PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeitsauffassung Chirurgen vs. Anästhesisten



Seiten : 1 [2] 3 4

Sackbauer
15.10.2006, 13:01
Daß im UK teilweise (Vor-)Kriegsmedizin praktiziert wird, ist ja bekannt :-))

Na dann erleucht uns mal, wo denn deiner Meinung nach hier Vorkriegsmedizin betrieben wird???

San Pellegrino
15.10.2006, 13:08
Und auch, warum die durchschnittliche Lebenserwartung in UK der deutschen entspricht, ob wohl Deutschland 10% des BIP, UK aber bloß 7% des BIP in das Gesundheitswesen "investiert" ?

Warum kann UK Ärzte vom gesamten Globus, auch aus Deutschland, mit kompetitiven Löhnen anziehen, hat mit Oxford eine Medizinische Fakultät mit Weltgeltung, während in Deutschland osteuropäische Ärzte ohne Sprachkenntnisse zu Löhnen Verwendung finden, die in ganz Westeuropa Schlußlicht sind ? Und Heidelberg mit seiner ach so dollen international bekannten Medizinischen Fakultät wird nicht einmal im eigenen Land zur wissenschaftlichen Exzellenz gezählt ?

Es tut eben weh, wenn man als FA vergleichsweise 3-4x mehr ohne großartige Verhandlungen in UK verdient als in Deutschland, ernst genommen wird und dabei auch noch vernünftige Arbeitszeiten hat, nicht ? da MUSS doch etwas bei der ehemaligen Siegermacht und ihrem "verstaatlichten" Gesundheitssystem faul sein, oder ? :-peng

okulix
15.10.2006, 13:29
Warum kann UK Ärzte vom gesamten Globus, auch aus Deutschland, mit kompetitiven Löhnen anziehen, .... Vielleicht weil die Ärztedichte in UK nur halb so hoch ist wie in Deutschland?

San Pellegrino
15.10.2006, 13:58
Vielleicht weil die Ärztedichte in UK nur halb so hoch ist wie in Deutschland?

Vielleicht aber auch, weil die hohe Ärztedichte in Deutschland und Österreich damit zu tun hat, daß hier Ärzte für alles gut sind - inklusive Verwaltungsmedizin de luxe, Blutabnahmen, Röntgentüten suchen, Rehaanträge stellen, Arztbriefe selber tippen, Befunde selber organisieren und dabei nicht ausgebildet zu werden ?

Lieber weniger Ärzte, die ihr Handwerk können, als ein Haufen Ärzte, der mit Russischem Roulette mehr gemein hat als mit der Heilkunst. Und der nichts mehr als Extremspezialisierung zu bieten hat - deshalb auch die weltweit wohl höchste Dichte an Kardiologen, Diabetologen, Onkologen, Strahlentherapeuten und sogar Psychosomatikern (weltweit einmalig in D !).

Aber die Allgemeinmediziner sterben aus - super ! :-top

Sackbauer
15.10.2006, 14:06
Vielleicht weil die Ärztedichte in UK nur halb so hoch ist wie in Deutschland?

Bei uns hat aber auch niemand einen Internisten als Hausarzt.

okulix
15.10.2006, 14:10
Bei uns hat aber auch niemand einen Internisten als Hausarzt.Und? Wird man bei seinen Alltagsleiden von einem hausärztlich tätigen Internisten besser versorgt als von einem FA für Allgemeinmedizin? ;)

Aber wir sind inzwischen schwer off topic ;-)

Mini-Doc
15.10.2006, 14:21
UK kann sich das unter anderem damit leisten, daß andere Mitarbeiter im Krankenhaus dtl. schlechter bezahlt werden und nebenbei eine Menge an Ops ab einem gewissen Alter nicht mehr gemacht wird....Man spart natürlich, wenn der 80er Opi keine neue Hüfte mehr bekommt sondern nen Rollstuhl
Nebenbei sollte auch die Anästhesie versuchen sich an der "betriebswirtschaftlichen" Seite zu beteiligen... es geht nicht darum, daß ein CHirurg gut dasteht.... sondern darum, daß das Haus einfach zugenmacht wird, wenns nur miese macht..... ich verstehe nicht wie man so ignorant sein kann sich seinen eigenen Arbeitsplatz wegtrödeln zu wollen nur aus Prinzip...
In der Gegend hier haben sie gerade eine Abteilung in nem anderen Haus geschlossen... zu unwirtschaftlich.... :-kotz tja jetzt sind alle arbeitslos incl. halbe Anästhesie..... aber dafür immer pünktlich gegangen...nebenbei... weil hier einige immer auf den langsamen übenden Chirurgen rumhacken,,,, wenn die Anästhesie nicht ebenfalls immer Anfänger hätte die 40-60 Minuten fürs Ab/Auflegen und Einleiten/stechen der Spinalen bräuchten könnte man auch 1-2 Ops mehr in der regulären Zeit machen..... da motzt auch keiner , daß das mal der OA macht sondern man wartet halt und läßt üben..... :-D

okulix
15.10.2006, 14:30
Als Patient würde ich aber lieber länger auf eine OP warten (natürlich nur wenn sie nicht sofort vital notwendig wäre), als mich von einem Chirurgen operieren zu lassen, der bereits 10 oder mehr Stunden im OP hinter sich hat. Wenn das KH diese Abteilung nur unter solchen Bedingungen halten könnte, dann sollte sie lieber geschlossen werden.

Wenn die Hardware (Op-Säle usw.) möglichst hoch ausgelastet werden soll, muss man eben ein Schichtsystem einführen, bei dem zwar auch am späten Abend noch operiert wird, aber mit einem ausgeruhten Team, das erst später zu arbeiten begonnen hat.

San Pellegrino
15.10.2006, 14:33
Bingo ! Du plädierst also für Urwaldzustände, nur, damit ja möglichst viele KHs und deren Verwaltungen auf Schwarzen Zahlen ihre Hintern mästen können ?
Und die Freizeit, die fehlende Ausbildung, die unbezahlten Überstunden der Ärzte ?

Wer nicht genug bezahlt bei annehmbaren Arbeitsbedingungen, wird keine zufriedenen Anästhesisten haben und damit eben Miese machen. Siehe Neue Bundesländer - da wollen die reihenweise "Assistenten im letzten Ausbildungsjahr", denen man dann zum Ostlohn schön lange den FA vorenthält. Na, so blöd sind aber nur sehr wenige ! OA-Tätigkeiten zum Assigehalt ? Nee, meine lieben !

How come, daß man auf einmal geltendes Recht in den Schornstein schießt, nur damit in Deutschland alles überlebt, was sich als Unersetzbar sieht ? Anästhesisten bekommen wieder Jobs, Chirurgen auch.

Also, was soll´s ?

Kleine Anmerkung zu Internisten als HA: Würde aufgrund meiner Erfahrungen in Deutschland weder zum Internisten noch zum Allgémeinmediziner gehen, sondern über die Grenze nach Österreich fahren. Aber das sind, wie gesagt, sehr subjektive Ansichten ! :-)

okulix
15.10.2006, 14:37
Bingo ! Du plädierst also für Urwaldzustände, nur, damit ja möglichst viele KHs und deren Verwaltungen auf Schwarzen Zahlen ihre Hintern mästen können ?
Und die Freizeit, die fehlende Ausbildung, die unbezahlten Überstunden der Ärzte ?
Hä?????

San Pellegrino
15.10.2006, 14:41
@okulix: bezog sich auf mini-doc, Du kamst dazwischen...... :-music

okulix
15.10.2006, 14:45
@okulix: bezog sich auf mini-doc, Du kamst dazwischen...... :-musicAch so.....

Dann bin ich beruhigt. Ich hatte schon an plötzliche Dyslexie bei einem von uns beiden gedacht.....:-))

Evil
15.10.2006, 14:57
@ Pellegrino: wieviel bekommst Du vom MB für Deine Tiraden? :-))
Mal ernsthaft, das klischeehafte Feindbild der faulen und geldgierigen Verwaltung ist reichlich undifferenziert, meinst Du nicht auch? Schließlich ist es deren Job, dafür zu sorgen, daß das KH möglichst wirtschaftlich arbeitet. Und da gibt es nunmal Interessenskonflikte, die lassen sich aber sicherlich besser durch Kommunikation als durch scharfe Konfrontation lösen.
Andernfalls wird Dir wie Mini-Doc schon geschrieben hat, das KH unterm Hintern dichtgemacht.

@ Sackbauer: nun, das Gesundheitssystem im UK hat genauso seine Vor- und Nachteile wie das deutsche. Allerdings wäre ich Dir dankbar, wenn Du Dich und Deine Wahlheimat nicht in jedem Beitrag so großkotzig präsentieren würdest (dann brauchst Du auch keine Angst vor spitzen Bemerkungen zu haben ;-)).

San Pellegrino
15.10.2006, 15:20
@ Pellegrino: wieviel bekommst Du vom MB für Deine Tiraden? :-))
Mal ernsthaft, das klischeehafte Feindbild der faulen und geldgierigen Verwaltung ist reichlich undifferenziert, meinst Du nicht auch? Schließlich ist es deren Job, dafür zu sorgen, daß das KH möglichst wirtschaftlich arbeitet. Und da gibt es nunmal Interessenskonflikte, die lassen sich aber sicherlich besser durch Kommunikation als durch scharfe Konfrontation lösen.
Andernfalls wird Dir wie Mini-Doc schon geschrieben hat, das KH unterm Hintern dichtgemacht.



Ich habe mit dem MB nichts am Hut, halte die im Gegenteil für Luschen angesichts des Warmduscher-Streiks, den die hingelegt haben ! Und das bei zunehmendem Ärztemangel in Deutschland.......Aber eine Ärztegewerkschaft, die es nicht einmal schafft, Unikliniken und den "Rest" zeitgleich zu bestreiken..

Faktum ist aber, daß Deutschland (und Österreich) mit die höchste Dichte an stationären Akutbetten/1000 EW. weltweit haben. In Deutschland kommt z.B. noch dazu, daß die Psychiatrie im stationären Bereich selbst im Vergleich zu Österreich heillos überdimensioniert ist: Arbeitsplatzsicherung.

http://de.wikipedia.org/wiki/Krankenhaus
(Graphik etwas weiter unten unter "Kritik").

Kurzum: Ärzte in ihrer hohen Zahl in Deutschland sichern als notwendiger, aber nicht wirklich respektierter Grüßaugust eben tausende und abertausende Arbeitsplätze von Pflegepersonal und Verwaltungen, die im Falle des Dichtmachens bei weitem nicht so frei ins Ausland oder eine andere Region der Republik gehen können wie die Mediziner.
Das kostet Geld - uns allen. Nämlich über Krankenkassenbeiträge (der Gesetzlichen), Quersubventionen über Steuern zu Erhaltung, Bau und Betrieb dieses völlig überdimensionierten Sektors.

Natürlich muß die Verwaltung aufs Geld schauen - allerdings im rechtlichen Rahmen. Und das dies derzeit in Deutschland flächendeckend bei Arbeitszeit, Ausbildung und Entlohnung NICHT geschieht, braucht hier nicht näher erläutert zu werden.
Verwaltungen leben also idealerweise als gute Nichtärztliche Organisatoren des Versorgungsauftrags der jeweiligen Kliniken. Nicht mehr, nicht weniger. Damit haben sie aber auch den Versorgungsauftrag in Ausbildung, gesetzeskonformer Besetzung des ärztlichen Stellenpools und adäquater medizinischer Versorgung der Patienten zu erfüllen.

Und ?

Welche Verwaltung schafft das ? Welche hat es geschafft, das Arbeitszeitgesetz rechtskonform bis jetzt umzusetzen ?

Halte deutsche Verwaltungen bis zum Beweis des Gegenteils für überbezahlt, vielfach bösartig und maßlos unterqualifiziert - zumal man wissen muß, daß es schon ein gewisses Überangebot an Krankenhausmangern in Deutschland gibt, die sich alle für mehr als super halten. Und die in anderen Branchen wohl kaum mehr unterkommen ! :-top

Sackbauer
15.10.2006, 15:22
UK kann sich das unter anderem damit leisten, daß andere Mitarbeiter im Krankenhaus dtl. schlechter bezahlt werden und nebenbei eine Menge an Ops ab einem gewissen Alter nicht mehr gemacht wird....Man spart natürlich, wenn der 80er Opi keine neue Hüfte mehr bekommt sondern nen Rollstuhl
Wer erzaehlt dir denn solche Schauermaerchen....



Von Evil:
@ Sackbauer: nun, das Gesundheitssystem im UK hat genauso seine Vor- und Nachteile wie das deutsche. Allerdings wäre ich Dir dankbar, wenn Du Dich und Deine Wahlheimat nicht in jedem Beitrag so großkotzig präsentieren würdest (dann brauchst Du auch keine Angst vor spitzen Bemerkungen zu haben ).

Oho, Nachteile gibts in UK mehr als genug, keine Bange. Zum Thema wirtschaftlich & gesetzmaessiges Arbeiten in einem Krankenhaus darf ich aber wohl schon noch mitreden, oder Evil? Denn davon verstehen sie hier naemlich etwas. Ich erzaehl ja nicht meine persoenlichen Errungenschaften, diese Regeln sind ja nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich arbeit nur hier. Und ich erzaehl von hier, dass man manche Dinge auch anders machen kann. Aber der Neid ist natuerlich schon was Furchtbares.

Ach ja, ich hab grad vor 10min mit einer Freundin in Deutschland telefoniert, die arbeitet da als GynAssi. Es war allerdings etwas muehsam sie zu verstehen, nach dem 14. Nachtdienst in einem Monat. Ich hab hier ca. 10 Nachtdienste in VIER Monaten....

San Pellegrino
15.10.2006, 15:26
Ach ja, ich hab grad vor 10min mit einer Freundin in Deutschland telefoniert, die arbeitet da als GynAssi. Es war allerdings etwas muehsam sie zu verstehen, nach dem 14. Nachtdienst in einem Monat. Ich hab hier ca. 10 Nachtdienste in VIER Monaten....

Laß mich raten: Ostdeutschland ? Assistenzarzt ? :-kotz

Sackbauer
15.10.2006, 15:32
Bingo.

San Pellegrino
15.10.2006, 15:37
Nicht besonders schwer, by the way. :-D

Lava
15.10.2006, 19:05
Irgendwie sind wir ein bisschen vom Thema abgekommen. Ich glaube nicht, dass die Chirurgen als erstes auf die Verwaltung schielen, wenn sie behaupten, sie würden einen Patienten noch operieren, müssen die OP aber auf den nächsten Tag verschieben. Obwohl man es mitunter nicht leicht hat, dem MDK zu erklären, wieso der Patient 2 oder gar 3 Tage prä-Op auf der Station rumlag...

actin
15.10.2006, 19:27
Ich denke manhcmal, dass die Anästhesisten vielleicht anders darüber denken würden, wenn sie auch eine Station an der Backe hätten mit Patienten, die operiert werden wollen........aber bestimmt nicht von einem überarbeiteten Chirurgen!

Und falls es auf dieser Station wirklich regelmäßig Patienten gäbe, die aufgrund einer medizinischen Indikation und nicht aus DRG-taktischen Gründen sofort und nicht erst morgen operiert werden müssten, müsste das KH eben mehr Chirurgen und Anästhesisten einstellen. Patienten nur aus wirtschaftlichen Gründen von Ärzten operieren zu lassen, die das ohne Not (=ohne Notfall) mehr als acht Stunden pro Tag machen, ist unverantwortlich gegenüber den Patienten und den Ärzten.
Ein Hoch auf alle Anästhesisten, die so etwas durch das Einhalten des ArbZG verhindern.:-top:-top:-top