Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : keine Ahnung vom Arzt sein haben, oder auch wozu ist das Pflegepraktikum eig. gut
FrederikMD
07.09.2006, 13:19
Tut mir echt leid, will auch niemanden zum Betrug anstacheln, aber Medizin ist eine Naturwissenschaft, was man als Mensch nicht gelernt hat, lernt man als Rollstuhlschieber, Schwere-Sachen-Träger und Pizza-an-der-Pforte-Abholer auch nicht mehr. Mediziner in Deutschland verdienen es nicht besser als für kein Geld für völlig sinnlose Jobs ausgenutzt zu werden, wenn die ganzen Schlauberger in unbezahlter und unakademischer Arbeit einen Nutzen sehen. Diese Gequatsche vom Arzt = Sozialberuf = Sklavenarbeit ist mir echt zu wider, dafür gibt es eben auf der Welt kein Gegenstück. Die Auffüllung des maroden Krankenhaussystems mit Medstudenten ist eine Frechheit, gegen die man ebenso aufbegehren sollte wie gegen AiP / PJ Ausbeutung ohne Bezahlung. Ich muss gestehen, dass ich einem, der das KPP nicht vollständig absolviert kein Unverständnis entgegenbringen kann. Bei mir waren es 6 Monate auf deR Intensivstation, da war nichts von wegen drücken. Ehrlich, normalerweise sind die ersten 3 Tage schon deckend für alles andere. Und ob es einen fasziniert mal Blut abgenommen zu haben oder nicht, einen besseren Arzt macht das wirklich nicht.
christie
09.09.2006, 12:53
Sinnvoll finde ich das KPP vor allem dann, wenn es vor Studienbeginn absolviert wird. Dann erschließt sich einem - vorrausgesetzt, man landet auf einer interessanten Station - recht gut, ob man mit harten Fakten klarkommt.
Zum Beispiel: wie ist das, wenn man dem Patienten mitteilen muss, dass das Leben in ca. 4 - 6 Monaten zu Ende sein wird....natürlich ist das nicht die Aufgabe des Praktikanten, diese Botschaft zu überbringen...aber es hilft doch schonmal, einfach in die Thematik einzutauchen und festzustellen, ob man überhaupt mit sowas fertigwird oder doch lieber Kunstgeschichte studieren sollte ;-) .
Außerdem bekam ich zig Fortbildungen und klinischen Unterricht durch das Krankenhaus zu verschiedenen Themen (Schmerztherapie, Sono, etc.). Daneben durfte ich bisher bei vielen Koloskopien, ERCPs und OPs hospitieren - nächste WOche darf ich bei ner Ileumresektion zuschauen....ist doch super, dass ich das alles vor Studienbeginn schonmal kennenlerne...
Was Anderes ist es, wenn man als Famulant oder PJler nur die Kanülen wechseln darf....da gebe ich natürlich den Kritikern hier recht..das ist Ausbeutung..
Für meinen Geschmack sind KPP, Famulaturen und vor allem PJ schon weitgehend Ausbeutung bzw. die Beschaffung kostenloser Arbeiter.
Eigentlich schade, weil ich denke, dass das was man dabei lernen kann/könnte wichtig wäre. Nur oft sind das gut gemeinte Absichten, die in der alltäglichen Arbeit untergehen.
christie
11.09.2006, 15:14
an der kritik ist ja wirklich was dran - eigentlich besetzen wir praktikanten ja vollzeitstellen.
interessant ist nur, dass sich leute aus anderen fachbereichen wünschen, sie hätten mal praktika absolvieren dürften, bevor sie auf die praxis losgelassen werden.
eine meiner freundinnen hat auf lehramt studiert und nach fünf jahren theoretischen studiums das erste mal vor einer schulklasse gestanden...ist extrem schlecht, wenn man dann nach fünf jahren feststellt, dass die theorie spaß macht, die praxis aber ganz anders aussieht. deswegen haben viele bundesländer das studium schon umgestellt, um mehr praktika einbeziehen zu können....
ob die praktika alle so lang sein müssen, ist natürlich fraglich....
Dr. Jackyll
11.09.2006, 18:21
also meine Mitbewohnerin studiert auf Lehramt und die hat jeden Mittwoch Schule (unterricht) und wenn in den Semsterferie schule ist muss sie auch unterricht halten.
der vergleich hinkt also schon ein bisschen...
lumi0607
12.09.2006, 14:47
Also ich muss sagen, dass mir mein Pflegepraktikum viel Spaß gemacht hat. Ich hab die eine Hälfte in der Neurochirurgie verbracht und die andere in der Allgemeinchirurgie. Ich kam mir nie irgendwie ausgenutzt vor oder wurde angemeckert, weil ich mal fünf Minuten auf dem Stuhl gesessen hab. Vor allem in der Chirurgie konnte ich echt viel lernen und die Schwestern waren ausnahmslos alle sehr nett und haben mir alles gezeigt. War mit zur Visite, zum Verbandswechsel, durfte Drainagen und Braunülen ziehen und so weiter. Natürlich hab ich auch Sachen machen müssen, wie Betten machen, Schränke auffüllen, Urinbeutel leeren und so, aber das gehört nunmal dazu. In der Chirurgie arbeite ich jetzt auch als Sitzwache immer wenn Not am Mannist und verdiene 7,50 Euro die Stunde, was ich nicht schlecht finde. Ob das Praktikum nun zwei oder drei Monate dauern soll, nun darüber kann man sich echt streiten, aber es sind jetzt nunmal drei Monate, die sicherlich auch keinem schaden werden. Und ich muss echt sagen, dass ich kein Verständnis für die Leute habe, die sich den dritten Monat irgendwie "erschleichen"! Finde ich total unkollegial.
MaryRose
12.09.2006, 15:12
Ich habe insgesamt sogar 4 Monate Pflegepraktium gemacht, da ein Monat leider um 2 Tage zu kurz war (habe beim Ausfüllen nicht drauf geachtet), und da hat das LPA mir gesagt: nee, da müssen Sie nochmal. Zum Glück habe ich rechtzeitg angrufen, so dass ich keine Studienverzögerung durch das PP hatte.
Ich habe den Großteil des Praktikums im selben Haus gemacht und muss sagen, dass es zum einen wirklich sehr vom Pflegepersonal der Station, auf der man eingesetzt ist abhängt, wie "toll" (sprich: was für Sachen man alles machen darf etc) das PP wird, zum anderen aber auch ganz stark von sich selbst. Ich habe einfach nach einer Weile eigenständig das gemacht, was ich konnte und was anfiel (naja, das war eben Zimmer aufräumen, ungefragt auf die Klingel gehen, Telefonkarten aufladen, Schränkle füllen, Wäschesäcke wechseln, Stationszimmer zusammenräumen....)und nach 1 Woche durfte ich schon wesentlich mehr andere Dinge tun, als ander Praktikanten.
Der vierte Monat war allerdings dann doch ein bisschen viel, muss ich zugeben.
Leider waren nicht alle Pfleger so nett, einge haben auch einen totalen Trip gefahren, nach dem Motto: und Du willst mal Arzt werden... so, jetzt bin aber ich hier der Chef und Dir zeig ichs. In den OP darfst DU nicht.
Aber das war zumindest in meiner Erfahrung die Ausnahme.
Mein Fazit:
Pflegepraktium ist absolut sinnvoll, vor allem für diejenigen, die eine Klinik noch nie von Innen gesehen haben, allerdings könnte man an der starren Zeiteinteilung drehen. So wie es zu Zeiten der alten AO war, wars super.
Tjoa.
christie
12.09.2006, 19:27
also meine Mitbewohnerin studiert auf Lehramt und die hat jeden Mittwoch Schule (unterricht) und wenn in den Semsterferie schule ist muss sie auch unterricht halten.
der vergleich hinkt also schon ein bisschen...
nöö - wie ich ja schon sagte: einige Bundesländer haben schon auf ein praxisbezogenes Studium umgestellt - andere wiederum nicht.
Mein Mann studiert Mathematik auf Lehramt und hat noch vor keiner Klasse gestanden - der kennt das Fach Pädagogik nur aus der Theorie.
feigenkaktus
13.09.2006, 18:19
Mein Standpunkt ist nicht so einseitig, wie er vielleicht aussehen mag,
aber ich habe bisher auf drei unterschiedlichen Stationen KPP gemacht und bin auch der Überzeugung, dass n Monat oder auch zwei für einen Einblick reichen, denn wenn man Pech hat dreht man sich drei Monate lang im Kreis, muss noch Geld dafür bezahlen, dass man arbeitet.
Musste mir nämlich n teures Monatsticket kaufen und die Ratten von der Verkehrsgesellschaft haben mir noch nichtmal Azubipreise gewährt ("irgendwer muss ja die Zuschüsse für Ermäßigungen bezahlen")
Auf der ersten Station hatte ich vielleicht das wunderbare Glück, dass die Station jemanden für Küche, Essen austeilen etc. hatten, weil ich wirklich einen guten Einblick in wirklich interessante Dinge bekommen habe, z.B. waschen, Verbänder, messen und Visite.
Jetzt bin ich gerade im Neugeborenenzimmer (klingt im ersten Moment total spannend). Heut habe ich wie üblich 50 m² Oberfläche abgewischt und werde das wahrscheinlich den Rest der Zeit tun. Und das hat nichts mit Initiative zu tun oder nicht, es ist einfach eine Tatsache, dass es für Praktikanten kaum andere arbeiten zu verrichten gibt und da könnte man manchmal schon kotzen. Vorallem weil sie auf einen angewiesen sind und man einfach eine billige Arbeitskraft ist.
Ich leiste auch im Moment den ersten Monat ab, bin in der Herz-Thorax-Gefäßchirurgie, obwohl ich eigentlich auf die Unfallchirurgie wollte - kA warum das nicht ging. Die Unfallchirurgie ist auch irgendwie bedeutend leerer :D
Mit den Schwestern hab ich echt Glück gehabt, sind alle sehr nett, lassen mich beim Spätdienst auch mal früher gehen, zeigen mir sehr viel, darf auch einiges machen. Was ich persönlich aber sehr anstrengend finde, ist, dass niemand direkt für einen verantwortlich ist bzw. sich so fühlt. Außerdem steht man als Pflegepraktikant direkt zwischen der Arzt - Schwestern-Front und wird manchmal ein wenig dazischen zerquetscht, wenn es dann wieder heißt wie dumm doch die Ärzte sein und dass sie doch einfach nur auf die Schwestern hören müsste...
Ich glaube aber auch nicht, dass man im Pflegepraktikum soviel lernen kann, dass die drei Monate wirklich zu rechtfertigen sind. Ich wäre dafür, dass es auf einen Pflichtmonat reduziert wird, sollte man schon FSJ oder Zivi geleistet haben, denn die Lebenserfahrung, die man dort mitkriegt, ist meines Erachtens der Hauptgrund fürs Pflegepraktiktum.
Najo, ich bin ehrlich gesagt froh, wenn ich alle drei Monate habe, denn ich hab im Zivi schon genug unqualifizierte Arbeiten verrichtet, als dass ich mich dafür noch richtig begeistern könnte.
IIch wäre dafür, dass es auf einen Pflichtmonat reduziert wird, sollte man schon FSJ oder Zivi geleistet haben, denn die Lebenserfahrung, die man dort mitkriegt, ist meines Erachtens der Hauptgrund fürs Pflegepraktiktum.
Kannst du dir doch anerkennen lassen, wenn es was pflegerisches war.
Kannst du dir doch anerkennen lassen, wenn es was pflegerisches war.
Nachtrag: Man muß sich von der Zivi-FSJ-Stelle dann auf einem separaten Formular ein "Pflegepraktikum" bescheinigen lassen, was aber kein Problem sein dürfte
Das ist mir durchaus bewusst, aber es gibt genug Zivi/FSJ-Stellen, für die man nichts anerkannt bekommt.
ich habe mein KPP während meines grundwehrdienstes hinter mich gebracht. der kompaniechef meiner eigentlichen einheit war damit einverstanden, mich in das Sanitätszentrum meines Standortes versetzen zu lassen, ein großes SanZentrum, natürlich mit der obligatorischen Bettenstation. dort hab ich dann fast 6 monate lang KPP geleistet, war auch immer im OP dabei. am ende meines Wehrdienstes hab ich dann vom zuständigen oberfeldarzt meine bescheinigung über den geleisteten krankenpflegedienst bekommen. in einem obigen beitrag habe ich gelesen, dass man, wenn man sein KPP gleichzeitig mit zivildienst oder fsj ableistet, eine extra bescheinigung braucht? bräuchte ich in meinem fall dann nicht auch so ne extra bescheinigung? davon hab ich noch gar nix gewusst. ich wäre sehr dankbar für ein paar infos zu dem thema!
Das ist mir durchaus bewusst, aber es gibt genug Zivi/FSJ-Stellen, für die man nichts anerkannt bekommt.
Naja, wenn du zum Prüfungsamt gehst und fragst ob sie dir das anrechnen, dann gehst halt dieses Risiko ein. Wenn dir die PDL zu deinem Zivizeugnis auch noch den KPP Wisch unterschreibt (und du einfach nur letzteren abgibst) bist du eigentlich vor der Willkür der Prüfungsbeamten sicher(er).
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.