Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : hausarzt wechseln?
mockel83
01.03.2011, 18:55
ein duett quasi...aufgrund unserer eingeschränkten gesangsqualitäten könnte man das ganze auch als eine kakophonie des grauens bezeichnen. ich meine mich auch zu erinnern, dass er das mikro irgendwann mal im mund hatte...teufel alkohol
mockel83
01.03.2011, 18:57
@konstantin: ach so, das war mir tatsächlich nicht klar. ich dachte, dass dann quasi auch individuell erst die schwachen erreger abgetötet werden und sich anschließend die resistenten besser vermehren können.
mockel83
01.03.2011, 19:00
was ich mich jetzt aber doch noch frage ist, wie sie anhand eines blutbildes (das ja einen momentaufnahme darstellt) sagen kann dass die infektion weitestgehend abgeklungen ist. könnte das nicht auch gerade erst richtig losgehen?
Kackbratze
01.03.2011, 20:37
Schwerlich in Verbindung mit der Anamnese.
mockel83
01.03.2011, 20:51
na dann: prost!
Kackbratze
01.03.2011, 21:20
Aber nicht wieder Anderen das Mikro hinhalten. :-music
mockel83
01.03.2011, 22:23
singstar ist erstmal im schrank verstaut. aber versuch mal an karneval niemanden zu küssen. das ist ein ding der unmöglichkeit! :knuddel:
hab schonon überlegt als arzt zu gehen. das ist zwar furchtbar abgelutscht, aber da kann ich mir wenigstens nen mundschutz vors gesicht hängen...:-?
Schimmelschaf
01.03.2011, 23:32
Geh doch als Naturwissenschaftler, Japaner, Krankenschwester, Virus oder H1N1-Infizierter, irgendwas gescheiteres als ein Arztkostüm lässt sich doch bestimmt finden.
Relaxometrie
01.03.2011, 23:34
aber da kann ich mir wenigstens nen mundschutz vors gesicht hängen...:-?
Du kannst ja als Singstar Michael Jackson gehen. Da ist der Mundschutz auch passend :-))
Bitte zurück zum Thema! :-)
mal wieder ein typisches Beispiel für die Geringschätzung von hausärztlicher Medizn ohne zu wissen wie ambulante Medizin funktioniert.
Ich drösele mal auf, für diejenigen welche noch nie ambulant gearbeitet haben.
Hausärztin leuchtet in den Mund:
sieht wahrscheinlich bds. dicke Tonsillen mit Stippchen, als Hausärztin geht sie von einer stinknormalen Tonsillitis aus, verschreibt konsequenterweise ein Antibiotikum, Abstriche macht sie nicht, weil dies auch nicht zwingend nötig ist. Wenn sie bei jeder Mandelentzündung Abstriche veranlassen würde, dann könnten wir alle unsere Krankenversicherung nicht mehr bezahlen.
Beim zweiten Besuch hört sie: Antibiose nicht angeschlagen und schliesst völlig korrekt: dann wirds wohl ein Pfeiffer sein. Das alles ist keine Geheimwissenschaft, mit solchen Fällen ist sie als Hausärztin tagtäglich konfrontiert. Sie veranlasst eine Laborabnahme. Anhand des Antikörperverlaufes (für alle Experten hier) kann man sehr wohl das Erkrankungsstadium (Frühstadium, Spätstadium etc.) einer EBV Infektion ablesen. Leberwerte kann man abnehmen, muss man aber nicht (sind in der Regel sowieso erhöht). EBV Infektionen sind keineswegs immer sehr schwer mit heftigenm Krankheitsgefühl, manchmal verläuft die Infektion sogar nahezu symptomlos. Für all dies braucht es auch (erstmal) keinen HNO Arzt, aber mit 2 Semestern Medizin, bzw. im 2 Jahr der FAcharztausbildung weiss man es ja natürlich immer besser als die niedergelassene Kollegin und wittert grosses Unvermögen.
mockel83
02.03.2011, 09:59
ja, da hast du natürlich recht. eine frage hätte ich nur noch, mehr interessehalber: hätte man im hinblick auf die differentialdiagnose nicht trotzdem beim ersten behandlungsversuch ein anderes antibiotikum als amoxicillin nehmen sollen? explizit das führt ja beim epv in den meisten fällen zu schwerem hautausschlag. und die weitgehende symptomfreiheit (nur schluck-, ohne sonstige halsschmerzen, kein fieber etc.) hatte die diagnose pfeiffer von vornherein differentialdiagnostisch ein wenig wahrscheinlicher gemacht, oder?
Soweit ich weiß, ist doch Amoxicillin der Standard bei Tonsillitis und eine EBV-Infektion jetzt im Verhältnis zur stinknormalen Tonsillitis auch nicht wahnsinnig wahrscheinlich, oder?
Und von den Symptomen her ist meiner Meinung nach ein Pfeiffer auch nicht direkt das Wahrscheinlichste - ich hatte z.B. nur geschwollene Lymphknoten, Fieber und Kopfschmerzen, als das anfing, nichts mit Schluckbeschwerden... Meine Hausärztin ist allerdings auch sofort drauf gekommen, von der halte ich auch sehr viel :-)
(Verbessert mich, wenn ich falsch liege, hab schließlich auch grad mal das Dritte hinter mir :-oopss)
Coxy-Baby
02.03.2011, 10:04
Welches AB hätte dir denn vorgeschwebt? Schon ein Breitband-AB oder?
Und wieso "weitgehende Symptomfreiheit" differentialdiagnostisch eher auf Pfeiffer schließen lässt, verstehe ich nicht wirklich....
mockel83
02.03.2011, 10:14
meine frage war, ob nicht ein pfeiffer in mehr fällen weitestgehend symptomfrei verläuft als eine bakterielle tonsillitits das tut (bei geschwollenen und belegten tonsillen). wen dem so ist (und ich hab keine ahnung), dann wäre dd-technisch die wahrscheinlichkeit auf ein pfeiffer eben etwas erhöht. aber das war, wie gesagt, eine frage.
mockel83
02.03.2011, 10:21
@coxy-baby: mit den verschiedenen antibiotika kenne ich mich nicht aus. ein breitbandantibiotikum hätte es ja aber auf jeden fall sein müssen ohne vorherigen abstrich (auch da lass ich mich gerne berichtigen:-lesen).
@coxy-baby: mit den verschiedenen antibiotika kenne ich mich nicht aus. ein breitbandantibiotikum hätte es ja aber auf jeden fall sein müssen ohne vorherigen abstrich (auch da lass ich mich gerne berichtigen:-lesen).Wenn ich nen Abstrich hab und den Keim mit Vor- und Zunamen sowie Antibiogramm kenne, dann brauch ich kein breites AB mehr, dann kann ich das billigste wirksame AB aus den Antibiogramm nehmen.
Wenn ich aber keinen Keim hab, sondern nur den Infekt sehe, dann muss man halt breit rein, sonst läuft man ja Gefahr den Keim nicht zu erwischen.
Und 10d mit einem völlig falschen umwirksamen AB behandelt ist sicher - sowohl aus wirtschaftlichen wie auch aus resistenttechnidchen Gründen- schlechter als 5d mit einem "zu breiten."
Und nochmal zu dem Abstrich: Auf das Ergebnis wartest Du ja in der Praxis gerne mal mindestens drei bis vier Tage, irgendwas kausaltherapeutisches muss man dem Patienten ja bis dahin anbieten, also landet man wieder bei der empirischen AB-Therapie. Und die stellt man dann auch nicht mehr für einen Tag um, deshalb kann man sich den Anstrich getrost schenken.
Kackbratze
02.03.2011, 13:03
*seufz*
Niedergelassenen-bashing mag vielleicht dem Einen oder Anderen Befriedigung verschaffen um zu zeigen wie weit fortgeschritten das eigene Wissen oder das eigene Krankenhaus ist, aber die meisten niedergelassenen Kollegen wissen warum sie was wann tun. Empirie, Erfahrung und Wissen in Verbindung mit den 5Sinnen, Stethoskop, Spatel und vielleicht noch Sono sind deren täglich Brot.
Abstriche, 10min Labore, CTs o.Ä. nicht.
Das mag gerade bei dem Apparate-lastigen Studium nicht klar verständlich sein, muss aber dringend noch mehr gelehrt werden.
IMHO
Tigerettes15
02.03.2011, 20:58
Also ich habe meine Facharztausbildung direkt in der Niederlassung angefangen und bin echt froh darum. Man lernt sich auf seine 7 Sinne zu verlassen, wenn man Glück hat auch noch ein CRP und kleines BB-Gerät was man in der Praxis rumstehen hat. Wir haben in der Praxis ca. 80 Fälle am Tag, da sieht man viel in kurzer Zeit und kriegt schnell nen Gefühl für die Erkrankungen, welche Keime gerade wo (welche Kita, Schule) - ich arbeite in der Pädiatrie - rumfliegen und denkt dann in die entsprechende Richtung. Pfeiffersches Drüsenfieber ist eine Erkrankung die wirklich sehr unterschiedlich ausfällt. Hatte wirklich kranke und dann welche, wo wir bei der Blutabnahme es als Zufallsbefund hatten. Bei mir selber wurde auch 3 Wochen rumüberlegt was es denn ist, denn ich hatte zwar die Müdigkeit, sehr hohen Blutdruck, Lymphknotenschwellung, Leber- und Milzschwerzen, Blutveränderungen aber absolut nix im Hals....bis ich nach 2 Wochen ne bakterielle Superinfektion an den Tonsillen bekam. Da gabs auch AB - natürlicherweise.
Also ich würde der Ärztin keinen Vorwurf machen. Bei mir reicht auch oft ein Blick in den Mund und ich seh obs bakteriell oder viral ist...kann auch mal beides sein (jetzte gerade zur Grippesaison nicht selten).
Bei uns in der Pädiatrie ist Amoxicillin das Standardmedikament bei bakteriellen Halsinfekten und Otitis. Wenn ich denke es ist Strep, dann mach ich nen Schnelltest mit Abstrich, weiß es in 10 Min und gebe Penicillin. Hat der Patient im letzten Monat Amoxi gehabt, gibt es nen Cephalosporin. Bei Jugendlichen gebe ich auch gern Keimax (Ceftibuten), da man es nur 1xtgl- für 5 Tage geben muss. Die Länge der Gabe bei Amoxi hängt von der Erkrankung ab, bei Otitis oder Pneumonien eher 10 Tage, bei leichten Halssachen um die 7 Tage. Ansonsten geben wir ab und zu Makrolide, vor allem bei atypischen Lungenentzündungen.
Ich sage jedem Patienten wie lange es dauert bis Besserung eintritt, Fieber sollte in 2-3 Tage deutlich runter sein und wenn nicht, sollen se wiederkommen. Es wird nicht gleich die ganze Batterie an Tests in der Niederlassung gemacht, da man weder die Zeit (2 Tage warten auf nen Grippetest??- Tamiflugabe wäre dann zu spät) noch das Budget dazu hat und man irgendwann auch nen Blick dafür entwickelt wie zu verfahren ist. Meistens hat man dann auch Recht.
ja, da hast du natürlich recht. eine frage hätte ich nur noch, mehr interessehalber: hätte man im hinblick auf die differentialdiagnose nicht trotzdem beim ersten behandlungsversuch ein anderes antibiotikum als amoxicillin nehmen sollen? explizit das führt ja beim epv in den meisten fällen zu schwerem hautausschlag. und die weitgehende symptomfreiheit (nur schluck-, ohne sonstige halsschmerzen, kein fieber etc.) hatte die diagnose pfeiffer von vornherein differentialdiagnostisch ein wenig wahrscheinlicher gemacht, oder?
Ich selber nehme bei einer Tonsillitis in der Regel Penicillin G, Amoxicillin ist aber auch Standard bei vielen Kollegen (in der Tat mit der Gefahr des Exanthems). Die weitgehende Symptomfreiheit sagt übrigens differentialdiagnostisch gar nichts aus, beim Pfeiffer ist alles drin, vom schwersten Krankehitsgefühl bis hin zur Symptomfreiheit. Oft lässt sich beim Blick auf die Tonsillen schon der V.a. einen Pfeiffer stellen (sieht oft doch etwas anders aus wie die klassische Tonsillitis), im Einzelfall kann man aber prima vista das eine vom anderen nicht unterscheiden.
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