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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frustrations-Brief :-)



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Atropin
13.11.2011, 09:53
Hallo!
Habe folgendes Problem:
Arbeite seit fast einem Jahr in der allg. Inneren in einer mittelgroßen Klinik am Stadtrand.

War von Anfang an unzufrieden, konnte und kann dies aber lange nicht genau begründen. Ich weiß, das klingt komisch. Aber als Berufsanfänger fehlt eben der Vergleich. Es ist nämlich so: Unsere Klinik ist extrem unorganisiert, wir sind ständig unterbesetzt wegen 1. Stellenschlüssel und 2. Krankschreibungen (Verschleiß?).
Zum Einstellungsgespräch hieß es ich betreue 15-17 Patienten alleine und man kommt schnell in die Funktionen.
Realität: Meist über 20 Patienten, und da wir auch in den Funktionen immer unterbestezt sind soll man die halt auch noch nebenher machen.
Vorteil ist definitiv dass ich schon verdammt viel an Funktionen machen konnte.
Nachteil: Stress hoch zehn.
Ich mache immer Überstunden, seltenst Pause und dieser extreme Stress macht mich krank (immer wollen 5 Leute gleichzeitig was von dir und das am besten Vorgestern).

Der Stress ist das schlimmste, das ausschlaggebende.
Die Überstunden stören mich gar nicht so, aber das Gefühl nicht mal ne halbe Sekunde zum nachdenken zu haben (oder für die Patienten) und wie am Fließband zu arbeiten. Und am Abend wird man trotzdem nie fertig.
Ich fühle mich wie eine Maschine, hauptsache ich funktioniere, wehe wenn nicht.
Die Tage an denen ich Abends nach Hause kam und dachte "cooler Tag" kann ich an einer Hand abzählen.

Positiv ist allerdings dass ich verdammt nette Kollegen habe, ohne diese hätte ich es nicht so lange ausgehalten.

Mittlerweile habe ich das Gefühl ich schrabbe knapp an ner Depression vorbei, ich fühle mich nur noch ausgelaugt und das übertrage ich auch in mein Privatleben.
Ich quäle mich mit Fragen wie: Bin ich einfach nur ein "Püppi" und gar nicht so belastbar wie ich immer dachte?
Andere freuen sich schließlich wenn sie soviel Funktionen machen dürfen. Habe ich zu hohe Ansprüche?
Aber ich kann mich nicht freuen wenn ich dadurch nur noch mehr Stress habe und es auf Kosten meiner Freizeit geht.
Ist es das Fach welches mir keinen Spaß macht oder sind es die Umstände? Ich kann da gar nicht mehr differenzieren. Auch weil man ja ständig gesagt bekommt es sei ja überall gleich.

Ich habe Angst Fach oder Haus zu wechseln und dann nur vom Regen in die Traufe zu gelangen.
Bin ich vieleliocht einfach nicht für ein Leben als Ärztin geeignet?
Ich hab so ein großes Versagensgefühl.
Und was soll ich sonst machen? Habe mich jetzt für Anästhesie und Radiologie beworben, beides Fächer die ich auch immer interessant fand, jedoch nicht machen wollte weil ich "richtige Medizin" machen wollte (jaja, naiver Student halt). Doch was ist wenn mir das auch nicht gefällt, wenn es genauso wird? Wenn der Stress genauso massiv ist, dass er mich kaputt macht. Was dann?
Habe für Anästhesie nächste Woche in einer super Klinik ein Vorstellungsgespräch. Aber was ist wenn ich das genauso schrecklich finden werde? Bin ich vielleicht wirklich einfach nicht geeignet?
Ich hab überhaupt kein Ziel mehr vor Augen und ohne Ziel kein Weg...

Danke fürs lesen vom *frustrierten Atropin*

Kackbratze
13.11.2011, 11:24
Das, was Du schreibst, findet sich in regelmäßigen Abständen immer wieder hier im Forum, d.h. Du bist nicht allein mit solchen Gedanken.
Wichtig ist: ES IST NICHT DEINE SCHULD und die Organisationsversäumnisse sind durch andere verschuldet.
Du bist nicht zu schwach. Du leistest deine Arbeit, die durch die äusseren Umstände ineffizient und für dich unmenschlich wird.
Klar kann Dir ähnliches in einer anderen Klinik auch passieren, aber Du solltest Dir klar werden, ob es nur die Abteilung ist, die Dir den Spass an der Arbeit versaut oder tatsächlich das Fach an sich ein Problem darstellt.
Egal welchen Weg Du gehst, achte als Erstes immer auf Dich! Es geht in letzter Konsequenz um Dich und dein persönliches Glück/Zufriedenheit.
Ob eine gesichtslose Krankenhausabteilung funktioniert oder nicht, sollte für deine Person nicht an erster Stelle stehen.

Desiderius
14.11.2011, 18:19
Ich kann mich der Meinung von Bratze anschliessen.
Du musst erstmal für Dich sorgen, dann erst kannst Du fuer die Patienten sorgen. Das sollte immer an erster Stelle stehen. Wenn Du nicht gegessen hast und genervt Deine Arbeit erledigt, geht das nicht. Egal wie viel es ist. Sorge das Du bewusst Pause machst!! Und unterscheide Hauptsachen wie Nebensachen. Organisatorisch kannst DU vielleicht nicht viel machen, aber das was organisatorisch falsch läuft und was nicht wichtig ist liegen lassen...
Das ist Pech...

Ansonsten, wie schone erwähnt, wenn das Fach Dein Traum ist/war, verfolgen. Wenn es im nächsten Haus genauso ist schneller weggehen. Wir sind die Generation die es sich aussuchen koennen... benutze Deine Chance.

D

milz
14.11.2011, 19:09
Kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Leider muss man in dem Geschäft zuerst einmal selbst überleben lernen, bevor man seinen Patienten helfen kann.

Feuerblick
14.11.2011, 19:16
Und "Überleben lernen" heisst oft genug auch, sich andere Kliniken anzuschauen. Oft ist es so, dass man nach einer schlechten Erfahrung ein Gespür dafür entwickelt, wo man gut arbeiten kann und wo nicht. Also Kopf hoch! DU bist sicher nicht das Problem in diesem Szenario!!

emergency doc
14.11.2011, 19:38
Positiv ist allerdings dass ich verdammt nette Kollegen habe, ohne diese hätte ich es nicht so lange ausgehalten.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß das überhaupt kein Vorteil ist. Nette leute gibt es überall. Jetzt mal im Ernst, jeder will auf der Arbeit gut mit den Kollegen auskommen, Freunde finden, neben der Arbeit was unternehmen... Das führt eben dazu, daß es wirklich überall nette Leute gibt. Mit wirklich netten Leuten kann man auch nach einem Stellenwechsel noch was machen. Aber von ihnen sollte man nicht abhängig machen, ob man sich gewisse Arbeitsbedingungen antut oder nicht...

McDreamy
15.11.2011, 07:59
Hallo Atropin!

Ich hätte da mal eine Frage an dich bzw. an alle (durchaus im Eigeninteresse):

Liegt es an meiner selektiven Wahrnehmung oder hört man solche Schauergeschichten vorwiegend von der Inneren? Wenn man sich so umhört, dann sind es fast immer die Assis in der Inneren, die über Burnout-ähnliche Zustände klagen.
Woran liegt das?

Ich fand deine Formulierung "richtige Medizin machen" sehr interessant. Das wird meiner Erfahrung nach in Studentenkreise wirklich so gesehen - die Innere als Königsdisziplin. Ist das wirklich eine naive Sichtweise?

Ich frage deshalb, weil man in all diesen Innere-Frust-Postings (die sich wirklich ähneln) eigentlich ein völlig anderes Bild von der Inneren bekommt - nämlich dass es mehr ein "Patienten und Krankheiten am Fließband verwalten" ist, dass man im Stress überhaupt keine Zeit hat, sich mit Krankheitsbilder oder Patienten näher zu befassen, etc.

Grombühlerin
15.11.2011, 08:51
Hallo,

ich hab nach einem Jahr Innere (mit ähnlichem Frust wie bei dir, nur dass ich am Ende über 30 Patienten betreut habe) in die Anästhesie gewechselt und es noch keinen Tag bereut!
Klinikwechsel bringt leider nicht immer was, da die Arbeitsbedingungen in der Inneren oft recht ähnlich sind, zumindet schließe ich das aus den Berichten von Freunden.
Klar, Anästhesie ist nicht immer spannend und - sorry an die Kollegen am Gastopf- interessanter finde ich Innere immer noch, aber meine Lebensqualität hat sich extrem verbessert! Und nette Kollegen hab ich hier auch, eigentlich noch nettere, weil die nicht permanent gestresst und überarbeitet sind.
Will damit nicht sagen, dass Anästhesie die Lösung für alle ist, aber ich gehe jetzt wieder richtig gerne zur Arbeit!

Ab und zu fahr ich Notarzt, da kann man sich ausreichend internistisch betätigen.

Kackbratze
15.11.2011, 09:13
Ansonsten Chirurgie. DAS ist richtige Medizin, mit sichtbaren Erfolgen :-D

Grombühlerin
15.11.2011, 10:06
Ansonsten Chirurgie. DAS ist richtige Medizin, mit sichtbaren Erfolgen :-D


vom Regen in die Traufe....

Aber wenigsten wird man da nicht gefragt "was macht man denn eigentlich in der Inneren den ganzen Tag, wenn man nicht operiert?"

Kackbratze
15.11.2011, 14:46
Auch in der Chirurgie gibt es solche und solche Kliniken.

Atropin
15.11.2011, 18:33
also ich habe mittlerweile tatsächlich das Gefühl dass häufig zumindest die subjektive Unzufriedenheit in der Inneren am größten ist. Kenne zwar auch Leute die glücklich da sind, häufig die, die zwar auch viel (lange) arbeiten aber nicht so viele Patienten betreuen. Ist wohl von Klinik nach Klinik verschieden aber dennoch habe ich das Gefühl das ein größer Teil der Internisten unzufrieden ist. Ich werde wahrscheinlich tatsächlich Radio oder Anästhesie machen, habe nächste Woche zwei Vorstellungsgespräche. Bin zwar immer noch sehr unsicher (stell ich mich zu sehr an?, "Regen in die Traufe"...u.s.w.), aber wer nicht wagt der nicht...Außerdem war ich immer so fixiert auf Innere.
Stelle für mich einfach fest dass Innere in Therorie und Innere in Praxis ein meilenweiter Unterschied ist und ich verdammt naiv aus dem Studium gekommen bin. Ich weiß jetzt dass ich Innere in Büchern toll finde, aber so wie es mir vorgelebt wurde (und was ich selbst gelebt habe) für mich persönlich kein Weg der Lebenbeschreitung ist. Mir ist mein Privatleben wichtig, auch wenn ich als Mediziner immer das schlechte Gefühl habe, dass man sowas nicht denken darf und sich dafür schämen soll. Denn in meiner Klinik (und das kennen wohl viele) ist es so, dass gleich riesiges Unverständnis herscht wenn man nicht noch die 3. Überstunde machen will um bei etwas Spannendem zu zu schauen oder so. Das wird dann gleich als Desinteresse ausgelegt. Und das belastet mich extrem, mein Privatleben und das Arbeitsleben so unter einen Hut zu bekommen dass alle zufrieden sind. Funktioniert nicht. Traurig. Dazu kommt dass ich noch zu den Menschen gehöre die schlecht nein sagen können. Und schwupps hat man dann noch mehr Arbeit und wenn das irgendwie funktioniert kommt hoppladihop noch was dazu. Und am Ende soll man sich freuen wenn es heißt: Sie sind ja so belastbar. Ich weiß dass vieles auch immer die eigene Einstellung und das eigene Verhalten ausmachen. Ich habe in diesem Jahr schon viel dazu gelernt, aber mein Fazit ist trotzdem dass ich unglücklich werde wenn ich von der "Inneren-Maschinerie" verschluckt werde. Und im Moment habe ich gar keine Lust mehr eine andere Klinik zu probieren. Das Jahr hat mir gänzlich die Lust verdorben. Mal sehen, vieleicht denke ich nachher dass es doch gar nicht so schlimm war und ich mich nur angestellt habe oder ich habe (hoffentlicch) einfach irgendwo meinen Platz gefunden...

Atropin
15.11.2011, 18:34
achja, die Chirurgen bei uns im Haus gehen pünklich und sind super zufrieden!! Die habens ganz entspannt, ich schua denen immer nur zu beim Kaffe trinken ;-) Kenne das aber von anderen Kliniken auch anders!

Muriel
15.11.2011, 18:37
Nachdem, was Du schreibst, triffst Du genau die richtige Entscheidung, indem Du den Schlussstrich unter Deine bisherige Arbeit ziehst :-meinung

MuluGulu
15.11.2011, 18:47
Auch wenn die Kollegin - zum Glück - andere Erfahrungen gemacht hat, wäre es - sorry - naiv zu glauben, in anderen Fächern wäre plötzlich jede Form von Druck weg. Aus Famulaturen an drei unterschiedlichen Kliniken kenne ich sowohl Anästhesie (am Besten), Innere und Radiologie und ganz ehrlich, gejammert haben die Ärzte überall, dass es so stressig ist. Und als neutraler Betrachter hatte ich nicht das Gefühl, dass die Internisten am meisten gearbeitet haben, aber sie hatten die bescheuertsten Tätigkeiten (Telefonieren und Arztbriefe schreiben).

Ich weiß, dass es Kliniken gibt, in denen das Betreuungsverhältnis besser ist, aber diese Kliniken finden sich halt selten in Berlin oder Hamburg Mitte, wo eh jeder hin geht. Ich glaube nicht, dass man schwach ist, wenn man sich gestresst fühlt und es ist nicht deine Schuld, aber wenn man von vornherein mit einer realistischen Einstellung und Erfahrung an den Job gegangen wäre, wäre die Ernüchterung nicht ganz so hart gewesen. Leider bekommt man das in der Uni nicht beigebracht und im TV auch so nicht vorgespielt, aber mit ehrlichen Ärzten kann man darüber (in Famulaturen) reden.
Sieh es einfach so, es gibt andere Menschen, die haben auch studiert, haben auch Verantwortung verdienen dafür aber deutlich weniger (auch das hören Ärzte ungern, weil sie glauben, die am schlechtesten bezahlten Arbeiter auf dem Markt zu sein).

An deiner Stelle würde ich in der Anästhesie erstmal möglichst lange hospitieren, damit du weißt, was auf dich zukommt. Es ist ja nicht so, dass man sich aktiv erholt, wenn man am Gastopf sitzt. Ein Handwerker sagt ja auch nicht, dass Internisten einen lockeren Job haben, bloß weil die den ganzen Tag nur Briefe schreiben und telefonieren ;)

Alles Gute für den Wechsel!

MG

Moorhühnchen
15.11.2011, 19:17
Ich misch mich jetzt doch nochmal ein: ich habe vor knapp 2,5 Jahren den Stellenwechsel von der Neuro in die Anästhesie gewagt.
Seit der Vorklinik hatte ich mich total auf Neuro versteift und war mir sicher, nie etwas anderes machen zu wollen. Nach (sehr) kurzer Zeit als Assi in der Klinik, an denen meine Arbeitstage um 7 Uhr begannen (um wenigstens ausreichend Zeit zu haben, mich auf die Röntgendemo und die Visite vorzubereiten) und gegen 22:00 bis 22:30 Uhr endeten (und man trotzdem immer nur das aller Notwendigste für den nächsten Tag erledigt hatte), nur um am WE dann noch die Akten zum Diktieren mit nach Hause zu nehmen, wollte ich endweder raus aus der Medizin oder rein in die Anästhesie.

Bin immer noch froh, daß ich mich für die Anästhesie entschieden habe. Meine erste Stelle war zwar auch arbeitsreich, aber meine Arbeit wurde geschätzt, ich hatte gelegentlich überstundenfreie Tage und Spaß an der Arbeit! Und ja, Anästhesie ist auch nicht gleich Anästhesie. Ich arbeite derzeit an einem anderen Haus, die Arbeitsbedingungen sind hier wesentlich schlechter, als bei meiner 2. Stelle, aber trotzdem noch 1000mal besser als in der Neuro!! Es ist zumindest einen Versuch wert und mit Anästhesieerfahrung kann man immer was anfangen... ;-)

Wobei ich bei meiner 2. Stelle aber auch sehr verwöhnt wurde! :-love

Atropin
15.11.2011, 19:32
naja, ich habe das im PJ auch alles noch ziemlich anders gesehen...sei mir nicht böse, aber es ist eben doch ein riiiiiesen Unterschied von PJ zu Assi. Ich wußte vorher auch gesagt was auf mich zu kommt. Wenn man es dann am eigenen Körper erfährt ist es aber etwas ganz anderes. Ich weiß dass überall gejammert wird und ich weiß wie gesagt ja auch nicht ob es besser wird, ich hoffe es halt einfach :-)

shake
15.11.2011, 20:05
hallo atropin,
ich finds gerade echt erschreckend wie sehr ich mich in deiner beschreibung, deinen zweifeln wiedererkenne.
ich glaube ich bin in einer sehr ähnlichen situation. bin in einem kleineren krankenhaus in berlin in der inneren, jetzt seit knapp über 1 jahr. und es ist ständig ein auf und ab.. habe auch ziemlich lange gebraucht bis ich die ersten phasen hatte, in denen ich dachte es wird besser und ich pack das. und sobald ich die mal habe, gehts auch gleich wieder in den keller, weil wir mit arbeit zugeschüttet werden. betreue aktuell aufgrund einer erkrankten kollegin auch ca 20 patienten und komme kaum zum durchatmen während des tages...an pausen kaum zu denken. da wird in max 10 min mal schnell ein brötchen reingeschoben..dann gehts auch schon weiter.

ich muss sagen unter der woche geht es trotzdem relativ gut mit max einer überstd, aber ich bin so richtig durch, wenn ich abends nach hause komme. falle in ein totales tief und habe innerlich ne riesen wut! mein privatleben leidet glaub auch schon darunter.
aber vor allem sind es dann noch die dienste und eben die fehlende rekompensations-zeit. und wir sind auch gerade so unterbesetzt, dass es vorkommt 2-3 wochenenden hintereinander zu arbeiten ohne freizeitausgleich... nachtdienste, tagdienste alles im wechsel dabei. und die belastung in den diensten macht mich so langsam auch fertig. ich bin alleine, der hintergrund is zu hause und ich bin für insges. 5 stationen und die notaufnahme zuständig. da springt man auch nur von a nach b und alle schwestern sehen ihr problem als das akuteste...keiner übernimmt verantwortung, alles wird an den diensthabenden arzt abgegeben, indem man sagt er müsse ja sofort kommen, weil die situation so kritisch, instabil sei. und als "anfänger" spring ich dann sofort und würde mich am liebsten teilen...geht aber nicht...

also kurz gesagt ich bin auch ziemlich überarbeitet und frustriert. überlege eigentl seit monaten zu wechseln. aber ich habe genau die gleichen bedenken wir du. das team is echt super nett...gut teilweise kann zu nett auch problematisch werden. dadurch kanns nicht mal knallen und man kann auch nicht mal seine meinung sagen und auf n tisch hauen...auch bei den schwestern is das so...alle vertragen sich ja sooo gut, aber innerlich brodelts manchmal überall...
hab auch angst nur vom regen in die traufe zu kommen. dienste gibt es überall, auch am we..bei den wenigstens gibts freizeitausgleich...ich komm aktuell einigermassen pünktlich raus. aber alles in allem ist die belastung während der dienst- und arbeitszeiten zu hoch für mich. aber wird das woanders besser? bin ich einfach nur ein "püppchen" wie du sagst...genau diese fragen stelle ich mir auch.
erschreckend...viell liegts ja echt an der inneren.

würd mich interessieren wie es bei dir weitergeht..
liebe grüße

gyrasehemmer
15.11.2011, 20:17
sssssssss

aquamarina
15.11.2011, 21:18
Jetzt fühle ich mich auch mal genötigt, etwas zu schreiben.

Das erste Post hätte original von mir sein können!

Ich habe mich nach dem PJ für die Innere entschieden, obwohl ich die ganze Klinik über Psychiaterin werden wollte, habe dort auch mein PJ gemacht.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin mittlerweile in der Inneren in "meinem" zweiten Haus und finde die Arbeit immer noch ultra-ätzend. Die Arbeit an sich. Das ewige unterbesetzt sein, das Patientengut (ja, ich finde, die Innere verkommt immer mehr zur Akutgeriatrie und Aufffangstation von Versorgungsproblemen). Die viele nicht-ärztliche Tätigkeit (Codieren etc.). Dass man mit falschen Versprechungen gelockt wird. Und dass das sich zu Tode schuften anscheinend sogar erwartet und erwünscht ist (von ALLEN seiten, seien es die Chefs, OÄs oder Mit-Assis). Ganz zu schweigen von der Erwartungshaltung, die Patienten und Angehörige an den Tag legen.
Ich habe an meiner ersten Stelle neun Monate lang gearbeitet (mittelgroßes Haus, besch... Chefs und Personalpolitik, keinen haben die Assis interessiert, bis sich die Assis untereinander auch nimmer grün waren) und habe vor kurzem in ein kleines Haus gewechselt mit dem Effekt, dass ich mindestens genau so viel maloche wie vorher, die Arbeit scheint einfach nie zu enden. Und WAS ich tue ist noch nicht einmal interessant. Nicht im geringsten. Funktion? Vergiss es ganz schnell. Blutabnehmen, Visite, Briefe, Briefe, Briefe und zig Aufklärungen, sowie Angehörige, die teilweise jeden Tag da stehen und auch noch meinen, der Sohn/Bruder aus Amerika (da ja selber Arzt) könne jetzt auch noch per email mit mir kommunizieren (heute so angefragt, ich habe dann auf das Telefon verwiesen), hab ja sonst nix zu tun.
Ich dachte auch, die Innere sei das Fundament für alles. Mittlerweile plane ich, in Richtung Allgemein- und Betriebsmedizin zu gehen, wenn möglich mit Schwerpunkt auf letzterem. Mit Umweg über die Psychiatrie, und ganz ehrlich, wenn es mir dort immer noch gefällt, bleib ich da halt hängen. Mehr als 18 Monate halte ich es in der Inneren nicht aus (und da bin ich nicht die Einzige).