Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kampf gegen den Terrorismus
airmaria
12.09.2002, 23:43
Mensch Hobbes alte Säge!
Wir beide einer Meinung?!
Das sollten wir feiern... so lange es noch geht :-))
(das erinnert mich an 'nen alten Song von Geiersturzflug: "Besuchen sie Europa, solange es noch..." äh, ja - kennt hier wieder keiner, ich vergaß: nur junge Hüpfer *g*)
Liebe Grüße, "Mary" airmaria
PS: wir sollten eine Sektflasche "killen" :-))
Original geschrieben von Froschkönig
Andere Länder, andere Sitten ist zugegebenermaßen ein geflügeltes Wort, aber dennoch stimmt es insoweit, als Deine argumentation von wegen Menschenrechtsverletzung und Co. nur auf die westliche Welt zutrifft. So ist das ja nicht, die Menschenrechte sind zwar eine "Erfindung" der westlichen Welt und wurden hier ertsmals konsequent durchgesetzt (ein buhutulamesisches Wüstenvolk, das das schon seit 2000 Jahren tut und sich meiner Kenntnis entzieht möge mir verzeihen), aber sie stehen auch in der Charta der Vereinten Nationen und sind weltweit gültig.
Die Tatsache, daß muslimische Staaten ein anderes Rechtsverständis haben ändert aber nix daran, daß Dinge die die gut finden (wie Arme abhacken und Ehebrecherinnen steinigen) nicht gut sind!
Das hat nichts mit einem beschränkten Horizont der Europäer zu tun - im Gegenteil: Durch unsere vergleichsweise weitgehende und umfassende Bildung (siehe oben bei Maria) wissen wir, das das unnötig grausame Strafen sind und sehen wir Alternativen zum Hand abhacken.
Außerdem halte ich "althergebrachte, verwurzelte, ja gradezu dogamatische" Strukturen für so ziemlich das schlimmste, was einem Volk passieren kann, weil sowas immer zu Stillstand führt.
Weltspitzenreiter bei solchen Strukturen sind natürlich die Weltreligionen, die sich durch seit Jahrhunderten gepflegte Unfexibilität auszeichen.
Das wird zum Problem, wenn man sich strikt dran hält, wie die "Gottesstaaten" der islamischen Welt, weil sie nicht mehr in unsere Zeit passen.
Ich denke, es ist ein Grund, warum die westliche Welt gedeiht und floriert, weil wir Christen nur noch an Weihnachten, an der Hochzeit und bei der Beerdigung sind und uns den Rest der Zeit nicht mehr um die veralteten Anweisungen der Bibel kümmern, sondern nach neuen und variablen Regeln leben.
Wenn du die Entstehung von Religionen anschaust, dann wird das ja auch ganz klar: Die Leute brauchten vor ein paar 1000 Jahren einfach was, um Dinge, die sie beobachten aber nicht verstehen konnten zu erklären. So entsteht eine Schöpfungsgeschichte.
Irgendein cleverer Mann - nennen wir ihn mal Mohammed - erkennt, daß Schweinefleisch in der Wüstenhitze schnell schlecht wird und will erreichen, daß die Leute aufhören es zu essen und krank werden. Was tut er? Weil keiner auf ihn hört hat er gesagt, Allah habe ihn instruiert das durchzusetzen und schon tun's die Leute.
Für die Zeit der jeweiligen Entstehung waren Religionen sicher eine nützliche und forschrittliche Sache, kranken aber seither permanent an ihrer Unfexibilität (warum soll ein Muslim in Mitteldeutschland kein Schnitzel aus dem Kühlschrank essen dürfen?), die damals nötig war, um das unfassend durchzusetzen.
Man merkt, worauf ich hinaus will: Die Tatsache, daß es sich um eine Tradition handelt sollte wenig Relevanz haben, sobald dadurch Menschenrechte verletzt werden.
Es ist ja völlig egal, ob jetzt Religion A den Verzehr bestimmter Speisen verbietet - das tut ja keinem weh.
Aber bloß weil eine Religion eine Verstümmelung vorschreibt muß man das nicht als unverrückbar hinnehmen. Schau doch mal nach Afrika zur Beschneidung der Frau. Ein grausames Ritual, völlig sinnlos, aber traditionell verwurzelt. Hier herrscht einhellige Übereinstimmung darin, daß das aufgegeben werden muß.
Deshalb muß es im Interesse der Weltgemeinschaft liegen, die allgemeinhin als gut befundenen Menschenrechte flächendeckend durchzusetzen, auch wenn das hier und da mal mit den kulturellen Eigenarten eines Volkes kollidiert.
Und es verliert ja auch kein Volk seine Identität, weil es keine Gliedmaßen mehr abhacken darf!
Original geschrieben von Froschkönig
Da liegt nämlich die Gefahr, daß wir allzu leicht dazu neigen, unsere Maßstäbe auf alle anderen anzulegen, und das ist nun mal FALSCH. Aus oben angeführten Gründen halte ich es nicht nur für vertretbar, sondern durchaus für absolut indiziert unsere Maßstäbe (die ja größtenteils deckungsgleich sind mit denen der Vereinten Nationen) als den derzeitigen Goldstandard der Menschenrechte und der Menschenwürde anzusehen.
Religion kann viel gutes tun und kann vieles begründen, aber einen Verstoß gegen die Menschenrechte NIEMALS!
Original geschrieben von luckyblue
Dass am 11. September 3000 Amerikaner bei den Terroranschlägen ums Leben kamen, ist schlimm. Dass aber im darauffolgenden Terror-Krieg Tausende unschuldiger Kinder in den brach liegenden Feldern Afghanistan im Bombenhagel der Amerikaner starben, ist viel schlimmer. Das war kein Kollateralschaden, das war bestenfalls fahrlässige Tötung.Waren die Amerikaner auch Schuld, daß friedlich spielende deutsche Kinder im 2. Weltkrieg gestorben sind? Schuld hieran ist das Regime, daß den Krieg anfängt und wenn es nur wie im Falle der Taliban eine kleine Gruppe Radikaler unterstützt und gewähren läßt.
Denn was für eine Wahl hat den ein Land, das immer wieder vom Hoheitsgebiet eines anderen Landes bedroht wird (das WTC war ja kein Primärschlag, davor gab es Anschläge auf US-Botschaften in aller Welt oder z.B. auf den Zerstörer "Cole"), als das mal final zu unterbinden.
Dazu ist doch eine Regierung verpflichtet, schließlich muß sie ja ihr Volk schützen (siehe hierzu mein obiges Posting).
Oder um mal einen lapidaren Vergleich zu ziehen:
Irgendwelche Fremden Kinder klettern auf's dach von Deinem nachbarn und werfen mit Steinen Deine Fenster ein - was tust Du wenn der Nachbar nichts tut, um die da runter zu holen? Du kletterst selber über den Zaun und holst die Kinder da runter und wenn Du dabei unvermeidbarerweise die Blumenbeete des Nachbarn zertrampelst, dann ist daran der Nachbar im weitesten Sinne selber schuld, schließlich hätte er die Kinder ja selber verscheuchen können und sie lagen ja in seinem Zuständigkeitsbereich.
Hätten die Taliban den Al Kaida keine Zuflucht gewährt, dann wären nie afghanische Kinder in amerikanischen Bomebnhagel geraten!
Original geschrieben von luckyblue
Und das alles ohne Rechtsgrundlage. Denn Kriege sind Ländersache. Und ein terroristischer Anschlag von Einzeltätern kann wohl schwerlich mit einer Kriegserklärung an ein ganzes Land beantwortet werden. Das lässt das internationale Völkerrecht nicht zu. Hier stellt sich eben die von mir oben schon angeschnittene Frage, ob das internationale Völkerrecht überhaupt noch paßt, bzw. ob die Macher des Völkerrechts damals mit einem solchen Fall überhaupt gerechnet haben. Davon ist mal grob nicht auszugehen, denn bis vor einem Jahr hat überhaupt niemand damit gerechnet.
Deshalb ist fraglich, ob sie das derzeit geltende Völkerrecht so verabschiedet hätten, wenn sie gewußt hätten, daß es eines Tages eine Situation wie die heutige geben würde.
Wie ich schon oben gesagt habe, müssen Gesetze von Zeit zu Zeit neuen Gegebenheiten angepaßt werden und das Völerrecht hat in Bezug auf die Situation "Terroristen gegen Nation" sicherlich große Lücken, weil zur Zeit als das Völkerrecht verbaschiedet wurde, territoriale Eroberungskriege das Hauptproblem waren.
Ähnlich haben ja die Väter des Grundgesetztes mit den schrecklichen Mißhandlungen Gefangerner durch die Nazis im Hinterkopf einen viel zu starken Täterschutz ins Grundgesetz geschrieben, der in den folgenden Jahrzehnten Stück für Stück wieder gelockert werden mußte, weil er oft den Täter vor seiner gerechten Strafe verschonte.
luckyblue
13.09.2002, 19:48
@Rico
Zu den dreisten Strolchen in Nachbars Garten
Das malträtierte Blumenbeet musste schon aus eigener Tasche wieder kurieren. Denn dass dein werter Herr Nachbar die Aufsichtspflicht über sein Dach vernachlässigt, berechtigt dich noch nicht dazu, deinerseits gröblichst deine Schadensbegrenzungspflicht zu verletzen. Du musst die Gören schon beim Onkel Polizeimeister anschwärzen. Alles andere geht zu sehr in Richtung Selbstjustiz.
Zur völkerrechtlichen Rechtfertigung von "enduring freedom"
"Non poena sine lege" - so oder ähnlich lautet die Präambel im Strafgesetz. Und so oder ähnlich muss es sich auch mit dem Völkerrecht verhalten: Wenn eine Handlung nicht ohne vorher fixierte Gesetzesgrundlage strafbar ist, kann auch keine Handlung über eine im Nachhinein fixierte Gesetzesgrundlage straffrei werden. Und darüber, dass der Krieg gegen den Terror nicht mit der gültigen Fassung des Völkerrechts in Einklang zu bringen ist, bedarf es keiner Diskussion: Nicht nur, dass die Fokussierung der tatsächlichen Verquickung von Taliban, Ben Ladin und WTC-Attacken in Afghanistan von unseren amerikanischen Freunden mehr nonchalant umrissen denn indizienreich belegt wurde. Nicht nur, dass ein extremistischer Angriff ein krimineller Akt bleibt. Vor allem kann ein Terror-Anschlag von Einzeltätern nicht zur Legitimationsgrundlage eines Krieges gegen ein ganzes Land umgemünzt werden, dessen Rolle mehr oder minder im Dunkeln bleibt.
Keine Frage, dass die Regierungschef sich dieser Schieflage bewusst sind. Konsequenz: Plötzlich wird kolportiert, dass schon im Frühjahr 01 über eine Novellierung des Völkerrechts mit der Tendenz des Einschlusses von Terror-Anschlägen als Grund für Kriegserklärung debattiert worden sei. Ach so. Über eine diesbezügliche Änderung kann man ja diskutieren, aber bitte alles zu seiner Zeit.
Beim Opferschutz würde ich mich mal nicht so weit aus dem Fenster hängen. Damit gerätst du ziemlich schnell in die "Schill-Spirale". :-) Und was das gammelnde Schweinefleisch in der Wüste angeht: Ich bin kein Fachmann, aber ich würde mal behaupten, Hühnerfleisch ist in praller Sonne nicht eben beständiger. Der Grund wird wohl eher "trichinöses Fleisch" gewesen sein :-peng
Ich darf sehr wohl Nachbars Kinder vom Dach holen und zwar bei "Gefahr im Verzuge" (oder so - hätte doch Jura studieren sollen) darf ich angemessene Maßnahmen zur Abwendung der Gefahr ergreifen, in diesem Fall der Gefahr für meine Fenster.
Und wenn ich dafür über den Zaun klettern muß, weil das Gartentor 3m hoch und schmiedeeisern ist und ich halt in Gottes Namen durch das Beet muß hat der nachbar da wenig Ansprüche, v.a. wenn er vorher Bitten verweigert hat, die Kinder selber runterzuholen.
Das mit dem Polizeimeister ist zwar ne nette Idee und an sich die optimale Lösung, aber leider nur auf das Beispiel anwendbar, denn bei der Suche nach einem internationalen Polizeimeister werde ich nicht so recht fündig.
Außer natürlich man nähme die UNO und die hat ja zumindest den Krieg gegen Afghanistan "abgesegnet".
Denn es ist ja schon erwiesen, daß in Afghanistan die Attentäter des 11. September ausgebildet wurden (z.B. im Nahkampf und in Bin Ladenscher Koranauslegung) und daß dies mit Wissen und Duldung der Taliban geschah.
Oder was ist die derzeit gängige Theorie bei den "Verfechtern von es-ist-noch-nix-erwiesen", was Atta & Co. ständig in Afghanistan gemacht haben? Die brachliegenden Felder bestellt?
"Nulla poene sine lege" ist ein zweischneidiges Schwert: Einersteits natürlich erdacht, um rückwirkende Verurteilungen von Taten zu vermeiden, die zum Zeitpunkt der Ausübung noch nicht unter Strafe standen.
Andererseits natürlich schwer vorstellbar, daß man sich bloß eine ausreichend schreckliche Tat ausdenken braucht, an die noch kein Gesetz gedacht hat.
Trotzdem greift dieser Grundsatz hier meines Erachtens nicht, da die begangenen Straftaten ja ansich alle auch nach aktuellem Recht schon strafbar waren (Flugzeugentführung, Mord, Massenmord, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung bei den Attentäter selbst, die aus bekannten Gründen ja nicht mehr zu belangen sind - entsprechendes aber mit einem "Beihilfe zu" davor bei den restlichen Al Kaida Mitgliedern).
Und auch Terroristen Unterschlupf zu gewähren ist laut einer UNO-Resolution verboten.
Es gibt also sehr wohl Gesetze die greifen, nur in der Art der Durchsetzung gibt es Probleme.
Letzteres bezieht sich aber hauptsächlich auf den Irak-Konflikt, wo eben die Frage ist, ob das Völkerrecht nicht dahingehend abzuändern ist, daß Land A nicht warten muß, bis von Land B Terror ausgegangen ist, oder ob der vorher bei ausreichender Beweislage gestoppt werden darf.
Bezüglich der "Schillspirale": War sicherlich nicht die Intention hier Richter Gandenlos zuzuspielen, aber es ist ein von Opferschutzverbänden (weißer Ring u.a.)weitgehend bemängelter Zustand, daß Tätern z.B. gesetzlich vorgeschrieben psychotherapeutische Betreuung in der Haft ermöglicht wurde (auf Staatskosten) wohingegen die Opfer eines Verbrechens erst umständlich beweisen mußten, daß ich psychischen Probleme dieses Verbechens entstammen, bevor sie Behandlungskosten erstattet bekamen.
Außerdem wurde der Täterschutz ja unter fast allen Regierungen (auch mit SPD-Beteiligung [Stichwort: RAF-Zeit!!!!]) immer mal wieder weiter zurückgefahren - hat also nix mit rechtspopulistischer Stimmungsmache zu tun.
Und letztlich ist es mir wurscht, ob das Fleisch vergammelt oder Trichinen hat - das Prinzip ist ja klar!
luckyblue
14.09.2002, 22:24
Ich stimme dir ja unumwunden zu, dass der Afghanistan-Krieg von dringlicher Notwendigkeit war. Keine Frage, wer weiß, was sonst noch alles passiert wäre.
Dennoch beharre ich auf dem Standpunkt, dass dieser Krieg mit dem aktuellen Völkerrecht nur schwer in EInklang zu bringen ist. Problematisch ist ja in diesem Zusammenhang nicht, dass alle terroristischen Handlungen Straftaten sind. Problematisch ist viel mehr, dass eben diese nicht als Straftaten verfolgt wurden, sondern zu militärischen Operationen eines ganzen Landes erklärt wurden; und das auf einer Beweislage, die nicht zur Verurteilung von "Fensterwerfern" ausgereicht hätte.
Letztlich wird diese "Kasuistik" den Lauf der Geschichte aber nicht weiter tangieren. Und das ist wohl auch gut so. Irgendwann muss man halt mal Prioritäten setzen, und darüber, dass dies auf der Folie der westlichen Zivilisation samt ihres Wertekanons durchzuführen ist, brauchen wir uns nicht zu streiten.
"Gefahr im Verzug" gilt meines Wissens aber nur für Amtsträger, also Executivorgane wie z. B. Polizei. Du müsstest dich dann schon auf Notwehr für deine Fensterscheiben rausreden können ... :-winky
Froschkönig
14.09.2002, 22:47
Original geschrieben von luckyblue
...Letztlich wird diese "Kasuistik" den Lauf der Geschichte aber nicht weiter tangieren. Und das ist wohl auch gut so. Irgendwann muss man halt mal Prioritäten setzen, und darüber, dass dies auf der Folie der westlichen Zivilisation samt ihres Wertekanons durchzuführen ist, brauchen wir uns nicht zu streiten...
Das ist sowieso klar, Geschite wurde schon immer von siegern geschrieben, also genießt es, über dieses Thema diskutieren zu können, denn unseren Enkeln werden die Taliban mal als Antichristen im Rudel aufgetsicht werden.
Das schlimme an dieser Erkenntnis ist nur, wiviel unseres Geschichtsunterrichtes beruht wohl auf dieser Tatsache ?????
airmaria
14.09.2002, 23:33
Original geschrieben von luckyblue
"Gefahr im Verzug" gilt meines Wissens aber nur für Amtsträger, also Executivorgane wie z. B. Polizei. Du müsstest dich dann schon auf Notwehr für deine Fensterscheiben rausreden können ... :-winky
Nö, es gibt da so 'nen "Jedermannparagraphen": zur Abwendung einer Straftat darf jeder sogar eine andere Person vorläufig festnehmen! (dies muß allerdings mit dem Hinweis darauf geschehen, nach dem Motto: "ich nehme sie hiermit vorläufig fest...")
"Mary" airmaria
Froschkönig
14.09.2002, 23:40
Original geschrieben von airmaria
Nö, es gibt da so 'nen "Jedermannparagraphen": zur Abwendung einer Straftat darf jeder sogar eine andere Person vorläufig festnehmen! (dies muß allerdings mit dem Hinweis darauf geschehen, nach dem Motto: "ich nehme sie hiermit vorläufig fest...")
"Mary" airmaria
...sprach der Hämpfling zum fiesen 1,90 m Einbrecher, dann viel SPaß ;-)
Aber prinzipiell hat Mary recht
Der Afghanistan-Krieg war schon irgendwie der V-Fall für die Nato und deshalb als Verteidigungskrieg gerechtfertigt.
Jede andere Auslegung der Tatsache, daß die Taliban die Al Kaida unterstützt haben hätte ja furchtbare Kosequenzen:
Überleg mal: Irgendein Land A auf der Erde geht mit seinen Ölmillionen daher und engagiert ein paar 1000 Söldner, die fortan plündernd und brandschatzend durch die Nachbarländer ziehen und jedesmal wenn die Lage für sie präkär wird, dann verstecken sie sich wieder im Land A und liefern vielleicht dafür dann einen Teil der Beute da ab.
Und jetzt sollen Aktionen gegen Land A nicht rechtens sein, obwohl Land A eindeutig Urheber und bedingender Faktor ist?
Wo wäre denn die Al Kaida ohne ein Land, in dem sie ungestört Terroristen ausbilden kann? (Natürlich weiß ich, daß Afghanistan nicht das einzige Land war, aber wohl das wichtigste).
Zu dem mehrfach gehörten "Geschichte wird von Siegern geschrieben":
Ist das heute wirklich noch so?
Dieses Zitat stammt ja noch aus der Antike, als sich dannach die Geschichtsschreiber des Siegers hingesetzt haben und sich irgendwelche Schauermärchen über die bösen Wilden ausgedacht haben, die der Bevölkerung daheim erzählt haben, wie tapfer die eigenen Soldaten gekämpft haben.
Wird die Geschichte heutzutage nicht vielmehr von der (zugegebenerweise nicht ganz objektiven) Presse geschrieben?
Und es sind bei großen Ereignissen wie dem WTC-Anschlag óder dem Afghanistan-Krieg ja soviele voneinander unabhängige Presseleute anwesend, daß der Konsens der bei der Berichterstattung herauskommt meines Erachtens schon als repräsentativ angesehen werden kann.
Und in 300 Jahren werden einem Historiker die damals gültigen Bände vom Völkerrecht und den NATO-Statuten vorliegen, sodaß er sich selber ein Bild machen kann, was damals rechtens war.
Geschichtsfälschung ist auch gar nicht mehr so einfach wie früher, als der Kaiser bloß in die Bibliotheken der gröpßeren Städte gehen brauchte und die entsprechende Seite in den Gesetzbüchern ändern lassen mußte und dann behaupten konnte, das habe schon immer da gestanden und keiner konnte das Gegenteil beweisen, weil heute einfach zuviele Exemplare im Umlauf sind.
Und den größen Unterschied macht eminer Meinung immer noch aus, ob Geschichtsschreibung in einem demokratischen Staat oder in einem undemokratischen Staat betrieben wird. Und die demokratischen Staaten sind da wohl eher sehr nah an der Realität.
Ich kenne keinen Krieg in dem das Völkerrecht wirklich respektiert wurde. Krieg ist Krieg und dieser wird auch durch die UNO, durch Völkerrecht oder Genfer Konvention nicht zu einer unblutigen harmlosen "Meinungsverschiedenheit".
Die Begründung weshalb wer wo eingreift solltet ihr schon eher in der Biologie suchen. Die Rechtfertigung, die wird euch durch die Rechtswissenschaft geliefert.
Letzlich ist mir persönlich diese Rechtfertigung ziemlich egal. Afghanistan hat damals mehr als genügend Zeit erhalten die Kaida-Terroristen und Bin Laden auszuliefern. Das Taliban-Regim hat nicht mal Anstalten dazu unternommen und wurde so zum Komplizen der Terroristen. Daher der Krieg. Logo, oder?
Grausam ist das ganze 9-11 Drama ohnehin.
An meine Kommilitonen und Kollegen.
Nachdem ich jetzt alles durchgelesen habe, moechte ich auch einmal antworten. Ich mache gerade ein Praktikum bei einer Friedensorganisation fuer Aerzte und bin in den USA. Vielleicht kennt ihr sie: www.ippnw.de, bzw www.ippnw.org. Wenn sich jemand vielleicht mehr interessiert fuer das ganze Gebiet oder sich sozial oder friedensmaessig engagieren moechte, so ist er/sie herzlich eingeladen, mitzumachen. Ich wuerde mich freuen. Und nun moechte ich auch noch meine Meinung zu dem ganzen Thema kundtun:
Der ungeheuerliche Satz aus dem Munde von George W. Bush ‚Wer jetzt nicht mit den Vereinigten Staaten ist, der ist gegen die Vereinigten Staaten' ist ein biblisches Zitat mit absolutem Gültigkeitsrecht auf die amerikanische Außenpolitik angewendet. Dieses ‚Entweder Oder' gibt es nicht, denn was zu suchen ist ist ein dritter Weg. Er besteht darin, jede Art von Gewalt zu verurteilen. Als erstes die terroristische Gewalt. Als nächstes aber, auf fast gleicher Ebene, die Gegengewalt, die sich vom Terrorismus das Gesetz des Handelns vorschreiben lässt.
Wonach zu suchen ist ist ein Ausweg aus der Blutmühle von Aktion und Reaktion, von Gewalt und Gegengewalt, weil damit das Leid der Menschen nur vermehrt, der Krieg niemals überwunden wird, und weil selbst vorsichtige Zeitungen darauf hinweisen, dass man auf diese Art mit jedem getöteten Terroristen vermutlich 5 bis 10 weitere Terroristen - allein geboren aus dem Sog der Verzweiflung - hervorspülen wird.
Schaut man sich die Kriegspropaganda in der gesamten zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts an: sie arbeitet immer wieder mit demselben Plakat: Adolf Hitler gilt es zu jagen. Ob er Ho Chi Minh heißt oder Saddam Hussein heißt oder Milosevic heißt oder jetzt Osama Bin Laden heißt, ständig wird die Hölle und das Böse in Gestalt von Hitler und seinen Nachfolgegespenstern bekämpft. Die Idiotie der Bildzeitung geht sogar dahin, zu erklären, dass Osama Bin Laden als Anti-Christ womöglich vom Teufel selber gezeugt und in die Welt geschickt worden sei. Die heilige Hildegard von Bingen im 11. Jahrhundert habe das schon kommen sehen und die Verheißungen von Fatima im 20. Jahrhundert beglaubigt. Jede Art von Unsinn zur Dämonisierung und zur Apokalyptisierung der Geschichte lassen sich heute in Umlauf bringen und werbewirksam an die Menschen weitergeben. Es ist aber ein erster erkennbarer Fehler, wenn George W. Bush ausgeht, das Böse zu bekämpfen. Man tut so, als gäbe es eine imaginäre Größe, genannt im Abstraktum und Neutrum ‚das Böse', dessen wir Herr würden, indem wir es wegoperieren - chirurgisch aus dem Organismus der menschlichen Geschichte. Genau das ist nicht möglich, weil wir - wenn schon - das Böse in uns selber tragen. Und lediglich, wenn wir es nach Außen projizieren, alles tun, um selber böse zu werden, vermeintlich um es auszurotten.
Was geschieht denn, wenn wir nach den Ursachen des grauenhaften Attentats in New York und in Washington forschen? Also lautet die entscheidende Frage: Welche Wurzeln hat der Terrorismus im 19., 20. und offensichtlich 21. Jahrhundert? Und der Gründe dafür sind eine ganze Menge. Ein kleines Beispiel, weil augenblicklich auch deutlich wird, welche Handlungsalternativen uns zu dieser Art der militärischen Terrorismusbekämpfung scheunentorweitoffen zur Verfügung stünden. In den 40er Jahren noch des 19. Jahrhunderts kam es in Irland zu einer schweren Hungersnot, weil 2 Jahre lang die Ernte der Kartoffeln im Boden durch starke Niederschläge verfaulte. Die Nahrung der irländischen Bevölkerung damals bestand als Grundnahrungsmittel in der Kartoffel. Und man hatte nicht einmal mehr Saatgut für den kommenden Frühling. In diesem Augenblick hätte natürlich Großbritannien seine riesigen auf dem gesamten Kolonialimperium zusammengebrachten Nahrungsmittel in einem geringen Quantum zur Linderung der Not zur Verfügung stellen können. Statt dessen erklärten die Briten, dass jene Iren auf der Insel ohnedies notorische Whiskysäufer und Faulenzer seien. Man nutzte ihre Not aus. Man kaufte ihre Höfe auf und vertrieb sie von ihren Äckern. Das ist der Grund gewesen, der gewisse religiöse Unterschiede, die im Grunde marginal sind innerhalb des Christentums, auflud mit sozialen Spannungen und einem Hass, der 150 Jahre später vielleicht endlich sein Ende findet. Die Briten, die gerade sich in die erste Reihe der Bekämpfer des Terrorismus drängen, haben in vielen Jahrzehnten den Terror vor ihrer eigenen Insel, im selben Sprachgebiet, innerhalb derselben Kultur nicht wirksam zu unterdrücken und zu bekämpfen vermocht. Wie also will man glauben, dass man mit militärischen Mitteln Terror bekämpfen könnte? Es wäre aber sehr einfach möglich gewesen, vor 150 Jahren Iren und Briten für immer zusammenzubinden.
Für 120 Milliarden Dollar soll ein Raketenschirm über die Vereinigten Staaten und beliebig viele sich assoziierende Länder ausgespannt werden . 120 Milliarden Dollar sind eine so unvorstellbare Summe, dass man damit vielerlei Leid in den Ländern der Dritten Welt nicht nur kurieren, sondern endgültig aus der Welt schaffen könnte. Der Raketenschirm wird eingerichtet z. B. gegen einen sogenannten Schurkenstaat wie Nordkorea. Allein die Wortwahl, die im Amerikanischen inzwischen üblich ist, nötigt zu Widerspruch. Nordkorea ist ein Staat, der nicht waffenstarrend uns im Westen bedroht, sondern der in den letzten 3 Jahren über eine Million Menschen durch Hungersnot verloren hat. Was wäre, wir würden von den 120 Milliarden Dollar nur ein weniges einmal einsetzen, um hungernden Menschen z. B. in Nordkorea wirklich zu helfen? Und wir täten das außerhalb von geostrategischen und geopolitischen Kalküls, es ginge uns vielleicht zum ersten Mal in dieser saumäßigen Politik der Macht und der Gewaltausübung wirklich um die Hilfe von Menschen, wir hätten Nordkorea von einem sog. Schurkenstaat in einen Freundesstaat in Zuverlässigkeit für lange Zeit verwandelt. Das ist ganz sicher. Ein Raketenschutzschild aber schützt uns in Wirklichkeit vor gar nichts. Das unter anderem zeigt das Grauen, das angerichtet wurde bei den Attentaten in New York und in Washington. Sicherheit werden wir nur finden, wenn wir lernen, miteinander zu leben, und dazu gäbe es viele Wege. Wir könnten Not und Elend in den Ländern der Dritten Welt wirksam bekämpfen und damit einen Hauptprozess, der in die Verzweiflung und schließlich in die Gewalt führt, im Kern mildern oder sogar gänzlich beseitigen.
Von Robert Bowman: Er ist heute Bischof der Vereinigten Katholischen Kirche in Melbourne Beach in Florida, und er hat verdammt viel hinter sich, er hat im Vietnamkrieg 101 Kampfeingriffe im Helikopter geflogen. Der Mann weiss, wovon er redet, wenn er sagt ‚Krieg':
Sorry, hat nicht mehr hingepasst; also er sagte folgendes:
‚Wenn wir uns weiterhin über die wahren Hintergründe des Terrorismus täuschen lassen, wird er uns so lange weiter bedrohen, bis wir vernichtet werden. Die Wahrheit ist, dass keine unserer tausend Atomwaffen uns vor dieser Bedrohung schützen kann. Kein Star-War-System - ganz egal wie technisch hochentwickelt, ganz egal wie viele Milliarden Dollar hineingesteckt worden sind - kann uns vor einer Atomwaffe schützen, die in einem Segelboot oder in einer Cessna, in einem Koffer oder in einem Mietwagen ankommt. Nicht eine einzige Waffe in unserem riesigen Arsenal, nicht ein Cent der 270 Milliarden Dollar, die wir jährlich für sogenannte Verteidigung ausgeben, kann uns gegen eine Terroristenbombe schützen. Das ist eine militärische Tatsache.
Als Oberstleutnant im Ruhestand und jemand, der häufig Vorträge zum Thema nationale Sicherheit gibt, habe ich oft den Psalm 33 zitiert: "Wenn ein König in der Schlacht den Sieg erringt, dann verdankt er das nicht seiner großen Armee; und wenn ein Krieger heil davonkommt, dann liegt es nicht an seinen starken Muskeln." Die Frage ergibt sich: "Was können wir dann tun? Gibt es denn nichts, wodurch wir unseren Bürgern Sicherheit bieten können?"
Ja das gibt es! Aber um das zu begreifen, müssen wir die Wahrheit über die Bedrohung kennen. Als Präsident Clinton dem amerikanischen Volk erklärte, warum wir Afghanistan und den Sudan bombardierten, sagte er nicht die Wahrheit. Er sagte, wir wären das Ziel des Terrorismus, weil wir für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte stehen. Ich sage: Unsinn! Wir sind das Ziel der Terroristen, weil unsere Regierung fast weltweit für Diktatur, Sklaverei und Ausbeutung steht. Wir sind das Ziel der Terroristen, weil wir gehasst werden. Und wir werden gehasst, weil unsere Regierung hassenswerte Taten begangen hat. In wie vielen Ländern haben die Vertreter unserer Regierung Führer, die von der Bevölkerung gewählt waren, abgesetzt und durch Militärdiktatoren ausgetauscht, die nichts anderes als Marionetten und bereit waren, ihre eigenen Bürger an amerikanische Großkonzerne zu verkaufen?
In einem Land nach dem anderen hat unsere Regierung Demokratie vereitelt, Freiheit unterdrückt und ist auf den Menschenrechten herumgetrampelt. Deswegen wird sie rund um die Welt gehasst. Und deswegen sind wir das Ziel von Terroristen.
In Kanada genießen die Menschen Demokratie, Freiheit und Menschenrechte; ebenso die Menschen in Norwegen und Schweden. Hast du schon mal von einer kanadischen Botschaft gehört, die bombardiert wurde? Oder von einer norwegischen oder schwedischen?
Wir werden nicht gehasst, weil wir Demokratie ausüben, Freiheit schätzen oder die Menschenrechte unterstützen. Wir werden gehasst, weil die amerikanische Regierung diese Dinge den Menschen in den Dritte-Welt-Ländern versagt, deren Rohstoffe von unseren Großkonzernen begehrt werden: Der Hass, den wir säen, ist zurückgekommen, um uns in der Form des Terrorismus zu bedrohen.
Sobald die Wahrheit erkannt ist, warum diese Bedrohung besteht, wird die Lösung klar: Wir müssen unsere Richtung ändern. Unsere Atomwaffen loszuwerden, gegebenenfalls einseitig, das wird unsere Sicherheit erhöhen, und eine drastische Änderung unserer Außenpolitik wird sie garantieren.
Anstatt Terroristen und Todesschwadronen auszubilden, sollten wir die Schule der Nation des Militärs schließen. Anstatt Aufstand, Zerrüttung, Mord und Terror weltweit zu unterstützen, sollten wir den CIA abschaffen und das Geld Hilfsorganisationen geben. Kurzum, wir sollten Gutes tun anstelle von Bösem.
Wer würde versuchen, uns aufzuhalten?
Wer würde uns hassen?
Wer würde uns bombardieren wollen?
Das ist die Wahrheit, die die amerikanischen Bürger und die Welt hören müssen.
So, ich hoffe ihr seid nicht erschlagen von der Laenge, aber ich hatte halt etwas Zeit u wollte meine Meinung auch begruenden.
Fraggle
Bin geplättet von deinem Posting, Fraggle. Ich sehe es genauso, daß man durch einen Krieg niemals in der Lage sein wird, sich vor Terror zu schützen, im Gegenteil! Das äußerste, was die USA durch einen "Krieg gegen den Terror" erreichen können (wenn überhaupt!) ist, die Organisationsstrukturen zu zerschlagen – aber um welchen Preis? Durch militärische Angriffe wird nur neuer Haß gesät, alter verstärkt und dadurch für eine Solidarisierung der Gegner Amerikas gesorgt und für die Erhöhung der Bereitschaft, neue Terroranschläge auszuführen. Für die Anschläge vom 11.9.01 hat es sicher ein gewisses Maß an Organisation gebraucht (das meiner Meinung nach aber eher überschätzt wird), für kleinere Terroranschläge – die genauso in der Lage sind, ein Volk zu ängstigen und zu destabilisieren - sind nur ausreichend Haß und ein Gefühl der Auswegslosigkeit notwendig. Und Grund genug dafür liefern die Amerikaner mit ihrem neokolonialistischen Vorgehen.
Weiterhin stört mich die grenzenlose Arroganz der USA der UNO gegenüber: Jahrelang haben sie Beiträge in Höhe einer halben Milliarde Dollar zurückgehalten. Der 11.9.01 und die Unterstützung, die die Amerikaner für ihren „Krieg gegen den Terrorismus“ brauchten, haben sie dann dazu bewogen zu zahlen – und nun das: Bush läßt verlauten, daß die UNO irrelevant wird, wenn sie nicht „friedenserhaltend“ funktioniert – friedenserhaltend nach amerikanischen Vorstellungen, wohlgemerkt! Also durch Legitimation eines Angriffskrieges gegen den Irak. Was ist denn das anderes als Erpressung?
Die June
luckyblue
16.09.2002, 19:56
Dass die amerikanische Repressionspolitik und die desaströsen Lebensumstände im Orient den Terror gebaren, ist klar. Dass sie dies weiterhin tun werden, auch. Der Afghanistan-Krieg visierte jedoch lediglich die Zerschlagung der Organisationsstrukturen der Al Qaida an, während der "Feldzug gegen den Terror" weiterhin andauert und neben militärischen auch politische Maßnahmen einbeziehen dürfte. Die durchwachsene Zwischenbilanz dieser ersten Etappe kann dabei zwar als Indikator für den Reinerlös von "enduring freedom" erachtet werden, muss es aber nicht. Bleibt abzuwarten, wie sich die amerikanische Strategie weiterhin bewährt bzw. ob sie sich bewährt. Obgleich sie im letzten Jahrhundert auch für uns kräftig Rendite abgeworfen hat. Die Amis sind berechenbar, sie machen's immer auf dieselbe Tour: erst ausräuchern bis auf die Wurzeln, dann rekultivieren unter amerikanischer Federführung. Wie damals anno 1945 in God Old Germany. Wen kümmert schließlich ein grundlos zerbombtes Dresden, wenn die amerikanischen Freunde Kaugummis und Zigaretten spendieren? "Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles", heißt es in Goethes "Faust" - wir lechzen nun mal alle nach Befriedigung unserer Bedürfnisse und verdrängen schlechte Erinnerungen, kaum dass unser Hunger gestillt, unser Durst gelöscht und unser Geist in billigem Amüsement gefangen ist. Kein Wunder also, dass vor der Kamera schon jetzt Halbstarke aus Afghanistan das Bombardement der Amis gutheißen. In dem Irrglauben einer Befreiung.
Natürlich halte ich nichts von einem Krieg. Natürlich weiß ich, dass es Bush vor allem um die große Knete mit dem Öl geht, allenfalls noch um die Fortsetzung der Tradition seines Vaters. Aber mein Idealismus endet an der Schwelle meiner Realität. Und wenn Afghanistan von den Amis für ein Sicherheitsrisiko befunden wird, dann sollen sie halt intervenieren. Meinethalben. Hauptsache, Deutschland ist fein raus. Soviel Egoismus gönne ich mir.
Nachdem meine Meinung zu Anti-Terror-Krieg ja schon hinlänglich bekannt sein dürfte, dürfte es auch klar sein, daß ich hier Fraggle doch stellenweise widersprechen muß:
Zunächsteinmal zur Feststellung, auf Gewalt dürfe nie Gegengewalt folgen:
Ist zwar eine nette Theorie, funktioniert aber nicht. Denn was passiert, wenn man aggressive Handlungen von gewalt- und kriegsbereiten nicht eindämmt? Sie machen weiter! Die Geschichte lehrt uns das immer wieder. Und in dieser Reihe läßt sich gebetsmühlenartig die Reihe der Diktatoren und Verbrecher aufzählen, die fraggle in anderem Zusammenhang ins Spiel gebracht hat.
Ob es Hitler war, den man glaubte, mit dem Saarland, dem Sudentenland, Österreich, Tschechien oder der Slovakei besänftigen zu können.
Ob es Saddam war, der bloß gerügt und geächtet wurde, als er Giftgas gegen Freund und Feind einsetzte und Menschenrechte mit Füßen trat.
Ob es Milisevic war, dessen Truppen jahrelang plündernd und brandschatzend durch den Balkan ziehen durften und unbewaffnete Blauhelme als Geiseln nehmen durfte.
Sie alle haben eines gemeinsam: Trotz aller Bemühungen der Weltgemeinschaft haben sie solange weitergemacht, bis die Weltgemeinschaft ihnen gewaltsam entgegentrat und nichts anderes als Gewalt konnte sie stoppen!
Dann zu der steilen These, Amerika hätte die Anschläge praktisch selbst verursacht, weil sie "fast weltweit für Diktatur, Sklaverei und Ausbeutung" stünde.
Das muß man sich ja mal wirklich durch den Kopf gehen lassen. Abgesehen davon, daß "fast die gesamte Welt" ein bisschen hochgegriffen sein dürfte, muß man sich mal fragen, was das für Staaten sind, die nicht gut auf Amerika zu sprechen sind. Nämlich solche, denen es wirtschaftlich nicht so gut geht und die das prosperierende Amerika mit Neid betrachten [Anmerkung zur Globalisierung siehe unten].
Andere Länder hegen aus ideologischen Gründen Groll gegen die USA und die oftmals undemokratische Regierung bläst immer mal wieder gerne aus propagandistischen Gründen zum Sturm gegen die USA.
Ich glaube kaum, daß es eine Regierung auf der Welt gibt, die in allen Ländern populär ist - sobald man irgendwo in der Welt Partei ergreift - geschieht dies zum Nachteil einer anderen Partei.
Und wie wichtig es ist Partei zu ergreifen zeigen wieder die Vereinigten Staaten: Wie sähe denn Europa heute aus, wenn nicht die USA in den 2. Weltkrieg eingegriffen hätten (erzählt mir jetzt nix, von wegen Deutschland hätte ihnen ja den Krieg erklärt - das is völlige Makulatur, denn de facto haben deutsche U-Boote schon vor der Kriegserklärung amerikanische Schiffe mit Ziel England angegriffen und eine Bedrohung wäre Deutschland nie für das amerikanische Mutterland geworden, so daß dies ein rein formaler Akt war).
Es gibt Konflikte, in denen ist es von absoluter Wichtigkeit, Partei zu ergreifen, so einer ist z.B. der Nahostkonflikt. Das hier das von islamische Extremisten anvisierte Ziel der Auslöschung des Staates Israel nicht zur Debatte stehen kann ist ja wohl klar.
Also in diesem Punkt Partei für Israel. (Unabhängig mal davon, was Israel da sonst noch treibt und inwieweit sich das mit dem Völkerrecht vereinbaren läßt).
Ergo muß man hier Stellung gegen gewisse antiisraelische Kräfte beziehen und sich deren Hass zuziehen.
Das kann man auf dem Wege der Worte und Mahnungen machen (dessen Effektivität gegen gewaltbereite Elemente ich oben erörtert habe) oder auf dem Weg der militärischen Unterstützung, der verbindlichen Garatieerklärungen, kurzum, auf einem nicht zwingend gewaltfreien Weg.
Wieso wird also nie eine kandaische, schweizerische und eine schwedische Botschaft bombardiert? Weil die sich auf nichtmilitärische (und eben minderffektive) Mittel beschränken, wohingegen die Vereigten Staaten auch mal ihren Worten Taten folgen oder vorrausgehen lassen. Das wirkt natürlich, macht sie aber auch unbeliebt.
Um den Kreis zu schließen: Wie wäre der zweite Weltkrieg ausgegangen, wenn eine Welt von Schweizern bei jedem von Deutschland angegriffenen Land nur stets die eigene Neutralität bekundet hätte?
Wer glaubt ernsthaft, daß die Terroristen alle brav heimgehen und im nun sozial engagierten Nike-Betrieb Turnschuhe zu US-Löhnen nähen, bloß weil der CIA aufgelöst wird und die Welt sich demilitarisiert?
Also ich nicht. Im Gegenteil: Ein vermeindlich geschwächter Gegner könnte die extremistischen Kräfte doch viel eher dazu anspornen jetzt mal ordentlich Rache zu nehmen für 200 Jahre "Unterdrückung".
Was bitte soll einen Sadam denn davon abhalten nochmal in Kuwait einzumarschieren, wenn die Amis schon im Vorfeld wie unser Kanzler sagen, das sie sich nicht zu Militäraktionen hinreissen lassen würden?
Ein "Du Du DU, böser Sadam, laß das bleiben!" von den Norwegern vielleicht?
Ein nicht-eingreifen bei einer eindeutig verbrecherischen Tat kommt einer Billigung, wenn nicht gar einer Unterstützung gleich!
Es muß einfach eine Gewissheit geben, daß sich ein Verbrechen nicht lohnen darf und wir können verdammt froh sein, daß es Länder gibt, die sich diesen Schuh anziehen und bereit sind, eigene Soldaten (=Bürger) zu entsenden, um anderen Völkern zu helfen (das unter'm Strich auch was für das eigene Land dabei herausspringt is natürlich klar, denn schließlich ist ja oberste Pflicht der Regierung, den Bürgern zu nützen).
So gesehen im 2. Weltkrieg (zugunsten des freien Europas), im Korea-Krieg (zugunsten Süd-Koreas), so gesehen im Golfkrieg (zugunsten Kuwaits [und des Erdöls, okay]) und kürzlich im Afghanistankrieg (zugunsten aller Länder, die künftig Opfer von Anschlägen werden würden).
Und solche Länder verdienen unsere Solidarität und Loyalität!
Anmerkung zur Globalisierung & Folgen:
Der nicht zu überhörende Tenor speziell des 2. fraggle-postings mit diesem Bischof ging ja sehr in diese Richtung.
Die Globalisierung ist sicher in der Form in der sie begonnen hat etwas unglücklich weil unkontrolliert verlaufen und man kann mit ihr auch viele wirtschaftliche Mißstände in entsprechenden Ländern erklären.
Aber sie als DEN Kardinalsgrund schlechthin für die Terroranschläge auf die Staaten zu machen halte ich doch für übertrieben.
Somit sind auch die Folgerungen, das mit einer sozialeren Weltwirtschaftspolitik der Terrorismus einzudämmen wäre fehlerhaft.
Die Länge eurer postings überfordert meine Gedult, sorry.
luckyblue
17.09.2002, 01:25
Wahr ist, dass der Terror von gestern mit Waffengewalt eingedämmt werden musste. Unwahr ist, dass der Terror von morgen mit Waffengewalt eingedämmt werden kann.
In der Tat: Wem die Scheuklappen ideologischer Verbrämung den Horizont in dem Maße begrenzen, dass Attentate sich zur Ultima ratio ausgestalten, der wird das Licht der Menschlichkeit nicht sehen. Und wer nur Ohren hat für die altbackene Litanei fundamentaler Gurus, der wird den Ruf der Toleranz nicht hören. Ganz klar, hier ist mit Common sense nichts mehr zu machen. Also hart durchgreifen. Pazifismus hin oder her. Das heißt: Grünes Licht für den Einsatz militärischer Kräfte. Schweren Herzens. Wirklich.
Doch das darf nur der Anfang sein. Jede militärische Intervention muss die Initialzündung für zivile politische Aufbauarbeit sein. Das ist Conditio sine qua non. Der Zerschlagung der totalitären Organisationsstrukturen muss der Aufbau einer funktionstüchtigen Demokratie folgen. Schulen, Arbeitsplätze, Wohnungsbau - die soziale Infrastruktur ist auszubauen; damit Kinder was im Kopf, Väter was in der Tasche und Mütter was im Topf haben (prima, alle Klischees bedient - und reimt sich auch noch;-)). Wir müssen die Lebensbedingungen verbessern, um dem Aufkeimen neuen Terrorismus vorzubeugen. Wer sein eigenes Blut lecken muss, der wird die Labsal der Menschenliebe nicht goutieren können, sondern sich mit Hass infizieren. Es gilt, die Wunden zu kühlen und die Schmerzen zu lindern. Es gilt, die Schlachtfelder in blühende Lanschaften zu bestellen, um den Wildwuchs neuen Terrorismus zu unterbinden. Und es gilt, den Stammbaum der Gerechtigkeit heute zu pflanzen, um die Früchte der Freiheit und Toleranz morgen zu ernten. Ansonsten werden die Opfer von heute die Täter von morgen sein. (Stichwort "metaphorische Überfrachtung";-), werde jetzt auch wieder sachlicher.)
Zum Partei-Ergreifen im Nahost-Konflikt
Dass die USA Partei ergreifen, ist in ihrem INteresse. Dass wir Partei ergreifen für die USA, ist oft in unserem INteresse und daher absolute NOtwendigkeit. Richtig ist das deshalb noch lange nicht. Speziell im Falle Israel wohl eher falsch. Unter Berücksichtigung der israelischen Repressionspolitik (z. B. "Herrenstraßen", Grundwasser-Verkauf etc.) halte ich eine Solidarisierung mit Scharon für absolut fragwürdig, zumal der israelischen Regierung sowieso ziemlich egal ist, was wir Deutschen von ihr halten - nicht umsonst sind (laut SPIEGEL) keine Korrespondenten israelischer Tageszeitungen in Deutschland mehr auf Posten. Antiisraelische Tendenzen darf man nicht mit antisemitischen Tendenzen verwechseln. Meines Erachtens hat sich die Generation, die die aktuelle deutsche Regierung stellt, auch nicht unbedingt aufgrund falscher Rücksicht auf die jüngere deutsche Geschichte mit Kritik an der israelischen Palästina-Politik zurückzuhalten. Wenn's sie in unserem nationalen INteresse dennoch für richtig hält - auch gut.
In hohem Maße angemessen sind die Äußerungen der Bundesregierung zu einem erneuerlichen Militärschlag der USA gegen den Irak. Erstens hat das nun überhaupt nichts mit Terror-Bekämpfung zu tun, sondern eher mit der Pflege einer Familientradition: Bush junior schickt sich an, das Werk von Bush senior zu vollenden. Zweitens gleicht das einem Stich in ein Wespennest, da - wie Schröder zutreffend bemängelt - keinerlei Neuordnungskonzepte für den orientalen Flickenteppich zur Verfügung stehen. Drittens: Nicht zuletzt bedeutete eine deutsche Beteiligung an einem Schlag gegen den Irak auch ein erhöhtes Sicherheitsrisiko der Deutschen auf ihrem eigenen Grund und Boden: Man sollte nicht vergessen, dass Sadams Langstreckenraketen bis nach Süddeutschland reichen.
Und im übrigen: Wenn es den Amis wirklich nur um einen Sturz Husseins ginge - warum müssen sie dann gleich einen Krieg anzetteln? Es reicht doch ein Spezialkommando, das mal kurz einen unauffälligen Unfall organisiert. Und mit der Manipulation von Ermittlungen kennen sich die Amis ja nun wirklich aus.
Alles wird gut
17.09.2002, 13:33
@ Rico
Ich habe selten so eine Banalisierung des Themas Krieg gelesen...
Was so einfach funktioniert, muss wohl einfach helfen!?!
Botschaften anderer Länder werden nicht angegriffen, weil sie keinen Grund dafür liefern. Der Vergleich mit Hitler hinkt ein wenig, denn bei ihm war abzusehen, das er bei Europa und Russland nicht halt machen würde und der Krieg gegen Deutschland war eine Frage von Notwehr.
Bei allen Unklarheiten war der gegen Afghanistan das auf den ersten Blick auch, aber ein Krieg gegen den Irak ist ein prophylaktischer Erstschlag unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Terrorismus.
Das die "humanistisch" motivierten Soldaten Amerikas im Einsatzgebiet sich nicht dem Ziel entsprechend verhalten und vergewaltigen, foltern und die Zivilbevölkerung ermorden hat die Vergangenheit eindrucksvoll gezeigt! Damit haben sie sich ihre "Legitimation" für solche Interventionen selbst verspielt und sich als Blender geoutet!
Original geschrieben von Alles wird gut
Ich habe selten so eine Banalisierung des Themas Krieg gelesen...Was so einfach funktioniert, muss wohl einfach helfen!?! Erstaunlich wie einfach Krieg funktioniert, was?
Deshalb funktioniert er auch schon seit 3000 Jahren so gut!
Original geschrieben von Alles wird gut
Botschaften anderer Länder werden nicht angegriffen, weil sie keinen Grund dafür liefern. Sag ich doch! Denn eine verbale Mahnung oder Drohung, der keine Taten folgen sind überhaupt kein Grund, Bomben zu legen. Und warum? Weil ein Appell oder eine dringende Aufforderung bei Freund und Feind ungehört verhallt und null Konsequenzen hinter sich herzieht.
Wieviele UN-Resolutionen hat Sadam seit dem Ende des Golfkriegs gebrochen? 16? Auf jeden Fall alle, die ihn betrafen!
Warum sollte er auf die 17. reagieren?
Original geschrieben von Alles wird gut
Der Vergleich mit Hitler hinkt ein wenig, denn bei ihm war abzusehen, das er bei Europa und Russland nicht halt machen würde und der Krieg gegen Deutschland war eine Frage von Notwehr. Es war der Welt eben nicht klar, daß Hitler immer weiter und immer mehr haben wollte. Hätten ihm sonst Leute wie Chamberlain so bereitwillig das Sudetenland und die Tschechoslowakei überlassen?
Heute ist das klar und deshalb muß man heute mit diesem Wissen auch die Konflikte bewerten.
Ein Hitler ist keine einmalige Sache - die meisten Diktatoren weisen da bemerkenswerte Parallelen auf - nur so weit gekommen wie er ist - Gott sei Dank - noch keiner!
Original geschrieben von Alles wird gut
...aber ein Krieg gegen den Irak ist ein prophylaktischer Erstschlag unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Terrorismus. Eben darum geht es! Ein prophylaktischer Schlag! Muß man denn immer warten, bis daß alles in Flammen steht? Kann man denn nicht auch den mal vorher bei eindeutiger Beweislage versuchen, das Unheil abzuwenden?
Original geschrieben von Alles wird gut
Das die "humanistisch" motivierten Soldaten Amerikas im Einsatzgebiet sich nicht dem Ziel entsprechend verhalten und vergewaltigen, foltern und die Zivilbevölkerung ermorden hat die Vergangenheit eindrucksvoll gezeigt! Damit haben sie sich ihre "Legitimation" für solche Interventionen selbst verspielt und sich als Blender geoutet! Hm, ja. Krieg ist keine schöne Sache und es benehmen sich auch nicht alle so wie sie sollten. Ich nehme an, du spielst vor allem auf den Vietnamkrieg an, denn aus jüngerer Zeit sind mir trotz der seither ja verstärken auch unabhängigen Berichterstattung nicht mehr solche Exzesse bekannt.
Wenn soetwas heutzutage noch passiert, dann sicherlich als Einzelfall und nicht mehr vom Oberkommando sanktioniert wie bei Franzosen und Russen nach der Eroberung Deutschlands (als "Vergeltung" für die entsprechenden Übergriffe der Deutschen).
Ansonsten bleibt anzumerken, daß die Amis zwar immer ziemlich heftig Krieg geführt haben und ihre Gegner nicht zimperlich behandelt haben (Dresden, Hiroshima...)- wenn diese aber mal besiegt waren, waren die Amis immer fair und korrekt zu ihnen.
Wiederaufbau eines besiegten Landes ist keine Selbstverständlichkeit, aber die USA praktizieren das schon seit dem 2. Weltkrieg.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.