Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Todesursache Nr. 1 Arzt??
Alles wird gut
23.05.2003, 13:40
Oder eine Zeile und ein Bild! :-D Hier was vom "Unaussprechlichen": :-))
ehemalige Userin 24092013
23.05.2003, 21:48
:-D :-D :-D
Gruss Kaddel
Seriöse Quellen geben die Zahl von 25000 Toten jährlich durch ärztliche Fehler in Deutschland an. Möglicherweise muss man noch eine gewisse Dunkelziffer hinzuzählen. Bei 800.000 Toten insgesamt jährlich ist das gewiss keine Zahl, die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (fast die Hälfte der Todesursachen) oder Carzinomen "konkurrieren" könnte. Sie ist aber hoch genug, um alles zu tun, die bisherige Fehlerquote zu senken.
Plakativ gesprochen rotten Ärzte jedes Jahr die Bevölkerung einer kleinen Stadt aus. Überstunden und überlange Dienste sowie eine praxisferne Ausbildung gehören m.E. zu den Hauptproblemen des medizinischen Betriebes in D.
Auch wenn manche Kollegen das bestehende System in heldenhafter Selbstüberschätzung immer noch verteitigen, zeigen objektive Forschungsergebnisse zB dass 24 h ohne ausreichenden Schlaf psychomotorisch einer Promille Alk im Blut entsprechen. Damit würde man zu Recht den Führerschein verlieren, aber Patienten operieren darf man dann immer noch!
Christoph_A
26.05.2003, 12:29
@ Bastian: Da hat einer endlich mal den Nagel voll auf den Kopf getroffen. Ich glaube nämlich,daß die zeitliche Überlastung für mehr als die Hälfte der ärztlichen Kunstfehler verantwortlich ist.
Nun ich bin mir da mit den Überstunden induzierten Kunstfehlern mal nicht so sicher. Obwohl es natürlich richtig ist, dass ein Arbeiten unter solchen Bedingungen alles andere als sinnvoll ist.
Fehler werden gemacht, v.a. auch aus Fehlüberlegungen, aus falscher und unvorsichtiger Indikationsstellung, aus mangelhafter Abklärung und Untersuchung. Sind diese Fehler nicht ebenso Produkt einer Überheblichkeit?, einer Selbstüberschätzung? und einer gewissen Unachtsamkeit welche sich gerade durch Routinetätigkeit ergibt?
Bin mir da nicht so sicher, ob das ein Ausbildungsproblem ist.
Hier wieder mal meine alte Leier: Das Eingeständnis der eigenen Unvollkommenheit und Unzulänglichkeit ist eine der grössten und leider auch seltensten ärztlichen Tugenden.
Original geschrieben von hobbes
Das Eingeständnis der eigenen Unvollkommenheit und Unzulänglichkeit ist eine der grössten und leider auch seltensten ärztlichen Tugenden.
Erstens ist dies kein ärztespezifisches Problem.
Und zweitens wird das Eingeständnis der eigenen Unvollkommenheit erst dann zur Tugend, wenn daraus das Bemühen erwächst, diese Unvollkommenheit zu minimieren. Andernfalls handelt es sich nämlich lediglich um bequeme Resignation.
airmaria
27.05.2003, 13:51
Original geschrieben von DerBlinde
Ich kann Dir versichern, wenn Du einmal selber für Deinen Patienten und seine Gesundheit, sogar sein Leben verantwortlich bist, knobelst Du die Medis und die Therapie mit dem Würfelbecher aus! Da schaust Du 10x mal nach, bevor Du ein Medikament aufschreibst, wenn Du Dir nicht 100%ig sicher bist!
Original geschrieben von Bastian
Seriöse Quellen geben die Zahl von 25000 Toten jährlich durch ärztliche Fehler in Deutschland an.
Original geschrieben von Christoph_A
Ich glaube nämlich,daß die zeitliche Überlastung für mehr als die Hälfte der ärztlichen Kunstfehler verantwortlich ist.
Also gut, ich habe mich mal ein wenig schlauer gemacht und werde nun einige Zahlen aus diversen Studien wiedergeben.
Dabei möchte ich vorab nochmal deutlich machen, daß es mir bei meinen bisherigen Aussagen zu "Arzt, Todesurschae Nr.1“ nicht um die offensichtlichen Kunstfehler am Skalpell ging, sondern um das tägliche Handwerkszeug fast aller Ärzte: die Medikation.
Prinzipiell wird in den Studien zwischen UAW (unerwünschte Arzeneimittelwirkungen) und UAE (unerwünschtes Arzeneimittelereignisse) unterschieden, wobei man dann weiter zwischen vermeidbaren und nicht vermeidbaren differenziert.
Eine ganz besondere Schwierigkeit an vernünftige Zahlen zu kommen, die Bastian mit seinen 25000 Toten da oben z.B. beschreibt liegt im Meldeverhalten der Ärzte und Pfleger.
So weist eine umfangreiche retrospektive Studie von Jha et al. nach, daß gerademal 5% aller nachweisbaren UAE gemeldet wurden!
Demgegenüber steht ein besonders hoher vermeidbarer Anteil an UAE-bedingten Krankenhausaufnahmen von 73,3% bei geriatrischen Patienten! In dieser Zielgruppe zeigt sich besonders deutlich das Problem der Multimorbidität älterer Menschen und der daraus resultierenden Polypharmazie.
Vermeidbare UAE sind definitionsgemäß Folge von Medikationsfehlern. Nach einer Studie von Bates et al. sind 81% der Medikationsfehler im Verantwortungsbereich der Ärzteschaft zu suchen, hingegen nur 14% im Bereich der Pflegekräfte (der Rest Übertragungs- und Distributionsfehler).
Der deutlich größte Anteil vermeidbarer UAE geht auf Verodnungsfehler zu Beginn der Medikationsphase zurück, insbesondere die Überdosierung ist hier hauptverantwortlich, wobei davon wieder 30-40% auf einer fehlende/falsche Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz beruhen und 19% auf einer Nichtberücksichtigung des Patientengewichts!
Daneben resultieren Dosierungsfehler aber auch auf Rechenfehlern, was zum einen ein kleiner Versuch mit 150 Ärzten zeigte, die 5 verschiedene Dosierungen berechnen sollten, was lediglich 44% gelang und in der o.g. Studie mit 11% als Ursache für Dosierungsfehler angeführt wird.
Viel schwieriger an vernünftige Zahlen im Gegensatz zur Inzidenz und Vermeidbarkeit von UAE ist es an eine Inzidenz von Todesfällen aufgrund von UAE zu kommen.
Eine viel zitierte Studie ist hier die Metaanalyse von Lazarou et al., die die Ergebnisse von 16 amerikanischen Studien aus den Jahren 1964 bis 1995 zusammenfaßt.
Eine Umrechnung dieser Zahlen auf deutsche Verhältnisse unter weiterer Berücksichtigung einer norwegischen Studie durch Schnurrer in seiner Dissertation läßt ihn insgesamt von 157.000 Todesfällen jährlich ausgehen, alleine für den stationären Bereich auf tödliche UAE zurückführbar!
Insgesamt verdeutlichen die Zahlen, daß Todesfälle durch UAE ein ernst zu nehmendes Problem sind. Hierbei sind noch nicht die Todesfälle von außerhalb der Krankenhäuser Verstorbener berücksichtigt. Auch ambulant aufgetretene UAE sind nicht erfaßt.
"Mary“ airmaria
Original geschrieben von Lisa
Erstens ist dies kein ärztespezifisches Problem.
Und zweitens wird das Eingeständnis der eigenen Unvollkommenheit erst dann zur Tugend, wenn daraus das Bemühen erwächst, diese Unvollkommenheit zu minimieren. Andernfalls handelt es sich nämlich lediglich um bequeme Resignation.
JEIN. Wer weiss und sich auch zugeben kann, dass er nicht vollkommen und allwissend ist - dem fällt es leichter, daraus auch Konsequenzen zu ziehen, bzw. es ist die Grundvorausetzung dazu.
Zweitens wäre diese Konsequenz nicht das Streben nach eben dieser illusionären Vollkommenheit, sondern dass ein Arzt nicht jeden Patienten selbst behandeln kann, nicht jedes Problem alleine angehen kann und rechtzeitig in diesen Problemen versiertere Kollegen einbezieht. Damit wären wir bei den interdisziplinären Grabenkämpfen angelangt. Darunter leiden a) die Patienten und b) die Qualität der Medizin.
Hm...also formulier ich mal besser: tugendhaft wäre das Bemühen, die die Patienten vor den negativen Konsequenzen der eigenen Unvollkommenheit bestmöglich zu bewahren. ?!
;-)
Richtig. Ganz im Sinne des platon'schen Postulates "nil nocere" / nicht schaden.
Und dazu gehöhrt eben als Grundvoraussetzung die Einsicht, der Beschränkheit des eigenen Könnens und Wissens. In der Tat habe ich dann auch nichts dagegen einzuwenden, dass dies eine Bequemlichkeit sein soll. Der Arzt kommt durch Handlungen "ins Schwitzen", welche seinen Wissenshorizont überschreiten, und dann ist auch der Moment erreicht, wo die Gesundheit des Patienten auf dem Spiel steht.
Eine andere Form von Bequemlichkeit ist das von Mary angeführte sorglose Verschreiben von Medikamenten unter Nichtbeachtung von Medikamenteninteraktionen, Körpergewicht, Komorbiditäten wie Niereninsuffizienz oder Leberschäden bis hin zur Compliance oder Allergie. Ein Medikament ist so rasch verschrieben und der Patient damit meist vorläufig zufriedengestellt. Ich denke, dass die "Kunstfehler" im ambulanten Bereich diejenige des stationären noch überschreiten. Diese Fehler sind nun wahrhaftig schlicht eine Folge von Fährlässig- und Nachlässigkeit und unentschuldbar.
Ich habe keine Probleme, wenn hier mal einer auf diese Probleme aufmerksam macht.
:-meinung
Protagoras
08.01.2006, 14:22
Ich glaube, daß vor allem Laien häufig Komplikation und Kunstfehler durcheinanderwerfen.
Anders wäre wohl nicht zu erklären, weshalb fast alle Kunstfehlerprozesse sich auf die Chirurgie beziehen. Dabei sind wohl Fehlmedikationen viel häufiger, aber in ihrem Effekt auch irgendwie subtiler. :-meinung
Was die Todeszahlen betrifft stimmt wohl die einfache Erkenntnis, daß mit und ohne Ärzte gleich viele Menschen sterben, nur hoffentlich mit Arzt im Schnitt ein bißchen später.
Ein Vertreter der Pharmaindustrie könnte auf der anderen Seite vorrechnen, wie viele Menschen sterben, gerade weil sie keine Medikamente erhalten.
Was die Todeszahlen betrifft stimmt wohl die einfache Erkenntnis, daß mit und ohne Ärzte gleich viele Menschen sterben, nur hoffentlich mit Arzt im Schnitt ein bißchen später.
Mit Ärzten sterben MEHR Menschen, is doch logo. So retten sie z.B. jugendlichen Unfallopfern das Leben, so dass diese später nochmal Kinder bekommen, welche gezwungenermaßen auch mal sterben werden!
Dreckiges Ärztepack...
;-)
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.