Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Patienten die Hand geben - ja oder nein?
Dr. Psycho
14.02.2013, 21:24
Da hatte ich in meinem Psychiatrie-Tertial eine gute Diskussion mit einer Psychologin und einem Psychiater, ich hab deren selbstauferlegtes striktes Berührungsverbot auch zuerst gar nicht verstanden- bei den meisten Patienten ist es vermutlich auch nicht nötig, aber gerade zu Beginn kennst du den Patienten noch nicht und wenn man ein paar Mal die völlig überraschenden Gedankengänge eines Patienten in einer floriden Psychose erlebt hat (in die die behandelnden Ärzte manchmal einbezogen werden) denkt man schon mal drüber nach, ob man dem Patienten nicht schadet. So ein Händeschütteln könnte ja als Liebesbeweis oder als die Implantation eines Mikrochips fehlgedeutet werden.
Hmmm...bin in den letzten 4,5 Jahren noch nicht wahnhaft verarbeitet oder verkloppt worden, nur weil ich beim Erstkontakt nem Patienten die Hand gebe...und wie man jemandem mit nem Händedruck Schaden zufügen soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Wird ja keiner gezwungen, mir das Pfötchen zu schütteln.:-notify
Und ein "selbstauferlegtes striktes Berührungsverbot" mutet eher wie ne Klatsche auf Seiten des Behandlers an...so'n Quark habe ich ja noch nie gehört- macht der körperliche Untersuchungen bei Aufnahme dann mit Röntgenblick und imaginären Händen? oder Kraft seiner Gedanken?
Soll mit dem Händeschütteln jeder halten wie er mag, aber im Allgemeinen beißen einem auch Psych-Patienten ne ausgestreckte Hand eher selten ab...
Kackbratze
14.02.2013, 22:23
Ich gebe an sich nicht sonderlich gerne die Pfote... Hab noch nie verstanden, wieso zwischen Fremden ein "Guten Tag" nicht völlig ausreichend ist :-nix
Dito. Hygiene ist vorgeschoben, die Wahrheit ist, ich mag Menschen ohne Grund nicht anfassen. Ich will auchnicht einfach so angefasst werden.
Händeschütteln ist für mich unnötig.
Finds im Zeitalter der multiresistenten Erreger auch mehr als grenzwertig, zumal die Händedesinfektion bei der Visite ja oftmals nur aus dem zweimaligen Schlagen auf den Steriliumspender besteht. Die hygienische Händedesinfektion setzt ja aber eine gewisse Menge an Sterilium (und Einwirkungszeit) voraus, welche ja so gut wie nie eingehalten wird.
FataMorgana
15.02.2013, 07:44
Also, irgendwie macht mich das jetzt n bisschen stutzig.... Gebt ihr den Leuten nicht die Hand, weil sie Patienten sind und damit "potentiell irgendwas haben"? Wie handhabt ihr das denn im Alltag? Also, wenn ihr außerhalb von KH oder Praxis mit Menschen in Kontakt kommt...?? Denn wie manche hier schon meinten: es gibt ja Desinfektionsmittelspender meist in jedem Patientenzimmer.... Oder gebt ihr nie den Leuten die Hand (also auch nicht im privaten Leben)? Theoretisch kann ja auch der Berater bei der Bank oder so irgendwas mit sich rumschleppen....
Ich unterstelle mal, dass es da weniger um den Eigenschutz, sondern mehr um den Schutz anvertrauter Patienten (u. U. immunsupprimiert oder immundefizient) vor iatrogenen Infektionen geht.
altalena
15.02.2013, 09:43
Hmm, ok. Ich meine, ich kann das n bisschen nachvollziehen, aber ich hab das für mich irgendwie nicht so verinnerlicht. Für mich gehört Händeschütteln dazu, sowohl im Alltag als eben auch im KH, wenn man sich neuen Patienten vorstellt. (Es sei denn ich oder mein Gegenüber ist ne offensichtliche Keimschleuder ;-) ) Ist irgendwie so drin, weil früher von Mutti so eingetrichtert: "Kind, man gibt den Leuten (feste) die Hand und schaut ihnen dabei in die Augen" :-))
Feuerblick
15.02.2013, 11:32
Hat meine Mama auch getan, fand ich aber schon als Kind eigentlich total doof und überflüssig ;-)
WackenDoc
15.02.2013, 17:45
Ich geb den meisten meiner Patienten eher nicht die Hand, hab aber auch nix dagegen, wenn die mir ihre entgegenstrecken. Meist ergibt sich das Händeschütteln rein aus dem Setting nicht. Ist oft was anderes bei denen, die ich schon was länger betreue- da baut sich einfach eine ganz andere Beziehung auf.
Viele sind aber inzwischen auch so gut informiert, dass sie bei ner Erkältung von sich aus sagen, dass sie mir besser nicht die Hand geben wollen.
Aber viele muss ich ja eh untersuchen und danach desinfizier ich mir so oder so die Flossen- übrigens grundsätzlich auch das Stethoskop.
Ich bin aber auch in nem Umfeld wo so gut wie alle Patienten immunkompetent sind und die nicht gerade die ganz großen Risikofaktoren für multiresistente Keime in sich vereinen.
Bin zwar noch im PJ, aber ich gebe bei den Visiten schon die Hand. Ich untersuche ja auch die Knöchel nach Ödemen, höre mal auf Lunge und Herz. Habe das Gefühl, dass es gerade bei älteren Patienten gut ankommt und mir macht es absolut nichts aus.
Kackbratze
15.02.2013, 19:38
Spätestens wenn Du eine Zeit in der Prokto verbracht hast, siehst Du manche Hände in anderem Schmier, äh, Licht.
In der Notaufnahme gebe ich eigentlich fast jedem Patienten zur Begrüßung die Hand, wenn diese gewisse hygienische Grundvoraussetzungen erfüllt. Ich drück ja später auch auf den Bauch drauf und hau auf die Nieren, da ists doch höchst egal, ob ich es vorher vermieden hab, die Hand zu schütteln. Meistens hab ich eh Handschuhe an - wenn nicht, wird nach jedem Patienten desinfiziert. Stethoskop auch.
Christoph_A
16.02.2013, 13:50
Naja, ich gebe eigentlich den meisten Patienten die Hand, wenn sie sie mir entgegenstrecken und beim ersten Kontakt, sei es in der Notaufnahme, Schrittmacherambulanz oder auch auf der Intensiv (sofern sie da die Hand bewegen können :-) ). Finde, daß man als Arzt durchaus auch eine gewisse Höflichkeit an den Tag legen kann und die Keimphobie, die in manchen (Arzt)köpfen herrscht, kann ich nicht teilen. Ich desinfiziere mir nach jedem Patientenkontakt natürlich die Hände, hat ja jedes Zimmer so nen netten Spender an der Wand hängen. Damit bin ich bis jetzt in all den Jahren eigentlich ganz gut gefahren und meine Patienten auch.
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