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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nachwuchsmangel in der Augenheilkunde?



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Thomas24
21.04.2011, 06:29
42h? Eher irgendwo zwischen 42 und 54h/W... opt out lässt grüssen...

@Kyutrexx hast bestimmt Zahlen einer operativen Praxis bzw. einer konservativen Praxis mit IGEL (HRT, OCT etc.) und angemessenen P- Anteil (> 10%) gesehen- der rein konservative Kollege draussen ohne die finanziellen Mittel, sich Pentacam und co zu kaufen hat es schwer.

In der Gegend, wo ich tätig bin haben 27 (!) niedergelassene Kollegen ihren KV Sitz an eine operative Großpraxis (!!) verkauft und sich dann auf ihren alten Kassensitz als Angestellte in ihrer ehemaligen Praxis wieder anstellen lassen. (Diese Großpraxis haben diese KV Sitze dann als Zuweiser für ihre ambulanten Ops benutzt...hony soit...).

Wie gesagt: zwei Klassensystem- Ophthalmochirurgen (gute bis ordentliche Perspektive) vs. rein konservative Ophthalmologen (eher maue Niederlassungsperspektive)

Evil
21.04.2011, 11:19
Achja, wie wie oft genau hast du schon Abrechnungen (nach aktueller) Gesetzlage für eine oder mehrere Praxen gemacht?
Zuletzt vor 3 Wochen zum Ende des letzten Quartals in der Praxis, wo ich arbeite :-))

Abgesehen davon ist, wie Funkel schon schrieb, die Sache mit den Gerätschaften und die Erstattung durch die KK, bzw. eher durch die KV als Verhandlungspartner bei abgeschriebenen Geräten ein Witz, das kannst Du schonmal vergessen. Die Studien und Arzneimittelbeobachtungen kannst Du ebenfalls nur unter "ferner liefen" buchen, das sind auch bloß wenige.
Und zu den DMP: wenn wir mal als Beispiel die Glaukomvorsorge nehmen, so ist die Diagnosestellung, i.e. die Druckmessung zunächst mal IGeL-Leistung. Erst wenn die Diagnose gesichert ist, kannst Du das abrechnen, und da beißt sich natürlich die Katze in den Schwanz, wenn das Screening nicht übernommen wird.

Nimm es mir nicht übel, aber eine Steuerfachausbildung und ein vorklinisches Medizinstudium rechtfertigen nicht Deinen herablassenden Tonfall, vor allem dann nicht, wenn Du nicht in der Lage bist, zwischen konservativen Ophthalmologen mit schlechtem Verdienst und operativ tätigen Augenärzten mit teilweise hervorragendem Puls zu differenzieren.

Feuerblick
21.04.2011, 11:35
42h? Eher irgendwo zwischen 42 und 54h/W... opt out lässt grüssen...
Nun... als Facharzt wäre das nun wieder Verhandlungssache :-))

Muriel
21.04.2011, 13:14
Unsere Praxis (3 Sitze, 4 Ärzte) kam bis zur rückwirkenden (!) Kürzung des RLV um ca. 20% letztes Jahr nach Zahlung aller Fixkosten bei Null aus, wenn man nur das betrachtet, was GKV-Leistung/Bezahlung angeht. Bis dahin hatten die Teilhaber noch nicht einen Cent verdient. Der Verdienst kommt durch den bei uns wirklich hoch liegenden P-Anteil, IGeL und OPs. Scheine pro Quartal ca 4500, bezahlt nach "normalem" Satz 4100, Patientenkontakte 8000. Noch Fragen?

Feuerblick
21.04.2011, 13:16
Aber Muri... du hast doch gelesen, dass man als niedergelassener Augenarzt immer total viel Geld verdienen kann... Irgendwas macht ihr falsch ;-)

Muriel
21.04.2011, 13:18
Japp, machen wir. Ich mache sogar noch mehr falsch, wenn ich das zweite N3-Rezept über Taflotan und co ausstelle, weil die 85jährige Oma das mit dem Tropfen nicht mehr hinbekommt. Es gibt durchaus Kollegen, die dann ein blaues/grünes Rezept zücken und nicht das rote.

Feuerblick
21.04.2011, 13:34
Gewissen und guter Verdienst schließen einander mehr oder weniger aus :knuddel:

zweistein
22.04.2011, 11:53
Ich weiß zwar nicht, ob das hier so richtig passt, aber ich versuchs trotzdem mal: Eine Freundin erzählte mir neulich, sie sei mit ihrer ca. 80jährigen Mutter beim Optiker gewesen, weil diese nicht mehr gut sehen könne und wohl eine neue Brille brauche. Der Optiker habe allerdings nach der Reafraktion gesagt, sie solle mal zum Augenarzt gehen. Eine Begründung ("Verdachtsdiagnose") dafür habe er nicht genannt.

Die Freundin hat dann in einer unserer örtlichen Augenarztpraxen einen ziemlich kurzfristigen Termin bekommen und ist mit ihrer Mutter hingegangen.
Am Ablauf des .Besuchs in der Praxis kann ich mir einiges nicht erklären: Die Freundin sagt, die Arztherferin an der Rezeption habe ihrer Mutter (Kassenpatientin) sofort ein Informationsblatt über IGeL vorgelegt und es unterschreiben lassen. Danach habe eine Helferin einige Geräteuntersuchungen gemacht. Die Freundin kann nicht sagen, welche Untersuchungen es waren. Später seien sie und ihre Mutter noch im Sprechzimmer gewesen, wo die Mutter noch kurz vom Augenarzt untersucht worden sei.

Ergebnis: Ihre Mutter müsse an den Augen operiert werden. Die OP solle in ein paar Monaten stattfinde. Um welche OP es geht, konnte mir die Freundin nicht sagen. Die Mutter habe den nächsten Termin in dieser Praxis in drei Monaten; da sollte sie erst mal gründlich untersucht und später operiert werden.

Und nun zu den Dingen, die ich daran nicht verstehe:

Die Freundin sagt, nur durch die Untersuchungen, die die Mutter selbst bezahlt hätte, habe man feststellen können, dass ihre Mutter operiert werden müsse. Mit den Untersuchungen auf Kassenkosten hätte diese Diagnose nicht gestellt werden können. Das würde IMHO doch für einen Glaukom-IGeL sprechen. Dann wäre mir allerdings nicht klar, welche OP bei der Mutter geplant ist. Ich weiß schon, dass man auch beim Glaukom operieren kann. Aber trotzden: :-nix
Ich hätte eher auf eine Katarakt-OP getippt, weil der Arzt, in dessen Praxis sie war, solche OPs häufig macht. Eine Katarakt hätte man inho aber auch mit einer Spaltlampenuntersuchung, also ohne IGeL finden müssen. :-nix

Und nun meine grundsätzliche Frage hierzu:

Ein 80jährige Patientin geht in Begleitung ihrer Tochter zum Augenarzt, weil sie nur noch sehr schlecht sieht und der Optiker nicht helfen konnte. Ist es wirklich üblich, einer solchen Patintin ein IGeL-Paket zu verkaufen, noch bevor sie den Arzt gesehen hat und ihre Beschwerden schildern konnte, also vor der Anamnese? Wären denn in einem solchen Fall die zur Glaukom- und Kataraktdiagnostik nötigen Untersuchungen (Spaltlampenuntersuchung, Tonometrie, Untersuchung des Hintergrunds, Perimetrie und was weiß ich sonst noch) nicht als Kassenleistung möglich?

p. s.: Es mag merkwürdig klingen, dass die Freundin so wenig Fakten über die Diagnostik und das Ergebnis dieses Arztbesuchs nennen konnte. Um falschen Vermutungen vorzubeugen: Dass sie so schlecht informiert zurück kam, liegt sicher nicht an mangelnder Intelligenz. Sie ist eine freiberuflich tätige Akademikerin und wäre auch ohne ein Medizinstudium absolviert zu haben in der Lage, zwischen Glaukom und Katarakt zu unterscheiden. Über das Geld, das ihre Mutter für die IGeL zahlen musste, bevor sie den Arzt zu sehen bekam, hat sie sich nicht gewundert, weil sie (also die Freundin) in der PKV ist und sich mit den Grenzen zwischen Kassen- und Selbstzahlerleistungen nicht auskennt.

Feuerblick
22.04.2011, 11:59
Sorry, aber mit den paar Angaben kann kein Mensch etwas anfangen.
Ja, es ist meines Wissens üblich, Glaukom-Igel schon vor Arztkontakt (zumindest bei Menschen eines bestimmten Alters) anzubieten und bei einer 80jährigen mit akuten Visusproblemen ganz sicher auch nicht völlig daneben.
Die Tatsache, dass die OP in einer Praxis stattfinden soll und ein genauerer Untersuchungstermin vereinbart wurde, spricht für eine Katarakt-Operation. Aber was nun genau da gemacht wurde, sollten Patientin und die anwesende Angehörige wissen... und hätten sie den Arzt fragen MÜSSEN! :-nix

zweistein
22.04.2011, 12:09
Ja, es ist meines Wissens üblich, Glaukom-Igel schon vor Arztkontakt (zumindest bei Menschen eines bestimmten Alters) anzubieten und bei einer 80jährigen mit akuten Visusproblemen ganz sicher auch nicht völlig daneben.
Ich dachte eben, bei einer Patientin, die so schlecht sieht, dass sie nur noch in Begleitung einen Augenarzt aufsuchen kann, wären Glaukom- und Kataraktdiagnostik Kassenleistungen. :-nix
Die Tatsache, dass die OP in einer Praxis stattfinden soll und ein genauerer Untersuchungstermin vereinbart wurde, spricht für eine Katarakt-Operation. Das habe ich auch vermutet. Aber eine Katarakt ist doch mit einer Spaltlampenuntersuchung zu diagnostizieren, also auch ohne IGeL. :-nix

Feuerblick
22.04.2011, 12:11
Glaukom-Screening ist keine Kassenleistung. :-nix

zweistein
22.04.2011, 12:13
Glaukom-Screening ist keine Kassenleistung. :-nix

Wenn der Patient Sehstörungen hat, als deren Ursache auch ein Glaukom in Frage käme, ist es aber imho kein screening mehr.

Feuerblick
22.04.2011, 12:22
Da Sehstörungen multiple Ursachen haben können und ein Glaukom erst im sehr fortgeschrittenen Stadium ebensolche macht, ist es immer noch ein Screening. Andere Ursachen sind da wahrscheinlicher...

zweistein
22.04.2011, 12:29
Da Sehstörungen multiple Ursachen haben können und ein Glaukom erst im sehr fortgeschrittenen Stadium ebensolche macht, ist es immer noch ein Screening. Andere Ursachen sind da wahrscheinlicher...

Mi dieser Begründung könnte man nahezu jedem Patienten, der eine Augenarztpraxis aufsucht, noch vor dem Arztkontakt einen Glaukom-IGeL verkaufen. Auf diese Weise könnte man bei nahezu jedem Kassenpatienten zusätzlich zu den ca. 17 Euro GKV-"Quartalspauschale" noch ca. 50 (?) Euro für IGeL ansetzen.

Rennschildkröte
22.04.2011, 12:35
C'est ça.

Feuerblick
22.04.2011, 12:35
Ab einem gewissen Alter ist bei jedem Patienten ein Glaukom-Screening SINNVOLL - eben WEIL es in der Regel keine fassbaren Symptome macht! Dass die Kassen das nicht mehr bezahlen, dürfte kaum Schuld der Augenärzte sein :-nix

zweistein
22.04.2011, 12:43
Ab einem gewissen Alter ist bei jedem Patienten ein Glaukom-Screening SINNVOLL - eben WEIL es in der Regel keine fassbaren Symptome macht!

Na ja, wenn ein Patient kaum noch sieht und ihm mit einer (neuen) Brille nicht geholfen
werden kann, hat er fassbare Symptome, für ich mir als Ursache unter anderem sowohl eine Linsentrübung (=>Katarakt), als auch Gesichtsfeldausfälle (=> z. B. Glaukom) vorstellen kann und die entsprechende Diagnostik durchführen würde. Aber ich bin ja kein Augenarzt, sondern nur nur ein doofer Physiker.


C'est ça.:-wow:-peng

Feuerblick
22.04.2011, 13:01
Nun... so einfach ist es eben nicht. Die wahrscheinlichste Ursache bei alten Menschen mit Sehverschlechterung ist Katarakt, eine Makuladegeneration oder irgendwelche Gefäßverschlüsse unterschiedlicher Ursache. Dass nebenher ein Glaukom vorhanden sein könnte (btw: Gesichtsfeldausfälle werden dabei in der Regel genauso spät bemerkt wie eine Sehverschlechterung... schon alleine deshalb gehört es nicht zur normalen Abklärung einer Sehverschlechterung!!), sollte man bedenken. Es wäre übrigens überhaupt kein Problem gewesen, die Igel-Leistung abzulehnen und erst mal den Arzt untersuchen lassen. Hätte er die wahrscheinlichen Ursachen abgehakt, hätte man vielleicht bei der vorliegenden Symptomatik gar kein Glaukom-Screening gebraucht. Dass es bei über 40jährigen sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt - aber es ist und bleibt ein Screening.
Wäre die Patientin mit schmerzhaftem rotem Auge ohne vorheriges Trauma, Übelkeit und Erbrechen aufgeschlagen, wäre die Augendruckmessung Kassenleistung gewesen. Denn dann wäre die Verdachtsdiagnose "Glaukomanfall" gewesen. :-nix

zweistein
22.04.2011, 14:22
Ich will die Geschichte nicht weiter verfolgen. Nur eines fällt mir dazu gerade noch ein:

Die wahrscheinlichste Ursache bei alten Menschen mit Sehverschlechterung ist Katarakt, eine Makuladegeneration oder irgendwelche Gefäßverschlüsse unterschiedlicher Ursache. Dass nebenher ein Glaukom vorhanden sein könnte (btw: Gesichtsfeldausfälle werden dabei in der Regel genauso spät bemerkt wie eine Sehverschlechterung... schon alleine deshalb gehört es nicht zur normalen Abklärung einer Sehverschlechterung!!), sollte man bedenken.
[....] Hätte er die wahrscheinlichen Ursachen abgehakt, hätte man vielleicht bei der vorliegenden Symptomatik gar kein Glaukom-Screening gebraucht.
Das wäre also das bewährte Medizinerprinzip: Wenn Du Hufgetrappel hörst, denke an ein Pferd und nicht an ein Zebra.
Die Suche nach dem Zebra - also die Glaukomdiagnostik - sollte in einem solchen Fall also erst durchgeführt werden, wenn man beim Suchen nach dem Pferd nicht fündig geworden ist.
Angenommen, die Suche nach den in einem solchen Fall gängigen Pferederassen wie Katarakt, Makuladegeneration, Gefäßverschlüssen, .... hätte keinen pathologischen Befund ergeben, hätte die anschließende Suche nach dem Zebra imho als Kassenleistung durchgeführt werden müssen. :-nix

Es wäre übrigens überhaupt kein Problem gewesen, die Igel-Leistung abzulehnen und erst mal den Arzt untersuchen lassen.
Die meisten alten Menschen in einer solchen Situation würden das vermutlich nicht machen und die Tochter möchte sich auch nicht vorwerfen lassen, sie habe ihrer Mutter dringend nötige Untersuchungen vorenthalten.

Feuerblick
22.04.2011, 14:30
*seufz* Du machst es dir zu einfach. Beim Ausschluss der Pferde hätte man einen Blick auf den Sehnerv der Patientin geworfen. HÄTTE man dabei Auffälligkeiten gefunden, HÄTTE man den Augendruck gemessen. Brauchte man aber anscheinend nicht. Also hätte die Patientin ohne Glaukomscreening die Praxis verlassen, man hätte ein Glaukom möglicherweise übersehen und die Angehörigen hätten in ein paar Jahren gemeckert, warum man das nicht diagnostiziert hat. Nun war es aber nicht so und daher war das Glaukom-Screening trotzdem nicht unsinnig und nicht unberechtigt!!! Insofern gute Entscheidung von Mutter und Tochter, diese Untersuchung machen zu lassen.
Ich kann übrigens nicht sagen, ob bei bestehendem Glaukomverdacht die Untersuchung nicht letztlich doch zur Kassenleistung geworden wäre. Müsstest du mal die Niedergelassenen fragen, da kenne ich mich noch zu wenig aus...
Beschwer dich bei den zuständigen Krankenkassen bzw. denen, die solche Schwachsinnsregeln festlegen und nicht bei den Ärzten, die zum einen leben wollen und zum anderen ihren Patienten wichtige Untersuchungen nicht vorenthalten wollen.
Und was alte Leute angeht: Es gibt da zwei Sorten... die eine Sorte sagt sogar bei Operationsentscheidungen "Will ich gar nicht wissen, ihr seid die Ärzte, ich mach und zahl alles, was ihr wollt" und die anderen hinterfragen alles und hätten glatt den Igel abgelehnt...

So, und nachdem es hier ja nicht um Fachliches gehen sollte (ich mich aber schon wieder habe hinreißen lassen, einen Nebenschauplatz zu bespielen), bitte ich wieder zurück zum Thema "Nachwuchsmangel"

Danke!