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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hämato-Onkologie - "stressärmer" ?



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LasseReinböng
14.11.2011, 11:59
Ich komme gerade von einer recht enttäuschenden Hospitation an einer internistischen Klinik zurück und frage mich, ob man in Deutschland überhaupt Innere machen und gleichzeitig halbwegs humane Arbeitsbedingungen haben kann.

Da ich während des Studiums in Famulaturen + PJ nie auf einer hämato-onkologischen Station war, würde mich mal interessieren, wie das arbeiten dort ist.

Ist der Arbeitsalltag geordneter und planbarer als in Fächern wie Kardio, Gastro ?

Vielleicht hat jemand durch Rotationen Vergleichsmöglichkeiten ?

Mich interessieren eigentlich alle Bereiche der Inneren Medizin und ich habe viel in der Inneren famuliert, weiß also schon, daß es kein "nine to five" Job ist, trotzdem finde ich, daß man sich gewisse Extreme nicht antun muß.

Bei meiner besagten Hospitation begann die tägliche OA-Visite z.B. erst gegen 17.30-18.00 Uhr ...die daraus resultierenden Überstunden finden laut den Assistenten offiziell nicht statt, sonst könne man sich ja jeden Tag 2h aufschreiben - und das war keine Uniklinik.

THawk
14.11.2011, 12:08
Meinst du nicht, dass du durch die eine Hospitation die Arbeitsbedingungen im Fachgebiet verallgemeinerst? Du hast doch Famulaturen etc. gemacht und kennst daher die Bedingungen in verschiedenen Abteilungen. Ich würde eher versuchen eine vernünftige Klinik zu finden, das dürfte in der Inneren ja dank guter Stellensituation kein großes Problem sein.

Zu deiner eigentlichen Frage kann ich dir nicht helfen - pädiatrische Onkologie und intern. Onkologie sind wohl nicht zu vergleichen.

antonia123
14.11.2011, 12:10
ich glaube das hängt viel mehr von der jeweiligen klinik als von der fachrichtung ab.

ich hab häufiger sowohl auf gastroenterologischen als auch hämato-onkologischen stationen famuliert & pj gemacht und ich habe die beiden fächer eigentlich als gleich empfunden was die arbeitsbelastung angeht. das was du erzählst habe ich nie erlebt

die hämato-onkologen hatten in der abteilung in der ich war ein festeres schema was den tagesablauf angeht dadurch, dass sie nachmittags immer zur röntgenbesprechung gegangen sind und man versucht hat die stationsarbeit so gut wie möglich vorher zu erledigen. aber das macht ja jede klinik wie sie lustig ist

Evil
14.11.2011, 12:42
Ich kenne mindestens 2 internistische Kliniken in Deutschland mit humanen Arbeitszeiten, allerdings auch dort kein nine-to-five-Job, dafür eine geregelte und gute Weiterbildung. Bei Interesse weitere Infos per PN.

LasseReinböng
14.11.2011, 12:45
Meinst du nicht, dass du durch die eine Hospitation die Arbeitsbedingungen im Fachgebiet verallgemeinerst?
Nein, ich schliesse nicht von der Hospitation auf ein bestimmtes Fachgebiet. Es war für mich nur wieder einmal ein Beispiel für schlechte Arbeitsbedingungen (hauptsächlich im Sinne von Arbeitspensum ), so wie ich es während Famulaturen+PJ auch erlebt habe.

Ich könnte mir nur vorstellen, daß das Arbeiten anders ist, wenn man nicht jeden Infarkt, jede hypertensive Entgleisung oder jede AZ-Verschlechterung am späten Nachmittag noch aufnehmen muß, das dürfte schon was ausmachen. Natürlich kommen dann wieder fachspezifische Besonderheiten in der Hämato-Onko hinzu, die ich eben nicht kenne, daher die Frage. Daß das beste Fach nichts nützt, wenn man an einer schlechten klinik ist, ist mir auch klar.

antonia123
14.11.2011, 13:18
ach wenn du in der onko irgendwelche neutropenen fieber oder ähnliches kriegst lässt du die auch nicht bis übermorgen vor der türe stehen.. das gibt sich glaube ich nicht so viel

McBeal
14.11.2011, 13:51
ach wenn du in der onko irgendwelche neutropenen fieber oder ähnliches kriegst lässt du die auch nicht bis übermorgen vor der türe stehen.. das gibt sich glaube ich nicht so viel

So ist es. Dazu kommen noch Stammpatienten, die einfach mit AZ-Verschlechterung kommen und sehr viele Angehörigengespräche, gerade zum Feierabend hin. Ist jaeinfach ein Bereich mit großem Redebedarf (habe PJ in dem Bereich gemacht und gerade als Angehörige damit zu tun gehabt). Von daher denke ich nicht, dass der Unterschied da so groß ist.

LG
Ally

LasseReinböng
16.11.2011, 16:53
Danke für die Antworten. Summa summarum muß man dann wohl davon ausgehen, daß sich die einzelnen Subdisziplinen in der Inneren nicht viel nehmen.

Interessant auch der aktuelle Thread von Atropin, "Frust-Brief" (oder so ähnlich).

denkstdu
16.11.2011, 17:02
Also ich kenne auch eine Innere Klinik mit geregelten Arbeitszeiten. Wenn du Fragen hast, gerne eine PN an mich.

god0t
23.11.2011, 06:32
Ich denke auch, dass es sehr vom Krankenhaus abhängt. Gleichzeitig sind die Arbeitsverhältnisse im Bereich "Innere Medizin" aber wohl nicht sooo variabel. Ich habe im PJ 4 Monate auf einer hämato-onkologischen Station einer Uniklinik gearbeitet und ich kann Dir sagen, dass dort noch ganz andere Faktoren als Arbeitszeiten eine Rolle spielen. Die Arbeitszeiten waren nämlich für PJler absolut im Rahmen. Ich wurde manchmal sogar daran erinnert, dass für mich Feierabend sei und ich nach Hause gehen könne.

Aber: Ich habe in dieser Zeit so schlecht geschlafen wie noch nie. Ich träumte schlecht, fühlte mich schlecht und war geistig einfach in einem Zustand, den ich vorher nicht kannte. Vielleicht wird man mit dem Alter reifer und weiß besser mit den Situationen umzugehen, aber für mich als PJler war die Zeit wirklich schwierig. Als ich jemanden aufnahm, der nichtmal einen so kranken Eindruck machte, und 5 Minuten später erfuhr, dass seine Lebenserwartung bei ca. 2 Wochen liege, dann musste ich schon schlucken.

Daher gebührt den Leuten in dieser Subdisziplin der Inneren mein größter Respekt, weil es eben nicht nur "normale" Medizin ist, wie ich finde.

LasseReinböng
23.11.2011, 16:12
Ja, man muß damit umgehen können. Man darf aber nicht vergessen, daß auch viele nicht-onkologische Krankheitsbilder in der Inneren Medizin ähnlich hohe Mortalitätsraten aufweisen. Auch in den anderen Disziplinen wird viel gestorben. Dafür hat man natürlich auch wieder leichtere Fälle.

dreamchaser
23.11.2011, 17:05
Als Assistenzarzt kannst du in jeder internistischen Fachrichtung gute oder schlechte Arbeitsbedingungen haben - letztere sollte man in jedem Gebiet meiden und die Stelle wechseln. Wenn ich jedoch unsere OÄ ansehe, dann kommen die Hämatologen am besten weg: wir haben eine kardiologische, eine gastroeneterologische und eine onkologische Klinik. Es hat jeweils ein OA 1.OA-Dienst (1.Hintergrund), es hat jedoch von jeder internistischen Abteilung ein OA Hintergrund. Da man einerseits v.a. anruft, wenn man den OA braucht (z.B. für STEMI oder GI-Blutung) und der onkologische OA zu anderen auch am wenigsten Ahnung von z.B. Intensivmedizin hat, werden die Onkologen sehr sehr selten angerufen, kommen müssen die wahrscheinlich nie (im Gegensatz zu Kardiologen oder Gastroenterologen, die auch mal den ganzen Tag oder Nacht durcharbeiten).

EntenFreundin
07.08.2012, 21:20
Häma/Onko hat m.E. die wenigsten ungeplanten Aufnahmen... die meisten kommen geplant zur Chemo... Klar, neutropenes Fieber oder Pat., denen es akut schlecht geht kommen auch mal dazwischen, aber ich denke mal das ist wesentlich weniger als die ganzen akuten Myokardinfarkte auf der kardio z.B..... und wenn einer ungeplant kommt, denn ist das ja meist auch einer, der in der Klinik schon bekannt ist, und kein total neuer, wie wenn ein vorher "gesunder" mit akutem Myocardinfarkt kommt.... Und die neuen sind selten Notfälle.... und die liegen im Durchschnitt länger, dadurch ist der Durchsatz geringer, d.h. weniger Briefe,
Gestorben wird auf anderen Abteilungen auch, aber dort behandelt man die Pat. meist über einen längeren Zeitraum, d.h. hat eine gewisse Beziehung aufgebaut, dadurch ist das denn vielleicht härter als wenn die 1000. Omi mit akutem MI stirbt.
Ich hab nicht so den Vergleich zu anderen Abteilungen, aber dort sind die Sterbeprozesse oft langwierig und mitunter qualvoll (was man natürlich durch die entsprechende Schmerzmedikation zu lindern versucht, klar).
Ist schon eine besondere Herausforderung... Vermute (weiss es nicht) andere Innere Gebiete kann man vielleicht eher nur als "Job" sehen.... Dort spielt der psychosoziale Aspekt m.E. eine größere Rolle.

Welches Gebiet ist es denn nun geworden ?

alex1
08.08.2012, 09:35
...und wenn einer ungeplant kommt, denn ist das ja meist auch einer, der in der Klinik schon bekannt ist, und kein total neuer, wie wenn ein vorher "gesunder" mit akutem Myocardinfarkt kommt.... Und die neuen sind selten Notfälle.... und die liegen im Durchschnitt länger, dadurch ist der Durchsatz geringer, d.h. weniger Briefe,

Ich weiss nicht, wie du das siehst, aber ich denke die meisten gehen lieber mit 5 neuen 80jährigen Herzinfarktpatienten als mit 1 neuen 20jährigen akuten Leukämiepatienten.
Hämatoonkologische Notfälle sind nicht zu unterschätzen und können recht belastend sein, vor allem weil es oft auch die jungen Patienten sind, die es betrifft. Ausserdem ist es auch so, dass man bei anderen Fächern eher eine Routine etablieren kann, die recht eingängig ist. Das Procedere bei einem Myokardinfarkt ist relativ standardisiert, bei komplizierten hämatoonkologischen Krankheitsbildern, kann es durchaus eine Herausforderung darstellen.

EntenFreundin
08.08.2012, 10:09
Ich weiss nicht, wie du das siehst, aber ich denke die meisten gehen lieber mit 5 neuen 80jährigen Herzinfarktpatienten als mit 1 neuen 20jährigen akuten Leukämiepatienten.
Hämatoonkologische Notfälle sind nicht zu unterschätzen und können recht belastend sein, vor allem weil es oft auch die jungen Patienten sind, die es betrifft. Ausserdem ist es auch so, dass man bei anderen Fächern eher eine Routine etablieren kann, die recht eingängig ist. Das Procedere bei einem Myokardinfarkt ist relativ standardisiert, bei komplizierten hämatoonkologischen Krankheitsbildern, kann es durchaus eine Herausforderung darstellen.

Ja was die psychische Belastung und die Routine (bzw. Nicht-Routine) betrifft gebe ich Dir natürlich recht.
Ich meinte jetzt eher den Arbeitsaufwand, im Sinne bon 5 neue Aufnahmen, 5 neue Anamnesen, 5 neue Briefe im Verhältnis zu einem wo die Anamnese schon bekannt ist, auch wenn der Fall denn insgesamt schwieriger ist als 5 Omis mit MI. ich persönlich hab mich immer lieber länger mit einem beschäftigt als 5 schnellstmöglich abzufertigen, aber das ist vielleicht auch Geschmacksache.
20 jährige Leukämie Patienten sind selbst auf der Onko der Extremfall; die meisten sind ja doch eher ältere mit soliden Tumoren... Hämatologie ist nochmal ein Spezialgebiet der Onko und eigentlich (was die Therapie von akuten Leukämine angeht) schon fast Intensivmedizin.

alex1
08.08.2012, 11:14
20 jährige Leukämie Patienten sind selbst auf der Onko der Extremfall; die meisten sind ja doch eher ältere mit soliden Tumoren... Hämatologie ist nochmal ein Spezialgebiet der Onko und eigentlich (was die Therapie von akuten Leukämine angeht) schon fast Intensivmedizin.
Naja, du hattest ja auch geschrieben...


[Häma/Onko hat m.E. die wenigsten ungeplanten Aufnahmen...

Daher der Einwand zu den hämatologischen Patienten. Das Problem hier ist auch, dass obwohl viele Häuser Onkologie betreiben und wie diu zurecht schreibst meistens ältere Patienten behandeln, die Hämatologie eher konzentrierter ist. Das heisst, wenn du das Einzige Haus in der Region mit einer hämatologischen Expertise bist, werden Freitags-Leukämien früh oder später die Regel werden.

EntenFreundin
08.08.2012, 11:37
Naja, du hattest ja auch geschrieben...

Daher der Einwand zu den hämatologischen Patienten. Das Problem hier ist auch, dass obwohl viele Häuser Onkologie betreiben und wie diu zurecht schreibst meistens ältere Patienten behandeln, die Hämatologie eher konzentrierter ist. Das heisst, wenn du das Einzige Haus in der Region mit einer hämatologischen Expertise bist, werden Freitags-Leukämien früh oder später die Regel werden.

Ja gut, das mit diesem Freitags-Leukämien und der Konzentration der Hämatologie auf wenige Zentren ist wohl wahr. Und dass eine frische Leukämie aufwändiger zu versorgen ist als ein aktuter MI, das stimmt auch.
So weit hatte ich gar nicht gedacht bei meinem Beitrag; hatte eher an so eine "normale" Onkologie gedacht (glaub die meinte der Autor des Threads auch eher)... Und die neudiagnostizierten soliden Tumoren können meist bis Montag oder Dienstag warten; das können die frischen akuten Leukämien nicht,

THawk
08.08.2012, 15:21
Ist eigentlich nicht das Haupt-Thema, aber findet ihr die Freitags-Neu-Leukämie wirklich so aufwändig zu versorgen? Das umfangreichste ist imho das Erstgespräch (ich kann jetzt nur für die ALL sprechen).
KM-Punktion würde erst am Montag durchgeführt, der Patient bekommt übers Wochenende Wässerung, Allopurinol, braucht Furesis im Bedarf, tägliche Blutentnahmen, meist Antibiose. Und man braucht nen vernünftiges manuelles Diff-BB, achso und nen Sono Abdomen sowie Rö-Thorax schadet nicht.
Finde ich ehrlich gesagt für die ärztliche Arbeitszeit nicht schlimmer als nen neuer Infarkt mit ggf. PTCA. Oder bin ich zu weit aus der Erwachsenen-Medizin raus?

Thomas24
08.08.2012, 15:48
Ich glaub, das kann man so pauschal nicht sagen- wer sich einen ruhigen, geregelten und planbaren Arbeitsalltag wünscht, sollte sich nicht in einem Akutfach aufhalten. Vor allem alle operativen Disziplinen haben ja auch ihre "Schätzchen", die nicht mal eben so gemacht sind. Vom Freitag Nachmittag- Ileus, über die perforierende Augenverletzung oder chirurgische Polytraumata, Aneurysmata der Gefäßchirurgie... alles nichts, was einem den Feierabend versüßt.

Meridion
08.08.2012, 17:56
Ich glaub, das kann man so pauschal nicht sagen- wer sich einen ruhigen, geregelten und planbaren Arbeitsalltag wünscht, sollte sich nicht in einem Akutfach aufhalten. Vor allem alle operativen Disziplinen haben ja auch ihre "Schätzchen", die nicht mal eben so gemacht sind. Vom Freitag Nachmittag- Ileus, über die perforierende Augenverletzung oder chirurgische Polytraumata, Aneurysmata der Gefäßchirurgie... alles nichts, was einem den Feierabend versüßt.

Mal ne ganz ehrlich gemeinte Frage. Wenn sich sowas bis weit in die Dienstzeit zieht, übernimmt dann bei euch nicht der Dienst?
Bei uns ist es so, dass wenn ich um 5 vor 5 oder so einen Katastrophenfall kriege spreche ich mit dem noch, setz ihm das gröbste an und übergebe den Fall an den Dienst. Und ich weiss aus meinen Diensten, dass das die Kollegen genauso machen...

M