Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Patientenaufklärung
WalterSobchak
16.09.2010, 19:18
[...]Patienten mit einer wie auch immer gearteten iv-Medikation, deren Viggos drei mal am Tag para laufen und die damit wiederholt gestochen werden müssen, werden auch nicht wegen der Körperverletzung aufgeklärt.
Also ich kläre die Eltern schon über i.v. Infusionen/Injektionen und eben auch die Gefahr der paravenösen Infusion/Injektion auf... :-dafür
Hab mal ne paravenöse Infusion bei ner 2 jährigen gesehen (nicht bei uns!), da war komplett der Arm inkl. angrenzendem Thorax angeschwollen...
Ist ja trotzdem binnen weniger Stunden resorbiert und alles wieder gut; dennoch, wenn das passiert, ohne vorher einige Worte drüber verloren zu haben... ich weiß nicht :-?
Kackbratze
16.09.2010, 19:50
In den Kliniken haben alle viel zu viel Schiss vor dem Staatsanwalt. Viel mehr Ärger machen die Anwälte bei "pseudo-Behandlungsfehlern", aber denen wird immer freundlich in den Allerwertesten gekrochen.
Die meisten Leute sagen doch "ich hab eh keine Wahl, geben Sie das her". Die klagen nicht wegen der Aufklärung. Und ein fachlicher Fehler ist und bleibt ein fachlicher Fehler, egal wieviele Aufklärungsbögen unterschrieben werden.
Keenacat
16.09.2010, 19:55
Also ich kläre die Eltern schon über i.v. Infusionen/Injektionen und eben auch die Gefahr der paravenösen Infusion/Injektion auf... :-dafür
Hab mal ne paravenöse Infusion bei ner 2 jährigen gesehen (nicht bei uns!), da war komplett der Arm inkl. angrenzendem Thorax angeschwollen...
Ist ja trotzdem binnen weniger Stunden resorbiert und alles wieder gut; dennoch, wenn das passiert, ohne vorher einige Worte drüber verloren zu haben... ich weiß nicht :-?
Du klärst aber nicht jeder Mal aufs neue über die Risiken und Nebenwirkungen der Venenpunktion auf, oder? Das sind ja zwei verschiedene Spielfelder, sozusagen. Einerseits die venöse Punktion, andererseits die Infusion. Und hier gings, wenn ich das richtig verstanden hab, auch ums Stechen/Injektion (zudem subkutan, da Heparin). Die Aufklärung über das Medi ist ja davon verschieden.
Für den Pieks oder die Venenpunktion/-kanülierung klärt man halt in der Regel nicht aufwendig auf.
Nemesisthe2nd
16.09.2010, 20:10
naja... dieses "nicht so genau wissen wollen" klappt immer ganz prima solange keine komplikationen eintreten...
war bei mir im verwandtenkreis auch so... Post-OP nach Re-Strumektomie gabs ne passagere beidseitige Stimmbandparese, eins war schon vorher lädiert. Was dann zu einer Tracheotomie führte, die dann nen halbes Jahr mit Sprechkanüle blieb. Dann wars wieder ok. Nur die betreffende sagte dann auch groß: "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich das nie machen lassen etc...."
Da musste man der Person auch darlegen, dass sie für dieses Risiko explizit unterschrieben hatte...
aber das ist die typische nix hören und nix sehen (wollen) Verhalten...
das informed consent und shared decision making ist zwar an sich richtig und gut, würde ich für mich auch so wollen, aber manche Leute kommen damit nicht besonders gut klar...
Die meinen der Doktor muss ja wissen was für mich am besten ist, aber wehe es wird hinterher nicht alles wieder gut.
Also keine Option a), b) oder c) sondern "wir machen jetzt!"
Wobei man dann auch wieder das Gefühl hat das sich die Leute damit überfahren fühlen, aber dann doch nicht den Mut haben dem großen Mann im weißen Kittel zu widersprechen...
FirebirdUSA
17.09.2010, 07:18
Beim CT gehts um das Kontrastmittel und damit allergische Reaktionen. Für ein nativ CT brauchts das nicht. Sonst schon. Macht eigentlich immer der Radiologe -bei uns nicht. 4 Seiten Aufklärung mit allen möglichen Unterschriften, Vorerkrankungen usw. Zusätlich müssen wir in der Anmeldung Krea, TSH und T3/4 eintragen. Völliger Quatsch -kann der Radiologe machen.
Naja, eigentlich muss sogar der Radiologe aufklären (ich weiß, dass die Praxis in den meisten Häusern anders ist), zweitens musst du natürlich auch über ein natives CT aufklären (Strahlenbelastung, alternative bildgebende Verfahren, etc.), ob das alles sinnvoll ist ist eine andere Frage. Wahrscheinlich bekommen die Pat. bei euch in der Radio nochmals den Aufklärungsbogen vorgelegt "hier jetzt noch unterschreiben".
Krea, TSH, ggf. fT3/4, bei MRT auch Frage nach Metallimplantaten, Herzschrittmacher, etc. --> Nein das kann nicht der Radiologe vorher machen, da dann keine Zeit mehr ist diese Werte zu bestimmen falls sie fehlen. Insofern finde ich es schon sinnvoll, dass vorher zu klären und ggf. abzusprechen falls etwas unklar ist.
MissGarfield83
17.09.2010, 13:47
Das finde ich ehrlich gesagt völlig schwachsinnig. Patienten mit einer wie auch immer gearteten iv-Medikation, deren Viggos drei mal am Tag para laufen und die damit wiederholt gestochen werden müssen, werden auch nicht wegen der Körperverletzung aufgeklärt. Matze, was ist der Grund?
Theoretisch musst du sogar für ne Viggo aufklären - nur bei der kann eher angenommen werden dass der Patient eingewilligt hat wenn er gepiekt wird. Wenn du das deligierst musst du den Patienten darüber aufklären und das dokumentieren - genauso denke ich ist es auch bei s.c. Spritzen die von der Pflege verabreicht werden - mal von den UAWs mal abgesehen - denn es ist ja eine Körperverletzung, rechtlich gesehen sogar eine gefährliche. Ich weiss nicht wie das bei Arzneimitteln geregelt ist, aber in der reinen Theorie ist der Patient bei jeder invasiven Maßnahme über ihren Sinn und Zweck und eventuelle Risiken aufzuklären - wie praktikabel das ist steht auf einem anderen Blatt ...
(vgl. Via medici 3.10, S.46 -48, U. Glatz "Zu Risiken und Nebenwirkungen ..." )
WackenDoc
17.09.2010, 16:59
Also bei uns wird über CT und die KM-Gabe gesondert aufeklärt- ebenso wie für Colo/Gastro und Sedierung.
TSH und Krea kopiert unser System automatisch in die Anforderung rein.
Über Heparin-Gaben klären wir nicht auf- naja- bei ambulanten Patienten darüber, dass man wegen HIT regelmäßige Blutentnahmen braucht schon.
Mit Impfungen ist das total doof- über jede einzeln und am Ende steht in jedem Bogen eh das gleiche drin- die meisten sind eh schon vorgeimpft und ich hab zur Zeit viele Kollegen- die kennen die Risiken ja- aber da erklär ich nicht viel zu- nur wenn die Fragen haben.
Für die Colo/Gastro/Procto-Aufklärungen geb ich den Patienten den Bogen zum durchlesen und sag denen, dass sie Bescheid sagen sollen,wenn sie Fragen haben.
Bei Medikamenten kenn ich das eigentlich nur vom Marcumar- da haben wir nen richtigen Bogen für- bei anderen Medis wird maximal mündlich aufgeklärt.
Und zum Schaf: Wenn mich ein Patient fragen würde, mit welchen Medikamenten ich bei ihm vor 2 Wochen Narkose gemacht habe, könnte ich das auch nicht erinnern. Denke ich:-))
Das würde ich vom Anästhesisten auch glaube ich nicht erwarten, schließlich seit ihr ja nicht die die Post Op Schmerzen verursachen. Und ehrlich gesagt solange ich keine Schmerzen haben muss ist mir jedes Mittel recht dazu dies beizubehalten und ihr bleibt für mich die guten im Saal.
Bei den Knochenbrechenden Kollegen habe ich andere Erwartungen trotz Aufklärung vor der Op, schließlich will ich ja Wissen woran sie überall geschnippelt haben und warum sich etwas anfühlt nach der OP als sei ein LKW drüber gerollt. Könnte aber daran liegen das ich mir mehr als 3 Risiken merken kann und weiß wovon ihr redet wen ihr dem Fachterminus verfallt. Auch wen ich hier oft Blödsinn vom Stapel lasse.
Also wenn ich tatsächlich für jedes Medikament (wir geben ja oft ne Antibiose z.B.) auch noch aufklären müsste, dann will ich einen zusätzlichen Assistenten haben, der nur das macht. In unserer Sprechstunde, in de wir auch die elektiven Patienten für die OP vorbereiten, sind pro Patient 30 Minuten (manchmal bei Zeitdruck auch nur 15) eingeplant. In dieser Zeit muss ich
mich erkundigen, was überhaupt gemacht wird
den Patienten aufnehmen (also Anamnese und körperliche Untersuchung
checken ob alle nötigen Röntgenbilder etc. da sind
die OP Aufklärung machen
Blut abnehmen
dem Patienten den Ablauf erklären
Wenn es sich um eine Entfernung von K-Drähten bei einem Kind handelt, reichen da 15 bis 30 Minuten. Aber bei umfangreicheren Sachen ist das schlicht zu wenig. Ich gebe mir Mühe, dem Patienten vor allem zu erklären, was überhaupt gemacht wird und wie es danach weiter geht. Erst dann können Risiken überhaupt verstanden werden.
Ivch erlebe es aber auch oft, dass ich mitten in einem wichtigen und ernsten Satz vom Patienten unterbrochen werde, weil der mir irgendeine Banalität von seiner Grippe letztes Jahr erzählen will. Da denk ich mir immer, die wollen das gar nicht wissen! Und dann geb ich mir auch weniger Mühe.
Manchmal hab ich auch den Fall, wo eine relative OP Indikation besteht. Mein Chef will das operiert haben, andere Kliniken würden das vllt. gar nicht machen. Da versuch ich in der Aufklärung dem Patienten auch zu vermitteln, dass man das nicht machen MUSS, was Vor- und Nachteile sind, und was für Risiken bestehen. Aber wenn denen EINMAL ein Arzt gesagt hat, dass man das operieren müsse, wird das Hirn auf Standby geschaltet. :-(
Kackbratze
18.09.2010, 13:14
Oder geht auf maximalen Protest und sagt selbst bei vitalen OPs: das will ich nicht.
Oder geht auf maximalen Protest und sagt selbst bei vitalen OPs: das will ich nicht.
Oft zitiert und nie erreicht: bei mir kommt immer noch "Tod und (viel wichtiger) Siechtum" in die Aufklärung mit rein...also je nach Aufwand des Eingriffs.
Damit gab's bisher noch keine Schwierigkeiten und juristisch stand ich bislang auch noch immer mit weißer Weste da:-)
Kackbratze
18.09.2010, 14:22
Tod und Inoperabel sind auch von mir gerne verwendete Schlagworte.
So ärgerlich wie das ist, die Wahrheit darf man nicht verschweigen.
Wobei ich mittlerweile "Tod" nicht mehr prinzipiell erwähne. Natürlich kann immer alles passieren, aber wenn ich einfach nur irgendwo einen 5mm langen Schnitt mache, um da einen Draht rauszuziehen, halte ich die Androhung von Tod als mögliche Folge des Eingriffs für etwas übertrieben :-blush
Kackbratze
18.09.2010, 16:46
Immer entsprechend dem Gesamtrisikos des Eingriffs.
Thomas24
18.09.2010, 18:22
Wobei ich mittlerweile "Tod" nicht mehr prinzipiell erwähne. Natürlich kann immer alles passieren, aber wenn ich einfach nur irgendwo einen 5mm langen Schnitt mache, um da einen Draht rauszuziehen, halte ich die Androhung von Tod als mögliche Folge des Eingriffs für etwas übertrieben :-blush
Sogar ich sag Tod, direkt nach Erblindung...
Siechtum gefällt mir auch, werd ich mit aufnehmen:-D
Feuerblick
18.09.2010, 19:00
Tod kläre ich jetzt eher selten auf. Meistens bei wirklich schweren Eingriffen, Menschen mit multiplen Allergien, bei Retrobulbäranästhesien oder bei Angios... Den Rest überlasse ich unseren Anästhesisten. Denn die werden im Zweifelsfalle für das Date mit dem Sensenmann verantwortlich sein :-))
natoll..
ich sage immer so böse worte wie intensivstation und lange und sehr krank und so.. das wort tod geht mir aber sehr schwer über die lippen. nur bei patienten die mir nicht wirklich gesund erscheinen.
owei......seit ihr nett zu euren Patienten.:-oopss
Ich habe bevor ich mein Gespräch mit der Anästhesistin hatte ein DVD-Abspielgerät mit Kopfhörern erhalten und durfte mir einen Film über die Allgemein-und Regionalanästhesie anschauen. Fachlich gesehen war der Film zugegen etwas unterfordernd. ;-)
Das 10 Minuten Gespräch im Anschluss bestand aus ein paar Kreuzen und Mund aufmachen. Bei den Chirurgen das Gespräch war auch nicht wirklich mit mehr Inhalt versehen.
" Ihnen müssen wir ja nicht mehr viel erzählen, sie sind ja Op erfahren auf beiden Seiten des Tisches...." Blutabnahme wofür ?:-?
Kackbratze
18.09.2010, 20:35
owei......seit ihr nett zu euren Patienten.
Die Zeiten mit "alles wird gut nach der OP" sind vorbei und weder von den Patientenvertretern noch von den div. Anwälten gewünscht.
Das 10 Minuten Gespräch im Anschluss bestand aus ein paar Kreuzen und Mund aufmachen. Bei den Chirurgen das Gespräch war auch nicht wirklich mit mehr Inhalt versehen.
10 Minuten bei einem (vermuteten) ASA I-II-Patienten?
Eindeutig 8 min zu lang:-)
Gruß,
Hypnos
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