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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Glucobay - wirksam oder wirkungslos?



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Tombow
19.09.2007, 21:41
Da die Pharmaindustrie-gesponserten Informationen über Arzneimittel aber einseitig unkritisch sind (sehr vornehme ausgedrückt), ist das A-T ein sehr wertvolles Instrument, das einem hiflt, sich eine Meinung zu bilden.

@Flemingulus: daher sollte man tunlichst NICHTS geschriebenes glauben und a priori alles anzweifeln. "Convince me with evidence" - der Grundsatz des gesunden Menschenverstandes. Sowohl das eine als auch das andere unkritisch zu schlucken ist das blödeste, was man machen könnte. Vielleicht ist es zu hoch gegriffen, unter dem Groß der (angehenden) kollegen diese Fähigkeit als gegeben zu sehen, denn manche Postings hier belehren mich leider zu oft das Gegenteil.

Sebastian1
19.09.2007, 21:43
Zur Sache kann keiner beitragen?
ZB. mit praktischer Erfahrung?
Oder einen Artikel finden in dem Glucobay positiv beurteilt wird?

Wozu denn? Wenn's nach dir geht reicht doch googeln völlig. Gib doch einfach mal "Glucobay" und "positive Beurteilung" ein. Alternativ geht natürlich auch "Ich suche jemanden, der mir kritisch-analytisches Denken beibringt."

SCNR.

Roxane
19.09.2007, 21:44
Die angestrebten "blinden" Studien-Bedingungen werden vermutlich aufgrund der Nebenwirkungen nicht erreicht: 79 Prozent der PatientInnen der Acarbose-Gruppe und 69 Prozent der ÄrztInnen ordnen die Acarbosetherapie korrekt zu.

Dann sind allerdings wenig Studien stichhaltig, oder? Gibt schließlich massig andere Medikamente, die Durchfall, Blähungen oder andere Nebenwirkungen haben, die in jedem Fall dem Kenner ins Auge stechen; klinische Studien sind ja nicht umsonst Studien und keine mathematischen Beweise. In diesem Sinne hier jedenfalls überkritisch, würde ich jedenfalls sagen.

horsedoc
19.09.2007, 21:44
hmm, wir sollten einen hochtheoretischen unwahrscheinlichen Fall konstruieren, damit sich bangen amüsieren kann und abstruse Theorien erstellen kann...ok...diabetiker mit allergie gegen thiomersal...hilft bei dem Glucobay? und das cyt P450...ich weiss nicht...
wer kann was zur sache beitragen?

Meuli
19.09.2007, 21:46
Ich könnte etwas Ektoplasma beitragen ... :-))

Tombow
19.09.2007, 21:47
...diabetiker mit allergie gegen thiomersal...hilft bei dem Glucobay? und das cyt P450...ich weiss nicht...
wer kann was zur sache beitragen?

wie wäre es mit einer Fallserie zum metabolisieren von thiomersal-verseuchtem Ektoplasma durc hdas CytP450 bei diabetikern?

Darüber würde sich bang-bang bestimmt habilitieren :-))

Roxane
19.09.2007, 21:49
Ihr nehmt meinen Thread nicht ernst! *mitdemfußstampf* :-(

horsedoc
19.09.2007, 21:50
oh, ich vergass zu erwähnen, der thiomersal-allergische diabetiker hat auch noch ein trockenes Auge...das sollten wir differentialdiagnostisch bedenken...

Meuli
19.09.2007, 21:50
Ihr nehmt meinen Thread nicht ernst! *mitdemfußstampf* :-(

Irrtum, es ist was anderes, das hier keiner ernst nimmt :-))

horsedoc
19.09.2007, 21:52
Ihr nehmt meinen Thread nicht ernst! *mitdemfußstampf* :-(
Sorry Roxy, das hat nix mit dir zu tun...aber sobald b. mitmischt, wird das eh nix mehr...

Tombow
19.09.2007, 21:52
...das sollten wir differentialdiagnostisch bedenken...
Überlaß das Denken unserem werten Gast, horsi. Da ist er uns allen hoffnungslos überlegen. Ich sage nur: 42

Meuli
19.09.2007, 21:54
Ich sage nur: 42

du meinst 6 multipliziert mit 9??? :-))

docmoechtegern
19.09.2007, 21:55
du meinst 6 multipliziert mit 9??? :-))Nein. Er meint ICD 10 F 42.

:-kotz

Sebastian1
19.09.2007, 21:58
Hm. F42 passt.

Feuerblick
19.09.2007, 22:04
Ihr nehmt meinen Thread nicht ernst! *mitdemfußstampf* :-(Da hast du vielleicht gar nicht mal so unrecht, auch wenn ich nicht glaube, dass es dein Thread ist, der hier nicht ernst genommen wird.
Dennoch bitte ich alle Beteiligten sich wieder dem Threadthema zuzuwenden und bitte NICHT irgendwelche unreflektierten Zitate von sich zu geben sondern vielleicht mal aus der internistischen Praxis zu berichten. Wer nur Zitate finden kann, hilft Roxane auch nicht weiter, okay?
Macht ihr das, bitte?

Danke!

Feuerblick
MediLearn-Moderatorin

Flemingulus
19.09.2007, 22:04
Also nochmal on-topic.

Acarbose wirkt Blutzucker senkend. Insofern ist eine Wirkung nachgewiesen.
Minimalforderung bei einem antidiabetischen Medikament erfüllt.
Die Frage ist: nutzt es auch etwas. D. h. lebt man länger, wenn man als Diabetiker Acarbose schluckt? Oder lebt man besser? Hier ist die Datenlage dünn. Es ist nicht klar gezeigt, dass es im Hinblick auf die sogenannten "harten Endpunkte" (Überleben, Verhindern von Komplikationen) etwas bringt, es wurde aber auch nicht gezeigt, dass es definitiv nichts bringt. Das gilt so für viele Arzneimittel. Bei Antidiabetika gibt es allerdings welche, für die die Datenlage besser ist. Metformin scheint (wenn die Kontraindikationen beachtet werden) lebensverlängernd zu wirken. Sulfonylharnstoffe mit Einschränkung auch. Ein paar andere Stoffklassen (Glinide, DDPIV-Inhibitoren und GLP-Analoga) sind zumindest subjektiv (!) besser verträglich und stärker BZ-senkend wirksam als Acarbose. Glitazone schließlich sind eher noch etwas umstrittener als Acarbose was den Nutzen angeht (dünnes Eis, ich weiß - aber es gibt schon Hinweise, dass diese Stoffgruppe vielleicht sogar mehr schadet als nutzt), auf der anderen Seite sind sie wiederum stärker BZ-senkend wirksam als Acarbose. Eine Besonderheit von Acarbose ist übrigens, dass die Substanz zwar den mittleren BZ nicht allzusehr senkt, dass sie aber postprandiale BZ-Spitzen etwas kappt (ohne dass sicher gezeigt werden konnte, dass dieser spezielle Effekt irgendeinen Nutzen hat).

Aus der langen Rede ergibt sich vereinfacht:

Nicht-Insulin Antidiabetika:
1. Wahl Metformin
2. Wahl Sulfonylharnstoffe
Bei speziellen Indikationen evtl. alternativ Glinide
Bei fehlender Wirksamkeit der oben genannten: Kombination aus 1. und 2., falls nicht möglich evtl. Kombination aus 1. oder 2. und DDPIV-Hemmern oder GLP-Analoga (letztere müssen injiziert werden, daher SEHR zu überlegen, ob man dann nicht lieber gleich Insulin in die Therapie einschließt.
Spezialargument für DDPIV-Hemmer oder GLP-Analoga ist Kombinationstherapie bei stark übergewichtigen Patienten, da die letztgenannten evtl. gewichtssenkend wirken.

Glitazone, wenn eine Kombination unbedingt angestrebt wird und nichts gegen Glitazone spricht.

Acarbose eher garnicht. Versuch ist evtl. zu erwägen, wenn eine Kombi angestrebt wird, der Patient nicht allzuweit vom Ziel-BZ weg ist und postprandiale BZ-Spitzen bestehen.

Und mein Lieblingsbeispiel hierzu:
Übler Diabetiker mit allerlei Komplikationen, mittlerer BZ-Wert um die 200 unter Sulfonylharnstoff und Glitazon (gegen Metformin gabs ne Kontraindikation, DDPIV-Hemmer und GLP-Antagonisten gabs noch nicht). Die vereinte Ambulanz singt im Chor: INSULIN! Der Patient besteht auf einem letzten Versuch mit Acarbose zusätzlich. Zack! Ab dato Bombenwerte.
Moral von der Geschichte: das war natürlich nicht das gute Werk von Acarbose sondern von mehr Disziplin aus Angst vor Insulin, aber das ist natürlich völlig egal. Hauptsache es funktioniert.

Feuerblick
19.09.2007, 22:07
Danke, mein Lieblingsflemingel! Genau SOLCHE Beiträge hatte ich gemeint!! :-top
*wirft mal ein Küsschen rüber*

bangen
19.09.2007, 22:08
Ich glaube es gibt kaum einen Internisten der orale Antidiabetika ernst nimmt.

Diese Medikamente sind als Unterstützung der Diabetesdiät geeignet. Bei einem nicht insulipflichtigen Diabestes ist die Diät das A und O.
(Das ist meine Meinung, ich höre gerne andere Meinungen.)

Flemingulus
19.09.2007, 22:12
Danke (EDIT: Danke Funkel) :-blush

Hier ist noch anzumerken: bei Glitazonen bin ich relativ kritisch. Wenn man einige Kardiologen und Lipidologen fragt, sind die schon Pro-Glitazon eingestellt. Das wogt zur Zeit noch hin und her. Insofern ist das obige natürlich nichts unverrückbares. Andere Meinungen fänd ich hier auch noch spannend.

Und ein Nachtrag noch zu Acarbose: es hat sehr sehr lästige Nebenwirkungen, wirkt nur schwach BZ-senkden und ein Nutzen ist nicht gut belegt. EINEN Vorteil gibts aber noch: mit Acarbose kann man direkt niemanden umbringen. Es gibt also keine Gefährlichen Nebenwirkungen oder wichtige Kontraindikationen zu beachten. Mit dem guten Metformin kann man sehr wohl jemand töten, wenn man es falsch indiziert (ok ich dramatisiere ganz leicht, aber auch nur ganz leicht ;-) ). Dieser "Vorteil" von Acarbose gegenüber vielen anderen Medis verführt aber leider dazu, dieses - sage wir mal - "nutzarme" Medikament öfter zu verschreiben als es sinnvoll wäre.

Tombow
19.09.2007, 22:13
Diese Medikamente sind als Unterstützung der Diabetesdiät geeignet. Bei einem nicht insulipflichtigen Diabestes ist die Diät das A und O.
(Das ist meine Meinung, ich höre gerne andere Meinungen.)

Um es am besten mit Larry Flint zu sagen: "Meinungen sind wie Ar$löcher. Jeder hat eine". Mit der Aussage, daß kein Internist orale Antidiabetika ernst nimmt, hast du dich endgültig disqualifiziert. Und leider steht deine Meinung einer überwältigenden Evidenz gegenüber. Dreimal darfst du raten, was mich mehr überzeugt.