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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dr.med; wozu überhaupt?



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elastic
25.04.2012, 17:01
tagchen

ich bin jetzt zwar erst im zweiten semester, aber das thema doktorarbeit wurde bei uns schon ein paar mal erwähnt (es wird erwartet, dass wir später mal promovieren bla bla). neulich gabs auch so einen dr.- infoabend, bin aber nicht hin.

ich frag mich, wozu der titel nötig ist? mein momentanes ziel ist es irgendwann eine praxis zu haben. klar ist noch ein bisschen arg früh sowas festzulegen, aber ich sehe mich definitiv nicht in einer klinik-karriere wieder. patienten kommen schließlich nicht wegen des dr.med zum arzt. macht sich schick im perso oder namensschild, aber das ist für mich eben keine motivation bzw. sehe keinen sinn darin. in köln gibts ein großes augen-op zentrum, der chef ist arzt ohne promotion, verdient sicher einiges mehr als mancher kollege mit titel.


wieso macht ihr eine doktorarbeit?

THawk
25.04.2012, 17:21
Für viele Patienten, gerade ältere auf dem Land, ist eben doch der "Doktor" der richtige Arzt während der Arzt ohne Doktor irgendwie nicht so ganz koscher ist. Natürlich ist das nicht der Großteil der Bevölkerung, aber diese Meinung gibt es doch nicht allzu selten.
Ich persönlich hatte mír mehrere Wege offen halten wollen und habe daher die Diss gemacht. Hab dann aber Spaß an Forschung bekommen und mache deshalb auch weiter.

Rhiannon
25.04.2012, 17:26
Für viele Patienten, gerade ältere auf dem Land, ist eben doch der "Doktor" der richtige Arzt während der Arzt ohne Doktor irgendwie nicht so ganz koscher ist.


Sofern die Leute das überhaupt soweit verstehen. Der Arzt, der sich bei meinen Eltern/Großeltern aufm Dorf niedergelassen hat, hat z.B. keinen Titel, ist aber trotzdem für alle "der Herr Doktor", einfach weil er da halt Arzt auf seinem Schild stehen hat. Nebenher ist seine Frau auch "die Frau Doktor", obwohl sie gar keine Ärztin ist sondern gelernte Arzthelferin.

EKT
25.04.2012, 17:43
in köln gibts ein großes augen-op zentrum, der chef ist arzt ohne promotion, verdient sicher einiges mehr als mancher kollege mit titel.

Der Kollege hat sicherlich einen Titel, nämlich den des Facharztes für sein Gebiet.
Die Doktorarbeit führt zu einem akademischen Grad.

elastic
25.04.2012, 17:51
Der Kollege hat sicherlich einen Titel, nämlich den des Facharztes für sein Gebiet.
Die Doktorarbeit führt zu einem akademischen Grad.

die typischen wortverdrehungen halt... das gleiche wie boxen vs lautsprecher.


dass der dr. quasi von manchen leuten der gesellschaft erwartet wird, kann doch nicht der grund sein. immerhin fangen um die 90% der medizinstudenten eine diss an (hab ich nur mal gelesen). ich muss es doch für mich tun und nicht für andere.

Kackbratze
25.04.2012, 18:15
Es erwartet ja auch keiner von Dir. Die Unis wollen Doktoranden, weil das so günstige Arbeitskräfte sind.
Ansonsten promoviert man nur für sich, also um die eigene Unikarriere zu starten, den Erbanspruch in der Doktorphilen Familie zu vergrößern oder weil man es einfach geil findet.
Promotionen ala Guttenberg, "weil mein Papa das wollte" enden meist in Frust oder Plagiaten.

dreamchaser
25.04.2012, 19:15
Ich würde so eine Arbeit nie für jemand anderen als für mich selbst machen. Aus diesem Grund blocke ich auch bei Verwandschaft ab, die ständig danach fragt, weit weit ich denn diesbezüglich sei, da eine Promotion ja zum Arztsein dazugehört - die wissen eben auch nicht, dass ich damit fertig bin.
Ich habe die Arbeit für mich angefangen, wollte ausprobieren, ob mir die Forschung liegt. Hat auch soweit Spaß gemacht, aber ich bin jetzt nur noch in der Klinik. Nach Frustphasen habe ich mich dann doch aufgerafft sie fertigzumachen, weil ich mir beweisen wollte, dass ich das durchziehen kann. Und es hat jetzt doch geklappt.

wjsl
25.04.2012, 21:45
Mich hats nachträglich betrachtet gewundert, wie vergleichsweise wenig Aufwand es doch war, vor allem verglichen mit Freunden anderer Fachrichtungen. Und man kann sich ja auch aussuchen, welche Art und welches Thema man wählt. Es kann zeitweise auch sogar zu einer Art Hobby, oder auch Selbstbestätigung werden. Wie ich finde wird das zu negativ gesehen.

Wegen den Patienten braucht man es aber heute wohl eher nicht mehr; die Generation, die auf so was Wert legte, stirbt langsam aus, oder wird so dement dass sie gar nicht mehr entscheiden kann, wer sie behandelt. Ich gehe auch zu Ärzten ohne Titel. Das entscheidendste bei der Auswahl ist hier eher, wie schnell man einen Termin kriegt und wie weit die Anfahrt ist...und bei vielen, die ich kenne ist es ähnlich.

Aber wie die anderen sage, sich zu etwas zwingen, weil man meint, es würde alle machen ist ziemlich sinnlos. Hab schon OÄ ohne Titel gesehen, ebenso wie Inhaber gut laufender Praxen. Klar haben nur wenige den Mut darauf zu verzichten und dem scheinbar imperativen Herdentrieb nicht zu folgen, aber manche schaffen es und fahren damit nicht unbedingt schlechter. Muss jeder selbst wissen.

Giant0777
25.04.2012, 21:53
Ich bin z.B. einfach altmodisch und finde es gehört dazu! Aber letztlich kann es doch jeder für sich entscheiden. Lustigerweise sagen ganz viele jetzt schon zu mir Herr Doktor, auch wenn ich 10x sage ich bin nicht mal Arzt. Also für die Aussenwelt scheint es da wohl eine ganz spezielle Wahrnehmung zu geben...

Skalpella
26.04.2012, 08:08
Ich bin letztendlich froh, dass ich das gemacht habe und bald einen Dr.med. auf mein Namensschild schreiben kann. Ehrlich gesagt nervt es mich mittlerweile, wenn ich für eine Krankenschwester gehalten werde. Gerade als Frau passiert es doch noch relativ oft. Dieses "Assistenzärztin" auf dem Namensschild ist einfach zu klein. . .
Vielleicht eine kleine Profilneurose, aber ich freu mich auf den Titel :-)

Und @Fredersteller: Es zwingt Dich ja keiner . . .

Aber gerade für die Niederlassung macht sich der Dr. schon schick auf dem Praxisschild. Obwohl gerade hier die Tatsache, dass man promoviert hat wohl am wenigsten mit der Patientenversorgung zu tun hat.

Kyutrexx
26.04.2012, 08:27
Zur Eingangsfrage:
Die Gründe mögen sicher verschiedenen sein. Interessant ist aber folgendes:
Nach mehreren Statistiken die ich gesehen habe, verdient ein Niedergelassener ohne den "Dr." davor im Schnitt 15 bis 35% weniger (je nach Fachrichtung).
Obwohl die gleiche Arbeit geleistet wird.

Ich hab selbst schon Leute gehört, die meinten, ein Arzt ohne "Dr." hätte nicht zu Ende studiert, da sie glauben der "Dr." wäre sozusagen die Abschlussprüfung des Studiums.

Ebenso wie SEHR viele Leute der Ansicht sind, dass man direkt nach dem Studium Allgemeinmediziner ist.

Für uns alle wirkt das sicherlich lächerlich.
Wer allerdings nie studiert hat, kennt sich damit eben nicht aus - und so kommen derlei irrige Ansichten zusammen.

LasseReinböng
26.04.2012, 12:57
Die Menschen lassen sich nun einmal sehr von Graden und Titeln beeindrucken, wäre dem nicht so, wären hauptsächlich diejenigen promoviert, die auch wirklich eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen, dem ist aber nicht so.

Würde man die Promotion aus dem Studium verbannen und sie, wie überall anders auch, nach dem Studium beginnen, würde die Zahl der med. Promotionen natürlich dramatisch einbrechen. So wissenschaftlich interessiert sind dann die meisten Mediziner doch nicht, daß sie diese Bürde auf sich nehmen würden.

Da die meisten promovieren, ist es eben auch ein Wettbewerbsvorteil bei der Stellenvergabe und den Aufstiegschancen.

Und auf dem Praxisschild ist der Dr. auch nicht unwichtig - das überbesorgte Akademikerehepaar, welches jede "Stiftung Warentest" liest und keine Folge von "Visite" im Fernsehen auslässt, wird ihr Einzelkind, die Lea-Sophie, die schon mit 3 zum Mandarin- und Blöckflötenunterricht getrommelt wird, wegen der Neurodermitis auch eher dem promovierten Pädiater anvertrauen. 100 Pro.

Die Menschen handeln nun mal nicht rational.

ole_cranon
26.04.2012, 13:50
Also ich merke immer wieder auch bei "jüngeren" Patienten, dass Dr.-Titel und Arzt gleichgesetzt und als Art Qualitätssiegel gesehen wird. Natürlich sagt es in Wirklichkeit nichts über das Können aus. Der erste Eindruck zählt eben. Und der Titel spielt da eben mit.

Gerade zu Beginn des Beruflebens würde ich mir außerdem keine Wege verbauen. Und gerade weil einem der Titel wirklich geschenkt wird, würde ich ihn mitnehmen. Das hat nichts mit Titelgeilheit zu tun. Es ist einfach easy während des Studiums.

Kyutrexx
26.04.2012, 14:10
Gerade zu Beginn des Beruflebens würde ich mir außerdem keine Wege verbauen. Und gerade weil einem der Titel wirklich geschenkt wird, würde ich ihn mitnehmen. Das hat nichts mit Titelgeilheit zu tun. Es ist einfach easy während des Studiums.
Naja ... das ist relativ.

Hier in MD wird ein sehr großer Teil von Arbeiten als Forschungsarbeiten vergeben: Forschungszeit von 1 bis 2 Jahren bedeutet das meist.
Gibt auch Fakultätsteile wo es einfacher ist, aber der Großteil ist hier umfangreiche Arbeit.

Ich weiß aber, dass es natürlich anderswo auch durchaus sehr einfach sein kann.

LasseReinböng
26.04.2012, 15:09
Und gerade weil einem der Titel wirklich geschenkt wird, würde ich ihn mitnehmen. Das hat nichts mit Titelgeilheit zu tun. Es ist einfach easy während des Studiums.
Gibt sicherlich kein anderes Fach, wo es so leicht ist, trotzdem würde ich nicht sagen, daß man den Dr. während des Studiums immer so easy mitnehmen kann. Studenten, die auf Nebentätigkeiten angewiesen sind bzw. nicht ein Semester aussetzen können sind im Nachteil, auch ist die Betreuung gelegentlich chaotisch und schlecht. Und dann kann die med. Diss, obwohl fachlich gesehen pillepalle, scheitern.

Hoppla-Daisy
26.04.2012, 15:17
Ich hätte mir diesen Luxus weder zeitlich noch finanziell leisten können. Punkt. Aber ich leb auch so ganz gut damit :-)

epeline
26.04.2012, 15:33
wenn wir ehrlich sind, also zumindest, wenn ich ehrlich bin, ist ein großteil ego-motiviert ;-)

Michael72
26.04.2012, 15:52
Ein Leben lang mit "Herr Doktor" angeredet zu werden ohne einer zu sein würde mich nur immer wieder daran erinnern, dass ich zu faul oder zu dumm war, wie die allermeisten anderen zu promovieren. Deshalb war es mir wichtig. Und weil ich den Titel haben will, für mich. Für alleinerziehende Mütter ist das natürlich was vollkommen anderes.

McDübel
26.04.2012, 16:40
Mal schauen, ob ich das mit meinem Weißbrot-IQ auf die Reihe kriege. Eine Herausforderung mehr, würd ich mal sagen! Und für mich gehört es auch irgendwie dazu...vermutlich hatte ich zu viel von diesem "Werte und Normen"-Zeugs in der Schule ;-)

Eilika
26.04.2012, 17:02
Naja, es fühlt sich geil an und man kann nicht-promovierte von oben herab anschauen...