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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Generation Y - Der alte Arzt hat ausgedient



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Flauscheding
29.04.2012, 07:39
Ich hab jetzt auch mal die Kommentare gelesen, is ja gruselig :-keule.
Sie decken sich zum Glück in keinster Weise mit den Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe. "Was? Sie arbeiten sooo lange?" (Dabei mach ich noch keine Dienste und werde meist halbwegs pünktlich ausgelöst).
Aber hätt ich das alles mal vorher gewußt, ich bin ja dann gänzlich für den Arzt-Beruf ungeeignet. Hätt man uns das mit Beruf und Berufung nicht auf der Arztschule sagen können, bevor es zu spät ist? :grins::grins::grins:

Kackbratze
29.04.2012, 08:10
Diese Berufungssache ist ein frühes Mißverständnis. Es geht um die Berufung zum Professor, nicht zum Arzt, aber das wäre oberhalb des Niveaus des Springer-Verlages, weswegen es weder in der Bild noch im Spiegel oder sonstwo korrekt erklärt wird.
Die FAZ lässt es dann einfach auch, damit die Leser nicht verwirrt werden... und am Ende sollten wir alle berufen werden, äh sein.

Janny
29.04.2012, 23:06
Ist euch ein gewisser Name bei den Kommentatoren des Artikels aufgefallen, die besonders gegen geregelte Arbeitszeiten wettern? Der eines kardiologischen Chefarztes (auf Grund des für deutsche Verhältnisse leicht exotischen Namens ist eine zufällige Namensgleichheit sehr unwahrscheinlich und ich gehe jetzt einmal davon aus, dass hier keiner einen Account unter falschem Namen führt.)

Und vielleicht gehen ja bei uns auch die Uhren anders und ihr arbeitet alle im Paradies, aber ich muss meistens abends nicht etwa deswegen länger bleiben, weil es kurz vor Feierabend einem Patienten auf Station schlecht geht oder der Notarzt noch ein Ei bringt, (oder gar, weil ich nach Feierabend noch etwas Lehrreiches sehen/machen kann), sondern weil Papierkram übrig ist, weil ich Briefe tippen muss, weil ich Befunde suchen muss, weil noch nicht kodiert ist, weil strukturelle Probleme einen zeitigen Feierabend verhindern.
In ersterem Fall meckere ich auch nicht, ich fluche allenfalls mal innerlich. Aber letzteres ist so überflüssig wie stumpfsinnig. Daher bekomme ich echt das :-kotz , wenn in dem Artikel bzw den Kommentaren argumentiert wird, dass die Überstunden für die Patientenversorgung und für die Ausbildung erforderlich seien. Ein genialer Versuch, junge Ärzte pauschal als dumm und faul hinzustellen. Nochmal :-kotz

WackenDoc
30.04.2012, 08:39
Dann wird sich wohl ein gewisser Chefarzt zumindest in naher Zukunft über schwindene Bewerberzahlen wundern.

Kackbratze
30.04.2012, 08:55
Überstunden sind nicht erforderlich, aber sie fallen an doofen Tagen einfach an.

rogerM
30.04.2012, 09:18
das ist wirklich mal ein artikel der die aktuelle situation treffgenau wiederspiegelt. es geht nicht nur mir so, sondern auch den anderen jungassistenten. der begriff "früher" fällt tatsächlich in unserem haus ganz oft, nach der lektüre deute ich das als frust über die verkorkste biographie einiger älteren kollegen über die möglichkeiten die uns nun zustehen. jetzt lässt sich für mich auch die mangelnde ausbildungsbereitschaft erklären.

Kackbratze
30.04.2012, 09:30
Ich tue mich als Kollege trotzdem schwer mit Leuten, die ihre Ausbildung auf dem Silbertablett haben wollen mit festen OPs zu festen Weiterbildungszeiten ohne Eigeninitiative (ausser dem Einfordern), wenn man sehen kann, dass gewisse operative Grundlagen noch geschult werden müssen und die Fähigkeiten für das Eingeforderte einfach noch nicht ausreichend sind.

Und da kommt dann die fehlende Kritikfähigkeit dazu und die nervig-gefährliche Suppe ist fertig.
Wenigstens greift dann der "dann kündige ich lieber"-Gedankengang...

Aber wie schon gesagt, dass soll nicht der Kamm für Alle sein.

Hoppla-Daisy
30.04.2012, 09:33
Danke Bratze, wo muss ich unterschreiben? :-)

antonia123
30.04.2012, 10:05
am geilsten finde ich immer so kommentare von patienten wie "sie können sich wohl auch nicht trennen, was?" wenn man abends noch immer über die gänge huscht :-dance
aber die anspruchshaltung - gerade von seiten der angehörigen - ist oft echt krass.. da wird erwartet, dass man sonntag abends mit dem arzt sprechen kann und kann überhaupt nicht verstehen wenn dann gesagt wird "tut mir leid ich bin der notdienst. weder kenne ich ihren vater, noch haben wir sonntags sprechzeiten" .. die regulären sprechzeiten werden ja auch unter der woche komplett ignoriert aber am wochenende finde ich sowas schon extrem unverschämt. vielen leuten fehlt vollkommen das gespür

Kackbratze
30.04.2012, 10:25
"ich habe den ganzen Tag gearbeitet, deswegen bin ich erst um 17:00 hier. Da muss doch mal ein Arzt Zeit haben!"

...und was machen wir?

antonia123
30.04.2012, 10:35
genau das kommt dann immer! wie ich es hasse :-kotz ich hatte mal einen angehörigen der mit auf dem nach hause weg bis zum auto hinterhergelaufen ist (!!!!!!) um mich mit fragen zu bombadieren. da hab ich echt gedacht ich raste gleich aus. und seine frau hatte nicht mal irgendwas außer noro.

Kackbratze
30.04.2012, 11:00
Ja, ich kann das auchnicht ab, besonders wenn man als Arzt dann die gestörte Kommunikation innerhalb der Familie ausbaden muss. Bei schwerkranken, nicht ansprechbaren Patienten kann ich späte Gesprächstermine noch nachvollziehen, aber völlig unsinnige Gespräche bei quasi-geheilten, sprachlich nicht eingeschränkten Patienten, finde ich zum reihern.

"meine Mutter wird ja jetzt nach 8 Wochen morgen entlassen und ich bin heute das erste Mal hier. Wie steht es um sie? Hat sie die Sigmadivertikulitis und die OP gut überstanden?"

Wenn das nach 19:00 ist, frage ich gerne, ob er überhaupt schon mit seiner Mutter gesprochen hat.:-(

StellaMaris
30.04.2012, 11:00
Ja, die lieben Angehörigen... besonders toll auch in der Kinderheilkunde. Da hat man manchmal das Gefühl, die Eltern seien behandlungsbedürftiger als ihre Sprößlinge. :-oopss

Und bei manchen Vertretern der älteren Generation beschleicht mich ja das Gefühl, die wollen "den Jungen" einfach nicht gönnen, was sie selbst nicht hatten... nach dem Motto: "Warum soll's euch besser gehen als uns?"

Ansonsten fallen in beinahe jedem Beruf mal Überstunden, das Entscheidende ist, wie damit umgegangen wird - hat man die Möglichkeit, diese abzusetzen oder bezahlt zu bekommen, oder verschwinden sie einfach sang- und klanglos unter dem Tisch? Warum sollte im Arztberuf nicht gelten, was in vielen anderen Berufen längst lege artis ist?
Und für mich stellt die Qualität der Lehre auch nochmal ein wesentliches Kriterium dar - war schon in den Famulaturen so, wenn ich wirklich was gelernt habe und die Betreuung super war, bin ich auch gern länger geblieben oder eher gekommen, und das war eigentlich auch in all meinen Famulaturen so - hätte ich irgendwo das Gefühl gehabt, eher lästiges Anhängsel zu sein, hätte sich meine Motivation wohl auch in Grenzen gehalten.

Lava
30.04.2012, 11:03
Aber Nachteile hat das auch. Wenn sich zweieinhalb statt ein Arzt um etwas kümmern, gehen zwangsläufig Informationen verloren. Und ich finde, zumindest in meinem Fachgebiet, ist die praktische Ausbildung wahrscheinlich schlechter... wenn ich mal so alt bin wie meine Oberärzte, werde ich wesentlich weniger drauf haben als die, fürchte ich.

Janny
30.04.2012, 11:37
Ich tue mich als Kollege trotzdem schwer mit Leuten, die ihre Ausbildung auf dem Silbertablett haben wollen mit festen OPs zu festen Weiterbildungszeiten ohne Eigeninitiative (ausser dem Einfordern), wenn man sehen kann, dass gewisse operative Grundlagen noch geschult werden müssen und die Fähigkeiten für das Eingeforderte einfach noch nicht ausreichend sind.

Und da kommt dann die fehlende Kritikfähigkeit dazu und die nervig-gefährliche Suppe ist fertig.
Wenigstens greift dann der "dann kündige ich lieber"-Gedankengang...

Aber wie schon gesagt, dass soll nicht der Kamm für Alle sein.

Meine Unterschrift haste auch! :-top
Nur viele Überstunden, wenig Ausbildung muss nicht sein! :-dagegen
Und von wegen operative Grundlagen, bei manchen sind nicht einmal anatomische da...

antonia123
30.04.2012, 11:43
Ja, ich kann das auchnicht ab, besonders wenn man als Arzt dann die gestörte Kommunikation innerhalb der Familie ausbaden muss. Bei schwerkranken, nicht ansprechbaren Patienten kann ich späte Gesprächstermine noch nachvollziehen, aber völlig unsinnige Gespräche bei quasi-geheilten, sprachlich nicht eingeschränkten Patienten, finde ich zum reihern.

Klar. Wenn Patienten in sterben liegen oder eine unheilbare Krankheit bei uns erstdiagnostiziert wurde dann lehne ich Gespräche natürlich auch nur höchst selten ab. Vor allem wenn ich die Patienten schon mehrere Tage betreut habe und dann in den Spätdienst oder ins Frei gehe. Dann bleibe ich natürlich auch mal 15 Min länger um die Angehörigen auf den neusten Stand zu bringen. Aber genau solche Situationen, dass Angehörige dann am Tag vor Entlassung aus dem Nichts aufschlagen und plötzlich alles wissen wollen, tue ich mir nicht an. Die haben dann halt einfach Pech gehabt. Schön auch immer "sie können meine Mutter nicht nach Hause entlassen die kommt doch da gar nicht alleine zurecht!" - "ah wie schön, dass sie das nach 2 Wochen Krankenhausaufenthalt sagen. Dachten Sie wir behalten Ihre Mutter jetzt hier bis zum Sankt Nimmerleinstag??!!!"

Überstunden wird es immer geben und wenn die mit Notfällen oder sinnvollen Aufgaben befüllt sind, dann lasse ich das auch klaglos über mich ergehen (solange es sich im Rahmen hält!!!) aber wenn ich Überstunden mache, weil mein Oberarzt nicht zur Nachmittagsbesprechung kommt weil er lieber über seinem Mikroskop hängt oder mit der Sekretärin schwätzt, dann mach ich da nicht mit. Ich bin gespannt wann ich zum Chef muss weil ich seit diesem Monat die Überstunden aufschreibe. Ich glaub ich bring dann zum Gespräch den FAZ-Artikel mit ;-)

Thomas24
30.04.2012, 12:12
Du schreibst deine Überstunden auf??
Ist diesen Monat etwa deine Probezeit ausgelaufen...?;-)

antonia123
30.04.2012, 12:15
nein meine probezeit geht noch ein weilchen

Kackbratze
30.04.2012, 12:28
Nach meiner Probezeit wurde mir mitgeteilt, dass ich doch bitte meine Überstunden mal abfeiern soll, das wären schon zu viele.
"Früher" waren es wesentlich mehr, vom Chef auch gewollte, Überstunden, die man aber problemlos abfeiern konnte (und musste), weswegen ich da nicht wirklich traurig war.
Ausserdem war/ist die Ausbildung gut, weswegen ich das als Wermutstropfen "erduldet" habe.

Jeder wie er es mag. Ich würde nicht verlangen, dass Andere es genauso machen.

Thomas24
30.04.2012, 12:30
Ich war als Assi auch mal eine ganze Weile im "Zwangsoff"
wegen massiver in Phasen des Personalmangels angehäufter Überstunden... und es war Sommer...:-))