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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verschreibungspflichtig: Sinn und Zweck



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Evil
09.08.2011, 16:22
Wohl nicht viel mehr als es Leute gibt, die sich auch Straßendrogen spritzen. [...]Bei soetwas sagt mir doch schon der gesunde Menschenverstand, dass ich mir das nicht selbst zum Vergnügen reinjagen sollte.
Da irrst du Dich. Es gibt einen Haufen Leute, die sehr wohl davon ausgehen, daß frei verkäufliche substanzen "unschädlich" und verschreibungspflichtige oder gar illegale "gefährlich" sind.
Das ist zwar eine eigentlich unzulässige Verallgemeinerung, aber es erfüllt den beabsichtigten Zweck.
Abgesehen davon senken erhöhte Hürden ganz klar die Anwendungshäufigkeit.

ehem-user-02-08-2021-1033
09.08.2011, 16:23
Bei soetwas sagt mir doch schon der gesunde Menschenverstand, dass ich mir das nicht selbst zum Vergnügen reinjagen sollte. Bei Nebenwirkungen von Bradykardie zu Tachykardie und Apnoe wird doch schnell ersichtlich, dass man da lieber die Finger von lassen sollte.

Stimmt, gerade Apnoe hat bereits viele Heroinsüchtige von einem weiteren Konsum abgehalten.
*zynismus off*

Meuli
09.08.2011, 17:42
(kann mir aber auch nicht wirklich vorstellen, dass Propofol "Spass macht")

Hab gestern erst eine TIVA bei einer Patientin gemacht, die hinterher wissen wollte, was wir da für gutes Zeugs genommen haben, weil sie so schön geträumt hat :-))
Und was wir neuerdings bei unseren urologischen Pat. an Erektionen verursachen, an denen natürlich das Propofol schuld ist(lt. Urologen)^^, geht auch auf keine Kuhhaut :-D

Keenacat
09.08.2011, 21:04
Stimmt, gerade Apnoe hat bereits viele Heroinsüchtige von einem weiteren Konsum abgehalten.
*zynismus off*
Warum Zynismus? :-)) Ich finde, das triffts ziemlich gut.


(kann mir aber auch nicht wirklich vorstellen, dass Propofol "Spass macht") :-nix

Dann helf ich deinem mangelnden Vorstellungsvermögen mal auf die Sprünge: Tut es. Es wird einem kuschelig warm, alles ist schön und der Anästhesist ist einfach supernett. Danach schläft man dann richtig gut. Grüße vom anderen Ende der Nadel.

Kackbratze
09.08.2011, 21:49
Probier es doch, wie die anderen Sachen, einfach mal selber aus!
Liegt doch eh in der Verantwortung des Einzelnen sowas zu nehmen.
Die Kosten der Allgemeinheit durch den Notarzteinsatz sind doch ein Klaks im Vergleich!

Sebastian1
09.08.2011, 22:34
Der spart dann aber ja das Propofol zur Intubation :-))

Kackbratze
09.08.2011, 22:49
Allein der Strom für den Defi oder die Benzin- und CO²-Kosten für die Anfahrt sind doch schon ein GAU für das Klima.

Alcumotativ
09.08.2011, 23:06
Das meine ich ja: so verantwortungslos ist doch niemand.

Oder sehe ich das einfach zu naiv? :-notify

Vielleicht ist Propofol auch nur ein schlechtes Beispiel. ACE-Hemmer sind wohl passender, da sich hier das Missbrauchspotential deutlich mehr in Grenzen hält.

Scenario: Ich fahre eine Woche nach Hause, habe aber die Tabletten in meiner Bude vergessen. Wenn diese nun frei verkäuflich wären, könnte ich mir schnell und unkompliziert eine N1'er Packung besorgen und das Problem vergessen. So muss ich mir nun einen anderen Arzt aufsuchen, Termin machen, alles erklären, Rezept bekommen, dann zur Apotheke, etc... Die ganze Lauferei ist doch unnötig, da wohl niemand aus kompletter Eigeninitiative solch ein Medikament nehmen würde.

Distress Misstress
09.08.2011, 23:10
Vorab eine Entschuldigung für diesen vollkommen überflüssigen Beitrag, aber:

Ich liebe dieses Forum einfach. [-::-]:-))

PS: Propofol macht vor allem der Belegschaft Spaß. Wer hört sich nicht gern die Sexträume des Patienten und die Details zum schmutzigen Parkplatz-Nümmerchen mit dem Chirurgen an, wenn der Patient gerade aufwacht? (Der rauchende Patient stand jeden Morgen pünktlich am Parkplatz für die Ziese, als der Chirurg angefahren kam). :-)

Sebastian1
09.08.2011, 23:45
Das meine ich ja: so verantwortungslos ist doch niemand.

Oder sehe ich das einfach zu naiv? :-notify


ad 1. doch
ad 2. ja

Die Leute werfen sich absichtlich/aus Versehen/aus Dummheit/aus Fehlinformiertheit/aus Unkenntnis/in Verkennung der Interaktionen alles Mögliche ein. Das geht vom polytoxikomanen Bahnhofsjunkie bis zur lieben alten Dame....
Und ich will den Laien sehen, der seine banalen Infektionserkrankungen adäquat antibiotisch therapiert (oder eben auch nicht).

Wie hier schon mehrfachst festgestellt wurde:
Die Verschreibungspflichtigkeit ist dringend notwendig. Ich würde sogar noch deutlich mehr Medikamente rezeptpflictig machen.

Rico
10.08.2011, 08:26
Außerdem fehlt den meisten Leuten schlichtweg das Verständnis dafür was die Tabletten da tun.
Erst am Wochenende erlebt: Patient mit jahrelanger dreifacher antihypertensiver Mediaktion. Vor Jahren hatte man mal die Medis in einer anderen Klinik versucht umzustellen, da war dem Patienten schwindlich geworden, woraufhin der Hausarzt die alte Kombi wieder angesetzt hatte, womit der Patient gut gefahren war.
Jetzt bei mir stationär mit prärenalem Nierenversagen, unter dieser Kombi Blutdruck 90/60, Patient leicht schwindlich, ich pausiere die Medis.
Was macht der Patient? Weil es ihm ja damals mal schwindlich war, als er seine erprobte Kombi nicht genommen hatte wird sich jetzt das Problem lösen lassen indem er seine Medis selber aus dem Nachtkästchen nimmt.
Resultat: Blutdruck 70/40. :-wand Das prärenale Nierenversagen wird so auch nicht besser... :-nix

Das mag man sich gar nicht ausmalen, was da loswäre wenn diese Medis auch noch frei zugänglich wären....

epeline
10.08.2011, 09:11
Das mag man sich gar nicht ausmalen, was da loswäre wenn diese Medis auch noch frei zugänglich wären....

Selektion......

Jemine
10.08.2011, 09:48
:-)) langsam finde ich die Diskussion irgendwie albern, der Threadsteller scheint ja ziemlich beratungsresistent.
Das wird sicherlich ein Spaß, wenn er mal seine Approbation hat und sich selber alles besorgen und ausprobieren kann :-oopss

emergency doc
10.08.2011, 10:06
Knieschmerzen: das verschriebene Metamizol wirklich mal nehmen.

YMMD... SO läuft es nämlich leider wirklich oft. Ich weiss gar nicht mehr, wie viele Patienten mit XYZ-Beschwerden ich in der Ambulanz gesehen habe, die mit drei verschiedenen Medikamenten von 4 verschiedenen Ärzten kamen, die sie aber noch nicht genommen hatten, und jetzt von uns Hilfe wollten, weil es ja noch nicht besser sei.
Reihe Dich bitte ein bei den dümmsten anzunehmenden Patienten...
:-wand

Alcumotativ
10.08.2011, 12:04
Ok - ich sehe so langsam ein was ihr meint: wenn alles frei zugänglich wäre, würden Leute z.B. gegen Kopfschmerzen bald Oxycodon nehmen. Leute würden wohl immer häufiger versuchen alles selbst medikamentös zu behandeln, und dann den Arzt aufsuchen, wenn sie die Nebenwirkungen von den Socken hauen. Dass man das unterbinden sollte, verstehe ich.

@emergency doc: das klingt doch irgendwo sehr nach einem Dammbruchargument: DAP wegen solch einer Kleinigkeit? :-keks

Muriel
10.08.2011, 12:51
Kleinigkeit, is klar... Wenn drei Ärzte hintereinander aufgesucht werden, keine der jeweils ausgesprochenen/verschriebenen Therapieempfehlungen durchgeführt wurden und sich dann noch gewundert resp. beschwert wird, dass ja noch gar nix besser ist, sorry, dann ist man ganz oben auf dem DAP-Siegertreppchen und dazu noch auf dem der Dreistigkeit.

Alcumotativ
10.08.2011, 13:00
War auf "Reihe Dich bitte ein bei den dümmsten anzunehmenden Patienten..." bezogen. Ich hatte das als Kritik an dem Metamizol-Kommentar aufgefasst. Bei denen die noch zu anderen Ärzten rennen und dann meckern, dass nichts besser wird, stimme ich zu: DAP magna cum laude.

Markus-HEX
10.08.2011, 17:43
Hier mal ein Beispiel aus dem Ausland http://pharmama.ch/2011/05/24/wie-wurdet-ihr-entscheiden/ In der Schweiz dürfen Apotheker in besonderen Fällen auch Rp-Pflichtige Medikamente abgeben - sowas wäre sicherlich hierzulande auch noch manchmal eine Ergänzung zum Gang über den Arzt, allerdings ein Befreien eines Großteiles der Medikamente aus der Rezeptpflicht halte ich für kaum sinnvoll...

Jemine
10.08.2011, 18:17
Ok - ich sehe so langsam ein was ihr meint: wenn alles frei zugänglich wäre, würden Leute z.B. gegen Kopfschmerzen bald Oxycodon nehmen. Leute würden wohl immer häufiger versuchen alles selbst medikamentös zu behandeln, und dann den Arzt aufsuchen, wenn sie die Nebenwirkungen von den Socken hauen. Dass man das unterbinden sollte, verstehe ich.


Da hast du aber ganz schön lange für gebraucht :-wow

pillchen
10.08.2011, 18:54
sowas wäre sicherlich hierzulande auch noch manchmal eine Ergänzung zum Gang über den Arzt, allerdings ein Befreien eines Großteiles der Medikamente aus der Rezeptpflicht halte ich für kaum sinnvoll...

Moin,

ich bin ja gewissermassen davon betroffen, stehe ich doch auf der anderen Seite am "Tresen"...

Für manches in der Verschreibungspflicht fehlt mir jedes Verständnis, hier insbesondere die Mengenkürzungen wegen vermeintlicher Arzneimittelsicherheit:
Schmerzmittel nur noch maximal 20 - 30 Tbl, keine 100er mehr...
Oder die Diskussion um's Paracetamol: letztes Jahr noch maximal 30, nun 20 und womöglich bald ganz Rp-pflichtig (was isoliert ja okay sein kann).
Aber doch nicht diese Aufforderung zum Mehrfachpackungskauf...

Kein Kunde versteht in D ernsthaft, daß bei exakter Einhaltung der AM-VV die tatsächliche 1x Abgabe von Paracetamol auf 20 Tbl beschränkt ist, also der Wunsch nach 2x / 3x usw. nicht beliefert werden darf...
Da geht man dann woanders hin... und kauft Packung 2 -- 3 -- usw...

Die unselige Aufhebung der Apothekenpflicht beim Novaminsulfon/Metamizol (1988) aufgrund eines Risikos bei ausschlieslich i.v. Anwendung kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen.
Speziell damals wurde der Selbstmedikation eine wirksame & oral angewandt, sichere Substanz, entzogen.

Die Reaktion auf diesen Mangel waren eine später erfolgende Einführung von Ibuprofen / Diclofenac als "freie" Präparate mit geringerem Wirkstoffgehalt.

Über die Spätfolgen dieses nun auch jahrelang erfolgenden Abusus muß man wohl noch stolpern...
Mittlererweile sind bei den meisten Dialysen die Phenacetinpatienten wohl "Ausgestorben..."

Sinnig wäre, auch im EU-Gedanken: Abgabe der "Pille danach" .. ohne RP, wie in Großbritannien..

Aber auch der eindeutig formulierte "Ermessensspielraum" bei Abgabe kleiner Mengen oraler Kontrazeptiva, Cortisonzubereitungen, Asthmasprays usw...

Da haben uns die Österreicher ebenfalls einiges voraus:
"rezeptpflichtig" & "streng rezeptpflichtig"...

ersteres bekommt man "mit seinem guten Namen"(1) (aber nicht zur Erstattung bei der Kasse), letzteres nur mit ärztlicher Verschreibung (& Erstattung...)

(1) ein informelles Beratungsgespräch verschafft Planungssicherheit beim Abgebenden: :luigi:
So ist es mir auch gelungen, DHC-Hustentropfen ohne Verschreibung in einer österreichischen Apotheke zu erwerben, wobei ich ohne jegliche Legitimation dort drin war.

Meine Nachfrage, warum er mir das nun gab, wurde mit eben diesem "Ermessenspielraum" begründet...