Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nervige Routinearbeit, Burn-Out durch "zuviel" Patientenkontakt?
MatzeXXL
17.06.2007, 14:18
Hallo,
ich muss leider mal wieder was fragen :)
Die ärztliche Tätigkeit is ja im Gegensatz zu sagen wir mal einem Job in der Bank dadurch geprägt, daß es um viel menschliches geht und eben auch darum, sich dem Patienten zuzuwenden und evtl auch auf die andauernd wiederkehrenden gleichen Fragen der Angehörigen geduldig einzugehen.
Wie schaffen das die fertigen Ärzte unter euch? Geht euch da nicht irgendwann die Lust verloren, wird das Zwischenmenschliche mit der Zeit nicht etwas "lästig"? Ich habe Ärzte vor Augen, die schon die Klinke in der Hand noch leicht genervt einige Patientenfragen beantworten, um dann "endlich" weitergehen zu können.....
Stellt sich da so ein Burn-out-Gefühl ein?
Und: Wie empfindet man die Routine nach einiger Zeit? Die Therapiewege sind recht festgelegt, in Krankenhaus und Arztpraxis stellt man ja fast schon eine Art halbanonyme Massenversorgung sicher, macht das auf die Dauer Spaß?
Wie seht ihr das?
Gruß, Matze
ehemalige Userin 24092013
17.06.2007, 15:05
Ich glaube nicht unbedingt, dass es NUR die Routine und die zahlreichen Gespräche sind.
Vielmehr ist es eine Mischung aus Stress, daraus resultierender Zeitdruck und die unverständlichen/ vorwurfsvollen Gesichter der Menschen, die mit Umgebung, Personal ect.....gesamthaft nicht so ganz glücklich sind.
Vielleicht sehe ich das grad zu spezifisch: ich kenne ungefähr die Dinge, die mich
"annerven" und die ich nur noch tue, weil ich sie tun MUSS, ohne grossartige Freude dabei.
Wenn dann aber nur eine Patientereaktion wieder ganz anders ist, als man sie sonst immer und immer wieder erlebt, dann geht dieses Gefühl wenigstens für Stunden bis auch mal Tage wieder weg.
hennessy
18.06.2007, 07:27
man muss sich als Arzt/Zahnarzt ein klein wenig Elefantenhaut zulegen, jedoch nicht zuviel, um den Bezug zu den Menschen nicht zu verlieren. Manchen gelingt dieser Spagat sehr gut, anderen eher weniger. Kommt auch viel auf die Umstände an, unter denen Du arbeiten musst.
gruß
hennessy
alley_cat75
18.06.2007, 17:16
Die ärztliche Tätigkeit is ... dadurch geprägt, daß es um viel menschliches geht und eben auch darum, sich dem Patienten zuzuwenden und evtl auch auf die andauernd wiederkehrenden gleichen Fragen der Angehörigen geduldig einzugehen. ...
Man hat als angestellter Arzt in der Klinik derart viel Papier- und Verwaltungskram zu erledigen, dass es zumindestens für mich jedesmal eine Wohltat ist, mit Patienten und/oder Angehörigen zu sprechen. Visite mache ich z. B. total gern. Danach sitze ich fast 4 h am Schreibtisch, ganz mutterseelenallein. :-( Und freue mich über echt jeden, der seinen Kopf zur Tür hereinsteckt und eine Frage hat. Klar, ist die eine oder andere Nervtüte darunter, aber damit lernt man umzugehen. Ich bin stolz auf mich, wenn Pflegepersonal es bereits aufgegeben hat, einem Patienten etwas zu erklären und genau der nach 10 Minuten aus meinem Zimmer spaziert und sich freundlichst bedankt. :-dance
Picknicker
18.06.2007, 17:44
@alley_cat: Seh ich genauso. In der Inneren sitzt man die meiste Zeit eh vor dem PC oder telefoniert. Visite nervt zwar auch oft (Privatstation mit Cheffe->teils höchst anstrengend), aber sich dann nachmittags mit den Patienten zu unterhalten, ihnen Befunde erklären usw. wiegt dann doch vieles auf. Klar, wenn du dann ab und zu hochprivate Patienten hast oder einfach irgendwelche Vollspacken, nervt´s echt tierisch, aber meistens sind sie Leute echt in Ordnung. Wie man in den Wald hineinruft...
Und bis jetzt hab ich die Patienten noch nicht über, mal sehen, wie sich das entwickelt...
hennessy
18.06.2007, 17:55
Ihr seid schon in Ordnung, Leute! Das muss ich jetzt einfach mal sagen. Wenn jeder Politiker Eure Einstellung hätte, dann gäbs keine Abwanderung von Ärzten oder sonstige Probleme in der Gesundheitspolitik.
Es ist manchmal nur schön, in den einzelnen Freds zu lesen. Ich amüsiere mich königlich und hab mich bereits dabei ertappt, schnell mal einzuspritzen und dann ein paar Minuten noch hier im Forum zu lesen, bis die Spritze wirkt.
Ganz liebe Grüße an Euch alle!!!
hennessy
alley_cat75
18.06.2007, 19:30
Ich frage mich gerade, ob Du Dir wegen der deutschen Gesundheitspolitik selbst die Spritze gibst bzw. auf wen genau sich das bezieht? :-)) Und dann frage ich mich, ob Du vielleicht MEIN Zahnarzt bist. Der macht nämlich auch erst einmal einen 15minütigen Verschwindibus, während ich halb komatös und gelähmt vor Angst alleine im Behandlungszimmer sitze. :-))
I Und dann frage ich mich, ob Du vielleicht MEIN Zahnarzt bist. Der macht nämlich auch erst einmal einen 15minütigen Verschwindibus, während ich halb komatös und gelähmt vor Angst alleine im Behandlungszimmer sitze. :-))@alley cat: Guckst Du hier (http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showpost.php?p=502541&postcount=5868) und dort (http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showpost.php?p=502549&postcount=5870) :-))
(http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showpost.php?p=502549&postcount=5870)
hennessy
19.06.2007, 07:11
*lol*
sehr gut, Omi!
@alley_cat:
mich selbst zu spritzen hab ich gottseidank noch nicht nötig. Und leider bin ich nicht Dein Zahnarzt. Denn dann würde ich mich gerne zu Dir setzen und Dir die Angst vertreiben.
lg
hennessy
MatzeXXL
19.06.2007, 16:35
Und wie siehts mit der Routinearbeit aus?
Ich meine, es gibt doch teils schon sehr speziailisierte Arbeitsstellen, bei denen vielleicht 80% aller Leute die vorbeikommen, die gleiche Krankheit haben.
Stellen, bei denen man einfach immer das gleich macht. Man muss sich ja im Laufe des Komplizierterwerdens der Medizin auch immerweiter spezielisieren, wird damit dann auch die Arbeit immer eintöniger? Wie z.B. der Augenarzt, der den halben Tag Brillen anpasst.
Und die meisten Therapien stehen fest, ist das dann nicht eher so eine Art Datenbank, die man abruft, ohne nachdenken zu müssen? Füllt dann wirklich nach einiger Zeit die medizinische Tätigkeit noch aus, oder fühlt man sich eher wie eine Art Fließbandarbeiter?
hennessy
19.06.2007, 16:37
nicht, wenn Du den Menschen hinter der Brille oder den Warzen siehst!
gruß
hennessy
Wie z.B. der Augenarzt, der den halben Tag Brillen anpasst.
In mittlerweile 18 Monaten Berufserfahrung habe ich bisher genau 0 Brillen angepasst :-D
alley_cat75
19.06.2007, 18:33
@alley_cat: leider bin ich nicht Dein Zahnarzt. Denn dann würde ich mich gerne zu Dir setzen und Dir die Angst vertreiben.
Ich glaube, dass Du vielleicht doch mein Zahnarzt bist. Der kommt nämlich irgendwann wieder und quatscht mich eine halbe Stunde zu - solange, bis ich ihn anflehe, soviele Wurzelbehandlungen zu machen, wie er will. Nur dass ich endlich RAUSKOMME!!! Aber nur, weil die Parkgebühren dort so horrende sind. :-)
alley_cat75
19.06.2007, 18:37
Ich meine, es gibt doch teils schon sehr speziailisierte Arbeitsstellen, bei denen vielleicht 80% aller Leute die vorbeikommen, die gleiche Krankheit haben.
Ich arbeite auf so einer spezialisierten Station - 80% der Patienten haben in der Tat das gleiche Hauptleiden. Nur das Drumherum ist bei jedem anders; der Mensch, der dahinter steckt. Das macht es spannend. :-meinung Du kannst auch nicht jedem die gleiche (Chemo)therapie geben. Im Prinzip, ist jede begonnene Therapie ein kleines Experiment, dessen Ausgang man sich nicht sicher sein kann. Ist doch spannend.
hennessy
21.06.2007, 07:24
Aber nur, weil die Parkgebühren dort so horrende sind. :-)
Hi Alley_cat,
die Parkplätze vor unserer Praxis (5) sind von mir angemietet und für unsere Patienten umsonst.
gruß
hennessy
MatzeXXL
23.06.2007, 00:08
Ich arbeite auf so einer spezialisierten Station - 80% der Patienten haben in der Tat das gleiche Hauptleiden. Nur das Drumherum ist bei jedem anders; der Mensch, der dahinter steckt. Das macht es spannend. :-meinung Du kannst auch nicht jedem die gleiche (Chemo)therapie geben. Im Prinzip, ist jede begonnene Therapie ein kleines Experiment, dessen Ausgang man sich nicht sicher sein kann. Ist doch spannend.
Stimmt, das hört sich gut an :)
Hallo!
Bei mir haben die Mehrzahl ne Gastroenteritis oder Atemwegsinfekte in unterschiedlicher Stärke. Mir macht gerade die Arbeit mit Patienten und Eltern am meisten Spaß, auch wenn es immer wieder das gleiche ist. Ich finde auch jedesmal eine Herausforderung dabei, das ganze so zu gestalten, dass die Kinder und Eltern das ganze gut überstehen. Und wenn sie die Tage bei uns gut überstehen und wissen, worauf sie warten, bis sie wieder gehen können und wissen, warum wir was mit ihnen tun und sich am Schluss bedanken, da bin ich einfach froh.
Was mich nervt, sind Eltern, die nichts verstehen und auch so teilnahmslos sind, dass es ihnen egal ist, mit was sie ihre Kinder ernähren, usw. Aber ich habe ja so einen Idealismus, dass ich sogar denen noch erkläre, was gut wäre und wie man es schaffen könnte :)
Aber vielleicht gibt es bei Kindern auch einfach keine wirkliche Routine, die reagieren immer mal wieder so, dass man erstaunt ist und auch lachen muss.
Mal sehen, nach 6 Monaten kann ich auch eher noch nicht mit Routine mitreden, glaube ich.
LG
Annekii
alley_cat75
23.06.2007, 12:09
...Mir macht gerade die Arbeit mit Patienten und Eltern am meisten Spaß, ...
Patienten und Eltern - hier sehe ich die ständige Herausforderung in der Arbeit eines Pädiaters. Das könnte ich nicht, ganz ehrlich. Langweilig wird es aber bestimmt nie! :-meinung Mir rollen sich schon die Fingernägel zusammen, wenn einer kommt und sagt, nun erzählen sie mir mal genau, was sie da eigentlich mit meiner Mutter machen. :-wow Zum Glück in meiner Branche nicht all zu oft. :-)
Hallo Alley_cat,
aber in der Pädiatrie ist es ja etwas anders. Die wollen ja nicht nur mal wissen, worum es geht, sondern sie sind auch der Weg zum Kind. Egal wie blöde die Eltern sind, ich brauche sie, um den Kindern zu helfen. Bei den kleinen Kindern sind die Eltern ja auch oft den ganzen Tag mit dabei.
LG
Annekii
MatzeXXL
06.01.2008, 10:56
Ich muss jetzt einfach nochmal nachfragen, weil mich die Frage so sehr beschäftigt. Ich würde mich wirklich freuen, wenn zu meiner ursprünglichen Frage in diesem Thread noch ein paar Reaktionen kommen würden.
Ich erwarte keine bestimmte Antwort wie "doch, es ist total genial und abwechslungsreich", aber vielleicht ein paar differenzierte Kommentare.
Ich habe die große Befürchtung, daß einem auf der Inneren die 1000te Endoskopie, in der Ortho die 1000ste Knie-OP, in der HNO-Praxis die 1000ste Mittelohrentzündung und in der Allgemeinpraxis der 1000te Schnupfen einfach nach ein paar Jahren tierisch auf den Keks gehen. Vielleicht geht es ja im Arztberuf auch auf die Dauer gesehen weniger darum, sich fachlich auszutoben, als eher darum, den Patienten beizustehen. Wie seht ihr das mit der (und ich glaube, das sehe ich einigermassen realistisch) doch recht eingeschränkt vorhandenen Abwechslung? So wahnsinning viele neue Methoden werden im Laufe der Jahre ja auch nicht eingeführt, ok vielleicht ein paar. Hat man eine Methode einmal verstanden, ist das Anwenden doch reine Routine.
Es ist völlig klar, daß Routine gerade in diesem Bereich sehr wichtig ist. Auch arbeitet man nicht für den eigenen Spaß (ausser in Glücksfallen). Aber trotzdem sucht ja jeder das Beste für sich.
Ich interessiere mich natürlich für die Medizin, sonst wäre ich nicht hier, aber habt ihr schonmal über den Ablauf von Tätigkeiten in Firmen nachgedacht, wo langfristige Projektarbeiten anstehen, in die man sich als Team reinkniet? Ich stelle mir das wesentlich abwechslungsreicher vor als immer wieder die gleichen Krankheiten zu behandeln....
Ist es nicht schöner, morgens zur Arbeit zu gehen und beim Hinweg drüber nachzudenken, was denn heute so ansteht, welche Entscheidungen für dieses und jenes Projekt getroffen werden könnten und was man evtl. noch logisch durchdachtes und geistreiches beisteuern könnte, als jeden Morgen schon genau zu wissen, daß der ganze Tagesablauf total vorhersehbar ist und man alles eh schon kennt? Sicher gibts auch öde Projekte, aber ich denke, daß mein Gedanke, daß man hier recht abwechslungsreich arbeitet, nicht unberechtigt ist.
Ich will keineswegs den Arztberuf runtermachen. Die Berufe, in denen man diese Projektarbeiten machen kann, reizen mich auch nicht besonders....nur die Vorstellung, längerfristig zu arbeiten.
Mich interessiert, was ihr, ganz offen ausgesprochen, über dieses Thema denkt. Ich hoffe, daß diese Diskussion ohne Polemik und anschliessendes Thread-Sperren möglich ist.
Es würde sehr freuen, wenn ihr was dazu schreibt.
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