Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Patienten die Hand geben - ja oder nein?
][truba][
14.02.2013, 16:53
Hey,
ich wollte euch als Ärzte mal was fragen.
Ich bin ja noch Student, jetzt im 5. Semester und habe zur Zeit U-Kurs.
Heute war ich auf der UCH und wir sollten, im beisein des Arztes, eine Anamnese (bzgl. der Verletzung) erheben und entsprechendes Körperteil untersuchen.
So, der Arzt war die ganze Zeit dabei, was super war da man endlich mal direkt Feedback bekam.
Ich habe es wohl ganz gut gemacht aber er meinte "Was richtig schlecht war: Du hast dem Patient die Hand gegeben. Ein Arzt gibt dem Patient niemals die Hand, es sei denn er streckt sie dir hin".
Er begründete das mit der hohen Ansteckungsgefahr, welche von der Hand ausgeht.
Mir leuchtet diese Aussage schon ein aber irgendwie finde ich diesen Spruch doch komisch.
Könnt ihr mir sagen wie ihr das haltet? Ich empfand es bisher immer als angenehm dem Patienten die Hand zur Begrüßung zu geben.
Bin auf eure Antworten gespannt.
MfG Thomas
Feuerblick
14.02.2013, 16:57
Mal abgesehen davon, dass ich mir das mit der Händeschüttelei auch abgewöhnt habe... "Ein Arzt tut dieses oder jenes (nicht)" ist mal einer der dämlichsten Sprüche EVER!!! Jeder Arzt hat sein eigenes Hirn und kann selbst entscheiden, ob er beispielsweise Pfötchen schüttelt oder nicht :-wand Und gegen die Infektionsgefahr soll der Mensch ja sowas wie Händedesinfektion nach jedem Patienten (mit oder ohne Pfötchen) erfunden haben.
Hm,
ich mach das ehrlich gesagt ein bisschen von dem Eindruck abhängig, den ich vom Patienten hab, mit jüngeren geh ich häufig ein bisschen scherzhaft-fröhlich um, vor allem wenn sie keine schlimme Diagnose haben, älteren gebe ich häufig die Hand. Ich würde weder sagen, dass man immer die Hand geben sollte, noch das auf jeden Preis vermeidet.
Man muss sich im klaren sein, dass jegliche Berührungen eine sehr starke Wirkung haben, die man positiv nutzen kann, aber die man auch sparsam dosieren muss.
Im Zweifelsfall, vor allem bei psychiatrischen Patienten, würde ich versuchen, Berührungen zu vermeiden, das den Patienten aber keinesfalls spüren lassen.
Grombühlerin
14.02.2013, 17:09
Im Zweifelsfall, vor allem bei psychiatrischen Patienten, würde ich versuchen, Berührungen zu vermeiden, das den Patienten aber keinesfalls spüren lassen.
Warum? Ist die Psychiatrie-Diagnose ansteckend?
Ich gebe eigentlich immer die Hand (beim Prämed-Gespräch, im OP eher nicht), desinfiziere aber nach jedem Patienten die Hände.
In der ZMA gebe ich eigentlich jedem Patienten die Hand, ausser der Arzt ist schon im Gespräch wenn ich dazu komme. Beim Blutabnehmen nehme ich mir das eigentlich immer vor, aber ich komme mir dann immer so doof vor, wenn ich mich in nem Raum mit 4 Leuten bei 3en vorstellen müsste und lasse das dann. Prinzipiell bin ich aber eher für das Händeschütteln. Man desinfiziert sich ja sowieso nach jedem Patienten die Hände, also kann ich denen auch die Hände schütteln.
Uns wurde im Anamnese-Kurs auch immer gesagt, wir sollen den Patienten zur Begrüßung die Hand schütteln.
In der Ambulanz in unserern Sprechstunden schüttel ich eigentlich auch jedem Patienten die Hand- quasi beim Vorstellen bei der Begrüßung; nach dem Gespräch werden die Hände gewaschen und zwischendran patsche ich ja nicht wahllos irgendwo herum.
Auf Station morgens auf Visite gebe ich allerdings nur Patienten die Hand die ich noch nicht kenne, eben auch um mich vorzustellen- der Rest kennt mich ja schon.
Habe mir da allerdings auch noch nie so den riesen Kopf drum gemacht und immer so gehandelt wie ich es für passend gehalten habe und ich denke dann passt das auch.
Wir haben am Praxiseingang ein großes auffälliges Schild stehen mit der Bitte an die Patienten, sich beim Betreten und Verlassen der Praxis die Hände zu desinfizieren. Zudem schütteln wir auch keine Hände mehr. Wenn mir ein Patient die Hand entgegenstreckt, dann sage ich ihm, er solle mir nicht böse sein, das sei nicht unhöflich gemeint. Wir haben ausnahmslos sehr positive Resonanz von Seiten der Patienten dafür bekommen.
Relaxometrie
14.02.2013, 17:28
In der Ambulanz in unserern Sprechstunden schüttel ich eigentlich auch jedem Patienten die Hand- quasi beim Vorstellen bei der Begrüßung; nach dem Gespräch werden die Hände gewaschen und zwischendran patsche ich ja nicht wahllos irgendwo herum.
Das "zwischendran patsche ich ja nicht wahllos irgendwo herum" hat mich stutzig gemacht. Denn in der Sprechstunde fasst man sehr wahrscheinlich die Tastatur des PCs an, einen Stift, diverse Untersuchungsmaterialien (Meßlineale, Stethoskop.......je nach Fachgebiet), den Stuhl, den Fenstergriff.........je nach Situation fasst man diverse Gegenstände an, an die man dann alle die Patientenkeime verschleppt.
Wenn ich mir das jetzt so überlege, ist es doch logischer, nicht jedem Patienten die Hand zu schütteln. Denn all die Dinge zu desinfizieren, die ich nach dem Patientenkontakt angefasst habe, ist unrealistisch. Und man muß doch immer davon ausgehen, daß der Patient gerade mal in der Nase gebohrt, sich nach dem Toilettengang die Hände nicht (ausreichend) gewaschen hat, oder gerade andere Keimquellen berührt hat.
Ich möchte dazu sagen, daß diese Überlegungen rein medizinischer Natur sind (klingt geschwollen...aber wie soll ich es anders ausdrücken). Rein vom Gefühl her würde ich jedem Patienten die Hand geben wollen und würde mich bei den meisten auch nicht ekeln.
Aber zwischen "optischem Ekel", und den real vorhandenen Keimen, besteht halt doch ein Unterschied, den wir als Ärzte ernst nehmen sollten.
Feuerblick
14.02.2013, 17:31
Wir haben am Praxiseingang ein großes auffälliges Schild stehen mit der Bitte an die Patienten, sich beim Betreten und Verlassen der Praxis die Hände zu desinfizieren. Zudem schütteln wir auch keine Hände mehr. Wenn mir ein Patient die Hand entgegenstreckt, dann sage ich ihm, er solle mir nicht böse sein, das sei nicht unhöflich gemeint. Wir haben ausnahmslos sehr positive Resonanz von Seiten der Patienten dafür bekommen.Sag ich auch immer. Da ich seit Oktober sowieso dauererkältet bin, hab ich auch eine gute Begründung :-)) Die meisten Patienten antworten dann, dass sie es eigentlich total gut bzw. dieses ständige Händeschütteln total blöd finden.
Das "zwischendran patsche ich ja nicht wahllos irgendwo herum" hat mich stutzig gemacht. Denn in der Sprechstunde fasst man sehr wahrscheinlich die Tastatur des PCs an, einen Stift, diverse Untersuchungsmaterialien (Meßlineale, Stethoskop.......je nach Fachgebiet), den Stuhl, den Fenstergriff.........je nach Situation fasst man diverse Gegenstände an, an die man dann alle die Patientenkeime verschleppt.
Wenn ich mir das jetzt so überlege, ist es doch logischer, nicht jedem Patienten die Hand zu schütteln. Denn all die Dinge zu desinfizieren, die ich nach dem Patientenkontakt angefasst habe, ist unrealistisch. Und man muß doch immer davon ausgehen, daß der Patient gerade mal in der Nase gebohrt, sich nach dem Toilettengang die Hände nicht (ausreichend) gewaschen hat, oder gerade andere Keimquellen berührt hat.
Hmm, also das läuft ja so ab, dass der Patient begrüßt wird, kurz befragt, untersucht, dann Hände waschen, Dokumentation, Anmeldungen im PC usw, also so seh ich jetzt nicht so viel Keimverschleppung und zur Untersuchung muss ich den Patienten ja schon irgendwann anfassen.
Relaxometrie
14.02.2013, 17:43
Meine Kausalkette hätte für den Fall gegolten, daß Du Dir nach der Untersuchung nicht direkt die Hände wäschst, sondern erst noch die Dokumentation machst.
Warum? Ist die Psychiatrie-Diagnose ansteckend?
Ich gebe eigentlich immer die Hand (beim Prämed-Gespräch, im OP eher nicht), desinfiziere aber nach jedem Patienten die Hände.
Da hatte ich in meinem Psychiatrie-Tertial eine gute Diskussion mit einer Psychologin und einem Psychiater, ich hab deren selbstauferlegtes striktes Berührungsverbot auch zuerst gar nicht verstanden- bei den meisten Patienten ist es vermutlich auch nicht nötig, aber gerade zu Beginn kennst du den Patienten noch nicht und wenn man ein paar Mal die völlig überraschenden Gedankengänge eines Patienten in einer floriden Psychose erlebt hat (in die die behandelnden Ärzte manchmal einbezogen werden) denkt man schon mal drüber nach, ob man dem Patienten nicht schadet. So ein Händeschütteln könnte ja als Liebesbeweis oder als die Implantation eines Mikrochips fehlgedeutet werden.
Wir haben auch die Regel (und die Schilder in der Notfallambulanz), dass wir aufs Händeschütteln verzichten. Ich muss ehrlich sagen, dass ich es beim ersten Patientenkontakt noch recht häufig mache. Vornehmlich mit den Eltern wobei ich mir angewöhnt habe nach wirklich jedem Patienten- oder Elternkontakt die Hände zu desinfizieren. So ist der normale Weg Händedesinfektion -> ins Zimmer -> Eltern begrüßen (evtl. mit Handschlag) -> Händedesinfektion -> Anamnese und Doku am Computer -> Kind untersuchen -> Händedesinfektion -> Status dokumentieren -> nach Verlassen des Zimmers erneute Händedesinfektion. (Damit hatte ich immerhin in 3 Jahren Pädiatrie nur eine Gastroenteritis ;-) ).
Aus hygienischer und infektiologischer Sicht gibt es deutliche Empfehlungen das Händeschütteln zu unterlassen. Ich glaube, die meisten Patienten / Eltern tolerieren und verstehen dies problemlos.
Wenn ich eh Hand am Patienten anlege, dann kann ich ihm auch die Hand schütteln. Desinfiziert wird ja eh danach.
Ansonsten hängt bei uns in fast jedem Zimmer an der Tür ein Desinfektionsmittelspender. Da kann man sich dann beim Betreten des Zimmer bedienen und steht dann mit tropfnassen Händen vor dem Patienten. Hat den Vorteil dass einerseits sich der Handschlag erledigt hat und andererseits der Patient sieht, dass ich mir die Hände desinfiziere.
Ich würd auch niemals in der Visite allen Patienten die Hände schütteln, nur bei der Aufnahme einmal. Wenn ich bei der Visite untersuche oder auch nur Drainagebeutel zum Ablesen anfasse, desinfiziere ich mir sofort die Hände. Wir haben trotz Desinfektionsmittelspendern in jedem Zimmer zur Visite meist noch ne Schwester mit nem Fläschen dabei, das sie uns großzügig über die Hände kippt. Wenn sich die Patienten wegen kalten Händen beschweren, sag ich immer das kommt vom Desinfizieren :-)
netfinder
14.02.2013, 19:31
Ich wuerde nie einen Patienten anfassen.
In meiner Praxis geb ich den meisten Patienten die Hand, denn im Unterschied zu den Augenärzten untersuche ich ja auch körperlich ;-)
In jedem Zimmer hängt neben der Tür der Desinfektionsmittelspender, den ich vor Verlassen des Raumes auch benutze.
Die meisten Keime befinden sich eh im Wartezimmer, und da geh ich normalerweise nicht rein ;-)
altalena
14.02.2013, 19:38
Also, irgendwie macht mich das jetzt n bisschen stutzig.... Gebt ihr den Leuten nicht die Hand, weil sie Patienten sind und damit "potentiell irgendwas haben"? Wie handhabt ihr das denn im Alltag? Also, wenn ihr außerhalb von KH oder Praxis mit Menschen in Kontakt kommt...?? Denn wie manche hier schon meinten: es gibt ja Desinfektionsmittelspender meist in jedem Patientenzimmer.... Oder gebt ihr nie den Leuten die Hand (also auch nicht im privaten Leben)? Theoretisch kann ja auch der Berater bei der Bank oder so irgendwas mit sich rumschleppen....Ich hab mir da ehrlich gesagt noch nie so 'ne Platte gemacht, ich hab Patienten immer die Hand gegeben, vorrangig bei der Aufnahme, also nicht jetzt jedes Mal, wenn man die dann schon kannte. :-nix
Wir haben das bei uns angefangen, als mal wieder eine hefitge Epidemica-Welle hier durch die Gegend schwappte. Dort reicht wirklich quasi ein Nichts an Berührung, um sich anzustecken mit einer echt fiesen Infektion. Durch definitives Streuen in nachbarlichen Praxen haben wir unsere wie ich finde eh schon wirklich guten Hygienemaßnahmen aber zu der Zeit noch straffer gezogen und eben die Händedesinfektion auch für die Patienten angefangen und eben das Händeschütteln abgeschafft. Die Resonanz, die wir daraufhin von den Patienten bekommen war durchweg sehr lobend, dass wir es einfach beibehalten haben. vieles mag durchaus übertrieben sein, aber besser so als andersherum. Zumal, wenn man es vernünftig verkauft, auch keiner böse ist, wenn mal die Pfote bei einem selber bleibt ;-) Höflichkeit kann man ja auch anders ausdrücken.
Feuerblick
14.02.2013, 20:17
Ich gebe an sich nicht sonderlich gerne die Pfote... Hab noch nie verstanden, wieso zwischen Fremden ein "Guten Tag" nicht völlig ausreichend ist :-nix
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