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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eine Frage an die jungen Ärzte



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condorito
20.12.2007, 18:14
Scherz beiseite, das meiste was ich damals in nem Dienst geschlafen hab,war ne Stunde ( Geburtshilfe halt).
Und da war nix mehr mit "Joy to the world" oder ähnlichen Lobgesängen...
Gerüchteweise soll es ja Chefärzte geben,die nächtliche Kontrollanrufe starten:-)

MatzeXXL
20.12.2007, 19:04
Ja das hört sich echt wieder super an. Mein Eindruck: 80% der Leute, die hier rumschwirren, würden jetzt lieber was anderes studieren. Mein Eindruck war ja lange, daß man für solch einen besonderen Job die Umstände einfach schluckt, aber Feiertags/nachts/WE zu arbeiten, das kotzt wohl die sonnigsten Gemüter irgendwann mal an..... :-nix

Wenn dann nicht der Grossteil der Patienten nett ist, verstehe ich gut, wenn man auf den Job irgendwann keinen Bock mehr hat. Da möchte man vielleicht nach ein paar Jahren lieber in einem schönen Bürostuhl an einem durch und durch langweiligen Arbeitsplatz sitzen.

Medicus_bonus
20.12.2007, 19:16
Meine Antwort bezog sich auf den Notdienst. Und hier kenne ich niemanden, der wohlgemut ein Liedchen trällernd nachts um halb 3 durch die Klinikflure tanzt und sagt: "Ach, ist das schön, mitten in der Nacht schon zum vierten Mal geweckt zu werden." ;-)

haha :-D das habe ich mir gerade bildlich vorgestellt. Es ist schon verstädnlich, dass ihr nicht gerade bestens gelaunt seid...werde ich bestimmt auch nicht, aber dennoch muss es doch irgendwie befriedigend sein, wenn man dann jemandem geholfen hat.

Ärgerlich würde es vielleicht werden, wenn der jenige WIRKLICH sinnlos gekommen ist.

Bille11
20.12.2007, 19:18
haha :-D das habe ich mir gerade bildlich vorgestellt. Es ist schon verstädnlich, dass ihr nicht gerade bestens gelaunt seid...werde ich bestimmt auch nicht, aber dennoch muss es doch irgendwie befriedigend sein, wenn man dann jemandem geholfen hat.

Ärgerlich würde es vielleicht werden, wenn der jenige WIRKLICH sinnlos gekommen ist.

das IST es häufiger als einem lieb ist.

Persephone
20.12.2007, 19:49
Ja, z.B. 2.30h nachts ne junge Frau (um die 30), hatte ein wenig Brennen beim Wasserlassen bemerkt und wollte damit nicht bis zum nächsten Morgen warten.... noch Fragen?!?!? :-???

Fersenbein
20.12.2007, 19:51
so ne Urosepsis kommt schneller als man denkt... ;-) :-)) :-))

Ehemaliger User 20130505
20.12.2007, 20:21
Scherz beiseite, das meiste was ich damals in nem Dienst geschlafen hab,war ne Stunde ( Geburtshilfe halt).
Und da war nix mehr mit "Joy to the world" oder ähnlichen Lobgesängen...
Gerüchteweise soll es ja Chefärzte geben,die nächtliche Kontrollanrufe starten. Waren das Nachtschichten oder nächtliche Bereitschaftsdienste?
Falls das Bereitschaftsdienste gewesen wären, wäre es aber ziemlich illegal gewesen. ;-)

@Matze, weil Du Dich dafür anscheinend besonders interessierst:

Bereitschaftsdienste dürfen nur angesetzt werden, wenn damit gerechnet werden kann, dass man maximal 49 Prozent der Zeit tatsächlich in Anspruch genommen werden wird. Falls man nachts normalerweise während mehr als 49 Prozent der Zeit in Anspruch genommen wird, muss das Krankenhaus auf ein Schichtdienstmodell umstellen, d. h.man hat tagsüber frei und macht dann nachts eine maximal 12-stündige Nachtschicht, während der man natürlich keinen Anspruch aufs Schlafen hat, sich aber freut, wenn's trotzdem manchmal klappt. ;-)

Bereitschaftsdienste dürfen auch im Anschluss an acht Stunden Tagesvolldienst gemacht werden. Dann darf man laut Tarifvertrag pro Tag bis zu 24 Stunden (maximal 8 Stunden Volldienst plus 16 Bereitschaftsdienst) arbeiten und pro Woche bis zu durchschnittlich 60 Stunden arbeiten, allerdings nur, wenn man zusätzlich zum Arbeitsvertrag noch eine opt-out-Einwilligung unterschrieben hat, in der man sich ausdrücklich damit einverstanden erklärt hat, mehr als die durchschnittlich 48 Stunden pro Woche, die die EU und das Arbeitszeitgesetz eigentlich als Limit gesetzt haben, zuu arbeiten.

Falls aber nachts mit mehr als 49 Prozent Inanspruchnahme zu rechnen ist, muss laut ArbZG und EU-Arbeitszeitrichtlinie nach einem Schichtdienstmodell gearbeitet werden, und dann darf pro Tag nicht länger als 12 Stunden gearbeitet werden und pro Woche nicht mehr als durchschnittlich 48 Stunden.

Nachtarbeit als Nachtschicht wird immer mit dem vollen Stundenlohn bezahlt bzw. auf die im Arbeitsvertrag vereinbarte monatliche Stundenzahl angerechnet.

Nachtarbeit als Bereitschaftsdienst wird nicht mit dem vollen Stundenlohn bezahlt, sondern - je nach Umfang der Inanspruchnahme - nur mit einem bestimmten Prozentsatz des normalen Stundenlohns. Deshalb hätte ich auch kein Interesse an einer Stelle, bei der ich im Anschluss an meine acht Stunden eines anstrengenden Tagesvolldienstes noch weitere 16 Stunden an meinem Arbeitsplatz verbringen müsste, selbst wenn ich während mindestens 51 Prozent dieser Zeit fernsehen, lesen oder schlafen dürfte.
Aber - ich glaube, es war Doctöse, die es neulich so schön formuliert hat: ;-) Bereitschaftsdienste bringen eben ein finanzielles Upgrade zum Grundgehalt.

Wie hoch dieses Upgrade ist, kannst Du in den Tarifverträgen nachlesen:

An kommunalen Kliniken sieht das zur Zeit so aus:

Bereitschaftsdienst Stufe 1:
Inanspruchnahme bis zu 25% der Zeit.
Bewertung bei der Berechnung des Gahlts: 60 %; d. h. Du bekommst für jede Bereitschaftsdienststunde nur 60 Prozent Deines normalen Stundenlohns] .

Bereitschaftsdienst Stufe 2:
Inanspruchnahme > 25% bis 40 % der Zeit.
Bewertung bei der Berechnung des Gehalts 75 %; d. h. Du bekommst für jede Bereitschaftsdienststunde nur 75 Prozent Deines normalen Stundenlohns.

Bereitschaftsdienst Stufe 3:
Inanspruchnahme >40 bis 49 % der Zeit.
Bewertung bei der Berechnung des Gahlts: 90 %; d. h. Du bekommst für jede Bereitschaftsdienststunde nur 90 Prozent Deines normalen Stundenlohns.

Guckst Du dort unter §12: Quelle (http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/vka/TV-Aerzte_VKA.pdf)

Bille11
20.12.2007, 20:22
und dennoch kommt es rein praktisch vor, chris, dass ich derzeit kaum einen breitschaftsdienst vor mitternacht das haus verlasse & am nächsten morgen um 7 wieder auf der matte stehe.

Ehemaliger User 20130505
20.12.2007, 20:26
und dennoch kommt es rein praktisch vor, chris, dass ich derzeit kaum einen breitschaftsdienst vor mitternacht das haus verlasse & am nächsten morgen um 7 wieder auf der matte stehe.Das wäre auch illegal Nach der täglichen Arbeit muss eine Ruhezeit von 11 Stunden eingehalten werden. Siehe ArbZG und Eu-Richtlinie. Die Paragraphen hab ich nicht im Kopf; kann sie aber auf Wunsch gerne raussuchen.

Kackbratze
20.12.2007, 20:26
aber dennoch muss es doch irgendwie befriedigend sein, wenn man dann jemandem geholfen hat.

Für meine Befriedigung mache ich andere Dinge als Notfalldiagnostik um 2.30 morgens.
Und selbst wenn man das um 2.30 geklärt hat ist es in der Chirurgie meist so, dass die Dankbarkeit der Patienten dann einsetzt, wenn die Narkose beendet ist ( etwa gegen Mittag...) und dann bin ich zu Hause, weil ich ja die Nacht laut trällernd auf den Fluren und im OP verbracht habe...

Bille11
20.12.2007, 20:27
Das wäre auch illegal Nach der täglichen Arbeit muss eine Ruhezeit von 11 Stunden eingehalten werden. Siehe ArbZG und Eu-Richtlinie. Die Paragraphen hab ich nicht im Kopf; kann sie aber auf Wunsch gerne raussuchen.

bleiben wir bei der realität: das IST illegal.

aber früher wars genauso & und man hats überlebt.

so ist das, wenn allseits die stellen nicht besetzt werden.

Ehemaliger User 20130505
20.12.2007, 20:44
Ja das hört sich echt wieder super an. Mein Eindruck: 80% der Leute, die hier rumschwirren, würden jetzt lieber was anderes studieren. Mein Eindruck war ja lange, daß man für solch einen besonderen Job die Umstände einfach schluckt, aber Feiertags/nachts/WE zu arbeiten, das kotzt wohl die sonnigsten Gemüter irgendwann mal an..... :-nix

Wenn dann nicht der Grossteil der Patienten nett ist, verstehe ich gut, wenn man auf den Job irgendwann keinen Bock mehr hat. Da möchte man vielleicht nach ein paar Jahren lieber in einem schönen Bürostuhl an einem durch und durch langweiligen Arbeitsplatz sitzen.Oder man informiert sich vor der Aufmahme seines Studiums in Medizinerforen und lässt dann gleich die Finger vom Medizinstudium. ;-)

Medicus_bonus
20.12.2007, 21:20
Oder man informiert sich vor der Aufmahme seines Studiums in Medizinerforen und lässt dann gleich die Finger vom Medizinstudium. ;-)
So sieht es aus....aber ich bin mir zu 100% sicher Medizin zu studieren, 2009 gehts los. Ich werde mich auch absolut nicht festlegen auf Ort oder Land...Direkt nach UK oder Skandinavien.

MatzeXXL
20.12.2007, 21:35
Da fragt man sich, wer den Job überhaupt noch gern macht hier?....anscheinend nur peter und Evil....
Ich dachte, es macht vielen trotzdem Spaß......hmpf.

Lava
20.12.2007, 21:39
Mir macht's Spaß. Aber ich bin ja auch noch kein Assistent.

Ehemaliger User 20130505
20.12.2007, 21:42
So sieht es aus....aber ich bin mir zu 100% sicher Medizin zu studieren, 2009 gehts los. Ich werde mich auch absolut nicht festlegen auf Ort oder Land...Direkt nach UK oder Skandinavien. Glaubst Du, Du müsstest dort keine Nacht- und Wochenenddienste machen, weil Briten und Skandinavier nur montags bis freitags zwischen 8 und 16 Uhr krank werden?

Matze, das wäre vielleicht auch etwas für uns. Ich würde gern nach Schweden auswandern.Tolle Landschaft dort. :-love.

Bille11
20.12.2007, 22:14
mir machts auch spass - aber die bedingungen sind zeitweise hart.

Dr. Jekyll
20.12.2007, 22:19
bleiben wir bei der realität: das IST illegal.

aber früher wars genauso & und man hats überlebt.

so ist das, wenn allseits die stellen nicht besetzt werden.


früher war menschen zu erschießen auch illegal, und heute immer noch, sollen wir das auch beibehalten? das ist doch keine argumentationsgrundlage.

mich zu fügen, weil "es schon immer so ist"? "weil alle es überlebt haben?"
"es mein vorgänger auch machte"? :-(

wenn ich dadurch ein besserer arzt werden würde, weil nachts alle fortbildungen liefen, während der bereitschaftsdienste, dann würde ich auch kommen.

aber man wird doch ein schlechterer arzt, weil man übermüdet, ausgelaugt wird, man seine eigenen kinder nicht sieht und man morgens wieder auf der matte stehen darf um sieben. das hält doch die motivation nicht gerade hoch.

"Bereitschaftsdienste dürfen nur angesetzt werden, wenn damit gerechnet werden kann, dass man maximal 49 Prozent der Zeit tatsächlich in Anspruch genommen werden wird"

sorry, weiß nicht, wie man zweimal zitiert.

das ist doch ne (bewusst) extrem schwammige formulierung. wie wird das denn mit den 49% denn erfasst währen einer schicht?


"wenn man zusätzlich zum Arbeitsvertrag noch eine opt-out-Einwilligung unterschrieben hat, in der man sich ausdrücklich damit einverstanden erklärt hat, mehr als die durchschnittlich 48 Stunden zu arbeiten "


echt die höhe. das ist ja eine kapitulationserklärung des systems.
:-(( kann man dazu "gezwungen" werden, so etwas zu unterschreiben oder sich als anfänger weigern, so etwas zu unterschreiben?

Die Niere
20.12.2007, 22:23
Es ist ein wenig komisch, denn soviel Frust, wie ich hier in diesem Thread lese, finde ich unter meinen Kollegen lange nicht. Zwar sind die Umstände manchmal oder sogar regelmässig hart, aber ich mache den Job gerne, bin zufrieden und kann mir nicht vorstellen etwas anderes zu machen.

gruesse, die niere

MatzeXXL
20.12.2007, 22:31
Was heisst "die Umstände sind hart" genau? Niere, beschreib doch mal, was du damit meinst....

So nach dem Motto: Nachts gefrustet alleine durch den Stationskorridor schlurfen, mies drauf von der Vorstellung, jederzeit kommt der nächste schwere Notfall rein, tagsüber min 12 Stunden knechten ohne Mittagessen....?