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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fehlender Respekt für die Arbeit



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Leelaacoo
04.12.2009, 17:45
Jetzt habe ich mir das alles mal durchgelesen und muss auch was dazu sagen:

@Threaderstellerin: Jeder hat seine eigenen Vorstellung von Ethik und seine eigenen Ansichten, was Abtreibungen betrifft...aber Unkollegialität (und das ist schon eine Form von Mobbing, gerade wenn es so wenig fassbar und unterschwellig abläuft, wie bei dir) ist indiskutabel...ich arbeite nicht mit Kindern oder Schwangeren, aber auch in der Inneren und vor allem in der Intesivmedizin steht man durchaus häufig vor Entscheidungen, ein Leben nicht mehr zu "retten", sondern die Verläufe und Wünsche zu akzeptieren, auch wenns manchmal einfacher und manchmal schwerer fällt. Ich bin oft genug am Bett eines Patienten gesessen und habe ihm/ihr die Hand gehalten, als sie gestorben sind, obwohl man durchaus noch Dinge hätte tun können, um dieses Leben weiterzuführen...seis aus dem Wunsch des Patienten heraus oder aus unserer medizinischen Entscheidung...die oft schwierig und nicht immer "schwarz und weiß" ist. Das muss man tragen können und aushalten...und alle, die dafür kein Verständis aufbringen (z.B. teils Oberärzte bei uns, die quasi präfinale auf die ITS legen lassen, weil sie es eben NICHT aushalten, nichts zu tun oder das Sterben zu erleichtern), sind für mich in einer menschlichen Medizin fehl am Platz. Das gibts kein NUR Richtig oder NUR falsch...und gerade die, die ihre hohen moralischen (und teils auch religiös begründeten) Ansprüche laut kundtun sind dann in solchen Situationen einfach keine Hilfe und stehen hilflos da.
Wenn eine Frau eine Abtreibung wünscht, wird sie sich nur in den seltensten Fällen KEINE Gedanken darüber gemacht haben...wenn jemand hier großspurig sagt, "ach, die haben ja keine Ahnung, die muss man ja nur AUFKLÄREN, wie toll kleine Babys (butzi butzi) sind und wie BÖSE Abtreibung ist", der denkt zum einen überheblich und zum anderen falsch...und bei den paar Frauen, die (sorry) zu dumm zum Verhüten sind und zu ahnungslos in eine Abtreibung reingehen...so ist das Leben...wer hier anfängt, zu verurteilen und auf väterliche/mütterliche Von-Oben-herab-Art Gutes tun möchte, sollte mal in sich hineinhören, ob dass alles nur "Ethik" oder einfach Eingebildetheit ist.

Die Kollegen, die sich über die Threaderstellerin aufregen, arbeiten ja schließlich durchaus in einer Klinik, die Abtreibungen durchführt...und kriegen Geld und Uralub und Weiterbildung..wenn sie das alles so schrecklich mitnimmt...bitte, sollen sie doch gehen...gibt ja Alternativen heutzutage (z.B. konfessionelle Häuser, die das nicht machen) :-meinung

Dieses moralinsauere Gut-und - Böse-Denken ist echt tiefstes Mittelalter...muss doch keiner abtreiben, aber die Wahl hat man...und das ist ja auch gut so. Und nu, seid friedlich und mehret euch (oder auch nicht, je nach Gusto:-dance).

LG Lee

John Silver
04.12.2009, 20:11
Verwenden wir mal das gleiche Argument, man solle nicht Andersdenkende respektlos behandeln, in einer anderen Situation: Genitalverstümmelung. Klingt dein Argument immer noch als universalgültige Moraleinstellung?

Es gibt kein recht und falsch. Es gibt nur Egoismus der Gene, und Selbstverleugnung.

Das ist Demagogie, sorry. Ich habe nie behauptet, eine unversal gültige moralische Regel aufzustellen. Ich rede ganz speziell von legalen Abtreibungen; das Umschweifen der Diskussion auf andere, scheinbar verwandte, jedoch mit stark überwiegend negativen Emotionen beladene Themen, ist Demagogie, und wer sie anwendet, hat sonst keine Argumente und macht sich lächerlich. Zumindest bist Du nicht mit Nazis gekommen, dafür schon mal danke.

Die Leute, die die Autorin ausgrenzen und mobben, gehören zu einem bestimmten Kollegenschlag: die Erzieher. Gibt es in allen Fachrichtungen. Die meinen, sie wüssten immer alles besser, und müssten deshalb allen sagen, wo es angeblich lang geht. Das sind die Leute, die auch Patienten erziehen, indem sie gegen Rauchen predigen, gegen (oder für, je nach Inkompetenzstand) "sanfte pflanzliche Medizin" propagieren, fürs Abnehmen, gegen fettes Essen und bla bla bla. Leute, ganz ehrlich, ihr müsst eine Sache begreifen: das sind alles erwachsene Menschen, denen ihr das predigt. Sie sind für ihr Handeln selbst verantwortlich, und haben die Freiheit, im Rahmen des gesetzlich erlaubten das zu tun, was sie für richtig halten - nicht was ihr für richtig haltet. Wir sind nicht deren Eltern, und wir sind auch keine sonstwie geartete moralische Instanz, die über richtig und falsch, gut und böse etc. zu befinden hat. Ob ihr Abtreibungen akzeptiert oder nicht, ob ihr dafür oder dagegen seid, ist eure private Meinung, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Ihr habt nicht das Recht, andere aufgrund eurer eigenen Empfindungen und Gedanken zu verurteilen. Ihr dürft euch weigern, etwas zu tun, was gegen eure Überzeugungen verstösst, und ihr sollt das auch tun, das verlangt Respekt ab. Aber wer anfängt, andere aufgrund einer privaten Meinung "objektiv" in gut und böse zu trennen, in Lebensretter und Mörder, ist schon recht armselig, echt.

alphawelle
05.12.2009, 11:33
Ich probiere es weniger strohmännisch. ;-)

Gibt es Themenbereiche, die nicht mit Interessenkonflikte am Job verbunden sind, wo du versuchen würdest, die Meinung deiner Kollegen zu lenken? Z.B: klamotten klauen, in der Stadt urinieren, mit Minderjährigen schlafen, Fahrraddiebstahl, Steuern hinterziehen, mit Patienten schnackseln, unsw.

Für den Fall das es so wäre, dann bist du ja auch ein Erzieher, nur unterscheiden wir uns dann halt bei den Dingen wo wir andere Menschen erziehen wollen, und in welchen Situationen wir das für richtig halten.

Ich stimme dir 100% zu, ich finde auch stark erzieherische Menschen zum kotzen. :-kotz

Coxy-Baby
05.12.2009, 12:09
Z.B: klamotten klauen, in der Stadt urinieren, mit Minderjährigen schlafen, Fahrraddiebstahl, Steuern hinterziehen,

Sind das nicht alles Straftaten bzw Ordnungswiedrigkeiten????

Muriel
05.12.2009, 12:10
Das ist erstens völlig an den Haaren herbeigezogen, und zweites sprach JS ausdrücklich von Dingen, die den rechtlichen Rahmen respektieren, was Du ganz eindeutig in Deinen Beispielen nicht tust, alphawelle.

alphawelle
05.12.2009, 13:02
Das ist erstens völlig an den Haaren herbeigezogen, und zweites sprach JS ausdrücklich von Dingen, die den rechtlichen Rahmen respektieren, was Du ganz eindeutig in Deinen Beispielen nicht tust, alphawelle.
Stimmt! Hmm... Na, gut: würdest du Erzieher spielen, wenn dein Kollege eine Frau hätte, die im 7ten Monat schwanger wäre, wenn der Kollege gleichzeitig eine Fi*kbeziehung mit 2 Krankenschwestern pflegte?

John Silver
05.12.2009, 13:21
Ich probiere es weniger strohmännisch. ;-)

Gibt es Themenbereiche, die nicht mit Interessenkonflikte am Job verbunden sind, wo du versuchen würdest, die Meinung deiner Kollegen zu lenken? Z.B: klamotten klauen, in der Stadt urinieren, mit Minderjährigen schlafen, Fahrraddiebstahl, Steuern hinterziehen, mit Patienten schnackseln, unsw.

Für den Fall das es so wäre, dann bist du ja auch ein Erzieher, nur unterscheiden wir uns dann halt bei den Dingen wo wir andere Menschen erziehen wollen, und in welchen Situationen wir das für richtig halten.

Ich stimme dir 100% zu, ich finde auch stark erzieherische Menschen zum kotzen. :-kotz

Wie bereits angemerkt wurde, ziehst Du Inhalte hinzu, die nichts mit der Diskussion zu tun haben, deshalb will ich nicht darauf eingehen. Nur soviel sei gesagt: ich übe keinen Einfluss aus, auf niemanden. Mit wem meine Kollegen "schnackseln", wo sie ihre Notdurft verrichten etc., geht mich nichts an. Ich kann sie darauf aufmerksam machen, dass sie gegen bestimmte ethische gesellschaftliche Vereinbarungen verstößen, wenn ich der Meinung bin, dass diese Kollegen sich darüber nicht im Klaren sind. Sind es doch, steht es mir nicht zu, sie zu erziehen. Punkt. (Straftaten nehme ich bewusst aus, weil das nun mal keine Kavaliersdelikte sind, und nach bereits mehrfach bemühtem gesellschaftlichem Konsens eine Strafe nach sich ziehen müssen - das ist aber wiederum keine erzieherische Maßnahme meinerseits, sondern seitens der Gesellschaft).

flopipop
05.12.2009, 15:05
also ich bin der meinung, dass die entscheidung, abzutreiben, primär bei der werdenden mutter liegt. der arzt ist verpflichtet, seiner aufklärungspflicht nachzukommen und die patientin über alle risiken des eingriffs vorurteilsfrei zu informieren. falls die entscheidung, abzutreiben trotzdem gefällt wurde, sollte man als arzt nach bestem wissen und gewissen die ausreichende medizinische versorgung gewähren, sprich den eingriff lege artis auszuführen. es ist immer noch besser, als wenn die patientinnen dann nach osteuropa o.ä.fahren und dort unter unmöglichen hygienischen bedingungen abtreiben....

Tantchenluischen
05.12.2009, 15:53
also ich bin der meinung, dass die entscheidung, abzutreiben, primär bei der werdenden mutter liegt. der arzt ist verpflichtet, seiner aufklärungspflicht nachzukommen und die patientin über alle risiken des eingriffs vorurteilsfrei zu informieren. falls die entscheidung, abzutreiben trotzdem gefällt wurde, sollte man als arzt nach bestem wissen und gewissen die ausreichende medizinische versorgung gewähren, sprich den eingriff lege artis auszuführen. es ist immer noch besser, als wenn die patientinnen dann nach osteuropa o.ä.fahren und dort unter unmöglichen hygienischen bedingungen abtreiben....

Das ist ja klar, nach Osteuropa braucht zum Glück keine Frau zu fahren.
Du sagst es ja. Man führt einen Eingriff lege artis aus, freut sich natürlich auch mit, wenn er erfolgreich war und es zu keinerlei Komplikationen kommt. Und am Ende wird einem an den Kopf geworfen, gerade weil es so problemlos verlaufen ist, sei das grundsätzlich problematisch - etwa das Argument, Frauen würden nur so leichtsinnig abtreiben, weil es in der Regel sie nichts kostet und es kaum ein Risiko dabei gibt.

hennessy
05.12.2009, 16:17
es ist wie so oft: wie man es macht, macht man es falsch. Angenommen, die Mutter trägt das Kind aus und dieses Kind muss später in erbärmlichen sozialen oder gesundheitlichen Umständen leben. Dann stünden sofort irgendwelche Besserwisser auf und sagten: "Hätte man es damals doch anders gemacht". Im Nachinein weiß man es immer besser.
Aber bei der aktuellen Entscheidung ist sowohl die betroffene Frau alleine, als auch der betroffene Mediziner. Beide sollten optimalerweise so charakterfest sein und zu ihrer Entscheidung stehen, auch wenn es Anfeindungen deswegen gibt.

Tantchenluischen
05.12.2009, 16:32
es ist wie so oft: wie man es macht, macht man es falsch. Angenommen, die Mutter trägt das Kind aus und dieses Kind muss später in erbärmlichen sozialen oder gesundheitlichen Umständen leben. Dann stünden sofort irgendwelche Besserwisser auf und sagten: "Hätte man es damals doch anders gemacht". Im Nachinein weiß man es immer besser.
Aber bei der aktuellen Entscheidung ist sowohl die betroffene Frau alleine, als auch der betroffene Mediziner. Beide sollten optimalerweise so charakterfest sein und zu ihrer Entscheidung stehen, auch wenn es Anfeindungen deswegen gibt.

Natürlich bin ich so "charakterfest" und stehe dazu, sowohl die Entscheidung der Patientin zu respektieren, als auch meine Arbeit, sofern ich sie in Ordnung gemacht habe, gutheißen zu können. Aber gerade, das ist ein anderes Problem, finde ich, ist es schwierig für die Patientin, bei uns bekommt sie das (so hoffe ich) nicht direkt mit, aber in einer Klinik zu liegen, in der Teile des Personals den Grund ihres Aufenthaltes für absolut verwerflich halten, ist schon schwierig. (von einer Patientin aus einem kleineren Kreiskrankenhaus habe ich mitbekommen, wie sie, als sie dort wegen einem Abbruch in stationärer Behandlung war, wie sie vom Pflegepersonal regelrecht angefeindet worden ist... ok, das sind ihre Schilderungen, kenne die Situation dort nicht persönlich).

horsedoc
05.12.2009, 16:32
Zum Verhalten deiner Kollegen: Da wirst du nichts dran ändern könne, Idioten gibts überall und man muss für sich eine Strategie finden wie man mit ihnen umgehen kann ohne dass es einen selbst belastet.
Meiner Erfahrung nach ist man für solches Verhalten aus dem Umfeld umso anfälliger je "wackeliger" die eigene Überzeugung zum Thema ist, ob einem das jetzt bewusst ist oder nicht. Ich will dir nichts unterstellen, kenn das aber selbst ganz gut... ;-)

horsedoc
(stolze Besitzerin/Verfechterin unpopulärer & unmoralischer Überzeugungen :-)))

Sabbel
05.12.2009, 17:28
@Fino:
Die Threadstellerin und ich haben mittlerweile festsgestellt, dass die gesetzliche Situation in DL und Ö schons sehr verschieden und das Ö Gesetz noch um einiges liberaler.
In Ö gibt es geschätzt (da sie bei uns nicht registriert werden müssen) 30.000-80.000 Abtreibungen pro Jahr. Das Land hat 80.000 Geburten pro Jahr und 8,8 Millionen Einwohner.
(http://www.salzburgeraerzteforum.com/2-1_abtreibung.php)
Ich hab während ich auf der Gyn war 3-5 Abtreibungen pro Tag gesehen, das kommt dann dort wieder hin...
Die Fälle, die du nennst, sei es physischer Form beim Kind, als auch psychischer Natur der Mutter, klar, da stimme ich dir zu und da tun es sicher auch zig Neonatologen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man so die Zahl der Abtreibungen in Ö erklären kann, sondern schier hinweg es als postconceptionelle "Verhütungsmethode" verwendet wird, was in Ö, anders als in D, auch leichter machbar ist.
Ich bin absolut pro Abtreibung, wenn indiziert, und hab es nie als Gut-oder Böse betitelt, sondern finde es interessant, die unterschiedlichen Meinungen zu lesen und dank des Threads fiel mir erst auf, dass die Gesetzteslage doch unterschiedlich ist, was natürlich die Haltung der Ärzte beeinflusst.
Ich muss sagen, mir klärt unabhängig von den Abtreibungen in Ö die Ärzte viel zu wenig auf, und ich habe gesehen, dass Eltern bei einem Kind mit HLHS in der 20 SSW dignostiziert ein Abbruch noch angeraten wurde, man muss sagen, hier handelt es sich dann natürlich um die Einleitung der Geburt. Den Eltern wurde gesagt, der Herzfehler sei inoperabel. Das stimmt so nicht, aber diese Uniklinik ist sich selbst auch am nächsten, und da es in Ö nur ein Haus gibt, wo man HLHS operieren kann und das behandelnde war es nicht, wurde den Eltern der Abbruch als ultimo ratio angeraten. (Zwingen kann man sie nicht, aber wenn man den Eltern sagt, nach der Geburt verstirbt das Kind unbehandelt, was sollen sie denken.) Ja, unbehandelt - sicher, die Frage ob man die oft nur palliativen Eingriffe bei einem HLHS machen will und man das Outcome nicht vorhersagen kann (und das wird auch von der Schwere des HLHS abhängen), aber schlimm finde ich, dass den Eltern das nicht genannt wurde.
Hier haben ganz klar die Ärzte für die Eltern entschieden, und auch der Patientin die Entscheidungsfreiheit genommen, die lebt nun im Glauben, ihr Kind hatte einen inoperablen Herzfehler. Ganz so schwarz und weiß ist das Leben einfach nicht und so manche Klinik reguliert so die Neugeborenen-sterberate.
Ich möchte hier nicht Partei für ein für oder wieder der Situation an sich entflammen, sondern dar stellen, dass Ärzte sehr wohl für ihre Patienten eintscheiden, was mE wesentlich mehr ist, als sie aufzuklären, denn das wurde in diesem Fall klar unterlassen. Man kann nur hoffen, dass es eine Ausnahme war.

In Ö ist das ganze auch eine politische Frage, muss man fast hinzufügen...

Tantchenluischen
05.12.2009, 17:40
@Fino:
Die Threadstellerin und ich haben mittlerweile festsgestellt, dass die gesetzliche Situation in DL und Ö schons sehr verschieden und das Ö Gesetz noch um einiges liberaler.
In Ö gibt es geschätzt (da sie bei uns nicht registriert werden müssen) 30.000-80.000 Abtreibungen pro Jahr. Das Land hat 80.000 Geburten pro Jahr und 8,8 Millionen Einwohner.
(http://www.salzburgeraerzteforum.com/2-1_abtreibung.php)
Ich hab während ich auf der Gyn war 3-5 Abtreibungen pro Tag gesehen, das kommt dann dort wieder hin...
Die Fälle, die du nennst, sei es physischer Form beim Kind, als auch psychischer Natur der Mutter, klar, da stimme ich dir zu und da tun es sicher auch zig Neonatologen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man so die Zahl der Abtreibungen in Ö erklären kann, sondern schier hinweg es als postconceptionelle "Verhütungsmethode" verwendet wird, was in Ö, anders als in D, auch leichter machbar ist.
Ich bin absolut pro Abtreibung, wenn indiziert, und hab es nie als Gut-oder Böse betitelt, sondern finde es interessant, die unterschiedlichen Meinungen zu lesen und dank des Threads fiel mir erst auf, dass die Gesetzteslage doch unterschiedlich ist, was natürlich die Haltung der Ärzte beeinflusst.
Ich muss sagen, mir klärt unabhängig von den Abtreibungen in Ö die Ärzte viel zu wenig auf, und ich habe gesehen, dass Eltern bei einem Kind mit HLHS in der 20 SSW dignostiziert noch angeraten wurde, man muss sagen, hier handelt es sich dann natürlich um die Einleitung der Geburt. Den Eltern wurde gesagt, der Herzfehler sei inoperabel. Das stimmt so nicht, aber diese Uniklinik ist sich selbst auch am nächsten, und da es in Ö nur ein Haus gibt, wo man HLHS operieren kann und das behandelnde war es nicht, wurde den Eltern der Abbruch als ultimo ratio angeraten. (Zwingen kann man sie nicht, aber wenn man den Eltern sagt, nach der Geburt verstirbt das Kind unbehandelt, was sollen sie denken.) Ja, unbehandelt - sicher, die Frage ob man die oft nur palliativen Eingriffe bei einem HLHS machen will und man das Outcome nicht vorhersagen kann (und das wird auch von der Schwere des HLHS abhängen), aber schlimm finde ich, dass den Eltern das nicht genannt wurde.
Hier haben ganz klar die Ärzte für die Eltern entschieden, und auch der Patientin die Entscheidungsfreiheit genommen, die lebt nun im Glauben, ihr Kind hatte einen inoperablen Herzfehler. Ganz so schwarz und weiß ist das Leben einfach nicht und so manche Klinik reguliert so die Neugeborenen-sterberate.
Ich möchte hier nicht Partei für ein für oder wieder der Situation an sich entflammen, sondern dar stellen, dass Ärzte sehr wohl für ihre Patienten eintscheiden, was mE wesentlich mehr ist, als sie aufzuklären, denn das wurde in diesem Fall klar unterlassen. Man kann nur hoffen, dass es eine Ausnahme war.

Bei allem Respekt für Sabbel und seine Beiträge will ich nur den genannten Link in Frage stellen. Es handelt sich offentlich um eine Organisation von Ärzten die gegen Abtreibung sind. Deshalb ein wenig vorsichtig mit den Zahlen. Auch in Deutschland wird gerade aus der Ecke der Abtreibungsgegner behauptet, die tatsächliche Zahl läge nicht bei 110-130 000 pro Jahr wie die offiziellen Statistiken zugeben, sondern sei zwei- bis dreimal so hoch.
Das ist an sich ein Unsinn, weil es keinen Grund gibt, Abtreibungen nicht als solche zu melden. Gerade aus Gründen der Abrechnung ist es ja gerade einfacher, eine Abtreibung zu deklarieren statt einen Abort, da in den meisten Fällen die Kosten vom Bundesland übernommen werden. Gerade niedergelassene Ärzte haben da einen größeren Hanldungsspielraum, was sie Verrechnung der Kosten angeht als bei anderen, kassenpflichtigen Leistung. Den Bundesländern ist auch bekannt, für wie viele Abbrüche sie in Deutschland die Kosten übernehmen. Deshalb ist die Kritik der Abtreibungsgegner da nicht besonders stichhaltig.
In Österreich fehlt die offizielle Statistik, da könnte theoretisch noch mehr Humbug getrieben werden. Ich frage mich aber nur, weshalb die Österreicher keine Statistik machen, der Aufwand hält sich in Grenzen. Da in Österreich in praktisch allen Fällen die Abtreibung von der Patientin zu tragen ist, verfügen die Ärzte und Kliniken über genau Abrechnungen, schon nur der Steuer wegen... Merkwüridg ist aber die österreichische Weigerung, Zahlen zu erheben, dennoch.

Wenn Sabbel nun von 3-5 Abtreibungen pro Tag spricht, dann sind das, sagen wir mal 30 pro Woche, also 1500 pro Jahr. Gibt es neben der Klinik keine "Konkurrenz" in der Region, ist es vielleicht nicht einmal so viel. Typischerweise beträgt die Abtreibungsquote in Deutschland je nach Region 6-10 Frauen pro 1000 im gebärfähigen Alter. Interessant wäre natürlich zu erfahren, wie es in Österreich aussieht und ob es dort auch regionale Unterschiede wie in Deutschland gibt.

Sabbel
05.12.2009, 17:51
Da in Österreich in praktisch allen Fällen die Abtreibung von der Patientin zu tragen ist, verfügen die Ärzte und Kliniken über genau Abrechnungen, schon nur der Steuer wegen... Merkwüridg ist aber die österreichische Weigerung, Zahlen zu erheben, dennoch.

Mir ist klar, dass die Zahlen immer nur von den Gegnern genannt werden... aber wie gesagt, Ö führt keine Statistik darüber.
Gesundheitskosten (der Einzelperson) sind in Ö von der Steuer nur bedingt absetzbar, und erst ab einem gewissen Betrag pro Jahr. Abtreibungen kann man hier nicht! steuerlich absetzen, keine Ahnung, wie das in DL geregelt ist, bei uns zahlen die ja auch nicht die Kassen, und zusätzlich sind sie nicht absetzbar.
(Es gibt allerdings Konditionen unter welchen die Krankenkasse dafür aufkommen, Miutter <14 Jahre ect)
Die Kliniken haben genaue Abrechnungen, das stimmt, warum die nicht an die Öffentlichkeit gehen, ich weiß es nicht, zumal interessanterweise in dem gesposteten Link nämlich sämtliche namhafte Gynnis und Neonatologen der Region vertreten sind. Demnach wäre es argumentativ klar zu ihrem Vorteil.

Wenn man wie von dir geschrieben in DL 110-130.000 schätzt und auch sagt es wären 3mal so viele, dann sind es max 390.000. In Ö sind es max 80.000. Nun, 390.000:80.000= (fast) 5:1
Man bedenke dass in DL 10 mal so viele Menschen leben wie in Ö, demnach hätte Ö die doppelte Zahl an Abtreibungen pro Jahr.

Sabbel
05.12.2009, 18:16
http://www.contraception-esc.com/powerpoint/G6.ablegislation.ppt#271,1,Abortion Legislation in Europe

Damit ich nicht nur Gegner Literatur habe ;-) Hätte gerne einen schönen Medline Artikel über die Verteilung der Abtreibungen in Europa gefunden, aber auf die Schnelle... aber auch das finde ich interessant, wie unterschiedlich. Und Russland ganz vorne.

WackenDoc
05.12.2009, 18:29
@Tantchenluischen: Egal wie man nun zu Abtreibungen steht- das Verhalten deiner Kollegen geht gar nicht. Aber du wirst es nicht ändern können.

Ist ja ok wenn man unterschiedlicher Meinung ist, aber da sollte es doch möglich sein drüber zu diskutieren und seine Ansicht zu vertreten ohne den anderen zu mobben.

Kackbratze
05.12.2009, 18:34
In Japan ist ein Schwangerschaftsabbruch eine gängige, legale und legitime Methode der Geburtenkontrolle.
Sind damit alle Japaner/Innen und japanischen Ärzte schlechte Menschen?

*justmy2cents*

cymbal
05.12.2009, 18:52
offensichtlich auch dort nicht ganz unkompliziert:

http://www.youtube.com/watch?v=7syurr2r8_4

Sabbel
05.12.2009, 20:39
http://www.youtube.com/watch?v=UO8JQTEa-Mc

Also das Verhalten in dem Link von den Abtreibungsgegnern ist absolut nicht und schon gar nicht angebracht, denn das ist ein Übergriff in die Privatsphäre eines Menschens... und auch brutal.

Und dazu muss man gar ned bis nach Asien... damit man sowas findet. Bäh, echt bäh...

Also, ich bin echt der Meinung, dass Abtreibung bei uns in Ö oft sehr schnell gemacht wird, aber diese Extreme:
http://www.youtube.com/watch?v=eOS5f3-fUa0&NR=1
sind absolut nicht ok...