Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Vom Studentenheim direkt ins Altenheim"
horsedoc
03.08.2007, 15:55
Vorteile: Berufs-/Lebenserfahrung, beim Zweitstudium weisst du, wie der Hase läuft, viel weniger Unsicherheit, viel zielgerichteter
Nachteile: bei mir persönlich: keine
Cascades
03.08.2007, 16:02
Was ich eigentlich loswerden wollte ist, ich hab hier gelesen, dass viele es gut heißen, wenn man schon ein Eigenheim hat. Da wollte ich fragen, ob das wirklich so vorteilhaft ist, das muss ja schließlich auch abbezahlt werden, kann ich mir vorstellen?
Hallo!
Wer in Fragen einer potentiellen Zulassung über die ZVS die Option einräumte, jede Uni und jeden Standort im Bundesgebiet für das Medizinstudium zu akzeptieren, für den ist Eigentum mehr hinderlich als nützlich. Viel effizienter als ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung zu besitzen, sind mobile Vermögenswerte, die mit einem reisen, egal wohin man geht. Und da Zahlen nur auf dem Papier stehen, reist es sich stets mit leichtem Gepäck - weltweit. Schließlich soll ein Zweitstudium nicht an Verpflichtungen scheitern, die ich als Ballast bezeichne. Spätestens in Fragen der Facharztausbildung muss man eh offen und mobil sein, denn dort wo man studierte, wird man nach dem Studium selten bleiben. So verschlägt es einen Bekannten nach dem III. Staatsexamen aus Köln nach Hannover und seine Eigentumswohnung wird nun zu einem Problem, obwohl sie während des Studiums noch eine gute Sache war. Eigentum? Ja, aber bitte erst dann, wenn man glaubt, für sich ein Endziel des Lebens erreicht zu haben. Alles andere sind nur Kompromisse und die kann sich jeder ersparen, wer sich nicht festlegt, aber trotzdem über Vermögen verfügt. Geld ist mobil. Der Eigentümer sollte es auch sein – bis das Bedürfnis größer ist, einen Anker zu werfen, als weiter zu fahren.
Cascades
M. Cremaster
03.08.2007, 19:22
@Administrator: Das hört sich doch super an, wenn du nach 3 Semestern immernoch zufrieden bist scheint es ja definitiv die richtige Wahl gewesen zu sein. Du hattest mit 29 angefangen? Wie alt waren/sind denn so deine Mitstudenten? Bist du der Älteste?
Also ich kann jetzt nur von meiner Seminargruppe (20 Leute), mit der ich bestimmt die Hälfte der zeit an der Uni verbracht habe reden. Bei denen weiss ich auch in etwa wie alt die alle sind, und da bin ich dann schon der "Opa"
Meiner einer ist Jg 77, 5 sind Jg 81/82, der Rest dürfte so um Jg 84/85/86 liegen, und einer ist dank Turbo G12 früher Einschulung und kein Wehrdienst sogar Jg 88 -> mit letzterem unternehme ich ausserhalb der Uni übrigens am meisten :-party soviel zum Thema wie kommst du mit dem Altersunterschied zurecht ...
HI alle, ich möchte auch dazu mal etwas sagen! Ich bin 39 und fange an Medizin zu studieren sobald das von der ZVS klappt. Und noch nie was negatives drüber gehört.
WAs ich aber vermehrt höre und was mich etwas beunruhigt ist folgendes: "Was Medizin studieren?" Bist du verrückt? Da verdienst du doch nix mehr damit!" Viele Leute haben mir gesagt, die wirtschaftliche Lage wird für Ärzte nur noch schlimmer, egal ob im KH oder niedergelassen. Aber wenn man das halt studiert, will man doch auch als Arzt arbeiten, oder nicht?
Es gibt viele viele andere Dinge, die man mit der Bezeichnung Arzt machen kann. Da muss ich mich ned ins KH stellen und 36 Stunden am Stück schuften. Da werd ich mit Mitte 40 dann eh schon zu klapprig sein... :-)) oder auch nicht!
Studium hin oder her, die interessantere Frage ist Was macht ihr NACH dem Studium mit eurem Abschluß im vorgerückten Alter? Wird man da überhaupt noch in einer Klinik als Assistenzarzt eingestellt? Nimmt einen da noch wer? Mit 23 - 25-jährigen können die Vorgesetzten ganz anders umspringen als mit einem der 20-25 Jahre älter. Noch dazu sind dann die meisten Chefärzte jünger als man selber!
Vielleicht sollte ich da mal einen Extra-Thread aufmachen, ich denke das ist es wert!
Cascades
05.08.2007, 17:14
Hallo Anita!
Mit Anfang 40, bekleidet mit Anti-Thrombose-Strümpfen, Schlafanzug und Strickjacke, sitze ich mit zittrigen Händen und grauen Haaren auf einem Sofa und lese mit Lupe das Kleingedruckte in meinem Rentenantrag, als plötzlich die Stille meiner Umgebung von einem Klang unterbrochen wird, welcher aus der Ecke des Raumes kommt. Mein Computer erinnert mich, dass ein neuer Beitrag im Forum ist. Dein Beitrag. Ich beuge mich vor, lege die Gabel für den üblichen Kuchen zur Seite und genehmige mir noch einen Schluck Kaffee, dann stütze mich auf den Tisch und erreiche nach 4 Schritten und 15 Minuten meinen lieb gewonnen Platz an einem Gerät, das wohl ein Schotte erfunden haben muss, denn ist es ein Mac. Und während ich meine Brille wechsele, um Deinen Beitrag lesen zu können, erinnere ich mir daran, wie schön die Zeit war, als ich noch ein junger Mann war. Doch diese Erinnerung, in der ich schon mal über Stunden wie regungslos auf meinem Platz verweilen kann, als ob ich tot wäre, wird durch das Eintreten einer Pflegehilfe gestört, die mir noch die Bettpfanne bringen möchte, bevor sie mir um 18:00 Uhr eine gute Nachtruhe wünscht. Tja, aber wenn sie wüsste, was wir beide noch vor uns haben, dann würde sie uns sicher für verrückt erklären. So schreibe ich diese Zeilen als Partner im Geist, denn auch du hast dich dafür entschieden, Medizin zu studieren.
Was ich aber vermehrt höre und was mich etwas beunruhigt ist folgendes: "Was Medizin studieren?" Bist du verrückt? Da verdienst du doch nix mehr damit!"
Verrückt sind wir nicht, nur anders. Wenn Meinungen dazu neigen, einen Beruf nur deshalb zu wählen, um damit viel Geld zu verdienen, dann wäre es nicht im Sinne von Medizin, diesen Beruf zu wählen. Sicher mag es viele Studenten geben, die aus diesem Grund Medizin studieren und bereits zum 1. Semester mit ihrem Masterplan an die Fakultät kommen, weil sie sich nach Studienabschluss und Facharztausbildung auf einem Grün inmitten eines Paradieses stehen sehen, um ihrer Verantwortung in der Klinik wenigstens in der Freizeit entkommen zu können, aber wer mit Segelboot und Ferienhaus auf Sylt im Hinterkopf dem Berufsbild begegnet, der wird schnell von einer Realität eingeholt, die für Träumer kein Verständnis hat. Sicher mag es – je nach Absolvent, Fachrichtung und Fakultät – für einige Ärzte auch in heutiger Zeit zutreffend sein, „reich und berühmt“ zu werden, aber das sind Ausnahmen, die keine Regel bestimmen. Irdische Reichtümer erwirbt man schneller in anderen Berufen. Den Weg über ein Medizinstudium zu wählen, um solche Ziele zu erreichen, macht keinen Sinn mehr, wenn dies die einzigen Motive sind und bleiben, Arzt werden zu wollen.
Viele Leute haben mir gesagt, die wirtschaftliche Lage wird für Ärzte nur noch schlimmer, egal ob im KH oder niedergelassen. Aber wenn man das halt studiert, will man doch auch als Arzt arbeiten, oder nicht?
Ich erwäge es, erstmal eine (Fahr)erlaubnis als Arzt zu erhalten und mache mir dann Gedanken über mögliche Stop-Schilder im Zukunftsverkehr, denn niemand sollte sich von denen beeinflussen lassen, die nicht ans Steuer dürfen, weil sie die Voraussetzungen nicht mitbringen. Kritik und Warnungen kommen stets von den Seiten, die am liebsten selbst fahren möchten, aber nicht dürfen oder können. So wie der Protest vieler Fahrradfahrer, die dem Auto keine Zukunft bescheinigen, düst man einfach mit einem Lächeln davon und lässt die Kritiker und Warnschilder hinter sich, denn man bewegt sich auf einer Bahn und eine Richtung, die man selbst bestimmen sollte. Ein neuer Beruf ist wie ein neues Abenteuer und wenn man das Vergnügen hat, in kurzer Lebensspanne viel zu erleben, dann ziehe ich eine Achterbahn einem Fahrrad vor. Aller Warnungen zum Trotz, denn die Erfahrung wird zur Erinnerung und die kann einem niemand nehmen. Wer behauptet, dass die Fahrt auf den Magen schlagen kann, hat sicher Recht, aber dafür wird man auch Arzt, um eventuelles Unwohlsein und Magenschmerzen kompetent zu behandeln.
Was macht ihr NACH dem Studium mit eurem Abschluss im vorgerückten Alter? Wird man da überhaupt noch in einer Klinik als Assistenzarzt eingestellt? Nimmt einen da noch wer? Mit 23 - 25-jährigen können die Vorgesetzten ganz anders umspringen als mit einem der 20-25 Jahre älter. Noch dazu sind dann die meisten Chefärzte jünger als man selber! Vielleicht sollte ich da mal einen Extra-Thread aufmachen, ich denke das ist es wert!
Sollte ich meine Zusage für HM erhalten, dann erstreckt sich mein Interesse auf vielseitige Einsatzbereiche, die ich gern im Zusammenhang mit meinen bisherigen Berufen (Unternehmenskommunikation und Werbung) in Verbindung bringen möchte. Fachbereiche, die sich weniger durch Behandlungsmaßnahmen als vielmehr durch Aufklärungsarbeit auszeichnen. Auch als Mediziner ist man bei Verlagen und Konzernen willkommen, wenn man lieber einen Anzug tragen möchte, als einen Kittel. Und das Alter ist für einige Bereiche sogar von Vorteil, denn insbesondere in der Beratung und im Verkauf von Produkten in der Medizintechnik gehört zum Fachwissen auch das passende Erscheinungsbild und Auftreten. Skills, die man schon während des Studiums sinnvoll einbringen und ausloten kann, wenn Medizin als Zusatzqualifikation gedacht ist und man für Industrie und Wirtschaft die richtige Mischung mitbringt. So finden sich genug Beispiele, wo Ärzte als Berater, im Vertrieb oder als Journalisten tätig sind, fernab jener Vorstellungen von ihrem ursprünglichen Einsatz in Klinik und Praxis. Und sollte man aufgrund der Reformen seinen Kollegen und der Welt den Krieg erklären, dann schreibt man Bücher über eine Zeit, die man nie erlebt, wie das ein erfolgreicher Autor schaffte, der nur kurze Zeit Mediziner war, aber niemals wirklich Arzt.
Doch bevor man sich mit solchen Gedanken beschäftigt, gilt es erstmal die Fahrkarte für das Studium zu lösen, denn was nützen Warnschilder und Hinweise zum Verkehrsstau, wenn man am Seitenrand steht und nur Zuschauer ist?
Bald werden wir es wissen, ob wir im WS 2007/2008 dabei sind … oder noch nicht.
Zur allgemeinen Verunsicherung möchte ich noch ergänzen, dass es nicht mal erforderlich ist, das Studium erfolgreich zu absolvieren, um von bestimmten Unternehmen eine Chance zur Mitarbeit zu erhalten. Vorausgesetzt, man bringt bereits einen Hochschulabschluss mit und Berufserfahrung, kann man seinem Lebenslauf durch ein paar Semester Medizin eine völlig neue (inhaltliche) Richtung geben. Wichtig ist eben, die Sprache zu lernen und die Befähigung zu haben, sich unter Medizinern bewegen zu dürfen. Ob mal selbst Arzt ist, spielt in Beratungsfunktionen der Großindustrie nur dann eine Rolle, wenn man eine entsprechende Funktion einnehmen möchte.
Bis dahin alles Gute!
Cascades
Stagger Lee
05.08.2007, 19:24
Mit Anfang 40, bekleidet mit Anti-Thrombose-Strümpfen, Schlafanzug und Strickjacke, sitze ich mit zittrigen Händen und grauen Haaren auf einem Sofa und lese mit Lupe das Kleingedruckte in meinem Rentenantrag Ja, mein Alltag schaut wirklich hundertprozentig genauso aus.
Nur dass ich Anfang 30 bin...
Interessanter Beitrag von Cascades. Fast schon literarische Qualität. Sieht man selten in Diskussionsforen.
Sollte ich meine Zusage für HM erhalten, dann erstreckt sich mein Interesse auf vielseitige Einsatzbereiche, die ich gern im Zusammenhang mit meinen bisherigen Berufen (Unternehmenskommunikation und Werbung) in Verbindung bringen möchte. Fachbereiche, die sich weniger durch Behandlungsmaßnahmen als vielmehr durch Aufklärungsarbeit auszeichnen. Auch als Mediziner ist man bei Verlagen und Konzernen willkommen, wenn man lieber einen Anzug tragen möchte, als einen Kittel. Und das Alter ist für einige Bereiche sogar von Vorteil, denn insbesondere in der Beratung und im Verkauf von Produkten in der Medizintechnik gehört zum Fachwissen auch das passende Erscheinungsbild und Auftreten. Skills, die man schon während des Studiums sinnvoll einbringen und ausloten kann, wenn Medizin als Zusatzqualifikation gedacht ist und man für Industrie und Wirtschaft die richtige Mischung mitbringt. So finden sich genug Beispiele, wo Ärzte als Berater, im Vertrieb oder als Journalisten tätig sind, fernab jener Vorstellungen von ihrem ursprünglichen Einsatz in Klinik und Praxis. Und sollte man aufgrund der Reformen seinen Kollegen und der Welt den Krieg erklären, dann schreibt man Bücher über eine Zeit, die man nie erlebt, wie das ein erfolgreicher Autor schaffte, der nur kurze Zeit Mediziner war, aber niemals wirklich Arzt.
Doch bevor man sich mit solchen Gedanken beschäftigt, gilt es erstmal die Fahrkarte für das Studium zu lösen, denn was nützen Warnschilder und Hinweise zum Verkehrsstau, wenn man am Seitenrand steht und nur Zuschauer ist?
Bald werden wir es wissen, ob wir im WS 2007/2008 dabei sind … oder noch nicht.
Zur allgemeinen Verunsicherung möchte ich noch ergänzen, dass es nicht mal erforderlich ist, das Studium erfolgreich zu absolvieren, um von bestimmten Unternehmen eine Chance zur Mitarbeit zu erhalten. Vorausgesetzt, man bringt bereits einen Hochschulabschluss mit und Berufserfahrung, kann man seinem Lebenslauf durch ein paar Semester Medizin eine völlig neue (inhaltliche) Richtung geben. Wichtig ist eben, die Sprache zu lernen und die Befähigung zu haben, sich unter Medizinern bewegen zu dürfen. Ob mal selbst Arzt ist, spielt in Beratungsfunktionen der Großindustrie nur dann eine Rolle, wenn man eine entsprechende Funktion einnehmen möchte.
Bis dahin alles Gute!
Cascades
Hallo Cascades,
sehr schöner Beitrag von dir. Wie du siehst was ich zitiere, trifft auch meine Vorstellungen in etwa. Das Medizinstudium als Basis und darauf kann man aufbauen. Ich habe auch schon einige Erfahrung im Laufe der letzten Jahrzehnte erlangt und möchte das mit Medizin verbinden. Ich hatte ja lange genug Zeit um zu überlegen, habe alles mögliche ausprobiert und bin dann in einer Zwischenwelt hängengeblieben. Zu gut Deutsch meine ich damit den spirituellen Bereich. Ich habe damit sehr viel beste Erfahrung an mir selbst gemacht (ein paar Beispiele: Ich habe mir selbst mein jahrelanges Migräne "geheilt", bin heute in der Lage Schmerzen, die ich mir z.B. beim Sport zugezogen habe, schneller wieder zu "heilen") Ich weiß, das mag sich für manche nach Hokuspokus anhören, ist es aber nicht. Und eben das will ich mit der wissenschaftlich basierten Medizin verbinden. In dem Moment wo ich da eine Verbindung finde, setze ich an.
Leider wird es bei mir 2007/2008 mit dem Studium nichts werden, weil meine WS noch nicht ausreichen (da kann man auch spirituell nichts machen :-) ). Das macht aber nichts, denn im September d.J. werde ich eine Heilpraktiker-Ausbildung beginnen und im März 2008 mache ich die Prüfung für den Heilpraktiker für Psychotherapie. So habe ich dann später Qualifikationen auf beiden Seiten, d.h. ich kenne beide Seiten. Die, die sehr viel mit dem Glauben zu tun hat, nämlich die naturheilkundliche und die, die evidence based ist. So habe ich meinen Weg die nächsten Jahre nun grob geplant und ich weiss, daß ich dahinkomme wo ich hinwill.
Ich wünsche Dir auch alles Gute und will Dir noch einen Tipp geben: Runter mit den Stützstrümpfen, zieh was Tolles an und stürz dich ins Leben...
Liebe Grüße
Anita
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