Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Agranulozytose unter Metamizol - wer hat's erlebt?
Sebastian1
27.03.2011, 18:18
Womit man mal wieder sieht, wo wir mit unseren ganzen Studien et cetera stehen: Jeder hat seine Hausstandards und/oder persönlichen Schemata, Vorlieben und Abneigungen sowie Erfahrungen. Und das schon bei einer so omnipräsenten Substanzgruppe wie den WHO-Stufe-I-Analgetika und begleitend verabreichter Substanzgruppen...
In der chronischen Schmerztherapie (und die fängt bei mir nach 7 Tagen Einnahme an) haben Benzodiazepine nix verloren. Das haben (eigentlich) alle im Studium schon lernen können...
Sagt die derzeit gängige Lehrmeinung.
Dem medizinischen Schweinezyklus folgend sind Benzos aus der chronischen Schmerztherapie in 15 Jahren wahrscheinlich nicht mehr wegzudenken :-D
Sebastian1
27.03.2011, 19:41
Bezog sich auch nicht nur auf die Benzos, bei denen ich dir völlig recht gebe, sondern auf die Gesamtheit der in diesem Thread vorhandenen Therapieschemata und -vorlieben.
Flemingulus
28.03.2011, 12:17
In der chronischen Schmerztherapie (und die fängt bei mir nach 7 Tagen Einnahme an) haben Benzodiazepine nix verloren. Das haben (eigentlich) alle im Studium schon lernen können...
Ich stimme Dir (von meiner theoretischen Warte, die Du natürlich praktisch schlägst :-) ) für die derzeitige Situation uneingeschränkt zu und bin für die Zukunft etwas anderer Ansicht (entsprechend Evils Schweinezyklusthese ;-) )... die Benzos (und vor allem ihr Rezeptor) dürften in der Schmerztherapie in den nächsten 10 Jahren noch für einige sehr positive Überraschungen gut sein. :-) Dass diese Zukunftsperspektive nicht allszuviel mit der aktuellen Diskussion zu tun hat, ist aber auch klar.
Die Niere
28.03.2011, 12:28
Wie sieht es denn mit Lyrica, Saroten und Co. aus? Die haben weiterhin ihren Platz in der Behandlung chronischer Schmerzen, nehme ich an, oder?
lg, n
Wie sieht es denn mit Lyrica, Saroten und Co. aus? Die haben weiterhin ihren Platz in der Behandlung chronischer Schmerzen, nehme ich an, oder?
lg, n
Durchaus. Wohingegen diese neue Erfindung von Grünenthal m.E. weitaus überschätzt wird. Und in Bälde wird auch das Patent für Pregabalin auslaufen, so dass dann auch mit deutlich geringeren Tagestherapiekosten zu rechnen ist. Amitriptylin hat nach wie vor seinen Stellenwert bei vorrangig Brennschmerzen, wohingegen hiervon differierende neuropathische Komponenten auch mit Duloxetin (z.B.) behandelt werden können.
Die Niere
28.03.2011, 13:21
Durchaus. Wohingegen diese neue Erfindung von Grünenthal m.E. weitaus überschätzt wird. Keine Ahnung, welche du meinst? Lyrica? Saroten? Oder ein anderes?
Keine Ahnung, welche du meinst? Lyrica? Saroten? Oder ein anderes?
Tapentadol = Palexia. Weiß allerdings nicht, ob es in der Schweiz auch zugelassen ist...
Shakespeareslady
30.03.2011, 19:42
*handheb*
also bisher sind nach novalgineinnahme und auch nach ciprofloxacin knackige leukopenien bei mir entdeckt worden. wer weiß, wobei das noch passiert bei mir ;-D
mejakru30
01.04.2011, 06:10
Mal eine Frage- habe in der Praxis noch nie eine medikamenteninduzierte Neutropenie (also außer Chemo) gesehen- würde man G- CSF geben? Habe ich bisher nicht gelesen (oder nur übersehen hier?)...
Relaxometrie
05.04.2011, 18:14
Oh, Mist!
Warum lag die Patientin eigentlich auf Intensiv? War die Leukopenie die alleinige Ursache? Oder gab's einen anderen Grund für den Intensivaufenthalt, und die Leukopenie kam noch dazu?
Nee, war die alleinige Ursache. Die Patientin hatte wohl einen Infekt im Halsbereich und wurde bei zunehmender Schwellung irgendwann intubiert. Den ganzen Überbklick habe ich nicht, aber sie war dann auch katecholaminpflichtig, SIRS oder Sepsis, was weiß ich, richtig fies alles. Kann ja mal gucken, was im "Entlassbrief" steht.
kurz mal den faden wiederbeleben...
gibt es eine studie, die belegt, dass novalgin p.o. (tropfen/tablette) nicht zu agranulozytosen führt...sondern nur die i.v.-gabe...
wollte mir grad der chef der viszeralchirurgie klar machen......?!?!?
gehe jetzt mal auf studiensuche...aber vielleicht weiß jemand von euch auch rat
Sunflower
23.10.2012, 15:52
Also ich kenne jetzt keine spezifischen Studien dazu (auch wenn es die bestimmt gibt), aber auch bei uns heißt es, dass das Risiko für eine Agranulozytose bei Novalgin iv höher ist als p.o. (unserem Chef ist es sogar lieber, dass wenn Novalgin iv gegeben werden soll, es in eine 500er Jono zu mischen als in eine 100ml-Jono-Kurzinfusion)
Unsere Internisten mögen Novalgin grundsätzlich nicht.
Wohingegen viele meiner Anästhesie-Kollegen (und mittlerweile auch ich) Novalgin eigentlich regelmäßig geben und verordnen (auch auf den chirurgischen Stationen ist es mit Standard-Bedarfsmedikation)
....btw ich habe letztens im Nachtdienst tatsächlich eine Patientin gehabt, wo ich zunächst kurz den V.a. auf Novalgin-induzierte Agranulozytose hatte (plötzlich post-op Leukos auf bis zu 1,5 × 109/l abgefallen, auch in der Kontrolle, beim Großen BB ca. 2h später war ich dann allerdings wieder beruhigt: Neutros eher leicht erhöht, und am nächsten morgen waren auch die Leukos wieder am ansteigen, trotzdem habe ich das Novalgin erstmal abgesetzt, bis die Leukos wieder im Normbereich sind)
kurz mal den faden wiederbeleben...
gibt es eine studie, die belegt, dass novalgin p.o. (tropfen/tablette) nicht zu agranulozytosen führt...sondern nur die i.v.-gabe...
wollte mir grad der chef der viszeralchirurgie klar machen......?!?!?
gehe jetzt mal auf studiensuche...aber vielleicht weiß jemand von euch auch rat
Mein letzter Stand von vergangenem Jahr (wobei ich jetzt seither auch die Entwicklung nicht aktiv verfolgt habe:
Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft teil mit: „Aus der UAW-Datenbank“ Agranulozytose nach Metamizol – sehr selten, aber häufiger als gedacht (http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/pdf.asp?id=102582).
Die Art der Applikation (intravenös oder oral) beeinflusst das Risiko [der Agranulozytose] vermutlich nicht.
blackcat86
26.10.2012, 22:32
Sähe man das nicht auch an einer Stomatitis, oder ist das eher nur theoretisch Symptom?
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