Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Entscheidung für eine Fachrichtung
Also, ich finde die neuro- und besonders die plastische chirurgie sehr interessant. was haltet ihr von diesen beiden fachrichtungen?
Da ich noch nicht mal im Studium bin wollte ich euch fragen was für erfahrungen ihr sammeln konntet zu diesen beiden richtungen.
über jegliche art von antworten würde ich mich freuen.
schönen gruß
rolexralf
29.12.2002, 20:49
Wie ich schon mal geschrieben habe, find ich Neuro ebenfalls sehr spannend, was ich von der Plastischen Chirurgie allerdings nicht behaupten kann. Noch entgegengesetzter können 2 Fächer doch kaum sein, oder? Aber die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden...
naja, die fächer könnten schon noch entgegengesetzer sein, denn immer hin sind es beides chirurgische, operative fächer.
aus deinen worten entnehm ich so eine bißchen negative einstellung gegenüber der plastischen chirurgie, das is ja auch vollkommen o.k., aber ich fände es interessant zu wissen warum? was denkst du über das fache denn so ?
gruß
rolexralf
30.12.2002, 06:13
Ich bin nicht besonders negativ gegenüber der Plast. Chirurgie eingestellt - ich kann halt mit den ganzen operativen Fächern nicht allzu viel anfangen (deswegen eben auch Neuro).
Wer sich zur Plastischen Chirurgie berufen fühlt, der soll das tun, es hat ja auch was ehrenwertes, wenn man Patienten wieder "rekonstruieren" kann, es bleibt halt immer ein wenig das Klischee Schönheitschirurg an einem hängen. Wäre mir persönlich ein zu unbefriedigendes Fach, aber jedem das seine.
Gruss, ralf
weil es hier gerade um fachrichtungen geht....
kann man sich auch als notarzt spezialisieren oder wie ist das?
(da gabs hier doch mal die umfrage "wer ist der beste Notarzt")
das würd mich mal interessieren
danke, jojo :-notify
Soweit ich informiert bin, kann man bis dato nur einen Nachweis für Notfallmedizin machen.
Wer mehr weiss, bitte her mit den Infos.
Mir schwebt derzeit Psychiatrie vor - und nebenbei noch etwas Rettungsdienst oder Notaufnahme.
rolexralf
30.12.2002, 19:12
Ein Facharzt für "Notfallmedizin" wird schon seit längerem diskutiert und z.T. auch gefordert. Bis jetzt gibt es so etwas zumindest in Deutschland aber noch nicht. Die Notfallmedizin wird dementsprechend interdisziplinär - meist jedoch von Anästhesisten in Zusammenarbeit mit Chirurgen und Internisten abgedeckt.
ist doch eigentlich blöd.
ein notarzt sollte doch speziell auf notfallmedizin ausgerichtet und spezialisiert sein. z. B. auf rettungshubschraubern ist das doch sehr wichtig, da man ja dort meist zu besonders dringenden fällen gerufen wird.
Feuerblick
07.01.2003, 09:39
Naja, Jojo.... in vielen Regionen ist der RTH nichts anderes als ein fliegendes Notarzteinsatzfahrzeug.
Daß RTHs häufiger zu richtigen "Knallern" gerufen werden, liegt einfach daran, daß man den zu erwartenden Patienten in einem Hubschrauber meist schonender und auch schneller in eine evtl. etwas weiter entfernt liegende Klinik bringen kann als über die Straße.
Der "Notfallmediziner" als solches wäre sicher eine gute Sache, besser als der bisherige "Fachkundenachweis", der in seinem Aufbau doch berechtigterweise umstritten ist.... aber sinnvoll eben für alle Notärzte. Denn entgegen der allgemeinen Meinung sind die RTH-Ärzte auch eben nur "Notärzte" und keine Götter...auch da gibts ne Menge Pfeifen!!!!
Feuerblick
rolexralf
08.01.2003, 17:01
Kann mich Feuerblick da nur anschliessen. Hubschrauber sieht von aussen halt immer so "cool" und v.a. wichtig aus. In Wirklichkeit sind die Anforderungen an einen Hubschrauber-Notarzt im Prinzip genau dieselben, wie die an einen Notarzt im normalen NAW.
Ich schlage vor, sich direkt ans Bernard-Nocht-Institut in Hamburg oder das Robert-Koch-Institut in Berlin zu wenden.
Ich selbst war 4 Wochen im BNI - Infektionsstation. Dort habe ich zwar nicht so viele Tropenkrankheiten gesehen, doch der Umgang mit infektiösen Patienten war sicherlich mit das Interessanteste, was ich bis dato in meinem Studium lernen konnte. Allerdings kann man dies auch auf speziellen internistischen Stationen erleben. Der Blick und Umgang mit diesen Menschen ändert sich dadurch schlagartig.
Ich empfinde es als schlimm, wenn selbst gestandene Assistenzärzte bei einem HIV-Patienten kein Blut abnehmen wollen, oder die Teilnahme an Operationen verweigern. Irgendwie ist man dann in diesem Beruf falsch. Oder?
Persönlich kommt die Tropenmedizin für mich nicht mehr in Frage (zuviel internistisch), ich werde mich für Orthopädie oder Plastische Chirurgie entscheiden. Zweites v.a. NICHT Schöhnheitschirurgie, sondern Rekonstruktion und Verbrennungen!
Ich empfinde es als schlimm, wenn selbst gestandene Assistenzärzte bei einem HIV-Patienten kein Blut abnehmen wollen, oder die Teilnahme an Operationen verweigern. Irgendwie ist man dann in diesem Beruf falsch. Oder?
Dieser Satz macht mich nachdenklich....................... . Ich denke es ist falsch, die Risiken einer HIV Übertragung für das Pflegepersonal und Ärzte herunterzuspielen. In Studien hat man gebraucht OP-Handschuhe auf Löcher hin untersucht. Die Resultate waren sehr entmutigend. Praktisch nach jeder OP gibt es zahlreiche kleine Löcher in diesen Handschuhen, Stichverletzungen des Operateurs sind häufig. Wenn sich eine HIV-Infektion des Patienten herausstellt, dann ist dies zunächst mal immer ein Drama für den betroffenen Arzt. Auch wenn darüber (leider) nie gesprochen wird.
Der Arzt hat tapfer zu sein (Platon'sche Tugend). Heisst dass, er soll sich aufopfern?
Die Frage ist, was geht vor: Patientensicherheit oder Sicherheit des Arztes? Welche Vorkehrungen müssen oder können getroffen werden?
Auf jeden Fall stehe ich mit aller Deutlichkeit dafür ein, dass Patienten, welche elektiv operiert werden, praeoperativ auf HIV hin getestet werden. Die Ärzte haben ein vitales Interesse an der Kenntnis einer Infektion. Erstens zur PEP, zweitens zur erhöhten Vorsicht. Denn diese Vorsicht ist im Alltag nicht immer ganz so toll. Das hat mit Routine und Zeitdruck zu tun. In einem britischen Krankhaus wurde die Händewaschpraxis von Ärzten in diesen Tagen untersucht. Resultat: wenn die Hände konsequenter gewaschen würden, könnten 1/3 der nosokomialen Infektionen vermieden werden.
Schon unbenutzte Handschuhe können bei Qualitätskontrollen in bis zu 4% der Fälle Löcher aufweisen. Nach dem klinischen Einsatz, ohne grobsinnliche Perforation, erhöht sich diese Zahl auf bis zu 50%. Bei orthopädischen Eingriffen mit Gebrauch von Metallimplantaten oder Draht können bis zu 100% der Hanschuhe unerkannte Defekte aufweisen.
Challenger
11.01.2003, 16:21
Könntest Du bitte die Quelle dieses Zahlenmaterials angeben?
2871 Handschuhe, die Mitarbeiter bei solchen Eingriffen getragen hatten, sind nach der Operation auf Perforationen untersucht worden. Von den Handschuhen, welche die Mitarbeiter als intakt bezeichnet haben, wiesen 11% mindestens ein Loch auf. Genauere Untersuchungen ergaben dann, dass die Löcher bis zu 50 Quadratmillimeter groß waren. Nach herzchirurgischen Operationen war sogar jeder vierte Handschuh defekt.
aus: http://www.med.uni-heidelberg.de/pers/mmalt/5/mar2001.htm
die erstere Angabe stammt aus einer Publikation einer Medizinischen Fakultät...leider habe ich die Quelle nicht mehr gefunden, aber erfunden ist es sicherlich nicht...
Allerdings wurde durch eine Vielzal von Untersuchungen nachgeweisen, dass selbst sehr gute Handschuhe schon unbenutzt 1-6% Lochrate besitzen.
aus: http://www.biotech-europe.de/rubric/products3/11-00.html
So fanden Godin und Mitrabeiter bei 1050 untersuchten Handschuehn in 25 % der normalerweise nicht erkannte Perforationen (Godin et al. 1991) . In Abhängigkeit vom Material schnitten dabei die Vinyl- signifkant schlechter als Latex-Handschuhe ab (Korniewicz et al. 1994) . Greco und Garza bezifferten die Kontamination der Finger bzw. Hände von Chirurgen mit Blut bei ästhetisch-plastischen Eingriffen auf 39,7 % im Falle des Chirurgen und auf 23 % im Falle der chirurgischen Assistenz (Greco und Garza 1995) . Andere Arbeitsgruppen geben noch dramatischere Zahlen an, wie z.B. Quebbeman et al., die auf bis zu 51 % kamen (Quebbeman et al. 1992) . Wenn man bedenkt, daß im Verlauf von 100 Operationen mit ca. 1,1 Stichverletzungen zu rechnen ist (Carlton et al. 1997) , sollte das chirurgische Team geeignete Vorsichtsmaßnahmen treffen.
aus: http://www.med.uni-heidelberg.de/mzk/mzk-mkg/Aktuelles/HIV_Prophylaxe/hiv_prophylaxe.html
Original geschrieben von hobbes
...Stichverletzungen des Operateurs sind häufig. Wenn sich eine HIV-Infektion des Patienten herausstellt, dann ist dies zunächst mal immer ein Drama für den betroffenen Arzt. Auch wenn darüber (leider) nie gesprochen wird.
Der Arzt hat tapfer zu sein (Platon'sche Tugend). Heisst dass, er soll sich aufopfern? Fakt ist aber aber auch, daß die Zahl der durch Stichverletzungen Infizierten verschwindend gering ist. Selbst bei einer Stichverletzung mit bekannt infiziertem Material ist die Infektionsrate klein (Meine sogar mal gelesen zu haben, daß es bislang nur zwei bekannte Infizierungen auf diesem Weg in Deutschlang gab' - kann meine Aussagen leider im Moment nicht belegen, werde versuchen, dies die Tage nachzuholen - Hilfe ist willkommen!).
Das Erschreckende ist aber auch vielmehr, daß selbst gestandene Assistenzärzte eine stinknormale Blutabnahme verweigern. Da sollten sie doch eigentlich mehr Ahnung haben...
Rugger
Das Infektionsrisiko bei einer Stichverletzung ist glücklicherweise tatsächlich relativ gering und zudem titerabhängig. Trotzdem entbindet diese Tatsache nicht der Angebrachtheit einer grossen Sorgfalt.
Neurochirurgische Instrumente werden neuerdings nach einmaligem Gebrauch nicht sterilisiert, sondern entsorgt, wegen der Gefahr einer Kontamination bei CJD. Dies obwohl dieses Risiko wohl noch um ein Vielfaches geringer ist, als die Infektionsgefahr bei HIV in der OP.
Was lernen wir daraus? Nicht nur muss die Patientensicherheit mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln maximiert werden (siehe CJD), sondern die gleichen Massstäbe sind auch auf den Eigenschutz anzuwenden.
Zudem: kennt ihr wirklich einen Assistenzarzt, welche OP's und Blutentnahmen verweigert? Der könnte ja theoretisch nur Patienten behandeln, die einen aktuellen HIV-Test nachweisen können. Seltsam.
Das Risiko der HIV-Übertragung im Rahmen der Patien-tenversorgung ist gut untersucht. Nach einer perkuta-nen Exposition mit Nadeln oder Skalpellen, die mit Blut eines gesichert HIV-positiven Patienten kontaminiertsind, liegt das Risiko bei etwa 0,3% (im Vergleich: dazuliegt das Risiko nach einer Blutexposition von Schleim-häuten bei 0,03%).
aus: www003.24on.cc/561/pdf/nadelstich.pdf
Universitätsklinikum Wien
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