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GOMER
09.09.2011, 17:48
Du vergleichst Birnen mit Äpfeln. Bei gleichem Familienstand, Steuerklasse und Kindern verdient man netto als AA mit wenigen Diensten mehr als A13 und den automatischen Aufstieg in A14 gibt es in Baden Württemberg schon seit einiger Zeit nicht mehr. Zudem muß man berücksichtigen, dass Lehrer ihr netto Gehalt immer angeben ohne Abzug der Krankenversicherung. Da muß man dann je nach PKV noch 2-300 abziehen. Ich komme auf etwas weniger netto Gehalt als meine Mutter, die kurz vor der Rente, A15 in einer der höchsten Stufen ist und ich bin kein Facharzt.


Wie ich die Besoldungs- bzw. Tariftabellen drehe und wende, ich komme bei gleichen Voraussetzungen immer auf weniger als ein Lehrer. Und daß Du nur knapp weniger als eine verheiratete A15 mit 55plus Jahren verdienst, kann ich mir höchstens mit VIELEN Diensten erklären.

DocEmmetBrown
09.09.2011, 23:04
Was man bei den Vergleichen mit verbeamteten Arbeitnehmern nicht vergessen darf, ist der Wert der Altersvorsorge. Für eine Rente über 72% (und nur 30% Versicherungsbeitrag in der PKV) des letzten Gehaltes muss der normale Arbeitnehmer noch einiges investieren. Sinn macht es da nur die Gehälter um die Altersvorsorge bereinigt zu vergleichen. Dies muss man genauso berücksichtigen wie Firmenwagen (o.ä.) die es ja auch relativ oft in der Industrie gibt.

John Silver
10.09.2011, 04:42
In "der Industrie" gibt es selten Firmenwagen, vielmehr Firmenleasing. Dieses ist aber neuerdings besteuert, und dadurch unattraktiv, da zu teuer. Nur so am Rande.

Diese bla-bla der VKA-Vertreterin ist keiner Erwähnung wert. Das ist das übliche Geplänkel im Rahmen von Tarifverhandlungen. Die VKA betreibt Stimmungsmache mit Milchmädchenrechnugen, die belegen sollen, wie wahnsinnig reich wir alle seien. Das Ziel ist eine weiterführende Diskreditierung der Ärzteschaft, die in den letzen Jahren und Jahrzehnten auch bei verschiedenen Medien immer mehr zum Dauerbrenner geworden ist; wird die Glaubwürdigkeit unserer Vertreter untergraben, haben die Leute weniger Verständnis, wenn wir uns für einen Streik entscheiden sollten. Alle Jahre wieder.

Die Forderungen des MB sind sogar recht bescheiden, finde ich. Die VKA sollte sich heimlich ein zweites Loch in den Popo freuen, dass wir nicht doppelt so hohe Forderungen gestellt haben - machbar ist das allemal.

DocEmmetBrown
10.09.2011, 08:01
@JohnSilver
Meinst du, dass der Arbeitnehmer selbst 1% des Neuwertes versteuern muss?
Das gibt es doch aber schon ein paar Jahre?! In meinem (entfernten) Bekanntenkreis haben nämlich relativ viele der Akademiker, die bei größeren Firmen arbeiten, einen von der Firma bezahlten Firmenwagen, wobei bis auf einen alle nicht im Außendienst arbeiten. Für die scheint sich das jedenfalls zu lohnen. Einer meinte mal zu mir, dass er selbst bei einer Gehaltsumwandlung noch günstiger wegkäme, als mit eigenem Auto, allein wegen den Großkundentarifen, zu denen die Autos geleast werden.

stennadolny
10.09.2011, 08:33
Man darf ja auch nicht vergessen, daß der VKA eine Arbeitgeberorganisation Öffentlich-rechtlicher Träger (Kommunen) ist, dessen komplette Inhomogenität und Rigidität die "schwächeren" Mitglieder (Kliniken in der Peripherie, im Osten, aber auch finanziell mies aufgestellte und gemanagte Großkliniken) eindeutig benachteiligt.

Die dürfen nämlich dann außertariflich zuschießen (während die Ballungsräume vergleichsweise gut wegkommen), um überhaupt noch Ärzte (und Pflege) zu bekommen: Honorarärzteschaft, mehr oder weniger "schwarze" Barzulagen, Kosten für Personalvermittlungsagenturen/Anzeigen, in Österreich für Jungösis durchaus schon angebotene regelm. Heimflüge aus Deutschland usw..

Und damit boykottiert der VKA schlicht "gleiche Lebensbedingungen" (puncto ärztliche KH-Versorgung) in Deutschland.

Und er finanziert sich aus unser allen Krankenkassenbeiträgen sowie Steuern via die Kommunalbetriebe. Benimmt sich wie ein im freien, globalen Wettbewerb stehender Mittelständler. Absurd !

In der Psychiatrie (Bayern) galoppiert der Pflegemangel geradezu rasant voran, hier soll es auch bereits ansatzweise Verteilungskämpfe innerhalb der Kliniken, was Personalgewinnungsbudgets angeht (zwischen Pflegeleitung und Ärztlicher Direktion) geben, Honorarpflege über Zeitarbeitsfirmen (!!) nimmt stellenweise zu.

Pervers ist übrigens, daß klinisch weitgehend unerfahrene Psychologen in manchen Kliniken unbegrenzte Verträge, Assis in WB trotz massiven Ärztemangels weiterhin bloß begrenzte Verträge bekommen - und meist gerade bei jenen Chefs, die sich diesen "Luxus" eigentlich garnicht mehr leisten können.

Daß der Gehaltssprung zum FA so klein in D ist, liegt übrigens wohl auch daran, daß der FA dem AG meist garnichts "bringt" (außer: Viiiiiiiiiiieele Absprungmöglichkeiten), weil erst ab dem OA der AG eine verantwortliche Rampensau hat. Zudem ist der MB schon sehr OA-lastig, was bedeutete, daß die sich im Tarivertrag selbst zugunsten der Nicht-OÄ beschneiden müßten.Tun sie nicht.
Darüber hinaus kann der AG die Zahl der OÄ kalkulieren und beeinflussen, die Zahl der FÄ (und deren Kosten) letztlich nicht.

Kenne ein Beispiel, wo beim "Ausräumen" einer Klinik durch den neuen Chef noch nicht mal offiziell per Ausschreibung im Lokalblättchen ein einziger neuer FA gesucht wurde, nachdem sich die "Alten" vom Acker gemacht haben. Damit hat der Chef in den Jahren seiner "Probezeit" naturgemäß (und auch durch die Einstellung vergleichsweise "billiger" Berufsanfänger) ordentlich Reibach gemacht. Heute lesen Niedergelassenen Arztbriefe dieser Klinik praktisch nicht mehr im Verlauf, weil es sinnlose Zeitvergeudung zu sein scheint. Und nach dem Russen kommt garniemand mehr, in diese Phase tritt man gerade an jenem Orte ein.

GOMER
10.09.2011, 11:25
Naja, "rechtlich" bringt der FA dem Arbeitgeber schon etwas, da über ihm fachlich niemand mehr steht und er alleinverantwortlich arbeiten darf und sich darin nicht vom OA unterscheidet. Da in unserem Land aber so wenige Klagen zugelassen werden, sondern immer sofort von den Kliniken mit Vergleichen abgewürgt werden, kommt das nie an die Öffentlichkeit wer wo wie ausgebildet und unter wessen Aufsicht was macht, dadurch hat, wie Du richtig sagst, der Arbeitgeber doch wieder nix vom Facharzt.

stennadolny
10.09.2011, 11:34
Es gibt aber schon die AG-Auffassung, daß unterm OA alles dem OA zuzurechnen sei, weil er qua Amt "eigenverantwortlich" einen Bereich führt und zu verantworten hat. Der einzelne FA-Zwerg ist denen egal, weil er meist nur sich selbst leiten dürfte.

Zukünftig werden die noch ein "Extra" drauflegen müssen, daß sich überhaupt noch ein FA für eine popelige OA-Stelle hergibt - neben den "Ortszulagen" etc..

In div. südbayerischen Psychiatrien sind einzelne OA-Stellen entweder kaum mehr intern (meist aus gutem Grunde......) oder aber intern bloß mit eindeutig minderqualifizerten (und dem CA speziell "verbundenen") bzw. dem CA "verwandtschaftlich" verbundenen Herrschaften zu besetzen. Mal werden auch reihenweise OA-Stellen extern gleichzeitig ausgeschrieben bzw. wie in Kaufbeuren die Stelle des Leitenden OA (!) im Deutschen Ärzteblatt (!!!) angeboten.

Der Ruf dieser Klinik(en) ist unter Kollegen entsprechend ausgezeichnet.

p4uL
10.09.2011, 23:32
Zum Thema Tarifvertrag. Die geforderten 5% sind m. E. das Mindeste, glaube aber nicht, daß es am Ende mehr als 2% werden.

2% entspräche dann dem Ausgleich der allgemeinen Inflationsrate in Deutschland. Ich hoffe, dass der MB sich nicht so abfertigen lässt.

Kann man ungefähr abschätzen wie lang diese Verhandlungen dauern werden/ können?

:peace:

habichnicht
11.09.2011, 06:53
Die geforderten 5% .....

Sorry fürs Klugschei%en, aber der MB fordert 6 Prozent.

GOMER
11.09.2011, 10:41
In der Tarifrunde für die rund 20.000 Ärzte an den 23 Universitätskliniken im Tarifverbund der TdL fordert der Marburger Bund eine spürbare Anhebung des Tarifniveaus um linear fünf Prozent, eine bessere Bezahlung von Nachtdiensten und Strukturveränderungen in der Entgelttabelle.


Habe ich da etwas missinterpretiert?

pottmed
11.09.2011, 11:49
2% entspräche dann dem Ausgleich der allgemeinen Inflationsrate in Deutschland. Ich hoffe, dass der MB sich nicht so abfertigen lässt.

Kann man ungefähr abschätzen wie lang diese Verhandlungen dauern werden/ können?

:peace:

Stimmt noch nicht mal, wir hatten dieses Jahr schon Raten von 2,4 % ;-)

p4uL
11.09.2011, 12:59
Umso schlimmer... STREIK ;-)

Kackbratze
11.09.2011, 17:02
Auf dem Rücken der unschuldigen Patienten. Seid ihr denn nicht BERUFEN genug, dass ihr sowas unethisches einfach so macht?
Es geht doch bei den Ärzten nicht ums Geld, sondern um den Willen sich für die Gesundheit Anderer zu opfern!

[/ironieOFF]

Wenns nicht anders geht, wird eben der Stillstand als Druckmittel verwendet.

habichnicht
11.09.2011, 17:18
Habe ich da etwas missinterpretiert?
Du hast nichts missverstanden, sondern etwas verwechselt, nämlich die Arbeitgeberorganisationen TdL und VKA.

Über ein Jahr nach dem letzten Tarifabschluss mit der VKA ist auch eine Anpassung der Grundgehälter unabdingbar. Der Marburger Bund geht mit der Forderung nach einer linearen Erhöhung der Ärztegehälter um sechs Prozent in die Tarifverhandlungen. „Die Inflationsrate liegt inzwischen bei 2,4 Prozent. Die Erhöhungen aus dem letzten Jahr sind durch die Preisentwicklung längst wieder aufgebraucht. Deshalb ist es nur recht und billig, dass die Ärzte an den kommunalen Kliniken auch bei den Grundgehältern eine substanzielle Verbesserung erwarten“, erklärte der MB-Vorsitzende.
http://www.marburger-bund.de/tarifpolitik/vka/Tarifrunde_2011/index.php

GOMER
11.09.2011, 17:43
Oha, hätte mal den Threadtitel lesen sollen, wusste gar nicht, daß im Augenblick auch mit VKA verhandelt wird. Dachte nur mit TdL.

habichnicht
11.09.2011, 17:48
Oha, hätte mal den Threadtitel lesen sollen, wusste gar nicht, daß im Augenblick auch mit VKA verhandelt wird. Dachte nur mit TdL.
Eröffne doch einfach einen entsprechenden TdL-Thread. Doppelt hält besser. .:luigi:

michi2243
13.09.2011, 17:21
"Finklenburg wies dies zurück: „Wir haben uns in den vergangenen Runden in puncto Bereitschaft äußerst großzügig gezeigt.“ Eine Einschränkung bei den Bereitschaftsdiensten werde es mit der VKA „auf keinen Fall“ geben. Man könne eher über mehr als über weniger Bereitschaftsdienste sprechen." (Ärzteblatt, 13.09)

der kerl sollte ein paar bereitschaftsdienste machen - dann kann er sich auch gleich ein reales bild der bezahlung machen!! eine frechheit!!

stennadolny
13.09.2011, 20:22
Nicht in Panik verfallen.

Der galoppierende Ärztemangel führt automatisch zu weniger, aber immer besser bezahlten Diensten.

Schon jetzt gibt es etwa im Großraum München Kliniken (nicht unbedingt die "besten"), die Ärzte für ND suchen. Sagen wir mal so: Zum Haus"tarif" fängt da keiner mit Diensten an.

Giant0777
14.09.2011, 19:52
Der galoppierende Ärztemangel führt automatisch zu weniger

...führt das u.u. nicht eher zu einer höheren dienstbelastung????:-nix

pottmed
15.09.2011, 07:53
...führt das u.u. nicht eher zu einer höheren dienstbelastung????:-nix

Sehe ich auch so, wer soll denn die Dienste machen wenn niemand da ist ? Und Honorarärzte gibt es auch nicht wie Sand am Meer :-meinung