Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Reanimationen
Medi-Rettungsschwester
13.03.2006, 21:25
Liebe Mitreanimierer,
jetzt mal eine Frage, über die viele vielleicht schmunzeln werden, ich finde sie allerdings nicht sehr zum lachen.
Wir haben letztens einen 45 jährigen 1 1/2 Std. frustran reanimiert und die Nacht drauf einen 51 jährigen 4 Std. ebenfalls frustran. Das waren meine erstern Nachtdienste auf der ITS.
Jetzt die Fragen:
Wie geht ihr mit solchen Situationen, ganz persönlich um?
Geht es nur mir so, dass ich daran sehr zu knabbern habe, oder ist das auch bei einigen von euch der Fall?
Über ehrliche Aussagen würde ich mich sehr freuen und wäre auch sehr dankbar...
:kiss:
RS-USER-Linda
14.03.2006, 11:11
Nach meiner ersten frustranen Rea habe ich zwei Tage lang alles vollgeheult, was entweder a) eine rote Jacke anhatte oder b) mitleidig geguckt hat...
Kurz danach ist mir allerdings ein Kronleuchter aufgegangen: Ganz egal was ich tue und wie richtig alles gemacht wird, scheißegal wie gut alles läuft, für manche Menschen ist die Zeit einfach um. Punkt. Man kann nicht jeden retten, ganz einfach deswegen, weil manche Menschen einfach sterben sollen. Ende.
Und bisher hat das geholfen... Nicht, daß ich frustranes Reanimieren jetzt toll finde. Schlucken muß ich immer noch. Aber es ist im Vergleich zur fast legendären ersten Rea wesentlich besser geworden.
BlackThoughts
14.03.2006, 12:38
öhm....kurz offtopic...
Sorry für diese frage, aber geh ich recht in der annahme, das "frustran" in diesem zusammenhang sowas wie "erfolglos" heißt? Das halt die Rea des Patienten erfolglos blieb?
offtopic ende.
Guedeltubus
14.03.2006, 13:24
ich würde frustran in diesem Fall eher so deuten, dass die Rea wirklich lang gedauert hat (4Std.) und doch nicht erfolgreich war und man wahrscheinlich schon eher hätte abbrechen können.
Ich persönlich rede viel über solche Ereignisse, auch mit nciht beteiligten (natürlich unter Wahrung der Schweigepflicht). Da in meiner Familie viele in der Medizin tätig sind, können die das auch ganz gut einschätzen. Für mich stellt sich immer die Frage, wenn Reas so lange dauern, wieviel man selbst bei einem Erfolg nach 4 Std. noch erwarten kann - ist die Hypoxie der Organe dann nicht schon viel zu lang? Ich bin recht unerfahren, daher lasse ich mich gern eines besseren Belehren.
RS-USER-Bärentöter
14.03.2006, 13:33
wobei man nach einer mehrstündigen Reanimation allenfalls noch einen Apalliker "produziert". Ob das dann so erstrebenswert ist, ist jetzt eher eine philosophische Frage.
Medi-Rettungsschwester
14.03.2006, 15:35
Mit frustran meinte ich erfolglos.
Und nein, man hätte beide Reas nicht früher abbrechen können, da bei dem einen eine Lyse eingeleitet wurde. Der andere hatte immer wieder pulslose ventrikuläre Tachykardien und dann wieder einen akzeptablen Rhythmus.
Mal schauen, vielleicht wird's bei den nächsten besser ;)
RS-USER-rettungshamster
09.04.2006, 07:41
In meiner Branche sind die Rea´s eher nicht anzutreffen. Was den Umgang damit nicht einfacher macht....im Gegenteil, an manchen Tagen ist es nicht gerade einfach, einen Menschen beim sterben zuzusehen. Vor allem dann nicht, wenn der Tod plötzlich und unerwartet eintrifft (was vorkommen kann). In vielen Fällen haben die Bewohner eine Patientenverfügung.
Meine letzte erfolglose Reanimation liegt schon drei Jahre zurück. Da bin ich noch ehrenamtlich durch die Gegend kutschiert. Der Patient lag allerdings schon längere Zeit tot in der Küche. Als die Ehefrau uns anrief, war schon viel zu viel Zeit ins Land gegangen als das man da hätte noch was tun können. Aber damit sie das Gefühl hatte, dass wir alles in unserer Macht stehende getan hätten, haben wir dann noch ne halbe Stunde reanimiert....obwohl für uns das Ergebnis von vornehinein klar war. Hart ist es, wenn man dann die Angehörigen (wenn auch für kurze Zeit) mit der Leiche dann alleine lassen muss - bis der Bestatter dann mal kommt.
In diesem Fall war es auch kein wirklich schöner Anblick. Primär lag er ja schön friedlich auf seiner Coch in der großen Küche. Als wir dann mit ihm fertig waren, lag er halb entkleidet auf dem Boden und das sein Frühstück hatte den Rückwärtsgang eingelegt.
RS-USER-Katja
09.04.2006, 09:21
Original geschrieben von Medi-Rettungsschwester
Jetzt die Fragen:
Wie geht ihr mit solchen Situationen, ganz persönlich um?
Geht es nur mir so, dass ich daran sehr zu knabbern habe, oder ist das auch bei einigen von euch der Fall?
Da hast Du Deine Nachdienste ja gleich richtig fein angefangen...
Gerade bei so jungen Patienten hat man natürlich dran zu knabbern. Es ist halt schon was anderes, ob einer mit 45 trotz aller Bemühungen verstirbt oder ob es ein 87jähriger Patient ist (bei dem kann man schon eher diskutieren, ob man mit der Rea überhaupt anfangen soll...).
Mir hilft auch darüber sprechen, wobei ich bei Reanimationen inzwischen nur dann dran zu knapsen habe, wenn sie nicht optimal gelaufen sind oder wenn es belastende Umstände waren. Ich versuche, aus denen dann noch wenigstens was Erhellendes mitzunehmen (was kann man nächstes Mal besser machen - klarere Anweisungen, weitere Ursachen ausschließen etc.), damit es nicht ganz umsonst war.
Meine letzte Rea war ein ca 50järiger mit 2 jährigem Sohn und ca 35 jä#hriger Frau... sehr voluminöser Mann, lag im durchgelegenen Ehebett, haben ihn auf den schmalen Fußbodenstreifen gezerrt und angefangen... alarmiert waren wir als FR, "Atembeschwerden".... ne, die hatte der sicher länger nimmer :(
Der NA und die RA wollten ihn wieder im Bett haben, also die ca 150 kg wieder hcohgehievt und weiter, ich hab einfachh nen großen Bildband ausm Regal gezogen zum unterlegen... das fiese war, ich wußte es, daß es keinen Sinn mehr hat (hab mir später ncoh die Zeit nehmen können, ihn mit der Frau anzuziehen.... und gesehen, dass sich schon Flecken bildeten, soweit ich weiß, passiert das net 30 Min nach Rea mit allem....).... nunja, es war sehr eng, ich bin raus, hab mich um den Kleinen und die Frau gekümmert, die andren haben sich ncoh gute 30 Min abgemüht...
Ich war überrascht, wie gut ich das nach längerer Rea-Pause verkraftet hab, denke, es liegt daran, daß wir insg fast 2 Stunden dort bleiben konnten, ich den Verstorbenen mit der Frau noch so versorgen konnte, daß es ihr ein bisserl besser damit ging... und eben mittrauern, bis der Notfallseelsorger eintraf... Wenn ich sie heute sehe, lächelt sie mich an... trotz allem. Von daher denk ich, wir ahben einen guten Job gemacht, mit Rückholen war halt einfach nix mehr :-(
RS-USER-Bärentöter
09.04.2006, 10:01
oft muß man auch aus psychologischen Gründen reanimieren, auch wenn es medizinisch keinen Sinn mehr macht, um den Angehörigen die Verarbeitung zu erleichtern ("Es wurde alles menschenmögliche getan").
Ich könnte mich bei dem geschilderten Beispiel nicht dazu durchringen, der jungen Frau, womöglich noch mit Kind auf dem Arm, entgegenzurotzen: "Das hat doch eh keinen Sinn mehr!"
Nebenbei: ganz selten gibt es Totenflecken auch bei langsam sterbenden Menschen noch zu Lebzeiten. google mal nach "Kirchhofrosen"
Ich zweifel den Sinn der Bemühungen net an! Das war das, was sie auch immer wieder sagte: Sie haben alles versucht...
Aber sicher !!!!
Ich würd mir eher die Zunge abbeißen als in so einer Situation etwas von "zu spät" zu sagen oder NICHT sofort zu reagieren und mit der Rea anzufangen... das ist nebenbei auch eine gute Möglihckeit, sich selbst ein bisserl darauf vorzubereiten...
Mareen84
10.04.2006, 12:45
Hallo!
Ich hatte am Freitag meine erste Rea.
Muß dazu sagen, das ich ehrenamtlich im DRK tätig bin und ich das bis dahin nur drei Jahre an der Puppe geübt habe.
Ich war zu hause, als unsere Nachbarin bei uns angerufen hat und uns gebeten hat(mein Vater und ich), das wir schnell zu denen rüber kommen sollen.
Als ich dort war, sind mein Vater und ich angefangen zu reanimieren.
Mein Vater hat Beatmet und ich hab die Herzdruckmassage gemacht.
Das war echt ein scheiß Gefühl als drei Rippen gebrochen sind und mich der Pat noch dabei angeschaut hat.
Die HLW mußten wir dann geschlagene 20 min machen bis der RD dann mal da war.
Der RD hat dann noch vor Ort 1 1/2 Std reanimiert und der Pat. wurde dann unter reanimation ins KH gefahren.
Habe dann später erfahren, das er es nicht überlebt hat.:(
Die ganze Rea beschäftigt mich jetzt immer noch...
ich denke, hoffentlich habe ich alles richtig gemacht...
Warum haben die uns nicht schon eher gerufen..
Alles das schwirrt mir noch im Kopf herum....:mad:
Lg Mareen84
RS-USER-Bärentöter
10.04.2006, 13:18
Original geschrieben von Mareen84
Die ganze Rea beschäftigt mich jetzt immer noch...
ich denke, hoffentlich habe ich alles richtig gemacht...
Warum haben die uns nicht schon eher gerufen..
Alles das schwirrt mir noch im Kopf herum...
das ist ganz normal... :knuddel:
Stephan2204
10.04.2006, 15:02
Mareen,
ich kann mich da nur Bärentöter anschliessen, bei der ersten Rea sind solche gedanken ganz normal.. alles schwirrt einem durch den Kopf..
Man sagt nicht umsonst, das die erste rea "die schlimmste" ist...
Das hat glaube ich jeder von uns (von denen die schon eine rea mitgemacht haben) durchgemacht..
:) :knuddel:
RS-USER-blacksheep
10.04.2006, 15:39
Bei mir war die erste doch irgendwie die "beste". Primär und Sekundär erfolgreich .. ohne neurologische Defizite. Hat zwar dann nach ner Woche im KH noch nen Reinfarkt gehabt, aber dafür kann ich nu wirklich nichts.
Mareen84
10.04.2006, 17:36
@ Bärentöter und Stephan2204
Danke, das tröstet mich....:knuddel:
Bin heute auch schon etwas besser drauf.
Habe mich mit ein paar Kollegen vom DRK darüber unterhalten..
La MareenD:-)
RS-USER-blacksheep
10.04.2006, 21:19
Auch wenns etwas OT ist:
Es wundert mich das es bei so vielen Stellen kein Nachbesprechung/Aufarbeitung von traumatischen RD-Ereignissen (SIDS, erste REA, was auch immer) gibt. Wird das nicht angeboten oder wirds nicht gerne wargenommen weil man ja dann als Weichei gilt? Irgendwie gehört ne Nachbesprechung für mich IMMER zu sowas.
Mareen84
10.04.2006, 21:56
ja weiß auch nicht.
also wir haben wohl bei uns im Ort ein Seelsorger
aber sonst wüßte ich auch nichts...:confused:
Da stimme ich blacksheep zu 100% zu !
Wenn ich das aus meiner Sicht sehe, ist es hier im Kreis eher so das die meisten mir bekannten RA´s und RS´s schon im "fortgeschrittenen" Alter sind. Die machen den Job schon einige Jahre und sehen Sachen wie eine Rea ... gut ich will nicht sagen normal an .. aber sie wissen einfach gut damit umzugehen.
Ich beobachte das die jüngeren sich echt Zeit nehmen um zu reden, einfach das Thema ansprechen ......
Ich glaub das ist ne echt gute Sache !
Ebenso gibt es bei uns im DRK noch 3-4 Notfallseelsorger, echt heftig für so nen kleinen Kreisverband :-).
Ich persönlich hatte noch keine Rea. und weiss auch absolut nicht wie ich mich fühlen würde ...
*sry 4 offtopic
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