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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zukunft der Anästhesie



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Moorhühnchen
21.03.2010, 09:58
Z.B. in Norwegen: bei Kurznarkosen (Maske oder Larynxmaske) machen das die Anästhesiepfleger/innen alleine - bei Patienten ohne relevante Vorerkrankungen. Der Anästhesist ist natürlich bei "kranken" Patienten immer dabei.
Bei Intubationsnarkosen ist normalerweise der Anästhesist am Anfang im Saal und dann wieder beim Ausleiten, sonst nicht - es sei denn, es ist ein Patient mit Vorerkrankungen.
Aber von einem "Ersetzen" des Anästhesisten kann man wohl nicht reden.

Grüssse aus dem schönen Norwegen
EuleAlso ich weiß ja net, wie's in anderen Häusern so läuft, aber bei uns gibt es wirklich sehr wenige aus der Anästhesiepflege, die (meiner Meinung nach - ich kann mich da stark täuschen) überhaupt eine Narkose von vorne bis hinten betreuen können! Ich habe manchmal das Gefühl, deren Arbeit beschränkt sich auf Braunülen legen, das Spritzen der Medikamente (nur nach vorheriger Ansage), Tubus festkleben, BDK legen, in den Saal reinfahren und lagern helfen. Außerhalb dieser Zeit werden Apothekenschränke kontrolliert, (SPA/Katheter)Siebe gerichtet und Medikamentenbestände dokumentiert. Im Saal befindet sich die Pflege nur, wenn ich noch Nachschub an Medikamenten brauche, auch zum Ausschleusen kommt keiner mit, das mache ich mit dem Zivi - ich habe Glück, wenn ich beim Rücklagern und bei der Ausleitung nicht alleine bin, was aber vor allem dem Personalmangel geschuldet ist. Einige Ältere können noch intubieren und Narkose führen, aber machen es wirklich nur, wenn irgendwas Außergewöhnliches ist. Von vielen Jüngeren denke ich, daß sie es 1. nicht könnten und es 2. auch nicht mehr lernen sollen, weil es "politisch nicht gewollt" ist, was ich sehr schade finde! :-dagegen

An meinen PJ-Haus hab ich das durchaus anders erlebt. Die Pfleger dort hätten in der Regel auch alleine im Saal arbeiten können.

Wobei ich mir nicht sicher bin, woran es genau liegt: ob die Pflege es nicht möchte, weil sie sagen, das ist Aufgabe der Ärzte - oder ob sie gerne würden, aber nicht dürfen, weil es von "oben" nicht gewollt ist (wenn man mal die versicherungstechnische Komponente außen vor läßt...)

ehemalige Userin 24092013
21.03.2010, 10:55
In der Schweiz werden IVRAs komplett von der Anästhesiepflege übernommen.
Eingeleitet wird mit einem Arzt, wobei der net zwingend am Kopf sein muss. Ausgeleitet wird zum Teil auch ohne Arzt und wenn der Patient net furchtbar instabil ist, dann wird auch die Narkose allein gehütet (inkl. Volumenmanagement oder Analgesie und postoperative Verordnungen - bei Unklarheiten gibts halt einfach ein kurzes Telefon).
Vor einigen Jahren hat die Pflege offensichtlich auch Spinalanästhesien selbst gestochen und Gerüchten zu Folge wird die Wiederaufnahme dieser Kompetenz aktuell diskutiert (schriftliches hab ich dazu aber bisher nie gesehen).

Skalpella
21.03.2010, 11:23
Also ich weiß ja net, wie's in anderen Häusern so läuft, aber bei uns gibt es wirklich sehr wenige aus der Anästhesiepflege, die (meiner Meinung nach - ich kann mich da stark täuschen) überhaupt eine Narkose von vorne bis hinten betreuen können! Ich habe manchmal das Gefühl, deren Arbeit beschränkt sich auf Braunülen legen, das Spritzen der Medikamente (nur nach vorheriger Ansage), Tubus festkleben, BDK legen, in den Saal reinfahren und lagern helfen. Außerhalb dieser Zeit werden Apothekenschränke kontrolliert, (SPA/Katheter)Siebe gerichtet und Medikamentenbestände dokumentiert. Im Saal befindet sich die Pflege nur, wenn ich noch Nachschub an Medikamenten brauche, auch zum Ausschleusen kommt keiner mit, das mache ich mit dem Zivi - ich habe Glück, wenn ich beim Rücklagern und bei der Ausleitung nicht alleine bin, was aber vor allem dem Personalmangel geschuldet ist. Einige Ältere können noch intubieren und Narkose führen, aber machen es wirklich nur, wenn irgendwas Außergewöhnliches ist. Von vielen Jüngeren denke ich, daß sie es 1. nicht könnten und es 2. auch nicht mehr lernen sollen, weil es "politisch nicht gewollt" ist, was ich sehr schade finde! :-dagegen

An meinen PJ-Haus hab ich das durchaus anders erlebt. Die Pfleger dort hätten in der Regel auch alleine im Saal arbeiten können.

Wobei ich mir nicht sicher bin, woran es genau liegt: ob die Pflege es nicht möchte, weil sie sagen, das ist Aufgabe der Ärzte - oder ob sie gerne würden, aber nicht dürfen, weil es von "oben" nicht gewollt ist (wenn man mal die versicherungstechnische Komponente außen vor läßt...)
Einer der Gründe, warum ich doch noch studiert hab: Ich wollte mehr selber machen. Die "Alten" bei uns können auch noch sehr viel. Aber es ist tatsächlich so: Es ist politisch nicht gewollt, dass man -auch als fachweitergebildete Kraft- mehr kann, als simples Anreichen. Auf Intensiv kann man selbständiger arbeiten, aber das ist hier ja nicht das Thema.

Wobei ich dieses Modell: "Ein Anästhesist überwacht mehrere von Pflegern geführte Narkosen" auf keinen Fall begrüße. Hier würde man als Arzt nur den Kopf dafür hinhalten, dass gespart wird. Ein wenig mehr Hand in Hand, als reine Assistenz hätte mir halt besser gefallen. Dies aber dann nicht nur in der praktischen Arbeit, sondern auch in der Ausbildung.

Vomex H
21.03.2010, 11:30
Helios ist mit den Anästhesieassistenten ordentlich auf die Schnauze gefallen, von daher will ich mal behaupten, dass Narkose durch Nichtärzte in den nächtsten 20 Jahren in Deutschland kein Thema sein wird.

Überhaut: es gibt so viele Tätigkeiten, die von nichtärztlichem Personal übernommen werden könnten (der ganze Schreib- und Verwaltungskram eben). Aber ausgerechnet die zentralsten ärztlichen Tätigkeiten überhaupt, nämlich die Sicherung und je nach dem auch Wiederherstellung der Vitalfunktionen bei unseren immer älter und kränker werdenden Patienten, das sollen Nichtärzte übernehmen...

Oder die Chirurgisch-Technische Assistenten, sollen den Bauch auf- und zumachen, damit der Assi Zeit fürs Briefeschreiben hat. Ich finde das irgendwie pervers.

Miss
21.03.2010, 11:44
Bei uns sind die Unterschiede in Kompetenz und Erfahrung auch sehr groß...manche alte Hasen sind echt super, und man weiß manchmal gar nicht, was die alles noch können. Unsere Leitung der Anästhesie-Funktion kann z.B. auch ZVKs legen und ein nicht ganz unerfahrener Kollege hat ihn das neulich abends auch machen lassen, nach frustranen Versuchen seinerseits. Erfolgreich. Der hat aber auch schon in div. Fachabteilungen gearbeitet, u.a. Herzchirurgie, wo das *damals?* auch regelmäßig von der Pflege übernommen wurde. Das muß man halt auch einschätzen können, im Zweifelsfall ist es halt meine Aufgabe, auch wenn eine der jungen Wilden sagt, jaja, kann ich auch, Kinderspiel -sieht halt vieles leichter aus, als es *manchmal* ist...und dann können sie die Sachen halt doch nicht :-nix Ist ja auch nicht deren Aufgabe.

Sehr beruhigend sind meist die Kollegen, die von Intensiv kommen, die haben einfach früher eigenverantwortlicher gearbeitet und haben mehr Erfahrung.


Wie schon gesagt, es wurde in Deutschland schon mal versucht, für *einfache Eingriffe* bei ASA I (II auch?) Patienten, die Narkosen ohne Anästhesist nur mit Pflege zu machen. Da gabs dann einen bösen Zwischenfall bei nem jungen, gesunden Patienten. Das wird man wohl so schnell nicht wieder versuchen ;-)

In Frankreich ist es durchaus so, daß kleinere Eingriffe nur mit den Anästhesiefunktionsdiensten gemacht werden, die sind aber auch besser ausgebildet.

Skalpella
21.03.2010, 11:45
Überhaut: es gibt so viele Tätigkeiten, die von nichtärztlichem Personal übernommen werden könnten (der ganze Schreib- und Verwaltungskram eben). Aber ausgerechnet die zentralsten ärztlichen Tätigkeiten überhaupt, nämlich die Sicherung und je nach dem auch Wiederherstellung der Vitalfunktionen bei unseren immer älter und kränker werdenden Patienten, das sollen Nichtärzte übernehmen...

Oder die Chirurgisch-Technische Assistenten, sollen den Bauch auf- und zumachen, damit der Assi Zeit fürs Briefeschreiben hat. Ich finde das irgendwie pervers.
Absolut :-meinung

ehemalige Userin 24092013
21.03.2010, 11:53
Wobei ich dieses Modell: "Ein Anästhesist überwacht mehrere von Pflegern geführte Narkosen" auf keinen Fall begrüße. Hier würde man als Arzt nur den Kopf dafür hinhalten, dass gespart wird.

Ein Modell das z.B. in der Schweiz ziemlich üblich ist.
Setzt natürlich auch eine entsprechende Weiterbildung der Pflege vorraus (die Fachweiterbildung geht hier zwar auch "nur" zwei jahre, bezieht sich aber auch nur auf die Anäesthesie (oder je nach Wahl ITS)) und eine gewaltige Selbstkompetenz die eigenen Grenzen zu (er)kennen und sich entsprechnd ärztliche Hilfe zu holen.

In Deutschland würde ich auf keinen Fall in der Anästhesiepflege arbeiten wollen....:-meinung

GOMER
21.03.2010, 13:13
Es muß meiner meinung nach gar nicht so weit gehen in deutschland, mir wäre schon geholfen, wenn die schwestern nicht mehr diesen kram, wie betten machen und frühstück servieren, machen müssten und dafür blutentnahmen übernehmen würden. Dann noch auf jeder station ne sekretärin und einen zivi.

EzRyder
21.03.2010, 16:18
Helios ist mit den Anästhesieassistenten ordentlich auf die Schnauze gefallen, von daher will ich mal behaupten, dass Narkose durch Nichtärzte in den nächtsten 20 Jahren in Deutschland kein Thema sein wird.

Überhaut: es gibt so viele Tätigkeiten, die von nichtärztlichem Personal übernommen werden könnten (der ganze Schreib- und Verwaltungskram eben). Aber ausgerechnet die zentralsten ärztlichen Tätigkeiten überhaupt, nämlich die Sicherung und je nach dem auch Wiederherstellung der Vitalfunktionen bei unseren immer älter und kränker werdenden Patienten, das sollen Nichtärzte übernehmen...

Oder die Chirurgisch-Technische Assistenten, sollen den Bauch auf- und zumachen, damit der Assi Zeit fürs Briefeschreiben hat. Ich finde das irgendwie pervers.

:-dafür
Wahre Worte!

Es ist ja allgemeiner Konsens hier dass die Pflege für derartige Aufgaben nicht entsprechend ausgebildet wird, somit sind Vergleiche mit dem Ausland in der derzeitigen Ausbildungssituation obsolet.

Ich finde auch, dass wir diese Kompetenzen an die Pflege gar nicht abgeben sollten. :-dagegen
Es ist doch grotesk Zahnärzte akademisch auszubilden und dann Narkosen von Pflegepersonal übernehmen zu lassen. Das ist eine zutiefst ärztliche Aufgabe. Die Diskussion hier zeigt ja wie schnell man mit Beispielen aus dem Ausland Fürsprecher für diese Entwicklung bekommen kann. Aber ob das sinnvoll ist steht auf nem ganz anderen Blatt. Da gilt es mal klar die Interessen der Patienten zu vertreten, die ärztliche Betreuung in diesem hilflosen Zustand verdienen.

Es spricht überhaupt nix dagegen, das Pfleger Intubieren und nadeln legen und der Anästhesist auch mal guten Gewissens aus dem Saal latschen kann, aber Einleiten und ASA 1 alleine machen? Bitte nicht.

John Silver
21.03.2010, 16:31
In allen Ländern, in denen Ana-Pflege mehr tun darf als hier, tut sie es dennoch weder vollständig noch eigenverantwortlich. Die Prämedikation eines Patienten ist auch in allen genannten Ländern Sache des Anästhesisten, nicht der Pflege; und auch wenn die Narkose vom Pflegepersonal durchgeführt wird, muss immer ein Arzt in der Nähe sein, um zu überwachen; und nicht zuletzt ist der Arzt immer der Verantwortliche, nicht die Pflegekraft.

Ferner ist es so, dass die Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf die Pflege nicht deswegen geschieht, weil die Pflege so superfähig ist und einen Arzt ersetzen kann, sondern schlicht weil einerseits immer mehr Ärzte fehlen, und andererseits die Kliniken auf diese Weise Geld einsparen wollen. Das ist eine sehr bedenkliche Tendenz.

Und nicht zuletzt konnte mir bisher ebenfalls niemand suffizient erklären, weshalb Dinge wie Kodierung, Dokumentation etc. nicht von minderqulaifizierten Personen übernommen werden können, wohingegen massenweise Geld in die Ausbildung von Pflegekräften gesteckt wird, die Anästhesisten oder Chirurgen ersetzen sollen. Dabei geht es gar nicht darum, ob eine Pflegekraft das kann - ich bin mir sicher, dass unter Pflegemitarbeitern genug Leute vorhanden sind, die intellektuell dazu fähig sind. Es geht darum, welche Aufgaben wie verteilt werden. In der aktuellen Ausgabe des deutschen Käse...äh, Ärzteblatts ist auch ein Artikel zu chirurgisch-technischen Assistenten drin, in welchem erklärt wird, die chirurgische Weiterbildung sei durch diesen Beruf nicht gefährdet, weil "der Assistenzarzt nicht ständig an den OP gebunden ist, in der Zwischenzeit Aufgaben außerhalb des OP erledigen kann und auch viel mehr Zeit für die Pflege des Arzt-Patient-Verhältnisses bekommt". Im Klartext heisst das, dass wir mehr Zeit bekommen, um Briefe zu schreiben, zu kodieren, Dinge zu organisieren, die lediglich aufgrund idiotischer und im Grunde nicht vorhandener Organisationsstrukturen keine Selbstläufer sind, die Stationen und die Ambulanz am laufen zu halten und auch sonst den Mangel an Leuten zu kompensieren, während irgendwelche Pflegekräfte das tun, warum wir eigentlich in die Chirurgie gegangen sind. Die haben doch wohl den Hintern sperrangelweit offen, die Herrschaften. Gleiches soll wohl auch für die Anästhesisten gelten, die sich dann maßlos glücklich schätzen dürfen, dass sie, statt öde Narkosen zu machen, mehr Zeit bekommen, um die ITS zu schmeissen, zu dokumentieren etc. Schön, was? Und wisst ihr, warum man das machen kann? Weil eine "bundesweite Evaluation der Weiterbildung", wie und die vorangegangene Ausgabe dieses Schundblattes, welches wir zwangsweise abonnieren müssen, berichtet, gezeigt habe, dass "die Weiterbildung besser als ihr Ruf" sei. Das wurde im Rahmen einer Umfrage festgestellt, an der sich insgesamt nur 32% aller sich in Weiterbildung befindenden Ärzte und nur 40% aller weiterbildungsermächtigten Kliniken beteiligt haben. Klar, da hat man noch jede Menge Spielraum für Einsparungen. Was für *****.

Kackbratze
21.03.2010, 16:57
@JohnSilver

100% auch meine Meinung.:-top
Mehr braucht man da eigentlich nicht dazu zu sagen! :-?

stennadolny
21.03.2010, 17:12
Kleine Korrektur zur Weiterbildungsgoebbeliade: Die Rücklaufquote von ca. 30 % bezieht sich wohl eher auf die von den Weiterbildnern GEMELDETEN Weiterbildungsassis - in Wirklichkeit dürfte die Rücklaufquote damit noch geringer sein.

Die Ärztekammern selbst wissen ja nicht einmal, wer in Weiterbildung ist (wäre in Österreich z.B. unmöglich, weil sämtliche Ärzte in Ausbildung dort von Gesetzes wegen der Ärztekammer angezeigt werden müssen).

John Silver
21.03.2010, 17:26
Weiterbildungsgoebbeliade

Die Bedeutung dieses Wortes musst Du mir mal erklären.

Kackbratze
21.03.2010, 18:08
Ich denke der Bezug ist in Richtung des ehemaligen Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda gerichtet.

kra-
21.03.2010, 18:27
Sehr interessante Diskussion!
Kann in diesem Zusammenhang diesen Artikel über die MAfAs empfehlen:
http://www.zwai.net/pflege/Weiterbildung/Journal/Anaesthesie-Assistent/Das_MAfA-Konzept_-_Chronologie_einer_Spitzenqualifikation/

Moorhühnchen
21.03.2010, 18:30
In der aktuellen Ausgabe des deutschen Käse...äh, Ärzteblatts ist auch ein Artikel zu chirurgisch-technischen Assistenten drin, in welchem erklärt wird, die chirurgische Weiterbildung sei durch diesen Beruf nicht gefährdet, weil "der Assistenzarzt nicht ständig an den OP gebunden ist, in der Zwischenzeit Aufgaben außerhalb des OP erledigen kann und auch viel mehr Zeit für die Pflege des Arzt-Patient-Verhältnisses bekommt". Im Klartext heisst das, dass wir mehr Zeit bekommen, um Briefe zu schreiben, zu kodieren, Dinge zu organisieren, die lediglich aufgrund idiotischer und im Grunde nicht vorhandener Organisationsstrukturen keine Selbstläufer sind, die Stationen und die Ambulanz am laufen zu halten und auch sonst den Mangel an Leuten zu kompensieren, während irgendwelche Pflegekräfte das tun, warum wir eigentlich in die Chirurgie gegangen sind. Die haben doch wohl den Hintern sperrangelweit offen, die Herrschaften. Gleiches soll wohl auch für die Anästhesisten gelten, die sich dann maßlos glücklich schätzen dürfen, dass sie, statt öde Narkosen zu machen, mehr Zeit bekommen, um die ITS zu schmeissen, zu dokumentieren etc.Sehr schön zusammengefaßt, genau das hab ich bei der Lektüre des Blattes heute mittag auch gedacht! Wer in Zukunft also Interesse daran hat möglichst viel im OP zu arbeiten, sollte möglichst nicht chirurgischer AssistenzARZT, sondern chirurgisch technischer Assistent werden. :-peng

Zeitraubende Bindung an den OP-Tisch ohne Bezug zur Fachweiterbildung wird so vermieden. Es werden Freiräume geschaffen für Tätigkeiten außerhalb der OP-Abteilung. Überstunden könnten vermieden und die wichtige Arzt-Patienten-Beziehung intensiviert werden, da der Arzt länger und regelmäßig als Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung steht.
Das meinen die doch nicht wirklich ernst, oder? :-oopss
Ich überlege grade, ob ich jemals schon einem Chirurgen begegnet bin, der gerne Stationsarbeit macht.

Janny
21.03.2010, 18:37
Und nicht zuletzt konnte mir bisher ebenfalls niemand suffizient erklären, weshalb Dinge wie Kodierung, Dokumentation etc. nicht von minderqulaifizierten Personen übernommen werden können, wohingegen massenweise Geld in die Ausbildung von Pflegekräften gesteckt wird, die Anästhesisten oder Chirurgen ersetzen sollen. Dabei geht es gar nicht darum, ob eine Pflegekraft das kann - ich bin mir sicher, dass unter Pflegemitarbeitern genug Leute vorhanden sind, die intellektuell dazu fähig sind. Es geht darum, welche Aufgaben wie verteilt werden. In der aktuellen Ausgabe des deutschen Käse...äh, Ärzteblatts ist auch ein Artikel zu chirurgisch-technischen Assistenten drin, in welchem erklärt wird, die chirurgische Weiterbildung sei durch diesen Beruf nicht gefährdet, weil "der Assistenzarzt nicht ständig an den OP gebunden ist, in der Zwischenzeit Aufgaben außerhalb des OP erledigen kann und auch viel mehr Zeit für die Pflege des Arzt-Patient-Verhältnisses bekommt". Im Klartext heisst das, dass wir mehr Zeit bekommen, um Briefe zu schreiben, zu kodieren, Dinge zu organisieren, die lediglich aufgrund idiotischer und im Grunde nicht vorhandener Organisationsstrukturen keine Selbstläufer sind, die Stationen und die Ambulanz am laufen zu halten und auch sonst den Mangel an Leuten zu kompensieren, während irgendwelche Pflegekräfte das tun, warum wir eigentlich in die Chirurgie gegangen sind. Die haben doch wohl den Hintern sperrangelweit offen, die Herrschaften. Gleiches soll wohl auch für die Anästhesisten gelten, die sich dann maßlos glücklich schätzen dürfen, dass sie, statt öde Narkosen zu machen, mehr Zeit bekommen, um die ITS zu schmeissen, zu dokumentieren etc. Schön, was? Und wisst ihr, warum man das machen kann? Weil eine "bundesweite Evaluation der Weiterbildung", wie und die vorangegangene Ausgabe dieses Schundblattes, welches wir zwangsweise abonnieren müssen, berichtet, gezeigt habe, dass "die Weiterbildung besser als ihr Ruf" sei. Das wurde im Rahmen einer Umfrage festgestellt, an der sich insgesamt nur 32% aller sich in Weiterbildung befindenden Ärzte und nur 40% aller weiterbildungsermächtigten Kliniken beteiligt haben. Klar, da hat man noch jede Menge Spielraum für Einsparungen. Was für *****.

Danke, John! Sehe ich ganz genau so!

"der Assistenzarzt nicht ständig an den OP gebunden ist, " --> Na, da freuen wir uns aber ganz arg dolle! Vielen lieben Dank! Ständig so'n Mundschutz vor der Fresse und ne Bleischürze auf den Schultern ist ja wirklich furchtbar! Und das ganze Blut, igitt, wie eklig! Da sitze ich doch lieber gepflegt mit einem Kaffee am Computer und suche den passenden ICD-Code heraus - einfach faszinierend, dieses Kodip! Und so ein AHB-Antrag, Wahnsinn!

kopfschüttelnde Grüße,

Janny (vielleicht bald CTA? - nie mehr Briefe schreiben, jippie!)

airmaria
21.03.2010, 19:05
Es ist ja allgemeiner Konsens hier dass die Pflege für derartige Aufgaben nicht entsprechend ausgebildet wird, somit sind Vergleiche mit dem Ausland in der derzeitigen Ausbildungssituation obsolet.
nicht, wenn man nach lösungen für ein überteuertes system sucht! dann darf man gerne über die eigenen grenzen schauen und sehen, ob es andere besser machen...



Es ist doch grotesk Zahnärzte akademisch auszubilden und dann Narkosen von Pflegepersonal übernehmen zu lassen. Das ist eine zutiefst ärztliche Aufgabe.
ähm, für die manuellen fähigfähigkeiten braucht es irgendwie keine akademische ausbildung... egal ob zahnarzt, chirug, anästhesist oder sonstwas: "you can teach a monkey, to be a good surgeon" usw. usw., gibts nen haufen wahre sprüche, nicht von ungefähr.

ist blutabenhmen eine zutiefst ärztliche aufgabe?

wofür studiert man also ewig lange? um ne nadel um nen paar ecken ins zielgebiet zu legen? irgendwelche därme oder knochen aneinanderzutackern, klappen einzubasteln, nen schlauch innen hals zu stecken?

wie sagte nen alter chef immer: decision is more important, than incision... hier ist eine kernkompetenz, nicht in der manuellen ausführung!
kommen wir dann recht schnell z.b. zur notarztfrage: in anbetracht der gesamtsituation muss man einfach zu dem schluss kommen, dass ein wechsel auf das paramedic-system in zukunft das bessere konzept wäre... zumal es dafür genügend evidenzen gibt, was das outcome betrifft.
airmaria

Moorhühnchen
21.03.2010, 19:10
Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie definiert das Aufgabenfeld der Chirurgieassistenz wie folgt:

Auf den Stationen:
- vorbereitende Anamnese (Dokumentation), vorbereitende OP-Aufklärung (Standardeingriffe), Befunddokumentation, vorbereitende Standardarztbriefe
- einfache Verbandswechsel
- Blutentnahmen, Legen periphervenöser Zugänge, Infusionsanlage
- Sicherstellung der Umsetzung angeordneter medizinscher Maßnahmen, Untersuchungen und Konsile
- Organisation der Nachsorge in Kooperation mit Angehörigen und Sozialdienst
- Verwaltungs-/Dokumentationsaufgaben

Im Operationsbereich:
- optimierende Unterstützung der Ablauforganisation
- Standardpatientenlagerung, OP-Felddesinfektion und Abdeckung
- OP-Assistenz, Wundverschluß (nach Schwierigkeitsgrad und persönlicher Qualifikation des CTA)
- Wundverband, Lagerungsschienen
- OP-Verwaltungs-/Dokumentationsaufgaben
- technische Assistenz (ASK-Türme, Navigationssysteme und ähnliches)
Da frage ich mich, was ist ein "einfacher Eingriff" und was die "Standardpatientenlagerung"... naja.

Bei uns im Haus wird sobald nicht dazu kommen, daß wir Anästhesie-Assis durch Pflegekräfte ersetzt werden. Im Gegenteil: im Rahmen der KTQ-Zertifizierung werden die Kompetenzen der Pflege mehr und mehr beschnitten.
Als Beispiel: die Pflegekräfte machen seit Jahren die Schmerzvisiten für die Katheterpumpen selbständig und können dies daher auch sicherlich besser als wir Assis, die bisher nur am Sonntag für die Visite zuständig waren. (Durch die Auslastung im OP war diese Visite wohl zuletzt sonntags nicht mal mehr zu schaffen...)

Nun gibt es im Rahmen des Zertifizierungsvorganges eine neue Arbeitsanweisung unseres Chefs, daß die Pflege für JEDE Änderung der Pumpeneinstellung mit einem Arzt Rücksprache zu halten hat. Wie soll ich bitte telefonisch entscheiden, ob das nun richtig ist, ohne mir den Patienten selbst anzuschauen? Praktisch hieße das für mich, ich muß die Prämedikationsambulanz, Schockraum oder AWR verlassen (wofür ich im Außendienst meist gleichzeitig zuständig bin), den Patienten visitieren und dann entscheiden. Gleiches gilt für das Entfernen des Katheters, hier gibt es nun sogar die Vorgabe, daß bei jeder Entfernung ein Arzt anwesend sein muß... was soll das? Dann kann ich ihn auch selbst ziehen, beaufsichtigen muß ich diesen Vorgang sicher nicht!
Ich finde, hier muß man sich entscheiden, ob dies nun eine ärztliche oder pflegerische Aufgabe ist - ein Wischiwaschi gibt es da nicht!! :-dagegen (Und es ist definitiv nicht so, daß ich scharf drauf wäre, den Schmerzdienst in Zukunft selber zu machen, aber es sollte geregelt sein!)

Miss
21.03.2010, 19:31
Das meinen die doch nicht wirklich ernst, oder? :-oopss
Ich überlege grade, ob ich jemals schon einem Chirurgen begegnet bin, der gerne Stationsarbeit macht.
Oder einem Anästhesisten, der nicht gern Narkosen macht, sondern lieber länger und ausgiebiger prämediziert :-peng