Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 4.Tag Gr.B Frage 66
Poxsellis
29.08.2002, 09:30
Original geschrieben von Schmoller
Natürlich - wie so oft in der Rechtsmedizin - kann man die anderen hier gegebenen Antwortmöglichkeiten nicht mit Sicherheit ausschließen. Der Bolustod ist sehr unwahrscheinlich.
Bei einer akuten Hirnmassenblutung erwartet man eher nicht, dass sich der Betroffene entkleidet. Die CO-Intoxikation ist zwar unwahrscheinlich, aber nur durch eine Obduktion auszuschließen.
Man würde in diesem Fall aber darauf verzichten.
Bei Leichenschau und ggf. Obduktion wird natürlich auf Zeichen äußerer Gewaltanwendung besonderes Augenmerk gelegt.
Aus den Angaben, die man zur Lösung dieser Frage zur Verfügung hat ist der Kältetod am Wahrscheinlichsten - mehr war nicht gefragt.
Selbstverständlich können sich noch Anhaltspunkte für ein Sexualdelikt ergeben.
Doch bei Perniones, "frostigen Temperaturen" , Zeichen für paradoxes Wärmegefühl in Form der Entkleidung (wirklich untypisch bei Sexualstraftaten in dieser Form - im Sinne eines Überfalles) muß man zunächst an Erfrieren denken.
Du wirst mir aber zumindest zustimmen, dass die Geschichte etwas merkwürdig erscheint, wenn man das Alter des Opfers berücksichtigt.
Zu Antonella:
Der Kleiderständer ist wohl umgefallen, weil die alte Dame dagegengestoßen ist.
antonella
29.08.2002, 11:26
Original geschrieben von Unregistered
Zu Antonella:
Der Kleiderständer ist wohl umgefallen, weil die alte Dame dagegengestoßen ist.
Hä? hab ich was verpasst? Hatte jedenfalls nie Zweifel am Kältetod der Dame! Oder schreibt hier etwa jemand in meinem Namen?
Schmoller
29.08.2002, 11:30
Also wenn die Frau mitte zwanzig gewesen wäre, würde mich das eher aufregen. Aber fast 60 - nicht ungewöhnlich für einen solchen Tod.
Ich verweise auf die Standardliteratur des Faches.
Poxsellis
29.08.2002, 18:26
Original geschrieben von Schmoller
Also wenn die Frau mitte zwanzig gewesen wäre, würde mich das eher aufregen. Aber fast 60 - nicht ungewöhnlich für einen solchen Tod.
Ich verweise auf die Standardliteratur des Faches.
Ich bleibe dabei, und das hat mit den mir wohlbekannten Fachliteratur wenig zu tun: kombiniert man das Alter der Frau mit dem Auffindungsort (eigene Wohnung), dann erscheint der Kältetod (nur respektive dieser Fakten) wenig wahrscheinlich. Anders sieht es aus, wenn diese Frau eine Intoxikation hatte, oder psychisch erkrankt war. Das geht aber aus der Aufgabenstellung an keinem Punkt hevor.
Schmoller
30.08.2002, 08:57
Erwartest du Frostbeulen bei einer Sexualstraftat - wohl eher nicht. Die Dame war nicht gefesselt. Im übrigen hatte ich vor 2 Jahren einen Fall eines 20 jährigen Mädchens, dass eben genauso wie in diesem Fall geschildert ums Leben kam - sie war erfroren - in einem Haus !!
Lies mal das Märchen von dem Mädchen mit den Schwefelhölzchen.
Dr.Dolor
30.08.2002, 09:03
Nicht jedes Sexualstrafopfer ist gefesselt. Den Verdacht von soetwas abhängig zu machen ist mehr als fahrlässig...
Und nichts spricht gegen einen Kältetod nach einer Sexualstraftat. Die Umgebung lässt zumindest Indizien auf Fremdeinflüsse zu, ich würde deshalb das Sexualdelikt nicht ausschliessen wollen, ohne weitere Diagnostik durchzuführen.
Natürlich spart das Impp wieder mit evtl. notwendigen oder eindeutigen Hinweisen - im Gegenteil, sie addieren eine Menge unnützes Zeugs und riskieren damit die Rechtsfähigkeit der Frage!!
Kurzum: Die Frage ist ein guter Kandidat zum anfechten - weder Kältetod noch Sexualdelikt lässt sich ausschliessen bzw. deutlich genug abgrenzen, das zeigt schon alleine diese Diskussion!
:-meinung
Gruss, Daniel.
Schmoller
30.08.2002, 11:05
Vielen Dank Dr. Dolor !
Mit der Fesselung wollte ich durchaus darauf hinaus, dass sich - wenn es denn eine Sexualstraftat sein sollte - das Opfer nicht aus der Lage hätte selbst befreien können. Sollte das Opfer bewußtlos gewürgt worden sein - bestünde durchaus die Möglichkeit, dass es nach relativ kurzer Zeit wieder zu Sinnen kommt - ohne vital bedrohlich unterkühlt zu sein. Aber meistens ist das Opfer, sollte das sie Absicht des Täters sein, auch tatsächlich sofort tot. Dann findet man keine Perniones.
Aus den Angaben des IMPP kommt man (im Sinne des IMPP)zwangsläufig zu einem Kältetod. Da sich aber darüber durchaus streiten lässt, wäre es - und da stimme ich mit den Zweiflern überein - nur fair Lösung A und B zuzulassen und damit diese Frage zu streichen. Die Sache mit dem Kleiderständer hat wohl viele verwirrt und großen Raum für Spekulationen gelassen ebenso das von einigen bemängelte Alter des Opfers und der Umstand, dass die Leiche im eigenen Haus lag. Sicher nicht die häufigste Situation im Falle des Kältetodes. Man hätte sich mehr Klarheit gewünscht. Dennoch wird doch aus Altfragen ersichtlich, wohin die Reise nach IMPP-Vorstellungen geht.
Na dann viel Glück beim Beanstanden dieser Frage.
Dr.Dolor
30.08.2002, 11:27
Hi Schmoller,
Eure Antworten lassen mich in der Tat mehr & mehr zweifeln. Inzwischen muss ich wohl eingestehen, dass der Kältetod "am wenigsten unwahrscheinlich" ist.
Einspruch werde ich zwar nicht erheben, dafür ist mir a) die Frage ehrlich gesagt einfach zu lächerlich und b) stehe ich nicht zwischen zwei Noten.
Bin aber *sehr* gespannt, was die entgültige Lösung sein wird, ich finde, die Frage hat Tatort-Qualitäten. Wer schreibt das Drehbuch? Titel: "Die kalte Alte und der Kleiderständer"?! :-))
Gruss, Daniel.
PS: In einer Sat1-Verfilmung hiesse der Streifen natürlich:
"Der kalte Tod - Ein Kleiderständer dreht durch!"
frostiger januarmorgen...unbeheiztes haus....allerdings gaben mir die flächenhaften glänzenden rötlich verfärbten hautbezirke an beiden knien doch unsicherheit .........vielleicht hatte die dame auch einfach eine leidenschaftliche nacht mit heftigem sex und ist über ihre erschöpfung nackt eingeschlafen und starb an A. ;-)
oder wer von euch kennt das gefühl geröteter stellen durch harte bodenbeläge nicht ...hinter einem umgeworfenen kleiderständer und nicht pedantisch zusammengelegter kleidung gleich einen sexualmord zu vermuten oder nach gerechtigkeit für frauen zu schreien....hm na ja mich überzeugen diese fragen eher davon schon viel zu lange in die bücher gestarrt zu haben
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