Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verkehrsunfall LKW gegen Smart
leuchtreklamefahrer
07.08.2007, 21:04
Ähm, Leute, da sitzt ein sonst gesunder Patient im Auto, der offensichtlichen Verletzungen aufweist, und der wird, kreislaufstabil wie er momentan ist, von euch mit mehr als 2 Zugängen versorgt? Ihr legt in einem Smart,aus dem er gerettet werden soll, eine EKG und eine NIBP-Manschette an?
Mal auf dem Teppich bleiben!
Je nach Schmerz kann man vor der KED-Geschichte etwas analgesieren, Thorax inspizieren und auskultieren, das verstehe ich allerdings eigentlich schon unter dem gelaufenen Basischeck. Ansonsten jetzt mal Butter bei die Fische, KED ran, auf SPineboard gezogen und ab auf die Vakuummatratze. Im RTW wegen mri ein EKG.
Nur weil man bei Fallbeispielen immer mit irgendwelchen Gemeinheiten rechnet trotzdem mal den praktischen Bezug mit drin lassen. Ein gesunder Mensch wird während einer 30 Minuten dauernden Rettungsaktion keinen Sonnenstich davontragen, oder haben wir dann alle einen Hitzestau unter unseren Helmen?
RS-USER-blacksheep
07.08.2007, 21:17
Also tut mir ja Leid aber ein 3-Pol bekommt bei mir eigentlich jeder zur Überwachung. Ist auch im Traumacode so vorgesehen. Über den größeren Zugang kann man drüber reden. Ich gehe aber mal davon aus das bei der Punktion auch eine Blutentnahme stattgefunden hat.
Ähm .. und hättest du richtige gelesen, kam das Monitoring nach Bergung erst im RTW dran.
Also mit meinem fiktivem Patienten stehe ich im RTW und warte drauf das mir der Erzähler sagt was für Krankenhäuser ich zur Verfügung habe und wie weit die weg sind.
Der Patient ist nun nicht kreislaufinstabil und zeigt derweil auch keine Zeichen eines signifikantem SHT. Feld/Wald und WiesenKH würd ich nun meiden aber ein Krankenhaus das eine UC hat und die Möglichkeit einer Röntgendiagnostik wäre i.O.
leuchtreklamefahrer
07.08.2007, 21:27
Sorry, dann tut mir das mit dem Monitoring leid, im Fahrzeug sehe ich es auch als nützlich an. Bei der Rettung wäre das Spineboard hier meiner Meinung nach sehr gut geeignet, wenn einige der beteiligten Helfer sich damit auskennen und man "an einem Strang" zieht.
Ab ins Krankenhaus mit CT und UC.
RS-USER-opus
07.08.2007, 21:40
Ich wäre an dieser Stelle aus Gründen, die in mein Berufsfeld gehören, tatsächlich eher großzügig mit den Diagnosemöglichkeiten.
Der Smart hat mangels Platz praktisch keine klassische Knautschzone. Um dennoch das geforderte hohe passive Sicherheitsniveau zu erreichen, ist die Fahrgastzelle extrem steif und garantiert so auch bei heftigen Feindberührungen den gewünschten Lebensraum.
Von daher ist es jedoch sehr schwer, aus den äußeren Beschädigungen des Fahrzeuges auf die tatsächlichen Beschleunigungswerte zu schließen, denen der angeschnallte Körper ausgesetzt war, weil die Knutschkugel auch bei heftigen Stößen noch ziemlich in Form bleibt. Viele von außen sichtbare Verletzungen werden von Gurt und Knalltüte verhindert, wie es innen aussieht, wissen wir deshalb aber noch lange nicht.
RS-USER-Elektro-Dengel
08.08.2007, 12:24
Sehr richtig Opus, die Einschätzung des ganzen ist beim Smart schwierig, daher passen wir noch ein bisschen besser auf unseren Pat. auf als wir das eh schon tun würden. Also verstärktes Monitoring, und mehrmals Vitalparameter. Selbige ändern sich im Moment nicht mehr.
Der NA entscheidet sich aufgrund der Schmerzen im Thorax (Anhalt für einen Pneu, od. Hämatothorax ergeben sich keine) gegen das KED und möchte den Pat. nach hinten mit dem Spineboard aus dem Auto ziehen. Zur schmerzfreien Rettung bekommt er 0,1mg Fentanyl und 10mg MCP (für alle Fälle). Hierunter ist eine schmerzfreie Rettung mögl., die sich aufgrund ausreichend Manpower seitens der Feuerwehr unkompliziert gestaltet. Anschließend kommt der Pat. auf die Vacuum-Matratze und ab ins Auto. Hier nochmal eine Runde Vitalparameter (unverändert) und des weiteren 4-Kanal EKG und ein eingehender Bodycheck incl. Neurologie.
Der Bodycheck ergibt bis auf diverse Schürfungen und kleine Glassplitter keine Neuigkeiten. Der Thorax bis auf die Schmerzen ebenfalls bzg. IPPAF o.B. Atemnot wird verneint, aber die Sättigung bleibt bei 6l/min. bei 94%. Die Neurologie zeigt uns einen unter Fenta leicht verlangsamten Pat. mit GCS 14 (3/5/6) sonst ebenfalls o.B.
Eine Blutentnahme erfolgte nicht. Da bei uns jedes KH andere Monovetten benutzt, macht das keinen Sinn!
An Krankenhäusern haben wir von hier aus mal 2 Häuser zu Auswahl. Ein KKH mit Uc Schwerpunkt und Haus der Schwerpunktversorgung (eher intern). Beide mit CT Möglichkeit. Das KKH erreichen wir mit SoSi in 6 das andere in 5 min. Das nächste Haus mit Schwerpunkt Neuro ist in 15 min. erreicht!
Wo fahren wir hin?
RS-USER-blacksheep
08.08.2007, 14:39
Original geschrieben von Elektro-Dengel
... IPPAF ...
HÄ?
Ich würde das KKH mit UC nehmen. Neuro ist unauffällig und auch kein Anzeichen für nen drohenden neurochirurgischen Eingriff.
Aber über dringend fahren nur wegen der Zeit? Ich würde mich da eher für ne Schonfahrt (auch mit Licht/Ton) entscheiden. Vital ist der Patienten nicht bedroht. Etwas spanisch kommt mir die etwas niedrige Sättigung. Wenn aber ein Pneu derweil ausgeschlossen ist, primär erstmal nicht bedenklich.
RS-USER-emergency doc
08.08.2007, 20:16
Naja, also unter diesen Bedingungen würde ich den Patienten "so wie iss" in die nächste UCH fahren. Selbst einen Pneu kann man ja erstmal tolerieren, sollte der Patient stabil bleiben, also macht Euch keine Gedanken... Sollte sich ein Spannungspneu entwickeln ist es natürlich was anderes...
RS-USER-Elektro-Dengel
09.08.2007, 12:31
Original geschrieben von blacksheep
HÄ?
IPPAF
Inspektion
Palpation
Perkussion
Auskultation
Funktion
Also wir entschließen uns dazu das KKH mit UC Schwerpunkt anzufahren. Über die ILST erfolgt die Anmeldung dort. Schockraum wird nicht angemeldet.
Der Transport gestaltet sich komplikationslos. Die Vitalparameter bleiben konstant, eine weitere Analgesie ist bei schmerzfreiem Patienten nicht notwendig.
Im KH erfolgt die Übergabe an den diensthabenden Unfallchirurgen mit den Erstdiagnosen HWS-Schleudertrauma, Commotio cerebri, Schulterprellung re., Thoraxprellung re.
Weiterer Verlauf:
In der Notaufnahme wird der Pat. noch in der Vakuum-Matratze weitestgehend entkleidet. Ein eingehender Bodycheck ergibt hier keine Neuigkeiten mehr! Neben den restlichen Standards (wie EKG und Blutabnahme) erfolgt bei noch immer leicht hypotonem / tachykardem Pat. ein Abdomen-Sono, das keine organischen Verletzungen, oder freie Flüssigkeit zeigt. Nach CT von Schädel und HWS (beides o.p.B.) werden Stiffneck und Vakuum-Matratze entfernt. Der Röntgen-Thorax in 2 Ebenen zeigt eine Fraktur der Rippen 3 und 5 rechts (kein Pneu, od. Hämatothorax). Der Patient wird für eine Nacht auf die chir. Wachstation aufgenommen und tags darauf zur weiteren konservativen Therapie auf Normalstation verlegt.
Abschließend lässt sich sagen, dass der Pat. in Anbetracht des Unfallmechanismuses (erst Beschleunigung von hinten, dann Verzögerung durch Laternenmast) und dem ungleichen Duells zw. LKW und Smart, erhebliches Glück hatte. Eine weitaus schwereres Verletzungsmuster wäre hier anzunehmen gewesen. Dementsprechend intensiv auch die Behandlung bereits vor Ort, da schwere Verletzungen hier nicht auszuschließen waren. Durch die geringen Knautschzonen am Smart ergab sich hier nur eine geringfügige Verformung de Karosserie. Hierdurch entsteht leicht der Eindruck eines nur leichten Aufpralls. Zudem kann das Schockgeschehen schwere Verletzungen lange verschleiern. Eine Achsengerechte Rettung aus dem Fzg. unter großzügiger Eröffnung von Zugängen zum Pat. durch die Feuerwehr, ist hier immer ratsam, wobei sich hier der Verzicht auf das KED in Anbetracht der Rippen-# im Nachhinein als richtig herausgestellt hat. Als, in meinen Augen vorbildlich darf man wohl die Primärdiagnostik im KH bezeichnen. Der Pat. verblieb bis nach Röntgen und CT in Vakuum und Stiffneck.
Hier noch ein Foto (Quelle: www.fftaufkirchen.de)
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