knute einer sozialistischen Diktatur...
Pflichtjahr *Pfth !*... :-???
Ansonsten hat mir der Beitrag gut gefallen, bin aber der Auffassung, das der landärztliche "gute Onkel Doktor", der 24/7 seiner weit verstreuten Patientenschar zur Verfügung steht, zu einer schwindenden Gattung angehört. Das hat der Protagonist ja auch selbst gesagt: Er habe Zweifel, für seine Praxis mal einen Nachfolger finden zu können, wenn er aus Altersgründen ausscheiden werde. Kenne persönlich niemanden, und habe auch nie mit jemandem sprechen dürfen, der sich selbst von so einen Lebensstil wie in dem TV Bericht gezeigt wurde, angezogen gefühlt hätte.
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