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Grillmaster T
11.04.2006, 07:45
Ich glaube, hier wird etwa durcheinander gebracht: Die Nachbesprechung/Aufarbeitung und die seelsorgerische Intervention!
Ich finde, daß ein Seelsorger für eine korrekte Nachbearbeitung "ungeeignet" ist, da der fachliche Background fehlt, um Maßnahmen im Nachhinein zu beurteilen.
Auf jeder guten Rettungwache sollte das Arbeitsklima so gut sein, daß man mit den Kollegen über belastende Eindrücke reden kann.
Für den "alltäglichen belastungsgeladenden Einsatz", wie eine Reanimation muss das Wachenteam ausreichend sein. Anders ist es bei Situationen, die auch die Kollegen noch nie erlebt haben, weil sie so aussergewöhnlich sind. Beispiel, welches in meinem Heimatkreis schon passierte: Vater nimmt sein 1jähriges Kind als Geisel. Während der Verhandlungen mit der POL stehen RTW und NEF bereit. Dann schneidet der Vater dem Kind "den Bauch auf" und sich selbst die Radialisarterien.
Danach musste selbstverständlich SOFORT professionelle Hilfe für die Kollegen ran! Da ist jeder Kollege auf der Wache gänzlich überfordert.
Aber die Situationen, die jeder schon mal mitgemacht hat, ist im Kollegenkreis gut handlebar.
Daher ein Tipp an Mareen: geh doch mal zu Deiner Rettungswache und sprich mit den Kollegen, die da gewesen sind über den Einsatz. Hilft bestimmt. Und wie ich die dort einschätze, sind sie für ein Gespräch sicherlich sehr offen.

RS-USER-blacksheep
11.04.2006, 07:52
So hat ich das eigentlich auch gemeint. ;)

Grillmaster T
11.04.2006, 07:58
Hab ich auch so verstanden ;)
Aber in den Beiträgen danach kamen sofort die Seelsorger ins Spiel. Darauf bezog ich mich....

Mareen84
11.04.2006, 09:58
Original geschrieben von Grillmaster T

Daher ein Tipp an Mareen: geh doch mal zu Deiner Rettungswache und sprich mit den Kollegen, die da gewesen sind über den Einsatz. Hilft bestimmt. Und wie ich die dort einschätze, sind sie für ein Gespräch sicherlich sehr offen.


Leider war unser RD ausn Ort nicht bei dem Einsatz, der RD kam aus dem Nachbarort.
Habe aber schon mit vielen Leuten bei uns ausn DRK gesprochen und die haben mich echt gut aufgefangen. :kiss:
Mir hat sehr gut geholfen mit Leuten darüber zu sprechen die sich in dem Fach auskennen und denen das interessiert.
Sowie meine Freunde die mit dem DRK nichts zu tun haben, denen interessiert das nicht und die haben auch nicht hinterhergefragt...

Aber gute Freunde findet man nicht überall, danke euch für die guten Ratschläge...:knuddel:

lg Mareen

RS-USER-Linda
11.04.2006, 10:03
Genau mit dieser Art von Nachbetreuung habe ich eben auch ziemlich gute Erfahrungen gemacht. Wie schon geschrieben, ich habe wirklich JEDEN auf der Wache vollgeheult, der mich nach dem Einsatz irgendwie komisch angeguckt hat - und es gab keinen, der dafür kein Verständnis gehabt hätte. Danke nochmal an den stellvertretenen Geschäftsführer (und Laufkumpan), dem ich zwei Tage später noch eine ganze Weile weinend im Arm gelegen habe, danach wars dann mal gut ;-).
Einen Seelsorger würde ich damit allerdings nicht behelligen - gerade bei sowas denke ich, daß man eben auch mit den Kollegen, die dabeigewesen sind, besprechen muß: Hätte etwas besser laufen können? Habe ich gar Fehler gemacht? Was nehme ich mir daraus fürs nächste Mal mit?

Medi-Rettungshamster
11.04.2006, 20:46
Hey Mareen,

du weisst doch, dass wir immer ein offenes Ohr für dich haben oder? ;)
Ich könnte mir vorstellen, dass man nach so einem Erlebniss sich einiges von der Seele reden muss...
Falls du wieder über irgendwas sprechen willst, weisst du, dass wir immer für dich da sind :knuddel: .
Auch, wenn man irgendwann nichtmehr in der gleichen Stadt sein sollte... Ein offenes Ohr hat man trotzdem...
Ich hoffe, dass du daran nichtmehr allzu lange zu Knacken hast...
So wie ich dich einschätze hast du alles nach deinem Besten Gewissen gemacht... und musst dir daher keine Vorwürfe machen, dass du irgendwas falsch gemacht haben solltest das denke ich nämlich nicht...
Aber du weisst ja auch, dass die "rückholquote" bei ner Rea nicht gerade hoch ist... Also Kopf hoch :-keks
Und du weisst ja :prost: darauf, dass einem sowas nicht nochmal im "Bekanntenkreis" passiert und vor allem nicht so unvorbereitet.D:-)
Gruß
Medi-Rettungshamster
(Azubi)

Mareen84
11.04.2006, 20:51
Original geschrieben von Medi-Rettungshamster
Hey Mareen,

du weisst doch, dass wir immer ein offenes Ohr für dich haben oder? ;)
Ich könnte mir vorstellen, dass man nach so einem Erlebniss sich einiges von der Seele reden muss...
Falls du wieder über irgendwas sprechen willst, weisst du, dass wir immer für dich da sind :knuddel: .
Auch, wenn man irgendwann nichtmehr in der gleichen Stadt sein sollte... Ein offenes Ohr hat man trotzdem...
Ich hoffe, dass du daran nichtmehr allzu lange zu Knacken hast...
So wie ich dich einschätze hast du alles nach deinem Besten Gewissen gemacht... und musst dir daher keine Vorwürfe machen, dass du irgendwas falsch gemacht haben solltest das denke ich nämlich nicht...
Aber du weisst ja auch, dass die "rückholquote" bei ner Rea nicht gerade hoch ist... Also Kopf hoch :-keks
Und du weisst ja :prost: darauf, dass einem sowas nicht nochmal im "Bekanntenkreis" passiert und vor allem nicht so unvorbereitet.D:-)
Gruß
Medi-Rettungshamster
(Azubi)



:knuddel: :knuddel: :knuddel:

Danke euch allen!!!

:RS:

RS-USER-Bärentöter
11.04.2006, 23:02
wir sind ja immer gerne behilflich... und uns alten Rettungshasen und -häsinnen fällt halt manches leichter, wenn man es schon zigmal erlebt hat!

RS-USER-Sanitoeter
02.09.2006, 14:13
Meine "erste" Rea ( bei der ich auf mich bzw. uns FR alleine gestellt war und nicht etwa in der Klinik oder so) war erst vorletzten Sonntag. Gemeldet war ein Herzinfarkt, als ich ankam war ein Kollege schon ca. 2 min. am Drücken. Uns war jedoch recht schnell klar dass es auch frustran enden wird, V.a. Infarkt, evt. LE, elektromechanische Entkopplung, Beginn der ersten Reanimantionsmaßnahmen nach ca. 15-20 min. wegen später Alarmierung.
Am Anfang dachte ich dass ich es gut wegstecken würde, da ich in der Klinik ja auch immer wieder mit dem Tod konfrontiert bin, konnte die NAcht dann aber trotzdem nicht schlafen...

Wir machen nun eine Nachbesprechung mit einem Mitglied des NotfallNachsorgeDienstes (selbst RA), mal schauen wie es wird...

RS-USER-Möhre
03.09.2006, 12:29
der tod ist immer etwas schlimmes .... und wenn wir auf station oder im haus erfolglos versuchen, jemanden zurück zu holen, dann ist das ewig hart ... auf der anderen seite aber: jeder hat seine zeit, und tun wir den menschen immer einen gefallen, wenn wir "erfolg" haben ???? manchmal ist das leben danach deutlich schlimmer als davor, wenn es meist auch nicht lange dauert .... ist leider so ...
in diesem sinne: man versucht immer sein bestes, das letzte wort hat aber eh ein anderer ....

Xaxis1
13.09.2006, 14:21
Wenn ich mit dem FR wo hinkomme, dann reanimieren wir eigentlich IMMER - der letzte hatte schon Flecken, aber 1. hat mein Kollege (seinen eigenen - klar, in der Aufregung, eigentlich ganz anderer Job, erste Rea...) Puls gefühlt und 2. wegen der Angehörigen... die war sichtlich beruhigt, daß wir alles versucht haben und konnte das, was augenscheinlich war (der Gute war gegen 3:30 Uhr nachts zum Zeitung lesen ins Wozi, Alarmierung gegen 9 Uhr, Zeitung nicht mal aufgeschlagen, er hing also länger schon im Sessel...), besser akzeptieren. RTW hat uns noch unterstützt (und den Oxylator erstmal weg, da unbekannt...), NA gleich abgewunken und der Frau gesagt, was Sache ist...
Ich persönlich fand es gut, wie der Arzt auf die Frau einging, daß wir den Mann noch irdentlich hinlegen konnten und zudecken... Meinem Kollegen ging es länger nach, hab aber mit ihm geredet - es war ein besonderer Einsatz.
Die erste Rea als FR war ebenfalls frustran, ein sehr gewichtiger Mann, der einen 2 Jahre alten Sohn hatte...was mir da half war der Luxus, den man sich nur als EA leisten kann: Wir blieben bei der Frau, bis der Notfallseelsorger und Bekannte da waren, ich hab ihren verstorbenen Mann noch schön angezogen mit ihr..

Allgemein muß ich sagen, daß es mir persönlich gut tut, den Toten nicht im Schlachtfeld zu hinterlassen.

Was Rea auf "Station"/im Altenheim angeht, da hab ich meine Feuertaufe noch vor mir... im KH war es immer klar, wie es abläuft, was zu tun war.
Bei den Kids kam ich nie in die Verlegenheit.... und jetzt, bei den alten Menschen, in der "Endzeitpflege" ? MUSS ich den Alzheimer-Bewohner reanimieren ? Die Russin, die nur russisch flucht und alles Essen und Trinken abwehrt, auf die PK eindrischt etc...? Die 97jährige Bettlägrige? Die 92jährige 105Kilofrau, deren Arme und Beine schon seit Wochen blau marmoriert sind und die nach 5 Min SItzbett schon nimmer kann ?

Ich hoff, der GEsetzgeber traut sich bald ran, den Ärzten und Pflegenden da eine rechtliche Handhabe zu geben...

Mit meinen Eltern hab ich es abgesrpochen, es werden Patientenverfügungen erstellt, und von allen 3 Kindern samt Anhang akzeptiert usw... Perverserweise hatte nun mein Fastschwiegervater einen Herzinfarkt, der immer fit wie ein Turnschuh war und mit dem wir noch nie über dieses Thema geredet haben...

Die schlimmste miterlebte Rea war eine an meinem damaligen Partner, eine der vielen... und die Einsicht, daß es keinen Sinn macht, daß irgendwann die Rea frustran sein würde... das hab ich persönlich bis heute net 100%ig verarbeitet.