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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Inkontinenz als Risikofaktor für Dekubitus hält kritischer Überprüfung nicht stand



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RS-USER-Nufragnich
25.08.2007, 13:50
Moin, moin!

Also, ich bin vor einiger Zeit auf eine ganz interessante Studie gestossen, die ich hier mal kurz vorstellen wollte. Vielleicht hat der eine oder andere ja auch Lust ab und zu mal interessante Studien vorzustellen, man hat ja nicht immer Zeit, sich durch die Fachliteratur zu kämpfen und vielleicht ist es ja auch für die anderen Berufsgruppen hier im Forum mal ganz interessant zu sehen, womit sich Pflegeforschung eigentlich beschäftigt. Vielleicht entwickelt sich ja eine neues Unterforum: "Neues aus der Pflegeforschung", oder so ähnlich...

Also, die Studie ist schon etwas älter, aber trotzdem noch ganz spannend, wie ich finde.
Quelle:Krause, Anders, Renteln-Kruse "Inkontinez als Risikofaktor für Dekubitus hält kritischer Überprüfung nicht stand", Pflege 2005; 18:299-303
Hier eine kurze Zusammenfassung:
Der einzige primäre pathogenetische Faktor für die Entstahung eines Dekubitus ist anhaltender Druck, dennoch wird die Inkontinez immer wieder als sekundärer Risikofaktor für Dekubitus genannt. Diskutiert wird hier die Mazeration der Haut durch die Nässe, oder die Urininkontinenz als Indikator für andere Risikofaktoren oder als Maß für Pflegebedürftigkeit ohne kausalen Zusammenhang zum Dekubitus. Problematisch ist hierbei die fehlende wissenschaftliche Evidenz, da es keine kontrollierten oder randomatisierten Studien zu diesem Thema gibt. In der Studie wurden die Daten von 200 Patienten in einer Fall - Kontroll - Studie untersucht, um dem Zusammenhang von Dekubitus und Inkontinez nachzugehen.
In der Studienpopulation mit 200 Patienten mit Dekubitus, bwz einem hohen Dekubitusrisiko waren insgesamt 97,5% der Patienten inkontinent. Die Erhebung fand retrospektiv, nach dem Tode statt und wurde im Rahmen von Aktenrecherchen und Befragungen durchgeführt. Aus 11 412 Leichenschauen wurden schliesslich 100 Fälle mit höhergradigem Dekubitus und 100 passende Kontrollen ohne höhergradigem Dekubitus rekrutiert. Die Fragestellung war: Führt die Intensität der Urininkontinenz oder die Art der Inkontinenzversorgung zu unterschiedlichen Ergebnissen im Fall - Kontroll - Vergleich? Welche Rückschlüsse lassen sich für den kausalen Zusammenhang zwischen Unrininkontinenz und Dekubitus ziehen? Zur Beantwortung wurden verschiedene Dichotome gebildet, um die Stabilität einzelner Ergebnisse zu überprüfen. Die Überprüfung erfolgte univarant entweder mit dem McNemar Test bei gepaarten Stichproben oder mit dem Chi - Quadrat Test, wenn keine gepaarten Stichproben vorlagen.
Ergebnisse: Im ersten Schritt wurde überprüft, ob der Einfluss der Nässe abbildbar ist. Es wurde angenommen, dass bei regelhafter Versorgung mit Kathetern kein Urin in Kontakt mit der Haut kommt, bei der Verwendung von Vorlagen komplette Trockenheit aber nicht gewährleistet werden kann. Verglichen wurden die mit kathetern versorgten trockenen Patienten mit den mit vorlagenversorgen feuchten Patienten. Es zeigte sich ein signifikanter Unterschiede (p= 0,003, McNemar Test), der allerdings unerwartet war:
Die mit Kathetern versorgen trockenen Patienten sind häufiger in der Dekubitusgruppe zu finden, zu erwarten war aber, dass sich dort mehr feuchte Patienten finden. Auch für die Beschränkung der Analyse auf die Fälle mit einem Dekubitus über dem Os sacrum, bzw. in der Glutealregion, wo also Urin unmittelbar einwirkt, ergab sich kein statistischer Zusammenhang. In einem zweiten Schritt wurde der Einfluss der Inkontinezgrade untersucht. Dazu wurden die kontineten und die teilkontinenten mit den permament inkontinenten verglichen, auch hier ist kein signifikanter Zusammenhang feststelltbar. Die Nässe - Theorie konnte hier also nicht nachgewiesen werden.
Das parallele Auftreten von Dekubitus und Inkontinenz ist also vermutlich eine Scheinkorrelation. Ein kausaler Zusamenhang zwischen Inkontinenz konnte hier nicht nachgewiesen werden.

Soweit diese Studien. Ich finde das Ergebnis sehr spannend. Sicherlich muss man dies durch weitere Studien überprüfen, aber es lassen sich dennoch einige Folgen für die pflegerische Praxis ableiten: Muss z.B. die Bradenskala modifiziert werden?
Auch die Begründung, wir legen einen DK, um das Risiko eines Dekubitus zu senken fällt nun weg.
Insgesamt eine sehr spannende Studie, die meines Erachtens einmal mehr zeigt, wie sehr wir die Pflegeforschung für die tägliche Praxis brauchen.

Gruß Nufragnich

Hörbird
25.08.2007, 20:36
Original geschrieben von Nufragnich
Moin, moin!

....

Gruß Nufragnich

Nett - und warum wird das nicht gelehrt? Brauchst dazu die Gegenstudien?

Wäre super, wenn soetwas mal mit den ATS-Strümpfen passieren würde....

RS-USER-Bärentöter
25.08.2007, 22:56
Original geschrieben von Nufragnich
Insgesamt eine sehr spannende Studie, die meines Erachtens einmal mehr zeigt, wie sehr wir die Pflegeforschung für die tägliche Praxis brauchen.

Muhaha... Pflegeforschung, was'n Quatsch. Was für eine idiot... äh angreifbare Studie.
Laßt Euch nicht verar.schen!

RS-USER-Küchenhexe
25.08.2007, 23:24
Original geschrieben von Bärentöter
Muhaha... Pflegeforschung, was'n Quatsch. Was für eine idiot... äh angreifbare Studie.
Laßt Euch nicht verar.schen!

Äh, Bärentöter... nix gegen Deine Einschätzung, aber: wo bleiben Deine Fakten?

RS-USER-Nufragnich
26.08.2007, 16:05
Original geschrieben von Bärentöter
Muhaha... Pflegeforschung, was'n Quatsch. Was für eine idiot... äh angreifbare Studie.
Laßt Euch nicht verar.schen!

:confused:
War das ernst gemeint???
:confused:

RS-USER-Möhre
26.08.2007, 20:11
wir wissen nicht, noch nicht, was der freundliche bärentöter dazu sagt, aber der advocat möchte auch seinen senf dazu geben und etwas öl in´s feuer gießen ...
der advocat tut hiermit also kund und zu wissen: der töter hat eigentlich recht, und auch wieder nicht ...
urininkontinenz und dekubitus haben primär schon mal deshalb nichts miteinander zu tun, weil urin im bett per seh den auflagedruck mal nicht erhöht, gell ?? ein deku ist die folge von zu lange anhaltemden druck auf der selben stelle. klar wird der durch infolge urin mazerierter haut schlimmer, hat aber ursächlich logischerweise keinen zusammenhang. da treffen zwei dinge zusammen, die streng genommen nüscht miteinander zu tun haben. und damit ich dann auch mit recht als ketzer verdammt werde: wir wissen alle, daß der mit dk versorgte patient schon deshalb pflegerisch weniger kontaktiert wird, weil der nicht im nassen liegen kann. am gewindelten patieneten sind wir öfter, ne wahr ?? und daher behaupte ich mal, euch wohl zum zorne: dafür brauche ich keine studie, um diesen zusammenhang zu sehen; dafür reicht so ein bißchen grips und etwas gesunder und logischer menschenverstand.
aber, und das mein lieber töter ist die crux: warum nimmt die akademische elite die pflege so häufig nicht ernst ?? weil es in diesem bereich für jede minimale defäkation eine wissenschaftliche studie nebst gegenstudien, berichtigungen und widerrufen gibt. und weil diese der pflege fehlt, nimmt man es gerne zum anlass, die pflege für das, was sie tut, milde zu belächeln ... allein schon deshalb braucht es die pflegeforschung, weil den akademikern nämlich dann die argumente fehlen ... was sie dann nicht daran hindert, sich lächerlich zu machen, weil die sind schließlich der arzt, richtig ???

RS-USER-Bärentöter
26.08.2007, 20:51
Original geschrieben von Möhre
.
aber, und das mein lieber töter ist die crux: warum nimmt die akademische elite die pflege so häufig nicht ernst ?? weil es in diesem bereich für jede minimale defäkation eine wissenschaftliche studie nebst gegenstudien, berichtigungen und widerrufen gibt. und weil diese der pflege fehlt, nimmt man es gerne zum anlass, die pflege für das, was sie tut, milde zu belächeln ... allein schon deshalb braucht es die pflegeforschung, weil den akademikern nämlich dann die argumente fehlen ... was sie dann nicht daran hindert, sich lächerlich zu machen, weil die sind schließlich der arzt, richtig ???

pflegerische Erkenntnis ist wie Schuhmode, dieses Jahr Rivanol, nächstes Jahr Alkoholumschläge...
Kritik an dieser Studie (Fragestellung! Methodik! Gruppeneinteilung! Endpunkte!) gerne extra!

Hörbird
26.08.2007, 20:54
Original geschrieben von Bärentöter
pflegerische Erkenntnis ist wie Schuhmode, dieses Jahr Rivanol, nächstes Jahr Alkoholumschläge...
Kritik an dieser Studie (Fragestellung! Methodik! Gruppeneinteilung! Endpunkte!) gerne extra!

Komisch - sowas kenne ich doch auch bei den Ärzten? Nun nehmen wir mal dieses Medikament, dann ist doch dieses besser....
Genau das gleiche! :rolleyes:

RS-USER-Bärentöter
26.08.2007, 20:57
Original geschrieben von Hörbird
Komisch - sowas kenne ich doch auch bei den Ärzten? Nun nehmen wir mal dieses Medikament, dann ist doch dieses besser....
Genau das gleiche! :rolleyes:
da gebe ich Dir sogar recht!

RS-USER-Möhre
26.08.2007, 20:59
Original geschrieben von Bärentöter
pflegerische Erkenntnis ist wie Schuhmode, dieses Jahr Rivanol, nächstes Jahr Alkoholumschläge...
Kritik an dieser Studie (Fragestellung! Methodik! Gruppeneinteilung! Endpunkte!) gerne extra!

mein lieber töter, das war der gezielte griff ind die kloschüssel ... meines wissens ordnet diesen schrott immer noch der onkel doktor an ... und die tragen offensichtlich immer noch gerne die mode des letzten jahrtausends ...

RS-USER-Bärentöter
26.08.2007, 21:06
Original geschrieben von Möhre
mein lieber töter, das war der gezielte griff ind die kloschüssel ... meines wissens ordnet diesen schrott immer noch der onkel doktor an ... und die tragen offensichtlich immer noch gerne die mode des letzten jahrtausends ...

stimmt, ich mag Rivanol...
lieber als Quark und so nen Scheiß!
Ich spreche gerne mit erfahrenen Schwestern über Wundbehandlung, die kennen sich da auch aus, und ich laß die auch machen.
Aber diese Modeneinteilung kann ich nicht ab. Das ist m.E. Schuhmode und nichts anderes.

RS-USER-Möhre
26.08.2007, 21:14
und du läßt diese erfahrenen schwestern auch machen, wenn sie mit dingen kommen, die dir nicht gefallen ????

RS-USER-Schädelspalter
26.08.2007, 21:58
Original geschrieben von Möhre
...aber, und das mein lieber töter ist die crux: warum nimmt die akademische elite die pflege so häufig nicht ernst ?? weil es in diesem bereich für jede minimale defäkation eine wissenschaftliche studie nebst gegenstudien, berichtigungen und widerrufen gibt...
Nein, DESHALB nimmt fast nieman PflegeFORSCHUNG ernst:


Original geschrieben von Möhre
... urin im bett per seh den auflagedruck mal nicht erhöht, gell ?? ein deku ist die folge von zu lange anhaltemden druck auf der selben stelle. ....
da treffen zwei dinge zusammen, die streng genommen nüscht miteinander zu tun haben...
...wir wissen alle, daß der mit dk versorgte patient schon deshalb pflegerisch weniger kontaktiert wird, weil der nicht im nassen liegen kann. am gewindelten patieneten sind wir öfter, ne wahr ?? und daher behaupte ich mal, euch wohl zum zorne: dafür brauche ich keine studie, um diesen zusammenhang zu sehen; dafür reicht so ein bißchen grips und etwas gesunder und logischer menschenverstand.
Anscheinend hast Du eine Frage gestellt, die Du schon selber beantwortet hast, wenn man genau hinsieht.


Original geschrieben von Möhre
...die pflege für das, was sie tut, milde zu belächeln...
Nein, ich belächle:
1. Qualitativ minderwertige Forschung (egal welche), die sich enorm wichig nimmt - davon gibt es in der medizinischen Forschung mehr als genug und in der Pflegeforschung noch mehr * .
2. Menschen, die das Selbstvertrauen aus der Abgrenzung ihrer Berufsgruppe gegen eine andere suchen. Auch davon gibt es bei Medizinern mehr als genug, bei Pflegenden aber noch viel mehr. An der aufgeheizten Stimmung tragen Funktionäre und falsch gewachsene Strukturen einen großen Anteil.
Umso mehr sollten wir als "Fußvolk" nicht auch noch Grabenkriege führen und uns bitte im Ton mäßigen und die billige Polemik möglichst unterlassen, nicht wahr Bärentöter und Möhre (in alphabetischer Reihenfolge genannt ;) ) :peace:

*mein persönlicher Eindruck, als Ex-Hobby-Grundlagenforscher und Gelegenheits-Pflegezeitschrifenleser

RS-USER-Möhre
26.08.2007, 22:06
ich mag´ selber keine grabenkriege, und gerade auf intensiv bin ich eigentlich auf die andere berufsgruppe angewiesen ... nur, ohne jetzt polemisch werden zu wollen, dafür aber biblisch, verstehest du eigentlich, was du da liesest ???

RS-USER-Nufragnich
26.08.2007, 22:16
Original geschrieben von Möhre
: dafür brauche ich keine studie, um diesen zusammenhang zu sehen; dafür reicht so ein bißchen grips und etwas gesunder und logischer menschenverstand.

Ja und nein. Ich denke, das Problem ist hier, dass ihr das Teil nicht im Orginal gelesen habt, sondern nur meine vielleicht stümperhafte Zusammenfassung...
Natürlich ist klar, dass ein Dekubitus nur duch Druck hervorgerufen wird, aber - und das zum Thema gesunder Menschenverstand - in der Regel wird in der Praxis davon ausgegangen, dass eine mazerierte Haut, die Entstehung eines Dekubitus begünstigt, man stellt sich also vor, dass der aufgeweichte Hintern empfindlicher auf den gleichen Druckfaktor reagiert, als der trockene... Auf dieser Vorstellung beruhen auch die üblichen Skalen zur Risikoeinschätzung.
Das Ding ist einfach, selbst, wenn ich früher behauptet hätte, es spielt keine Rolle, ob der Typ nass oder trocken ist, ich kann es einfach nicht beweisen. Und dafür braucht es einfach Studien, um Dinge beweisen zu können.
Auch vor Gericht, übrigens...
Andererseits tun sich viele Ärzte einfach schwer, Studien zu lesen, insbesondere, wenn die statistischen Methoden etwas komplizierter werden als eine simple Bestimmung des Mittelwertes...:cool: Ich kenne das noch aus meinem Physikstudium, die mathematischen Kompetenzen der Medizinstudenten bei der Auswertung ihrer Messergebnisse im Praktikum waren oft entäuschend. :( Auch bei den Doktorarbeiten läuft es ja in der Regel so, dass sie ihre Daten zum Statistiker bringen, der dann so lange daran rütteln soll bis ein paar sinnvolle Zusammenhänge rausfallen. :rolleyes: Im Studium der Pflegewissenschaft, nehmen die statistischen Methoden einen deutlich größeren Rahmen ein. Andererseits ist die Forschung ja auch ihre Aufgabe, während der Arzt in der Regel ja am Bett stehen soll und praktisch tätig ist. Daher habe ich einfach so meine Zweifel, ob der handelsübliche Arzt kompetent genug ist, die Methodik einer Studie kritisch zu beurteilen...
Was den Inhalt der Studie betrifft, darüber kann man natürlich gerne streiten...

Was die pflegewissenschaftlichen Studien im allgemeine betrifft: Hier muss man ehrlicherweise sagen, dass ein großer Teil der in Deutschland durchgeführten Studien minderwertig ist. Ich erinnere mich an die Aussage eines ehemaligen Lehrers von mir, der Pflegewissenschaften studiert und er meinte, dass es zur Zeit kaum der Mühe wert sei, eine deutschprachige Studie zur Hand zu nehmen, weil sie einfach oft einfach schlecht durchgeführt ist. Wenn man handfeste Ergebisse sucht, muss man auf internationale Studien zurückgreifen. Allerdings ist dies ja auch kein großes Wunder. In den USA wird schon seit über 60 Jahren in Bereich der Pflege geforscht, in Deutschland erst seit einigen Jahren, da liegt einfach noch einiges im argen...
Was aber grundsätzlich nichts an der Tasache ändert, das Forschung auf diesem Gebiet wichtig ist!

RS-USER-Schädelspalter
27.08.2007, 06:36
Original geschrieben von Möhre
... nur, ohne jetzt polemisch werden zu wollen, dafür aber biblisch, verstehest du eigentlich, was du da liesest ???

Ja, trotz der Groß- und Kleinschreibung ;)

Nur der Unterton gefällt mir nicht.

RS-USER-Möhre
27.08.2007, 08:13
Original geschrieben von Schädelspalter
Nein, DESHALB nimmt fast nieman PflegeFORSCHUNG ernst:


Anscheinend hast Du eine Frage gestellt, die Du schon selber beantwortet hast, wenn man genau hinsieht.


Nein, ich belächle:
1. Qualitativ minderwertige Forschung (egal welche), die sich enorm wichig nimmt - davon gibt es in der medizinischen Forschung mehr als genug und in der Pflegeforschung noch mehr * .
2. Menschen, die das Selbstvertrauen aus der Abgrenzung ihrer Berufsgruppe gegen eine andere suchen. Auch davon gibt es bei Medizinern mehr als genug, bei Pflegenden aber noch viel mehr. An der aufgeheizten Stimmung tragen Funktionäre und falsch gewachsene Strukturen einen großen Anteil.
Umso mehr sollten wir als "Fußvolk" nicht auch noch Grabenkriege führen und uns bitte im Ton mäßigen und die billige Polemik möglichst unterlassen, nicht wahr Bärentöter und Möhre (in alphabetischer Reihenfolge genannt ;) ) :peace:

*mein persönlicher Eindruck, als Ex-Hobby-Grundlagenforscher und Gelegenheits-Pflegezeitschrifenleser

also gut ...
1.) vieles an pflegestudien mag manchmal belächelnswert erscheinen, weil man offensichtliches versucht in studien zu packen ... aber ich glaube eher, es ist auch so ein bißchen ein ängstliches lächeln vor der professionalisierung der pflege ... wehe, wenn sie losgelassen ...
2.)wenn man genau hinsieht, war das nicht mal eine frage, zumindest keine offene ...
3.)mit der minderwertigen forschung hast du recht, aber es ist nun mal das problem, will pflege in zukunft bestehen, leider auch gegen den ärztlichen akademischen bereich, muß jeder kleinscheiß in eine studie gepackt werden. und zum thema abgrenzung hab´ ich schon was gesagt, und was billige polemik ist, sollten wir lieber mal im privaten bereich diskutieren ...

RS-USER-Nufragnich
27.08.2007, 13:24
... :(
Ich finde es ziemlich interessant, dass außer Hörbirt scheinbar niemand verstanden hat, was diese Studie tatsächlich aussagt...:confused:
Also: Bisher wurde in der internationalen, auch medizinischen, Literatur der Standpunkt vertreten, eine geschädigte Haut, wie sie z.B. durch Nässe entsteht, würde empflindlicher auf Druck reagieren. Daher zählt man Inkontinenz zu den Dekubitus - Risikofaktoren, genauso, wie eine Eiweißmangelernährung zu den Risikofaktoren zählt. Diese Meinung wurde/wird international vertreten und auch von der Pflege, da sie keine eigenen Forschungsergebnisse zu diesem Thema hat, so übernommen und gelehrt. Bezeichnenerweise gibt es keine einzige Studie mit hoher Evidenz, die tatsächlich belegt, dass eine nasse Haut, wenn sie dem gleichen Druck ausgesetzt ist wie trockene Haut wirklich empfindlicher reagiert. Man ging einfach davon aus, dass dies einem ja schon der gesunde Menschenverstand sagen müsse! Soviel zum Thema gesunder Menschenverstand und Forschung... Das bemerkeswerte an der oben vorgestellten Studie ist, dass sie erstmals versucht einen solchen Nachweis zu bringen und dabei feststellt, dass es einen solchen Zusammenhang nicht gibt. Es gibt keinen Unterschied, ob die Haut durch Nässe vorgeschädigt ist oder nicht. Dies scheint der täglichen Erfahrung zu wiedersprechen und steht der bisher herrschenden Lehrmeinung entgegen. Das ist das, meiner Meinung nach spannende an der Studie und der Grund, weshalb ich sie hier vorgestellt haben...
Und meines Erachtens auch ein klares Argument für Pflegeforschung, weil wieder einmal deutlich wird, dass man bereit sein sollte, seine tägliche Arbeit immer mal wieder zu hinterfragen, um festzustellen, ob das, was man tut auch einen Sinn hat oder ob man damit im schlimmsten Fall sogar den Patienten schadet.

Hörbird
27.08.2007, 14:48
Schön gesagt, Nufragnich!

Mag sein, das die Studie nicht internationalen Standard entspricht. Die eigentliche Aussage ist aber klar: hier wird pflegerisches "Wissen" in Frage gestellt. Das hat nix mit Arzt vs Pflege zu tun. Rein gar nix.

Bisher wird in Deutschland nach dem Motto gepflegt: das machen wir so, weil wir das schon immer so gemacht haben!

Was man davon halten soll, brauche ich nicht zu sagen. Es gibt viele solche Heilige Kühe in der Pflege, ich nannte ja z.b. die ATS-Strümpfe, die immer noch jeder anbekommt, egal wieviel Thrombosespritzen der Pat. bekommt.

Wenn die Pflege professionell werden will, dann muss sie eben eigene Sachen in Frage stellen und Eigeninitiative zeigen.
Kann sein, das manche Ärzte Angst bekommen - warum weiß ich nicht. In anderen Ländern gibt es ein Miteinander. Da gibt es übrigens auch Pflegeforschung. Da sind wir leider in der Steinzeit.

RS-USER-Bärentöter
27.08.2007, 17:59
Original geschrieben von Nufragnich
. Man ging einfach davon aus, dass dies einem ja schon der gesunde Menschenverstand sagen müsse! Soviel zum Thema gesunder Menschenverstand und Forschung...

man darf aber, trotz aller Studien, den gesunden Menschenverstand und die tägliche Erfahrung nicht außer Acht lassen und nicht alles glauben, was sich statistisch beweisen lässt.
Einige andere Sachen noch:
-wie schon gesagt, werden inkontinente Patienten wohl öfter "gedreht"
-eine feuchte Windel dürfte einen gewissen "Polstereffekt" haben
-es gibt eigentlich keine Konsequenz aus dieser Studie (außer vielleicht die Kriterien, wann ein Katheter zu legen ist)