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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Woher kommt der Optimismus im ML Forum?



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Hoppla-Daisy
25.07.2009, 15:28
Nö, rhetorisch :-))

synosoph
25.07.2009, 15:30
Na, dann bin ich ja beruhigt.;-)

hennessy
29.07.2009, 08:24
Ich habe jetzt nur die erste Seite des Thread überflogen, bitte deshalb um Nachsicht, falls dieses Thema schon durch ist:

In welchem Beruf wird denn nicht über Belastung/Überlastung geklagt? Lehrer haben zwar lange Ferien, sind aber oft schon nach 10 Jahren durch den Psychostress völlig ausgebrannt. In der Wirtschaft rennst du jahrelang von Praktikum zu Praktikum, kommst du dann mal an einer guten Stelle an, sprich Manager usw., kommst du aus dem Jetlag nur noch mit Burnout oder gleich dem Herzinfarkt raus. Krankenschwestern rennen noch mehr durch die Klinik als Ärzte, aber bekommen dafür nur ein Viertel des Gehaltes. Als Pilot wirst du kaum eine Familie gründen können, geschweige denn darin leben, wenn du es dennoch schaffst, kommt nach einigen Jahren die Scheidung. Der Landwirt hat einen 16 Stundentag und macht auch noch Verluste, es sei denn er kann seinen überproportional großen Hof als Industrieunternehmen führen. Erzieher? Lastkraftwagenfahrer? Rechtanwalt? Niemals! Vor allem nie Rechtsanwalt, wer vor 20 Uhr aus der Kanzlei geht, gilt als faul...


Ich sauge mir das nicht aus den Fingern, sondern kenne persönliche Beispiele zu jeder der genannten Berufsgruppe inklusive der angedeuteten Schicksalsschläge. Also: Wo um alles in der Welt nehmt ihr die einzigartige Stellung der Ärzte her???

Bitte nicht verallgemeinern. Wenn Du in ein Anwalts-Forum gehst, wirst Du Anwälte jammern sehen. Dasselbe wird Dir in den Foren der jeweils verschiedenen von Dir angesprochenen Berufsgruppen passieren. Also sind wir nicht alleine. Manche von uns jammern, manche nicht. In jeder Berufsgruppe gibt es Gewinner und Verlierer. Die Ärzte stehen halt etwas mehr im öffentlichen Focus als manche andere.

getku
31.07.2009, 18:34
Sorry, wenn ich jetzt etwas dazwischen poste, aber wie lange dauert denn eigentlich i.d.R. die Fortbildung zum FA in der Radiologie?

Ich stoße immer wieder auf verschiedene Angaben, die sich doch in einem großen Spektrum befinden (von 4-7 Jahren)....

Bücherschnüffler
31.07.2009, 20:11
Hallo
Finde es gut, dass sich hier mit dem Thema so kontrovers auseindergesetzt wird.
Von denen, die schon als Arzt arbeiten hört man hier ja, dass es auch mit humanen Arbeitszeiten möglich ist.
Dazu hätte ich allerdings eine Frage:
Ist es eher die richtige Organisation(und wenn ja, was versteht ihr darunter?) oder schlicht die Fähigkeit, "nein" sagen zu können, die zu euren "geregelten" Arbeitszeiten(oder zumindest den dem Arbeitsvertrag entsprechenden)führen?

Sicherlich ist das Fach interessant und kann/wird einen fesseln, aber ich sehe "Arzt" als einen Beruf an und der sollte - in meine Augen zumindest - noch Zeit für ein "Leben" lassen. (Und für eine Familie, ...)

Würde mich sehr interessieren, danke schonmal

Lava
31.07.2009, 20:14
Eher die allgemeine Organisation der Klinik. Du kannst selbst noch so effektiv sein und "nein" sagen können - wenn Arbeit ist, ist Arbeit und wenn keiner sonst da ist, der sie macht, machst du sie.

Feuerblick
31.07.2009, 20:17
Stimmt beides. Es nutzt wenig, wenn die Klinik perfekt organisiert ist, man seine eigene Arbeit aber nicht strukturiert und organisiert bekommt oder (noch schlimmer) wenn man so langsam ist, dass andere einem beim Gehen die Schuhe besohlen könnten. :-top
Für mich ist das auch nur ein Beruf, keine Berufung und sobald mein Privatleben auf ein zu geringes Maß zusammenschrumpfen würde, würde ich schleunigst das Handtuch werfen und mir was anderes suchen. :-top

Bücherschnüffler
31.07.2009, 21:28
Hi und danke für die Antworten.
Kann man denn bei den Kliniken vorher bischen abschätzen, wie gut die Organisation sein wird? Also, gibts da "Anzeichen"?
Erstreckt sich die Empfehlung: Gute Selbstorganisation + gute Klinikorga + "Nein-sagen-können" auch auf die Zeit als Assistenzarzt? Also, kann man auch als solcher unter "humanen" Bedingungen arbeiten? Habe hier häufig gelesen, dass es erst als Facharzt etwas geregelter/lockerer sein soll...?

Danke schonmal

P.S.: Eine Frage - eigentlich gehört sich hier nicht so rein, aber sie is mir grade eingefallen und ich denke, ihr könnt mir darauf eine Antwort geben: Macht es denn viel aus, wo man studiert hat? Ich weis, der Abschluss ist überall "gleich", aber gibt es schon Unterschiede, wenn man sich bewirbt und so oder ist das wirklich "egal"?

Lava
31.07.2009, 21:29
Es ist egal, wo du studiert hast.

Und beim Abschätzen hilft am meisten das Hospitieren. Da hast du Gelegenheit mit den Assistenten zu sprechen und sie zu fragen, wann sie so rauskommen und was sie so denken über ihre Klinik.

Feuerblick
31.07.2009, 21:32
Öhm, also ich BIN Assistenzärztin und meine doch behaupten zu können, dass ich SEHR humane Arbeitsbedingungen habe. Eben weil ich die o.g. Kombi anwende :-))

Bücherschnüffler
31.07.2009, 22:17
Ah, ok, vielen Dank für die Einschätzung.

Die erste Frage kam auf, weil mir verschiedene Verwandte immer wieder erzählen wollen, dass es doch davon abhänge, WO man studiert habe, damit man auch gute Chancen hätte...

@Feuerblick: Entschuldige, hab ich nicht gemerkt, tut mir Leid, aber gut, dann kommen die Infos ja aus 1. Hand.

Francamour
02.08.2009, 12:35
Hallo,

gerne möchte ich hier auch noch mal meinen Senf bezüglich Arbeitsbedingungen als Arzt dazugeben:

Erst im Studium wurde mir klar, wie schlecht die Arbeitsbedingungen als Arzt sind, außerdem existierte damals in den 90ern noch eine sehr schlechte Stellensituation, es hieß, "Ihr werdet sowieso alle arbeitslos!". Schon damals habe ich mir gedacht, mich auch mit Berufsalternativen anzufreunden oder mein Glück im Ausland zu suchen. Ich habe gehadert, ob der Beruf als Ärztin, verbunden mit dem ganzen Stress und immerzu an der Grenze zwischen Leben und Tod arbeiten zu müssen ( wie in den Fächern Innere oder Anästhesie der Fall), wirklich das Richtige für meine Person ist.

Nach dem STudium hat sich die Stellensituation bereits entspannt, ich fing erst mal in der Inneren an. Dort merkte ich aber schnell, dass ich auf keinen Fall jahrelang in einer Klinik arbeiten möchte, um dort dauerhaft auf einen Großteil meiner Freizeit zu verzichten.

Im STudium hatte ich mich bereits mit der Arbeitsmedizin angefreundet, in welcher geregelte Arbeitszeiten ohne Dienste möglich sind.

Meine berufliche Laufbahn konnte ich letztendlich nach meinem eigenen Gusto selbst gestalten, zwar mit häufigen Stellenwechseln, dafür aber aufgrund der Möglichkeit, das Steuer selber in der Hand zu halten, weitaus zufriedener.

Ich habe den Facharzt für Allgemeinmedizin absolviert, um eine klinische Basis zu haben. Hier musste ich mich auch drei Jahre in mehreren Klinikjobs durchbeißen, da die Stelle und das Fach aber wechselte, war es erträglich.
Jetzt bin ich seit einem halben Jahr in der Arbeitsmedizin und viel zufriedener als die Jahre zuvor mit einem Höchstmaß an Flexibilität und fast schon einem Übermaß an Freizeit (im Gegensatz zu vorher).

Was ich Dir, Spongebob, damit sagen will, ist folgendes:
Es steht Dir mit einem abgeschlossenen Medizinstudium frei, was Du später machen willst und wo Du arbeitest. Es muss nicht der vorher schon festgelegte Job in der Klinik sein, der sich über 20 Jahre erstreckt. Du hast sehr viele Möglichkeiten, es hängt nur von Dir ab, wie Du sie nutzt und Du Chancen ergreifst. Abstriche müssen dabei immer gemacht werden und man muss sich auch in jedem Job erstmal durchbeißen und seine Position erkämpfen! Das ist in allen anderen Branchen genauso.
Aber aus mir ist auch etwas geworden, und ich konnte letztendlich auch genau das machen, was ich wollte. In einer Klinik werde ich nie wieder arbeiten, ggf. in einer Praxis oder in einem MVZ in Kombination mit Arbeits- oder Sozialmedizin, teilweise selbständig, aber das wird sich beizeiten ergeben.
Auch wenn es einem im Studium nicht so erscheint und man mit seiner Berufswahl oder Fachwahl hadert, was ich oft tat, so kann man in der heutigen Zeit das Beste daraus machen.
Deshalb rate ich Dir, wenn Dich das Fach Medizin wirklich interessiert, dann beginne ein Studium (mir hat es trotz aller Widrigkeiten wirklich Spaß gemacht), alles andere wird sich dann später ergeben. Aber sieh zu, dass Du während dessen so oft wie möglich über den Tellerrand der klinischen Medizin hinaus blickst, will heißen, Dich nicht nur 24 Stunden am Tag mit Medizin beschäftigst, sondern Dich für Dinge wie Auslandsaufenthalt, Praktika außerhalb der Medizin, Sport, Hobbies, Sprachen interessierst. Das hat mich persönlich enorm weitergebracht und sicherlich in meiner Laufbahn geprägt!

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deiner Entscheidungsfindung und hoffe, dass ich Dir mit meinem Beitrag helfen konnte.

Salut, francamour

Cosma
04.08.2009, 15:17
Darf ich Dich fragen in was für einem Betrieb Du arbeitest (also wie groß ...) und was so Deine Haupttätigkeiten sind ?

Kommt im Studium viel zu kurz ... und ist eigentlich echt ein interessantes Gebiet !

LG

Cosma

Doctora
07.08.2009, 16:55
Kann man hospitieren, bevor man eine Stelle als Assistenzarzt antritt? Wie lange? Stunden? Tage? Ist das eine übliche Anfrage oder eher exotisch?

Es wird im bisherigen Thread deutlich, dass man als Assi oder FA Augenheilkunde anscheinend ganz gute Arbeitsbedingungen hat (Zeitbelastung, Stress). Auch für Arbeitsmedizin scheint das zu gelten. Ich vermute mal, dass Dermatologie, HNO etc auch eher relaxt sind.
Bei Innere und Chirurgie ist es anscheinend meist umgekehrt, ich beziehe mich auch hierbei nur auf Überstunden + Stress während der Arbeitszeit.

Wie sieht es in den anderen Fächern aus? Pädiatrie? Radiologie? Gynäkologie?

THawk
07.08.2009, 17:43
Die Arbeitsbelastung ist imho nicht so strikt nach Fächern zu trennen.
Für die Dienste kann man das vielleicht machen - da wird der Internist oder der Chirurg in der Rettungsstelle i.d.R. mehr zu tun haben als der Dermatologe.
Für die normalen Arbeitstage liegt es meiner Meinung nach eher an der Klinik. Wie gut sind die Stationen mit Ärzten besetzt, wie streng wird das Dienstende genommen? Meine PJ-Pädiatrie-Klinik zeichnete sich durch regelmäßig pünktliches Arbeitsende aus. Aber ich kenne auch wahrlich andere pädiatrische Abteilungen.

Am Ende sollte man sich erstmal sein Fachgebiet nach den Interessen aussuchen, nicht (nur) nach den Arbeitszeiten. Dann kann man sich immer noch eine Klinik suchen, die das für einen erträgliche Maß an Arbeitszeiten mit den anderen persönlichen Kriterien verbindet. :-meinung