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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizin-Quote für Deutsche muß wohl abgeschafft werden



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San Pellegrino
23.01.2007, 20:32
http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=i&id=612641


Die EU-Kommission wird am Mittwoch voraussichtlich ein Bußgeldverfahren gegen Österreich wegen der Quotenregelung für ausländische Medizin-Studenten einleiten. Seit dem laufenden Wintersemester sind an den Medizin-Unis 75 Prozent der Anfänger-Studienplätze für Studenten mit österreichischem Reifezeugnis reserviert.

San Pellegrino
23.01.2007, 20:38
Noch ein Link dazu mit reichlich Kommentaren der Leser:

http://derstandard.at/?url=/?id=2739697

Gersig
24.01.2007, 21:01
Man darf gespannt sein! Auf jeden Fall interessant, das zu verfolgen :-meinung

San Pellegrino
24.01.2007, 21:44
Tja, gehe davon aus, daß man probieren wird, jene Deutschen anzulocken, die das nicht nötig haben werden - die mit den besten Abischnitten.

Und damit kommen eher die Österreicher mit dem besten Maturaschnitt dran, weil es für den Rest der deutschen Warter nicht langen wird.

Ist völlig legal.

Man hat dann zwar dieselbe Notenidiotie wie in D, aber vielleciht gibt es ja auch eine kleine Auswahlgesprächs-Quote, wo dann natürlich etwa Rettungsdienst in der Region (also Österreich) informell höher gewertet werden kann als irgendwo im Saarland.
Weil man damit ja bewiesen hat, daß man sich um die Medizin in Österreich bemüht...

tilman
24.01.2007, 22:57
Das Problem mit den Noten ist, dass es in DE zahlenmäßig auch noch genug Leute mit 1,5 gibt die auf Studienplätze warten. Und wenn man zu denen sagt, "Hey in Österreich kannst du gleich anfangen" dann werden die sich das schon überlegen...
Ich mein unterm Strich kannst du dir das wie Diffusion vorstellen:
Im Durchschnitt werden die Leute überall gleich gute Abis/Maturas haben. Der Faktor fällt also schonmal irgendwie weg. Dann bleibt also nur noch die räumliche Verteilung. Und die wird sich eben von dortaus wo viele sind, nach dort wo weniger sind ausgleichen.

Dwilano
30.01.2007, 08:38
Glaubt ihr wirklich, dass Österreich die besten Deutschen haben will, die dann vermutlich eh wieder ins eigene Land zurück gehen? Österreich will mit der Quote Chancen für die eigenen Landsleute schaffen, was ihnen jetzt aber eh durch die EU wieder abgedreht wird.

Ich persönlich (als Österreicherin) sehe diese Entwicklung mit großer Sorge, denn gerade in Medizin hast ja kaum noch Chancen auf einen Studienplatz weil sich so viel mehr Deutsche als Österreicher anmelden und wenn ich davon ausgehe, dass die Intelligenz unter den Studenten gleich verteilt ist, bekommen so auch viel mehr Deutsche als Österreicher einen Studienplatz.
Das kleine Land Österreich finanziert somit dem großen Land Deutschland die Studienplätze und bekommt selber nur einen Bruchteil der Ärzte, die es brauchen würde.
Sollte die Quote für das nächste Semester tatsächlich wegfallen, rechne ich persönlich mit etwa 70-80% Deutschen an unseren Unis und das ist für unser kleines Land mehr als heftig.

Im übrigen, bitte kommt nicht damit, dass wir ja auch nach Deutschland gehen könnten, wenn es so leicht wäre, bei euch einen Studienplatz zu bekommen, würdet ihr doch auch im eigenen Land bleiben oder?

Dr. Pschy
30.01.2007, 13:51
Ganze vorneweg mal: Wo und ich welchem Semester studierst du?

Das Argument, viele Deutsche gehen zurueck nach Deutschland ist bequem, aber vermutlich inkorrekt. Wenn ich mich bei meinen Kollegen so umhoere wollen die wenigsten zurueck nach Deutschland, wo man als Arzt im Vergleich uebelst ausgebeutet wird. Im Gegenteil, viele sagen sie wuerden gerne hierbleiben (was natuerlich auch von der Situation in ein paar Jahren abhaengt, Turnuskatastrophe und so). Der viel propagierte Aerztemangel wird also vermutlich ueberhaupt nicht eintreten.

Dass der Zustrom der deutschen Anfaenger reglementiert gehoert liegt auf der Hand. Das ist aber ein politisches Problem und nicht den deutschen Kollegen vorzuwerfen, die diesen Schritt tun, denn wenn man mal zu sich selbst ehrlich ist und sich in die Situation versetzen wuerde, wuerde man vermutlich sowieso genauso handeln.

Dwilano
30.01.2007, 14:09
Dass der Zustrom der deutschen Anfaenger reglementiert gehoert liegt auf der Hand. Das ist aber ein politisches Problem und nicht den deutschen Kollegen vorzuwerfen, die diesen Schritt tun, denn wenn man mal zu sich selbst ehrlich ist und sich in die Situation versetzen wuerde, wuerde man vermutlich sowieso genauso handeln.

Habe ich das Gegenteil behauptet? Jeden Einzelnen verstehe ich, aber das Problem als gesamtes muss schnellstens geregelt werden, auch wenn euch das vermutlich nicht gefällt, weil es (hoffentlich!) weniger Plätze für Deutsche bedeuten wird.

fliX
30.01.2007, 16:18
Naja zum WS gibt es die Quoten ja noch und ich denke bis 08/09 wird sich schon eine quotenähnliche Lösung finden lassen.

Ich finde es durchaus legitim zu sagen, dass die Landsleute zumindest teilweise vorrang vor Ausländern haben sollten. Das Piefke und EU-bashing in den Kommentaren auf standard.at zeigt allerdings dass eine sachliche Debatte zu dem Thema nur schwer möglich ist.

Zu naheliegend ist der Schluss, dass Österreich nur die schlechten Deutschen bekommt (Stichwort: NC-Versager) und überhaupt Deutsche den Österreichern die Plätze/Positionen bei jeder erdenklichen Gelegenheit wegschnappen. Tatsächlich ist es aber so, dass Deutsche NC-Flüchtlinge durchaus die selben Leistungen bei EMS und ähnlichem erbringen wie Österreicher.
(Das mag vielleicht damit zusammenhängen dass die Matura/Abitur-Note eben doch nicht das perfekte Auswahlkritierum ist...)

Übrigens: 2005/2006 studierten 6.421 Deutsche in Österreich und 5.770 Österreicher in Deutschland. (Quelle: Auswertiges Amt)
Gesamtwirtschaftlich betrachtet halten sich diese Zahlen also (noch) ungefähr die Waage. Wie das ohne die Quoten wäre, sei allerdings mal dahingestellt..

Ein weiteres Argument könnte der Ärztemangel sein, der auf Österreich zukäme, kehrten die Deutschen nach dem Studium in Schaaren wieder zurück in die "alte Heimat". Und hier kann ich mich nur Dr.Pschy anschließen: Vielleicht bleibt Österreich ja auch für viele Deutsche die neue Heimat.

Naja alles in allem habe ich das Gefühl, dass ich es als Österreicher wohl selbst irgendwie unfair finden würde, wären 50% der Studenten aus Deutschland. Von daher... pro Quote =)

San Pellegrino
30.01.2007, 17:39
Man muß eines bedenken: das Medizinstudium ist ja auch auf das jeweilige Land zugeschnitten, es herrschen da andere rechtliche und infrastrukturelle Regelungen usw..

Es ist völlig naiv, zu glauben, ein Medizinstudium könne europaweit problemlos angewandt werden - das eine ist das Zertifikat, das andere das Rundumwissen. Und das ist mindestens genauso wichtig wie die angeblich unverrückbaren, weltweit geltenden Weisheiten.

So sind etwa die Obduktionsbestimmungen und auch die Transplantationsbestimmungen in Ö völlig anders als in D, die interventionell-kardiologische Versorgung läuft in der Fläche ebenso durchwegs anders als in D, Allgemeinmedizin ist (noch) kein reines Überweisungsbusiness wie in D.......

Und es ist auch naiv, zu glauben, daß Deutsche in Österreich problemlos eine Stelle im Krankenhaus bekommen, solange der österr. Warterberg auf den Turnus nicht abgetragen ist.

chopinsky1
31.01.2007, 14:07
Übrigens: 2005/2006 studierten 6.421 Deutsche in Österreich und 5.770 Österreicher in Deutschland. (Quelle: Auswertiges Amt)
Gesamtwirtschaftlich betrachtet halten sich diese Zahlen also (noch) ungefähr die Waage. Wie das ohne die Quoten wäre, sei allerdings mal dahingestellt..


Und daher wäre das ganze bilateral recht einfach zu lösen. Jeweils das Land, welches einen Überhang an Studenten in das andere Land schickt zahlt vorweg ausgemachte Pauschalbeträge pro Jahr. In diesem Fall eben Deutschland für 651 Studenten einen Pauschalbetrag von sagen wir 10.000 EUR (Durchschnittskosten eines Studenten für den Staat in Österreich) an Österreich. Und die Sache hat sich.

Klar würde das auch bedeuten, dass Österreich im Punkto Medizin aufrüsten müsste, man könnte etwa eine weitere Uni in Linz gründen (250 Leute pro Jahrgang) oder eine weitere kleinere halb-privat / halb-staatliche Uni in Wien (150 Leute pro Jahrgang). Zusätzlich müsste in Wien, Innsbruck und Graz die Anfängerplatzzahl um 20% angehoben werden (finanziert durch das Geld der Transferleistungen aus D).

Und wenn sich Politiker trotz allem darüber aufregen, dass in diesem Fall 50% der Studienplätze in Medizin durch dt. Staatsbürger belegt werden, dann kann man am Ende ja eine Art Teil-Maturaschnitt-NC einführen, bei dem man zuerst 50% der Plätze anhand der Matura/Abischnitt vergibt und die restlichen 50% per Auswahlverfahren.

ernstl
31.01.2007, 23:29
[...] dann kann man am Ende ja eine Art Teil-Maturaschnitt-NC einführen, bei dem man zuerst 50% der Plätze anhand der Matura/Abischnitt vergibt und die restlichen 50% per Auswahlverfahren.

Eine Selektion nach Maturaschnitt ist das Idiotischste, das man in Östereich machen könnte (und das heißt, wenn man sich die momentanen Selektionsmechanismen ansieht, einiges).
In einem Land, wo Maturanoten nicht mal ansatzweise vergleichbar sind, einen NC??

San Pellegrino
01.02.2007, 05:51
In einem Land, wo Maturanoten nicht mal ansatzweise vergleichbar sind, einen NC??

Why not ? Das deutsche NC-Strandgut kann da auch immer noch nicht mithalten....

Dwilano
01.02.2007, 08:38
Und daher wäre das ganze bilateral recht einfach zu lösen. Jeweils das Land, welches einen Überhang an Studenten in das andere Land schickt zahlt vorweg ausgemachte Pauschalbeträge pro Jahr. In diesem Fall eben Deutschland für 651 Studenten einen Pauschalbetrag von sagen wir 10.000 EUR (Durchschnittskosten eines Studenten für den Staat in Österreich) an Österreich. Und die Sache hat sich.

Klar würde das auch bedeuten, dass Österreich im Punkto Medizin aufrüsten müsste, man könnte etwa eine weitere Uni in Linz gründen (250 Leute pro Jahrgang) oder eine weitere kleinere halb-privat / halb-staatliche Uni in Wien (150 Leute pro Jahrgang). Zusätzlich müsste in Wien, Innsbruck und Graz die Anfängerplatzzahl um 20% angehoben werden (finanziert durch das Geld der Transferleistungen aus D).

Und wenn sich Politiker trotz allem darüber aufregen, dass in diesem Fall 50% der Studienplätze in Medizin durch dt. Staatsbürger belegt werden, dann kann man am Ende ja eine Art Teil-Maturaschnitt-NC einführen, bei dem man zuerst 50% der Plätze anhand der Matura/Abischnitt vergibt und die restlichen 50% per Auswahlverfahren.


Ääääähhhhmmmm, sorry, aber warum muss Österreich Unis bauen, wenn Deutschland zu wenig Plätze und ein schlechtes System hat? Da sollte Deutschland mal was ändern oder?

ernstl
01.02.2007, 10:39
Why not ? Das deutsche NC-Strandgut kann da auch immer noch nicht mithalten....

Sinn und Zweck des NC-Systems soll also sein, "die bösen Deutschen" fernzuhalten und die Plätze halt irgendwie zu befüllen?

Ich weiß ja nicht wann und wo du die Matura gemacht hast, aber in Städten wie Graz, Wien etc. gibt es AHSen, wo jemand der eine Matura mit Schnitt 1,0 hinlegt, in der Schule direkt daneben (die auch eine AHS ist!) nicht mal in die Maturaklasse kommt... und so willst du selektieren?

Ein NC (so sehr ich aus verschiedensten Gründen dagegen bin) ist nur dann praktikabel und ansatzweise fair, wenn es (vgl. UK, US) standardisierte bzw. zentralistisch entworfene und ausgewertete Schulabschlussprüfungen gibt.

Colchizin
01.02.2007, 10:59
"Offtopic"

Ich bin Deutscher und studiere in Österreich Molekulare Biologie mit Ziel Molekulare Medizin.

Die Quotenregelung sollte meiner Meinung nach noch verschärft werden, weil

1. die Uni werden vom Staat bezahlt und somit sollen auch die Österreicher ein Vorrecht auf einen Uniplatz haben und die restlichen Plätze können dann mit EU-Bürgern und Nicht-EU-Bürgern aufgefüllt werden.

2. Sollten alle, welche in D noch auf der ZVS Warteliste stehen nicht in Ö studiern dürfen. Warum? Gerade in meinem Studiengang sind viele, welche zwischen 2 u. 6 Wartesemester in D für Medizin haben und diese nehmen den Studenten welche diesen Studiengang studieren, weil es ihr eigentlicher Berufswunsch ist Plätze in Übungen, etc. weg.
Ich finde, es sollte eine Regelung geben, nach der nur Leute in Ö studieren dürfen, welche in D nicht auf der Warteliste der ZVS stehen.

3. Am 01.10.2006 haben ca. 70 MolBios angefangen, nachdem das Nachrückverfarhren in D zu Ende war, waren es ca. 90!!!! Dies hatte zur Folge, dass die Hörsäle zu klein waren.
Jetzt am Ende des WS sind es ca. 50 MolBios, der Rest ist in einfachere Studiengänge gewechselt oder hat ganz aufgehört.
Mal ganz ehrlich, wer das 1. Semester dieses Studienganges net schafft, der wird bei Medizin kläglich scheitern.

4. Manche "Warter" machen keinen Hehl daraus, dass sie nur da sind, weil sie nicht wissen, was sie sonst studieren sollen und darauf hoffen, dass ihnen Lehrveranstaltungen in D angerechnet werden bzw. um sich für das Aufnahmeverfahren in Graz vorzubereiten.
In meinen Augen sind diese Leute reine Zeit- und Geldverschwendung!

San Pellegrino
01.02.2007, 17:10
Manche "Warter" machen keinen Hehl daraus, dass sie nur da sind, weil sie nicht wissen, was sie sonst studieren sollen und darauf hoffen, dass ihnen Lehrveranstaltungen in D angerechnet werden bzw. um sich für das Aufnahmeverfahren in Graz vorzubereiten.
In meinen Augen sind diese Leute reine Zeit- und Geldverschwendung!

Das ist aber nur EINER der Gründe, warum das deutsche NC-Strandgut einen derartig blendenden Ruf hat. Zu blöd, Lebenszeit vernünftig zu nutzen, die man denn auch anderen noch versaut.
Die machen eigentlich IMMER nur etwas nebenbei....
Wenn man sich das beim Lebenseinkommen leisten kann.....

Dr. Pschy
01.02.2007, 17:41
Die Ueberlegungen scheitern nur an einem kleinen Problem: Es gibt in Deutschland keine Warteliste bei der ZVS...

chopinsky1
03.02.2007, 07:51
Ich weiß ja nicht wann und wo du die Matura gemacht hast, aber in Städten wie Graz, Wien etc. gibt es AHSen, wo jemand der eine Matura mit Schnitt 1,0 hinlegt, in der Schule direkt daneben (die auch eine AHS ist!) nicht mal in die Maturaklasse kommt... und so willst du selektieren?

Ein NC (so sehr ich aus verschiedensten Gründen dagegen bin) ist nur dann praktikabel und ansatzweise fair, wenn es (vgl. UK, US) standardisierte bzw. zentralistisch entworfene und ausgewertete Schulabschlussprüfungen gibt.

Am besten wäre klarerweise eine österreichweit einheitliche Matura, die als "Ersatzaufnahmeprüfung" herangezogen werden könnte, um am Ende Deutsche mit schlechtem Abischnitt von öst. Unis fernzuhalten.

Da das aber in Österreich nicht durchführbar ist (Bildungsreformen sind in Österreich bekanntlich ein Tabuthema), gibts eben noch die Möglichkeit 50% der Plätze per Notenschnitt (damit im Wesentlichen Österreicher) und 50% der Plätze per Aufnahmeprüfung zu vergeben. Man könnte vorher nochmals kurz erheben in wieweit in Österreich Matura/8.Klasseschnitt mit dem Ergebnis des EMS-Test übereinstimmt - am Ende denke ich, dass doch tendenziell ziemlich viele mit nem Notendurchschnitt von 1.5 oder besser den Aufnahmetest (sofern die 75% Quote bleibt) schaffen. Gab ja auch Untersuchungen in Deutschland, dass die Korrelation zwischen EMS und Abischnitt sehr hoch ist.

San Pellegrino
04.02.2007, 11:11
Naja, vielleicht sollte man auch nur publiker machen, daß man mit einem österr. Studienabschluß in D keine Approbation und keinen Facharztabschluß mehr erlangen kann und damit der Weg zurück zwar nicht versperrt, aber doch ziemlich überflüssig ist.

Daß man damit also höchstens in einem anderen EU-Land als D (und Ö....) seine Ausbildung nach dem Studium von Alpha bis Omega durchziehen kann.

Aber selbst das würde die NC-Gestrandeten nicht einschüchtern, fürchte ich.

Nach dem Motto: Wird mich schon nicht treffen.......(????) :-D