Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : PEG: Fluch oder Segen
RS-USER-Bärentöter
04.04.2006, 09:55
Original geschrieben von Xaxis1
sie hat einen Button
wasndas? :confused:
RS-USER-Schädelspalter
12.04.2006, 16:24
Original geschrieben von Xaxis1
Wer war das, der schrieb, es gebe keine subcutanen Infusionen mehr ? Leider doch, ich hab mich geweigert...
Ist ja zum Glück aus der Mode gekommen. Habe ich aber vor einigen Jahren noch gesehen, fand ich aber nicht so gut...
Dazu ein paar Fragen: wie wird in Altenheimen mit Infusionen umgegeangen?
Erlaubt die Heimleitung, dass ein Hausarzt einem Sterbenden mit Schmerzen eine Infusion verabreicht, um ihm einen Krankenhausaufenthalt zum Sterben zu ersparen (und stellt das Pflegepersonal die Infusion ab?)? Oder wird auch mal auf angemessene Schmerztherapie verzichtet, weil i.v.-Sachen gar nicht gehen? Oder geht es zum Sterben ins Krankenhaus? Und wie ist das, wenn es nicht um Schmerzen, sondern nur um Durst geht?
Original geschrieben von Bärentöter
wasndas? :confused:
Buttons
Eine spezielle Variante der Austauschsonde ist der sogenannte Button. Das Hauptmerkmal eines Buttons ist, dass er außen keinen festverankerten Schlauchfortsatz besitzt, sondern lediglich einen kleinen verschließbaren Knopf mit einem Deckel, der ein wenig an den Verschluss eines Strandballs erinnert [ Abb. 9 ]. Unter diesem Deckel befindet sich ein Ventil, an das ein separater Verbindungsschlauch zum Sondieren von Nahrung oder Medikamenten angeschlossen werden kann. Daher nimmt ein Button wenig Platz in Anspruch.
Auf der Außenseite haben Buttons keine Halteplatte und werden in der Regel auch nicht durch ein Pflaster am Bauch fixiert. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass das Stoma des Kindes vor dem Einsetzen von einem Arzt exakt vermessen wird, um Durchmesser und Länge des Buttons möglichst genau anpassen zu können und so einen zu lockeren Sitz des Buttons zu verhindern.
http://www.stiftung-noah.de/assets/images/sondenarten06.jpg
Quelle: http://www.stiftung-noah.de/magensonden/reportagen/sondenarten/index.aspx?bhcp=1
RS-USER-rettungshamster
12.04.2006, 21:57
Original geschrieben von Schädelspalter
Ist ja zum Glück aus der Mode gekommen. Habe ich aber vor einigen Jahren noch gesehen, fand ich aber nicht so gut...
Dazu ein paar Fragen: wie wird in Altenheimen mit Infusionen umgegeangen?
Also es ist in der Tat noch so, dass vereinzelt subcutane Infusionen gegeben werden. Die "alten" Hausärzte machen das noch eher wie die jüngere Generation.
War jetzt der Fall bei einem Bewohner gewesen, welcher unter einer massiven Schluckstörung litt und zudem eine fetzige Pneumonie hatte. Bekam dann ne 600 ACC bei ner Flüssigkeitstagesbilanz von unter 500ml *argh*...da fragt man sich schon mal wo und wie so mancher Hausarzt seine Approbation bekommen hat ;)
Intravenös wird meist dann gemacht, wenn es "akut" ist. Meist bei Patienten mit ner akuten Gastroenteritis...wenn es oben und unten gerade so rausläuft.
Und bei unruhigen exikierten Patienten muss eine Sitzwache garantiert werden / was im normalen stationären Pflegealltag aufgrund des vorherrschenden Personalmangels nicht weiter möglich ist - interessant zu beobachten ist dann auch das Verhalten der Angehörigen, die bei solchen Aktionen komischerweise nie Zeit für ihre Lieben finden ...
RS-USER-Bärentöter
12.04.2006, 22:23
danke @Xaxerl... das war mir ganz unbekannt!
RS-USER-rettungshamster
12.04.2006, 22:57
Original geschrieben von Schädelspalter
Erlaubt die Heimleitung, dass ein Hausarzt einem Sterbenden mit Schmerzen eine Infusion verabreicht, um ihm einen Krankenhausaufenthalt zum Sterben zu ersparen (und stellt das Pflegepersonal die Infusion ab?)? Oder wird auch mal auf angemessene Schmerztherapie verzichtet, weil i.v.-Sachen gar nicht gehen? Oder geht es zum Sterben ins Krankenhaus? Und wie ist das, wenn es nicht um Schmerzen, sondern nur um Durst geht?
Bei uns muss das nicht die Heimleitung entscheiden -> die ist eher für das Personalcontrolling zu haben als für solche Fragen :o
Wir sind schon bestrebt, die präfinalen Bewohner bis zum Schluss bei uns zu behalten. Ins KH kommen sie wirklich erst nur dann, wenn sich Komplikationen einstellen die im Rahmen unserer Möglichkeiten nicht mehr beherrschbar sind.
Was die angemessene Schmerztherapie betrifft, so ist den meisten Hausärzten eine solche gar nicht geläufug (leider). Dann gilt auch hier wieder der Grundsatz -> Wenn akut, dann ist auch intravenös (kurzfristig) was möglich, was aber dann entweder im Rahmen des Hausarztbesuches oder über ÄBD geht.
Um einer Exikkose vorzubeugen oder zu kompensieren...dazu hab ich mich ja schon geäußert ;)
Oha.. Scheinbar hat sich das "Aus der Mode kommen" der s.c Infusionen noch nicht bis hierhin rumgesprochen, ich erlebe die jedenfalls recht häufig in den Altenheim in und um der "Weltstadt mit Herz":(
Ich kannte das bis vor 8 Wochen nur vom Hörensagen...
und ich würde es NICHT machen, hab mich auch geweigert, und ich wußte warum. als eine NaCl bei meinem letzten Klinikaufenthalt para lief *autsch.
Bitte@Bärentöter - DIE Dinger find ich klasse, v.a. schlecht zum rausreißen für "unsere" PEG-Kandidaten...
RS-USER-Bärentöter
15.04.2006, 18:33
hmmm lieber eine s.c.-Infusion als eine sinnlose Klinikeinweisung, oder?
Urinkellner
15.04.2006, 19:15
In den richtigen Händen und unter korrekter Indikationsstelllung ist die s.c. - Infusion durchaus eine Möglichkeit!
Hab´da durchaus gute Erfahrungen gemacht.
Ich kenne allerdings auch Einrichtungen die damit sehr großzügig die Flüssigkeitsdefizite ihrer Bewohner pauschal ergänzen.
Shanaria
16.04.2006, 20:43
Zur Thema PEG: Vor vier Wochen hatte einer meiner Bewohner "Kaffesatzerbrechen", rezidivierend, bei bekanntem Reflux, er wurde ins KH gebracht.. innerhalb von 72 Stunden lag die Duodenalsonde, da er nicht schlucken konnte und die Gefahr der Aspirationspneumonie viel zu hoch sei.. nach drei Wochen bekamen wir ihn zurück, mit 6 Kilo weniger, komplett verängstigt, noch unzugänglicher als sont, steif wie ein Brett, selbst das Lagern ging nur mit zwei Pflegepersonen. Er hat im KH nichts mehr oral bekommen, ich hab dann mal den Hausarzt gefragt, ob ich ihm vielleicht mal nen Pudding geben kann. Und siehe da, er hat ihn gegessen langsam, aber mit sichtlichem Genuß.. drei Tage später ist er friedlich eingeschlafen...klar geht das mit der PEG am schnellsten, aber ist das wirklich die beste Lösung für den Menschen, für SEINE Lebensqualität oder nur für unsere??
Und was die S.c. Infusionen angeht, mal ein anderes Beispiel: Samstag, 15:00 Uhr, Anruf von der beschützten Abteilung, am Apparat ein Pflegehelfer, alleine auf der Station mit 25 Patienten. Einer seiner Bewohner erbricht, schwallartig und nun schon seit 2 Stunden. Also, als einzigste examinierte Kraft runter von meiner Station und ab dafür.. stehende Hautfalten, ein Hautcollorid zum gruseln.. Anruf beim diensthabenden Bereitsschaftsarzt.. Antwort: S.C. Infusion.. ein halber Liter... abends bin ich nochmal runter.. es ging ihm besser.. vor drei Tagen musste ich wieder hin.. er hat sich gut erholt und ist wieder selbstständig.. ich bin nicht begeistert, aber manchmal hilft es, obwohl mir eine i.V.-Infusion lieber gewesen wäre. Aber ich hab so das Gefühl, wenn die Ärzte den Namen von unserm Heim hören, da stellt es ihnen schon die Nackenhaare, das sind alles Sozialhilfeempfänger..da ist kein Schnitt zu machen und die wenigstens können überhaupt Danke sagen...tja.. und nun?
RS-USER-rettungshamster
17.04.2006, 06:48
Original geschrieben von Shanaria
Aber ich hab so das Gefühl, wenn die Ärzte den Namen von unserm Heim hören, da stellt es ihnen schon die Nackenhaare, das sind alles Sozialhilfeempfänger..da ist kein Schnitt zu machen und die wenigstens können überhaupt Danke sagen...tja.. und nun?
Ich denke das hat weniger mit den "Sozialhilfeempfängern" zu tun. Es ist wohl eher eine Grundhaltung der meisten ärztlichen Bereitschaftsdienste ihre Arbeit in einem Altenheim zu versehen. Bekomme ich auch immer wieder mit. Bevor der ein oder andere mal seinen Hintern ins Haus bewegt, werden vorher unzählige telefonische Anordnungen getroffen ohne das ihnen der Patient überhaupt "persönlich" bekannt ist.
Shanaria
23.04.2006, 20:13
ich werd einfach das schlimme Gefühl nicht los, daß es so manchen Arzt hier aus der Umgeunb ziemlich wurscht ist, was aus den Menschen, die bei uns in der Pflege sind wird, wenn unsere Möglichkeiten einfach erschöpft sind. Ich hasse es, meine Bewohner ins Krankenhaus zu geben, die meisten sind dement, alle psychisch krank und von daher mit Veränderungen nicht wirklich glücklich.. aber diese telefonischen Anweisungen hasse ich am meisten.. natürlich kann ich als Krankenschwester Vorschläge machen, weil ich den Patienten besser kenne, aber die eine oder andere Sache bedarf doch auch mal des Kennerblicks.. aber ich hatte auch schon Ärzte die mir ein lapidares "vielleicht stirbt sie ja und bis ich da bin ist sie dann auch schon tot" an den Kopf geworfen haben. ( Die damalige Patientin hatte einen Herzinfarkt).. es ist zum ausrasten.. da fehlt mir nur noch die schöne Vokabel vom "sozialverträglichen Frühableben"...:mad:
RS-USER-Bärentöter
23.04.2006, 20:35
hmmm ein altes, menschliches Problem... nicht so einfach zu lösen.... der Wert des Menschen und so weiter...
Shanaria
25.04.2006, 19:31
Nenn mich einen hoffnungslosen Fall von Idealismus..ABER...Darf sich diese Frage überhaupt stellen???
RS-USER-Bärentöter
25.04.2006, 20:43
nachdem ich einen Post von Dir in einem anderen Thread gelesen habe...
Ja!
Ich bin selber auch ein Verfechter des humanistischen Grundgedankens.
Aber die pflegerische wie ärztliche Realität macht es einem oft nicht leicht.
Wenn ich das darf, knuddel ich Dich mal herzlich! Deine Einstellung gefällt mir!
Shanaria
26.04.2006, 09:08
Knuddeln tut gut.. :knuddel: ..Ich weiß ja auch nicht, wie alle anderen das schaffen, die Tür hinter sich zu zumachen und dann nur noch privat zu sein.. ich nehme meine Arbeit immer mit nachhause.. da muss ich mir noch was überlegen.. auf die Dauer ist das auch nicht gesund.. aber an meiner Grundeinstellung wird das nichts ändern..das hab ich im Heim von meiner Mutter gelernt..ein bunt gewürfelter Haufen von Pflegehelfern und examinierten Kräften, untereinander die reinsten Lämmer, aber wenns um die Bewohner ging, jede für sich eine Löwenmutter..das ging solange gut, bis wir nen großen Träger bekamen....
RS-USER-Bärentöter
26.04.2006, 18:11
Original geschrieben von Shanaria
..Ich weiß ja auch nicht, wie alle anderen das schaffen, die Tür hinter sich zu zumachen und dann nur noch privat zu sein.. ich nehme meine Arbeit immer mit nachhause.. da muss ich mir noch was überlegen.. auf die Dauer ist das auch nicht gesund..
zu 100% schafft das wohl niemand, aber bis zu einem gewissen Grad kann man das lernen.
Shanaria
02.05.2006, 09:57
Original geschrieben von Bärentöter
zu 100% schafft das wohl niemand, aber bis zu einem gewissen Grad kann man das lernen.
Das sollte ich wohl auch.. seufz... jetzt bin ich auf ner neuen Station und schon wieder hab ich wenigstens "3 neue Mitbewohner" zuhause.. hab aber die "alten" noch nicht mal rausgeschmissen.. ich fühl mich so unprofessionell..:( ...aber ich versuch da mal einfach dran zu arbeiten...
RS-USER-Sanitoeter
07.08.2006, 23:27
Eine Mitschülerin hatte mir mal folgende Geschichte erzählt:
Sie war auf einer internistischen Station eingesetzt und bekamen eine Frau um die 90 Jahre auf Station wegen AZ-Verschlechterung bei Essensverweigerung (Z.n. Apoplex mit Aphasie). Sie sollte dann eine PEG bekommen, da waren sich HAusarzt, Angehörige und Stationsarzt einig. Meine Mitschülerin fand diese Vorstellung einfach schrecklich bei dieser Dame und nahm sich intensiv Zeit für sie. Sie versuchte ihr Essen einzugeben, Pudding, einfach alles. Aber nichts funktionierte... Am Abend machte sie das Gebiss der Patientin sauber und stellte dabei fest, dass der ganze Unterkiefer entzündet und z.T. vereitert war, unter der Prothese... Diese war wohl schon Wochen bis Monate nicht mehr gereingt worden... Patientin kam dann direkt in die Zahnmedizin, und die PEG blieb ihr erspart. (Die Patientin aß schon wieder Brei nachdem nur die Prothese entfernt war, diese allein machte ihr schon so Schmerzen dass sie nichts mehr essen wollte.:eek:
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