Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Oldie will Lebenstraum verwirklichen! Sinnvoll? Chancen?
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Dr. Geiger
23.11.2006, 23:17
Was ich mir übrigens auf gar keinen Fall noch einmal gefallen ließe, wäre eine entwürdigende Behandlung als Berufsanfänger. Das hat man nicht nötig, denn man hat durch den Abschluss des Studiums etwas geleistet, worauf man stolz sein kann und das auch von denen, die einen einarbeiten und weiterbilden sollen, respektiert werden muss, selbst wenn man ab und zu noch Anfängerfehler macht.
Sehe ich genauso. Da mach' ich mir ehrlich gesagt jetzt schon (ein wenig) Gedanken drüber! Hab jetzt oft genug ganz unten angefangen und mich dann immer hochgearbeitet - und immer muss man diese Idioten ertragen, die glauben, sie wären mit ihrer (nicht vorhandenen) Weisheit geboren wurden. Das wird, denke ich, nicht einfach, da der Eine oder Andere einen trotz Alter, Berufserfahrung, Studium und Promotion dennoch wie einen Deppen behandeln wird (Krankenpflegepraktikum, Famulaturen, PJ) :-( - man ist halt in dem Fall Anfänger, lässt sich nicht ändern. Aber da muss man eben durch... das Ziel zählt!
Was war denn Dein ursprüngliches Berufsziel und warum denkst Du, dass es damit jetzt vorbei ist?
Beitrag gelöscht, weil er offensichtlich missverstanden worden ist.
Ich wollte weder jammern noch eine Beratung haben, sondern hatte nur anhand meiner 30 Jahre zurückliegenden Erfahrungen dafür plädiert, seinen beuflichen Lebenstraum nicht zu früh zu begraben.
Dr. Geiger
24.11.2006, 07:08
@ actin
Mmmm, dass ist natürlich Mist! Der Traum von einer wissenschaftlichen Karriere ist in der Tat nicht leicht zu leben, was ich sehr sehr schade finde. Es scheint überall in die gleiche Richtung zu gehen - Karriere, Konkurrenz, Ellenbogen - sehr bedenklich. Ich kann nur für die Geistes-/Sozialwissenschaften sprechen: Als ich meine Promotion vor 2 Jahren anfing, hatte ich auch noch das Ziel, in die Wissenschaft zu gehen. Je mehr man sich mit dem Thema dann auseinandersetzt umso weniger attraktiv scheint das: mäßige Bezahlung, schlechte Berufs-/Zukunftsaussichten - wenn man es nicht rechtzeitig auf eine Prof.-Stelle schafft, fährt man irgendwann Taxi - und dazu die allgemein besch... Zustände im dt. Bildungswesen! Das man seine eigenen Fortschungsinteressen verwirklichen kann ist auch höchst fraglich. Da gehe ich lieber ins Gesundheitswesen, wo die Zustände ähnlich mies sind aber wenigstens eine Berufsbild winkt, dass noch was hergibt. Es geht also nicht nur Dir so - vielleicht hilft das ein wenig? Wahrscheinlich nicht :-nix!
Ich bin aber überzeugt davon, dass man sich aus jeder miesen Situation selbst wieder rausziehen kann! Bestimmt gibt's auch für Dich irgendwo eine zufriedenstellendere Perspektive - versuche Dich glücklich zu machen, auch wenns erstmal weh tut, sonst leiden alle drunter - bei dem Punkt weiß ich genau, wovon ich rede.
Alles Gute!
alley_cat75
24.11.2006, 08:54
@sackbauer: keine Frage, mit Familie und Kindern im Hintergrund Medizin zu studieren ist schwer. Da kann ich nicht mitreden. Habe bisher nur einen Mann, der auch mal gut allein zu recht kommt. ;-) Gerade vor dem Physikum gab es etliche Wochen, in denen ich früh um halb sieben das Haus verlassen habe und um 20 Uhr wieder zurück war - könnte ich mir mit Kind überhaupt nicht vorstellen. Komillitoninen von mir haben es dennoch geschafft, teilweise alleinstehend und mit wenig Geld. Von denen wirkt heute keine mehr frustriert. Wenn man etwas wirklich will, muss man eben dafür Opfer bringen. Mit meinem heutigen Erkenntnisstand von 6 Jahren Studium würde ich es auch bei Geldmangel wagen - was nützen einem Haus, schickes Auto, teurer Urlaub, wenn man plötzlich das Gefühl hat, im bisherigen Leben nicht alles versucht zu haben? Von den Freundinnen, mit denen ich damals meine Pflegeausbildung gemacht habe, bin ich nur müde belächelt worden, mit 24 ein so langes Studium anzufangen. Die erste Zeit fiel es mir auch schwer - die verdienten gutes Geld, konnten nach 8 Stunden Arbeit die Füsse hoch legen, während ich die halbe Nacht gelernt habe... Jetzt bin ich bald Ärztin (nächste Woche!!!) und besagte Freundinnen haben Haus, Mann, Kind und sind ziemlich frustig. Sie treten auf der Stelle und gruseln sich davor, noch 30 Jahre lang den gleichen (schweren) Job zu machen, ohne sich auch nur irgendwie zu verändern... Das sind Einzelfälle, keine Frage. Aber ich wäre heute ohne Studium auch unzufrieden - ich brauche ab und zu eine Herausforderung im Leben!
Zitat von Dr. Geiger Ich bin aber überzeugt davon, dass man sich aus jeder miesen Situation selbst wieder rausziehen kann . @ Dr. Geiger: Ich wollte nicht jammern. Sorry, falls das so angekommen ist.
Mir gehts ganz ausgezeichnet, und ich bin mit meinem Job zufrieden, obwohl es nicht mein Traumberuf ist,
Ich wollte eigentlich nur dich und andere zu zwei Dingen ermutigen:
1. Sich nicht so schnell vom Traumberufsziel abbringen zu lassen.
2. Sich während der Weiterbildung nichts gefallen zu lassen, sondern sich gegen Missstände zu wehren.
Gruß, actin
Dr. Geiger
24.11.2006, 09:04
@alley_cat
:-meinung
bin ich bald Ärztin (nächste Woche!!!)
:-party Herzlichen Glückwunsch!
@actin
Das freut mich - da hab' ich mich etwas hinreisen lassen...
Nochmal mein Fazit aus diesem Thread und den Diskussionen in einigen anderen Theads:
:-studLasst Euch nicht von Pessimisten davon abhalten, die Verwirklichung Eures beruflichen Lebenstraums wenigstens zu versuchen.
:-studResigniert nicht vor Missständen bei Eurer Aus- und Weiterbildung und Euren sonstigen Arbeitsdingungen, sondern geht konstruktiv dagegen vor.
alley_cat75
24.11.2006, 14:17
:-dafür :-dafür :-dafür
Hallo!
Dieser Thread macht mir ja wirklich Mut!
Ich werde bald 28,bin Rettungsassistent und Krankenpfleger und befasse mich seit einiger Zeit mit dem Gedanken doch noch Medizin zu studieren.
Derzeit bin ich mal wieder an dem Punkt an dem ich denke "Das kann doch nicht alles sein".
Ich dachte solche "Spätzünder" wie mich gibt es eher selten, aber weit gefehlt, wie man sieht! :)
Die finanzielle Einschränkung,die Masse an zu lernendem Stoff und vor allem die hirarchischen Strukturen im KH machen mir ein wenig Kopfzerbrechen, ob ich mir das wirklich noch geben muss. Aber die Zeichen stehen glaube ich auf grün ;)
@ Dr Geiger: Wie siehts aus ? Machst du es jetzt definitiv ?
lg
Sebastian
Derzeit bin ich mal wieder an dem Punkt an dem ich denke "Das kann doch nicht alles sein".
so hat das bei mir auch mal angefangen :-)) - du lebst nur einmal, also mache das was dich interessiert - bei mir war es definitiv die richtige Entscheidung trotz hohen ;-) Alters noch anzufangen!!
Dr. Geiger
02.01.2007, 21:17
Hallo!
Die finanzielle Einschränkung,die Masse an zu lernendem Stoff und vor allem die hirarchischen Strukturen im KH machen mir ein wenig Kopfzerbrechen, ob ich mir das wirklich noch geben muss. Aber die Zeichen stehen glaube ich auf grün ;)
Hi schenky,
Jepp, das ist genau das, was mir auch Sorgen macht. Lehrjahre sind keine Herrenjahre usw. Ist ja auch richtig aber wenn man das alles schon mal durch hat... Der Gedanke, dass mich ein Oberarzt oder Assistenzarzt (der evtl. genauso alt ist wie ich oder dann eher noch jünger) dumm macht, geht mir schon ziemlich auf den Keks. Pflegepraktikum, die Famulaturen, PJ - Stationssklave mit Anfang/Mitte 30 - oh Mann. Zumal ich die letzten Jahre auch nicht am Pool gelegen habe, sondern immer Vollgas gegeben habe und das auch recht erfolgreich! (selbstlobstreichelaufschulterklopf) :-stud
Okay, genug geheult jetzt!
@ Dr Geiger: Wie siehts aus ? Machst du es jetzt definitiv ?
Momentan sieht es danach aus! Natürlich muss ich noch 3 Jahre warten und man kann nie wissen - aber ich glaube nicht, dass mich noch was davon abhält. Vielleicht auch als Anreiz für Dich: Die Frage ist doch: Wie sehr willst Du es? Ich hab schon immer davon geträumt und allein der Gedanke irgendwann in die Uni zu latschen und tatsächlich Medizin zu studieren macht mich high! Also werde ich es zumindest versuchen - zumal dieser thread sehr ermutigend ist! Wenn es nicht klappt, habe ich immer noch meine Erstkarriere in die ich dann zurückstürzen kann... Das geht Dir ja ähnlich, stimmts? So gesehen könnten wir zwei diesen Stunt ruhig probieren - mit Netz und doppeltem Boden quasi!
Naja, und als Rettungsassi und Krankenpfleger kannst Du ja sehr gut abschätzen, was Dich erwartet - besser als ich! Also - viel Erfolg!!! :-top
Dr. Geiger
02.01.2007, 21:20
Naja, und als Rettungsassi und Krankenpfleger kannst Du ja sehr gut abschätzen, was Dich erwartet
Und könntest etwas aus dem Nähkästchen plaudern... Wie hast Du die Hierarchien usw. erlebt?
Nunja, die Hirarchien ;)
Ist morgens schon immer lustig wie die ganzen Assis und FÄ dem Chef hinterschlappen bei Visite auf der Intensivstation. :D
Mal im ernst.
Hier in der Chirurgie werden die einzelnen Postionen schon "zelebriert" und es wird oft nach "unten getreten" aber ich finde ,dass das mehr mit der Persönlichkeit des einzelnen zu tun hat. Es gibt überall Ar******er die über einem stehen und das auch raushängen lassen.
Einer unserer Chirurgie Assis wird z.b. regelmässig vom Chef vor versammeleter Mannschaft zur Sau gemacht. Über so wenig soziale Kompetenz kann ich nur müde lächeln. Aber die Chirurgen sind sowieso ein eigenes Völkchen :-))
In der Anästhesie läuft das alles viel lockerer ab, die sehen das nicht so verbissen. Unsere Leitende OÄ der Anästhesie muss ich allerdings ab und zu mal darauf hinweisen, dass man mit mir auch in einem vernünftigen Ton sprechen kann. ;)
Naja, viele Leute vergessen eben ganz schnell, dass sie auch mal klein angefangen haben.
Grüße
Yersinia I.
08.01.2007, 14:32
Hallo
Kann mich schenky nur anschließen.
Gibt aber überall "sone und solche" Kollegen.
@Dr. Geiger:
Mein bester Freund im Studium hat mit 28 angefangen, hat zuvor Schreiner gelernt mit Hauptschulabschluss, Zivi im Krankenhaus, Abi nachgemacht auf dem Abendgymnasium, dann Studium in 13 Semestern (mit Doktorarbeit) durchgezogen, 1 im Examen, und peilt jetzt den FA an.
Ich hab selten einen so intelligenten, motivierten und fleißigen Menschen getroffen. Gerade seine Berufserfahrung (und Lebenserfahrung!) haben dazu geführt, dass er ausgesprochen ökonomisch gedacht und gelernt hat - und außerdem immer ein interessanter Gesprächspartner war, der einfach zu vielem eine Meinung hatte, worüber sich 17-jährige Früh-AbiturientInnen noch nie Gedanken gemacht hatten.
Und glaub mir, wenn Du später mit Patienten umgehst, oder mit deren trauernden Angehörigen, dann wird Dir das zu Gute kommen - und Deine "Regierung" - Oberärzte, CA etc. werden das auch zu schätzen wissen.
Alles Gute
Y.
(studierte mit Kindern)
Dr. Geiger
08.01.2007, 17:18
Kann mich schenky nur anschließen.
Gibt aber überall "sone und solche" Kollegen.
Sicher, ist ja in meinem derzeitigen Beruf auch so. Hab' nur manchmal die Sorge, dass es bei Medizin noch etwas schlimmer ist - von wegen Gottkomplex und Chirurgenarroganz etc. :-((
@Dr. Geiger:
Mein bester Freund im Studium hat mit 28 angefangen, hat zuvor Schreiner gelernt mit Hauptschulabschluss, Zivi im Krankenhaus, Abi nachgemacht auf dem Abendgymnasium, dann Studium in 13 Semestern (mit Doktorarbeit) durchgezogen, 1 im Examen, und peilt jetzt den FA an.
...
WOW, klingt wirklich beeindruckend! :-notify
Danke und Gruß!
Hat jemand eine Ahnung, was aus Dr. Geiger wurde? Sein letzter Beitrag ist ja leider von 2009. :(
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