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ThunderRoad
06.05.2009, 22:06
Also ich für meinen Teil fange jetzt (zumindest, wenn die Mündliche noch gut rumgeht) in der Nuklearmedizin am Universitätsklinikum an. Die Stellenzusage hab ich schon. Ich hab dann vor defintiv die Habil durchzuziehen und den FA für Nuklearmedizin zu machen. Außerdem wird bei uns noch angeboten, den FA Radiologie verkürzt anzuhängen.
Das ist der Plan!
Ob ich es dann noch anstrebe, Chef zu werden, das weiß ich nicht.
Ich denke Doppel-FA und Habil ist erstmal Vorsatz genug!

Wie es dann wirklich laufen wird, ob so oder ganz anders, das zeigt selbstverständlich die Zeit. Aber Ehrgeiz für eine Unilaufbahn hab ich schon.

John Silver
07.05.2009, 00:34
Mal sehen, wie das Chefarzt-Leben aussieht, wenn ich mal soweit bin, daß es infrage käme. Allein in den letzten 10 Jahren haben sich ja die Anforderungen an Chefärzte und auch die üblichen Vertragsbedingungen deutlich geändert. Ich bin mir nicht sicher, daß es in 10 Jahren wie heute aussieht - eher nicht.

Ich strebe zwar letztlich eine akademische Karriere und den PD/Prof. an, bin mir aber gar nicht sicher, ob ich tatsächlich Lust habe, unter den Bedingungen, die heute üblich sind, Chef zu sein. Von einem Chef werden neben fachlicher Eignung auch fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse verlangt. Daran merkt man auch, was hier bisher nicht erwähnt wurde: nicht nur Publikationen, Titel und Beziehungen spielen eine Rolle, sondern auch wirtschaftliche Kenntnisse - immer mehr Chefärzte haben in ihrem Skill-Profil irgendetwas wie "Aufbaustudiengang BWL für Mediziner" oder "FACS" stehen. Und das ist etwas, was mir persönlich momentan so gar keinen Spaß machen würde. Zumindest jetzt widme ich mich viel lieber klinischer und wissenschaftlicher Arbeit, als irgendwelchen Zahlen, Budgets und Leistungsvolumina. Meiner Meinung nach schiebt die Verwaltung auf diese Weise einfach ihre Arbeit auf den Chefarzt ab - die Verwaltung sollte sich um Zahlen und Wirtschaftlichkeit kümmern, nicht die Ärzte. Aber eventuell werde ich ja meine Meinung in der Zukunft ändern, wer weiß.

Muriel
07.05.2009, 06:45
Das Argument mit den Verwaltungsarbeiten kann ich durchaus nachvollziehen. Neben vielen anderen Aspekten wäre das eines der Hauptargumente für mich gegen einen solchen Posten. Dennoch finde ich es sinnvoll, dass ein CA sich auch (auch, nicht fast ausschließlich) diesen Dingen widmen sollte. Grund: Es geht schief, wenn nur kliniksalltagsfremde Leute, also die reinen Verwaltungsmenschen, die Verwaltung von Geldern etc. bearbeiten. Es muss ein CA ein gewisses Maß an BWL-Kenntnissen haben, um seine Abteilung in einen vertretbaren Kompromiss zwischen medizinischer Notwendigkeit und auch mal etwas mehr als das und Wirtschaftlichkeit zu bringen. Das kann man keinem Nicht-Mediziner zutrauen, das kann nur schief gehen. Die Kooperation müsste aber wohl in den meisten Fällen besser sein.

Cilo
07.05.2009, 07:01
Das kann man keinem Nicht-Mediziner zutrauen, das kann nur schief gehen.

Es heißt doch aber nicht umsonst: Schuster bleib bei deinem Leisen. Schließlich gibt es deswegen doch seit ein paar Jahren extra eine eigene Fachrichtungen für die Krankenhausverwaltung, ich denke, dass da auch gute Leute ausgebildet werden und deswegen die Mediziner ruhig bei ihrem "Leisten" bleiben sollten und Vertrauen in die Fähigkeiten der anderen haben sollten. Mit entsprechen guter Teamarbeit wäre sicher zu verhindern, dass es schief geht. Der Trend, dass Chefärzte das heute alles mitmachen kann sich also durchaus wieder umkehren, da man doch erkannt hat, dass man dies nicht mal so mit nebenbei machen kann - ja und dann wird diese Position vielleicht doch für viele wider interessanter. Ich für meine Teil kann es mir für mich aber nicht (noch?) vorstellen.

hennessy
07.05.2009, 07:07
Es heißt doch aber nicht umsonst: Schuster bleib bei deinem Leisen. Schließlich gibt es deswegen doch seit ein paar Jahren extra eine eigene Fachrichtungen für die Krankenhausverwaltung, ich denke, dass da auch gute Leute ausgebildet werden und deswegen die Mediziner ruhig bei ihrem "Leisten" bleiben sollten und Vertrauen in die Fähigkeiten der anderen haben sollten. Mit entsprechen guter Teamarbeit wäre sicher zu verhindern, dass es schief geht. Der Trend, dass Chefärzte das heute alles mitmachen kann sich also durchaus wieder umkehren, da man doch erkannt hat, dass man dies nicht mal so mit nebenbei machen kann - ja und dann wird diese Position vielleicht doch für viele wider interessanter. Ich für meine Teil kann es mir für mich aber nicht (noch?) vorstellen.

Diese Leute sind sicher gut ausgebildet. Aber: Es hat sich leider gezeigt, dass sie mehr und mehr nicht an die Patienten denken, sondern an die wirtschaftliche Lage des Hauses. Und da wird dann schon mal die eine oder andere Abteilung kaputt gespart oder so herunter gefahren, dass eine suffiziente Versorgung der Patienten nicht mehr gewährleistet werden kann.

Cilo
07.05.2009, 07:12
Diese Leute sind sicher gut ausgebildet. Aber: Es hat sich leider gezeigt, dass sie mehr und mehr nicht an die Patienten denken, sondern an die wirtschaftliche Lage des Hauses. Und da wird dann schon mal die eine oder andere Abteilung kaputt gespart oder so herunter gefahren, dass eine suffiziente Versorgung der Patienten nicht mehr gewährleistet werden kann.

na genau dass muss sich dann eben ändern, aber, ob es der Weg ist mit "Halbkenntnisse" es selbst zu machen ?

Muriel
07.05.2009, 07:12
Richtig, das meinte ich, hennessy. Es ist ja schön und gut, zu sagen "diese OP ist grundsätzliche ambulant durchzuführen", das mag ja auch in den meisten Fällen stimmen, aber es gibt nun mal Patienten, die kann man nicht einer ambulanten OP zuführen, das sind aber Dinge, die im Zweifelsfall den BWL-er nicht interessieren, mich als behandelnde Ärztin aber sehr wohl. Wir machen z.B. durch stationäre Cataract-OP, die grundsätzlich von den Kassen nicht bezahlt werden, ein Minusgeschäft ohne Ende. Aber soll ich denn einem multimorbiden Patienten, den ich nach einer OP nun mal nicht nach Hause lassen kann, diese OP aus wirtschaftlichen Gründen verwehren? Das sind schwierige Fragen, die nur interdisziplinär zu beantworten sind mit Leuten, die beide Seiten des Ganzen betrachten können. Gut, das führt hier zu weit. Falls diese Diskussion weitergehen sollte, wäre wohl eine Teilung des Themas angebracht ;-)

Kackbratze
07.05.2009, 07:22
Wenn der case-mix stimmt sind solche "Verlust-OPs" zumindest wirtschaftlich auffangbar. Ausserdem ist eine stationäre Behandlung, wenn sie richtig begründet wird, auch kein Problem. Man muss nur alles korrekt dokumentieren, dann ist der MDK auch beruhigt...

Cilo
07.05.2009, 07:36
generell stellt sich ja die Frage, ob Medizin wirtschaftlich sein kann (und muss) oder ob ein so reiches Land wie Deutschland sich immer mal wieder fragen müsste, was ihm eine gute medizinische Versorgung wert ist

hennessy
07.05.2009, 07:50
generell stellt sich ja die Frage, ob Medizin wirtschaftlich sein kann (und muss) oder ob ein so reiches Land wie Deutschland sich immer mal wieder fragen müsste, was ihm eine gute medizinische Versorgung wert ist

die Frage beantwortet Dir Frau Ulla Schmidt jeden Tag in geschliffenem Deutsch aufs Neue. Sie ist ja beispielsweise immer noch der Meinung, dass der Gesundheitsfonds das Gelbe vom Ei sei. Und die eGK genauso. :-( Von Budgetierung, HVM, Degression usw. möchte ich gar nicht sprechen.

Lava
07.05.2009, 07:53
generell stellt sich ja die Frage, ob Medizin wirtschaftlich sein kann (und muss) oder ob ein so reiches Land wie Deutschland sich immer mal wieder fragen müsste, was ihm eine gute medizinische Versorgung wert ist

Eine interessante Frage zwar, die aber hier eher off-Topic ist. Falls gewünscht, kann ich dazu einen eigenen Thread aufmachen.

Hm, an die Sache mit der Wirtschaft habe ich noch gar nicht gedacht bisher. Davon bekommt man ja als Assi sehr wenig mit.

Leitender OA finde ich cool, aber was macht der CA, was der leitende OA nicht auch machen muss? Mir fehlt der tiefere Einblick in diese Atrukturen, aber bisher hatte ich häufig den Eindruck, dass der leitende OA den Laden eher schmeißt als der Chef. Er macht den OP Plan, er macht den Dienst- und Urlaubsplan und ist eigentlich der Dreh- und Angelpunkt zwischen Chef und dem Rest.

LIBre
07.05.2009, 08:03
Im Zweifelsfall steht der Chef für alles gerade, was in der Klinik schief läuft. Er ist Repräsentanz (vgl. Bundespräsident) und letzte Instanz in einem. Erst wenn er den Arztbrief unterschrieben hat (ausnehmend Urlaub), geht der Brief raus. Außerdem hat er den Finger auf den Kosten für den Betriebsausflug :-))

Zur ursprünglichen Frage: Sagen wir, ich könnte mir schon vorstellen, oberärztlich tätig zu sein. Da ich vermutlich über einen Dr. vor dem Namen nicht hinaus kommen werde (was mir aber eigentlich auch voll und ganz reicht), sind die Stellen für Chefärzte ja ohnehin rar gesät. Auch wenn es hier durchaus Ausnahmen gibt, gerade in kleineren Häusern haben die Oberärzte durchaus "nicht einmal" (keine Schmälerung der Leistung, nur eine Feststellung) einen Doktortitel.
Allerdings bleibt die Frage, ob man überhaupt eine "kleine" Neurologie findet ;-) Vielleicht wechsele ich dann doch zu den Seelenklempnern, da gibt's in den ganzen Fachkliniken recht viele Chefs ohne PD/Prof., zumindest hab ich so das Gefühl.

Was mich am meisten am Chefarztdasein stört - abgesehen von dem BWL-Krempel, aber ich hoffe auf die neue Generation Gesundheitsökonomen, die doch recht viel Ahnung haben und mit denen man auch über medizinische Notwendigkeiten diskutieren kann - ist die Tatsache, daß man außer zu den Privatpatienten (die ja doch manchmal sehr, äh, fordernd sind) und zu den wöchentlichen Chefvisiten beim "niederen Fußvolk" recht wenig Patientenkontakt hat... und eigentlich bin ich doch deshalb (fast) Arzt.

pottmed
07.05.2009, 08:05
Genau aus diesen Gründen (von der Wartezeit mal abgesehen ;-) ) habe ich erstmal ein wirtschaftswissenschaftliches Studium absolviert.

Und ihr werdet euch wundern, aber die Abläufe in einem KH werden von den Dozenten immer wieder gerne als Beispiele für irgendwelche Abläufe hergenommen. Unsere Logistiker sind da z.B. ganz groß drin. Was aber wirklich haarsträubend ist, ist was dann von diesen Leute gelehrt wird, teilweise habe ich den Eindruck, dass die noch nie eine medizinische Einrichtung von Ihnen gesehen haben, ganz zu schweigen davon, dass manche Dinge auch einmal unter ethischen Gesichtspunkten betrachtet werden.

hennessy
07.05.2009, 08:05
...
Leitender OA finde ich cool, aber was macht der CA, was der leitende OA nicht auch machen muss? ....

Letztendlich wird er sich vor verschiedenen Gremien verantworten müssen. Da wäre beispielsweise die Ethik-Kommission, die Verwaltung, die Wirtschaftlichkeits-Kommission usw. Er versucht auch, die "Dritt-Mittel" z.B. für Forschungen oder zusätzliches Personal zu bekommen und ist natürlich Ansprechpartner für den homo privatus simplex.

Hellequin
07.05.2009, 08:39
Leitender OA finde ich cool, aber was macht der CA, was der leitende OA nicht auch machen muss?
Der Chef macht Politik. Er repräsentiert die Abteilung nach außen (siehe Henns Post), streitet sich mit anderen Chefs auf Kindergartenniveau um Betten und OP-Kapazitäten und so weiter...

Lava
07.05.2009, 09:07
Mich (fast) ausschließlich um Privatpatienten kümmern zu müssen ist in meinen Augen auch ein ganz dickes Minus. Hm, kann denn hier keiner was über die positiven Seiten des Chef-seins berichten?

Muriel
07.05.2009, 09:26
Hm, kann denn hier keiner was über die positiven Seiten des Chef-seins berichten?

Hm, man kann sich einen Ruf aufbauen, der alle kleinen Assis in Ehrfurcht erzittern lässt, so dass diese einem jeden Tag Schokoriegel zur Gemütsbesänftigung vorbeibringen :-D

Nein, Quatsch, es gibt sicherlich auch nette Seiten an dem Ganzen, aber dafür muss man einfach der Typ sein. Mein Chef ist klasse (kleine Macken hat jeder), der versteht auch etwas von Mitarbeitermotivation. Da sich die Stimmung innerhalb einer Abteilung doch sehr an dem orientiert, was von oben kommt, kann es natürlich auch sehr befriedigend sein, wenn man sieht, dass man ein tolles Mitarbeiterpotential hat. Aber ganz ehrlich: Auch wenn mir der persönliche Aspekt an der Arbeit sehr, sehr wichtig ist, könnte so etwas genauso wenig wie irgendetwas Anderes je für mich all die negativen Aspekte aufwiegen. Und genau das ist die Frage, die man sich stellen muss: Wenn ich viele negative Dinge an einer Sache (hier: Chefsein) sehe, kann ich mir vorstellen, dass es etwas gibt, was das voll und ganz aufwiegt, ohne dass ich immer wieder von dem Negativen übermannt werde? Wenn nicht, dann sollte ich die Chefambitionen oder welche auch immer sein lassen.

GOMER
07.05.2009, 09:52
Den ganzen Stress ohne Liquidationsrecht? No way!

Leelaacoo
07.05.2009, 10:14
Ich galube, die Anfoderungen an den Chefarzt haben sich in den letzten Jahren gewaltig geändert. Ich bracuh nur unsere Abteilung anzuschauen: mein alter Chef, der letztes Jahr in Pension ging, verbrachte zwar 12h am Tag in der Klinik, kannte aber jeden (!) Patienten, alle Mitarbeiter (in der Pflege wie bei den Docs), hat 2x/Tag Privatvisite gemacht, hat alle Ausflüge selbst organisiert und wußte bei jedem Assi, in welchem Weiterbildungsabschnitt er sich befindet. Dafür hat er sicher einige Dinge nicht nach Gusto von Verwaltung und Kassen gemacht, hat sicher auch Überdiagnostik betrieben und die Liegezeiten waren auch länger als jetzt. Jetzt ist der neue junge Chef da, frisch vom Uni-Klinikum, er sitzt in so vielen Besprechungen und Gremien, dass man ihn nie zu Gesicht bekommt, kurz mal zu den HONs reinhuschen, tschüss. Chefvisiste auf anderen Stationen findet mal statt und oft auch nicht, er wußte nicht, dass mein Vertrag ausläuft und hat sich auch nicht wirklich um Vertragsverlängerung bemüht, obwohl ja die OAs alle unbedingt dafür waren. Er weiß nicht, wie die Pflege auf den Stationen funktioniert, wer was macht, aber die Fallzahlen sollen hoch und die Liegezeiten runter. Das Ergebnis: 4 Assis schon weg, 2 weitere auf dem Weg, ich bin auch in einem Monat weg. Ich finde als Chef muss man sich bewußt sein, das man für seine Mitarbeiter VERANTWORTLICH ist, darunter fällt auch Motivation und Rücksprache, das ist anstrengend, aber notwendig. Und das sehen die neuen Chefs von heute irgendwie nicht als ihre Hauptaufgabe an, schade. Das Ende vom Lied sind weniger, unmotivierte, überarbeitete Ärzte und die Abteilung geht den Bach runter. Dann müssen die Fälle weiter hoch und die Liegezeiten wieter runter...etc. etc.
Das ist ne Menge Verantwortung und nur wirtschaftliches Denken kann nicht die Lösung sein...deshalb würde ich schon gerne Chef werden, wenn ich dies tatsächlich umsetzen dürfte, aber da dies nicht mehr der Fall sein wird, verzichte ich (nicht, dass meine wissenschaftlichen Leistungen je dahin gereicht hätten....auch so ne Sache-> warum bracuht ein mittelgroßes Nicht-Universitäres Haus einen Chef, der bis dato fast nur geforscht hat??? Das ist doch kein Qualitätsmerkmal).

LG LEE (sorry für viel off-topic)

LasseReinböng
07.05.2009, 12:29
na genau dass muss sich dann eben ändern, aber, ob es der Weg ist mit "Halbkenntnisse" es selbst zu machen ?

Dem Halbwissen könnten man ja mit einem Aufbaustudiengang vorbeugen, , man benötigt sicherlich kein komplettes BWL-Studium, um eine Klinik profitabel zu führen. Inwieweit Ärzte diese Aufgaben künftig übernehmen werden, ist aber imho fraglich.

Der Trend geht nun einmal in Richtung der großen Player wie Asklepios, Helios, Vivantes und Co. Ich bin mir sicher, daß man da als CA zu parieren hat, wenn das Mänätschmänt sagt, daß die Liegezeiten sinken müssen, der Tunrover steigen soll usw. oder man fliegt.