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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Tötungsautomat für Sterbewillige - die Geschmacklosigkeit des Tages



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Tombow
30.03.2008, 22:29
Da das Argument kam, daß nur Gott menschliches Leben beenden darf, hätte ich eine einfache Frage:

Wenn das menschliche Leben wirkich so schützenswert und eine Schöpfung Gottes wäre, wieso sind wir denn mit der Fähigkeit versehen worden, sich selbst oder andere zu töten? Man kann sich auch glatt fragen, welche von beiden Sünden Judas die größere gewesen ist - Jesus zu verraten oder sich zu erhängen?

Hypnos
30.03.2008, 22:32
Und warum er Therapien erfinden lässt, die dieses Siechtum verlängern.

Weil diese Therapien nicht originär dazu erfunden wurden, um Siechtum zu verlängern. :-sleppy

Was wir, also die behandelnden Ärzte daraus machen, steht jedoch auf einem ganz anderen Blatt.

Ansonsten schließe ich mich Trojan's Meinung an.

Hypnos, überzeugter Christ.

milz
31.03.2008, 06:30
Und da ich der Meinung bin, dass nur Gott selbst menschliches Leben beenden darf und nicht der Mensch selbst, diese Meinung aber unmodern ist, schweige ich gleich wieder still;-)
Was willst du mit imaginären Gestalten, bei denen sich selbst die Gelehrten nicht einig sind, was sie eigentlich von uns wollen?

Evil
31.03.2008, 20:02
Oh, es gibt schon genug Leute, die sich für Gottes Werzeug halten und in seinem (oder ihrem?) Namen töten, da kommt es auf ein paar Ärzte auch nicht an ;-)

Der Thread gefällt mir, Godwin's law hat sich schon erfüllt, jetzt sind wir bei Gott, was kommt als nächstes? :-wow

MissGarfield83
31.03.2008, 20:12
Der Thread gefällt mir, Godwin's law hat sich schon erfüllt, jetzt sind wir bei Gott, was kommt als nächstes? :-wowGodwins law hat sich eigentlich nicht erfüllt, da ich eher auf die Fehler der Vergangenheit im Bezug auf das Thema hinwies und keinen Vergleich mit Nazis bei einer der postenden Menschen angestellt habe. Fehler die bei der Diskussion dieses diffizilen Themas auch zur Sprache kommen sollten, da wir nur aus der Vergangenheit lernen können, gravierende Fehler nicht noch einmal zu begehen.

Trojan
31.03.2008, 20:21
Da das Argument kam, daß nur Gott menschliches Leben beenden darf, hätte ich eine einfache Frage:

Wenn das menschliche Leben wirkich so schützenswert und eine Schöpfung Gottes wäre, wieso sind wir denn mit der Fähigkeit versehen worden, sich selbst oder andere zu töten?

Aus dem selben Grund, aus dem wir mit der Fähigkeit versehen wurden, Leben zu schaffen :-)



Man kann sich auch glatt fragen, welche von beiden Sünden Judas die größere gewesen ist - Jesus zu verraten oder sich zu erhängen?

:-nix Da musste Jesus selbst fragen:-nix;-)

Avalanche
01.04.2008, 15:50
Dumme Gedanken wird es immer geben, schön, dass immer nur daran gedacht wird und nicht daran, was man gutes tun könnte *Kopf schüttel

Die französische Mutuelle legte mal eine Studie vor, die folgendes besagte: Ein durchschnittlicher Franzose verbraucht 33% seiner *Gesamtlebens Gesundheitskosten* in den letzten 3 Jahren seines Lebens. Die Studie schloss mit der verstörenden Bemerkung, dass die Einspareffekte entsprechend gross wären, wenn man doch nur prognostische Erfahrungen bzgl "wann brechen die letzten 3 Lebensjahre an" hätte, dass sich solche Betrachtungen aus ethischen Gründen aber selbstverständlich verböten.
Die Studie verschwand dann auch blitzartig in irgendwelchen Gesundheitsökonomischen Schubladen.

Viele Jahre später - ich war brereits in D - las ich in einem Stern Interview eines deutschen Gesundheitsökonomen fast die gleiche Aussage, diesmal einer Studie des Verbandes der Ersatzkrankenkassen zufolge.

Und vor ca 2 Jahren berichtete mir ein US Amerikanischer Kollege vergleichbares bzgl mehrerer HMO Studien.

Also es scheint schon genügend Leute mit dummen Gedanken zu geben, oder weshalb untersucht man sowas überhaupt. Wen interessiert das, wenn man sich ansonsten angeblich nichts dabei denkt? Alles nur für die Schublade? Kaum zu glauben und ich glaube das auch nicht.

Ich habe eigentlich nix gegen aktive Sterbehilfe, aber was dumme Gedanken betrifft, bin ich inzwischen wirklich misstrauisch. Man sollte keine denkbare Schweinerei a priori vom Tisch wischen oder: the road to hell is paved with good intentions.

Natürlich kann jeder Arzt sagen: Wenn mir das ganze suspekt erscheint, mache ich es nicht und das ist ok. Nur wo steht eigentlich geschrieben dass es immer Ärzte sein müssen oder müssten, die irgendwann mal aktiv Sterbehilfe machen? Im Grunde kann das auch ein Vertreter der Krankenkasse durchführen, da muss man nur ein Gesetz für ändern und fertig.
Oder man schafft mal schnell das Berufsbild des "Sterbehelfers", mit Zertifikat und Prüfung und allem PiPaPo.

Ich kann daher Evils Einwände mit dem "Fass" was man da möglicherweise aufmacht schon auch gut verstehen auch wenn ich selbst da sicher hin und hergerissen bin: Im Grunde soll der, der gehen will auch gehen dürfen.

Zugleich habe ich die Erfahrung gemacht, dass wenn immer Menschen an den Stellschrauben des Lebens rumfurwerken irgendwann mega grosse Kacke bei rauskommt: Kaum öffnet man dort die Türen einen Spalt, finden sich wenig später die ein, die noch nicht durch den Spalt passen, die dann laut "Menschenwürde" "meine Rechte" etc blah blah schreien und sich den Spalt etwas weiter aufklagen, bis er passt. Und irgendwann stecken wir dann in einer Sache drin, die ganz anders ausschaut als die, die und vorgeschwebt hat. Gerade dies, ist doch in der Medizin versus Gesellschaft nichts Neues.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich bei diesem Thema etwas ratlos bin: Mein Bauch sagt "das müsste ok sein" mein Kopf sagt "Uh, oh, es gibt nix was die Wasauchimmer-kraten oder - isten nicht kaputtgeregelt oder pervertiert bekommen. Und immer wenn ich mir sage: Hach, das habe ich sooo intensiv reflektiert, droht mir der helle Wahnsinn von der unreflektierten Ecke!".

schwierige Sache ... Avalanche

Keenacat
02.04.2008, 21:21
mein hauptproblem mit dieser idee ist folgendes:

die betreuung schwerkranker, sterbender und ihrer familien ist derzeit, sagen wir mal, nicht optimal. das bedeutet, dass ein teil der patienten an unter angemessener therapie eventuell vermeidbaren symptomen leidet (schmerz, körperliche einschränkungen, depressionen, angst, das gefühl, anderen eine last zu sein etc.). und es gibt studien, die zumindest nahelegen, dass solche symptome einen nicht zu vernachlässigenden zusammenhang mit dem todeswunsch von terminal kranken haben (--> pubmed).

mit anderen worten: jetzt hinzugehen und den patienten eine möglichkeit anzubieten, sich leicht und schnell zu suizidieren, würde wahrscheinlich einen guten teil menschen betreffen, denen mit entsprechendem aufwand geholfen werden könnte. m.e. ist das unterlassene hilfeleistung (das ist keine juristische aussage, sondern mein persönliches gefühl).

WENN es denn eine ausreichende, suffizient finanzierte palliative versorgung GÄBE, und das bedürfnis nach solchen methoden immer noch erheblich wäre, ja, dann kann man sowas in erwägung ziehen. aber nicht vorher. das hinterlässt bei mir eben den nachgeschmack von entsorgungsmentalität.

im übrigen fand ich diese präsentation allgemein höchst geschmacklos. :-(

milz
30.06.2008, 15:19
Ganz ehrlich: Bei einigen Erkrankungen wäre ich als Betroffener sehr froh, wenn ich zumindest die Option hätte meinen letzten Weg bei Bedarf etwas abzukürzen, vor allem, wenn ich zur Ausführung selbst nicht mehr in der Lage bin. Soviel Selbstbestimmungsrecht würde ich mir wünschen, wenn es bei mir soweit ist.

Doctöse
30.06.2008, 15:27
Da ist es wohl passiert Ex-Senator leistet Sterbehilfe (http://www.dernewsticker.de/news.php?id=22203). Unglaublich seriöse Quelle, die Zeitung mit den 4 Buchstaben^^

Hab aber irgendwo in den Nachrichten gestern gehört, dass er die Maschine dann doch nicht benutzt habe. :-nix

Katecholamin
30.06.2008, 17:25
Ich hab es bei ZDF Brisant :-PP eben so verstanden, dass er ihr oral etwas zum "einschlafen" gegeben hat in Kombi mit Diazepam... auf einer Pressekonferenz hat er ein Video der älteren Dame gezeigt, auf dem er das entscheidende Gespräch mit ihr führt. Tut mir total Leid, die arme Omi!! Die war wie einige ältere Frauen nur etwas traurig und depressiv verstimmt, hatte niemanden mehr außer einem Zivi und der Putzfrau und wollte nicht ins Heim, aber dann gleich aktive Sterbehilfe?? Man hätte mit ihr gemeinsam sicher noch ein passables Lebensende konstruieren können. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt ...

Evil
30.06.2008, 18:43
Soviel Selbstbestimmungsrecht würde ich mir wünschen, wenn es bei mir soweit ist.Statt eines Tötungsapparates sollte sich lieber unter den Kollegen mal die Einstellung durchsetzen, Omis mit Nahrungsverweigerung eben NICHT gleich eine PEG und Infusionstherapie angedeihen zu lassen.
Dann wäre der Selbstbestimmung vollauf genüge getan, und es könnte jeder nach eigenem Willen "gehen".