Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Trainingscenter - kurze Fälle



Seiten : 1 2 [3] 4

Lava
06.05.2007, 17:59
Zu 1.)

Sind noch andere in der Umgebung krank oder waren es kürzlich? War sie im ausland?
Hat sie sonst noch andere Beschwerden, wie z.B. Husten, Schnupfen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, andere Schmerzen...
Hat sie irgendwelche Grunderkrankungen? Hat sie etwas eingenommen und wenn ja, was und hat's geholfen?

Sebastian1
06.05.2007, 23:43
Zu 1.)

Sind noch andere in der Umgebung krank oder waren es kürzlich? War sie im ausland?
Hat sie sonst noch andere Beschwerden, wie z.B. Husten, Schnupfen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, andere Schmerzen...
Hat sie irgendwelche Grunderkrankungen? Hat sie etwas eingenommen und wenn ja, was und hat's geholfen?

Zu 1:
Keine Erkrankungen in der Umgebung bekannt.
Ausland: Ja. Erst gestern nach 1jährigem Aufenthalt aus Papua-Neuguinea zurückgekommen, auf dem Rückweg noch 3 Tage in Jakarta Zwischenstopp gemacht.
Zum Fieber kommen Kopfschmerzen sowie Schmerzen bei Bewegungen der Bulbi. Keine Nausea, keine Emesis. Muskelschmerzen va anden Extremitäten, proximal betont. Keine anderen Grunderkrankungen bekannt. Bisher keine Selbstmedikation, ansonsten nur orale Kontrazeption.

test
07.05.2007, 01:30
1)
Hat sie Malariaprophylaxe genommen?(bin nich sicher ob das für die Regionen empfohlen ist).
Welche Impfungen hat sie?
Ähnliches schon mal gehabt?
IV-Drogen? Kontakt mit Tieren? Haustiere?
Ungeschützten GEschlechtsverkehr?
Insektenstiche?
Hat sie Hauterscheinungen?
Wirkt sie septisch? Wie sind ihre vitalparameter?
Untersuchung:
Kopf, Hals, neurologisch orientierend + Meningismus, Cor, Pulmo, Abdomen, Extremitäten (Pulse, Ödeme, Hämorrhagien? auch auf Schleimhäuten gucken), Blässe?

2)
Wie oft Durchfall, wie viel, Farbe, Konsistenz, blutig?, schleimig?
Fieber, Übelkeit, Erbrechen, andere Symptome?
War sie im Ausland, Umgebung auch krank? Haustiere? Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien.
Schon mal ähnliches gehabt?
Untersuchung:
Vitalparameter, Kopf, Hals, neuro orientierend, cor, pulmo, abdomen, extr.

Sebastian1
07.05.2007, 11:50
1)
Hat sie Malariaprophylaxe genommen?(bin nich sicher ob das für die Regionen empfohlen ist). Welche Impfungen hat sie? Ähnliches schon mal gehabt? IV-Drogen? Kontakt mit Tieren? Haustiere? Ungeschützten GEschlechtsverkehr? Insektenstiche? Hat sie Hauterscheinungen?
Wirkt sie septisch? Wie sind ihre vitalparameter?
Untersuchung:
Kopf, Hals, neurologisch orientierend + Meningismus, Cor, Pulmo, Abdomen, Extremitäten (Pulse, Ödeme, Hämorrhagien? auch auf Schleimhäuten gucken), Blässe?


Malariaprophylaxe für die Region ist empfohlen. Mehrere Ihrer KOllegen seien während Ihres Aufenthaltes auch an Malaria erkrankt. Sie selbst habe im ersten halben Jahr eine Prophylaxe mit Lariam durchgeführt, dann aber wegen Nebenwirkungen abgesetzt. Danach dann auf Schutzmassnhmen geachtet sofern möglich (Moskitonetz, Repellents etc).
Impfungen: Impfstatus nach Stiko-Empfehlungen in Ordnung inklusive Hep A/B, zusätzlich nach Typhus.
Fieber hat sie in Ihrem Leben sicher schon mal gehabt, auch mit Kopf- und Muskelschmerzen, aber das ist so lange her....
Kontakt mit Tieren: Kein Kontakt mit Haus- oder Nutztieren, aber sie war halt irgendwo auf dem Land, keine Ahnung was da ggfs. so frei rumkreucht- und fleucht. Keine Drogen irgendeiner Art, auch kein Alkohol oder Nikotin. Keine Hauteffloreszenzen.
Vitalparameter: RR 115/65, P 128/min, T 39.1 axillär, SpO2 100% bei Raumluft. Nein, septisch wirkt sie nicht.
Körperliche Untersuchung: Neurostatus bis auf den Schmerz bei Augenbewegungen komplett blande (und der Schmerz ist nicht besonders stark). Cor: rein, rhythmisch, relative Tachykardie. Pulmo: ubiquitär Vesikuläratmen. Abdomen unauffällig.
Keine Ödeme, keine Hämorrhagien, proximal betonte Muskelschmerzen, Schleimhäute unauffällig. Haut ist überwärmt, von normaler Farbe. Kopf eher etwas gerötet als blass, aber nicht besonders ausgeprägt.



2)
Wie oft Durchfall, wie viel, Farbe, Konsistenz, blutig?, schleimig?
Fieber, Übelkeit, Erbrechen, andere Symptome?
War sie im Ausland, Umgebung auch krank? Haustiere? Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien.
Schon mal ähnliches gehabt?
Untersuchung:
Vitalparameter, Kopf, Hals, neuro orientierend, cor, pulmo, abdomen, extr.

Durchfall mit einer Frequenz von ca 20/Tag, Konsistenz wässrig, nie Blut- oder Schleimbeimengungen. Tw leicht erhöhte Temperatur (bis 37,8°C oral), aber nie höher. Keine Nausea, keine Emesis. Umgebung (Arbeitskollegen, Ehemann, Tochter) nicht krank. Medis: nur Thyroxin 100 ug/Tag. An Vorerkrankungen nur die Hypothyreose.
Im Ausland war sie zuletzt vor 4 Monaten, da ist sie von einer 3monatigen Rundreise durch Indien und Nepal wiedergekommen. Sie habe dort sehr drauf geachtet, was und wo sie isst und sei eigentlich nur in sehr guten Unterkünften gewesen. Dennoch hatte sie gegen Ende der Reise einmal für 3 Tage Durchfall, das sei ähnlich gewesen. Dann folgte 1,5 Monate nach Ihrer Rückkehr noch einmal eine Phase von ca 1 Woche, in der sie das wieder gehabt habe.
Keine Haustiere (höchstens mal bei Besuch von Freunden Kontakt mit Hunden und Katzen gehabt, aber sporadisch), keine Allergien.
Untersuchung: (ich kürz das jetzt mal ab: alles was du gefragt hast und ich hier nicht explizit beantworte ist normal): Nur leicht gesteigerte Darmgeräusche, während Anamnese und Untersuchung muss die Patientin bereits 2x auf Toilette. Im übrigen blande.

Zoidberg
07.05.2007, 12:32
zu 1)
Ich nehme an Gelbfieberimpfung besteht auch?
Das Fieber gilt bis zum Beweis des Gegenteils als stark malariaverdächtig, v.a. da keine Prophylaxe. Würde sofort Blutausstrich und "Dicken Tropfen" von einem malariaerfahrenen Labor machen lassen, also EDTA Blut hinschicken, falls das Hauslabor das nicht kann. Bei negativem Befund nach 6-8h erneute Testung.
Zweite DD wäre Dengue Fieber, in dem frühen Stadium würde ich noch nicht das charakteristische Exanthem erwarten.
Die Allgemeinsymptome passen ja auch zu einer Virusinfektion.
An weiterer Diagnostik würde ich 2x2 Blutkulturen abnehmen, U-Status bestimmen, trotz negativem Auskultationsbefund ein Rx Thorax veranlassen.
Wegen der Sz bei Augenbewegungen würde ich sicherheitshalber eine Liquorpunktion veranlassen. Dazu Laboruntersuchung: großes Blutbild (Thrombozytopenie (malaria?), Eosinophilie (Parasitosen?), dazu Standard Chemie, also Elyte, Leber, Nierenwerte, CRP.
Ich würde sie stationär aufnehmen, regelmässig beobachten, auf Hauterscheinungen achten (Roseolen?), Fieberkurve (non malignant malaria?).
Zu diskutieren wären auch Stuhluntersuchungen auf Eier/Zysten.

Zoidberg
07.05.2007, 12:45
2)
Zwei Risikofaktoren für akuten Durchfall, einmal die Thyroxinmedikation und dann die Auslandsanamnese, besonders wegen der schon stattgehabten Durchfälle.
Was würde ich mit ihr machen: einmal Infusionstherapie: G5 oder G10 und dazu eine Vollelektrolytlösung, vielleicht jeweils erstmal 1000ml. Dazu Laborkontrolle, einmal das TSH für eine vielleicht durch Übermedikation ausgelöste Diarrhoe, dazu großes BB (Eosinophilie?), Elyte (Verschiebungen durch Durchfall? K, Na, Cl?) und weitere Standardwerte.
Stuhlkultur auf darmpathogene Keime (Campylobacter, Shigellen, Salmonellen, Yersinien, E Coli O157). Kann unser Labor fäkales Lactoferrin bestimmen? Wenn ja bestimmen und somit Hinweis auf etwaige Darmentzündung (sehr hoher neg. Vorhersagewert) und dazu noch Test auf occultes Blut im Stuhl. Dazu Stuhluntersuchung auf Eier, Zysten etc. :-)
Gab es in letzter Zeit einen HIV Test?

Sebastian1
07.05.2007, 13:30
zu 1)
Ich nehme an Gelbfieberimpfung besteht auch?
Das Fieber gilt bis zum Beweis des Gegenteils als stark malariaverdächtig, v.a. da keine Prophylaxe. Würde sofort Blutausstrich und "Dicken Tropfen" von einem malariaerfahrenen Labor machen lassen, also EDTA Blut hinschicken, falls das Hauslabor das nicht kann. Bei negativem Befund nach 6-8h erneute Testung.
Zweite DD wäre Dengue Fieber, in dem frühen Stadium würde ich noch nicht das charakteristische Exanthem erwarten.
Die Allgemeinsymptome passen ja auch zu einer Virusinfektion.
An weiterer Diagnostik würde ich 2x2 Blutkulturen abnehmen, U-Status bestimmen, trotz negativem Auskultationsbefund ein Rx Thorax veranlassen.
Wegen der Sz bei Augenbewegungen würde ich sicherheitshalber eine Liquorpunktion veranlassen. Dazu Laboruntersuchung: großes Blutbild (Thrombozytopenie (malaria?), Eosinophilie (Parasitosen?), dazu Standard Chemie, also Elyte, Leber, Nierenwerte, CRP.
Ich würde sie stationär aufnehmen, regelmässig beobachten, auf Hauterscheinungen achten (Roseolen?), Fieberkurve (non malignant malaria?).
Zu diskutieren wären auch Stuhluntersuchungen auf Eier/Zysten.

Okay, Malariadiagnostik ist sicher sinnvoll:
Ausstrich und P.falciparum-Ag (letzteres als Schnelltest) werden abgenommen und sind beide negativ. Schön, dass du an die wiederholte Testung denkst. LP unter welchem Verdacht?
Rx Thorax altersentsprechender Normalbefund.
Normales Blutbild bis auf minim erniedrigte Leukos (2.7), in der Differenzierung leichte Lymphopenie. Keine Thrombopenie. Klinische Chemie unauffällig (übrigens inkl. Haptoglobin, falls jemand an malariainduzierte Hämolyse denkt). U-Status normal. BK werden abgenommen. Gelbfieberimpfung besteht.
Da du ja schon an Viruserkrankungen denkst: Willst du da ne spezifische Diagnostik? Die Labore hier können recht viel wie du weisst ;)

Sebastian1
07.05.2007, 13:33
2)
Zwei Risikofaktoren für akuten Durchfall, einmal die Thyroxinmedikation und dann die Auslandsanamnese, besonders wegen der schon stattgehabten Durchfälle.
Was würde ich mit ihr machen: einmal Infusionstherapie: G5 oder G10 und dazu eine Vollelektrolytlösung, vielleicht jeweils erstmal 1000ml. Dazu Laborkontrolle, einmal das TSH für eine vielleicht durch Übermedikation ausgelöste Diarrhoe, dazu großes BB (Eosinophilie?), Elyte (Verschiebungen durch Durchfall? K, Na, Cl?) und weitere Standardwerte.
Stuhlkultur auf darmpathogene Keime (Campylobacter, Shigellen, Salmonellen, Yersinien, E Coli O157). Kann unser Labor fäkales Lactoferrin bestimmen? Wenn ja bestimmen und somit Hinweis auf etwaige Darmentzündung (sehr hoher neg. Vorhersagewert) und dazu noch Test auf occultes Blut im Stuhl. Dazu Stuhluntersuchung auf Eier, Zysten etc. :-)
Gab es in letzter Zeit einen HIV Test?

HIV-Test gabs nicht, können aber ja einen machen.
TSH normwertig. Im Diff-BB leichte Eosinophilie und n Hk von 0,53, so dass bissi Flüssigkeit und Elyte sicher nicht schaden. Im übrigen blandes Labor. Eine CED-Anamnese besteht nicht, wäre auch ein etwas spätes Manifestationsalter. Okay, muiss man trotzdem dran denken. Aber ich sag mal direkt, dass es das nicht ist. Stuhlkulturen auf Pathogene Keime und Wurmeier etc wird abgenommen. Haemoccult negativ.

Zoidberg
07.05.2007, 15:38
Okay, Malariadiagnostik ist sicher sinnvoll:
Ausstrich und P.falciparum-Ag (letzteres als Schnelltest) werden abgenommen und sind beide negativ. Schön, dass du an die wiederholte Testung denkst. LP unter welchem Verdacht?
Rx Thorax altersentsprechender Normalbefund.
Normales Blutbild bis auf minim erniedrigte Leukos (2.7), in der Differenzierung leichte Lymphopenie. Keine Thrombopenie. Klinische Chemie unauffällig (übrigens inkl. Haptoglobin, falls jemand an malariainduzierte Hämolyse denkt). U-Status normal. BK werden abgenommen. Gelbfieberimpfung besteht.
Da du ja schon an Viruserkrankungen denkst: Willst du da ne spezifische Diagnostik? Die Labore hier können recht viel wie du weisst ;)

Fall1
LP unter Verdacht auf lymphozytäre Meningitis, die kann ja häufig atypisch verlaufen.
Wenn ich mir Viren aussuchen darf :-)

Dengue-Antikörper Bestimmung, LCM Virus Antikörper, für FSME falsches Gebiet, würde aber passen von der Klinik. HIV 1/2 kann auch nicht schaden
im Liquor auf jeden Fall noch Herpes simplex PCR

Zoidberg
07.05.2007, 15:44
HIV-Test gabs nicht, können aber ja einen machen.
TSH normwertig. Im Diff-BB leichte Eosinophilie und n Hk von 0,53, so dass bissi Flüssigkeit und Elyte sicher nicht schaden. Im übrigen blandes Labor. Eine CED-Anamnese besteht nicht, wäre auch ein etwas spätes Manifestationsalter. Okay, muiss man trotzdem dran denken. Aber ich sag mal direkt, dass es das nicht ist. Stuhlkulturen auf Pathogene Keime und Wurmeier etc wird abgenommen. Haemoccult negativ.

Fall2
-dann hätte ich gerne einen HIV1/2 Elisa dann Einverständnis der Patientin
-leichte Eosinophilie könnte auf eine parasitäre Erkrankung hindeuten, warten wir die Stuhlergebnisse ab (bitte 3 Tage jeweils Stuhlproben einschicken, wenn möglich schnell einschicken und bei 36°C wärmen :-kotz )
-wie sieht es aus mit Lactoferrin / Leukos im Stuhl?
-hat die Patientin selber Proglottiden gesehen?
-treten die Durchfälle auch nachts auf? auch Durchfälle bei Nahrungskarenz?
-wie sieht denn der Durchfall aus? Fettig? Glänzend? ein besonderer Geruch?
-klagt sie über Tenesmen?

Sebastian1
11.05.2007, 22:44
Fall1
LP unter Verdacht auf lymphozytäre Meningitis, die kann ja häufig atypisch verlaufen.
Wenn ich mir Viren aussuchen darf :-)

Dengue-Antikörper Bestimmung, LCM Virus Antikörper, für FSME falsches Gebiet, würde aber passen von der Klinik. HIV 1/2 kann auch nicht schaden
im Liquor auf jeden Fall noch Herpes simplex PCR

Sorry, das Antwort so lange gedauert hat.
Aber Bingo, du hast es. Erwähnt hattest du es auch schon in einem früheren Posting, das Handling war effektiv so, wie du es beschrieben hast.
Dengue positiv und die Diagnose steht. Da Erstinfektion relativ harmlos. :-)

Sebastian1
11.05.2007, 22:46
Fall2
-dann hätte ich gerne einen HIV1/2 Elisa dann Einverständnis der Patientin
-leichte Eosinophilie könnte auf eine parasitäre Erkrankung hindeuten, warten wir die Stuhlergebnisse ab (bitte 3 Tage jeweils Stuhlproben einschicken, wenn möglich schnell einschicken und bei 36°C wärmen :-kotz )
-wie sieht es aus mit Lactoferrin / Leukos im Stuhl?
-hat die Patientin selber Proglottiden gesehen?
-treten die Durchfälle auch nachts auf? auch Durchfälle bei Nahrungskarenz?
-wie sieht denn der Durchfall aus? Fettig? Glänzend? ein besonderer Geruch?
-klagt sie über Tenesmen?

HIV-Einverständis erfolgt, Test ist negativ. Stuhlergebnisse dauern noch etwas. Lactoferrin wurde nicht bestimmt. Der Patientin selbst ist ausser wässrigen Durchfällen nix aufgefallen, kein Blut, kein Schleim, keine etwaigen Würmer oder so.
Durchfälle auch nachts, auch bei Nahrungskarenz.
Wässrige Durchfälle wie gesagt, und, um es deutlich zu sagen: stinkend wie Sau.
Tenesmen intermittierend, anamnestisch allerdings nicht im Vordergrund stehend und demzufolge nicht sooo arg böse.

Zoidberg
14.05.2007, 12:22
noch zu Fall 1, gab es noch im Verlauf das Dengue Exanthem?

zu Fall2:

Den Durchfall würde ich noch als akuten Durchfall einordnen (<3 Wochen). Da sowohl nachts als auch bei Nahrungskarenz Durchfall vorkommt, dazu makroskopisch kein Blut im Stuhl vorkommt als auch der FOBT negativ ist, würde ich den Durchfall als sekretorisch einordnen.

Welche DDs kommen bei akut sekretorischem Durchfall in Betracht - einmal durch Toxine (Staph. aureus, B. cereus, C. perf.), dafür ist der Durchfall mir mit 2 Wochen zu lang. Choleratoxin ist bei Tropen vor 4 Wochen zu lang her. Eine Antibiotika Therapie gab es auch nicht (C. Diff. Toxin A/B). Hat sie Kontakt zu Toxinen (Arsen?) gehabt?
Infektiös v.a. bei einer Tropenheimkehrerin z.B. Giardia lamblia oder sonstige Protozoen und Helminthen, wobei Entamoeba hist. dabei eher unwahrscheinlich ist, da keine Darmwandinvasion; Cryptosporidiose wäre auch eher unwahrscheinlich, da HIV negativ. Darminvasive Errerger wie Campylobacter, Shigellen oder Salmonellen auch eher unwahrscheinlich.
An endokrinen Ursachen haben wir eine Hyperthyreose ausgeschlossen, ein Vipom käme noch in Frage, später Kalium im Serum bestimmen. Ein Karzinoid könnte auch die beschriebene Symptomatik verursachen, hat die Patientin Flush Zustände bemerkt?
Die beschriebenen stark übelriechenden Stühl lenken meinen Verdacht auf ein Malassimilationssyndrom, vor allem Fettmalabsorption. Sie hatte keine Ileum-OP und auch keinen M. Crohn, in Frage kommen z.B. ein Bakterielles Überwuchssyndrom (Dekonjugierung der Gallensäuren und somit nicht ausreichend Fettabsorption) oder auch eine einheimische / tropische Sprue. Können wir Fettausscheidung im 24h Stuhl messen? Ich hätte auch gern noch ein Blutbild (Vitaminmangel-Anämiè? Eisenmangelanämie?)
Zur einheimischen Sprue könnten wir diagnostisch einmal die Gewebstransglutaminase-AK bestimmen, dazu eine Magenspiegelung durchführen lassen und eine Duodenalzottenbiopsie entnehmen zwecks Sprue-Diagnostik. Auch einen M. Whipple könnten wir so diagnostizieren. Lamblien könnten auch mikroskopisch entdeckt werden (Duodenalsaft und Biopsie).
Fettstühle könnten auch durch eine exokrine Pankreasinsuff. ausgelöst werden, hier fehlt aber die Anamnese einer chron. Pankreatitis, darum eher unwahrscheinlich.
Wie sieht es psychisch mit der Patientin aus? Besteht der Verdacht auf Laxantienabusus?

Also vorgehen:

Labor: Blutbild, E`lyte (Hypokaliämie), Gewebstransglutaminase AK, Stuhlfettbestimmung
dann ggf. nach Befund vom Labor und Stuhlkulturen ÖGD

Sebastian1
16.05.2007, 19:35
Wow, Zoid, das war ja ein Vortrag aus den höheren Weihen der Gastroenterologie :-)
Also, ich machs auch hier einfach mal kurz: Die mikroskopische Bestimmung brachte die Diagnose, die du in deinem Posting mehrfach als DD erwähnt hast: Giardia lamblia. Gratulation! :-) Therapeutisch dann Metronidazol.

Ad 1) Weiss ich nicht, wir hatten hier halt die Möglichkeit des Ag-Nachweises und damit stand natürlich die Diagnose. Ist ein wenig der Nachteil am Notfall, dass man die Patienten in den meisten Fällen nicht wieder sieht und daher den weiteren Verlauf nicht mitbekommt.

Tombow
02.10.2007, 17:32
So...dann melde ich mich wieder...mit einem kurzen Fall.

Groooße Klinik, Sonntagsdienst, in der Notaufnahme kann man kaum erkennen, daß es ein Sonntag ist, geschäftiges Treiben wie an einem Werktag. Gerade den zweiten Schlaganfall des Tages auf die Stroke Unit verbracht, kommt zu Ihnen der nette Kollege aus der Unfallchirurgie und bitten um ein Konsil. Alleine die Fragestellung hört sich mysteriös an:

Patient ist mit Rettungswagen gebracht worden, nachdem er (Amateurfußballer) nach einem Sonntagstraining in einer doch etwas hitzigeren Auseinandersetzung mit seinem Trainer eine Wasserflasche mit voller Wucht auf dem Kopf bekommen hat. Kein Bewußtseinsverlust, keine Eintrübung, wach, allseits orientiert. Kopfplatzwunde ist genäht worden, Patient wird sowieso chirurgisch zur Nachbeobachtung aufgenommen. Nur ist es dem Kollegen aufgefallen, daß der Patient auf einmal (im Bett liegend) kurz wilde, weit ausholende Bewegungen mit den Armen gemacht hatte. Kollege hat den Verdacht auf ein Krampfanfall und bittet sie um neurologische Stellungnahme.

Nun, weiter?

test
02.10.2007, 17:46
Alter? Ist er immer noch orientiert und bewußtseinsklar?
Nochmal kurz vom Patienten schildern lassen was passiert ist? Hat er solche Bewegenungen schon mal gehabt? Oder ähnliches in der Familie? Hat er sonst noch andere Symptome seit der Auseinandersetzung bemerkt?
Heute Alkohol oder Drogen konsumiert?
Nimmt er Medikamente?
Vorerkrankungen/OPs in Vorgeschichte?
Was macht er beruflich?
Regelmäßiger Drogen/Alkohol/Nikotinkonsum?
Allergien?
Erkrankungen in der Familie?
Bei Aufnahme wurde vermutlich kein CT gemacht?

Zoidberg
02.10.2007, 17:49
ich würde den Uchi erstmal bitten die Bewegungen nachzumachen :-)) und fragen, ob der Patient das immer noch macht oder ob er schon fertig mit dem Trockenschwimmen ist. Frage nach evt. postiktalem Dämmerzustand, Stuhl-/Urinabgang, Zungenbiss. Hat der Uchi eine gründliche oder eine chirurgische Anamnese gemacht?

Tombow
02.10.2007, 19:08
ich würde den Uchi erstmal bitten die Bewegungen nachzumachen :-))
"Trockenschwimmen" trifft es wohl gut :-))


ob der Patient das immer noch macht oder ob er schon fertig mit dem Trockenschwimmen ist.
Bin gleich zum Patienten gegangen, da lag er ruhig, friedlich, bis auf die genähte Platzwunde unauffällig und beschwerdefrei im Bett.


Frage nach evt. postiktalem Dämmerzustand, Stuhl-/Urinabgang, Zungenbiss.
Nichts von dem genannten. Der Uchi hat natürlich eine chirurgische Anamnese gemacht.


Alter? Ist er immer noch orientiert und bewußtseinsklar?
32. Wach, voll orientiert, adäquat.


Nochmal kurz vom Patienten schildern lassen was passiert ist?
Patient ein wenig undifferenziert, soweit anamnestizierbar, sei ihm auf einmal ganz übel und schwindelig geworden, (unsicher) auch schwarz vor den Augen.


Hat er solche Bewegenungen schon mal gehabt?
Bewegungen nein. Aber schonmal ähliche Episode plötzlich einsetzender Übelkeit und Schwindel. Wobei er in der Anamnese immer wieder auf dem Vorfall beim Training zurückkam und Vorgeschichte und Vorerkrankungen nicht so gut (selbst durch mehrmaliges gezieltes Fragen) zu eruieren waren.


Oder ähnliches in der Familie? Hat er sonst noch andere Symptome seit der Auseinandersetzung bemerkt?

Keine Medikamente, keine Drogen, Nikotinabusus von ca. 10/Tag für insgesamt ca. 10 Packyears, keine wesentlichen Vorerkrankungen, keine Allergien, in der Familienanamnese NIDDM Typ II der Mutter, sonst absolut blande.


Bei Aufnahme wurde vermutlich kein CT gemacht?
Doch. Sogar eins mit Knochenfenster. Keine Blutung, kein demarkierter Infarkt, Raumforderung oder Frakturnachweis.

Zoidberg
05.10.2007, 15:30
Mmh schwierig (aber sonst wäre es ja auch nicht hier :-)) ), von der Anamnese her eher kein typischer Krampfanfall, DD Synkope ist durchaus denkbar.
Ich würde erstmal eine gründliche neurologisch/internistische Untersuchung durchführen, vielleicht findet sich ja etwas pathologisches, um etwas Licht hereinzubringen. Eventuell Blutentnahme auf Prolactin um bei negativwert einen Krampfanfall unwahrscheinlicher zu machen, dazu noch das "Standardprogramm".
Ein EEG wäre bei viel Langeweile in der Notaufnahme auch noch drin, vielleicht finden sich ja ESPs.

Michi5880
05.10.2007, 15:49
Man sollte vielleicht auch bei den differenzialdiagnostischen Überlegungen an Chorea, Hemiballismus und Dystonien denken...