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Kackbratze
30.03.2011, 18:53
Gezielte Nasenmassage zur Unterstützung und Eröffnung des Tränenkanals kann da auch ganz unhomöopathisch helfen....aber das sage ich nur, weil ich Arzt bin.

Meuli
30.03.2011, 19:31
Gezielte Nasenmassage zur Unterstützung und Eröffnung des Tränenkanals kann da auch ganz unhomöopathisch helfen....aber das sage ich nur, weil ich Arzt bin.

Wie, Arzt, ich dachte, du wärst Unarzt :-wow:-))

Kackbratze
30.03.2011, 19:42
Deswegen die Muttermilch-freie Nasenmassage.

Skalpella
30.03.2011, 22:47
ich hatte vor einiger Zeit mal berichtet, daß einer meiner Söhne (11)Pfeiffersches Drüsenfieber hatte. Jetzt wollte ich mal berichten wie es ausgegangen ist.
Insgesamt hat er mit Ausnahme einiger Tage zweieinhalb Monate in der Schule gefehlt. Und das im bayr. Gym! Er war wochenlang blaß, schlapp, antriebslos, ja beinahe depressiv. Hinzu kamen noch schreckliche Magenkrämpfe, bei denen er vor Schmerzen fast schrie. Unsere Kinderärztin hatte kapituliert und meinte, EBV ist eben ein Virus, da könne man nichts machen und mir empfohlen, nach einem Heilpraktiker zu suchen.
Ich habe dann eine andere Kinderärztin gefunden, etwas weiter weg, die auch naturheilkundlich arbeitet. Die kam erst mal mit der Wünschelrute, ich nehme an zum kinesiologischen Austesten von Darmbakterien. Mein Sohnemann hatte Campylobacter und im Rachen Streptokokken. Seine Immunabwehr ist absolut abgeschmiert. Mit Homöopathie und einer Darmsanierung geht es ihm jetzt stetig besser. Jetzt soll er noch für 3 Monate bachblüten nehmen.
Körperlich ist er fast wieder ganz fit, aber in der Psyche hängt es noch, da ist er noch nicht sehr belastbar.
Die Infektion war Anfang Januar - schon wahnsinn, wie lange es dauern kann.

Anhand dieser Krankheit, die ja GsD nicht alle Tage vorkommt habe ich mal wieder gemerkt, daß all diese modernen chem. Arzneien ja vllt ganz toll sind, aber es auch Momente gibt, wo man sich lieber auf das naturheikundliche besinnt. In dem Moment, als die naturheikdl. KÄ ihn behandelte dachte ich, ja, so eine Ärztin will ich mal werden. Naja wir werden sehen.

Ich würde das schon gerne noch ein wenig aufdröseln: Wie genau hat die zweite Ärztin die Streptokokkeninfektion diagnostiziert? Doch nicht wirklich mit einer Wünschelrute:-notify(!?!) Hat die zweite Ärztin die Infektionen behandelt, und wenn ja, wie? Bei einer nachgewiesenen Streptokokkeninfektion kein Antibiotikum zu geben fände ich dann auch mutig. Wobei man sich da auch fragen kann, ob nicht die Schlappheit seit zwei Monaten von einer Endokarditis/Poststreptokokkenglomerulonephritis/... kommen könnte :-((

Und woher genau nimmt man jetzt, wo es langsam und schleppend ein wenig besser wird, die Überzeugung, dass das von den Homöopathika kommt und nicht einfach ganz normal das Überstehen einer ohnehin schon viel zu lang dauernden Erkrankung bedeutet? Und was an dem Krankheitsverlauf - seit dem Beginn der Behandlung bei der zweiten Ärztin spricht nun genau für die - ja, was eigentlich? Naturheilkunde?. . . Darmsanierung (wie!?!). . . Homöopathie? . . . Bachblüten?

Traverso
30.03.2011, 23:10
Die Streptokokken wurden per Rachenabstrich nachgewiesen.

Gegen die Campylobacter gabs Campylobacter-Nosode. Dann noch belladonna.
Die Streptokokken wurden nicht extra behandelt, sind aber jetzt weg.

Die Darmsanierung oder was auch immer machen wir mit Prosymbioflor und Symbioflor 1.

Ob die Besserung der Symptome nun aufgrund der "naturheilkundlichen" Mittel eingetreten ist oder einfach so kann ich natürlich nicht sagen. Ich "glaube" das nicht uneingeschränkt.
Wie schon gesagt, ich hatte das Gefühl noch was unternehmen zu müssen, damit es ihm besser geht. was jetzt der Fall ist, wenn er auch längst noch nicht ganz wieder hergestellt ist.

Was bedeutet das? Endokarditis/Poststreptokokkenglomerulonephritis

Wie behandelt ihr den EBV, wenn´s dem Kind 2 Monate schlecht geht?

Skalpella
30.03.2011, 23:23
Zu den Streptokokkenfolgeerkrankungen: http://de.wikipedia.org/wiki/Rheumatisches_Fieber

Zur Glomerulonephritis: http://de.wikipedia.org/wiki/Poststreptokokken-Glomerulonephritis

Zu: Campylobacter gabs Campylobacter-Nosode. Dann noch belladonna. -->:-keks

Behandeln kann man das Pfeiffersche Drüsenfieber nur symptomatisch und Behandeln von Sekundärinfektionen. Leider :-nix
PS: Homöopathie hat nichts mit Naturheilkunde zu tun!

GebratenerChampignon
31.03.2011, 09:40
:-heul

Hoffentlich verkommt dieser bislang so schöne und friedliche Thread nicht zu einem weiteren überflüssigen Esoterikthread.

Meintest Du mich ?

Traverso
31.03.2011, 09:42
Ich glaube, sie meinen mich...

GebratenerChampignon
31.03.2011, 09:44
Aber das gelbe Pfröpfchen sieht halt ned so schick aus, da will Mutti ja was machen :-keks

Stimmt Muriel, Mütter sind ja auch völlig dumme und inkompetente Personen, die ein kleines gelbes Pröpfchen nicht von einem völlig grün verklebtem Auge unterscheiden können, und selbstverständlich was dagegen machen müssen, weil das Grün als Farbe sich mit dem Rot des Stramplers beisst...

GebratenerChampignon
31.03.2011, 09:47
Aber wenns in Muttis Körper passiert, isses ganz doll besonders und meridiandurchflossen. :-)


Ich glaube ihr wisst genau wie ich das gemeint habe.. Aber immer schön sarkastisch bleiben, denn nur der eigene Standpunkt ist der richtige, alle anderen haben ja sowieso keine Ahnung...:-oopss

Traverso
31.03.2011, 09:52
Mal eine Frage an die Ärzte unter Euch: Glaubt ihr nur, was ihr sehen und beweisen könnt?

Trianna
31.03.2011, 11:44
Das ist aber glaube ich nicht so das Thema hier...

Ist ja schön, dass im Thread wieder was los ist, aber irgendwie dann doch zu sehr das falsche Thema...

Rico
31.03.2011, 13:47
Mal eine Frage an die Ärzte unter Euch: Glaubt ihr nur, was ihr sehen und beweisen könnt?Wenn ein Patient zu mir kommt, dann interessiert es nicht so was ich glaube, sondern was ich weiß.
Wenn ein Bauingenieur gefragt wird, ob ein Haus sicher ist, dann darf der auch nicht sagen: "Ha, ich denk schon, zumindest glaub ich ganz fest dran." Der muss sich hinsetzen mit seinem ingenieurstechnischen Handwerkszeug
messen, rechnen, prüfen bis er es sicher weiß.
Und genauso muss der Arzt seinem Patienten gegenüber vertreten können und begründen können was er da tut und auf welcher Basis. Deshalb bedarf es für die ärztliche Therapieentscheidung eine irgendwie geartete Validierung der Eignung eines Verfahrens. Und da haben sich halt Studien herausgemendelt, da sie die zahlreichen bekannten Beobachtungsfehler (z.B. Heilungserfolge werden eher besser erinnert, Misserfolge eher verdrängt, Placeboeffekt u.v.m.) am besten minimieren können.
Und wenn ich als Arzt irgendein Verfahren oder ein Medikament einsetzen soll, dann muss ich überzeugt werden, dass das was nutzt, denn ich muss es ja nachher schließlich dem Patienten gegenüber vertreten, der eine wirksame Therapie erwartet. Das nennt man Garantenstellung, die man als Arzt übernimmt, wenn man einen Patienten behandelt, dann kann der patient davon ausgehen, dass er nach bestem Wissen und Gewissen behandelt wird und nicht auf der Basis von Hörensagen oder irgendwelchen alternativen Vorstellungen von Ackerbau und Viehzucht.

Das führt beim gewissenhaften Arzt zu einer gewissen Skepsis was neue Verfahren angeht, denn diese müssen ersteinmal ihre Überlegenheit zur bisherigen Therapie beweisen (bzw. ihre Nicht-Unterlegenheit) und es führt auch zu einer primären Skepsis gegen alles, was sich einem Wirkusnachweis hartnäckig entzieht.
Wenn irgendein Therapieregime in seiner Effektivität nicht über die einer Prise Milchzucker oder eines Schlucks Wasser herauskommt, dann ist das einfach keine Basis aufgrund derer man sich hinstellen kann und dem Patienten sagen kann: "Nehmen Sie das, das hilft gegen ihre Beschwerden," denn spätestens wenn mal ein kritischer Patient nachfragt: "Wieso?" dann steht man nackig in den Möhren und kann dann was von: "Ich glaub da dran" oder "Da ist leider keine Wirkung nachgewiesen, aber da hab ich ganz gute Erfahrungen mit gemacht" konfabulieren - nicht gerade das was ich von nem Arzt hören wollte.
V.a. letzterer Satz ist IMHO ziemlich daneben, denn der impliziert ja, dass der Anwender um diese (gute) Erfahrung zu sammeln bei den Patienten Nummer 1 bis sagen wir mal 100 erstmal blind rumexperimentiert hat, denn da konnte er ja auch noch nicht wissen, ob er damit am Ende gute Erfahrungen machen würde. Ergo nutzt dieser Mensch (muss nicht zwingend ein Arzt sein, derartige "Erfahrung" sammeln ja auch alle anderen Heilberufe) offensichtlich seine Patienten als Versuchskaninchen für seine private Fortbildung - auch nicht so dolle. Zumal sich die Frage stellt was er dem Patienten Nummer 1 ehrlicherweise erzählt hat: "Ich hab keine Ahnung ob das hilft, ich probier das jetzt mal an Ihnen aus anstelle der üblichen Behandlung von der ich schon weiß, dass sie in der Regel wirkt." - spätestens jetzt würde ich als Patient aus der Praxis flüchten.

Also: Wer als Arzt seinen Patienten was sinnvolles und vertretbares anbieten will, der muss tatsächlich "wissen" was er da tut und wieso, sonst verliert er seine Glaubwürdigkeit.

Dazu gehört auch aufzuklären. Um nochmal die Analogie zum Bauingenieur zu ziehen: Wenn dessen Kunde glaubt, Sand sei ein super Fundament für ein Haus ("der is so harmonisch und anschmiegsam, nicht so hart und kalt wie Stein"), dann muss der ihm diesen Zahn ziehen und nicht einfach da ein Haus draufstellen und den Kunden da einziehen lassen.
Wer also mit irrigen Vorstellungen zur Medizin an einen Arzt herantritt, der muss damit rechnen, dass dieser versucht die gerade zu biegen.

So, ist jetzt etwas länger geworden, aber dann lohnt es sich wenigstens das in einen eigenen Thread auszulagern... :-)
Ich hoffe aber es ist einigermassen klar geworden wieso Glaube und Hoffnung alleine keine brauchbare Grundlage für eine vernünftige Behandlung sind.

Das zeigt auch, wieso Ärzte diesen "Erklär mir warum"-Reflex haben sobald ihnen einer was erzählt. Um mal (ohne Vorwurf) dieses Kaffeesatz-Beispiel aus dem "heisses Wasser"-Thread aufzugreifen: Hätte Champignon in ihrem Eingangspost da geschrieben, dass es (wie jetzt aus mehreren Folgeposts zu entnehmen war) um die Wärmewirkung geht und der Kaffeesatz gut die Wärme speichert, dann wäre höchstwahrscheinlich die nachfolgende Debatte ausgebleiben, weil das gut nachvollziehbar ist. So war da eben - plakativ ausgedrückt - eine Schippe Kaffeesatz ohne weitere Kommentierung in den Raum geworfen, da muss man sich nicht wundern wenn das Fragen aufwirft.

Keenacat
31.03.2011, 14:18
:-love
Rico, ich liebe dir.

Narcanti
31.03.2011, 15:49
Mal eine Frage an die Ärzte unter Euch: Glaubt ihr nur, was ihr sehen und beweisen könnt?

Bin zwar noch keine Ärztin, aber JA!!!
Ich finde es echt nicht verwunderlich, dass du in einem Medizinerforum wenige bis garkeine Ärzte/Studenten findest, die deine Meinung teilen.

Muttermilch ins Auge statt Antibiose... dann ist man auch ratzfatz bei Zitronensaft als OP-Desinfektion.

Und um "Back to topic" zu kommen: Der Thread ist immer so schön zu lesen, weil die Eltern alle so entspannt und normal (nicht esoterisch) posten. Ich hoffe das wird wieder ;-)

Trianna
31.03.2011, 16:00
Me too...

Sebastian1
31.03.2011, 16:23
Mal eine Frage an die Ärzte unter Euch: Glaubt ihr nur, was ihr sehen und beweisen könnt?

Selbstverständlich. Rico hat es auch sehr ausführlich und gut begründet.
Wobei ein Wirksamkeitsnachweis nicht zwangsläufig ein Verständnis der zugrundeliegenden Prozesse, die einer Methode zugrundeliegen, bedeuten muss (auch, wenn das idealerweise so ist), sich aber im Vergleich zu etablierten Therapien oder "nix tun" als besser erweist. Homöopathie zum Beispiel ist einen solchen Beweis bis heute schuldig geblieben und daher meiner Meinung als obsolet zu betrachten. Die Anwendung ist nur noch Geldschneiderei.

mejakru30
31.03.2011, 17:31
Also so esoterisch ist doch Muttermilch ins Auge gar nicht (ich wusste es nicht, wäre wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen), aber es ist doch im Grunde genommen schlau- volle Antikörper- Power der Mama! Und ich denke, man kann es die Leute ruhig probieren lassen (bis auf genannte Achtung- Infekte wie Chlamydien etc), und wenns sich nicht bessert dann AT hinterher. Warum nicht?

Bachblüten und Co halte ich für ungefährlich- aber für nicht- wirksam und Geldmacherei. EBV ist ein fieses Stück und man kann leider gar nichts machen ausser Aussitzen und das drumherum im Blick behalten (Co- Infektionen, weil EBV ja die B- Zellen infiziert). Und Streptokokken sollte man noch am ehesten bei Kindern behandeln- elendige mögliche Spätfolgen! Da hat die KÄ dann doch eher bisschen kurzsichtig gehandelt....

ehemalige Userin 24092013
31.03.2011, 18:13
Ich muss immer wieder an den alternativmedizinischen Unterricht in der KP Ausbildung denken:
die Schnalle kam an und faselte was von Bachblüten, die würden soooo gut helfen und wären das Beste, weil sie enthalten INFORMATION (Erklärung der Wirkungsweise in einem Wort). Ja was denn für Information??? Information eben!

Wie kann man eigentlich so umnebelt sein und dann glauben, dass es wirkt? Wie kann man mit einer solchen Antwort schon zufrieden sein?

Als recht interessierter Mensch hab ich schon einiges mal ausprobiert: Bachblüten - v.a. Notfalltröpfchen und meine Schlussfolgerung: im Notfall n Gläschen Schnappes und es wirkt defintiv - nicht aber die Bachblüten.
Osteopathie - zugegeben mein persönlicher Tiefpunkt im Austesten alternativmedizinischer Methoden: offenbar ist bei mir alles verschoben, vor allem aber mein Konto nach nur einer Behandlung, der Kerl hat mich nie mehr gesehen und selbst bei Ostheopathen in Spe bekomm ich schon Plaque.
Akkupunktur: ja, das ist bei wirklich häufigem Kopfschmerz ziemlich cool.:-top
Akkupressur: ebenso.
Schiatsu und Fussreflexzonenmassage: naja, die Behandlung als solches ist sehr angenehm und trägt zur allgemeinen Entspannung bei - wie auch Saunagänge, ein heisses Bad, die Kuscheltour mit dem Partner / der Partnerin....und das ist der Punkt:
Zeugs, was man selbst als angenehm empfindet, das hinterlässt ein wunderbares Gefühl - vielleicht sogar sooo wunderbar, dass die sonstigen Wehwehchen eine zeitlang mal ganz hinten anstehen.


Wenn ich aber Zeugs lese wie: Wünschelrute, Muttermilch ins Auge, Arnikakugeln (zur Prämedikation z.B.) da wird mir irgendwie komisch.
Der liebe Gott hat den Muttermilchprozess zur Säuglingsernährung erfunden - im Tiereich spritz die Kuh doch auch keine Muttermilch ins Auge vom Kalb.
Was kommt als nächstes? Tägliches Einreiben mit Vaginalsekret gegen "Milchschorf"???
Wünschelruten für alle anstelle von CT, MRT, Labor und Co?

Evil
31.03.2011, 18:19
Die Streptokokken wurden per Rachenabstrich nachgewiesen.
Wurde eine Besiedelung oder eine Infektion nachgewiesen?
Eine reine Bedieselung mit vergrünenden Streptokokken ist mitnichten behandlungsbedürftig.


Das führt beim gewissenhaften Arzt zu einer gewissen Skepsis was neue Verfahren angeht, denn diese müssen ersteinmal ihre Überlegenheit zur bisherigen Therapie beweisen (bzw. ihre Nicht-Unterlegenheit) und es führt auch zu einer primären Skepsis gegen alles, was sich einem Wirkusnachweis hartnäckig entzieht.
Wenn irgendein Therapieregime in seiner Effektivität nicht über die einer Prise Milchzucker oder eines Schlucks Wasser herauskommt, dann ist das einfach keine Basis aufgrund derer man sich hinstellen kann und dem Patienten sagen kann: "Nehmen Sie das, das hilft gegen ihre Beschwerden," denn spätestens wenn mal ein kritischer Patient nachfragt: "Wieso?" dann steht man nackig in den Möhren und kann dann was von: "Ich glaub da dran" oder "Da ist leider keine Wirkung nachgewiesen, aber da hab ich ganz gute Erfahrungen mit gemacht" konfabulieren - nicht gerade das was ich von nem Arzt hören wollte.
V.a. letzterer Satz ist IMHO ziemlich daneben, denn der impliziert ja, dass der Anwender um diese (gute) Erfahrung zu sammeln bei den Patienten Nummer 1 bis sagen wir mal 100 erstmal blind rumexperimentiert hat, denn da konnte er ja auch noch nicht wissen, ob er damit am Ende gute Erfahrungen machen würde. Ergo nutzt dieser Mensch (muss nicht zwingend ein Arzt sein, derartige "Erfahrung" sammeln ja auch alle anderen Heilberufe) offensichtlich seine Patienten als Versuchskaninchen für seine private Fortbildung - auch nicht so dolle. Zumal sich die Frage stellt was er dem Patienten Nummer 1 ehrlicherweise erzählt hat: "Ich hab keine Ahnung ob das hilft, ich probier das jetzt mal an Ihnen aus anstelle der üblichen Behandlung von der ich schon weiß, dass sie in der Regel wirkt." - spätestens jetzt würde ich als Patient aus der Praxis flüchten.
Da gibt es allerdings eine gewisse Einschränkung im niedergelassenen allgemeinmedizinischen Bereich.
Im Gegensatz zu Ärzten, die im Krankhaus tätig oder als Fachärzte niedergelassen sind, behandelt der Gemeine Niedergelassene schätzungsweise zur Hälfte gar keine Krankheiten, sondern Befindlichkeitsstörungen. Sehr viele Patienten kommen mit einer Erkältung oder "weil sie sich irgendwie schlapp fühlen" oder weil "sie da an der Seite so ein ziehen haben". Der gewissenhafte Arzt macht natürlich Diagnostik, stellt aber recht schnell fest, daß gar keine Erkrankung im eigentlichen Sinne vorliegt, sondern Verspannungen, falsche Ernährung o.ä. Viele wollen auch einfach mal nur jemanden zum Zuhören.

Einige sind dann zufrieden, wenn sie wissen, daß da nix Ernstes ist, sehr viele haben aber eine ziemliche Erwartungshaltung; sie fühlen sich ja nicht gut, und dann muß da selbstverständlich was gemacht werden. Lebensstiländerungen sind nicht sehr populär, und wenn man sich noch so sehr den Mund fusselig redet.
Und an dem Punkt kommt der Alternativmedizinische Kram ins Spiel: die Leute werden betüdelt, haben das Gefühl, daß Ihnen geholfen wird, und gut ist.
Als Behandlungsmethode der Wahl bieten sich in diesem Fall natürlich Hausmittelchen und Placebos an, dummerweise durchschauen das mittlerweile viele, insbesondere so Müsli-Terroristen, die fanatisch auf Hömmopathie schwören. Und die rennen von Therapeut zu Therapeut, bis sie einen finden, der Ihnen das gibt, was sie möchten.


Im Übrigen glaube ich nicht nur das, was sicht- und beweisbar ist, sondern bin im Gegenteil sogar neugierig und probiere gerne Dinge aus. Aber nicht am Patienten.
Der bekommt das, wovon ein Nutzen belegt ist, alles andere ist unredlich.