Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der richtige Beruf



Seiten : 1 [2] 3

flopipop
31.03.2012, 00:26
H
Ich strebe eigentlich immer sehr nach Perfektion, nach determinstischen Entscheidungen auf Grundlage einer möglichst großen Datenbasis. Das scheint mir in der Medizin teilweise einfach nicht gegeben.


genauso ist es und wird es immer bleiben. medizin ändert sich ständig, man muss sich als arzt ständig auf dem laufenden halten, offen für neues sein und immer an eigenen entscheidungen zweifeln...lieber einmal mehr, als weniger...und damit leben können, dass es schief laufen kann, selbst wenn man alles richtig gemacht hat...bei krankheit A machen wir therapie B und der erfolg ist garantiert, gibts leider nicht....

Kackbratze
31.03.2012, 06:44
bei krankheit A machen wir therapie B und der erfolg ist garantiert, gibts leider nicht....

Kleine Korrektur:
In der Chirurgie bei manchen Fällen schon:
1. Appendizitis
2. Darmperforation
3. infiziertes Atherom
4. Ileus

Da haben sich die Therapieschemata kaum geändert in den letzten Jahren. Die Verläufe bleiben individuell, die Therapie die gleiche.
:-D

flopipop
31.03.2012, 11:29
Da haben sich die Therapieschemata kaum geändert in den letzten Jahren. Die Verläufe bleiben individuell, die Therapie die gleiche.
:-D

bis man das therpaieschema abrufen darf, muss man erst mal die diagnostik betreiben und die ist, gerade bei appendizitis, aber eigentlich in der ganzen medizin, harter toback für freunde der exaktheit und perfektion. :-))

LMD
31.03.2012, 14:53
Wie andere auch schon sagten, Routine ist 90% des Jobs (Aber eher der Ablauf, die menschen sind alle anders). Kenne all deine Bedenken, aber Medizin ist viel Gefühl für manche Sachen und da kannst du noch so viele Scores nutzen um z.B. vorhofflimmern und dessen Therapie einzuschätzen, am Ende steht die Frage, kommt der Patient damit klar? nimmst du lieber eine andere Therapie oder stufst du das ganze ab, weil das Sturzrisiko zu hoch ist? So ist jeder Fall anders.

ich musste auch eines lernen: medizin ist alles- nur nicht exakt ;)

Ich habe nach meinem zivildienst zwar kein pflegepraktikum mehr machen müssen, aber ich kenne die arbeit der pflege und schätze ihre arbeit sehr, denn die ist mind. genauso hart. natürlich sind da viele sachen dabei, die man nicht machen möchte, aber ich habe mir mit 18 auch nicht vorgestellt 10 jahre später regelmäßig menschen digito-rektal zu untersuchen- und heute mache ich das regelmäßig.

ich denke, dein bild wandelt sich noch, hat es bei mir auch. ich war mal total begeistert von rechtsmedizin, heute möchte ich es nicht mehr machen, ebenso mit pädiatrie, mikrobiologie usw. und heute bin ich wb- assi in der inneren und denke über neuro nach. vielleicht solltest du dir eine dead-line setzen, bis dahin verursachen, die sachen objektiver zu sehen und dann alles evaluieren, eine entscheidung treffen und dann dazu stehen. das hinfallen wäre keine schande- nur das nicht wieder aufstehen.

weirdcat
31.03.2012, 22:52
Ich komme auch aus Berlin und wenn es dich tröstet, hatte ich im ersten Semester diese Häufung von Menschen, die alle irgendwelche Schläuche mit Beuteln/Perfusoren/Infusionsständern irgendwo stecken hatten und sich im Gebiet um das Foyer herum aufhielten, als zutiefst beunruhigend empfunden....Weiß auch nicht wieso...Hat sich aber mit der Zeit gelegt und ich bin inszwischen heil mitten im klinischen Abschnitt :D

Mach dir auch über das Pflegepraktikum keine Gedanken - ich wollte nie und nimmer was in diese Richtung machen aber letztenendes waren auch die drei Monate schnell weg und man hat doch was fürs Leben und Beruf mitgenommen (und sei es einen seeehr großen Respekt von der Arbeit, die die Pflegekräfte verrichten müssen O.O). Und wenn du eine miese Station erwischst, kannst du einen Monat machen und nach woanders wechseln, du willst ja schließlich nicht dort arbeiten. (Geheimtipp für Berlin: an der Charite konnte man sich, wenn man sich weit im Voraus beworben hatte, die Station aussuchen. HNO, Auge und co sollen ganz nett sein)

Und sowieso - nicht so viel Introspektion ;) du bist gerade mal im ersten Semester (welches bei vielen Kommiltonen doch eher ein Kulturschock war)! Die Möglichkeiten, die einem das Medizinstudium bietet, sind riesig und die Tätigkeitsbereiche reichen von patientennahen Fächern wie Innere bis hin zur Laboratoriummedizin oder Grundlagenforschung...Alls das hast du ja kaum/noch nicht kennengelernt. Ich bin mir sicher, dass du was findest, was dir zusagt. Und letztenendes gibt es in jedem Beruf Routine (was ja auch schön sein kann) und auch ätzende Sachen, heißt aber trotzdem nich dass die Gesamtheit der arbeitenden Bevölkerung unglücklich ist ;)

Fazit: keep calm and carry on

MuluGulu
09.04.2012, 12:44
Lieber Zrkh. Ich studiere auch noch und lass dir gesagt haben: Zuviel Denken behindert.
Wenn dein Bauch sagt, dass ist nicht deins, dann geh. (Nur schade um den Studienplatz, den andere sooo gern gehabt hätten, die vielleicht dank Praktika vorher wussten was sie erwartet... - Sorry, alte Wunden)
Wie gesagt, sie das ganze nicht so rational, mach ein paar Praktika, vielleicht in kleinen Krankenhäusern und schau, ob es dir in der Klinik gefällt. Noch geht nicht viel Zeit verloren, wenn du JETZT wechselst, deine Eltern werden dir da jetzt sicher auch dankbar für sein.

(ich hoffe, der Rat wird nicht als Kritik verstanden - wegen meiner alten o.g. Wunden!!!)

EntenFreundin
03.08.2012, 21:58
Ist zwar schon etwas älter der Thread, aber vielleicht liest der Autor ja noch mit:

Schon mal drüber nachgedacht ob das vielleicht an dem Modellstudiengang liegt ?
Ich hatte damals (war selbst an der Charite im Regelstudiengang) mitbekommen, dass manche Leute freiwillig vom Modellstudiengang in den Regelstudiengang gewechselt sind, weil sie mit der Art und Weise wie dort gelernt wurde, nichts anfangen konnten. Und das, obwohl die im Modellstudiengang kein Physikum schreiben mussten (damals zumindest nicht).
Es gab für Regelstudenten so Seminare, die man freiwillig besuchen konnte, wo nach dem System vermittelt wurde, wie im Modellstudiengang wohl grundsätzlich gelernt wird (damals, ich weiss nicht wie sich das weiter entwickelt hat). Das lief denn so, dass es ein Thema gab und zu dem musste jeder spontan sagen, was ihm dazu einfiel und denn wurde sich aus den gesammelten Begriffen gemeinsam der Stoff erschlossen.
Also ich konnte derzeit damit nicht so viel anfangen; mir war es lieber wenn vorne einer steht und erzählt.

Aus heutiger Sicht (die ganze Klinik, das Examen und ein halbes Jahr Berufserfahrung später) denke ich fast, dass diese Art wie die dort gelernt haben, dem klinischen denken näher kommt als der sonst übliche Frontalunterricht.

Auch hatte den Eindruck, dass die Leute, die schon eine Ausbildung in Pflege, Physiotherapie, etc. vorher hatten oder sonst irgendwie schonmal mit der Medizin zu tun hatten (sei es weil die Eltern Ärzte sind u.ä.) es in der Klinik deutlich leichter hatten am Anfang.
Also es macht schon Sinn, das Pflegepraktikum auch ernst zu nehmen und zu versuchen da möglichst viel mitzunehmen... Würde mich da vorher im Umfeld erkundigen, an welchen Kliniken man dort richtig integriert wird und nicht nur als der dumme behandelt wird, auf dem alle nochmal drauf rum trampeln bevor er denn als Arzt über ihnen steht.

Ich stimme meinen Vorrednern voll und ganz zu dass man im ersten Semester noch viel zu wenig gesehen hat, um einschätzen zu können ob Medizin was für einen ist oder nicht.
Leider ist es denn, wenn man es wirklich mitbekommt, was Arzt sein bedeutet, möglicherweise schon fast zu spät zum wechseln.
Mal hospitieren bei einem Arzt wäre eine Möglichkeit... Da bekommst Du natürlich denn auch nur die Aspekte des Gebietes des entsprechenden Arztes mit, aber so um zu gucken wie das so ist mit Patienten zu arbeiten, sicher ganz gut.
Darüber hinaus ist die Medizin ein riesen Gebiet, das auch theoretische Fächer, Forschung, Beratung, wirtschaftliche Aspekte (Krankenkassen, usw.), Epidemiologie, etc. mit einschliesst.... da findet sich quasi für jeden was.
Wechseln würd ich nur dann, wenn Du Dir das Berufsbild von einem anderen Fach wirklich viel besser für Dich vorstellen kannst.... Da hilft es vielleicht auch mal in anderen Bereichen zu hospitieren.

Zu diesen multimorbiden Patienten, die da vor dem Bettenhochhaus rumlaufen haben ja nun schon 2 Leute dieselben Empfindungen gehabt wie Du.... frag doch mal Deine Komilitonen.... das wirst Du sicher noch mehr finden, denen es auch so geht.
Mir ging es damals auch ganz genau so.... Ich hab sogar in der Klinik versucht möglichst wenig Kurse in diesem Bettenhochhaus haben zu müssen... Es ist aber tatsächlich so, dass sich diese Empfindungen verändern.... wenn ich heute da lang gehe, nehme ich das gar nicht mehr so sehr wahr.
Und dort laufen auch verhältnismäßig viele solche Menschen auf engstem Raum herum.... Man kommt ja quasi von der Straße aus direkt auf diese paar qm Beton, die die da überhaupt nur haben um mal raus zu gehen.
Geh mal auf einen anderen Klinkcampus, wo dieselbe Menge soche Menschen auf einen schön angelegten Park verteilt rumläuft und guck ob Du da dasselbe empfindest.
Oder sprich mal eine von den multimorbiden Gestalten an, die da rumlaufen und plaudere ein bisschen.... Dadurch wird das Bild auf diese Person nämlich auch wieder ein ganz anderes.... so ist das ja auch mit Patientenkontakt... von außen sehen und drauf zu gehen und miteinander sprechen sind schon fast 2 Welten (so hab ich es immer empfunden).
Bei mir ist durch dieses direkten Kontakt aufnehmen so mit der Zeit die Abneigung gegen diese multimorbiden alten Menschen kleiner geworden.

Vielleicht ist ja Pädiatrie auch was ? Da hast Du neben den kleinen Patienten auch die Menschen im "besten" Alter: die Eltern ! Da kannst Du Deine Sozialkompetenz und Deine Empathie voll ausleben...
Das klingt vielleicht banal, ist aber eine große Herausforderung, da mitunter jedes Wort und jeder Handgriff von Dir von den Eltern kritisch beäugt wird.

Und wenn Du Dich intellektuell da wirklich so unaugelastet fühlst: vielleicht kannst Du ja so "nebenher" schon mal mit der Promotion anfangen ? Denn kannst Du auch gleich abchecken ob Forschung was für Dich ist oder nicht.... das kannst Du in einem kleinen Pratktikum in einem einzelnen Bereich (auch Forschung ist vielfältig und in jedem Bereich etwas anders) m.E. nämlich nicht wirklich.
Später ist immer eher zu wenig Zeit für die Promotion.... es macht schon Sinn früh anzufangen und vor allem auch vor Ende des Studiums abzuschließen...
In der Forschung gibt es auch viele unterschiedliche Bereiche und Methoden.... Es gibt diese morlekularbiologische Forschung, aber es gibt auch Forschung, die fast rein statistisch orientiert ist.... da werden (vor allem in den psychiatrischen Fächern) sogar Statistiker/Mathematiker eingestellt, weil ein Arzt das i.d.R. gar nicht kann... In der Radiologie/Strahlentherapie wird Forschung wahrscheinlich auch technischer/mathematischer sein als anderswo.
Ich denke in gewissen Bereichen der Medizin sind mathematisch begabte Leute auch sehr gern gesehen.

Und bei den Mathematikern (weil Du die erwähntest) gibt es neben denen, die bei irgendwelchen Versicherungen Exceltabellen ausfüllen auch die, die forschen (und da sieht Forschung mit Sicherheit wieder ganz anders aus als in der Physiologie) und unter denen denn die Numeriker, die eher programmieren und anwenden, und die reinen Theoretiker, die wirklich dasitzen und Theorien entwerfen und die denn publizieren. Es gibt sicher noch deutlich mehr, aber das ist das, was ich so aus dem Freundeskreis darüber mitbekommen habe.
Wenn man da in der Forschung Karriere machen will denn braucht man übrigens auch zwischenmenschliche und kommunikative Fähigkeiten: Man muss ja seine Sachen auf den Kongressen verkaufen können, Menschen für sein Zeugs begeistern können, etc.

Vielleicht mal bei einem Pädiater hospitieren und bei einem Radiologen ? Da kommst Du dem was Du suchst vielleicht am nächsten....
Und Dich in mehreren Gebieten nach einer Promotion umsehen vielleicht... Gucken welche Methodik Dir am ehesten liegt.

Oder Du bist einer von den Überfliegern, die bei der ZVS in Dortmund am entsprechenden Stichtag bis kurz vor 24 Uhr dasitzen und überlegen ob sie Medizin oder Jura ankreuzen sollen.... und vielleicht war die Entscheidung ja doch die falsche ?
Keine Ahnung, ich hatte derzeit mal so nen Artikel darüber gelesen und das blieb mit im Gedächtnis.
Ist heute wahrscheinlich wieder anders und komplizierter mit diesen Auswahlverfahren.
Aber ich denke wenn man direkt nach dem Abi an der Charite in den Modellstudiengang rein kommt, denn muss man notenmäßig schon sehr gut gewesen sein.
Hilft aber auch nichts gegen Unsicherheit und mangelnde Lebenserfahrung.

Es ist tatsächich so, dass Menschen, die etwas weniger analysieren und etwas pragmatischer an die Sache rangehen, es in der Medizin am Ende einfacher haben... Aber das wird wahrscheinlich auch auf andere Bereiche zutreffen.
Selbst in der Mathematik bekomme ich (über dritte, die das machen) sowas mit.

curafix
14.08.2012, 15:38
Hallo zusammen,

ich glaube ich habe hier die richtige Forengruppe gefunden 

Ich arbeite seit ca. 3 Jahren in der Inneren Medizin/Gastroenterologie eines Maximalversorgers. Wie einige in dieser Gruppe war meine Motivation Medizin zu studieren und zu praktizieren das Interesse an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen und das Interesse direkt Einfluss an Erkrankungen und deren Genesung/Palliation zu erreichen. Insgesamt bin ich auch eher der exakte Mensch, hätte ich Medizin nicht studiert, wäre es Biochemie gewesen.
Folgende Punkte würde ich gerne diskutieren (wenn die Luft noch nicht raus ist ;)
1. Das Krankenhaus mit seiner Bürokratie und dem ständigen Druck schwarze Zahlen zu schreiben, auch wenn häufig nicht das Leid des Patienten im Mittelpunkt steht.
2. Arbeitsbedingungen, die einen einfach zermürben, wenn man im Schichtdienst/Hausdienst hunderte Viggos legen muss, Blutprodukte anhängen und ständig der Arsch für alles zu sein.
3. Die grottige Weiterbildung. Wenn mal ein Oberarzt in 2 Monaten eine Teachingstunde macht, dann blüht mein Herz gleich auf…warum gibt es so was nicht mehr????
4. Die Patientenbetreuung! Ich merke immer mehr in diesem Chaos des Krankenhauses keinen Gefallen zu finden. Ich bin zur Zeit auf einer IMC-Station und bin mehr als froh meine Patienten über die Monitore kontrollieren zu können. Viele Pat. labern teilweise einen Bullshit und behindern die Arbeit, Ihnen eigentlich zu helfen…ich weiss Anamnese ist wichtig, aber wenn man einigermassen pünktlich raus will, kommt es viel mehr darauf an, die Bürokratie zu erledigen, damit der Laden läuft (das wollen sogar die Vorgesetzten, denn diese machen eh die wichtigen Untersuchungen)…wie perfide ist das denn???!!
5. Die Perspektive der Inneren Medizin: Ich liebe die Pathophysiologie…wie gesagt, wenn mit Oberärzten darüber diskutiert wird und praktisch Medikamente und Therapien entwickelt werden, finde ich das super…demnach wäre Intensivmedizin das richtige für mich, wenn natürlich die Arbeitsbedingungen stimmen würden (siehe Punkt 6)…allerdings ist das langfristig auch keine Option, wenn man Familie und Privatleben haben möchte. Die Oberarztposition ist auch mit viel Mehrarbeit und Überstunden behaftet…zudem hab ich keinen Bock mit 60J. noch 6 Bereitschaftsdienste im Monat zu machen (wie in meiner Klinik und wir haben eine sehr gute Oberarztbesetzung). Gastro in der Niederlassung heisst: von morgens bis abends Kolos und Gastros zu schieben, damit man wirtschaftlich arbeitet…die Befunde werden meistens durch die Hausärzte miteteilt. Kardio heisst: das gleiche mit Herzkathetern. Nephro: ständig extrem psychisch auffällige und multimorbide Patienten….usw. Innere scheint mir langfristig keine Option. Das Ziel der meisten Assis ist ein Niederlassung, um irgendwann an Geld zu kommen und wenig Stress zu haben…das kann doch nicht das Ziel eines Studiums zu sein!!!
6. Schichtdienst ist die asozialste Dienstform überhaupt…man sieht seine Mitmenschen Freunden nur von Facebook oder vom Telefonieren…ständige Nachtdienste und Schichtwechsel mit konsekutivem Schlafdefizit. Was bringt einem ein interessantes Fach, was einen zu einem Asozialen macht und man später vielleicht noch depri wird…das kann nicht alles sein im Leben…manchmal muss man sich auch vor Augen halten, dass das Leben nur begrenzt ist und man es auch geniessen sollte und will…aber wann mit 60J., wenn der ganze Saft weg ist??!?

Ich hoffe, meine Meinung kam rüber!
Was ist eure Meinung???

EKT
14.08.2012, 16:49
Die Oberarztposition ist auch mit viel Mehrarbeit und Überstunden behaftet…zudem hab ich keinen Bock mit 60J. noch 6 Bereitschaftsdienste im Monat zu machen (wie in meiner Klinik und wir haben eine sehr gute Oberarztbesetzung).

Richtiges Fach bzw. richtige Stelle wählen: Ich gehe (über)pünktlich nach Hause und mache keine unfreiwilligen Bereitschaftsdienste (nur wenn ich Lust habe für gutes Honorar).

EntenFreundin
14.08.2012, 21:17
mache keine unfreiwilligen Bereitschaftsdienste (nur wenn ich Lust habe für gutes Honorar).

Gibts denn dafür andere, die gerne freiwillig Bereitschaftsdienste machen ? Irgendwer muss die ja machen und wenn einige die nur nach dem Lustprinzip machen können, muss es doch andere geben, die sich drum reißen, sonst geht das doch gar nicht auf.

Denn würd ich sagen: Man braucht das richtige Team. Möglichst viele, die gerade Kohle für Hausbau, Urlaub oder ähnliches brauchen.

Peter_1
15.08.2012, 12:45
Hallo zusammen,

iGastro in der Niederlassung heisst: von morgens bis abends Kolos und Gastros zu schieben, damit man wirtschaftlich arbeitet…die Befunde werden meistens durch die Hausärzte miteteilt. Kardio heisst: das gleiche mit Herzkathetern. Nephro: ständig extrem psychisch auffällige und multimorbide Patienten….usw. Innere scheint mir langfristig keine Option.

Ich hoffe, meine Meinung kam rüber!
Was ist eure Meinung???

Genau das was Du schilderst, nämlich: keinen Bock auf Krankenhaus bis zur Rente und auch keinen Bock auf Fliessbandarbeit (GAstro, Kolo, Herzkatheter etc.) in der Niederlassung hat mich dazu bewogen Hausarzt zu werden. Ich bin nach wie vor sehr zufrieden damit, habe einen abwechslungsreichen Job und auch wenig€er Stress. Gut, reich werden ist damit nicht drin, aber das war sowieso nie mein Ziel. Genug Geld für ein recht komfortables Leben ist aber auch als Hausarzt zu verdienen.

Mach Allgemeinmedizin, Deine 3 Jahre Innere lassen sich voll anrechnen!:-))

EntenFreundin
15.08.2012, 13:32
Hallo,

ich versuche mal auf einige Aspekte zu antworten...



. Insgesamt bin ich auch eher der exakte Mensch, hätte ich Medizin nicht studiert, wäre es Biochemie gewesen.

Biochemie bedeutet letztendlich - zumindest dann wenn Du in der Forschung bleiben willst: Entweder Hochchulkarriere bis zum Prof oder man ist irgendwann raus, bzw. schafft rechtzeitig den Absprung in die Industrie. Und in der Forschung gehts auch (leider) nicht primär um Erkenntnis, sondern in letzter Konsequenz darum wer den längsten hat:
Längste Publikationsliste, beste Selbstdarstellungsgabe und nicht zuletzt braucht man einen, der einen puscht.
Weiss nicht ob Du Dir damit wirklich nen Gefallen getan hättest.



Das Ziel der meisten Assis ist ein Niederlassung, um irgendwann an Geld zu kommen und wenig Stress zu haben…das kann doch nicht das Ziel eines Studiums zu sein!!!

Die meisten haben sich das wahrscheinlich auch mal anders vorgestellt als sie anfingen zu studieren und sehen die Niederlassung denn als Ausweg, der immer noch besser als lebenslang in der Klinik mit Diensten. Musst ja nur in das Forum für die vor dem Studium schauen wie sie sich alle um die Studienplätze reissen... Da denken die sicher nicht an das, was Du hier schilderst (und was leider oft die Realität ist)....




6. Schichtdienst ist die asozialste Dienstform überhaupt…man sieht seine Mitmenschen Freunden nur von Facebook oder vom Telefonieren…ständige Nachtdienste und Schichtwechsel mit konsekutivem Schlafdefizit. Was bringt einem ein interessantes Fach, was einen zu einem Asozialen macht und man später vielleicht noch depri wird…das kann nicht alles sein im Leben…manchmal muss man sich auch vor Augen halten, dass das Leben nur begrenzt ist und man es auch geniessen sollte und will…aber wann mit 60J., wenn der ganze Saft weg ist??!?


Kann ich nachvollziehen, die Gedanken habe ich mir sogar schon vor dem Abschluss gemacht und das nicht nur in Bezug auf Schichtdienst, sondern auf Klinik im allgemeinen. Habe denn meine Famulaturen gern in so ganz speziellen aber sehr spannenden Gebieten gemacht, wie z.B. Kinderonko, Kinder-KMT, usw. gemacht, um mir einzureden es gibt auch was was so toll und speziell ist, dass sich der Aufwand dafür lohnt. War - so im Nachhinein betrachte - nicht so wirklich sinnvoll, aber ich bin dankbar für die Erfahrungen, denn sowas sieht man später außerhalb der Uni nicht mehr.

Find das auch bekloppt, dass die auf ITs anscheinend überall Schichtdienst eingeführt haben... Kenn keinen, der das gut findet, und trotzdem wirds überall gemacht.
Wenns in Deiner Klinik generell nur Schichtdienst gibt, denn würde ich drüber nachdenken zu wechseln. Da kannst Du es anderswo besser haben.
Oberärzte haben doch aber eigentlich nurnoch Hintergrunddienste; sind die auch in diesem Schichtsystem eingteilt ?

In Deiner Aufzählung der Vor- und vor allem Nachteile der Innere Disziplinen ist mir aufgefallen, dass Du Häma/Onko nicht genannt hast.
Wenn ich Innere weiter gemacht hätte, denn wär das für mich das einzige gewesen, was überhaupt in Frage käme... Kardio/Gastro fiel für mich aus den genannten Gründen von Amfang an weg und hat mich außerdem nie so interessiert.
Nephro hab ich an der Uni mal famuliert, da waren viele transplantierte, auch viele jüngere (z.B. typ I Diabetiker mit Nierenerkrankungen als Folgeschäden)... fand ich da eigentlich ganz interessant.... wärs nicht Onko geworden, denn Nephro.

Ich weiss ja nicht ob Du Dir vorstellen kannst mit schwerstkranken teils noch recht jungen Patienten zu arbeiten, aber eine Hämatologie, auf der akute Leukämien behandelt werden ist im Prinzip eine Intensivstation. Da kommst Du sicher nicht zu kurz mit komplexen Fällen, wo man viel denken, überblicken und nicht zuletzt auch diskutieren muss.... Es sind wenig Patienten, die meist lange liegen, also diesen ständigen Durchlauf mit Anamanese und Briefen hat man da nicht... Wenn Du die Anzahl der Infusionen siehst, an denen die Pat da dran hängen, denn kommt das einer klassichen ITS um nichts nach.... Und Schichtdienst haben die da meines Wissens nicht... Da hast Du natürlich da umgekehrte Problem, anstatt vielen alten bisschen dusseligen Patienten, eine ganze Menge junge, teils intelligente, mitten im Leben stehende und schwer erkrankte.... das ist auf eine andere Art schwierig.
Hab schon von vielen unabhängig voneinander gehört, dass auf der Häma/Onko die angenehmsten und dankbarsten Patienten sind und da ist das i.d.R. auch bisschen persönlicher und nicht ganz so Massenabfertigung wie auf der Kardio/Gastro.
Würd vielleicht einfach mal reinroutieren.
Onko kann man in der Praxis übrigens auch gut machen, da gehen die auch nicht nur zur Chemo, sondern haben auch immer Gespräch beim Arzt, ähnlich wie in der Hausarztpraxis, nur spezieller.

Rheuma ist auch noch ganz nett denke ich... unter anderem auch viele jungen Pat. mit Autoimmunerkrankungen... Lässt sich sicher auch gut in der Praxis machen.

Wenn gar nicht mehr geht Fach wechseln... Radiologen müssen auch ganz schön viel wissen über die Erkrankungen, um die Bilder richtig deuten zu können und Pathologen können ohne klinische Angaben die Befunde auch oft nicht deuten.... ein Pathologe telefoniert mehr mit der Klinik als man so meint, wenn man noch nie in der Patho war.
Ich hab in ner Patho Hospitation mal einen chirurgischen Oberarzt kennen gelernt, dem das zu viel wurde mit den ständigen Diensten und der mit Anfang 40 nochmal als Assi in der Patho angefangen hat und es wohl auch nicht bereuhte. Also es gibt nichts, was es nicht gibt.

Fach wechseln mache ich gerade, aber ich hab auch keine drei Jahre Innere gemacht, sondern nur ein halbes.
Nach drei Jahren, vor allem wenn viele Aspekte des Faches auch gern mag, würde ich als erstes gucken, ob die Innere nicht noch andere Disziplinen bietet, an die man noch nicht gedacht hat.

EKT
15.08.2012, 16:39
Gibts denn dafür andere, die gerne freiwillig Bereitschaftsdienste machen ? Irgendwer muss die ja machen und wenn einige die nur nach dem Lustprinzip machen können, muss es doch andere geben, die sich drum reißen, sonst geht das doch gar nicht auf.

Es ist eine Klinik ohne Notwendigkeit für Bereitschaftsdienste. Um Dienste nach dem "Lustprinzip" reiße ich mich auch, bekomme dann aber auch eine angemessene Bezahlung, eben als Honorararzt.

Atropin
15.08.2012, 18:19
Hallo Curafix,
höre mich selbst, wenn ich deinen Text so lese...habe 15 Monate Innere gemacht mit dem gleichen Fazit: Ich liebe die theoretische Innere Medizin, aber die Praxis hat mich verschlissen. Hatte das Gefühl kurz vorm Burnout zu sein, war nur noch depri und in meiner Freizeit lag ich auf der Couch...habe dann im Mai in die Radio gewechselt und bin von einem Extrem ins nächste gekommen...mache pünktlich frei, arbeite seeeeehr entspannt und habe natürlich im Moment auch noch keine Dienste. Wenn diese dann kommen werden die auch seeeehr entspannt. Ich habe sogar Zeit mal was nachzuschlagen und mir werden Dinge erklärt. Perfekt, was das angeht. Ich finde Innere immer noch das THEORETISCH interessantere Fach, aber wenn ich überlege wie sehr mein Wohlbefinmden und mein Privatleben vom neuen Job profitieren...und wie gesagt, ich kann alles nachlesen wozu ich Lust habe. Und Radio ist schon auch interessant! Es ist halt ungewohnt, weil es etwas völlig anderes ist als dass, was man gelernt hat. Und über den gesunkenen Patientenkontakt beschwere ich mich auch nicht. Wir machen jede Menge Sonos, das reicht mir völlig :-). Also ich kann dir nur empfehlen den Mut zu fassen und etwas anderes zu probieren! Lg

Thomas24
15.08.2012, 20:14
Es ist eine Klinik ohne Notwendigkeit für Bereitschaftsdienste. Um Dienste nach dem "Lustprinzip" reiße ich mich auch, bekomme dann aber auch eine angemessene Bezahlung, eben als Honorararzt.

Klinik ohne Notwendigkeit für Bereitschaftsdienste?? Ein Traum! Reha und Balneologie ;-)??

Relaxometrie
15.08.2012, 20:19
Klinik ohne Notwendigkeit für Bereitschaftsdienste?? Ein Traum! Reha und Balneologie ;-)??
Dort werden aber eher weniger Elektrokrampftherapien verordnet. Es sei denn, das Stangerbad (gibt's das überhaupt noch? ) ist defekt :-((

Thomas24
15.08.2012, 20:57
Das es eine Psych ohne Dienstnotwendigkeit gibt, wer hätte das gedacht ;-)

Colourful
15.08.2012, 20:59
Psychosomatik?

Thomas24
15.08.2012, 21:03
Da gibt es auch EKTs:-nix??

Colourful
15.08.2012, 21:14
Nee! Aber ich meine mich zu erinnern gelesen zu haben, dass EKT jetzt Psychosomatik und keine EKTs mehr macht...