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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie schwer ist eine Praxisgründung / Praxisübernahme



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HalloBallo
01.12.2007, 20:54
Wie gesagt, bin kein Experte; weiß aber einfach aus engster Umgebung, dass man auch in D-Land mit einer Praxis und wenig Privatpatienten recht gut leben kann...nicht umsonst zahlt die Person (von der ich es recht genau weiß; tätig in einem chirurgischen Fach mit ambulanten Operationen) im Jahr ca. 45 000 Euro Steuern auf die Privatentnahmen in der sicherlich nicht höchsten Steuerklasse. Das Bruttogehalt kannst du dir dann ja hochrechnen.
Gleiches gilt für einen bekannten Orthopäden, und die zusammenarbeitenden Radiologen, welche sich gerade einen MRT in die Praxis gestellt haben.
Natürlich musst du als niedergelassener Arzt auch entsprechenden Durchblick durch den EBM haben, sodass du auch alles das abrechnest, was dir zusteht (seien es die max. Anzahl der Arztbriefen oder Telefonaten)
Ohne jetzt populistisch klingen zu wollen, habe ich die Internisten mit hinzugezogen, da ich mich an einen Beitrag aus Frontal21 von vor vielleicht einem Jahr entsinnen kann, welcher Quellen nannte, dass niedergelassene Internisten im Durchschnitt 11000 Euro Brutto verdienen.
Habe die Quelle jetzt aber wie gesagt nicht und habe auch keine Lust sie zu suchen ;-)

Ich will überhaupt nicht abstreiten, dass es viele, vielleicht auch der Großteil aller niedergelassenen Ärzte sind, welche nicht über normale Facharztgehälter hinauskommen. Trotzdem stimmt es einfach nicht zu verallgemeinern, dass ein guter Verdienst in der Niederlassung in D-Land nicht mehr möglich ist.

Die Praxen von denen ich rede, befinden sich alle in einer Stadt im Osten, und sind aufgrund ihrer zentralen Innenstadtlage in einem Ärztehaus sicherlich prädestiniert.

Grüße


EDIT: Sorry der Beitrag war aus Monitor und hier noch zu sehen:
http://www.wdr.de/tv/monitor/real.phtml?bid=814&sid=149


EDIT2: Hab mich auch nochmal grob schlau gemacht; es ist so, dass (wie du vielleicht auch weißt) einfach viele Sachen außerhalb des Budgets sind. Dazu gehören u.a. auch ambulante Operationen (bei chirurgischen Fächern). So erklären sich dann wahrscheinlich auch die Differenzen. Wenn du in einer Praxis zwei OP Tage pro Woche hast, mit ca. 6-8 Eingriffen pro Tag (also vielleicht ca. 15 pro Woche) und im Durchschnitt (sicherlich schwer anzugeben) pro OP mit Vor-und Nachsorge (welche neuerdings auch außerhalb des Budgets verrechnet wird) vielleicht 400 Euro einnimmst (was realistisch ist!!!....stark von der OP abhängig; Range von 100 - 1000 Euro), dann kommst du auch auf die monatlichen Gehälter.
Außerdem ist es natürlich wichtig, dass du die Bepunktung nicht den Schwestern überlässt, sondern selbst bepunktest, um auch alles richtig abzurechnen. (den Schwestern ist es nämlich im Regelfall egal, ob für den Patient nun ein Punkt mehr oder weniger abgerechnet werden kann)

Ehemaliger User 20130505
01.12.2007, 22:00
Ohne jetzt populistisch klingen zu wollen, habe ich die Internisten mit hinzugezogen, da ich mich an einen Beitrag aus Frontal21 von vor vielleicht einem Jahr entsinnen kann, welcher Quellen nannte, dass niedergelassene Internisten im Durchschnitt 11000 Euro Brutto verdienen.
Habe die Quelle jetzt aber wie gesagt nicht und habe auch keine Lust sie zu suchen Ich hab nur den letzten Beitrag gelesen und will mich hier auch nicht weiter einmischen, sondern nur eine glaubhafte Quelle posten:

Kostenstruktur von Arztpraxen laut statistischem Bundesamt:
https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanze ige.csp&ID=1018854

Das statistische Bundesamt gibt für das Jahr 2003 für internistische Einzelpraxen als bundesweiten Durchschnitt Einnahmen von 287 000 Euro an. Die Aufwendungen werden bei internistischen Einzelpraxen mit durchschnittlich ca. 55 Prozent angegeben; dann bleiben als durchschnittlicher Reinertrag ("Bruttoeinkommen") ca. 129 000 Euro.

Edit.:

In den "Aufwendungen", die bei der internistischen Einzelpraxis etwa 55 Prozent ausmachen, ist das enthalten:




-Personalaufwendungen und Aufwendungen für Honorare für
gelegentliche Assistenz und Praxisvertretung


-Aufwendungen für Material und fremde Laborarbeiten

-Aufwendungen für Mieten/Leasing

(In den Fällen, in denen die Praxis im eigenen Haus betrieben wird,
ist ein Mietwert entsprechend der Miete für Räume in gleichem
Umfang und gleicher Lage eingesetzt.
Falls dieser nicht zu ermitteln
war, sind die Kosten des eigenen Grundstücks und Gebäudes
(soweit sie auf die Praxis entfallen) angegeben.
Zu diesen Kosten
zählen Hypotheken- und Grundschuldzinsen, Gebäudeabschreibungen,
Instandhaltungskosten usw.

Wegen der steigenden Anzahl von Leasing-Geschäften werden im
Rahmen dieser Aufwendungen die Mieten für Apparate, EDVEinrichtungen
und dergleichen nachgewiesen.)


-Aufwendungen für Heizung, Strom, Gas, Wasser

-Versicherungen, Beiträge und Gebühren

Hier sind die Versicherungen für die Berufshaftpflicht- und Praxisversicherung,
Feuer-, Diebstahlversicherung usw. ausgewiesen

Weiterhin sind u.a. die Beiträge
zu Berufsorganisationen dargestellt


-Aufwendungen für Kraftfahrzeughaltung

Zu den praxisbedingten Kraftfahrzeugaufwendungen zählen anteilig
Kraftfahrzeugsteuer, Haftpflicht-, Kasko-, Insassenunfallund
Rechtsschutzversicherung, Abschreibungen auf das Kraftfahrzeug,
Reparatur- und Instandhaltungskosten, Kraftstoff- und
sonstige laufende Betriebskosten.
Im Falle von Leasing-Verträgen
für Kraftfahrzeuge gehören auch die anteiligen Mietraten (Leasing-
Raten) dazu.

-Abschreibungen/Geringwertige Wirtschaftsgüter:


Hier sind die Abschreibungen auf die Praxiseinrichtung (incl.
Labor) mit einem Anschaffungswert von mehr als 410 Euro erfasst.

-Fremdkapitalzinsen:

Die erfragten Fremdkapitalzinsen stellen die Aufwendungen
(Zinsen) für das der Praxis zur Verfügung gestellte Fremdkapital
dar (z.B. zur Anschaffung von Einrichtungsgegenständen oder zur
Kapitalbeschaffung bei der Praxisaufnahme).

-Sonstige betriebliche Aufwendungen:

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen umfassen alle nicht
bereits in den vorgenannten Positionen erfassten steuerlich absetzbaren
Aufwendungen für die Praxis

u.a. für KV- bzw. KZVVerwaltungskosten,

Aufwendungen für wissenschaftliche Kongresse,
Fortbildungskurse, Fachliteratur und dgl.,
betriebliche Steuern,
Büromaterial,
Post- und Telefongebühren,
Berufsbekleidung,
Gebühren an privatärztliche Verrechnungsstellen,
Aufwendungen
für Steuerberatung, Buchführung undRechtsberatung,

Reisekosten, Reparaturen, EDV-Kosten, Kostenerstattung an
Belegkrankenhäuser).

Die Summe dieser Aufwendung liegt in der internistischen Einzelpraxis bei ca. 55 Prozent.

Wenn man die Summe dieser Aufwendungen von den Einnahmen abzieht, erhält man den Reinertrag.

Davon muss der Praxisinhaber noch Beiträge für die Renten-, Kranken-und Pflegeversicherung bezahlen. Diese Beiträge sind höher als bei Arbeitnehmern, weil er als als Freiberufler keinen Arbeitgeberanteil bekommt.
Außerdem muss er eine Krankentagegeldversicherung abschließen, weil er im Krankheitsfall keine Gehaltfortzahlung bekommt.

HalloBallo
01.12.2007, 22:04
Ich hab nur den letzten Beitrag gelesen und will mich hier auch nicht weiter einmischen, sondern nur eine glaubhafte Quelle posten:

Kostenstruktur von Arztpraxen laut statistischem Bundesamt:
https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanze ige.csp&ID=1018854

Das statistische Bundesamt gibt für das Jahr 2003 für internistische Einzelpraxen als bundesweiten Durchschnitt Einnahmen von 287 000 Euro an. Die Aufwendungen werden bei internistischen Einzelpraxen mit durchschnittlich ca. 55 Prozent angegeben; dann bleiben als durchschnittlicher Reinertrag ("Bruttoeinkommen") ca. 129 000 Euro.

Danke für deine Unterstützung!!! ;-)

Ehemaliger User 20130505
01.12.2007, 22:14
Und auf dieser Seite gibt es in der Datei "Grunddaten (http://www.kbv.de/publikationen/125.html) zur Vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland 2006" auch noch 96 Seiten mit Zahlen und Grafiken zu diesemThema.

Wer es ganz genau wissen will, muss sich eben durch die Dateien des statistischen Bundesamts und der KBV wühlen.

test
02.12.2007, 10:25
Wie gesagt, bin kein Experte; weiß aber einfach aus engster Umgebung, dass man auch in D-Land mit einer Praxis und wenig Privatpatienten recht gut leben kann...nicht umsonst zahlt die Person (von der ich es recht genau weiß; tätig in einem chirurgischen Fach mit ambulanten Operationen) im Jahr ca. 45 000 Euro Steuern auf die Privatentnahmen in der sicherlich nicht höchsten Steuerklasse. Das Bruttogehalt kannst du dir dann ja hochrechnen.
)


Nur mal als Info zwischen durch, wer 45 000 euro Steuern zahlt ist längst beim Spitzensteuersatz, den erreicht man bei einem Gehalt über 52 152 Euro im Jahr und er liegt bei 42%.

HalloBallo
02.12.2007, 10:36
Nur mal als Info zwischen durch, wer 45 000 euro Steuern zahlt ist längst beim Spitzensteuersatz, den erreicht man bei einem Gehalt über 52 152 Euro im Jahr und er liegt bei 42%.

Es macht aber durchaus noch einen Unterschied, ob man Frau und Kinder hat oder alleinstehend ist, außerdem darfst du bei Selbstständigen nie die ganzen Steuervergünstigungen wie z.B. Dienstwagen etc. vergessen.

tarumo
02.12.2007, 10:47
Es gibt einige Arztpraxen, die noch weitaus über den genannten Zahlen liegen. Umgekehrt sind es nahezu ein Drittel, die vor der Insolvenz stehen. In welcher Gruppe man sich wiederfindet, ist aber nicht bloß alleine vom Geschick beim Abrechnen abhängig, sondern auch von vielen anderen Faktoren. Einen Anspruch auf "Durchschnitt" gibt es nicht.
Es geht mir bloß drum, junge Kollegen nicht komplett blauäugig gegen´s Messer laufen zu lassen.
Übrigens: Durchschnitt ist ja schön und gut, laut Statistik hat ja jeder Bundesbürger im Durchschnitt 80.000 EUR auf der hohen Kante. Bloß weiß meine Bank nichts davon. Betrachtet man die Aufteilung in Zahlen, verfügt ein kleiner Bruchteil der Gesamtbevölkerung über 2/3 des Gesamtvermögens.Ein Mang oder ein Grönemeyer mit Einkommen im Millionenbereich reißt bei einer doch relativ kleinen Fachgruppe den Schnitt auch schon nach gewaltig nach oben.

test
02.12.2007, 11:14
Es macht aber durchaus noch einen Unterschied, ob man Frau und Kinder hat oder alleinstehend ist, außerdem darfst du bei Selbstständigen nie die ganzen Steuervergünstigungen wie z.B. Dienstwagen etc. vergessen.

Selbst mit arbeitsloser Frau wäre er damit beim SPitzensteuersatz. Was natürlich nicht bedeutet, dass er nicht noch deutlich mehr verdient als seine Steuerlast vermuten lässt, durch Kinderfreibeträge, Abschreibungen usw...

Monas_Pseudo
02.12.2007, 11:50
...Einen Anspruch auf "Durchschnitt" gibt es nicht....Sehr richtig. Und das gilt nicht nur für niedergelassene Ärzte, sondern für alle Freiberufler und Selbstständige als da wären: Architekten, Bauingenieure, Journalisten, Bauingenieure etc.

Ich empfehle dazu mal einen Blick über den Tellerrand, z. B. auf diesen Beitrag:

MONITOR Nr. 570 am 15. November 2007

Frei, selbständig, arm: Das neue Akademikerproletariat


http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=924&sid=172

Auch bei selbstständigen Architekten und Rechtsanwälten gibt es eine sehr große Streuung der Einkommen. Wer in die Freiberuflichkeit bzw. Selbstständigkeit geht, weiß normalerweise auf welches Risiko er sich einlässt und dass er keine Garantie auf das Durchschnittseinkommen seines Berufsstands hat. Nur bis zu niedergelassenen Ärzten scheint dieser Fakt noch nicht durchgedrungen zu sein.

Und zum Thema Insolvenz bzw. Bedrohung durch Insolvenz:

Von Insolvenz bedroht ist im Prinzip jeder Selbstständige bzw. Freiberufler, denn die Geschäftslage kann sich bei jedem im Laufe der Zeit ändern. Ein Freund von mir, der sich vor gut 20 Jahren als Bauingenieur selbstständig gemacht hat und lange Zeit ein sehr hohes Einkommen hatte, steht heute kurz vor der Insolvenz und lebt teilweise von seinen Rücklagen und dem festen Einkommen, das seine Frau als abhängig Beschäftigte in die Familie einbringt.
Der Anteil an Insolvenzen ist bei anderen Freiberuflern auf jeden Fall deutlich höher als unter niedergelassenen Ärzten, denn bei den niedergelassenen Ärzten liegt er im Promillebereich; bei anderen Freiberuflern und Selbstständigen dagegen im Prozentbereich.

Fazit:

Wer als Arzt arbeiten will und Wert auf ein sicheres Einkommen legt, kann nach Schweden auswandern oder sich in Deutschland einen Job in einem MVZ suchen.

Freiberuflichkeit und ein Anspruch auf ein gesichertes Einkommen sind Widerspüche per se.

tarumo
02.12.2007, 11:53
Aus der oben genannten Statistik geht nicht hervor, ob die Einnahmen ausschließlich aus der KV-Abrechnung resultieren (was ich bezweifle) oder ob man alles zusammengrechnet hat (anzunehmen, aber eigentlich unzulässig). Selbst wenn die durchaus üppigen Privatabrechungen mit eingerechnet sind (die stellen 90% ders Gewinns bei 10% der Arbeit und die hat halt eben nicht jeder, das ist der Haken) sind 129.000 vor Steuern durchaus nicht reichhaltig. Es bleiben vielleicht dann 60.000 netto übrig, von denen dann noch die Rücklage für Altersversorgung und Urlaub zu bestreiten wäre. Und-wie gesagt-ein "Durchschnitt" hilft dem einzelnen wenig.

tarumo
02.12.2007, 12:04
Freiberuflichkeit und ein Anspruch auf ein gesichertes Einkommen sind Widerspüche per se.

Richtig. Der Vergleich hinkt allerdings. Ärztliche Freiberufler haben zu 90% kein Recht, ihre Rechnung frei zu kalkulieren, die Preise der Einnahmenseite sind als Pauschalen vom Staat vorgegeben und nach oben hin beschränkt. Die Ausgabenseite ist dagegen dem freien Markt unterworfen. Kein Handwerker würde sich auf sowas einlassen. Es gibt diverse Urteile, daß seitens der Ärzte kein Anspruch auf eine kostendeckende Bezahlung der geleisteten Arbeit besteht. Daher übrigens die Abrechnung in Punkten...so kann man prima was verschleiern.

Bei den Rechtsanwälten, Archiktekten handelt es sich um ein Konjunkturproblem. Die Arbeit wird wenig nachgefragt und parallel dazu gibt es keine Niederlassungssperren etc, daß praktisch jeder eine Laden aufmachen kann, der Lust dazu hat-und sich so die Leute gegenseitig die Butter vom Brot nehmen. Gerade die Rechtsanwälte haben sich inflationsartig "vemehrt".

Diesbezüglich wurde vielleicht ein Vergleich der "Fallzahlen" weiterhelfen. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, daß ein Anwalt, der jeden Tag 50 (!) Mandanten neu betreut, abends noch Taxi fahren muß.

HalloBallo
02.12.2007, 12:22
So, ich will mich hier jetzt eigentlich auch wieder ausklinken, da wir uns ja auch soweit einig sind, dass es einfach die große Streuung ist, die beide Extreme hervorrufen.
Nur wenn du schon eine recht detaillierte Statistik hast (in der doch auch die Privatanteile angegeben sind?...oder sehe ich das falsch, wenn die da zwischen Privatpraxis und Kassenpraxis nochmal auftrennen) finde ich, dass du sie auch als solche respektieren solltest. Da du ja nun die Durchschnittsverdienste/Reingewinn mit in vielen Gruppen jenseits der 100 000 Euro schwarz auf weiß hast, kann man wohl davon ausgehen, dass es nicht so ist, dass der durchschnittliche Niedergelassene mit einem Assistenzarztgehalt leben muss; denn soviele Privatpatienten, um den Durchschnitt dermaßen zu heben gibt es wohl selbst im Westen Deutschlands nicht.
Und ein besserer Vergleichswert als der Durchschnitt ist wohl kaum zu finden; ist ja auch das selbe bei der Debatte um Topmanager. Die Millionengehälter, welche z.Z. in den Medien kursieren, sprechen auch nur für einen sehr kleinen Teil aller Manager. Es gibt vielleicht keinen Arzt in D-Land der 60 Mio (wie der Porschemanager) verdient, jedoch wird es auch mehr als 100 Ärzte deutschlandweit geben, die mehr als 1 Mio verdienen und somit auch den Durchschnitt nach oben treiben.

Nur noch zum Taxifahren: mir ist von keinem Arzt in der Niederlassung bekannt, dass er nebenher Taxi fährt oder Kellnern geht. Sicherlich gibt es davon vereinzelt welche, jedoch ist dieser Anteil mit Sicherheit verschwindend gering.

Ehemaliger User 20130505
02.12.2007, 12:41
Aus der oben genannten Statistik geht nicht hervor, ob die Einnahmen ausschließlich aus der KV-Abrechnung resultieren (was ich bezweifle) oder ob man alles zusammengrechnet hat (anzunehmen, aber eigentlich unzulässig). Doch, das steht dort. Und außerdem: Was heißt da unzulässig? Es ist eine Untersuchung über Einnahmen und Aufwendungen von Arztpraxen. Da gehören selbstverständlich alle Einnahmen rein. Es werden ja schließlich auch alle Aufwendungen gegengerechnet, um den Reinertrag zu ermitteln.

Aber dieser Trick wird bei den an die Medien/also die Öffentlichkeit gegebenen Milchmädchenrechnungen zu den Einkommen der Kassenärzte gerne angewandt.
Da werden gerne nur die Einnahmen aus der GKV angegeben und die Einnahmen aus der PKV und aus IGeLn weggelassen, aber von den GKV-Einnahmen alle Praxisaufwendungen abgezogen und damit ein zu niedriger Reinertrag suggeriert.

Selbstverständlich fragt das statistische Bundesamt, genau wie der Steuerberater und das Finanzamt, nicht nur nach den GKV-Einnahmen, sondern nach allen Einnahmen aus der Praxis, wenn es den Reinertrag der Praxis ermitteln will

Weitere Zahlen über internistische Einzelpraxen aus der Datei des statistischen Bundesamts:

Die Durchschnittseinnahmen aller internistischen Einzelpraxen von 287 000 Euro setzen sich aus 77,3 % GKV-Einnahmen, 20,4 % PKV-Einnahmen und 2,3 aus "sonstigen Einnahmen aus ärztlicher Tätigkeit" zusammen.

Außerdem ist dort aufgeteilt nach internistischen Einzelpraxen mit

<125000 Euro Einnahmen: 5 Prozent der Praxen
125 000 bis 500 000 Euro Einnahmen: 84 Prozent der Praxen
> 500 000 Euro Einnahmen: 11 Prozent der Praxen

Die Einnahmen der Praxen mit <125 000 Euro Einnahmen stammen zu 80,4 Prozent aus der GKV, 15,9 Prozent aus der PKV und 3,7 Prozent aus sonstiger ärztlicher Tätigkeit.

Die Einnahmen der Praxen mit 125 000 bis 500 000 Euro Einnahmen stammen zu 77,9 Prozent aus der GKV, 19,9 Prozent aus der PKV und 2,3 Prozent aus sonstiger ärztlicher Tätigkeit.

Die Einnahmen der Praxen mit > 500 000 Euro Einnahmen stammen zu 74,5 Prozent aus der GKV, 23,2 Prozent aus der PKV und 2,3 Prozent aus sonstiger ärztlicher Tätigkeit.

=>
Sogar in den internistischen Einzelpraxen mit >500 000 Euro Einnahmen/Jahr stammen im Durchschnitt 74,5 Prozent aus der GKV und nur 23,2 Prozent aus der PKV (neben 2,3 Prozent aus sonstiger ärztlicher Tätigkeit. )

tarumo
02.12.2007, 13:18
Ich sperre mich auf folgenden Gründen gegen eine Einrechnung ALLER Einnahmen zwecks fiktiver Einkommen, weil man so ganz gefährlich aufs Glatteis kommt.
1) Sind es maximal 10% Privat Versicherte, schlimmer noch, erklärte Linie der Politik ist es, die zu verringern. Und was dann? Dann muß die Statistik revidiert werden, die Ärzte sind aber schon lange pleite...
2) Gibt es in manchen Regionen ja sogut wie gar keine PP (wozu der Arzt nix kann), wenn man eine entsprechend bereinigte Statistik hätte, würde daraus klar hervorgehen, daß man von den verbliebenen 90% eben nicht leben kann, auch wenn die Politik was anderes suggeriert
3) Sind wir keine Ärzte und keine IGEL-Verkäufer. Ein Arzt, der kein zahlungskräftiges Klientel hat, wird auch nix verkaufen können
4) Wieso sollte die mittwochnachmittägliche Tätigkeit zB für den BAD da auch noch rein? Sind ja auch Einnahmen...

Ich bin der Meinung, daß man alleine von seinen 90% der GKV-Patienten eine gesicherte Existenz haben sollte und alles andere "nice to have" ist, man sich also raussuchen kann, ob, wieviel und was man extra laufen läßt und nicht quasi dazu gezwungen wird, weil es sonst nicht reicht. Und wenn man von der GKV wieder leben kann, dann gibt es auch wieder Ärzte auf dem Land oder in ärmeren Regionen. Noch sind wir ja genug...

Übrigens hat auch die DDR mithilfe solcher Statistken suggerieren wollen, daß alles in Ordnung ist.
Das ganze erinnert an die Diskussion im Assistenzarztforum, wo einige Leute der Ansicht sind, auch im Vergleich zu anderen Gruppen niemals das Grundgehalt also solches betrachten zu müssen, weil ja immer noch "was extra geht". Übrigens eine Taktik, die derzeit von der DB parktiziert wird. Im Unterscheid zu uns ist es allerdings hier die Arbeitgeberseite, die ein Einkommen künstlich hochrechnet.

tarumo
02.12.2007, 13:25
Nur noch zum Taxifahren: mir ist von keinem Arzt in der Niederlassung bekannt, dass er nebenher Taxi fährt oder Kellnern geht. Sicherlich gibt es davon vereinzelt welche, jedoch ist dieser Anteil mit Sicherheit verschwindend gering.

Nö. wir fahren nicht Taxi. Jeder einzelne Niedergelassene, den ich persönlich kenne macht folgendes nebenher (teils auch mehrfach):
Betriebsarzt (sehr beliebt), Herzsportgruppen, Notarzt, Praxisvertretungen, KV-Dienst, Unterricht an diversen Schulen, Polizei/Bahnarzt, Dialysezentrum, Blutspendedienst..und noch ein paar andere Sachen mehr. Das ganze entweder am Mittwochnachmittag, abends/nachts oder am Wochenende. Und zwar aus rein monetären Gründen (sagt natürlich keiner) und nicht etwa, weil in der Praxis sonst nichts loswäre.

Edit:
noch vergessen: Wochenddienste in UK. Da kommt, wenn man Glück hat, mehr rein als in D im ganzen Monat.

Wir drehen das ganze mal rum: kennt jemand einen niedergelassenen Arzt, der NICHTS von alledem macht, auch keine Tauchtauglichkeitszeugnisse u.ä. verkauft, UND einem sozial schwachen Viertel ohne P-Pat. tätig ist?

tarumo
02.12.2007, 13:38
Die Einnahmen der Praxen mit 125 000 bis 500 000 Euro Einnahmen stammen zu 77,9 Prozent aus der GKV, 19,9 Prozent aus der PKV und 2,3 Prozent aus sonstiger ärztlicher Tätigkeit.
b]Sogar in den internistischen Einzelpraxen mit >500 000 Euro Einnahmen/Jahr stammen im Durchschnitt 74,5 Prozent aus der GKV[/b] und nur 23,2 Prozent aus der PKV (neben 2,3 Prozent aus sonstiger ärztlicher Tätigkeit. )

Achtung! Einnahmen nicht mit Gewinn verwechseln (erste Stunde Betriebswirtschaft). Die Zahlen sind völlig unbestritten. Allerdings: 77,9 Einnahmen aus der GKV und vielleicht dem gegenüberstehende 80% Ausgaben für GKV (wie gesagt, GKV unterdeckt oft die Materialkosten) macht dann schon mal 3% Minus.
Eine Statistik, die den GEWINN einer Praxis nach GKV und PKV aufschlüsseln würde, wäre extrem hilfreich. Die gibt es sicherlich, aber die soll wahrscheinlich nicht einfach so zur Kenntnis von Otto Normalbürger gelangen.
Ansonsten braucht man auch gar keine Statistik, sondern einfach mal in den Praxismarkt vom Ärzteblatt gucken und die Spalten suche-biete vergleichen.

Evil
02.12.2007, 14:28
Nö. wir fahren nicht Taxi. Jeder einzelne Niedergelassene, den ich persönlich kenne macht folgendes nebenher (teils auch mehrfach):Komisch, von denen, die ich kenne, macht das keiner... und ich kenne eine ganze Menge.



Aber sagt mal Leute, was redet Ihr Euch eigentlich hier die Köppe heiß? Daß die Situation für Niedergelassene nicht rosig ist, da stimmt Ihr doch alle überein, Ihr diskutiert jetzt doch bloß über statistische Feinheiten...

Ich mein, macht das ruhig, wenn Ihr Spaß daran habt, aber den Effekt sehe ich nicht so ganz... :-lesen

Peter_1
02.12.2007, 15:07
@ tarumo:

also mein Chef fährt kein Taxi und macht keine KV Dienste (da es genügend Leute gibt die die Dienste übernehmen). Sicherlich ist er nicht reich und auch ist die Lage der Niedergelassenen nicht die Beste, aber so wie Du es darstellst ist es nun auch wieder nicht. Abgesehen davon ist es natürlich legitim alle Einkünfte zu betrachten (was denn sonst?)! Wenn der KFZ Meister sein Gehalt angibt kann er sich ja auch nicht nur z.B. die Einnahmen aus den Inspektionen rausgreifen. Natürlich sind die Leistungen der GKV gedeckelt, wenn man was anderes will braucht man ein anderes Versicherungsprinzip (z.B. Risikoversicherung wie beim Auto). Natürlich ist auch die Art und Weise wie abgerechnet wird ein Problem und macht auch ein sicheres Planen als Niedergelassener sehr schwer. Wenn man darüber diskutieren will ok, dann aber sachlich! Alles andere macht nämlich das (berechtigte) Anliegen (mehr Geld, transparentere Abrechnung) ziemlich unglaubwürdig!

Ehemaliger User 20130505
02.12.2007, 15:33
Achtung! Einnahmen nicht mit Gewinn verwechseln (erste Stunde Betriebswirtschaft). Mach Dir darüber mal keine Sorgen. Ich hab schon mehr als nur ein paar Stündchen Betriebswirtschaft hinter mir. ;-)


Eine Statistik, die den GEWINN einer Praxis nach GKV und PKV aufschlüsseln würde, wäre extrem hilfreich. Die gibt es sicherlich, aber die soll wahrscheinlich nicht einfach so zur Kenntnis von Otto Normalbürger gelangen.Nö Kumpel, die wird nicht vom BMG unter Verschluss gehalten.

Die könnte es einfach es nur in solchen Fällen geben, in denen GKV- Behandlungen und PKV-Behandlungen in räumlich und wirtschaftlich getrennten Praxen stattfänden. Dann könntest Du sowohl für Deine GKV-Praxis als auch für Deine Praxis, in der nur Privatbehandlungen und IGeL stattfänden, getrennte Reinerträge ermitteln.

Bis jetzt gibt es allerdings noch nicht allzu viele Niedergelassene, die zwei getrennte Praxen betreiben: eine Privatpraxis und eine reine Kassenpraxis. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Solang alle Behandlungen in derselben Praxis stattfinden, lassen sich die Aufwendungen kaum exakt nach GKV-, PKV- und IGeLn splitten.

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Nachtrag vom 4.12.2007:

Hier ist noch Tabelle mit einer Zusammenstellung der durchschnittlichen Einnahmen und der Reinerträge der niedergelassenen Ärzte im Jahr 2003, aufgeteilt nach Fachgruppen und Anteilen der durchschnittlichen GKV-Honorare an den durchschnittlichen Gesamteinnahmen:


http://www.aerztlichepraxis.de/img/homepage/aerzte210806_1.pdf

Die Tabelle ist etwas missverständlich beschriftet. In der zweiten Spalte werden die Gesamteinnahmen (also aus GKV, PKV und sonstiger ärztlicher Tätigkeit) in Euro angegen , dahinter in Klammern der darin enthaltene prozentuale Anteil an Einnahmen aus GKV-Honoraren).

Grundlage sind Zahlen aus dieser Publikation des statistischen Bundesamts zur Kostenstruktur von Arztpraxen:

Kostenstruktur bei Arzt-, Zahnarzt- und Tierarztpraxen - Fachserie 2 Reihe 1.6.1 - 2003
Erfasste Praxen und Praxisinhaber/-innen, Einnahmen, Aufwendungen nach Aufwendungsarten, Reinertrag, tätige Personen und Personalaufwendungen je Praxis für das Berichtsjahr 2003

Umfang: 84 Seiten
Format: pdf (oder wahlweise auch excel)
Artikel-Nr. 2020161039004

Link:
https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanze ige.csp&ID=1018854

Wenn man auf dieser Seite den button "weiter" anklickt, kann man die pdf-Datei (wahlweise die excel-Datei) kostenlos runterladen.

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Nachtrag vom 7.12.2007:


[....]Umgekehrt sind es nahezu ein Drittel [der Arztpraxen], die vor der Insolvenz stehen[...]Na ja, die Apotheker- und Ärztebank und die Hypovereinsbank sehen da nicht so schwarz: ;-)

Banken relativieren die Klagen der Ärzte (http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc%7EE959775813541445DA016381243B5B6E8%7EATpl%7EE common%7EScontent.html)

hennessy
07.01.2008, 16:15
ich greif mal den fred wieder auf und meine Frage geht an Alle:
Wer hat vor, sich in absehbarer Zeit niederzulassen?
Lassen wir mal das statistische Zahlenspiel etwas außen vor und bewegen uns in Richtung andere Aspekte:
Beispiel:
1.) Welche Darlehensformen bieten Banken an und sind diese Darlehensformen überhaupt sinnvoll?
2.) Warum sind i.d.R. Umsatzprognosen Schall und Rauch und warum wird immer noch die Steuererklärung bzw. BWA des Vorgängers für Prognosen des Übernehmers herangezogen?

Für weitere Fragen oder Anregungen stehe ich (so weit ich kann) gerne zur Verfügung.