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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium - aus Leidenschaft oder Prestige??



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mezzomixi
15.03.2006, 22:19
Ich finde es ist absolut nichts falsch daran, wenn man den Beruf des Arztes gut findet, weil es eben ein gewisses Maß an Anerkennung mit sich bringt. Jeder würde sich belügen, wenn er sagen würde das ist ihm komplett egal. (Ich wage das jetzt einfach mal so pauschal zu behaupten.) Es darf nur nicht die einzige Motivation sein.

Mir z.B. liegt viel daran, dass ich später mal einen Beruf habe bei dem nicht jeder denkt "Oh Gott was ist DAS denn für ein Beruf" aber solange das nicht meine einzige Motivation ist, finde ich das eher förderlich als schlecht.
Nur weil man sich nicht komplett erniedrigen lassen will und kostenlos 24 Stunden Schichten schieben will - so klingen nämlich manche Leute hier im Forum - heißt das noch lange nicht, dass man nicht gut mit Menschen umgehen kann und seinen Beruf nicht mit Freude und auch gut ausüben kann.

Ein paar hier übertreiben meiner Meinung nach ganz schön und das finde ich schade.

Naja, jedem Tierchen.. :-))

abi2005
16.03.2006, 04:28
gelöscht....

Möchtegern_sophia
16.03.2006, 06:25
Wieso kann man hier eigentlich nie was objektiv diskutieren?

Sagt ja auch keiner, dass man den gedanken nicht haben darf- wurde doch jetzt von allen mehrmals gesagt es sollte nicht der Hauptgrund sein.
Und ja jeder der die Note hat, hat selbstverständlich das recht auf seinen medizinstudienplatz und keiner nimmt ihm den wieder weg...

Alle zufrieden jetzt?

Hellequin
16.03.2006, 08:04
desweiteren möchte ich einen beruf haben der weitestgehend unabhängug von politischen systemen ist.das ist eine meiner hauptmotivationen.
Und wieso ist Medizin unabhängig von politischen Systemen? Hier in Dtl. gibt es kaum einen anderen Beruf der so stark durch die Politik reglementiert wird, wie Medizin.;-)

Loish
16.03.2006, 09:41
dreierei nervt mich an solchen themen, wie dem hier.

a) dass leute den anderen ihre motive an der nasenspitze ansehen können. (ich kenne so-und-so-viel, die studieren nur deswegen). bodenlose arroganz zum ersten.

b) dass leute sich moralisch über andere höher stellen. bodenlose arroganz zum zweiten

c) und da kann nicht wirklich wer hier was dafür, dieser blöde sonderstatus von medizin. es fragt ja keiner nen informatiker oder nen quantenphysiker: "studierst dus aus interesse oder weil du der menschheit beweisen willst wie schlau du bist??".... nein werden viele schreien, ist doch klaaaaar, medizin ist ja auch was besonderes weil A, weil B, weil C...
und dieses *besondere* an medizin geht mir so auf den wecker. wenn man nem nicht-studenten sagt, ich studier mathe, dann sagt der ok. wenn man sagt: ich studier medizin, dann kommt gleich "uuuuuh" und promt ist da diese mauer zwischen einem. nervig!

wie also soll man so ein thema sonst diskutieren, außer ironisch?

DeKl
16.03.2006, 09:50
ich gebe dir ein allen drei punkten recht. bei punkt eins und zwei gibts sogar noch einen extra bonus recht, aber bei punkt 3 muss man den zusatz anführen, wo wir hier sind. es ist ein medizinerforum. du hast auf jedenfall recht was diesen sonderstatus angeht, aber hier eigentlich nicht. und es gibt auch mathematiker, die sich intern darüber unterhalten, warum sie mathe studieren. und was die ironie angeht, gebe ich dir auch recht, ich finde alles sollte so diskutiert werden ;-)

mezzomixi
16.03.2006, 10:26
und dieses *besondere* an medizin geht mir so auf den wecker. wenn man nem nicht-studenten sagt, ich studier mathe, dann sagt der ok. wenn man sagt: ich studier medizin, dann kommt gleich "uuuuuh" und promt ist da diese mauer zwischen einem. nervig!


Genau das ist es, was mich am allermeisten an meinem Studienfach nervt!
"uuuuh" hast Du genau richtig zitiert :-)) Ich hasse es!

abi2005
16.03.2006, 12:47
@hellquin:habe mich heute morgen etwas ungeschickt ausgedrückt,kam grad aus der disco und so...
daher hab ich es wieder gelöscht...was ich eigentlich meinte ist,dass es egal sein kann in welchem system man gerade lebt,man hat einen beruf der nie falsch sein kann.(vor gott,sofern man daran glaubt)
vielleicht kann man sagen mit mehr geld zu verfügung würde die behandlung besser sein,also dass man in dem bereich abhängig von politik usw.ist,aber behandlung ist immer besser als nicht zu behandeln...zumindest im bereich der zahnmedizin.bei medizin wird das thema wesentlich heikeler...

alocider
16.03.2006, 19:03
@Lioness: Vor der intellektuellen Leistung eines Quantenphysikers habe ich deutlich mehr Achtung als vor der memoratorischen Leistung eines Medizinstudenten!!! Ich glaube, was der springende Punkt bei der Sache mit der Mauer ist, dass es darum geht, dass einer von beiden (Medi und Physgänger) schonmal nen Thorax aufgesäbelt hat und das schlagende Herz eines Menschen berühren konnte, inklusive der Option es abzustellen. (*überspitzt formuliert*) :-))

Loish
16.03.2006, 19:21
aloc:
ich glaub es geht in dem moment, wo "uuuuuuh" geäußert wird, weder um intellektuelle achtung noch um die sache mit den menschenleben (so weit denken die "uuuh"-sager oft gar nicht), sondern um distanz.
und diese distanz entsteht aus eben diesem (hier angeführten) "sozialprestige" oder "sonderstatus", oder wie man das auch nennen mag.
es ist als gäbe es eine welt: wir und eine welt: die.
und wenn ich sage, ich studiere medizin, dann gehöre ich augenblicklich zu "die". als mathestudent hat man vielleicht noch ne chance zu "wir" zu gehören.
(und ich sag dir, ich würde oft gern darauf verzichten und was "normales" studieren.... oder in der "ausbildung zum arzt" sein oder so.)

ob die intellektuelle achtung oder die macht über menschenleben mehr zu diesem distanzschaffenden sozialprestige beigetragen haben, das wäre die nächste frage, ja.
aber das ist eine historische fragestellung, nicht?...

DeKl
16.03.2006, 20:33
"die macht über menschenleben" *lacht* nehmt ihr euch vielleicht ein wenig zu wichtig?

Loish
16.03.2006, 20:37
he.... er wars *zeigt mitm finger* er...
er hat den mist mit dem herz und dem stillstand gesagt.
ich habs nur kommentiert. :-peng

^^

alocider
16.03.2006, 23:27
@Anima: Zu wem gehst du, wenn du an Leukämie erkrankt bist? Zu wem gehst du, wenn du Brustkrebs hast? Oder auch nur ne Bronchitis? Von wem wird erwartet, dass er oder sie alles wieder heile macht? Wer ist dann die Hoffnung? Nicht mein Mathelehrer, Anwalt (manchmal ja..) oder Bäcker.
Jetzt mal ohne Ironie: Ich glaube schon, dass die Erfurcht vor dem Medizinmann noch groß ist in unserer Gesellschaft. Sie schwindet langsam mit der neuen Mündigkeit und Aufgeklärtheit der Patienten, was ich gut finde, und wandelt sich hin zur Betrachtung der realen Arbeitsumstände dieser, was ich noch besser finde!
Und wenn du es nicht wichtig findest in manchen Momenten so viel in der Hand zu haben und Entscheidungen treffen zu müssen (und ja ich darf das auch als 2. Semester sagen) dann bist du vielleicht nicht für den Job geeignet.

Lifendhil
16.03.2006, 23:42
...dann bist du vielleicht nicht für den Job geeignet.

Achja... eigentlich dürfte doch keiner von uns Medizin studieren. Irgendeinen "Fehler", den ein perfekter Arzt (fragt man sich obs den gibt und ob er dann noch nen guter arzt wäre...*im Kreis dreh*) angeblich nicht aufweisen dürfte, hat bestimmt jeder hier.
Nur leider liest man obigen Satz hier ständig... es nervt.

Leisure Suit Alex
17.03.2006, 05:54
"die macht über menschenleben" *lacht* nehmt ihr euch vielleicht ein wenig zu wichtig?


Zitat: Die Kunst eines Arztes besteht darin, den Patienten so lange bei Laune zu halten, bis wie Natur seine Krankheit geheilt hat ;-)

Gruber
17.03.2006, 07:23
Die Kunst der Ärzte besteht darin, den Patienten so lange abzuzocken, bis die Natur ihn heilt.

DeKl
17.03.2006, 08:13
ja, ambrose bierce hat da auch mal sowas geschrieben. naja :-)

und so weit weg von der realität ist das ja auch gar nicht. natürlich gehe ich zum arzt, wenn ich krank bin , ich gehe ja auch zum bäcker, wenn ich brötchen will. es ist ein beruf wie jeder andere. nur bist du in meinen augen nicht "herr über menschenleben". du machst ganz einfach deinen job. mal klappts, mal klappts nicht. an den meisten sachen kannst du ohnehin nichts ändern, die reguliert die natur, du kannst ein klein wenig einfluß nehmen und ob das sinn hat, diskutieren wir mal an anderer stelle. und wenn du mal jemandem "das leben gerettet" hast, dann ist das ein schönes gefühl, aber ein bäcker backt auch mal ein schönes brötchen. deswegen bist du für mich nicht der typ, der die menschenleben in seinen händen hält. du bist einfach der bäcker.

Gruber
17.03.2006, 08:42
Applaus ! Arztsein ist genauso "Job" wie Studium. Menschen neigen aber dazu, Mythen mehr zu glauben als dem knatschigen Realismus.

Und sich selbst und den eigenen Job über Mythenkreation zu "erhöhen".

Daß es einen NC gibt, hat mit dem "Mythos" Arzt genausoviel zu tun wie mit dem "Mythos" guter Verdienst ( irgendwann später....), beides schlicht Schrott.

Aber hilfreich als quasireligiöser Treibsatz für unglaubliche, oftmals sinnlose Entbehrungen. :-))

Zero
17.03.2006, 08:59
Ich will mich nicht groß einmischen...aber beim überfliegen des Textes kann einem schon die Hutschnalle hochgehen...

Diskussionen über die Beweggründe zum Studium schön und gut, aber ich denke man sollte da mit seinen Meinungsäusserungen ein wenig zurückhaltender agieren. Sollen doch alle studieren, weshalb sie auch immer Bock drauf haben...

Allerdings find ich es nicht gut, wenn Meinungen anderer Leute durch den Dreck gezogen werden bzw. wenn sich drüber lustig gemacht wird. Das zeugt nicht gerade von Toleranz und Akzeptanz.

Wenn hier jemand der Meinung ist, daß er das Leben eines Menschen in den Händen hat, dann lasst ihn doch...und ehrlich gesagt gibts da gar keinen Grund sich drüber lustig zu machen - in vielen Fällen ist es doch auch so...

Okay "Herr über Menschenleben" ist vielleicht ziemlich ungünstig ausgedrückt - schliesslich hat kein Arzt die Lizenz zum Töten oder so. Dennoch gibt es keinen anderen Beruf, der derartig in das Leben eines Menschen eingreift. Allein einem Patienten eine infauste Prognose kundzutun ist doch schon ein sehr einschneidender Eingriff in das Menschenleben...Oder auch diverse notfallmedizinische Interventionen können gravierende Unterschiede in der Qualität eines "Menschenlebens" verursachen...ich würde die Aussage also nicht als so lächerlich darstellen, wie es hier das ein oder andere mal gemacht wurde...

Und sicher mag der Beruf des Mediziners ein Beruf wie jeder andere sein, allerdings ist es schon ganz schön absurd Menschen mit Brötchen zu vergleichen...und die Aussage "mal klappts, mal klappts nicht" finde ich auch sehr gewagt...in der Medizin hat es zu klappen - sonst hat man ein Problem...mindestens in operativen Fachgebieten...weil da hängt oft genug doch Leben bzw. Lebensqualität dran...und damit würde ich nicht so leichtfertig umgehen, wie mit Brötchen...

Aber im Endeffekt hat Anima ein wenig Recht - vom Gefühl her ist es nix anderes...ob sich nun ein Arzt über ein gerettetes Menschenleben freut, oder ein Bäcker über Brötchen...

Gruber
17.03.2006, 09:16
Und dann auch noch die Nummer mit dem "Menschenleben"....historisch betrachtet waren Tötungsdelikte lange Zeit z.T. mit geringerem Strafmaß belegt als z.B. Eigentumsdelikte.

Unser Strafrecht ist hier sehr rigoros (das Schadensersatzrecht übrigens auch), aber nicht, weil der Souverän so human ist, sondern aus bevölkerungspolitischen Gründen.

Man braucht "Untertanen" und Arbeitskräfte, daher ist Tötung bzw. (schwere) körperliche Beschädigung und damit potentieller Arbeitsausfall rigoros zu ahnden.

Wenigstens theoretisch.

Das hat nichts mit persönlicher Moral zu tun, die ist jedem selbst überlassen, aber wenn denn das Ärztliche Verhältnis zum Menschenleben gar so wichtig wäre, warum läßt man Ärzte dann unter unwürdigen Umständen diese Menschenleben nicht "retten" ? Warum delegiert man Kalte Rationierungen auf die Ärztliche Ebene, wo Ärzte nicht im geringsten mehr Maximalversorgung betreiben können ? Warum ist das Gesundheitswesen in weiten Teilen privatwirtschaftlich auf Gewinn getrimmt ?

Die Realität sieht anders aus: Man ist als Arzt auch nicht allein verantwortlich (Pflegepersonal.....!) im Klinik-, Praxissetting, kann garnicht alleine Intensivmedizin, Wiederbelebung oder aber auch eine Koronarangio betreiben (sieht man jetzt am ver.di Streik) und wird doch rechtlich, weil`s halt am einfachsten ist, mit der rechtlichen Verantwortung belastet.

Wenn Menschenleben wirklich so wichtig wären, wäre unsere Ausbildung nicht so grottenschlecht und realitätsfern. :-(