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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schmerzmedikaton nach Tonsillektomie



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NaddyB
18.07.2013, 11:55
Huhu

Dann ist das also eine spezielle Sache mit der Kombination von Tramadol und serotonergen Antidepressiva? Das würde bedeuten, dass Tilidin zumindest in dem Punkt weniger Kritisch ist.

Seine eigentliche Diagnose ist eine atypische Depression. Das "reaktionär aggressiv" leitet sich aus seiner Beschreibung ab, wie es ihm ohne das Moclobemid geht. Er beschreibt das u. A. so, dass er Leute, die sich ungerecht ihm (oder auch anderen) gegenüber verhalten, am liebsten vor das nächste Auto schubsen würde und ihnen das total lange nachträgt. Er tut das natürlich nicht, fühlt sich aber nicht gut dabei, weil "so einer bin ich eigentlich gar nicht" (so ähnliche Sachen kenne ich eigentlich nur von meinem Bruder, der ADHS hat).

Laut seinem Psychiater ist er sehr impulsiv, gleichzeitig aber auch sehr kontrolliert. Von daher wäre er natürlich einerseits ein Suchtkandidat (impulsiv), andererseits aber gerade wieder nicht (kontrolliert).

Jedenfalls meint der Chef, er hätte keine Angst, dass der Patient süchtig wäre. Jedenfalls so lange die verschriebene Menge mit der angegebenen Dosis übereinstimmt und die Dosis entsprechend dem Bild, das sich im Hals zeigt, gerechtfertigt scheint.
Ist zwar mit mittlerweile 4 Wochen post-OP recht lang, scheinbar sieht der Hals aber immer noch nicht wirklich gut aus.

Und wegen den Retard-Tabletten: Die kann doch jedes Kind zermörsern. Oder haben die ne Extraportion Naloxon innen in einem Kern drin, der sich normalerweise im Darm gar nicht auflöst?
Die schützen dann vielleicht davor, dass jemand neu abhängig wird, aber wenn einer eh schon unredardiertes braucht, hilft die Retardierung auch nicht mehr (außer bei Leuten, die zu doof zum Zerbröseln sind).

Liebe Grüße
Nadine

FUMANCHU
18.07.2013, 16:46
Retardierte nur deshalb, weil weniger schnell anflutend, weniger Kick und daher geringeres Suchtpotential. Naloxon ist in allem drin und kommt ja nur bei i.v Applikation zum tragen (von der postulierten positiven angeblichen Wirkung im Darm (weniger obstipation) abgesehen)

Hypnos
18.07.2013, 21:59
Naloxon ist in allem drin und kommt ja nur bei i.v Applikation zum tragen (von der postulierten positiven angeblichen Wirkung im Darm (weniger obstipation) abgesehen)

Die spielt - wenn überhaupt - nur beim Targin eine Rolle (eine sehr überschaubare Rolle:-)))

Hypnos
18.07.2013, 22:04
Und zum Thema Opioide:

Alte Mythen (in den 80ern):


alle werden abhängig

Toleranz tritt immer auf

Leistungsfähigkeit sinkt

hohe Dosen machen Atemdepression


Aber wir haben uns ja weiterentwickelt:-)

daher:

Neue Mythen (ab den 2000ern):


alle Schmerzen können durch Opioide beseitigt werden

Abhängigkeit tritt nie auf

Opioide haben keine Nebenwirkungen

jeder Arzt sollte Opioide verschreiben



Und wenn ich hier so manch ein Chefarzt-Zitat lese, wundert es mich nicht, warum Richard von Weizsäcker 2001 in seiner Berliner Rede forderte:
„Ich wünsche mir, dass Deutschland
bei der Schmerzforschung und bei der Schmerztherapie
so schnell wie möglich vorbildlich wird.
Das ist nun wirklich zutiefst human und im Interesse
eines jeden von uns.“

In diesem Sinne!
Hypnos

Hypnos
18.07.2013, 22:06
Und wegen den Retard-Tabletten: Die kann doch jedes Kind zermörsern. Oder haben die ne Extraportion Naloxon innen in einem Kern drin, der sich normalerweise im Darm gar nicht auflöst?
Die schützen dann vielleicht davor, dass jemand neu abhängig wird, aber wenn einer eh schon unredardiertes braucht, hilft die Retardierung auch nicht mehr (außer bei Leuten, die zu doof zum Zerbröseln sind).

Liebe Grüße
Nadine

Gibst ihm eben Jurnista® - dann braucht er ne Flex:-)

Evil
19.07.2013, 06:27
Bist Du etwa auf die Werbetricks der nicht näher genannten Firma Janssen hereingefallen? :-))

Hypnos
19.07.2013, 13:04
Bist Du etwa auf die Werbetricks der nicht näher genannten Firma Janssen hereingefallen? :-))
Möchte man meinen, gell?

Aber schau Dir mal die Halbwertsdauern und die Tmax-Werte beider Substanzen an, und dann diskutieren wir:-)

Grüße,
Hypnos

Evil
20.07.2013, 10:17
Können wir machen, wenn ich mal viel Zeit habe. Bis dahin sind die Werbetricks weniger ermüdend :-))

NaddyB
22.07.2013, 05:59
Huhu

Wegen dem Suchtpotenzial und Anfluten hat er ja auch empfohlen bekommen, beim Ausschleichen die Tropfenanzahl zu reduzieren, statt es weniger oft zu nehmen.
Er hatte aber trotzdem letzte Woche ein paar Probleme mit Übelkeit, weil er auf 4*25 Tropfen runter gegangen ist.
Bei 8*12 Tropfen war das dann auch wieder in Ordnung.
Schön, dass hier mal die Nebenwirkungen hilfreich dabei sind, Probleme zu vermeiden.


Nochmal was anderes zum Thema TE:
Wie seht Ihr den Nutzen einer Endokarditisprophylaxe bei einer TE?
Viele Zahnärzte geben ja Clindamycin, wenn es ein Bisschen blutig zugeht. Das wäre doch bei einer TE, die meistens dann errfolgt, wenn die Mandeln chronisch entzündet sind und ohnehin streubereit sind, sogar noch eher angezeigt, oder?

Liebe Grüße
Nadine

THawk
22.07.2013, 08:24
Wie jetzt, du fragst ernsthaft ob du allen Patienten mit einer TE eine Endokarditisprophylaxe mit Clindamycin verpassen sollst? Und du bist wirklich Assistenzärztin beim Allgemeinmediziner?

Es gibt keinerlei(!) Grund dies zu tun. Wirf doch bitte einen Blick in die aktuellen Leitlinien der kardiologischen Fachgesellschaften. Wenn ein Patient eine Endokarditis-Prophylaxe prinzipiell benötigt, dann braucht er sie allerdings auch für die TE (als Verletzung der Schleimhäute des oberen Respirationstraktes). Aber bitte nicht primär mit Clindamycin, sondern mit Amoxicillin. Clindamycin ist nur für Patienten mit Penicillin-Allergie ein mögliches Mittel.

NaddyB
22.07.2013, 08:50
Huhu

Sorry, ich hab wohl nur die Hälfte von dem geschrieben, was ich gedacht habe.

Ich bin ja auch der Meinung, dass (insbesondere bei Zahnärzten) viel zu schnell mit Clindamycin um sich geworfen wird. Gerade auch wegen dem Risiko einer pseudomembranösen Colitis (hab zwar nur einmal persönlich einen Fall außerhalb der stationären Behandlung erlebt, aber das war heftig genug).
Ist vielleicht in meinem Beitrag nicht so rüber gekommen.
Und auf dem flachen Land "lernt" man bei den Kollegen auch öfters Praktiken (kennen), die sich nicht so arg an den Leitlinien orientieren.

Außerdem hatte ich vergessen zu erwähnen, dass der Patient ein leicht verändertes Mitralklappengeräusch hat. Das aber schon seit 3 Jahren. Mindestens so lange hat er aber auch schon die chronische Tonsillitis.

Ich weiß auch nicht, ob er eine Endokarditisprophylaxe bekommen hat. Wir haben nur den OP-Bericht bekommen, da ist nichts vermerkt. Haben jetzt aber auch mal den Narkosebericht angefordert.

Mir war die Sache mit Endokarditis eben in den Kopf gekommen, weil bei der Übelkeit auch Schwindel und Schwächeanfälle nach Treppensteigen dazu kamen (Patient musste sich legen, blieb aber bei Bewusstsein).

Dann ist mir aber das mit dem Tilidin eingefallen und zumindest die Übelkeit ist durch die Vermeidung der Spitzen ja auch weg.

Naja, wenn er weiterhin Schwächeanfälle hat, soll er sich eh wieder melden.

Liebe Grüße
Nadine

THawk
22.07.2013, 13:55
Und? Habt ihr das Geräusch mal abklären lassen? Da wird aber auch nichts rauskommen was eine Endokarditis-Prophylaxe rechtfertigt (außer er hat mal eine gehabt, ein zyanotisches Vitium wird er ja nicht haben). Nochmal - schau dir mal die Patientengruppen an, die dafür in Frage kommen. Das ist vor einigen Jahren (ich glaube 2007) deutlich zusammengestrichen worden.

Hat er denn neben "Schwäche" auch Fieber oder andere klinische Zeichen der Endokarditis?

NaddyB
22.07.2013, 18:08
Huhu

Ich weiß, die Leitlinien sind geändert worden, so dass jetzt nur noch Patienten mit hohem Risiko eine Prophylaxe erhalten sollen.
Es geht ja auch nicht nur um die Prophylaxe an sich. Ich hatte mich halt gefragt, ob er eine bekommen hatte (oder hätte sollen), weil das ja auch etwas darüber sagt, inwieweit man auf eine Endokarditis besonders achten müsste.

Das Mitralklappengeräusch hat er wohl abklären lassen, bevor er zum Chef kam. "Die Klappe schließt nicht 100%ig dicht aber das wäre nichts, worüber er sich besondere Gedanken machen müsse".

Fieber hat er nicht. Zwar 37,5 in Ohr und Mund, aber das wäre durch die immer noch geschwollene und entzündliche Rachenregion erklärbar. Rektal wollte er nicht messen lassen, das macht er zuhause.
Petechien oder Ödeme hat er nicht.

Liebe Grüße
Nadine