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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : An welcher Uni gibt's 'ne gute Chirurgie-Ausbildung?



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Relaxometrie
07.02.2011, 22:57
ok :-blush

John Silver
08.02.2011, 00:14
Dann bleiben wirklich kaum mehr Vorteile für die Uni; außer man hat gern Studenten um sich und Spaß an der Lehre. Obwohl man auch sagt ein weiterer Vorteil sei, dass immer ein Oberarzt irgendwo in der Nähe sei, den man im Notfall fragen könne; obwohl dies auch ein Nachteil für den Lerneffekt sein kann, und nicht unbedingt in jedem Fall stimmen muss.

Und es ist wirklich kein Fach unigebunden? Also auch nicht speziellere Disziplinen? War bisher nur an Unikliniken, kann das deshalb sehr sehr schwer einschätzen.

Vorteile haben Unikliniken tatsächlich keine. Nur teilweise andere Aufgaben, wofür sie auch, im Gegensatz zu nichtuniversitären Häusern, ein entsprechendes zusätzliches Budget haben. Forschung ist ja nicht gleich Forschung; wenn man Grundlagenforschung machen will, dann ist man an der Uni schon besser aufgehoben, weil kaum ein Chef an einem nichtuniversitären Haus einen Mitarbeiter für Grundlagenforschung freistellen wird - an einer Uniklinik ist der Stellenschlüssel (zumindest theoretisch) anders berechnet als an einem nichtuniversitären Haus.

Die andere Frage ist, ob man Grundlagenforschung machen will, weil es mittlerweile eigentlich das Revier der Humanbiologen, Anatomen, Biochemiker und Physiologen geworden ist. Ein Chirurg, der über eine Signalkaskade eines lokalen Neurotransmitters im Kolon referiert, sieht mit jedem Jahr konfuser aus, weil's im Grunde ein Wissensbereich außerhalb seiner Kernkompetenz ist. Klar ist es wichtig, diese Grundlagen zu kennen, wenn sie mit der klinischen Arbeit zusammenhängen - aber diese Grundlagen zu erforschen? Naja, nur meine Meinung (und ich bin ein Fan der Forschung, jawoll!)

zweistein
08.02.2011, 11:30
Obwohl man auch sagt ein weiterer Vorteil sei, dass immer ein Oberarzt irgendwo in der Nähe sei, den man im Notfall fragen könne; obwohl dies auch ein Nachteil für den Lerneffekt sein kann, und nicht unbedingt in jedem Fall stimmen muss.

Ähemm.... :-( , als potenzieller Patient hoffe ich doch, dass auch an einem nichtuniversitären Krankenhaus ein Oberarzt irgendwo in der Nähe ist, den der Assi im Notfall fragen kann.

Rico
08.02.2011, 12:01
Ähemm.... :-( , als potenzieller Patient hoffe ich doch, dass auch an einem nichtuniversitären Krankenhaus ein Oberarzt irgendwo in der Nähe ist, den der Assi im Notfall fragen kann.Nachts sowie wochenends und feiertags nimmt egal in welchem KH - auch an Unis und Maximalversorgern - die Wahrscheinlichkeit rapide ab, dass da ein Oberarzt direkt vor Ort ist.
Die haben in der Regel ja keinen Bereitschaftsdienst, sondern einen Rufdienst und kommen bei Bedarf rein.

Lava
08.02.2011, 12:04
Fragen kann man ja auch per Telefon. Wenn der OA nicht gerade durch ein Funkloch joggt. :-D

Relaxometrie
08.02.2011, 12:12
Ähemm.... :-( , als potenzieller Patient hoffe ich doch, dass auch an einem nichtuniversitären Krankenhaus ein Oberarzt irgendwo in der Nähe ist, den der Assi im Notfall fragen kann.

Gehofft wird viel. Wie ich finde, auch oft zu recht. Gut, daß nicht alle Patienten immer darüber informiert sind, was personalmäßig so abgeht. Als Schwerkranker würde ich mich äußerst unwohl fühlen, wenn ich wüsste, daß es durchaus vorkommt, daß nachts zwei Stationen zusamengelegt werden (sprich: die Patientenklingeln der einen Station kommen auf einer anderen Station an) und eine einzige Pflegekraft für >50 Patienten zuständig ist.

Rico
08.02.2011, 12:35
Zur Not kann man ja immer noch Oberarzt Google oder Oberärztin Dr. Wiki fragen... :-D

Relaxometrie
08.02.2011, 12:37
Zur Not kann man ja immer noch Oberarzt Google oder Oberärztin Dr. Wiki fragen... :-D
Schreib das hier doch nicht so in aller Öffentlichkeit. Die mitlesenden Nichtmediziner bekommen ja Angst :-))


Nochmal zu den real vorhandenen Oberärzten:
Es gibt auch Unikliniken, an denen die Oberärzte Bereitschaftsdienst haben (zumindest über Nacht anwesend sind, wie die Bezahlung geregelt ist, weiß ich nicht). Mein Dr.-Vater, Oberarzt in der Chirurgie, hat solche Anwesenheitsdienste. Wir treffen und zu Besprechungen nämlich meist am Morgen, nachdem er einen solchen Dienst hatte.

zweistein
08.02.2011, 12:41
Zur Not kann man ja immer noch Oberarzt Google oder Oberärztin Dr. Wiki fragen... :-D

Oder sich schnell bei OA Dr. Medi-Learn einloggen.

Muriel
08.02.2011, 17:50
Das Schöne ist ja, wenn Patienten am Wochenende in der Klinik statt beim KV-Dienst aufschlagen, "weil Klinik ja viiiiiiiiiiiiiiiiiel besser ist". Man sollte denen mal erzählen, dass da unter Umständen der Assistent mit drei Monaten Berufs"erfahrung" Diagnosen stellen und therapieren darf und draußen die langjährigen Fachärzte hocken :-))

tine74
08.02.2011, 18:55
Vielleicht SOLLTE man ihnen das mal sagen... oder ein großes Plakat an den Eingang hängen.. könnte ein wenig Streß ersparen ;-)

SarahT.
20.02.2011, 12:31
Danke für eure Beiträge. Ich stelle die Frage vielleicht mal anders. Welche Uni hat denn in Sachen Chirurgie einen guten Ruf, sowohl was die klinische Arbeit als auch die FORSCHUNG anbelangt? Ich höre immer wieder MHH, Charite und Heidelberg. Was gibt's denn sonst noch so? Wie ist denn z.B. das UKE in Hamburg?

stennadolny
20.02.2011, 15:23
München LMU, aber hier auch sehr spitze Ellenbogen.

Übrigens auch noch Chirurgische Universitätsklinik in Innsbruck.

John Silver
20.02.2011, 18:28
Innsbruck ist sehr zu empfehlen, wenn es um kolorektale Chirurgie geht, Prof. Aigner ist ein sehr kompetenter Kollege. Auch in Mannheim ist die kolorektale Schiene stark.

Ansonsten geht es auch darum, welche Schwerpunkte Dich interessieren. In Heidelberg oder Mannheim geht es hauptsächlich um Pankreasforschung, Kliniken wie Charite, Frankfurt oder Regensburg widmen sich der Transplantationsforschung. Geh nach Aachen, wenn Dich Hernienforschung interessiert usw. Sicher gibt es an jeder Uni mehr als nur ein Forschungsthema, aber Schwerpunkte sind unübersehbar.

SarahT.
20.02.2011, 18:33
Danke schon mal. Am meisten interessiert mich momentan die chirurgische Onkologie, gibt's denn Kliniken, die in diesem Bereich besonders hervorstechen?
Und wenn noch mal jemand was zu Hannover und Hamburg in puncto Forschung sagen könnte, wäre das fantastisch!

stennadolny
20.02.2011, 19:07
WELCHE chirurgische Onkologie denn bitte ?

Endokrine, kolorectal, ösophagogastral, Weichteilrumoren, Knochentumoren, Leber, Pankreas, Hirntumore, dermatologische Onkochirurgie ?

Etwas genauer bitte - onkologisch braucht man v.a. kompetente Strahlentherapeuten vor Ort, da ist Heidelberg dzt. wohl eine der besten Adressen, Innsbruck hingegen zu vergessen. Hanniver ist strahlentherapeutisch so gut wie Wüste, über Hamburg weiß ich zu wenig.

Du kannst in Pubmed Dich über die Forschung in Hamburg und Hannover leicht selbst informieren, die Forschungsschwerpunkte sind online nachzulesen.

SarahT.
20.02.2011, 19:20
Von den genannten dann Ösophagus, Magen-Darm, Pankreas, Leber. ;)
Die Kliniken loben sich selbst doch immer in den Himmel. Ich würde aber gern etwas von Ärzten hören, die den Einblick in die Forschungslandschaft haben. Da gibt's doch - wie in jeder Fachrichtung - bestimmt auch Kliniken, die besonders stark in Sachen Forschung sind.

Kackbratze
20.02.2011, 19:38
Die letzten Veröffentlichungen aus Hamburg waren experimentelle Pankreaschirurgie, die gegenüber den normalen Verfahren für die Patienten keinen Benefit erbracht hatten (wenn man die Studien kritisch gelesen hat).

Und was den Einblick in die Forschungslandschaft anbetrifft:
pubmed, google und die Homepages der jeweiligen Fakultäten können einem selber da gewaltig weiterhelfen.

stennadolny
20.02.2011, 19:50
Tja, die Publikations- (und damit Forschungsqualität) muß man sich über Pubmed o.Ä.schon selbst herausfiltern. Da hilft einem ein eigenes Bild viel mehr als -zig Meinungen.

Warum stehst Du so auf deutsche Unichirurgie ?

Sollte man sich da nicht auch international orientieren, wenn einem das SO wichtig ist ?

John Silver
20.02.2011, 21:44
Von den genannten dann Ösophagus, Magen-Darm, Pankreas, Leber. ;)
Die Kliniken loben sich selbst doch immer in den Himmel. Ich würde aber gern etwas von Ärzten hören, die den Einblick in die Forschungslandschaft haben. Da gibt's doch - wie in jeder Fachrichtung - bestimmt auch Kliniken, die besonders stark in Sachen Forschung sind.

Hmm... Ich weiß nicht, ob Dir überhaupt klar ist, worauf Du Dich da einlassen willst. Klar kannst Du solche Forschung machen, MHH ist da sicher mit an vorderster Front in allen Bereichen, hauptsächlich aber Transplant und etwas weniger Onko; Hamburg publiziert auch viel über Leber und Pankreas.

Aber wenn Du Dich mit diesem Gebiet beschäftigst, muss Dir klar sein, dass Deine Facharztweiterbildung, wenn wir als Endpunkt die Fähigkeit, Eingriffe an diesen Organen selbständig vorzunehmen, ansehen, mindestens das Doppelte der vorgeschriebenen Weiterbildungszeit betragen wird, eher noch mehr. Ösophagus, Pankreas und Leber sind Organe, an die Du selbst in einer Klinik mit exzellenter operativer Ausbildung frühestens im 5. Jahr rangelassen wirst, weil es technisch die schwierigsten und diffzilsten Eingriffe sind; für die Weiterbildung zum Viszeralchirurgen braucht man selbst bei uns realistisch geschätzt 8-9 Jahre, und bei uns operieren Assistenten viel mehr als an jeder Uni. An einer Uniklinik dürfte sich die Durststrecke eher auf 10 Jahre ausdehnen, soviel muss Dir klar sein - und da fängst Du erst an, das braucht noch weitere Jahre, bis Du die Eingriffe auch wirklich kannst. Das ist wirklich eines der klassischen Gebiete, auf denen man an einer Uniklinik erst dann operativ ausgebildet wird, wenn man Oberarzt ist.

Ich habe mal mit einem Kollegen zusammengearbeitet, der von der UKE kam. Er war dort 5 Jahre. Er konnte ellenlang über den neuesten Stand der Leberforschung referieren, aber selbst bei einer einfachen Dünndarmanastomose stellte er sich an wie ein absoluter Anfänger. Er war sicher nicht talentfrei, er war - nun ja, er war eben ein Anfänger, was das Operieren betraf. Er stand kurz vor der Facharztprüfung und konnte überhaupt nicht operieren.