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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage an alle, die später mal nicht kurativ (v.a. nicht im KH) arbeiten wollen



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Dr. Nickschepp
31.01.2007, 18:37
Meine meiner Meinung nach liegt ein wichtiges Problem wo anders.

Es sind zwei Mechanismen, über die in deutschen Kliniken Druck „von oben“ auf die jungen Ärzte ausgeübt wird: die befristeten Arbeitsverträge und die Weiterbildungsanforderungen. Wer bei seinem Chefarzt in Ungnade fällt, läuft Gefahr, seinen Vertrag nicht verlängert zu bekommen oder für die Weiterbildung notwendige Untersuchungen und Operationen nicht durchführen zu dürfen.

Diese Abhängigkeit belastet auch das Verhältnis der Assistenten untereinander. Ellbogenmentalität wird gefördert. nicht zuletzt auch Mobbingaktivitäten. Übrigens nicht erst in der Klinik, sondern bereits im Studium.

Meiner Meinung nach stehn vor allem die (betroffenen) Ärzte in der Pflicht: „Schuld an den desolaten Arbeitsbedingungen hat primär nicht nur die unselige Allianz aus Politik, Verwaltung und Chefärzten, sondern die Krankenhausärzte selbst.“

Das ist wie in einer schlechten Ehe: „Wer sich alles bieten lässt, der darf sich nicht wundern, wenn ihm noch mehr aufgebürdet wird.“

Nur Konsequenzen hätten Sinn, das heißt Dienst nach Vorschrift, Streik oder Kündigung. „Das Warten auf ein (europäisches) Wunder hat nichts gebracht und wird auch in Zukunft nichts bringen“, davon bin ich überzeugt. „Um verbesserte Arbeitsbedingungen durchzusetzen, hätte man kein EuGH-Urteil benötigt, sondern die Ärzte hätten vor Ort für die Einhaltung der bis dato bestehenden gesetzlichen Regelungen eintreten sollen.“ und zwar kollektiv!

Ich habe mich zuletzt nicht als Mensch wahrgenommen, sondern als Gebrauchs- und Verbrauchsgegenstand.
Als biologischer Klammerhalter im OP

Ich möchte hiermit klarstellen das das natürlich meine Sichtweise ist, damit wollte ich hier niemanden auf die Füsse treten.

Fakt ist aber das auch ich trotz aller Warnungen von damaligen Oberärzten, Assis etc. wie z.B. Junge studier was anders, mach den Absprung bevor es zu spät ist, warum tust Du Dir das an etc.... den Weg gegangen bin. Vielleicht weil ich es mir so nicht vorstellen konnte, vielleicht aus Trotz, vielleicht nach dem Motto lass doch alle reden etc.......

Letzlich habe ich ja den Absprung geschafft und betrachte alles aus einer differenzierten Sichtweise.

Wie gesagt, es mag genügend Menschen geben die anders gestrickt sind und die als Arzt in der Klinik ihre Erfüllung sehen. (Jeder Jeck ist halt anders!)

Ich tue es nicht !

Aber das Recht meine Meinung und Erfahrungen hier kund zu tun, lass ich mir auch nicht nehmen!
Schon gar nicht durch polemische und nicht öffentliche Beleidigungen!

Wozu dient dieses Thread sonst?,

Wer Kritik äussert sollte auch Kritik ertragen können.

Und diese Hintenrum Weichspüler Mentalität geht mir einfach platt gesagt auf den Sack und zwar gewaltig!

so das wars, Feuer frei ( vor allem was den Vergleich mit der Ehe angeht) !!! :-meinung

Relaxometrie
31.01.2007, 19:02
Und was noch fehlt, ist der despotische Chef der Abteilung. Der Hauptgrund, warum ich die Chirurgie verlassen habe.
Das ist bei uns genauso :-(
Der Chef kann sehr nett sein und ist zum Glück auch oft gut gelaunt und umgänglich. Er hat mir auch mal einen kleinen Gefallen getan (nichts riesiges, aber es war trotzdem nett), was ich aber jetzt nicht näher erläutern will. Wer weiß....vielleicht liest er hier mal rein und erkennt sich in meiner Beschreibung wieder.
Jetzt will ich nämlich das Negative beschreiben: der Chef der Chirurgie ist extremst selbstherrlich, hält während der OPs oft Monologe, die in den seltensten Fällen irgendjemanden interessieren und beweihräuchert sich auf eine derart penetrante Art ständig selbst, daß es echt nur noch zum :-kotz ist.

Wenn man dann noch diesen Privatpatientenhickhack mitbekommt, der manchmal zwischen den Chefs der verschiedenen Disziplinen abgeht, dann nochmal: :-kotz :-kotz :-kotz


Zu einigen Punkten die hier angesprochen worden sind, möchte ich gerne noch etwas schreiben, aber nach einem nicht ganz unanstrengenden Hakenhaltertag ruft erstmal die Badewanne :-D :-) :-D

Ehemaliger User 20130505
31.01.2007, 19:03
(....)Nur Konsequenzen hätten Sinn, das heißt Dienst nach Vorschrift, Streik oder Kündigung. „Das Warten auf ein (europäisches) Wunder hat nichts gebracht und wird auch in Zukunft nichts bringen“, davon bin ich überzeugt. „Um verbesserte Arbeitsbedingungen durchzusetzen, hätte man kein EuGH-Urteil benötigt, sondern die Ärzte hätten vor Ort für die Einhaltung der bis dato bestehenden gesetzlichen Regelungen eintreten sollen.“ und zwar kollektiv!(...):-dafür

Dr. Nickschepp
02.02.2007, 07:45
wenn man trotzdem lacht oder grade deswegen.......

MrPink
02.02.2007, 11:53
Das trifft es auf den Punkt!

Praia-do-Forte
04.02.2007, 23:52
Ich dachte mir dass ich Euch mal beschreibe wie das tägliche Chaos in einem öffentlichen Krankenhaus in Brasilien so läuft, so in Bezug auf Schichtdienst etc.
Ich habe 2 Modelle kennengelernt: Das der alten Chefin und das des neuen Chefs.

Als Vorinfo:
In den meisten öffentlichen Kliniken sind die Verträge mit den Fachärzten nur für 4 Stunden-Schichten gedacht.
Soll heissen: die Ärzte können gern länger bleiben, werden aber nur für 4 Stunden bezahlt. Deshalb arbeiten die Ärzte in verschiedenen Kliniken. Ich kenne einen der in 8 verschiedenen Krankenhäusern arbeitet. :-notify
Das System der Assistenzärzte ist hochkompliziert und ich hab es selbst nach Monaten nicht verstanden. Es hängt davon ab von welcher Uni Du ursprünglich kommst und was für ein Fach Du machst. Es gibt also Assistenzärzte die morgens in der Derma sind (ihr eigentliches Fach), nachmittags aber in der Inneren (vielleicht in einem anderen Krankenhaus), alles im Rahmen der Ausbildung. Aber prinzipielle Arbeitszeit der Assistenzärzte: von 7.30 bis 18.00 Uhr

Praia-do-Forte
04.02.2007, 23:53
Zu Modell 1:
Die Fachärzte hatten unter sich die Betten des Traktes aufgeteilt (insgesamt rund 66 Betten). Unter ihnen arbeiteten jeweils 1 Assistenzarzt und 1 PJler (äääh, zumindest theoretisch, manchmal gab es auch nur 1 PJler, insgesamt).
Es gab Morgen- (8-11), Intermediär- (11-15) und Nachmittagsschicht (15-19). Also war es so dass der Assistenzarzt in jeder Schicht einem anderen Facharzt zugeteilt war.

Vorteil:
-Jeder Patient hatte auch einen Facharzt der auf ihn aufpasste. :-oopss
-Trotz dass die ersten Fachärzte schon um 11 verschwanden war zumindest der zugeteilte Assistenzarzt den ganzen Tag da um seine Patienten im Auge zu behalten

Nachteil:
-Die Assistenzärzte und PJler bekamen von anderen interessanten Fällen kaum etwas mit.
-Es gab keine Visite.
-Jeder braute irgendwie sein eigenes Süppchen, es gab weniger Austausch unter den Kollegen.

Praia-do-Forte
04.02.2007, 23:57
Modell 2:
Es gab nur noch Morgen- und Nachmittagsschicht.
Die Betten wurden unter Fachärzten und Assistenzärzten verteilt.
Wer morgens also bis 11 da war liess seinen Patienten von da an sozusagen alleine. Bei kritischen Patienten wurde einem Facharzt der nächsten Schicht kurz Bescheid gesagt, dass der mal vorbeischaut.
Um 11 und um 15 Uhr (na ja, theoretisch, meistens war´s gegen 16.30) gab es allgemeine Visite, allerdings nicht am Bett sondern im Besprechungsraum.

Vorteil:
-Durch die Visite kannte man auch alle anderen Patienten.
-In Fällen von Komplikationen (die ständig vorkamen) wusste man zumindest grob was mit dem Patienten los war.
-Die anderen Fachärzte konnten auch ihren Senf zu möglichen Therapieentscheidungen dazu geben. :-top
-Es gibt ein besseres Klima unter den Kollegen. Es wird mehr diskutiert, sich unterhalten.


Nachteil:
-Die Assis (auch die die gerade erst anfingen) waren prinzipiell allein gelassen. Es waren zwar Fachärzte anwesend, aber im Falle von Fragen musste eben die gesamte Geschichte des Patienten aufgesagt werden bis die einem weiterhelfen konnten....
-Dadurch dass die für einen Patienten zuständigen Ärzte manchmal eben nur morgens oder nachmittags da waren, musste sich in den restlichen Zeiten immer ein anderer Trottel finden (der natürlich die Geschichte des Patienten nicht richtig kannte) der den Patienten intubiert, der eine LP macht oder einfach nur den Angehörigen sagt warum der Bruder sie plötzlich nicht mehr wiedererkennt, angefangen hat zu sabbern oder warum der Ehemann plötzlich bei den ganzen furchbar krank aussehenden Patienten (sprich, auf der AIDS-Station) liegt...... :-keks
-Pech auch wer unbedingt ein Konsil braucht. Die (eine und einzige) Neurologin z.B. ist nur von 8 bis 11 da, wenn man also Facharzt ist und seine Schicht nachmittags hat, tja, dann hat der Patient vielleicht Glück und der Facharzt bekommt einen seiner Kollegen dazu die Neurologin zu seinem Patienten zu schleppen (wozu gibt es Papieranforderungen.....nein....man muss persönlich hinterher rennen). Oder man hat Pech und bekommt eben kein Konsil. :-((


Ach ja: Derjenige der Nachtschicht hat (gewöhnlich ein Assi, der tagsüber auf einer anderen Station arbeitet und keinen der Patienten kennt.......aber kein Problem.....nach einer Nachtschicht kennt er eigentlich alle, nachdem jeder entweder Schmerzen bekommen, gekrampft hat oder ateminsuffizient wurde)
ist sowieso der Depp der Nation...... :-party


Das nur zum Thema Schichtdienst.
Noch Fragen?

P.S. Ich könnt mich jetzt noch stundenlang über die weiteren Katastrophen,
aber auch schönen Seiten an der Arbeit in Brasilien auslassen, aber das ist ja hier nicht das Thema....
36h-Schichten hat das ganze Schichtsystem auch nicht verhindert, da jeder, wie gesagt, in verschiedenen Krankenhäusern arbeitete und somit keinerlei Kontrolle darüber bestand wer wie lange am Stück arbeitet....

Ehemaliger User 20130505
05.02.2007, 00:17
36h-Schichten hat das ganze Schichtsystem auch nicht verhindert, da jeder, wie gesagt, in verschiedenen Krankenhäusern arbeitete und somit keinerlei Kontrolle darüber bestand wer wie lange am Stück arbeitet....Tja, wo ein Wille, da ein Schlupfloch. Oder so ähnlich.:-party

MrPink
06.02.2007, 11:11
Ist ja ganz nett was du schreibst, aber hat wieder nichts direkt mit dem Thema Alternativen zu tun.
Wie schon in einem anderen Threat zu Alternativen sollten wir auch hier lieber gleich ein zweites Post mit Verbesserungsvorschlägen aufmachen. Das passt einfach nicht direkt zum Thema.

Ehemaliger User 20130505
06.02.2007, 12:04
Ist ja ganz nett was du schreibst, aber hat wieder nichts direkt mit dem Thema Alternativen zu tun.@MrPink: Wen meist Du? P-d-Fs Post oder meinen Kommentar dazu?

@Praia-do-Forte: Ich finde, Deine Impressionen aus brasilianischen Krankenhäusern wären in dem Thread "Schichten oder Schuften (http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showthread.php?t=35268&page=1&pp=5)" besser untergebracht. ;-)

MrPink
06.02.2007, 12:27
Nein, die Beiträge vonm Praia-do-Forte zum Schichtsystem

Bist ja offensichtlich der selben Meinung :-top


@Praia-do-Forte: Ich finde, Deine Impressionen aus brasilianischen Krankenhäusern wären in dem Thread "Schichten oder Schuften" besser untergebracht

actin
06.02.2007, 12:32
...sollten wir auch hier lieber gleich ein zweites Post mit Verbesserungsvorschlägen aufmachen. Starte doch einen Thread, in dem jeder, der mit seinen momemtanen Arbeitsbedingungen im Krankenhaus nicht zufrieden ist, schildert, was ihm nicht passt und welche Verbesserungsvorschläge er hätte.

Praia-do-Forte
06.02.2007, 16:11
Ich möchte Dir jetzt eigentlich was ganz anderes antworten aber ich halt mich zurück.
Als ich Eure Diskussion beobachtet hab ist mir das eben dazu eingefallen.
Läuft das bei Euren Unterhaltungen mit anderen Menschen auch so? Ihr folgt nur einem Thema? Prinzipiell könnte mein Beitrag in viele Themen reinpassen, nur bei Eurem hier hatte ich eben das Bedürfnis Euch mal die Seiten in anderen Gefilden aufzuzeigen, auch deshalb weil immer Vorschläge kommen doch im Ausland zu arbeiten. Und nennt Brasilien eine Bananenrepublik, ich hab schon einige Mediziner kennengelernt die dort und nirgendwo anders arbeiten wollen, also tut mal nicht so als würde ich hier nur unerhebliches Zeug quatschen.
Ich jedenfalls werde mir nie wieder die Mühe machen und hier von meinen Erfahrungen berichten. Basta.

:-(

Evil
06.02.2007, 16:40
Die Meinung der beiden repräsentiert nicht unbedingt das Forum, zumal beide auch noch Studis sind und die Arbeitsbedingungen nicht aus erster Hand kennen.

Ich fand Deinen Beitrag jedenfalls sehr informativ :-top

Ehemaliger User 20130505
06.02.2007, 17:15
@Praia-do-Forte: Ich fand Deinen Beitrag weder unerheblich noch uninteressant. Im Gegenteil. Und mein Vorschlag, ihn in den Thread: "Schichten oder Schuften" zu verschieben, war ernst gemeint, weil es dort um Vergleiche verschiedener Dienstplanmodelle geht, genau wie in Deinem Beitrag. Ich finde, er würde dort wirklich gut passen.:-top



Läuft das bei Euren Unterhaltungen mit anderen Menschen auch so? Ihr folgt nur einem Thema?
Absolut nicht ;-) :-))