Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nachtdienst als Bereitschaftsdienst oder Nachtschicht?
merowinger81
04.02.2007, 11:55
Um hier einmal die Basics zurechtzurücken:
13 Stunden Arbeitszeit AM STÜCK ist das Maximum, das nach der EU-Richtlinie geht.
Anschließend MUSS man mindestens 11 Stunden Ruhezeit haben !
Was das teutsche AZG sagt oder irgendwelche Urwald-Tarifverträge sagen, ist völlig wurscht - die EU sagt: 8 Stunden Regel, 13 Stunden nur denn, wenn man davon eigentlich 3 Stunden nichts und 2 Stunde nur wenig zu tun hat.
Und nun zur Besetzung (für Herrn Sackbauer): in D haben früher AIPLER internistische Notaufnahmen natürlich ohne irgendeine Ahnung medizinisch in Grund und Boden gewirtschaftet, jetzt machen das eben die Assiärzte um 2000€ netto/Monat.
Kein erfahrener Arzt vor Ort, manche hängen da NUR MEHR AN DER Strippe zum OA......
Telephonsex bzw. Telephonmedizin, sagen die Eingeweihten.
Peinlich ist den Deutschen das natürlich nicht - da passiert es, daß von allen anderen Fächern wegen jedem Kleinsch**** in der Nacht auf die Innere verlegt wird, wo die Patienten dann vom Regen in die Traufe (siehe oben) kommen.
In Deutschland gibt es ernsthaft Einzelverordnungen von 2 IE Altinsulin.........
Es ist kein Scherz, daß ein gestandener Internist einen Patienten zum Sterben freigibt, weil der nicht weiß, daß man beim Parkinson auch Schluckstörungen haben kann....und vielleicht mal einen Neurologen zur besseren Einstellung vorbeischauen lassen sollte.
In D klären onkologische Assiärzte über Port-Implantationen auf (chirurgisch), weil die Chirurgen dazu keine Zeit haben.....
In D wird ein PSA-negatives Prostataca. (!!!!) mit Knochenmetastasen (!!!!) bei einem Pat. PALLIATIV bestrahlt, der bekannte schwer depressive Phasen mit Anorexie in der Anamnese hat.
Die angeblichen Knochenmetastasen wurden im Nativröntgen von einem gerade mal 2 Monate in der Ausbildung stehenden Assiarzt aus Polen befundet - der Pat. hatte nach Nachbefundung durch einen erfahrenen Onkologen und Radiologen weder ein CA noch Metastasen, aber die radioonkologische OÄ wollte eben €€€€€€€ sehen.
Die, übrigens blöd wie nix, hatte ernsthaft behauptet, daß PSA-negative Prostatacas häufig seien. Bei diesem Pat. ohne JEDE HISTOPATHOLOGIE.
Ich habe in D Patienten sterben sehen, weil sich keine Sau vor einer Chemoapplikation das Labor (Pneumonie) angesehen hatte....
Man sieht: Qualität kostet. Aber nicht hier. Da ist sie umsonst. In jeder Hinsicht. :-peng
Wenn man sich anschaut, wie viele sich durch Ihr Studium gepfuscht haben und jetzt auch mehr an den Verdienst, als an das eigene Können denken...
Da wundert mich es doch, wie viele manch eine "Behandlung" überleben.
Oder wie das unser Patho-Prof mal gesagt hat: Bei Obduktionen muss häufig der angegebene Todesgrund revidiert werden.... :-keks
San Pellegrino
04.02.2007, 12:02
Wenn man sich anschaut, wie viele sich durch Ihr Studium gepfuscht haben und jetzt auch mehr an den Verdienst, als an das eigene Können denken...
Da wundert mich es doch, wie viele manch eine "Behandlung" überleben.
Mentalitäten wird man eben schwer reformieren können. Und wenn der Sohnemann mit Medizinergen vom Papi und/oder der Mami nicht die geringste Lust an Medizin hat, geht er in die Psychiatrie (!) und verlegt sich auf Gesprächstherapie, weil man da mit Nichtskönnen immerhin ein Grundgehalt bekommt. :-top
Mentalitäten wird man eben schwer reformieren können. Und wenn der Sohnemann mit Medizinergen vom Papi und/oder der Mami nicht die geringste Lust an Medizin hat, geht er in die Psychiatrie (!) und verlegt sich auf Gesprächstherapie, weil man da mit Nichtskönnen immerhin ein Grundgehalt bekommt. :-top
diese aussage von dir finde ich nicht okay, sondern beleidigend.
merowinger81
04.02.2007, 12:23
diese aussage von dir finde ich nicht okay, sondern beleidigend.
Wieso? Etwas krass formuliert, aber es gibt doch nicht wenige die das studieren,
nicht weil Sie es wollen, sondern weil Sie es sollen und es am Schluss einfach nicht können. Weil Papa in den 70ern u. 80ern gesehen hat, wofür ne Schubkarre ne Praxis und ne Bank gut sein können! :-D
San Pellegrino
04.02.2007, 12:25
Wieso ? Das Nichtskönnen bezog sich auf die Gesprächstherapie eines Sohnemannes, der sowas von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, das er in der Psychiatrie noch am wenigsten auffällt - glaubt der. Aber doch irgendwie "Arzt2 geworden ist - dem traut der Papi in der Zwischenzeit wohl auch die Praxisübernahme nicht mehr zu...
Und im übrigen habe ich reichlich Psychiatrie famuliert und mich auch mal mit dem Gedanken getragen, dieses Fach anzugehen. Und es gibt da genauso Gute wie Sauschlechte Ärzte, aber somatisch haben die meisten wirklich herzlich wenig Ahnung. Sogar mit der Neurologie hapert es bei vielen ganz gewaltig. Wenn man Psychotherapie machen möchte, muß man sich nicht unbedingt ein Medizinstudium antun und wenn man selber einen an der Waffel hat (und da zieht es schon einige in die Psychiatrie oder auch Sozialpädagogik/Psychologie, das ist meine feste Überzeugung), dann sollte man in Therapie gehen, aber nicht selber gleich Therapeut werden......
Mir ist schon klar, daß es psychotherapeutische Verfahren mit hoher Kunstfertigkeit gibt, aber "aktives Zuhören" als Besonderheit bei vereinsamten Menschen zu verkaufen, ist schon ein wenig übertrieben.
okay, dann sage ich es genauer:
"...geht er in die Psychiatrie (!) und verlegt sich auf Gesprächstherapie, weil man da mit Nichtskönnen immerhin ein Grundgehalt bekommt."
da geht mir das verständnis verloren, dass das ein ernsthafter beitrag sein soll.
Relaxometrie
04.02.2007, 12:29
@ San Pellegrino:
Mich interessiert inzwischen doch sehr, aufgrund welcher beruflichen Erfahrung Du Deine Sichtweise errungen hast. Arbeitest Du noch in der Medizin?
Nix für ungut. Aber wenn man weiß, wen man als Diskussionspartner vor sich hat, lebt es sich besser.
Die Frage bleibt bestehen, da noch unbeantwortet :-D
San Pellegrino
04.02.2007, 12:35
Das brennt unter den Fingernägel, gelle ?
Ehemaliger User 20130505
04.02.2007, 12:37
Die Frage bleibt bestehen, da noch unbeantwortet :-D@Relaxometrie:
Die Antwort auf diese Frage würde mich zwar auch interessieren´, aber mal ehrlich _ würdest Du Dich in einem Inet-Forum outen? ;-) :-D
Relaxometrie
04.02.2007, 12:53
@Relaxometrie: würdest Du Dich in einem Inet-Forum outen? ;-) :-D
Ich sage immerhin, daß ich gerade als PJlerin mein Dasein friste, und das entspricht den Tatsachen.
Also können meine Diskussionsparnter mich grob einordnen.
SP kann man aber gar nicht einordnen. Er/sie könnte natürlich auch irgendetwas bzgl. seines/ihres "Daseinsstatus" schreiben und hemmungslos rumlügen. Es fragt sich also, was besser ist: lieber ehrlich nichts sagen, als zu lügen?
Wie auch immer. Mir macht das diskutieren mehr Spaß, wenn ich das Gefühl habe, mein Gegenüber ungefähr einschätzen zu können.
Und das kann man bei SP einfach nicht.
Ehemaliger User 20130505
04.02.2007, 12:56
Es fragt sich also, was besser ist: lieber ehrlich nichts sagen, als zu lügen?
Lieber nichts/möglichst wenig zur eigenen Biografie zu sagen finde ich besser, als das Blaue vom Himmel runter zu lügen, wie es oft gemacht wird.
Edit: Du kannst ja das, was die Leute zur Diskussion beitragen, anhand Deiner eigenen Erfahrungen und Kenntnisse auf Plausibilität überprüfen.
alley_cat75
25.11.2008, 12:03
Auf Wunsch des einstigen threadstellers krame ich den hier mal wieder vor, schon um von den Dingen zu berichten, die sich in meiner 2jährigen Tätigkeit in der Klinik geändert haben. Vielleicht geht es anderen ja auch so.
Unnötige Beanspruchung der Notdienste durch unverschämte oder hypochondrische Patienten .
Ich traue mich mittlerweile (dank oberärztlichem Segen), Patienten mit harmlosen Beschwerden unangetastet nach Hause zu schicken und auf die Hausarztsprechstunde zu verweisen. Ab und zu nimmt mir das die diensthabene Schwester ab, wenn ich im Haus unabkömmlich bin. Probleme/Beschwerden/Klagen gab es bisher nicht.
Einstufung und Bezahlung nächtlicher (Not)-Dienste.
Als ich vor ca. 2 Jahren mit Diensten anfing, waren es noch 24 Stunden. Initial waren die meist ab 23 Uhr entspannend, man konnte meist 6 h am Stück durchschlafen. Als sich das Patientenaufkommen in der Notaufnahme merklich erhöhte (fehlende Hausärzte in der Umgebung) setzten sich alle Fachgruppen im Haus zusammen, um eine Lösung für den nicht mehr im Dienst zu bewältigenden Arbeitsaufwand zu finden. Das ging über Wochen und war eine zähe Angelegenheit. Die meisten befürchteten deutliche Gehaltseinbußen; der eigentliche Arbeitsaufwand war völlig nebensächlich. :-( Wir haben uns auf 12 h Dienste geeinigt, bekamen dafür 2 neue Stellen von der Geschäftsführung. Gehaltseinbuße ca. 200 - 300 Euro netto. Einige meckern bis heute. Ich finde es besser, weil man nach 12 h Nachtdienst nämlich noch etwas von seinem freien Tag hat. :-meinung Und wenn man vorher 24 h arbeiten musste, vergehen 12 h echt wie im Flug. Ich würde nach heutigen Gesichtspunkten nicht mehr an einer Klinik mit 24 h Diensten anfangen. Der Markt zeigt, dass es anders geht. In vielen Berliner Kliniken wird sogar im 3-Schicht-System gearbeitet und die Assis mussten ihren Porsche nicht dem Händler zurückgeben. ;-)
Warum sind so viele bereit, 24 Stunden am Stück zu arbeiten?
Es geht allein um Geld, sonst nichts. :-meinung Wir haben im Team mal die Anzahl ärztlicher Fehler, vergessener Anordnungen heute und damals gezählt - erschreckend. Egal wie schlau oder tough man ist, man erbringt nach 16 Stunden einfach nicht mehr die gleiche Leistung wie nach 8 h. Unsere leitende Oberärztin hat mit uns nach 24 h Dient Vigilanztest durchgeführt, um zu zeigen, wie verantwortungslos es ist, danach noch ins Auto zu steigen. An die Patienten dürfen wir ran, ins Auto nicht mehr. Ganz schön absurd.
Medimatze
25.11.2008, 23:04
kann nur das wiederholen was ich in x threads schon geschrieben habe: 24er sind finanziell attraktiver. ende, aus. und ich brauch die kohle. bei dem grundgehalt sowieso.
ich habe jetzt ein dienstmodell, das keine 24er vorsieht, finanziell ein herber rückschritt.
operativ ging es in den 24ern auch besser, weil einfach mehr notfälle für den einzelnen anfielen im laufe eines dienstes. das ist vielleicht nicht gesundheitsfördernd, aber weiterbildungsfördernd. und was ein anderer hier auch mal geschrieben hat: wenn ich schlafe, lern ich nix.
ich sehe den sinn im schichtmodell absolut, aber dann bitte ein vergleichbares gehalt für ein schichtmodell.
bis dahin: pro 24er von meiner seite.
und noch was: wer in ein operatives fach geht, sollte sich über die arbeitsbelastung im klaren sein, sonst muss man was anderes machen. just my 2 cents.
als urologe würde ich das auch so sehen. mein kollege hatte in seinem dienst heute bis jetzt 2 patienten. beide ambulant geblieben. ich habe bereits 42 patienten versorgt, 8 stationäre aufnahmen, davon 2 ops.
ICH brauche auch das geld, ich bin nicht für 24 stunden. wenn ich in dieser zeit nur 2 pat. sehen würde wäre das was anderes...
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