Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : nach PJ- warum so viele Abtrünnige?
maniac89
01.12.2012, 15:11
Vielleicht heißt es im Originaltext eher: "50% beginnen innerhalb von 3 Monaten nach dem Examen eine Facharztausbildung." Daraus wird dann: Die anderen 50% brechen ab. Dass die dabei erstmal Doktorarbeit fertig schreiben oder Urlaub machen, fällt untern Tisch. Wäre zumindest ne Erklärung. ;-)
Stress und wenig Schlaf im PJ? Harhar. Selten so gelacht. Ich glaube ich hatte in den 6 Semestern vorher deutlich mehr Stress. :)
Und ganz ehrlich: Dieser "ich fuehle mich berufen"-Kram, der nervt tierisch. Ich hab den Beruf Arzt gewaehlt, weil ich mir davon einen sicheren Arbeitsplatz, eine adaequate Bezahlung und einen Job, der mir Spaß macht, erwarte und weil das Abi es hergegeben hat. Und nicht, weil ich schon immer und sowieso und ueberhaupt Menschen heilen wollte und der groesste Menschenfreund von allen bin. Ich wage sogar zu glauben, dass diese Berufungs-Typen die Ersten sind, die desillusioniert abspringen.
By the way hab ich noch nie nen Juristen oder einen Ingenieur von ihrer Berufung sprechen hoeren - die machen dass doch nicht etwa aus Gruenden wie Geld und Job? Die sind ja selbstsuechtig!
novembergirl
02.12.2012, 14:32
Da ihr eine Quelle haben wolltet:
http://www.vlk-online.de/files/articles/2007-11/200711_6fd5906625.pdf
dort heißt es:
Die Quote der „Abbrecher” aus dem Erstsemester 1997 betrug 23,27 Prozent und die Quote der „Berufsverweigerer“ 23,97 Prozent der verbliebenen Absolventen. Insgesamt ergibt sich dadurch im Jahre 2003 eine „Schwundquote” der im Jahre 1997
erstsemestrigen Studenten der Humanmedizin von 41,6 Prozent! Ein wirklich alarmierendes Signal, das zu zeitnahem
Handeln auffordert.
Ist zwar aus den 90ern, habe aber sogar bei focus.de etc. von 2010 ähnliche Berichte mit teils höheren Prozentzahlen gefunden (in einem Artikel wurde Teilzeit während der Facharztausbildung auch in den Verlust eingerechnet und jeder, der in die Schweiz oder ins sonstige Ausland ging, wurde ebenso als 'verloren' gezählt; vll war die Quote deswegen auch so hoch. Ob sie eine verzögerte Facharztausbildung (nach 3 Monaten Pause) auch mit reingerechnet haben, weiß ich nicht).
Nein, ich schreibe keine Reportage für focus (schön wär's^^) und der thread ist kein troll.
Ich habe schlichtweg keine Ahnung, was man noch glauben soll.
Da es bei mir in der Familie/Bekanntenkreis keinen einzigen Arzt oder Uni- Professor für medizinische Fächer gibt, kann ich mich eben nur in den Medien oder Foren wie diesem hier informieren. Falls jemand meint, ich sollte meine Hausärztin fragen, die hat auch keine Ahnung, wie die Situation nach dem PJ heutzutage aussieht (sie ist auch schon älter).
50% klingt in meinen Ohren auch zu hoch, DESWEGEN habe ich doch hier nachgefragt!!
Woher soll ich bitte wissen, wie die Realität aussieht, wenn man in den Medien mal von Ärztemangel hört, dann doch nicht, dann von dieser Schwundquote, dann von jener Umfrage...
Zu meiner Frage zur Motivation der Studierenden. Nicht wenige behaupten zumindest schon, es sei ihre 'Berufung', siehe der Artikel hier:
http://www.zeit.de/2010/47/medizin-studium-oesterreich
Da wird geschildert, wie verzweifelt die armen Abiturienten doch sind, weil Arzt ihr Traumberuf ist, aber der gemeine NC ihnen diesen verwehrt. Weil sie es so unbedingt wollen, sind sie sogar gezwungen, mit dutzenden anderen in Österreich den Medizinertest zu machen und auf einen Studienplatz zu hoffen. Manche machen den Test anscheinend bis zu dreimal.
Ihr schildert ja, dass das mit der Berufung einfach nicht stimmt, was ich euch auch glaube.
Warum veröffentlichen die Medien dann immer so bekloppte Artikel, in denen alles völlig falsch dargestellt wird?
ohne jetzt alles gelesen zu haben möchte ich doch betonen, dass fü die meisten, die ich kenne, dieser beruf nicht alles ist sondern eben ein teil vom leben, wie jeder andere beruf es auch wäre.... :-nix
Und ganz ehrlich: Dieser "ich fuehle mich berufen"-Kram, der nervt tierisch. [...]
By the way hab ich noch nie nen Juristen oder einen Ingenieur von ihrer Berufung sprechen hoeren - die machen dass doch nicht etwa aus Gruenden wie Geld und Job? Die sind ja selbstsuechtig!
*gefaelltmir*
flopipop
03.12.2012, 20:37
Ihr schildert ja, dass das mit der Berufung einfach nicht stimmt, was ich euch auch glaube.
Warum veröffentlichen die Medien dann immer so bekloppte Artikel, in denen alles völlig falsch dargestellt wird?
weil ein artikel eine gewisse dramatik braucht, um gelesen zu werden...wäre meine erklärung
Ich hab den Beruf Arzt gewaehlt, weil ich mir davon ... eine adaequate Bezahlung ... erwarte
Zum Schreien!:-wand
Kackbratze
03.12.2012, 22:11
Was ist denn bitte adäquat?
Na das Gegenteil von inaddequark! Mensch eh!!
Kackbratze
03.12.2012, 22:29
Meine Frage bezog sich darauf, was der User als adäquat für den job empfindet...
Da ihr eine Quelle haben wolltet:
http://www.vlk-online.de/files/articles/2007-11/200711_6fd5906625.pdf
dort heißt es:
Die Quote der „Abbrecher” aus dem Erstsemester 1997 betrug 23,27 Prozent und die Quote der „Berufsverweigerer“ 23,97 Prozent der verbliebenen Absolventen. Insgesamt ergibt sich dadurch im Jahre 2003 eine „Schwundquote” der im Jahre 1997
erstsemestrigen Studenten der Humanmedizin von 41,6 Prozent! Ein wirklich alarmierendes Signal, das zu zeitnahem
Handeln auffordert.
Ist zwar aus den 90ern, habe aber sogar bei focus.de etc. von 2010 ähnliche Berichte mit teils höheren Prozentzahlen gefunden (in einem Artikel wurde Teilzeit während der Facharztausbildung auch in den Verlust eingerechnet und jeder, der in die Schweiz oder ins sonstige Ausland ging, wurde ebenso als 'verloren' gezählt; vll war die Quote deswegen auch so hoch. Ob sie eine verzögerte Facharztausbildung (nach 3 Monaten Pause) auch mit reingerechnet haben, weiß ich nicht).Na das sind ja brandaktuelle Zahlen - quasi aus einer anderen Zeit. Ähnlich hohe Abbrecherquoten gab es zuletzt zu Zeiten von Aristoteles - damals starb allerdings auch knapp die Hälfte der Studenten an Wundfieber und Schwindsucht vor dem Erreichen der Approbation, sodass die Quote auch geringfügig verzerrt wurde. :-D
Aber mal im Ernst: Die Jahre 1997 - 2003 sind ja nicht mehr wirklich zu vergleichen mit den heutigen Verhältnissen, da sich da grundlegende Dinge geändert haben: Die Ärzte haben einen eigenen (besseren) Tarifvertrag, das Arbeitszeitgesetzt wird jetzt als bindend betrachtet, die Arbeitsbedingungen in der Klinik sind besser geworden, das AiP (unter 20 jährige googeln bitte jetzt) ist abgeschafft worden... und deshalb gehen auch nicht mehr so viele ins Ausland oder sonstwohin, deshalb kann man diese Zahlen von damals getrost als überkommen in die Tonne treten.
Und was bitte soll das für eine schwachsinnige Statistik sein, in der "Teilzeit während der Facharztausbildung" als "Verlust" gewertet wird? :-??? Als nächstes wird Elternzeit mit reingerechnet und wer zuspät von der Mittagspause zurückkommt ist ja quasi auch im Geiste einer, der sich dem Arbeitsmarkt verweigert... da kriegt man natürlich exorbitante "Abbrecher"-Quoten zustande
Und ich sagte es weiter oben schonmal: Ein Arzt, der im Ausland als Arzt arbeitet, hat natürlich nichts mit einem Abbrecher gemeinsam, der das Studium nicht abschließt, deshalb ist es nicht sinnvoll, die zusammen in einen Topf zu packen.
Solche fokussierten Betrachtungen machen nur Sinn z.B. für deutsche Krankenhausträger, die so feststellen, dass immer weniger bei ihnen arbeiten wollen, aber über die Algemeinheit der Studenten/Absolventen sagt das nix aus.
Und BTW: Deine Eingangsthese "Immer wieder hört man, dass nach dem PJ ca. 50% der Studenten/Jungärzte keine Facharztausbildung machen, sondern in den alternativen Bereich (Forschung, Pharmaindustrie, Beratung) gehen." wird von der von die genannten Quelle nicht wirklich gestützt, denn in den von dir großzügig auf 50% aufgerundeten 41% aus dem Artikel ist ja 23,27% dabei, die das Studium nicht zuende machen, also z.B. auch die, die durchs Physikum oder das Staatsexamen fallen oder sonstwie ihren Prüfungsanspruch verlieren, aus familiären oder gesundheitlichen Gründen abbrechen, etc - und nicht zwingend weil ihnen Medizin nicht gefällt.
Korrekt hätte das heißen müssen, dass 2145 von 8947 Absolventen , also knapp 24% nicht das AiP in Deutschland antreten - wobei die eigentliche Zahl aufgrund derer, die im Ausland als Arzt arbeiten ja noch kleiner ist. Die 50% sind also nicht haltbar.
Warum veröffentlichen die Medien dann immer so bekloppte Artikel, in denen alles völlig falsch dargestellt wird?Weil's Auflage bringt und Ömchen Müller ja noch gerne liest mit wieviel Herzblut ihr Doktor sich ins Studium gewünscht hat. Dann muß man sich ja nicht mit Gedanken belasten, dass der evt. mehr Geld nimmt als die 10€ Praxisgebühr.
Meine Frage bezog sich darauf, was der User als adäquat für den job empfindet...
Das hatte ich auch durchaus so verstanden...
Da sich Miyu aber noch im PJ befindet, halte ich diese Frage dennoch für ungeeignet...man könnte auch sagen inadäquat :-))
Vermutlich wird sie, wie viele vor ihr wohl auch, in den ersten Monaten ihres Assi-Daseins ihr Konto lieben... Vielleicht sieht sie sich, in Bezug auf die entsprechende Arbeitsbelastung, durchaus adäquat bezahlt...vielleicht auch nicht...
Soll ja Leute geben, die mit dem, was sie tun, zufrieden sind und auch die Bezahlung als angemessen betrachten...is eben alles mehr oder weniger eine subjektive Geschichte...
Kackbratze
04.12.2012, 09:24
*popcornholfüssehochleg*
*mitfernbedienungdengehaltsdiskussionssendereinsch alt*
*entspannen*
Absolute Arrhythmie
04.12.2012, 09:55
@Gehalt: Naja, hab noch keinen Arzt verhungern sehen ;)
@Gehalt: Naja, hab noch keinen Arzt verhungern sehen ;)Was aber auch keine Selbstverständlichkeit ist. Mit den umgerechnet 600€, die man als AiP früher gekriegt hat da waren schon etliche noch auf die Unterstützung der Eltern oder Sozialhilfe angewiesen. Es ist ja letztlih in erster Linie den vielen Abwanderern zu verdanken, dass die Bedingungen für die Krankenhausärzte in D nachgebessert werden mussten.
Soweit ich mitbekommen habe, ging es doch auch gar nicht um eine das Überleben sichernde, sondern um "adäquate" Bezahlung, was auch immer das für den Einzelnen bedeuten mag.
Naja, ganz so wenig war es ja Gott sei Dank auch nicht. Bei mir waren es ziemlich genau 1500€ Brutto, wovon letztendlich um die 1000€ zur Auszahlung kamen...
Wenn ich das allerdings mit den heutigen Entgelten vergleiche, gehe ich mal eben in den Keller weinen. :-((
Kackbratze
04.12.2012, 13:19
*popcornmampf*
Ich finde, dass alle Ärzte vollkommen überbezahlt sind, das bischen im Kittel rumlaufen und Pillen verschreiben ist weniger wert als die verantwortungsvolle Tätigkeit der Juristen, die durchgezielte Recherche Unrecht in Recht verwandeln können oder die Arbeit eines Karussellbremsers,der mit einem falschen Knopfdruckauf einem Schlag eine Menge Erben schaffen kann...
*weiterpopcornmampf*
die Arbeit eines Karussellbremsers,der mit einem falschen Knopfdruckauf einem Schlag eine Menge Erben schaffen kann...:-))
Das ist mal ein kreatives Beispiel - also wenn ich auf die Klinik keinen Bock mehr habe, versuche ich irgendwie in diesen Job reinzurutschen. Hat ja schon viel mehr Stil...
Absolute Arrhythmie
04.12.2012, 14:44
Hmm - ich kann eure Perspektive da schon verstehen, wer fühlt sich net inadäquat bezahlt, klar... Verantwortung und so weiter, blabla, haben wir ja hier alles schon zehn Mal gehabt. Aber wer so unzufrieden mit dem Geld ist, der kann ja mal nen Monat als Friseurin arbeiten und was zu Mampfen kaufen. Tellerrand und so.
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