Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schulempfehlung: Vorfahrt für den Chefarztsohn
Hoppla-Daisy
19.06.2006, 13:22
Ich bin ja mal gespannt. Beim Töchterlein steht der Schulwechsel sprich die Empfehlung ja auch bald an. Nun brauche ich mir bei ihr keine Gedanken zu machen, ob sie nun eine für's Gymnasium bekommt oder nicht. Aber bei einigen Kindern (und Freundinnen) in ihrer Klasse bin ich wirklich auf die Begründungen der Lehrerin für die jeweilige Empfehlung schon ziemlich gespannt. Das gibt noch Zoff, zumal die ja nun für die Schulen schon sehr verbindlich sind. Da spielen doch leider häufig auch persönliche Differenzen mit rein :-meinung, sei es nun auf der Eltern/Lehrer-Seite oder auf der Schüler/Lehrer-Seite. Und sowas ist einfach nur Schei§§e
Ich bin ja mal gespannt. Beim Töchterlein steht der Schulwechsel sprich die Empfehlung ja auch bald an. Nun brauche ich mir bei ihr keine Gedanken zu machen, ob sie nun eine für's Gymnasium bekommt oder nicht. Aber bei einigen Kindern (und Freundinnen) in ihrer Klasse bin ich wirklich auf die Begründungen der Lehrerin für die jeweilige Empfehlung schon ziemlich gespannt. Das gibt noch Zoff, zumal die ja nun für die Schulen schon sehr verbindlich sind. Da spielen doch leider häufig auch persönliche Differenzen mit rein :-meinung, sei es nun auf der Eltern/Lehrer-Seite oder auf der Schüler/Lehrer-Seite. Und sowas ist einfach nur Schei§§e
Yo, zu Differenzen gehören aber auch immer Zwei. Man will ja nicht pure Leistung sondern Integrationsfähigkeit (Leistung + Angepasstheit) benoten... Deeskalation ist sogesehen auch Sozialkompetenz.
Lehrer sind ja auch nur Menschen und vorverurteilen niemanden zu Beginn, aber wenn Eltern oder Kind negativ auffallen, hat man sie schon eher auf dem Kieker. Das ist normal und menschlich. Im Arbeitsleben wird sich das später auch nicht ändern ("Keine Chance für einen 2. Eindruck")...
Fazit: Auf der Hut :-)
Hoppla-Daisy
19.06.2006, 13:56
Das ist nur teilweise richtig, Logo.
Manche Kinder haben von vornherein keine Chance! Und wenn die Lehrerin mitunter seeeehr cholerisch ist (und völlig irrational handelt), so ist es schwer zu verstehen für ein Kind, wie es sich denn nun richtig verhält, wenn die Lehrkraft so unberechenbar ist. Ich denke, da verlangst du jetzt zuviel von einem Kind, wenn du sagst, dass es das gar nicht früh genug lernen kann, dass Differenzen auch das spätere Leben prägen werden.
Klar, es gibt Ausreißer - auch bei Lehrern. Die sind problematisch - keine Frage. Aber in der Konferenz äußern sich alle Lehrer zu dem Kind und können den möglichen Fehleindruck des -von mir aus- cholerischen Lehrers gerade rücken. Alle Lehrer füllen auch den "Kopfnoten"-Bogen seperat aus. Abschließend können evtl. die Elternvertreter ihren Senf dazu geben...
Früher durfte ich mich mal als Schüler und damaliger Konferenzvertreter bei problematischen Mitschülern auch noch äußern, daß wurde aber glaube ich abgeschafft bzw. gibt es in der GS sowieso nicht...
Alles in allem: Fairer als alles Zukünftige im Leben.
UND unser Schulsystem ist ja prinzipiell durchlässig, wenn also "falsch" entschieden wurde oder das Kind einen Entwicklungssprung macht, dann kann es ja Wechseln.
WENN ja wenn, die Kinder auch dahin gehen wohin ihre Empfehlung sie schickt. Sonst gehen wieder alle auf das Gym. ("Wir probieren es mal") verursachen massive Fluktuation zwischen den Schulzweigen in den ersten Jahren (kein vernünftiger langfristiger Unterricht möglich) und eiern da rum, ziehen dadurch das Niveau runter - obwohl genau diese Schüler als Leistungsträger auf der Realschule um Schwächere dort mitzuziehen, dringend nötig wären... Seit Jahren torpedieren Eltern konsequent die Bildung von heterogenen, sich gegenseitig befruchtenden Lerngemeinschaften an den 3 Schulzweigen - mit der Folge, daß die Hauptschule gänzlich zum Sammelbecken des soz. Abschaums verkommt und ihre Rolle als Bildungsinstitut der Lehre zum Handwerk an die Realschule abgegeben hat. Ihre Wiederaufwertung ist jetzt schon ein Ding der Unmöglichkeit...
ziehen dadurch das Niveau runter - obwohl genau diese Schüler als Leistungsträger auf der Realschule um Schwächere dort mitzuziehen, dringend nötig wären...
Das heißt, die schwachen auf dem Gymnasium dürfen nicht mitgezogen werden und sollen lieber auf die Realschule, um dort schwache mitzuziehen, die eigentlich auf die Hauptschule gehören???
Wenigstens wurden die Gesamtschulen noch nicht so explizit erwähnt, die sind speziell in NRW nämlich die Sammelbecken aller asozialen Kreaturen und beiweitem schlimmer als manche Hauptschule...
Das heißt, die schwachen auf dem Gymnasium dürfen nicht mitgezogen werden und sollen lieber auf die Realschule, um dort schwache mitzuziehen, die eigentlich auf die Hauptschule gehören???
Wenigstens wurden die Gesamtschulen noch nicht so explizit erwähnt, die sind speziell in NRW nämlich die Sammelbecken aller asozialen Kreaturen und beiweitem schlimmer als manche Hauptschule...
Vorsicht nicht pauschalisieren! Schwächere Schüler werden natürlich auch am Gymnasium mitgezogen - genauso wie bei anderen Schulformen. Der Punkt ist, daß sich die Selektionsgrenze verschoben hat. Jemand der etwas schwächer ist - kein Problem, profitiert von den Besseren. Aber wenn man jedesmal mit "Ach und Krach" versetzt wird, dann ist das schlecht für die Lerngruppe (bremst Andere aus) UND für ihn selbst auch, denn der ständige Mißerfolg in der Schule behindert den persönlichen Lernfortschritt und belastet zusätzlich noch erheblich auf sozialer Ebene. Dieser Mensch käme auf einer Realschule prima klar, hätte die für den Lernprozess so wichtigen Erfolgserlebnisse (sozial & im Lernfortschritt) UND würde als Leistungsträger dort andere Schwächere wieder mitziehen... Meist sind das genau die Leute, die dann später wieder aufgrund der positiven Entwicklung in und DURCH die Realschule wieder zurückkommen und ihr Abitur erfolgreich machen...
Das ich als "asozialer Gesamtschüler" mein Abitur gemacht/ eh geschenkt gekriegt habe - fasse ich mal als besondere Auszeichnung meinerselbst auf ;-)
Vorsicht nicht pauschalisieren! Schwächere Schüler werden natürlich auch am Gymnasium mitgezogen - genauso wie bei anderen Schulformen. Der Punkt ist, daß sich die Selektionsgrenze verschoben hat. Jemand der etwas schwächer ist - kein Problem, profitiert von den Besseren. Aber wenn man jedesmal mit "Ach und Krach" versetzt wird, dann ist das schlecht für die Lerngruppe (bremst Andere aus) UND für ihn selbst auch, denn der ständige Mißerfolg in der Schule behindert den persönlichen Lernfortschritt und belastet zusätzlich noch erheblich auf sozialer Ebene.....
Das ich als "asozialer Gesamtschüler" mein Abitur gemacht/ eh geschenkt gekriegt habe - fasse ich mal als besondere Auszeichnung meinerselbst auf ;-)
Zu 1.) Sehe ich auch so. Wobei man bemerken muß, daß einfach auch vieles vom Miteinander zwischen Lehrern-Schülern-Eltern abhängt. Manche landen einfach auf dem falschen Gymnasium, auch das gibts. Es gibt überhaupt sehr viele, ja einfach zuviele Faktoren, die sich auf die Schullaufbahn auswirken :-nix
zu 2.) Schäm dich ;-) Aber mal im Ernst, besonders im Ruhrpott sind Gesamtschulen das allerletzte. Mein Bruder war z.B. auf einer, und der hat sein Abi in den Allerwertesten geschoben bekommen. Und er war nicht gut, er war kaum dort und getan hat er auch nie was. Und diesen Ruf haben die GS im Pott, nix tun, aber Abi kassieren. In Bayern gibt es diese Schulform gar nicht, hoffentlich zieht NRW nach :-dafür
Naja, zu den Gesamtschulen sei gesagt, daß in Skandinavien das Konzept hervorragend funktioniert (zumindest hat meine Ma das so erlebt, als sie Schulen dort besichtigt hat, um sie in Deutschland zu etablieren). Es ist also prinzipiell nicht schlecht. Genauso wie das Konzept 3-Schulzweige (von mir aus Bayern) nicht der Weisheit letzter Schluß ist, aber auch nicht schlechter...
Viel problematischer sind die kaputten Elternhäuser und fehlende soziale Netze. Da müssen Schulen oft Dinge aufarbeiten, die gar nicht in ihrem Aufgabenbereich liegen bzw. liegen sollten.
Und genau da ist der Haken an der "Bayern - tolles Schulkonzept"-Lüge.
Bayern hat noch verstärkt funktionierende Elternhäuser, intakte soziale Netze (Dörfer, Vereine uA.) usw. - genau wie Skandinavien. Während NRW, Nds, uA. schwer mit Zuwanderung, Zersiedelung, Alleinerziehenden usw. zu tun hat.... Würde man das Klientel tauschen, würde das alles anders aussehen....
(Genau DAS verrät uns IGLO und PISA)
Das skandinavische Modell ist mir wohlbekannt. Kann mich dir da nur anschließen, was die Verteilung sozialer Netze angeht. Und jetzt rate mal, warum ich spätestens nach dem Studium südlich des Weißwurstäquators leben will :-))
Ich bin selber aus einer sozial schwachen Familie, und meine Erfahrung ist, daß viele die Schlagworte vom ungerechten System leider so plakativ verstehen wie sie oft formuliert werden.
Natürlich sitzt ein Lehrer nicht an seinem Schreibtisch und denkt: "aha, Dennis ist aus nem Arbeiterhaushalt, da werden wir mal in jedem Fall max. Realschule empfehlen."
Mangelnde Chancengleichheit funktioniert viel subtiler.
Ich denke, dass Auftreten, Allgemeinbildung, Arbeitsverhalten, auch Selbstvertrauen (also was man sich selbst zutraut) usw. schon massiv davon abhängen können, ob man nun mit Eltern aufwächst, die einem vorleben dass es ganz normal ist, einen guten Beruf zu haben, in diesem auch fachlich was zu können und entsprechend zu verdienen, die einen donnerstags zum Segeln schicken können und in den Ferien auf nen Sprachkurs in Amerika - oder ob man ständig erwachsene Menschen scheitern sieht, keine Erfolgserlebnisse mangels Freizeitaktivitäten hat und sich die Nachmittage auf nem verdreckten Spielplatz zwischen alten Hochhäusern herumdrückt.
Gut, das jetzt als ganz krasser Kontrast - aber auch zwischen den Extremen gibt es halt riesen Unterschiede, was ein Kind als Normalität erlebt, und als seinen Platz in derselben.
Und ja, ich denke schon dass dabei ein "Gesamteindruck" nach aussen entstehen kann, dem Lehrer (besonders wenn sie selber nur unzureichend über die gefühlsmässigen Realitäten ausserhalb der oberen Mittelschicht beschied wissen) sozusagen "aufsitzen" können, wenn es um Schulnoten geht. Da kann ein selbstbewusstes, aktives Kind (so eins wie man selber gerne hätte) für den gleichen mündlichen Beitrag durchaus noch ein kleines Stückchen positiver abgespeichert werden, als ein etwas gehemmtes oder nicht so eloquentes Kind - nur als Beispiel.
Das kann sich schon auf die Zeugnisnoten auswirken, vielleicht nicht gerade um 80%, aber eben doch den Unterschied zwschen mancher 2 und 3 ausmachen.
Und die Zeugnisnoten werden irgendwann eben zu einer Schulempfehlung.
Die auch wieder in ihrer Tendenz verstärkt werden kann - der hier vielzitierte Chefarztsohn (gegen den ich im übrigen gar nichts habe) kann durchaus einfach so "rüberkommen", dass man ihn sich ohne weiteres als hochqualifizierten Erwachsenen vorstellen kann - und ein Kind dass zuhause nur Putzfrau und Arbeitslosen kennt, strahlt das eventuell nicht so aus.
Die ganze Kiste ist nach meiner persönlichen Erfahrung eine sehr stark psychologische, und daher schwer zu knacken.
Imho nur anzugehen, indem man die immense Macht aushebelt, die sowohl Lehrer als auch die Frage nach dem Engagement der Eltern haben. Indem (wie hier schon ganz richtig angemerkt) zum Beispiel viel durchlässigere Bildungswege geschaffen werden, und zwar gerade nach oben.
Es gibt nämlich (ich habs beobachtet!) durchaus eine Tendenz, schlechter gestellte Kinder nach unten durchzureichen. Machen wir uns nix vor, im untersten Zehntel sind die oft nicht so wohlerzogen, manche regelrecht verhaltensgestört (wen wunderts?), erleben viel Sch* zuhause, manche riechen schlecht weil sie in vermüllten Wohnungen leben und nur alte Klamotten haben, die die versoffenen Eltern nie waschen, sie sind aggressiv, gestresst... da bei uns nicht das Klassenziel "alle nach bester Möglichkeit durchs Schuljahr bringen" vorherrscht, sondern "Ausschau halten wer begabt ist und wer nicht", ist es einfach, sich diese unbequemen Fälle pädagogisch vom Hals zu schaffen, durch Sonderschule zB, die in meinem Umfeld damals extrem oft empfohlen wurde, obwohl zT klar war dass da zuhause gedroschen wurde und das Kind ganz simpel keinen ruhigen Arbeitsplatz zuhause hat oder so. Das Bewusstsein, die auch mit zu einem Regelabschluss zu bringen, ist leider nicht so ausgeprägt in einem Land dass Lehrern so viele Abschiebemöglichkeiten mit reinem Gewissen bietet ("der kann halt nicht mehr als Sonderschule").
Ziel von sonderschulischen Fördermassnahmen sollte daher werden, die Leute zurück auf Regelschulen zu bringen, und nur wirklich Lernbehinderte dort zu behalten.
Ausserdem ERWÜNSCHTEN Aufstieg in höhere Schulformen, mehr neigungsbezogene Fachoberstufen oder ähnliches, und generell ein Schulklima dass möglichst viel aus möglichst vielen herauskitzeln will - anstatt darauf zu warten dass zuhause ein so optimales Umfeld geschaffen wird, dass die Lehrkräfte sich mit Tafelmonologen vor exquisit entwickelten Bullerbü-Kindern begnügen können.
Solange aber alle eigentlich mit der Lüge von der reinen Leistungsselektion ganz zufrieden sind, wird sich da nicht viel tun.
btw, Chiara Ohoven ist Absolventin eines angeblich leistungsbezogen auswählenden Eliteinternats. Soviel dazu :-party
Prinzipiell alles richtig was du schreibst, stimme dir da im Großen und Ganzen zu.
Die Frage ist nur:
Kann man Lehrern zumuten auch noch die Rolle von Eltern zu übernehmen?
Kann man von der Schule erwarten, daß sie Freizeitangebote anbietet?
Darf man davon ausgehen, daß das Kind auch noch eine warme Mahlzeit in der Schule kriegt?
Kurz: Ist es Aufgabe, die inkompetenten, sozialschwachen (hohe Proliferationsrate) Elternhäuser zu ersetzen?
Genau das wollte das (gescheiterte) Gesamtschulkonzept. Warum klappte es nicht wie in Skandinavien? Fehlende soziale Netze, gesunde Bevölkerungsstruktur, Wertschätzung des Lernens und des Berufs des Lehrers (die besten Absolventen reißen sich in skand. Ländern um den Job) in der Gesellschaft fehlen teilweise/größtenteils - Haben wir in den vorherigen Posts bereits geredet...
Aber noch viel Wichtiger:
Es fehlt(e) der finanzielle Background für so ein Projekt. Man kann eben nicht für 500.000 ne Mensa an das alte Schulgebäude rankleben, "Ganztagsschule/Gesamtschule" draufschreiben und fertig ist die Reform. Bullshit. Ein Lehrer kann nicht und will nicht akzeptierter Erzieher/Elterersatz für 30+ Kinder sein. Man kann mit ein paar gespendeten 386er PCs und ner restaurierten Billiardplatte einen "Freizeitkeller" zur sinnvollen Freizeitgestaltung ausstatten...
Es fehlt an Geld, besser an GEWOLLTER Investition in die Zukunft!
Skandinavien hat bereits vor einem Jahrzehnt erkannt wo die Zukunft des Landes liegt, in den Händen der Kinder (plakativ gesagt), und entsprechend investiert....
Nur um mal ein bißchen was zu nennen:
Studierte (!!) Kindergartenbetreuer, 2 Lehrer (die nur lehren und entsprechend ausgebildet sind), kleine Klassen, Vertrauenspersonen für Schüler während der ganzen Laufbahn, individuelles Kurssystem (nach Interesse + Leistungsvermögen), betreute Freizeitgestaltung (Fußball, Eishockey, Tauchen, Bergsport, Diskussionsgruppen uvm), Angebot von 3 Mahlzeiten am Tag.....
Kostet alles Geld - leider ist die Gewinnabschöpfung für deutsche Legislaturperioden zu langfristig.
Zu 2:
Bis ich gegoogled habe, wußte ich nicht wer Chiara Ohoven ist. Ok, wohl irgend so ein kleines Society-Licht.
Privat-(Elite)-Schulen -und das sagen sie auf Nachfrage selbst- wählen nur einen kleinen Teil nach besonderer Leistung aus. Den größeren Teil muss man nach finaziellem Background auswählen, denn wie oben dargestellt, gute Beschulung kostet viel Geld. Sonst wäre so was nicht tragbar - eh einträglich.
Hoppla-Daisy
19.06.2006, 19:43
Zu 2:
Bis ich gegoogled habe, wußte ich nicht wer Chiara Ohoven ist. Ok, wohl irgend so ein kleines Society-Licht.
Deren Lippen machten ihren "Schönheits-Chirurgen" auch nicht gerade berühmt, eher berüchtigt. Ach nein, das lag ja nur an ihrer Frisur, dass die Lippen plötzlich aussahen wie Fahrradschläuche ;-)
Aber davon mal ab: Ihre Mutter ist ja so eine Charity-Lady, die - glaubt man Bunte, Gala etc - betuchten Leute für wohltätige Zwecke ne Menge Geld aus dem Ärmel schüttelt. Und ihre Tochter eifert ihr mittlerweile fleißig nach. Insofern hat auch ihr Dasein einen tieferen Sinn ;-)
Die Frage ist nur:
Kann man Lehrern zumuten auch noch die Rolle von Eltern zu übernehmen?
Kann man von der Schule erwarten, daß sie Freizeitangebote anbietet?
Darf man davon ausgehen, daß das Kind auch noch eine warme Mahlzeit in der Schule kriegt?
Kurz: Ist es Aufgabe, die inkompetenten, sozialschwachen (hohe Proliferationsrate) Elternhäuser zu ersetzen?
.
Kurz gefasst meine Meinung dazu: nein, man kann kein Elternhaus ersetzen.
Man kann aber versuchen, ein Schulklima zu schaffen, in dem das Kind sogenannte "korrigierende Erfahrungen" macht. Sprich, wenn das Kind zuhause zuwenig aufbauendes und zuviel belastendes erfährt, ist es umso wichtiger, dass die Schule sich als einen Ort begreift, wo die Kleinen es zwischen fördern und fordern gut haben sollen.
Und dazu gehört auch, dass Lehrer ihre Aufgabe nicht in reiner Faktenverfrachtung sehen. Mit dem ersetzen elterlicher Erziehung hat das nichts zu tun - wohl aber damit, dass es realitätsfremd ist, zu glauben dass Erziehung oder besser: Prägung eben nur im Elternhaus stattfindet. Umso schlimmer also, wenn nach der elterlichen Fürsorge auch die gesellschaftliche verweigert wird.
Das Thema Schule ist gerade heute auch ein soziales und psychologisches Thema. Und Lehrer die in komplette Abwehrhaltung verfallen, weil sie mit der "Software" nichts zu tun haben wollen, haben imho ihren Beruf nicht ganz durchdrungen.
Damit nichts gegen Lehrer - die baden auch allzu oft nur wieder aus, was staatlicherseits verzapft wird. Denen stärkt "das System" ja auch nicht gerade den Rücken, wenn sie versuchen, mehr Engagement durchzusetzen.
Die Stärke des finnischen Schulsystems zB liegt eindeutig genau da: es wird in der Grundschule nicht sortiert, sondern ist erklärtes Ziel, jeden bei seinen inidviduellen Vorraussetzungen "abzuholen" und zu gucken: wie ist der Weg, den zum Klassenziel zu bringen. Damit ist der Lehrer klar in der Pflicht, wird aber im Gegenzug auch gesellschaftlich sehr anerkannt und gut bezahlt, und bekommt im Alltag vielerlei Hilfsmittel gestellt - psychologischen Dienst, Sonderpädagogen, Logopäden usw, an die er den Fall aber nicht "abgibt", sondern die er als koordinierende Kraft hinzuzieht - ohne "Abschiebung" in andere Klassen, Sonderschulen usw.
Und solcherlei Engagement ist in meinen Augen durchaus auch eine Bemühung um "Erziehung" im weitesten Sinne (Prägung). Ohne dass man dadurch die Elternrolle übernimmt.
Ich hatte damals das Glück, dass mir die Schule aus irgendwelchen Gründen leicht fiel. Und das war quasi lebensrettend für mich, einen Ort zu haben wo ich mich positiv erfahren habe. Dieser Ort zu sein, und zwar für möglichst viele und nicht nur die, die aus Zufall oder durch heimische Förderung alles sowieso hinkriegen, den Anspruch sollte die Schule ruhig an sich selber stellen.
Herzstromkurve
20.06.2006, 08:02
Die Stärke des finnischen Schulsystems .....
Bei diesem Thema tu ich mich sehr schwer. (3 Kinder, der Große hat jetzt eine Gymnasialemfehlung, die Mittlere wird nächstes Jahr wohl auch eine bekommen, ich bin [noch :-)) ] nicht Chefarzt).
Internationale Vergleiche von Schulsystemen (wie z.B auch im Gesundheitssystem) halte ich für schwierig, Finnland hat z.B. gute 5 Mio Einwohner (München über 12), da gesellschaftliche Probleme immer auch ein Problem der Masse sind, halte ich einen Vergleich mit Finnland nicht für so ohne weiteres für möglich. Aber auch Systeme wie z.B in Kanada (meine kleinen Geschwister leben da und gehen/gingen da zur Schule) sind von nahem betrachtet auch nicht wirklich überzeugend.
Ich habe mit meinen Kindern eben eher erlebt, dass sie in der Grundschule unterfordert sind/waren (was beim Großen durchaus zu Verlust von Motivation geführt hat), da der Unterricht eben auf den Durchschnitt ausgerichtet ist und Förderung (politisch korrekt) eher die Schwächeren bekommen. Ich kann mir daher nur schwer vorstellen, dass eine Nivellierung im Sinne einer "Einheitsschule" für die Besseren wirklich gut funktioniert.
:-meinung
Jetzt warte ich gespannt auf das nächste Schuljahr im Gymnasium.
Ich würde auch nichts von direkter Übertragbarkeit behaupten - aber die Einstellung und Zielsetzung könnte schon eine angemessenere sein.
Du sprichst etwas an, das sicherlich auch seinen Platz hat: zu wenig Förderung von begabten Kindern.
Wobei ich mich nun wieder damit "schwer tue".
Nicht weil ich behaupten will, daß es das Problem nicht gibt.
Sondern weil einfach so viele behaupten dass die Realschulempfehlung an Unterforderung lag - und nicht an der Begabung. Will ich hier niemandem persönlich unterstellen, gibts aber.
Womit man wieder bei Thema wäre: bemühte Eltern, zumal wenn sie selbst Akademiker sind, gehen einfach selbstverständlich davon aus, dass ihre Kinder auf jeden Fall das Abi packen können. Und setzen auch allerhand in Bewegung, um das durchzusetzen. Was auch gut und richtig ist.
Nur finde ich den Tenor "die Schwachen werden auf Kosten meiner Kinder gepampert" manchmal etwas kritisch. Eine am Durchschnitt orientierte Schule wird weniger die Schwachen zu ungunsten der besseren bevorzugen, sondern die Schwachen brechen irgendwann weg, die begabten bleiben unter ihren Möglichkeiten... dieses Ausspielen von schwachen gegen die (eigenen :-stud ) begabten ist imho auch wieder ein Punkt der an vielen Schulen eben fatale Früchte trägt: man möchte den eigenen goldigen Nachwuchs nicht durch "die und ihre Probleme" behindert sehen. Nichts anderes ist die Konsequenz, wenn man am liebsten exklusive Leistungsklassen für die eigenen Kinder wünscht.
Dass da natürlich niemand sagt, dass es nach Sozialkriterien sortiert werden soll, ist klar, nur in der Realität ist es eben oft so dass die Schwachen, die Deinem Sohn die Förderung "wegnehmen" auch sozial schwach sind.
Ich unterstelle niemandem eine böse Absicht, aber in der Realität entsteht auch dadurch genau der "Verteilungskampf" (ich nenne es mal überspitzt so), wo Mittelschicht und aufwärts eigentlich heilfroh ist wenn die schwierigen (= meist sozial schwachen) Kinder nach und nach wegsortiert werden, und eine relativ homogene Zusammensetzung am Gymnasium entsteht, höchstens mit ein paar zufällig gut anpassungsfähigen Alibiaufsteigern die ihr Elend schön zuhause lassen (so wie ich).
(@Herzstromkurve: ist nicht auf Dich persönlich gemünzt und auch nicht gegen den Wunsch nach guter Bildung für den eigenen Nachwuchs - aber ich habe das ganze eben auch von der anderen Seite erlebt.)
Herzstromkurve
20.06.2006, 09:58
Ich glaube, uns stört das gleiche Problem: Die zu wenig differenzierte Förderung/Forderung der Kinder in unserem "Massenschulsystem".
Ich wollte mich auch nicht gegen die Förderung der "unterdurchschnittlichen" (oder wie auch immer politisch korrekt zu bezeichnenden) wehren, sonder nur mal einen anderen Aspekt einbringen, dass eben auch die "überdurchschnittlichen" (mir geht es hier nicht um die sog. "Hochbegabten") ihre Probleme mit dem derzeitigen Schulsystem haben, wobei zumindest bei uns der Schule es eben nur institutionelle Förderung für die "unterdurchschnittlichen" gibt, um die anderen kümmert man sich erst, wenn sie aus Langeweile Mist bauen.
Daher finde ich prinzipiell ein mehrgliedriges Schulsystem zunächst mal gar nicht so schlecht.
Die Frage ist, wie man sich dem Problem der Koinzidenz von sozialem Staus und Bildungsstand/Schulleistung (und damit dem sozialer Status als Schulauswahlkriterium) nähert. Kann das Schulsystem tiefreichende gesellschaftliche/soziale Probleme lösen? Kann die Schule das "Elend zuhause" ausgleichen? Da bin ich halt skeptisch :-meinung
surfsmurf
20.06.2006, 10:08
Zunächst einmal: Die Diskussion hier finde ich wirklich toll; selten habe ich hier (oder auch in anderen Foren) so eine sachliche, informative und differenzierte Diskussion erlebt. Kompliment an alle Diskutanten! :-top
Nun zu meinen zwei cents:
....Lehrer sind ja auch nur Menschen und vorverurteilen niemanden zu Beginn, ....
Widerspricht sich, denke ich. Soweit ich weiß, ist psychologisch hinreichend geklärt, dass sich jeder Mensch nach relativ kurzer Zeit (einige sprechen von Sekunden) eine Meinung bildet, die relativ schwer zu revidieren ist. Aber das nur am Rande.
Die eigentliche Frage, die ich hinter der ganzen Diskussion vermute, ist doch, woran unser Schulsystem krankt; dass es krankt, ist allen klar, denke ich. Aus meiner Sicht gibt es dafür nicht eine richtige Antwort, sondern (wie so oft im Leben) nur einen Antwortenkatalog. Ein Versuch meinerseits:
chronische Unterfinanzierung
ungenügende Lehrerausbildung, insbesondere pädagogisch
Beschränkung des schulischen Selbstverständnis auf reine Faktenvermittlung
zu frühe Selektion, zu wenig Durchlässigkeit
zu hohes Anspruchsdenken der meisten Eltern
mangelnde Unterstützung für Lehrer (Supervision etc), auch gesellschaftlich
Sitzenbleiben (halte ich für unsäglich, weil man damit die Lehrer aus der Verantwortung entlässt und es als Maßnahme einfach viel zu kurz greift)
Als kurze Erläuterung: Ich finde die frühe Selektion unsinnig. Ich unterstelle den meisten Lehrern, dass sie sich ihrer Verantwortung durchaus bewußt sind. Aber die zukünftige berufliche (!) Laufbahn eines 10-jährigen zu beurteilen, kann in meinen Augen nur schiefgehen. Der Sinn dabei ist doch nur einer: Sich Arbeit sparen, indem man alle Schüler eines Niveaus zusammenpackt und dann hofft, sich so individuelle Förderung sparen zu können. Kann man aber nicht. Sowohl die starken als auch die schwachen Schüler brauchen persönliche und individuelle Förderung. Das allerdings würde ja wieder Geld kosten; und bis die Politik verstanden hat, dass ein rohstoffarmes Land wie D nun mal nur auf "Humankapital" (Unwort!) bauen kann, werden wohl noch einige Legislaturperioden ins Land gehen.....
Hoppla-Daisy
20.06.2006, 10:09
*Ketzer-Modus ON* Eltern, denen ihr Sprössling nach eigenem Dafürhalten zu wenig gefördert wird, steht ja auch noch immer der Weg zu Privatschulen/Internaten offen. *Ketzer-Modus OFF*
In den Montessori-Schulen funktioniert es seit Jahren, dass klassenübergreifend unterrichtet wird. Da helfen die etwas besseren den etwas schlechteren, und soweit ich weiß, moppert da niemand drüber. Wenn mein Kind einem schwächeren hilft, wenn es mit seinen eigenen Aufgaben fertig ist, so schult das doch auch das Sozialverhalten. Und der Förderunterricht, der jedem Kind in der Grundschule zusteht, zielt (zumindest an der Schule - nein, nicht Montessori, sondern stinknormal - meiner Tochter) nicht nur auf die schwächeren Kinder ab, die eine spezielle Förderung oder mehr Übung benötigen. Da bekommen auch die "begabteren" Kinder Aufgaben, die sie noch fordern, und wenn es ein Referat für die nächste Stunde ist über ein beliebiges Thema. Und sowas erledigt man nicht mal eben so mit dem kleinen Finger der linken Hand. Da wird mit mehreren Quellen recherchiert und zusammengeschrieben. Das sind z. B. die kleinen Freuden, die einem schulstärkeren Kind den Schulalltag schöner machen, indem es da über das normale Maß hinaus gefordert wird.
PS: Ooops, da fällt mir ein, ich muss noch bei www.wissen-macht-ah.de ein Experiment für's Töchterlein ausdrucken, das sie noch vorführen und erklären möchte :-((
Das "Konzept"-Montessori-Schule ist aber nicht neu, sondern nur vermarktet.
Wochenplan, Förderkurse (leider meist mit ein paar Tischen im Flur oder im Materialienraum) usw. gibt es auch schon seit langem zumindest an Grundschulen, sagst du ja selbst...
@ smursurf:
Ich denke man muss unterscheiden zwischen 1. Eindruck -da gebe ich dir und den Studien recht- und einem Eindruck, der in bspw. 4 Jahren Grundschule entsteht. Zumal die Lehrer teilweise das Kind häufiger sehen als die leiblichen Eltern...
Zur allgemeinen Aufheiterung:
http://img89.imageshack.us/img89/1976/summer8zn.jpg
Hoppla-Daisy
20.06.2006, 10:51
Und? Was möchtest du damit sagen?
Ich finde den Ansatz an manchen Grundschulen gar nicht so schlecht! Auch wenn es nicht optimal funktioniert... aber was funktioniert schon optimal. Man versucht es aber zumindest!
Was ist an dem Montessori-Konzept so falsch? Denn so interpretiere ich deine Anführungszeichen.
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