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Isabelle25
10.01.2009, 18:34
Hallo,
habe gerade angefangen zu arbeiten...
vor wenigen Tagen....
vielleicht könnt ihr mir von euren Erfahrungen berichten, wie eure Anfänge waren.
Ich arbeite an einer Uni Klinik, in einer Hämato/Onko/Infektio Abteilung.
Ist es normal, dass man sich am Anfang wahnsinnig fremd und etwas fehl am platz fühlt?
Ich frage mich auch, ob die Aubildung an der Uni gut ist....man rotiert zwar später auch in andere Bereiche...aber ist man am ende nicht irgendwie ein schlechter Kliniker?!?
Naja und in den ersten Tagen habe ich den eindruck mehr Verwaltung als medizin zu lernen...ist auch das normal?
Gut ist, dass die Arbeitszeiten geregelt sind und die Kollegen alle sehr nett. Falls ihr lust habt, würde ich mich über Eure Erfahrungen als Anfänger freuen.....

Lava
10.01.2009, 19:02
Warum hast du denn an der Uni angefangen?

Espressa
11.01.2009, 15:00
Ist es normal, dass man sich am Anfang wahnsinnig fremd und etwas fehl am platz fühlt?
Ich frage mich auch, ob die Aubildung an der Uni gut ist....man rotiert zwar später auch in andere Bereiche...aber ist man am ende nicht irgendwie ein schlechter Kliniker?!?
Naja und in den ersten Tagen habe ich den eindruck mehr Verwaltung als medizin zu lernen...ist auch das normal?
...

Hallo Isabelle,

also so ungern ich es sage, meine Antwort auf die erste Frage lautet eindeutig NEIN.
Habe selbst erst vor nicht allzu langer Zeit angefangen. Man ist natürlich etwas unbeholfen und weiß vieles nicht, aber ich fand gleich dass ich endlich da gelandet bin wo ich schon eine lange Zeit hinwollte, man arbeitet ja die ganze Studienzeit darauf hin, endlich Arzt zu sein, idealerweise noch im Wunschfach.
Was Verwaltung angeht - das empfand ich auch als ein wenig frustrierend, dass man leider sehr an Regeln gebunden ist, die doch oft mal etwas unmedizinisch sind, abhängig von Versicherungen der Patienten und Kosten der Therapien...

Ich arbeite nicht an einer Uniklinik, denke aber dass da sicherlich ein interessantes Patientengut anzutreffen ist, und man bestimmt einen sehr breiten Einblick gewinnen kann, da man auch die Spezialfälle behandelt die andere kleinere Häuser oder niedergelassene Ärzte weiterüberweisen.

Insgesamt glaube ich dass du nach den ersten Tagen nicht zu sehr entmutigt sein solltest, man ist eben doch mehr das fünfte Rad am Wagen, und das ist zu Beginn sicher auch gut so. Die Zeit in der man ganz allein entscheiden muss kommt meistens eh früher als einem lieb ist, und da schadet es nicht davor schon etwas nur mitgelaufen zu sein.
Wenn dich die Materie begeistert und interessiert, wirst du bestimmt auch bald die Fertigkeiten und das Wissen haben, im Ganzen einen produktiven Beitrag zu leisten, das geht natürlich nie vom ersten Tag an.

Aber so insgesamt sollte dir schon wohl bei der Sache sein, und es sollte sich auch soweit richtig anfühlen, dass du denkst zumindest das Potential zu besitzen, in die Tätigkeit hineinwachsen zu können.

Also Kopf hoch, berichte mal wieder!

lg espressa

chicachen
11.01.2009, 17:13
also ich muss sagen, dass ich mich nach jetzt einer woche arbeiten (gyn an einer uniklinik) auch noch wahnsinnig fremd, fehl am platz und total insuffizient fühle.
meine praktischen fähigkeiten lassen einfach sehr zu wünschen übrig und ich weiß auch viele dinge schlicht und ergreifend nicht.
gearbeitet wird da halt viel, ist ja auch normal als akademiker nicht unbedingt eine 40 stunden woche zu haben. aber mir fällt die umstellung halt echt schwer und ich bin auch nicht glücklich und zufrieden, geschweige denn dass ich das gefühl hätte, endlich angekommen zu sein.

McBeal
11.01.2009, 17:23
also ich muss sagen, dass ich mich nach jetzt einer woche arbeiten (gyn an einer uniklinik) auch noch wahnsinnig fremd, fehl am platz und total insuffizient fühle.
meine praktischen fähigkeiten lassen einfach sehr zu wünschen übrig und ich weiß auch viele dinge schlicht und ergreifend nicht.
gearbeitet wird da halt viel, ist ja auch normal als akademiker nicht unbedingt eine 40 stunden woche zu haben. aber mir fällt die umstellung halt echt schwer und ich bin auch nicht glücklich und zufrieden, geschweige denn dass ich das gefühl hätte, endlich angekommen zu sein.
Das ist echt schade. Ich habe auch die erste Woche hinter mir (Pädiatrie an einem kirchlichen Haus), werde sehr gut eingearbeitet, darf viel machen und habe immer jemanden, den ich fragen kann, komme pünktliche raus und fühle mich ziemlich wohl. Klar wechselt es immer zwischen sich als "große Ärztin" und "totale Null" zu fühlen, aber die Kollegen sagen dann schon immer, dass ganz klar ist, dass ich das und das nicht weiß und ich dann halt fragen soll. Alles in Allem denke ich, dass ich eine gute Anfängerstelle gefunden habe und nicht zu sehr gestresst werde. Ich glaube es ist gut, dass es nicht an den Unikliniken, an denen ich mich beworben hatte, geklappt hat. :-)

LG,
Ally

Muriel
11.01.2009, 17:26
Das ist sehr schön zu lesen, Ally, ich hoffe, dass unsere neue Kollegin, die am Donnerstag bei uns anfangen wird, dann Ähnliches berichten kann :-)

Evil
11.01.2009, 18:05
Da ist ja auch mindestens eine Altassistentin :-)), die sie super einarbeiten wird, soweit es geht ;-)

Muriel
11.01.2009, 18:42
Sie wird sich zumindest die größte Mühe geben :-) Und da unsere neue Kollegin ja auch zusätzlich auf Station kommt, dürfte das alles ganz gut gehen.

nolo
12.01.2009, 19:10
Also ich arbeite seit Mitte Dezember in der Inneren auch in einem kirchlichen Haus und mir geht es auch so:
JUHU endlich da angekommen, wo ich hinwollte!! :-meinung
Es ist zwar teilweise ganz schön stressig, die Patientengeschichten von einer Stationsseite im Kopf zu behalten und den Überblick, was ich mit denen nun eigentlich machen wollte, aber ich kann auch immer jeden fragen, die Kollegen sind nett, die Briefe darf ich diktieren..... Bei mir ist es trotz Streß TOLL. Also an alle, bei denen das nicht so ist: Kopf hoch, das kommt bestimmt noch!! ( Ich hab nämlich den Vorteil, daß ich das Haus aus dem PJ kenne....also nicht alles neu, daher wahrscheinlich die schnelle Eingewöhnung )
LG

Isabelle25
12.01.2009, 22:05
Hey,
danke für eure Beiträge!
Ich fühle mich jetzt auch schon etwas wohler bei dem, was ich tue.
EIgentlich wollte ich an einem Haus in der Inneren arbeiten, in der man eine breitere Innere vorfindet. Leider haben mir diese Art Häuser alle entweder abgesagt oder nicht geantwortet.Diese Stelle in der Hämato/Onko bzw. jetzt in der Infektio wurde mir dann ab Januar angeboten, und mir war es wichtig bald anzufangen zu arbeiten. Eigentlich ist auch alles sehr gut, nur dass die Patienten so komplex sind und ich den EIndruck habe, dass man sich das doch nicht alles merken kann....und zudem interessierte ich mich eigentlich immer auch sehr für kardio, das kommt jetzt halt etwas kurz...
aber ich denke irgendwann, kann man ja auch wechslen oder innerhalb der Klinik rotieren.....
Meine Angst ist einfach immer keine gute Ärztin zu sein - oder zu werden. Aber die erfahrenen Kollegen sagen mir immer, dass es von einem selber abhängt und nicht unbedingt nur von der abteilung...also dass man auch an einer Spezialisierten Klinik viel lernen kann...
Also mal abwarten, wie es sich entwickelt....
Viel Erfolg noch!

Lava
13.01.2009, 17:37
Ein Freund von mir, der auch in der Inneren einer Uniklinik arbeitet, meinte man zu mir, die Lernkurve sei da am Anfang steil, aber so nach 1, 2 Jahre flache sie deutlich ab. Dann lernt man einfach nichts mehr dazu. Dann wird es Zeit, entweder zu rotieren oder sich selbst was Neues zu suchen. Ich denke, man merkt schon selber, wann man das Gefühl hat, nichts mehr lernen zu können.

Miss
13.01.2009, 20:51
also ich muss sagen, dass ich mich nach jetzt einer woche arbeiten (gyn an einer uniklinik) auch noch wahnsinnig fremd, fehl am platz und total insuffizient fühle.
meine praktischen fähigkeiten lassen einfach sehr zu wünschen übrig und ich weiß auch viele dinge schlicht und ergreifend nicht.
gearbeitet wird da halt viel, ist ja auch normal als akademiker nicht unbedingt eine 40 stunden woche zu haben. aber mir fällt die umstellung halt echt schwer und ich bin auch nicht glücklich und zufrieden, geschweige denn dass ich das gefühl hätte, endlich angekommen zu sein.
Nach ner Woche fühlte ich mich auch noch wie der letzte Vollpfosten, die anderen Ex-Vollpfosten haben aber nur verständnisvoll genickt...

Es war alles eine große Umstellung, nicht mal nur 4 Wochen Famulatur und früh aufstehen, sondern jetzt für immer und nix Semesterferien, sondern nur 29 Urlaubstage...

Die praktischen Fähigkeiten waren am Anfang auch eher zum Verzweifeln, allerdings bin ich auch kein Typ, der alles sofort nach einmal zugucken kann, aber wenn ichs dann kann, dann kann ichs auch.

Nach fast nem Jahr hab ich schon ne ganze Menge Sicherheit und auch Erfahrung (natürlich noch keine Altehasen-Erfahrung), und die Lernkurve geht immer stetig nach oben, nicht immer im rasenden Tempo, aber für manches muß man halt auch einfach ein bißchen Geduld haben. Manche Sachen, die ich jetzt dazu lerne, Informationen, die ich gerade aufnehme, dafür wäre vor z.B. 5 Monaten noch gar nicht der rechte Zeitpunkt gewesen.

chicachen
14.01.2009, 18:20
meine super geplante einarbeitug, resultiert jetzt darin, dass ich diese woche eine komplette station alleine mache. mir grault schon vor den 20 briefen, die ich bestimmt alle zurück bekommen werde und den ganzen falsch codierten diagnosen und prozeduren....

so ein unwissender vollpfosten wie ich es bin....
wahrscheinlich wird mein vertrag sowieso gar nicht erst verlängert!!!

Miss
14.01.2009, 18:35
meine super geplante einarbeitug, resultiert jetzt darin, dass ich diese woche eine komplette station alleine mache. mir grault schon vor den 20 briefen, die ich bestimmt alle zurück bekommen werde und den ganzen falsch codierten diagnosen und prozeduren....

so ein unwissender vollpfosten wie ich es bin....
wahrscheinlich wird mein vertrag sowieso gar nicht erst verlängert!!!
Wie soll man denn auch von Anfang an perfekt codieren können? das hat überhaupt nichts mit Vollpfosten-Sein zu tun...

Kopf hoch :-keks

pieks
14.01.2009, 18:54
meine super geplante einarbeitug, resultiert jetzt darin, dass ich diese woche eine komplette station alleine mache. mir grault schon vor den 20 briefen, die ich bestimmt alle zurück bekommen werde und den ganzen falsch codierten diagnosen und prozeduren....

so ein unwissender vollpfosten wie ich es bin....
wahrscheinlich wird mein vertrag sowieso gar nicht erst verlängert!!!


Hi chicachen,

das ist der größte Fehler, den Du machen kannst:

Dich selbst als I**** und als unfähig zu bezeichnen, weil andere ihrer Pflicht - nämlich Dich adäquat einzulernen - nicht nachkommen :-kotz :-(


Gruß pieks

McBeal
14.01.2009, 19:42
Bin auch diese Woche allein auf Station, habe heute vergessen, noch zu einer Familie zu gehen (die warteten leider noch auf mich oder die OÄ) und war heute eine Stunde allein in der Ambulanz, war mir bei einigen Dingen nicht ganz sicher (aber soll ich dafür die OÄ runterkommen lassen?) und musste mir erstmal vom Pfleger erklären lassen, wie ich ein Rezept ausfülle. :-blush Nee, mein Tag wars echt nicht. Keine Mittagspause und ne halbe Überstunde...

LG,
Ally

zaubernuss
14.01.2009, 21:02
Ich bin die Nachmittage immer allein auf Station und bin froh, wenn ich alles koordiniert bekomme.
Aber mir wurde von Anfang an gesagt, dass ich den OA immer anfunken kann und das tu ich dann auch, ich sammel meine Fragen und so ist ja dann auch sichergestellt, dass ich auf Dauer immer weniger Fragen habe...
(Auch wenn ich mich zwischendurch durch Frage, wie ich jemals diese ganzen Psychopharmaka lernen werde)
Aber insgesamt muss ich wirklich sagen, bin ich zwar abends immer ziemlich ko von den ganzen Infos, aber ich fühl mich gut dabei
:-)

pieks
14.01.2009, 21:32
Oh man,
wenn ich mir vorstelle mit wieviel Theorie-Kram die jetztige "HEX-Generation" im Studium überfrachtet wird und dann "mutter- (und FA-/OA-)seelenallein" (und praktisch ahnungslos) dem Patienten gegenübersteht .. . :-kotz

das ist noch Klassen absurder als vor einigen Jahrenund wird noch schlimmer werden bei dem drohenden FA-Mangel :-party :-keks

Gruß von der "älteren Generation"

Käthe, MD
15.01.2009, 11:39
@Chica: Wieso weißt du denn jetzt schon, dass dein Vertrag nicht verlängert wird? Oder befürchtest du das nur?

Kopf hoch, du schaffst das schon! :-)

Lg Käthe

McBeal
15.01.2009, 19:44
So, heute war es wieder etwas besser. Auch wenn das Wasser doch einigermaßen kalt ist, so in der zweiten Woche ganz allein auf der Station. Allerdings darf ich die OÄ immer fragen und die Schwestern haben auch immer tolle Tipps und unterstützen mich, wo sie nur können. Aber ich bin doch ganz froh, wenn wir nächste Woche wieder zu zweit sind, auch wenn ich von Ärzte- und Pflegerseite bisher nur Lob gehört habe. :-blush

LG,
Ally