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WackenDoc
02.06.2013, 10:55
Ich hab damals als AiP mal gewagt, nem RA-Schüler im 1. Jahr, der bei uns auf Station Praktikum gemacht hat, anzubieten zum Blutabnehmen mitzukommen. Das hat vielleicht nen Ärger gegeben.

PsychoFan
02.06.2013, 11:50
Weshalb in Deutschland die Pflege einen transurethralen Katheter legen darf, aber keine Flexüle, das werde ich nie begreifen.

Jeder macht Fehler, jeder hat Wissenslücken, das hat doch nichts mit Dummheit zu tun! Fehler anonym melden, Fehler analysieren, Schlußfolgerungen ziehen. Wozu das ganze emotionale Theater drum herum? Klar darf es nicht passieren, dass man Fehler macht, aber es kann nun mal passieren und passiert nun mal. Was bringt denn die Aufregung, dass es nicht passieren darf? Genauso das beschriebene "zwischen den Zeilen zu verstehen geben" seitens der ärztlichen Kollegin?

el suenio
02.06.2013, 13:25
Das, was jeder Pflegeschüler lernt (und zwar ja recht sturkturiert, mit Anleitung, Berichtsheft, zeigen, abzeichnen etc.) musste ich z.B. zum Teil einfach ausprobieren, wenn es mir keiner zeigen wollte
Traumhaft wäre es für die Pflegeschüler, ist aber nicht so. Ich komm mir auch vor, wie bei Jugend forscht und arbeite auf der Station nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Es gibt gar keine Berichtshefte o.ä. und von Anleitungen kann man meistens nur träumen. In der Schule lesen wir uns das mal aus dem Pflegebuch durch und wenn wir gaaaanz großes Glück haben, können wir es auch mal ausprobieren. Waschen und betten haben wir z.B. niemals in der Schule probiert, sondern wurden gleich auf Station gestellt. Eine Infusion haben wir einmal gerichtet. So viel zu dieser Illusion ;-)
Mich beruhigt nur sehr, dass es anderen offenbar auch so geht, wenn auch auf ärztlicher Seite. Und ich hoffe auch immer, dass kein Perfusor piept, wenn ich in der Nähe bin, weil ich nur den Ton ausstellen kann, nicht aber das Problem beseitigen kann. Ich bin ja schon froh, dass mir mal ein Patient gesagt hat, was ich machen muss, wenn der Infusomat "Druckalarm" oder "Luftalarm" anzeigt. Wie man die Tropfgeschwindigkeit einstellt, musste ich letzte Woche auch selber herausfinden. Immerhin hat mir tatsächlich mal eine nette Schwester gezeigt, wie ich überhaupt das Infusionssystem in den Infusomaten bekomme. Also in der Pflege ist definitiv auch nicht alles besser...

WackenDoc
02.06.2013, 13:31
Ähm- die Infusomaten darfst du ohne Einweisung nach MPG gar nicht bedienen.

Waschen und Betten in der Schule zu üben fände ich jetzt- ehrlich gesagt- auch übertrieben. Dass dort gelehrt wird, worauf geachtet werden muss, was man falsch machen kann, ok. Aber dann muss die praktische Ausbildung auf Station erfolgen.

el suenio
02.06.2013, 13:39
Es wird aber kein Schüler in die Geräte eingewiesen, bedienen müssen wir sie trotzdem. Und waschen und betten sollte man schon mal gemacht haben, bevor man das erste Mal auf Station steht. Es macht nämlich einen gewaltigen Unterschied, ob man das schon mal gelesen hat oder schon mal gemacht hat. Blutdruck messen genau dasselbe. Da hat man uns nicht mal verraten, wie man das macht, bevor wir unseren ersten praktischen Einsatz hatten. Glücklicherweise hatte ich ein Gerät zu Hause und konnte das schon mal selber ausprobieren, sonst wär ich echt aufgeschmissen gewesen. Die Schwestern finden das nämlich gar nicht so toll, wenn da jmd. kommt, der weder waschen, noch betten, noch Blutdruck messen kann.

Nessiemoo
02.06.2013, 14:21
Da finde ich es immer Schade, dass man als Medizinstudent 3 Monate im Krankenhaus als Pflegepraktikant verbringt, und da schon öfters (ich will jetzt die endlosen debatten vermeiden, es gibt immer ausnahmen) nach kurze Einweisung in Betten machen, Blutdruck messen und Essen austeilen, und je nach Station noch waschen, auf die Ebene bleibt und macht dieselben Aufgaben für ganzen drei Monate als Pflegehilfe.

Später merkt man frühestens in Famulaturen, dass einem Basiswissen aus der Pflege schon richtig fehlt - Und ich spreche von Grundlagen wie, wie lagere ich meinen Patienten rückenschonend, wie gehe ich mit einem dementen Patienten um... - nicht nur mit Infusionensbesteck umzugehen. ;)

CYP21B
02.06.2013, 14:21
Naja Pflegepraktikum kann so oder so laufen. Bei meinem ersten Monat war ich auch auf so einer Station bei der man am besten nichts anfasst was irgendwie mit Medizin zutun hatte. Da durften selbst die Schwesternschülerinnen die die Prüfung schon rum hatten aber irgendwie noch ein paar Wochen arbeiten mussten bis sie offiziell Examen hatten keine Infusionen abstöpseln. Zum Schluss durfte ich dann "gnädigerweise" paarmal Blutdruck messen.
Auf der anderen Station war es dann komplett anders. Durfte schon paar Sachen wie Clexane spritzen und vorher auch richten, Infusionen abstöpseln, Zugänge ziehen etc. Also jetzt auch nichts so großeses, aber immerhin. Da gabs auch eine junge Assistenzärztin die hat mich paarmal beim Blutabnehmen mitgenommen und machen lassen.
Außerdem war es da dann so dass man wenn man Patienten zum Röntgen oder zu Untersuchungen gefahren hatte dabei bleiben konnte, wenn nicht gerade die Hölle los war, und dann dazu auch etwas erklärt bekommen hatte. Und einen Tag hatte man komplett frei auf Station und konnte im OP zugucken pro Monat.
Ich würde insgesamt trotzdem sagen, dass man die Sachen die man sich so aneignen konnte auf einer geeigneten Station nach spätestens 4 Wochen drauf hat. Die 3 Monate sind also gerade im Verhältnis zu den 4 Monaten Famulatur gnadenlos übertrieben. Allerdings kommt es eben extrem darauf an wo man landet.

gnuff
02.06.2013, 14:27
Es wird aber kein Schüler in die Geräte eingewiesen...

Bedienst Du ein med-tech. Gerät ohne offizielle Einweisung falsch und ein Patient kommt zu Schaden hast Du Mitschuld, nicht nur der Arbeitgeber der Dich nicht eingewiesen hat...

WackenDoc
02.06.2013, 14:36
@el suenio: Genau das ist aber das Problem: Du darfst diese Geräte ohne Ausbildung höchstens unter Aufsicht bedienen.
Und die Einweisung kann es sowohl über die Schule als auch über die Station geben.

Das mit dem Vorüben von Waschen und Betten in der Schule halte ich für unsinnig. Wen wollt ihr denn da richtig waschen- euch gegenseitig? Blutdruckmessen ist ja was, was noch Sinn macht.
Die Stationen sollen euch ausbilden und nicht ausbeuten. Und dazu gehört eben auch die Ausbildung in Tätigkeiten, die man schlecht vorüben kann.
Dafür bekommt ein Pflegeschüler schließlich auch deutlich weniger Geld als eine voll ausgebildete Pflegekraft.

nie
02.06.2013, 14:45
------

WackenDoc
02.06.2013, 15:00
Das Problem, dass vom Arzt erwartet wird, dass er die Geräte bedienen kann, kenn ich auch.
Beispiel aus meinem PJ: Infusomat hat Alarm gegeben. Pflegekraft: Hab keine Einweisung, darf ich nicht bedienen und ist weggegangen (aber nicht, um jemanden zu holen, der sich damit auskannte). Tja, und als PJ steht man dann da und überlegt sich, dass das Gepiepe einerseits nervig ist und andererseits es ja nen Grund gibt, warum irgendwas über Perfusor läuft und man die Störung durchaus zeitnah beheben sollte.

Problem war aber ganz einfach: Tropfkammer war vollgelaufen und das System konnte die Tropfen nicht erkennen.

Dafür hab ich vor ganz kurzem Ärger bekommen: War im Intubationspraktikum- also Praktikant für eine Woche und unter ständiger Aufsicht. Einweisung in´s Narkosegerät hatte ich natürlich nicht. An sich aber ja kein Problem- wollte das ja gar nicht selbständig bedienen. Gab auch keine Notwendigkeit, das für später zu lernen- da wo ich arbeite, gibt es das nicht und auf die Geräte, die ich bedienen können muss, hab ich die Einweisung.
War 3 Tage lang auch nicht das Problem- hab die Basiseinstellungen hinbekommen (wohlgemerkt- unter Aufsicht und Kontrolle), am 4. Tag ist es dann nem überkorrekten Anästhesiepfleger aufgefallen.

Skalpella
02.06.2013, 15:30
Dafür hab ich vor ganz kurzem Ärger bekommen: War im Intubationspraktikum- also Praktikant für eine Woche und unter ständiger Aufsicht. Einweisung in´s Narkosegerät hatte ich natürlich nicht. An sich aber ja kein Problem- wollte das ja gar nicht selbständig bedienen. Gab auch keine Notwendigkeit, das für später zu lernen- da wo ich arbeite, gibt es das nicht und auf die Geräte, die ich bedienen können muss, hab ich die Einweisung.
War 3 Tage lang auch nicht das Problem- hab die Basiseinstellungen hinbekommen (wohlgemerkt- unter Aufsicht und Kontrolle), am 4. Tag ist es dann nem überkorrekten Anästhesiepfleger aufgefallen.
Wenn Du unter ständiger Aufsicht eines Eingewiesenen warst, weiß ich nun nicht, wo das Problem ist. :-nix

In guten Abteilungen gibt es zeitnahe Einweisung von neuen Mitarbeitern. Ich war erst auf alle Geräte eingewiesen, bevor ich auch nur einmal alleine im Saal war.

In meiner Pflegeausbildung haben wir die komplette Grundpflege am Modell geübt, bevor wir das erste Mal auf Station eingesetzt waren. Infusionen richten war im zweiten Jahr auch praktische Unterrichtseinheit.
"Einfach mal machen" hat nicht mit der professionellen Ausübung eines Berufs zu tun. Nur weil man sich selbst waschen kann, heißt das noch lange nicht, dass man sofort auch eine fremde Person waschen kann.
Sorry für Offtopic. . .

el suenio
02.06.2013, 16:19
Bedienst Du ein med-tech. Gerät ohne offizielle Einweisung falsch und ein Patient kommt zu Schaden hast Du Mitschuld, nicht nur der Arbeitgeber der Dich nicht eingewiesen hat...
Das ist mir schon klar, aber was bleibt mir denn anderes übrig? Natürlich werde ich von mir aus z.B. sicher keine Bolusgabe am Perfusor einstellen. Aber ich kann auch ganz schlecht jedesmal, wenn ein Infusomat auf einer onkologischen Station ein Geräusch von sich gibt, zu einer Schwester rennen. Da würde ich in 10 Minuten wahrscheinlich dreimal bei ihr stehen.

@el suenio: Genau das ist aber das Problem: Du darfst diese Geräte ohne Ausbildung höchstens unter Aufsicht bedienen.
Und die Einweisung kann es sowohl über die Schule als auch über die Station geben.
Richtig, ganz genau das ist das eigentlich Problem. Es müsste eine Einweisung geben, die es aber nicht gibt. In der Schule lernen wir eh nichts Brauchbares für die Praxis, schauen uns lieber ein paar Pflegetheorien an und dann steht man da und soll dieses oder jenes können. In der Schule gibt es also schon mal keine Einweisung und den meisten Stationen ist es ziemlich egal, was wir lernen, Hauptsache wir machen es. Eigentlich darf ich auch nur unter Aufsicht Infusionen anhängen und mach es trotzdem so und zweimal hab ich sogar über eine Butterfly Predni i.v. gespritzt, ohne dass jmd. geschaut hat. Wenn ich das alles ablehnen würde, dürfte ich im dritten Ausbildungsjahr wahrscheinlich immer noch nur Essen reichen und waschen. Sicher finde ich das auch nicht so toll, wenn ich keine Ahnung davon habe und es machen muss und sicher mach ich mir da echt meine Gedanken, ob es denn auch gut geht.

Das mit dem Vorüben von Waschen und Betten in der Schule halte ich für unsinnig. Wen wollt ihr denn da richtig waschen- euch gegenseitig?
Nein, natürlich nicht uns gegenseitig. Dafür haben wir ja Puppen in der Schule. Natürlich ist das was anderes, als wenn man es am Menschen übt, aber zumindest hat man es schon mal gemacht. Und betten kann man sehr sehr gut in der Schule üben. Ich erinner mich noch gut, wie dämlich ich mich mit diesem hässlichen Bettlaken angestellt habe. Das muss man auf Station nun wirklich nicht haben. Und vor allem weiß ich auch, dass an manchen Berufsfachschulen das Betten über einen Zeitraum von 3 Monaten immer wieder in der Schule geübt wird. Die Pat. denken immer, man könnte das professionell, aber in Wirklichkeit hat man es nie gelernt, sondern immer nur gemacht.

Die Stationen sollen euch ausbilden und nicht ausbeuten. Und dazu gehört eben auch die Ausbildung in Tätigkeiten, die man schlecht vorüben kann.
Ha, die zwei Sätze gefallen mir!!! Wie recht du doch hast! Das stimmt allerdings, aber das wissen die meisten Stationen nicht. Wie bereits geschrieben, erwarten die meisten, dass man mitarbeitet und nicht, dass sie es einem zeigen müssen. Ich hab mir auf meiner ersten Station wirklich keine Freunde gemacht, weil ich noch nichts konnte. Die waren permanent am Lästern, haben mich nur auflaufen lassen und mir gezeigt, was ich alles nicht kann. Aber nicht, dass mir mal jmd. geholfen hätte. Mittlerweile geht es echt gut, weil ich mir genug Sachen abschauen konnte oder hin und wieder engagierte Schwestern dabei waren, die einem mal was gezeigt haben.
Auch wenn das jetzt ziemlich außerhalb des Themas lag, wollte ich damit nur sagen, dass es auf pflegerischer Seite wirklich nicht so ist, dass man alles strukturiert nacheinander lernt und deshalb viel besser kann. Früher mag das vllt. so gewesen sein. Meine Tante ist Krankenschwester und die haben ewige Stunden mit Lerneinheiten wie "Betten" oder "Wäschelegen" verbracht. Aber heute zeigt einem das keiner mehr, entweder man kann es schon oder man guckt möglichst schnell zu, wie es die anderen machen und probiert es aus.

Leelaacoo
02.06.2013, 16:58
Wie man sieht...es ist irgendwie Glückssache, wo man was lernt...in meinem Pflegepraktikum durfte ich außer Essen verteilen und beim Waschen helfen nur in den "Fäki" (würg...allein das Wort) und dort die Bettpfannen sortieren quasi...schon RR messen war "zu invasiv" (wie lächerlich...).

Natürlich sollte man freundlich um Aufklärung uns Einweisung bitten, wenn man was nicht kann...da bricht keinem ein Zacken aus der Krone und nachdem ich erlbt habe, wie eine Kollegin im 4ten WBJ einen Katecholamin-Perfusor "entlüftet" hat (also mal ein paar ml Bolus gespritzt und den RR auf sportliche 270 mmHg getrieben hat...der Perfusor "fragt" nach dem Einspannen automatisch nach "Entlüften", das darf man natürlich nicht in dem Fall ;-) ) habe ich auf unserer ITS selbst versucht, die Ärzte rechtzeitig einzuweisen (allein die Organisation, an die Ersteinweiser-Sachen ranzukommen..bei der Pflege war das alles schön organisiert...bei mir meint der OA nur, schau doch in die Betriebsanleitung ;-) ) Auf unseren Bennett wurde ich erst nach 1 Jahr offiziell eingewiesen.

Was mir nur sauer aufgestoßen ist war die Formulierung des TE...etwas überheblich finde ich, deshalb wollte ich es näher erklären, wie es "dazu kommt".

abcd
02.06.2013, 17:18
@ el suenio
Ist es bei Euch nicht möglich bei der Medizintechnik des Hauses nach einer Einweisung in die entsprechenden Geräte zu fragen? Bei uns ist es üblich, dass eine Art Führerschein ausgestellt wird, in dem alle Einweisungen dokumentiert werden. Spätestens wenn Zertifizierungen anstehen, wird da immer genau drauf geschaut, wem was alles fehlt.

el suenio
02.06.2013, 17:53
@abcd: Das finde ich ja mal eine gute Idee mit dem "Führerschein". Wenn wir wieder Schule haben, werde ich mich erst mal konkret an die Lehrer wenden. Wenn die dann der Meinung sind, dass sie nicht dafür zuständig sind, frag ich bei der Medizintechnik nach. Vor kurzem haben mir Schwestern auf der Station erzählt, dass sie mal ein EKG schreiben sollten und keiner wusste, wie es geht. Die standen wohl zu dritt da und haben sich die kleinen Bildchen angeschaut, auf denen steht, wie man die Elektroden anlegen muss. Das finde ich ja ähnlich herrlich. Die meinten auch "Und die Patienten denken immer, wir könnten so was". Da hätte ich ausnahmsweise mal weiterhelfen können nach den ganzen EKG's, die ich in der Notaufnahme geschrieben habe, aber woher soll man es wissen, wenn es einem keiner zeigt.

WackenDoc
02.06.2013, 18:31
Normalerweise gibt es ein Heft (Größe ca. Din-C-6) wo alle Einweisungen in Medizingeräte rein gehören.
Die Eintragungen sind sogar sortiert nach Anwender, beauftragte und befugte Person.

Im Rahmen des QM sollte dann regelmäßig kontrolliert werden, ob die erforderlichen Einweisungen vorhanden sind. Und eigentlich gehört der Abgleich von vorhandenen und erforderlichen Einweisung auch in den Rahmen der Einarbeitung von Neulingen.

Und zu den Perfusoren: Wenn du keine offizielle Einweisung drauf hast, kann es dir- wie schon beschrieben wurde- passieren, dass du tatsächlich durch einen Bedienfehler z.B. einen Bolus gibst.
Wenn die keine Lust haben, dir ne Einweisung zu organisieren, werden die damit leben müssen, dass du alle 3 Minuten nachfragst.
Wenn was schief geht, wird nämlich keiner hinter dir stehen.

Moorhühnchen
02.06.2013, 19:11
Ich muß gerade mal schwer nachdenken..... ich bin nun seit einem Monat auf Intensiv und habe genau wie viel Einweisungen?? Hmmmmmm.......... :-?

Ehrlichgesagt bin ich ganz froh, daß ich immer nette Leute um mich rum hatte, die mir solche Sachen gezeigt haben wie System entlüften und was ich machen kann, wenn die Infusion mal net läuft. Das war aber mitnichten im Studium, das hab ich alles in den ersten Weiterbildungsjahren gelernt! Ich kann (oder konnte es zumindest mal) Schmerzpumpen selbst richten, die Pumpen einstellen und den Nervenstimulator bedienen (wow!! ;-)), weil das alles Dinge waren, die im letzten Haus die Pflege nicht machen durfte oder wollte. Hier wird das selbstverständlich NUR von der Pflege erledigt, so daß viele Kollegen es nicht können.

John Silver
02.06.2013, 20:03
Es ist nicht selten so, dass Vorgesetzte z.B. auf Intensivstationen sich nicht darum kümmern, einen in bestimmte Geräte oder Arbeitsschritte einzuweisen. Man sollte sich jedoch auf keinen Fall damit abspeisen lassen. Man bedenke, dass diese vermeintliche Kleinigkeit einen im Zweifelsfall in große Schwierigkeiten bringen kann; nämlich dann, wenn ein Problem auftritt, ein Patient zu Schaden kommt oder stirbt, und es zu einer Untersuchung kommt. Das kommt immer wieder vor, darüber sollte man keine Illusionen haben. Ich kann jedem nur raten, wichtige Einweisungen, bspw. in Beatmungsgeräte, Notfallwagen/-koffer, Defis, Perfusoren, Monitore etc., einzufordern, mit Nachdruck, wenn es sein muss. Im Ernstfall wird sich weder der Staatsanwalt noch der Richter mit der Erklärung zufrieden geben, man sei nicht eingewiesen worden, weil keine Zeit war, Unterbesetzung bestand oder sonstwas. Gleiches gilt für Operationsgeräte wie z.B. Stapler, Linearcutter etc.

Was den hier vorgestellten Fall betrifft, so hat sich die Kollegin sicher nicht korrekt verhalten. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die Art und Weise, in welcher sie auf ihren Fehler angesprochen wurde, neben dem berechtigten sachlichen Anteil auch eine gehörige Portion Herabsetzung und Blossstellung beinhaltete, was die "links-liegen-lassen"-Reaktion nach sich zog. Das ist (leider) das übliche Bild hierzulande. Es wird viel schwadroniert über Kommunikation und deren Ebenen, Formen und wasnichtnochalles. Alle Welt wird in Seminaren, Fortbildungen und Sitzungen entsprechend geschult. Alle wissen theoretisch bestens Bescheid. Wenn's jedoch zu einer entsprechenden Situation kommt, bleibt die Theorie leider grau, und von der Pflegeschülerin bis zum Chefarzt verfallen alle in die wohlbekannten Arschtrittmuster. So wie auch hier. Was ist die Reaktion? "Ja wie kann man denn nur so etwas nicht wissen!". Logisch, man weiß es selbst, und hat einen Grund, sich selbst indirekt zu loben, indem man einen anderen beschimpft. Cool, immer druff auf den Depp! Wenn man aber mal selbst in die Rolle des Deppen gerät (und das passiert jedem von uns, macht euch da bloß keine Illusionen), dann ist man ob der gleichen Reaktion, die man vorher so selbstverständlich anderen gegenüber gezeigt hat, tödlich beleidigt. "Ja wie kann man denn nur so unverschämt sein?!". Wie man unschwer erkennt, kann man das mit Leichtigkeit.

Diejenigen von euch, die immer dann, wenn sie einen Fehler beobachten, sich dazu berufen fühlen, gleich etwas zu sagen, und am Ende ein "aufreg" anzufügen, sollten bedenken, dass genau dieses Verhalten der Hauptgrund dafür ist, dass es in deutschen Krakenhäusern keine vernünftige Fehlerkultur gibt. Wenn man einen Fehler macht und gleich mit erniedrigenden Belehrungen in beleidigendem Ton dafür bestraft wird, fängt man automatisch an, sich zu rechtfertigen, Fehler abzustreiten oder zu ignorieren, oder man geht selbst zum Angriff über, den viele für die beste Verteidigung halten. Als Resultat hat man Null Einsicht seitens desjenigen, der den Fehler begangen hat; ferner hat man eine vergiftete Atmosphäre im Team; und zu allem Überfluss wurde nichts getan, um den Fehler in Zukunft zu vermeiden, was unweigerlich zu dessen Wiederholung führt. Supi, wa? Einfach mal cool bleiben, freundlich und sachlich. Klingt abgelutscht, aber offenbar können's trotz des vielen Lutschens nur die Wenigsten.

Absolute Arrhythmie
02.06.2013, 20:11
Da bin ich doch froh, dass ich examinierte GuK bin und wohl immer wissen werden, dass und wie man ne Infusion entlüftet, etc!