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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zwischenfall am Sonnwendfeuer



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Rettungstiger
04.06.2004, 17:03
Um das Forum mal wieder zu beleben, da ich aber momentan nichts neueres interessanteres habe, möchte ich mich zurrückerinnern an einen der arbeitsintensivsten und kritischsten Einsätzte die ich bisher erlebt habe. Es ist schon einige Jahre her aber ich weiss es noch ziemlich genau.
Um etwa 0:30 geht der Piepser: xx05, XX37, Notarzteinsatz(war dritter auf RTW).
Am Funk die Meldung:
"Guten Morgen, Fahrns ma mal X bei X, an der dortigen Autobahnunterfürung werdns erwartet, beim dortigen Sonnwendfeuer Person ins Feuer gefallen, Schwerstverbrannt."

Nef mit Selbstfahrer ist im Nächsten Ort stationiert und etwa 5 KM näher am Einsatzort. Auf was stellt ihr euch ein?

RS-USER-schmoelzi
04.06.2004, 17:06
Auf das schlimmste.
Angefangen von schwersten Verbrennungen am ganzen Körper, weiter zu einem Inhaltionstrauma, man kann nur hoffen die Ersthelfen haben viel Wasser zum Kühlen.

Hatte schon mal einen Pat. mit Verbrennungen >50% KOF.

Muss jetzt nur leider los, der Nachtdienst wartet, bei dem Fallbsp. wär ich aber gern dabei gewesen.

Rettungstiger
04.06.2004, 17:12
Na dann warte ich mit dem Hauptteil bis morgen, ich bin ja nett!:knuddel: :-p

Rescuerambo
04.06.2004, 17:54
Ich stell mich auf das schlimmste ein. Wahrscheinlich hat der Pat. nboch irgendwelche Nylonklamotten an, die sich schön in die Haut gebrannt haben

Rettungstiger
04.06.2004, 22:13
Der RA gibt mir Anweisung falls kein Wasser in der Nähe sei, den Frischwasserkanister (Händewaschen) aus dem RTW mitzunehmen.
Nach ca. 8 min. Anfahrt gibt der NA Lagemeldung:
Pat. männlich ca. 40, ansprechbar mit Verbrennungen an beiden Unterarmen, im Brust und im Gesichtsbereich, etwa 20%, davon ca.5% drittgradig, der Rest, der Rest hauptsächlich zweitgradig.
Weiter gehts worgen, da sich schmoelzi doch so auf das Fallbeispiel freut!:-p

Rescuerambo
04.06.2004, 22:16
da sind wir mal gespannt

Rettungstiger
05.06.2004, 19:30
Na ja, ich hoffe Schmoelzi ist jetzt wieder dabei!

Also, nach ca. 3min Kommen wir an der Einsatzstelle an und finden den Pat. wie vom NA beschrieben vor. Der Patient ist Nass, da er sich in einen kleinen Bach gelegt hat. Deutlicher Alkoholgeruch. Ist sehr unruhig und klagt über starke Schmerzen an Armen und im Gesicht. Auffalläg ist, dass sein Schnauzbart und seine Augenbrauen angesengt sind.
Laut Zeugen ist der Patient über die Glutreste des Feuers (ca. 2,5 m Durchmesser) gelaufen (ist so Brauch bei uns) ist allerdings gestolpert und in die Glut gefallen.

Wie würds bei euch jetzt Weitergehn?

Rescuerambo
05.06.2004, 19:34
Vitalwerte:RR,T, P und SpO²
in den RTW packen, das wir uns im licht, die Wunden genauer anguggen können

Ganz wichtig die Temperatur wnen er im Bächlein gelegen hat

RS-USER-fruehgriller
05.06.2004, 21:48
Vor dem Lagern auf die Trage (was ich also absolut vorziehen würde, aus den Gründen vom Rambo) die Klamotten vom Pat soweit möglich und sichtbar entfernen (Naß>Bächlein>Hypothermie), Auf die Trage ne Retungsdecke, und im RTW die Heizung auf volle Pulle, egal wie warm draußen ist.

Dann Bodycheck, und gleichzeitig Vitalparameter.

RS-USER-Rettungshund
05.06.2004, 21:52
Und wenn an Bord, kann man WaterJel o.ä. benutzen zur Wundversorgung.

Dann zwei großlumige Zugänge. Wenn die Hände zu Verbrannt kann man die Fußvenen nehmen.

Außerdem kann man schon ein Schwerstverbranntenbett besttellen und wenns weiter weg ist gleichzeitig den dazugehörigen RTH. (Da ich glaub wir es NAchts/Abends haben der RTH eine Vorlaufzeit von 60 min hat)

Rettungstiger
05.06.2004, 22:18
(Schade, schmoelzi scheint schon wieder Nachtdienst zu haben:o )

Also weiter.
Natürlich führen wir den Pat. in den RTW.
Auch entkleidet wird er. Die Jeans hat der kurzzeitigen Hitzeeinwirkung standgehalten. Durch das Kurze Hemd das er anhatte gibt es auch keine Probleme an den Armen. Im Brustbereich sit es etwas angesengt, lässt sich aber gut entfernen. Hier auch nur wenig verbrannte Haut, Hauptsächlich Zweitgradig. Der Verbrennungsindex wird nach genauerer Inspektion im RTW auf ca. 15% hinunter korrigiert, wobei am Schlimmsten die Unterarme und Hände mit bis zu drittgradigen Verbrennungen betroffen sind.
Gleichzeitig laufen Vorbereitungen zur Venenpunktion. Die Arme werden in Alutücher gelegt und mit Sterofundinlösung gewässert (Waterjel gabs damals noch nicht, jedenfalls nicht bei uns im RD; für größere Verbrennungen hätten wir ein BurnPac gehabt).
SpO2 war im hohen 90er Bereich (genau weiss ichs nicht mehr, so um 98%) und der Puls war bei ca. 100-110/min. RR war bei 170 syst./palp.
Es gelingt je ein großlumiger Zugang in die Jugularis externa und in eine Ellenbeuge. Großzügig Sterofundin.
Patient weiterhin sehr unruhig und hat Schmerzen. Weitere Maßnahmen?

Rescuerambo
05.06.2004, 22:23
der RR issn büsschen hoch, leidet der Mann unter Hypotonie, bzw. irgendwelchen anderen Krankheiten?

Der Druide wird ja jetzt gleich den Pat. "abschießen", bzw. wird ein bisschen die Schmerzen lindern.

RS-USER-Rettungshund
05.06.2004, 22:25
Original geschrieben von Rettungstiger

Weitere Maßnahmen?

Analgesie mit üblichen Mittel durch NA.(Bei Kassenpatient Holzhammer:D:D) Besteht Inhalationstrauma?

RS-USER-Influenza
06.06.2004, 10:09
Original geschrieben von Rettungshund
Wenn die Hände zu Verbrannt kann man die Fußvenen nehmen.


na dann viel Spaß.....:rolleyes:

RS-USER-schmoelzi
06.06.2004, 15:23
Nein, kein Nachtdienst, irgendwann will ich fortgehen auch.

ACHTUNG, wenn der Pat. wirklich akoholisiert ist, dann muss man mit den Wechselwirkungen der Medikamente aufpassen - Leber- und Nierenschaden.
Also Risikoabwegung.

Jedenfalls dauerhaftes Monitoring der Vitalparameter, die Zugänge laufen ja schon.

Inhaltatinonstrauma beachten, Wunden weiter mit Flüssigkeit kühlen (weil kein WaterJel).

Wie weit ist die nächste Verbrennungsintensiv eintfernt?


PS: Danke fürs warten, aber ich wollte euren datendrang ganz sicher nicht bremsen.

Rettungstiger
06.06.2004, 17:08
PS: Danke fürs warten, aber ich wollte euren datendrang ganz sicher nicht bremsen.
Keine Ursache, wie war denn der Nachtdienst?

Auf jeden Fall kriegt der Pat. ein EKG von uns und zur Analgesie Fentanyl fraktioniert. (weiss aber nicht mehr wie viel, sorry).

Damit hört das (verständliche) Gejammere auf. Da er jetzt zwar weniger Schmerzen hat aber sehr verängstigt ist, da er um seine Hände (Die ja sehr schwer z.t. drittgradig verbrannt sind)bangt, da er Kunstschmied ist, und wir uns gerne auf unsere Arbeit konzentrieren würden, gibts auch noch eine unbekannte Menge Dormicum hinterher.
Natürlich hat der Pat. schon vorher eine Rettungsdecke umgekriegt, er ist aber eine sehr massive (nicht fett) Erscheinung und scheint keine Temperaturprobleme zu haben. Da kein Ohrtermomoeter zur Verfügung stand verzichteten wir auf Temperaturmessung.
Ach ja, Sauerstoff läuft bereits auf 4l über Nasenbrille.

Eigentlich könnte man jetzt langsam ans Abfahren denken, stellt sich nur die Frage wohin?
Schwerpunktkrankenhaus 25 min Fahrzeit, Verbrennungsbett (München) ca.70-75 min Fahrzeit. ITH war wohl nicht verfügbar (weiss ich nicht mehr genau, aber das stand nicht zur Debatte und RLST hat ihn nicht angeboten, was sonst gewöhnlich immer der Fall ist bei schweren Chirurgischen Sachen).
Wie würdet ihr entscheiden?

RS-USER-schmoelzi
06.06.2004, 17:13
Nachtdienst am FR war ruhig - zum Glück.

Schwerpunkt KH.

Überstellung in eine Verbrennungsintensiv ist dann immer noch mögl. Aber ich muss mal allen Eventualitäten vorbeugen und das geht in einem KH eindeutig besser als während der Fahrt im NAW.

Weg mit der Nasenbrille und her mit der Maske und dann auf ca. 7l/min aufdrehen. Bin keiner der mit O2 spart vorallem nicht in solchen Fällen.

Rescuerambo
06.06.2004, 17:18
Original geschrieben von Rettungstiger
Keine Ursache, wie war denn der Nachtdienst?

Auf jeden Fall kriegt der Pat. ein EKG von uns und zur Analgesie Fentanyl fraktioniert. (weiss aber nicht mehr wie viel, sorry).

Damit hört das (verständliche) Gejammere auf. Da er jetzt zwar weniger Schmerzen hat aber sehr verängstigt ist, da er um seine Hände (Die ja sehr schwer z.t. drittgradig verbrannt sind)bangt, da er Kunstschmied ist, und wir uns gerne auf unsere Arbeit konzentrieren würden, gibts auch noch eine unbekannte Menge Dormicum hinterher.
Natürlich hat der Pat. schon vorher eine Rettungsdecke umgekriegt, er ist aber eine sehr massive (nicht fett) Erscheinung und scheint keine Temperaturprobleme zu haben. Da kein Ohrtermomoeter zur Verfügung stand verzichteten wir auf Temperaturmessung.
Ach ja, Sauerstoff läuft bereits auf 4l über Nasenbrille.

Eigentlich könnte man jetzt langsam ans Abfahren denken, stellt sich nur die Frage wohin?
Schwerpunktkrankenhaus 25 min Fahrzeit, Verbrennungsbett (München) ca.70-75 min Fahrzeit. ITH war wohl nicht verfügbar (weiss ich nicht mehr genau, aber das stand nicht zur Debatte und RLST hat ihn nicht angeboten, was sonst gewöhnlich immer der Fall ist bei schweren Chirurgischen Sachen).
Wie würdet ihr entscheiden?

Schwerpunkt KH -

RS-USER-fruehgriller
06.06.2004, 20:46
Schwerpunkt Kh, mit Voranmeldung (obligat, oder??), und abklären eines V-Bettes in München, sowie evtl vorfühlen wegen ITH Nachtflug.

Weiterführen der Maßnahmen wie bisher. ABER!!!!! HEIZUNG!!!!!

Untersuchungen der BG UNfallklinik LU haben ergeben, das weit über 80 % der V-Pat egal welcher %-zahl UNTERKÜHLT ankommen!!!

Rettungstiger
06.06.2004, 21:34
Also, die Heizung läuft (glaub mich jedenfalls daran zu erinnern weil,.....äh das kommt später).

Na gut, ich seh schon ihr hättet euch mit dem damaligen NA nicht verstanden, denn der entschied nach München zu fahren. RLST fragt dort an. allerdings rät der RA dem NA dazu aufgrund der langen Transportstrecke und der erforderlichen Gabe von Fentanyl (unser Pat. vertrug ziemlich viel davon) eine Intubationsnarkose durchzuführen. Dieser nimmt den Rat an. Intubation wird vorbereitet.
- Fentanyl
- Etomidat
- Dormicum
- Atropin
werden aufgezogen.

Der Patient wird "abgeschossen, mit 100% O2 Hyperventiliert

Soweit so schlecht: NA sagt, er kann überhauptnichts sehen weil alles im Rachen schwarz ist. --> erinnert euch, der Patient ist auch mit dem Gesicht in die Glut gefallen.
NA Intubiert blind.
Zum abhörn kommt es aber nicht, da sich nach dem ersten Bebeuteln ein Strahl von Erbrochenem (stark nach Bier riechend) in den RTW ergießt. (Deswegen glaub ich mich an die Heizung zu erinnern: Erbrochenes, das nach BIer riecht, Verbrannte Haut und warme Luft:-keks )
Wie gehts weiter?